Erzbischof Müller: „Gewisse Debatten überwinden“

Am Mittwoch hat der neue Präfekt der Glaubenskongregation auf der Bischofssynode gesprochen. Der deutsche Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, bis vor kurzem Bischof von Regensburg, wies darauf hin, dass die Neuevangelisierung die „Überwindung gewisser innerkirchlicher Debatten" erfordere. Hier der Redebeitrag der Erzbischofs:

„Wir alle leben in einer Welt, die sich täglich von "Neuigkeiten" nährt. Bei diesen vielen Neuigkeiten fragen wir uns, was nun das eigentlich Neue sei. Die Welt von heute, betäubt durch unzählige Veränderungen, bietet eigenlich keine Neuigkeiten, weil ihr Denken begrenzt ist und sie immer auf der Suche nach Emotionen ist, da sie von tausend Sachen belastet ist, die sie nicht wirklich zufrieden stellen. Man stellt sich deshalb die grosse Frage: wo ist wirklich die Neuigkeit? In dieser Hinsicht hören sich die Worte des Heiligen Irenäus von Lyon immer noch aktuell an: Christus "hat einzige Neuigkeit gebracht, indem er sich selbst brachte" (Adversus haereses, IV, 34, 1).In Ihm ist alles Neue enthalten.

Die Neuevangelisierung erfordert die Überwindung gewisser innerkirchlicher Debatten, in denen seit vielen Jahren immer wieder die gleichen Themen vorgeschlagen werden, damit der christliche Glaube in seiner Fülle und zeitlosen Aktualität erneut diskutiert werden kann. In dieser Fülle und Neuigkeit findet die Kollegialität zwischen den Bischöfen Zusammenhalt und Kraft zur Einheit, die jedoch nicht Vorwand für eine falsch verstandene Autonomie sein darf. Das II. Vatikanische Konzil lehrt, dass der Herr, "damit aber der Episkopat selbst einer und ungeteilt sei, (hat er) den heiligen Petrus an die Spitze der übrigen Apostel gestellt und in ihm ein immerwährendes und sichtbares Prinzip und Fundament der Glaubenseinheit eingesetzt" hat (LG 18). Die neue Evangelisierung muß auf diese Gemeinschaft zurückgreifen und sie wird nur Erfolg haben, wenn sie auf der Einheit der Bischöfe mit dem Nachfolger Petri und der Einheit zwischen ihnen gründet. Diese Einheit ist das Fundament, auf das der Herr seine Kirche baut.

Indem wir erneut vor Christus stehen, schöpfen wir für das Leben aus dieser Botschaft, die uns im tiefsten Inneren verändern kann. Es geht darum, den Glauben in unseren Herzen zu erneuern, darum "die Kirche in unseren Seelen wieder zu beleben" (R.. Guardini). Nur wenn wir selbst erneuert sind, können wir bei der Neuevanglisierung mitwirken. Die Kirche geht aus dem auferstandenen Christus hervor als Sakrament seiner Präsenz und seiner Einheit mit Gott und mit den Menschen (vgl .LG 1). Von ihm geht der Glaube der Kirche aus: ein immer neuer Glaube, auch wenn er zu allen Zeiten durch dieselben Gaben genährt wurde. Verwurzelt mit Christus und mit der Kirche, stützen wir uns auf den Glauben Petri, in dessen Umkreis wir jene sichere Einheit finden, die nicht von uns ausgeht und die nie endet (vgl. UR 4). Zu dieser Einheit gehören wir alle. Dieser Einheit wollen wir dienen "auf dass die Welt glaubt" Joh 17,21)." (rv)

