�ber den Monats-Link gelangen Sie zu den News des jeweiligen Monats im Jahr 2009.

Alle mit “rv” gekennzeichneten Berichte und Nachrichten, mit freundlicher Genehmigung von “Radio Vatikan” in Rom.

zu Radio Vatikan

 

 

1/2009

 

 

03.01.09

Papst Benedikt XVI. hat den Mainzer Kardinal Karl Lehmann in den P�pstlichen Medienrat berufen

Lehmann geh�rt schon zu mehreren Vatikan-Einrichtungen, u.a. zur wichtigen Kongregation f�r die Bisch�fe sowie zum P�pstlichen Einheitsrat. (rv)

 

 

04.01.09

Vatikan: Ausblick auf das Jahr des Papstes

2009 - das Jahr Afrikas. Papst Benedikt XVI. und der Vatikan werden sich in diesem Jahr besonders mit den Bed�rfnissen dieses Kontinents befassen. Das sollte Ansporn sein f�r viele, meint Vatikansprecher Pater Federico Lombardi. Sein Ausblick auf das Jahr 2009 des Papstes in diesem Beitrag von Stefan Kempis:
F�r die gro�e Welt da drau�en war 2008 vor allem das Jahr der Finanzkrise – d�ster wie selten zuvor sind denn auch die Prognosen f�r das neue Jahr. Benedikt XVI. wird 2009 in einer seit langem erwarteten Sozialenzyklika wohl auch zu dieser Krise Stellung nehmen. Lombardi meint:

�Mir scheint es interessant, dass alle, ob gl�ubig oder nicht, sehr schnell begriffen haben, dass an der Wurzel dieser Wirtschaftskrise ethische Komponenten stehen. Es hat da eine Suche nach Reichtum �ber eine Finanzdynamik gegeben, die von der Produktion und der wirklichen Arbeitsleistung abgekoppelt war: Daf�r wird nun die Rechnung pr�sentiert. Der Papst kommt h�ufig auf dieses Argument zur�ck; das zeigt nicht nur seine Anteilnahme an den Leiden und Schwierigkeiten, die so viele Menschen jetzt wegen dieser Krise durchmachen, sondern weist auch auf die Tatsache hin, dass die Wirtschaft umgebaut werden muss, um menschenw�rdiger und solider zu werden, um also mehr R�cksicht auf die Bed�rfnisse des Menschen und seiner W�rde zu nehmen. Und darum braucht die Wirtschaft – so betont der Papst – grundlegende Werte: f�r eine gleiche, solidarische, gerechte Entwicklung f�r alle.“

Im Jahr 2009 wollte Papst Benedikt eigentlich ins Heilige Land reisen; die Medien spekulierten in letzter Zeit schon �ber ein Datum, im Gespr�ch war der Mai. Die Bomben von Gaza in den Tagen nach Weihnachten zeigen aber, wie prek�r solche Planungen sind. Pater Lombardi:

�Es ist offensichtlich, dass da verschiedene Punkte, bei denen Erwartungen geweckt werden, im Moment noch problematisch sind; man sollte eher etwas vorsichtig sein, wenn man auf dieses beginnende Jahr blickt.“

Sicher ist hingegen, dass der Vatikan im Jahr 2009 aufmerksam nach Afrika blicken wird. Nicht nur wegen der wichtigen Wahlen in S�dafrika, sondern auch, weil Benedikt im M�rz nach Kamerun und Angola reisen will und im Herbst dann eine bisch�fliche Sondersynode f�r Afrika in Rom zusammentritt.

�Die Leiden so vieler V�lker Afrikas sind gro�: Erschreckende Massaker an Armen oder Hungersn�te wie im Moment in Simbabwe... Was k�nnen wir tun, um solche dramatischen Situationen k�nftig zu verhindern? Es geht darum, dass ein Kontinent mit gro�em Potential und gro�em Reichtum an Ressourcen – nicht nur materiellen, sondern vor allem menschlichen Ressourcen – endlich seinen Beitrag leisten kann f�r die Menschheit und die Kirche von heute und morgen. Das Engagement des Papstes gibt uns ein Beispiel: Wir alle sollten 2009 auf diesen Kontinent schauen!“ (rv)

 

 