Das „Jahr des Glaubens“ in der Weltkirche

Eine Antwort auf die Krise des Glaubens soll das von Benedikt XVI. initiierte „Jahr des Glaubens" sein, das der Papst am kommenden Donnerstag offiziell eröffnet. Zu dieser Glaubenskrise zählt der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung, Erzbischof Rino Fisichella, auch die so genannte „Vatileaks"-Affäre: „Wenn der Wunsch, die Kirche zu erneuern über die Schaffung von Skandalen erreicht werden soll, frage ich mich, wo das Glaubensleben des Einzelnen und der beteiligten Personen ist", so der Erzbischof am Dienstag bei einer Pressekonferenz, auf der er über die zur Eröffnung des Motto-Jahres informierte. Am Samstag war der ehemalige päpstliche Kammerdiener Paolo Gabriele wegen Diebstahls vertraulicher Vatikandokumente zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Dass das Jahr des Glaubens in Syrien ein „Jahr der Versöhnung" wird, hofft der griechisch-katholische Patriarch von Damaskus, Gregorius Laham III.. Die Rolle der Christen in der Region sei in diesem Kontext entscheidend, so der melkitische Geistliche im Gespräch mit dem Fides-Dienst. Die syrischen Christen fühlten sich als Teil der arabischen Welt, auch in der aktuell schwierigen Lage. Es müsse jetzt darum gehen, den Glauben zu vertiefen und die Werte des Glaubens – Religionsfreiheit, Solidarität und Menschenrechte – zu propagieren, so der Patriarch. Er hält sich in diesen Tagen zur Bischofssynode in Rom auf.

Wie kann der christliche Glaube in Vietnam gefestigt und gelebt werden? Diese Frage steht zu Beginn des Jahres des Glaubens auf der Tagesordnung der laufenden Herbstvollversammlung der Bischöfe in der sozialistischen Volksrepublik. Auch der apostolische Nuntius im Land, Leopoldo Girelli, ist bei den Beratungen anwesend. Neben verschiedenen Initiativen zum Motto-Jahr soll bei dem Treffen auch die Einrichtung einer theologischen Fachhochschule und eines Pilgerzentrums beim nationalen Marienwallfahrtsort von La Vang besprochen werden. Vietnams Verfassung sieht offiziell Religionsfreiheit vor, das christliche Leben wird aber streng kontrolliert. Jede religiöse Praxis, die als Kritik an der Regierung gesehen wird, kann verboten werden.

In Österreich erinnern die Diözesen am Donnerstagabend mit Glockengeläut an den 50. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils und die Eröffnung des Jahres des Glaubens. Dabei sollen in vielen Kirchen im gesamten Land auch die Kirchentüren weit offen stehen. Der freie Zugang soll als Hinweis auf das Wort von Johannes XXIII. am Vorabend des Konzils, „Öffnet die Fenster der Kirche!", verstanden werden. (rv)

Synoden-Telegramm: Von der Heiligen Schrift bis zu den Frauen in der Kirche

In welchen Formen kann Glaube vermittelt werden? Was heißt Neuevangelisierung in Asien? Welche Rolle spielen Frauen in der katholischen Kirche? Und wie kann Neuevangelisierung im ökologischen Bereich aussehen? Um diese Fragen ging es unter anderem auf der Sitzung der Synodenväter am Dienstagnachmittag im Vatikan.

Seit dem Postsynodalen Schreiben „Verbum Domini" erfreut sich die „Lectio Divina", die betende Meditation über Bibeltexte, unter Gläubigen immer größerer Beliebtheit. Darüber informierte der Präfekt der Bischofskongregation auf der Sitzung der Synodenväter am Dienstagnachmittag. Die Begegnung mit Gott in der Heiligen Schrift werde zudem in vielen Diözesen und Gemeinschaften durch Bibelanimationen, Bibellesungen oder Bibel-Mottojahre gefördert, lobte der kanadische Kardinal Marc Ouellet. Das Postsynodale Schreiben „Verbum Domini", in dem der Papst zur Glaubensvertiefung durch das regelmäßige Lesen der Heiligen Schrift propagiert, sei bis heute massenhaft verbreitet worden. „Verbum Domini" ist Frucht der Bischofssynode von 2008.

Neuevangelisierung in Asien heißt auch Lossagen von materiellem Besitzstreben und Rückbesinnung auf die Kraft des Glaubens. Daran hat mit Blick auf Armut und Materialismus in Bangladesch der Bischof von Rajshahi, Gervas Rozario, erinnert. „Die negative Bedeutung der Armut, wie sie von den Menschen in Asien erfahren wird, ist vor allem Ergebnis der unersättlichen Gier einiger Reicher und Mächtiger." Einfachheit, Demut, Glück und Solidarität hätten damit wenig zu tun, so der Geistliche. In dieser Botschaft liege eine Chance für Neuevangelisierung in Asien.