12.01.09

Vatikan: Kardinal Laghi verstorben

Der italienische Kurienkardinal Pio Laghi (86) ist tot. Er starb nach Angaben des Vatikan in der Nacht zum Samstag in einem r�mischen Krankenhaus. Der Vatikandiplomat war zuletzt Pr�fekt der Bildungskongregation von 1990-1999. Zuvor vertrat er den Heiligen Stuhl u.a. als Delegat in Israel und den USA. Laghi hatte noch am Papstempfang f�r die r�mische Kurie vor Weihnachten teilgenommen. - Die Beerdigung findet am Dienstag um 11 Uhr in der Petersbasilika statt. Geleitet wird das Requiem vom Kardinaldekan Angelo Sodano. Papst Benedikt XVI. wird die Aussegnung vornehmen. - Von 1991 bis 1999 war Laghi Pr�fekt der Kongregation f�r das katholische Bildungswesen und damit f�r die wissenschaftliche Aus- und Fortbildung der rund 400.000 Priester weltweit sowie f�r die katholischen Universit�ten und theologischen Hochschulen zust�ndig. - Nach Laghis Tod z�hlt das Kardinalskollegium 190 Mitglieder. Von diesen sind 116 j�nger als 80 Jahre und d�rften somit an einer Papstwahl teilnehmen. - Der am 21. Mai 1922 in der Emilia Romagna geborene Laghi begann nach Promotion und Ausbildung an der p�pstlichen Diplomatenakademie seine Karriere 1952 als Sekret�r an der Nuntiatur in Nicaragua. Eine erste gro�e Herausforderung war 1969 der Dienst als Apostolischer Delegat in Jerusalem nach dem Sechs-Tage-Krieg. Ab 1974 bekleidete er den Botschafterposten in Argentinien zur Zeit der Milit�rjunta; 1980 ging er als Apostolischer Delegat in die USA. 1990 wechselte Laghi in die r�mische Kurie. Dort war er zun�chst Pro-Pr�fekt und nach seiner Kardinalserhebung 1991 Pr�fekt der Bildungskongregation. 2001 entsandte Papst Johannes Paul II. den damals 79-J�hrigen nach Israel und zu den Pal�stinenserbeh�rden, um eine pers�nliche Botschaft des Papstes zu �berbringen und beide Seiten zur Wiederaufnahme von Friedensgespr�chen zu ermutigen. (rv)

 

 

22.01.09

Patriarch Stephanos II. Ghattas verstorben

Der fr�here koptisch-katholische Patriarch Stephanos Ghattas ist an diesem Dienstag im Alter von 89 Jahren in Kairo verstorben. Er war im Jahr 2006 als Altersgr�nden von seinem Amt zur�ckgetreten. Papst Johannes Paul II. hatte Ghattas im Jahr 2001 zum Kardinal berufen. Vor seiner Berufung ins Bischofsamt war Ghattas Professor f�r Philosophie und Theologie gewesen. Mit seinem Tod hat das Kardinalskollegium noch 189 Mitglieder, von denen 116 berechtigt sind, in einem Konklave den n�chsten Papst zu w�hlen.

 

 

24.01.09

Vatikan: Exkommunikation aufgehoben

Erzbischof Marcel Lefebvre

Papst Benedikt XVI. hat die Exkommunikation der vier Bisch�fe der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. aufgehoben. Ein entsprechendes Dekret des Pr�fekten der Bischofskongregation, Kardinal Giovanni Battista Re, hat der Vatikan an diesem Samstag bekannt gegeben. Der Papst reagiere damit auf ein entsprechendes Gesuch des Generalsuperiors der Gemeinschaft, hei�t es darin.
Bischof Bernard Fellay hatte sich am 15. Dezember 2008 neuerlich an die P�pstliche Kommission �Ecclesia Dei” gewandt, die f�r die Auss�hnung mit traditionsorientierten Gruppen zust�ndig ist. In diesem Schreiben versicherte der Pr�lat auch im Namen der �brigen drei Bisch�fe der Gemeinschaft, Bernard Tissier de Mallerais, Richard Williamson und Alfonso de Galarreta, �alle unsere Kr�fte in den Dienst der Kirche Unseres Herrn Jesus Christus zu stellen, die die katholische Kirche ist”, ihre Lehren zu akzeptieren und an den Primat Petri und seine Vorrechte zu glauben.
Die Exkommunikation der Bisch�fe der Piusbruderschaft bestand seit 21 Jahren. Die vatikanische Bischofskongregation hatte sie am 1. Juli 1988 festgestellt, einen Tag nach der unerlaubten Weihe der Bisch�fe durch den Gr�nder der Bruderschaft, Erzbischof Marcel Lefebvre. Dieser argumentierte in der Folge, er habe aus einer Notlage heraus gehandelt, um den Glauben der Kirche zu bewahren.
Benedikt XVI. habe beschlossen, die kirchenrechtliche Situation der Bisch�fe zu �berdenken, weil er ihrem �spirituellen Unbehagen” infolge der Strafe der Exkommunikation mit �v�terlicher Einf�hlsamkeit” begegne, hei�t es in dem Dekret. Auch glaube er ihren schriftlichen Versicherungen, mit den Autorit�ten des Heiligen Stuhles ernsthaft �ber die bestehenden Differenzen reden zu wollen, um �bald zu einer vollen und zufrieden stellenden L�sung des zugrunde liegenden Problems” gelangen zu k�nnen.
Mit der Aufhebung der Exkommunikation wolle man den Beziehungen zu der Bruderschaft �Stabilit�t geben”. Dieses �Geschenk des Friedens” zum Ende der Weihnachtszeit solle auch ein Zeichen sein, die �Einheit in der Barmherzigkeit der Universalkirche” zu f�rdern und �den Skandal der Spaltung” zu �berwinden, hei�t es in dem Dokument.(rv)