Zur Neuevangelisierung gehört auch eine gute Ausbildung des Klerus und der Laien. Darauf machte der Erzbischof von Paris, André Vingt-Trois, in seinem Redebeitrag aufmerksam. Es brauche nicht nur eine Bezeugung des Glaubens, sondern auch eine „Pädagogik der Kultur". Die säkulare Gesellschaft sei medial durchwirkt und zunehmend durch Emotionalität und nur augenblickliche Eindrücke bestimmt.

Der Grund, warum die katholische Kirche die Weihe von Frauen in das Priesteramt ausschließt, liegt im Lehramt. Die Kirche zweifelt nicht an den Fähigkeiten der Frauen, die ja numerisch innerhalb der Kirche insgesamt zwei Drittel ausmachen. Auch das haben die Synodenväter bei ihrer Sitzung am Dienstagnachmittag betont. Zugleich machten sie deutlich, dass eine Neuevangelisierung ohne Frauen in der katholischen Kirche, die sich anerkannt und ausgefüllt fühlen, gar nicht möglich sei.

Weiteres Thema am Dienstagnachmittag im Vatikan: Neuevangelisierung im ökologischen Bereich, will heißen die Erziehung zum Schutz der Schöpfung. Hier spielten die Kirchengemeinden eine große Rolle, sie sollten sich mit Blick auf einen Dialog zwischen Glauben und Kultur stärker vernetzen und im Bereich Umweltschutz und Nachhaltigkeit aktiv sein.

Am Mittwochabend wird auf der Bischofssynode zur Neuevangelisierung im Vatikan der anglikanische Primas von Canterbury, Erzbischof Rowan Williams, zu Wort kommen. (rv)

D/Vatikan: Neues Papstbuch auf Frankfurter Buchmesse

Das dritte Jesusbuch des Papstes wird bei der Frankfurter Buchmesse präsentiert. Das teilte der italienische Verlag Rizzoli zusammen mit dem vatikanischen Presseamt mit. Bei dem Band geht es um die Kindheit Jesu. In den kommenden Monaten soll es in 20 Sprachen erscheinen, teilte der Verlag am Dienstag in Rom mit. Bei der am Mittwoch beginnenden Messe in Frankfurt wolle das Verlagshaus, das die internationalen Rechte für dieses Werk besitzt, mit Verlagen aus 32 Ländern verhandeln. Das Buch sei auf Deutsch verfasst, so Rizzoli. Die italienische Ausgabe solle noch vor Weihnachten in Zusammenarbeit mit der vatikanischen Verlagsbuchhandlung erscheinen. Bereits vorpubliziert wurde das Vorwort des Papstes. Er schreibt: „Endlich kann ich das seit langem versprochene kleine Buch über die Kindheit Jesu in die Hände des Lesers legen." Ebenso wurden zwei Passagen des Buches bereits auf Italienisch veröffentlicht. Darin schreibt der Papst, dass es sich bei dem dritten Teil der Trilogie um eine Art „kleinen Vorraum" zu den beiden bereits erschienenen Teilen über die Gestalt und die Botschaft des Jesus von Nazareth handele. (rv)

Kardinal Meisner: Erstmal bei uns selbst anfangen

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner sieht sich selbst als „Synodenveteran": Vor genau 35 Jahren habe er zum ersten Mal eine Bischofssynode besucht, erzählte er am Dienstag vor Journalisten. Damals ging es um Katechese, und Meisner war Weihbischof von Erfurt.

„Wenn ich mal ein Resümee ziehen soll – ganz ehrlich, ich habe das auch in der Aula gesagt: Ich habe mir immer, bei jeder Synode, mehr erwartet, als was dann in der Praxis herauskam. Nun bin ich überzeugt, dass im Haushalt Gottes nichts verloren geht, was wir investiert haben an guten Gedanken, an Anstrengungen und auch an Geld. Mit Blick auf die Vorbereitungstexte der jetzigen Synode sage ich: Wir müssen uns davor hüten, unsere Bemühungen zu sehr nach außen zu richten, sondern vielmehr bei uns selbst anfangen! Wir müssen von einer Selbstsäkularisierung zu einer Selbstevangelisierung kommen."

Man sehe ja „kaum noch Ordensleute, die in der Öffentlichkeit als solche zu erkennen sind", führte Meisner aus: „Die haben sich alle selbst säkularisiert."

„Ich mache immer die Erfahrung, wenn ich in Köln auf dem Hauptbahnhof bin – ich fahr´ auch manchmal mit dem Zug – und eine Ordensfrau da stehen sehe: Die steht gar nicht lange alleine da. Da kommt eine Frau mit Kinderwagen, lässt den für eine Weile bei der Schwester und geht weiter; oder Männer lassen für einen Augenblick ihren Koffer bei ihr usw."

Die „Entsakralisierung" betreffe vor allem die katholische Liturgie, so Meisner, der in der Deutschen Bischofskonferenz für das Thema Liturgie verantwortlich ist.

„Das muss wieder die Feier des Mysteriums Christi sein, das mir Ausgangspunkt und Impuls ist, um draußen in der Gesellschaft wirklich Zeugnis zu geben für Jesus Christus!"

Auch bei „unseren enormen Werken der Caritas" müsse der katholische Charakter wieder erkennbarer sein. Und warum, so fragte der Kölner Kardinal, schicken wir „seelisch belastete Menschen" immer gleich weiter zum Psychologen? „Und das Bußsakrament?"

„Das ist doch wirklich der Gesundbrunnen, der die Menschen dynamisiert! Ich habe mich sehr gefreut, als heute im Lauf des Tages Erzbischof Dolan von New York gesagt hat, das Bußsakrament müsse zum Sakrament der Re-Evangelisierung werden. Wir müssen erst mal nach innen gehen, um dann nach außen dynamisch zu werden!"

Große Christen wie Mutter Teresa seien keine „großen theologisch-pastoralen Strategen" gewesen, sondern „Menschen, in denen etwas geglüht hat".

„Das Christentum hat sich ja bekanntlich nicht durch Propaganda weiterverbreitet, sondern durch Ansteckung und durch Berührung!"

Er wünsche sich von der Synode, „dass, wer mit uns in Berührung kommt, auch wirklich mit Jesus Christus in Berührung kommt", so Kardinal Meisner.

„Herr, erneuere deine Kirche – aber fang bei mir an!" (rv)

Synoden-Telegramm: Von Europas Laien bis zur Neuevangelisierung in Afrika

Viele europäische Länder sind von nationalistischen Tendenzen bedroht. Das hat der ungarische Primas, Kardinal Peter Erdö, am Montagnachmittag bei den Generalkongregationen während der Bischofssynode im Vatikan zu bedenken gegeben. Gerade in den Balkanländern sei diese Gefahr groß. Europa brauche hingegen eine Rückbesinnung auf seine Wurzeln, die allen europäischen Völkern gemeinsam seien. Deshalb sei die Wiederversöhnung zwischen den Völkern wichtig.

Nur mit Optimismus und Mut können die Herausforderungen in Europa und in der Welt angegangen werden. Davon ist der Dekan des Kardinalskollegiums, Angelo Sodano, überzeugt. In seinem Beitrag ging er am Montagnachmittag auf die Neuevangelisierung als Schlüssel für aktuelle Herausforderungen der Kirche ein: Die neue Evangelisierung wolle dabei nicht einfach „ein Slogan" oder „eine neue Kommunikationstechnik" sein, so Sodano. Sie sei vielmehr Orientierung für die Gläubigen.

Eine wichtige Stütze für die Neuevangelisierung sollen die katholischen Bewegungen und neuen Gemeinschaften sein. Das sagte Kardinal Stanislaw Rylko, Präsident des päpstlichen Laienrates, in seiner Rede. Die Kirche habe noch nicht auf die volle Kraft der Bewegungen zurückgegriffen, es gebe da noch ein großes Potential. Diese Gruppen seien oft ein verborgener Schatz und könnten mithelfen, die Neuevangelisierung konkret umzusetzen, so der polnische Kurienkardinal.