 

 

24.01.09

�Holocaust-Leugnung inakzeptabel”

 

Die �u�erungen des britischen lefebvrianischen Bischofs Richard Williamson zum Holocaust sind �in keiner Weise akzeptabel”. Das sagte Vatikansprecher P. Federico Lombardi am Tag der Ver�ffentlichung des Dekrets, das die Exkommunikation der vier Bisch�fe der Piusbruderschaft – darunter Williamson - aufhebt. Williamson hatte in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehsender SVT bestritten, dass die Nationalsozialisten sechs Millionen Juden ermordet haben. Die R�cknahme der Exkommunikation durch Papst Benedikt XVI. stehe aber mit den �u�erungen des Traditionalistenbischofs in keinem Zusammenhang, stellte Lombardi klar. Die Aussagen des Bischofs waren auf breite Kritik gesto�en. Auch die Staatsanwaltschaft im deutschen Regensburg ermittelt in dieser Angelegenheit. Der Obere der lefebvrianischen Piusbruderschaft in Stuttgart, Franz Schmidberger, lie� nach Bekanntwerden des Interviews auf der Website der Priesterbruderschaft verlauten, �dass f�r �u�erungen, wie sie Bischof Williamson angeblich gemacht hat, nur der Urheber selber verantwortlich ist und diese nicht die Haltung der Priesterbruderschaft St. Pius X. widerspiegeln”. Bischof Bernard Fellay, der Obere der Priesterbruderschaft St. Pius X., stellte in einem Schreiben an den schwedischen Sender klar, dass es sich um eine �Privatmeinung” Williamsons handle, und kritisierte das Vorgehen der Redaktion, den Bischof zu historischen Themen zu befragen. (rv)

 

 

27.01.09

Vatikan: Programmpunkte f�r Afrika

Papst Benedikt XVI. bereist von 17. bis 23. M�rz 2009 Kamerun und Angola. Der Heilige Stuhl best�tigte an diesem Montag die genauen Daten und gab erste Eckpunkte des Programms bekannt.
Demnach fliegt der Papst am Dienstag, den 17. M�rz um 10 Uhr nach Yaound�, der Hauptstadt Kameruns, wo er um 16 Uhr erwartet wird und noch am Flughafen eine Begr��ungsrede h�lt. Tags darauf stattet er dem Pr�sidenten der Republik einen H�flichkeitsbesuch ab und trifft sich im Anschluss mit den Bisch�fen Kameruns in der �rtlichen Christk�nigs-Kirche. In der Nuntiatur, wo der Papst – wie gew�hnlich auf seinen Reisen, soweit sie Hauptst�dte ber�hren – auch n�chtigen wird, findet ein gemeinsames Mittagessen mit den Bisch�fen statt. Es folgt eine Vesper mit Priestern, Ordensleuten und Vertretern anderer christlicher Kirchen. Auch dabei wird Benedikt eine Ansprache halten.
Am Donnerstag steht in der Nuntiatur ein Treffen mit Vertretern der Muslimischen Gemeinschaft Kameruns auf dem Programm. Danach begibt sich der Papst in das Fu�ballstadion der Hauptstadt (Fassungsverm�gen: 70.000 Zuschauer) zu einem gro�en Gottesdienst, mit dem auch die Ver�ffentlichung des �Instrumentum Laboris“ f�r die II. Afrika-Bischofssynode im Herbst 2009 feierlich begangen wird. Am Nachmittag besucht Benedikt Kranke im kirchlichen Pflegezentrum �Kardinal Paul-�mile L�ger“ und h�lt dabei eine Rede. Zur�ck in der Nuntiatur geht es weiter mit Ausblicken auf die Afrika-Synode: Der Papst spricht zu den Angeh�rigen des Vorbereitungskomitees, die auch zum Abendessen bleiben.
Am Vormittag des 20. M�rz bricht der Papst mit dem Flugzeug nach Luanda, in die Hauptstadt Angolas, auf. Nach dem H�flichkeitsbesuch beim Pr�sidenten der Republik ist ein Treffen mit politischen Autorit�ten und mit Vertretern des diplomatischen Korps anberaumt. Am Abend widmet sich Benedikt den Bisch�fen Angolas und Sao Tom�s.
Zwei Begegnungen mit dem Papst h�lt der Samstag bereit: Am Vormittag feiert Benedikt eine Messe mit den Bisch�fen, Priestern, Ordensleuten, kirchlichen Bewegungen und Katecheten des Landes in der Kirche Sao Paolo in Luanda. Am Nachmittag trifft er sich mit Jugendlichen im Coquerios-Stadion von Luanda.
Bei der gro�en Freiluft-Messe am Sonntag auf dem Cimangola-Feld in Luanda werden die Bisch�fe der �Versammlung der Interregionalen Assoziation der Bisch�fe des S�dlichen Afrika“ (IMBISA) konzelebrieren. Mit katholischen Frauenverb�nden trifft sich Benedikt Sonntagnachmittag in der Pfarrei Santo Antonio in Luanda. Montagvormittag geht es f�r das Kirchenoberhaupt wieder zur�ck nach Rom. Die Abschiedszeremonie auf dem Flughafen von Luanda ist f�r 10 Uhr eingeplant, die Ankunft in Rom-Ciampino f�r 18 Uhr. (rv)