Für Afrika bedeutet Neuevangelisierung vor allem die Umsetzung der christlichen Botschaft im Alltagsleben. Dies betonte in seiner Wortmeldung der Erzbischof von Daressalam, Kardinal Polycarp Pengo. In den afrikanischen Ländern südlich der Sahara sei eine Unterscheidung zwischen Evangelisierung und Neuevangelisierung im Sinne einer Bestärkung im bereits vorhandenen christlichen Glauben schwer zu treffen. Afrika sei ein heterogener und komplexer Kontinent, deshalb brauche es eine klare und einheitliche Linie für die Gläubigen, so der Präsident des Rates der afrikanischen Bischofskonferenzen SECAM. Als Hindernisse für eine Vertiefung des Glaubens in Afrika nannte Pengo Effekte der Globalisierung wie die Verunsicherung der afrikanischen Identität durch einen Import „unverdauter fremder Werte" sowie kulturelle Faktoren: ethnische Konflikte, Korruption, Gewalt und auch den islamistischen Fundamentalismus. (rv)

Vatikan: Behauptungen zur Dombauhütte von St. Peter zurückgewiesen

Der Vatikan hat die Behauptung zurückgewiesen, in der Dombauhütte von St. Peter gebe es Misswirtschaft und Geldverschwendung. Ein entsprechender Bericht in der römischen Tageszeitung „Il Messaggero" sei „völlig uninformiert", teilte der Vatikan am Montag mit. Die Bilanzen der Dombauhütte seien von der Präfektur für wirtschaftliche Angelegenheiten stets geprüft und vom vatikanischen Staatssekretariat gebilligt worden. Die Zeitung hatte am Montag von einem angeblichen Dossier über Missstände in der Dombauhütte berichtet. Es soll laut der Zeitung Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone vorgelegt worden sein. Der Vatikan bestritt die Existenz eines solchen Schreibens. (rv)

„Krise ist Chance zur Neuevangelisierung“

Die Wirtschafts- und Finanzkrise in mehreren Teilen der Welt ist für die Kirche eine Chance zur Neuevangelisierung. Das sagt der Erzbischof von Hongkong, Kardinal John Tong Hon. In seiner Eröffnungsrede der Synode, deren delegierter Vorsitzender er ist, erinnerte er an eine Angstkrise in Hongkong vor der Rückkehr der Stadt unter die Souveränität von China 1997. Angesichts der Unsicherheit seien „auch nicht-praktizierende Katholiken auf der Suche nach einer geistlichen Unterstützung zur Kirche zurückgekehrt": „Und viele Gläubige nahmen an den Katechesen, Bibelkursen und theologischen Seminaren teil, um ihren Glauben zu vertiefen". Heute habe sein Bistum „mehr als tausend gut ausgebildete freiwillige Katecheten", so der einzige Kardinal auf dem chinesischen Festland. In diesem Jahr hätten mehr als dreitausend Erwachsene in der Osternacht die Taufe empfangen. Tong wörtlich: „Gottes Heilsplan ist wundervoll. Ich bin sicher, dass wir mit Glauben, Hoffnung und Liebe in unserem Evangelisierungsauftrag Erfolg haben werden!" (rv)

Eröffnung der Synode: „Die Vision ist verblasst“

„Die Neuevangelisierung ist kein Programm, sie ist eine Art, zu denken, zu sehen und zu handeln. Sie ist eine Art Linse, durch die wir die Möglichkeit sehen, das Evangelium erneut zu verkünden. Sie ist auch Zeichen für das Weiterwirken des Heiligen Geistes in der Kirche."

So definierte der Generalrelator – also der Berichterstatter – der Bischofssynode, der Washingtoner Erzbischof Kardinal William Donald Wuerl, das Projekt, dem sich die Vollversammlung der Bischofssynode ab diesem Montag in ihren Sitzungen widmet. In der von ihm lateinisch gehaltenen thematischen Eröffnung zeichnete er die Grundlinien vor, an denen entlang die Synode in den nächsten drei Wochen denken werde. Dabei griff er vor allem die beiden Vorbereitungsdokumente auf, die Lineamenta von 2011 und das Instrumentum Laboris von 2012.

Jesus ja – Kirche nein?

Kardinal Wuerl begann seine Überlegungen beim Träger der Verkündigung, der Kirche. Genau hier begännen schon die Probleme, die eine erneuerte Verkündigung des verblassenden Glaubens notwendig gemacht hätten.

„Was unseren katholischen Glauben heute auszeichnet, ist genau dieses Verständnis von der Kirche als fortdauernder Gegenwart Christi, dem Mittler von Gottes rettendem Eingreifen in unsere Welt, und der Kirche als Sakrament von Gottes heilsbringendem Handeln. (…) Die intellektuelle und ideologische Trennung von Christus und seiner Kirche ist ein erstes Faktum, mit dem wir bei dem Versuch einer Neuevangelisierung von Kultur und Menschen heute umzugehen haben."

„Jesus ja – Kirche nein", oder wahlweise „Gott ja – Kirche nein". So dächten auch nicht wenige Christen, führte Kardinal Wuerl aus. Der Zusammenhang von Jesu Leben und Sterben einerseits und seinem Auftrag für die Menschen andererseits werde von ihnen nicht mehr gesehen. Die Gründe dafür identifizierte Wuerl in den sich wandelnden Bedingungen der Kultur:

„Eine der Herausforderungen, die einerseits die Neuevangelisierung dringend macht und andererseits eine Barriere gegen sie bildet, ist der heutige Individualismus. Unsere Kultur und der Schwerpunkt in vielen Teilen der gegenwärtigen Gesellschaft heben den Einzelnen hervor und schätzen die für jede Person notwendige Bindung an andere gering."
Das schaffe die Rahmenbedingungen, denen sich Verkündigung heute gegenübergestellt sehe.

„Der dramatischen Veränderungen unterworfene gesellschaftliche Hintergrund für die Annahme, die Aneignung und das Leben des Glaubens ist der Kontext dieser Synode. Der Aufruf, den katholischen Glauben, die Botschaft des Evangeliums, die Lehre Christi erneut vorzuschlagen, ist gerade deshalb notwendig, weil wir so vielen Menschen begegnen, die diese Heilsbotschaft zwar gehört haben, für die diese Verkündigung aber jetzt schal geworden ist. Die Vision ist verblasst. Die Verheißungen scheinen leer zu sein oder keinen Bezug zum wirklichen Leben zu haben."

Das Erbe der 70er und 80er Jahre

Kardinal Wuerl blieb nicht abstrakt, er nannte konkret „Ross und Reiter" dieser von ihm diagnostizierten Veränderungen:

„Die gegenwärtige Situation hat ihre Wurzeln in den Umbrüchen der 1970er und 1980er Jahre, Jahrzehnte, in denen es offenkundig eine mangelhafte oder fehlerhafte Katechese auf vielen Unterrichtsebenen gab. Wir standen vor einer Hermeneutik der Diskontinuität, von der das Milieu der höheren Bildungszentren durchdrungen war und die sich auch in einer irrigen liturgischen Praxis widerspiegelte. Ganze Generationen wurden getrennt von dem System der Unterstützung, das die Glaubensweitergabe erleichterte. Es ist, als hätte sich der Einfluss der Säkularisierung wie ein Tsunami über die kulturelle Landschaft ergossen und wichtige Kennzeichen der Gesellschaft wie Ehe, Familie, den Begriff des Gemeinwohls und des objektiven ‚richtig’ und ‚falsch’ hinweggespült."

Zusätzlich zu dieser schwierigen Lage habe der Missbrauchsskandal die Krise der Verkündigung vertieft, so der Kardinal weiter. Er habe „dem Misstrauen gegenüber den Strukturen der Kirche Vorschub geleistet".
Das Ergebnis dieser Entfremdung, zu der laut Wuerl verschiedene Ursachen beigetragen haben: Ganzen Generationen von Katholiken seien die Grundgebete nicht mehr bekannt, sie wüssten nicht mehr um den Wert einer Teilnahme an der heiligen Messe und hätten den Sinn für Transzendenz und das Geheimnis des menschlichen Lebens verloren. Das habe dazu geführt, so der Geistliche weiter, dass ein großer Teil der Gläubigen schlecht darauf vorbereitet sei, mit der modernen Kultur umzugehen.

Aber nicht alles sei düster, betonte der Kardinal. Immer wieder habe es Aufbrüche gegeben und neue Suchbewegungen. Wuerl nannte hier vor allem die neuen geistlichen Gemeinschaften, die neuen kirchlichen Gemeinschaften und auch ganz allgemein die Suchbewegung, die man bei den nachwachsenden Generationen feststellen könne. Dort sei ein Vertrauen in die Botschaft Jesu spürbar. Diese Dynamik müsse die Kirche als Ganze aufgreifen, erinnerte der Kardinal – dies werde bislang häufig unterlassen.

„Leider haben wir erlebt, wie dieses Vertrauen nur allzu lange durch die Übernahme eines großen Teils des säkularen Wertesystems untergraben wurde, das sich in den vergangenen Jahrzehnten durchgesetzt hat als eine höherwertige und bessere Lebensweise als diejenige, die von Jesus, seinem Evangelium und seiner Kirche vorgeschlagen wird. Im schulischen und theologischen Bereich der Kultur, der die Hermeneutik der Diskontinuität widerspiegelt, wurde die Sicht des Evangeliums nur zu oft verdunkelt und eine sichere, überzeugte Stimme machte den Entschuldigungen Platz für das, woran wir festhalten und was wir glauben."

Mängel

Kardinal Wuerl nannte das das „Peinlichkeitssyndrom": Ein Herunterspielen der Botschaft, um in der Kultur der Moderne anzukommen, letztlich ein mangelndes Vertrauen in die Wahrheit des Glaubens. Das habe dann auch ganz konkrete Auswirkungen, die man benennen könne. Er nannte besonders Mängel in der Theologie:

„Da die Theologie Begriffe gebraucht, um unseren Glauben auszudrücken, der im Evangelium verwurzelt ist, sind die Grundlagen unseres Glaubens in Gefahr, wenn die Menschen mit dem begrifflichen Rahmen Schwierigkeiten haben. Säkularismus und Rationalismus haben eine Ideologie geschaffen, welche den Glauben der Vernunft unterwirft. Religion wird zu einer persönlichen Angelegenheit. Die Lehre in Glaubensangelegenheiten wird auf eigentümliche Auffassungen reduziert, ohne dass die Möglichkeit eines Anspruchs auf eine allgemein gültige Wahrheit besteht."

In einer vom Relativismus beherrschten Kultur hätten Begriffe wie Menschwerdung, Auferstehung, Erlösung, Sakrament und Gnade nur noch wenig Bedeutung.

„Es ist eine Versuchung für die Träger der Evangelisierung, und vielleicht auch für die Seelsorger, diese begrifflichen Hindernisse nicht in Angriff zu nehmen und statt dessen unsere Aufmerksamkeit und Energie auf eher soziologische Notwendigkeiten oder pastorale Initiativen zu lenken. Oder sogar eine Wortfindung jenseits unser eigenen Theologie zu betreiben."

Wie ist alldem zu begegnen? Durch den Einsatz von Menschen. Wie schon beim Kongress zum Thema Neuevangelisierung im Vatikan von einem Jahr deutlich wurde, betonte auch Kardinal Wuerl die Zentralität der Evangelisatoren, also der Menschen, die die Träger der Verkündigung Jesu sind.

„Unter den Qualitäten, die heute vom Träger der Evangelisierung erwartet werden – und es gibt von denen viele, die man identifizieren kann – ragen vier heraus: Kühnheit und Mut, die Bindung an die Kirche, das Gefühl der Dringlichkeit und die Freude."

Aber auch in inhaltlicher Hinsicht gebe es eine Stärke, die man nicht vernachlässigen dürfe: Das Bemühen um soziale Gerechtigkeit, dass immer integraler Bestandteil der Verkündigung sei.

„Wenn wir heute die Themen betrachten, die diejenigen einladen, die sich von der Kirche entfremdet haben, so kann es uns ermutigen, dass so viele junge Leute den Wunsch verspüren, in den Dienst der Kirche einbezogen zu werden. Für sie stellt die Lehre der Kirche über soziale Gerechtigkeit sowohl eine Offenbarung als auch eine Einladung zu einem erfüllteren Leben innerhalb der Kirche dar."

Soweit die einleitenden Worte von Kardinal Wuerl zur Bischofssynode – ein inhaltlicher Aufschlag und die große Linie, der die Gedanken und Diskussionen an diesem Montag und während der gesamten Synode folgen werden. (rv)

Rom: Theologinnen-Konferenz zum Zweiten Vatikanum

Das Zweite Vatikanische Konzil hat die katholische Kirche grundlegend beeinflusst. Zum 50. Jahrestag am 11. Oktober werfen nun Theologinnen in diesen Tagen ihren eigenen Blick auf das Vatikanum – mit einer Konferenz im Rom, die an diesem Samstag zu Ende geht. Zur Konferenz des italienischen Theologinnenverbands CIT mit dem Titel „Theologinnen lesen das Zweite Vatikanum neu" sind vor allem Frauen aus mehr als 20 Ländern in die ewige Stadt gereist. Die junge Theologin Stefanie Knauss erinnert an die epochale Wandlung, die mit dem Zweiten Vatikanum einhergegangen sei:

„dass es nun für Frauen möglich war, Theologie zu studieren. Das war ja vorher nicht möglich. Frauen konnten in den Vorlesungen zuhören, aber keine Abschlüsse machen. Insofern hat das Vatikanum überhaupt erst Theologinnen geschaffen."

Kritisch merkt sie allerdings an, dass Frauen im theologischen Bereich auch heute noch eine schwierige Position hätten. Auf dem Kongress erleben die Teilnehmerinnen jedoch durchaus eine positive Atmosphäre. Aurica Nutt, Theologin an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, berichtet:

„Ich finde schon beeindruckend, welche Dynamik das Ganze aufgenommen hat, wie viele Theologinnen es gibt, wie vielseitig mittlerweile geforscht wird. Das Feld ist eigentlich gar nicht mehr zu überblicken. Vor 20 Jahren wussten die Theologinnen so ungefähr, was alle anderen machen, das geht heute überhaupt nicht mehr. Und dass es so eine starke europäische Vernetzung gibt und auch ein hohes wissenschaftliches Niveau, sind sehr erfreuliche Früchte des Konzils und dieser Öffnung des Theologiestudiums für Frauen."

Sie wünsche sich für die Zukunft, dass die Arbeit der Theologinnen noch mehr Anerkennung erfahre, denn das wissenschaftliche Nachdenken der Frauen über Theologie geschehe doch aus einer tiefen Loyalität zum Glauben:

„Es ist der Versuch, die Glaubensinhalte in unsere heutige Zeit zu übersetzen, in die Realität von Männern und Frauen in ihrer ganzen Vielfalt. Das ist nichts Gefährliches, sondern etwas ganz Wunderbares, dass wir eine theologische Tradition der Debatte und der Auseinandersetzung haben. Wir sind nicht bedrohlich, sondern wir wollen gerne unseren Beitrag leisten – und machen das aus Liebe zu dieser Kirche."

Die Konferenzteilnahme beschränkt sich allerdings keinesfalls nur auf Frauen: Der Moraltheologe Antonio Autiero ist im wissenschaftlichen Vorbereitungskomitee und Mitorganisator des Treffens. Ein wichtiges Ziel der Konferenz ist seiner Meinung nach:

„Selbstwahrnehmung dessen, was für die Frauen in diesen Jahrzehnten möglich geworden ist. Das ist eine sehr wichtige Aufgabe, auch grade im Zusammenhang mit der Konferenz. Es geht darum, zu begreifen, was die Frauen in der Theologie in diesen Jahrzehnten haben erreichen können. Gleichzeitig ist das auch eine Art Bilanz der Defizite und Verzögerungen, die es doch in diesen Jahren gab. Es ist nicht alles zustande gekommen, was hätte zustande kommen können. Wir wollen eine Bilanz der Vitalität des Konzils – aber auch der verpassten Gelegenheiten ziehen."

Als Beispiel für solche vergebenen Chancen nannte Autiero Themen, die in der Konferenz zur Sprache gekommen seien, wie beispielsweise die umstrittene Akzeptanz von Genderfragen in Stellungnahmen des Lehramtes der vergangenen Jahre. Die Frauenfrage sei zeitweise sogar eher zum Stillstand gekommen. Für die Zukunft wünsche sich der Theologe deshalb eine stärkere Zusammenarbeit und Vernetzung der Frauen, auch über nationale Grenzen hinweg. (rv)