 

 

31.01.09

Vatikan: �Nichts gewusst“

Bis zum letzten Moment habe der Vatikan �absolut nichts“ von der Holocaust-Leugnung des britischen Lefebvre-Bischofs Richard Williamson gewusst. Dies sagte der Pr�sident der P�pstlichen Kommission �Ecclesia Dei“, Kardinal Dar�o Castrill�n Hoyos, am Donnerstag gegen�ber der italienischen Tageszeitung �Corriere della Sera“. Hoyos hatte die Verhandlungen mit den Lefebvrianern vor der Aufhebung der Exkommunikation gef�hrt. Bei Bekanntwerden des Interviews mit Williamson sei das Dekret bereits an die Lefebvre-Bisch�fe �berreicht gewesen, so der Kurienkardinal.
Unterdessen legte Vatikansprecher P. Federico Lombardi nochmals dar, dass eine Leugnung der Shoah v�llig inakzeptabel sei. �Wer die Shoah leugnet, wei� nichts vom Geheimnis Gottes“, sagte Lombardi in seinem Editorial f�r Radio Vatikan. Von dieser erschreckenden �Demonstration der Macht des B�sen“ werde der Glaube an die Existenz Gottes herausgefordert. Umso schwerwiegender sei es, so Lombardi, wenn die Holocaust-Leugnung aus dem Munde eines Priesters oder Bischofs komme.

�Der Papst hat in der j�ngsten Generalaudienz die tiefgehende Betrachtung anl�sslich seines Besuchs im Konzentrationslager Auschwitz wieder aufgenommen. Er hat nicht nur jede Form des Vergessens oder der Leugnung der Trag�die der Vernichtung von sechs Millionen Juden verurteilt, er hat gleichzeitig an die dramatischen Fragen erinnert, die diese Ereignisse an das Gewissen eines jeden Menschen und jedes Gl�ubigen stellen.“

Der Papst habe nach dem �Warum?“ gefragt, nach dem Grund f�r das scheinbare Schweigen und die Abwesenheit Gottes.

�Mit diesem doppelten Geheimnis konfrontiert - die schreckliche Gewalt des B�sen auf der einen und die scheinbare Abwesenheit Gottes auf der anderen Seite ist die letzte Antwort des christlichen Glaubens die Passion des Sohnes Gottes. … Wir k�nnen und d�rfen diese Fragen nicht meiden und noch weniger sie leugnen. Unser Glauben ist sonst tr�gerisch und leer.“ (rv)
 

Deutschland: Zollitsch und M�ller ver�rgert
Wenn der britische Traditionalistenbischof Richard Williamson zur katholischen Kirche geh�ren will, m�sse er seine �u�erungen zum Holocaust zur�cknehmen und sich entschuldigen. Das sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Donnerstag vor Journalisten. Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch bedauerte bei einem Besuch der Synagoge in Mannheim zugleich, dass sich der Vatikan vorab offenbar nicht besser �ber Williamson informiert habe. Mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland wolle er weiter Kontakt halten, sagte Zollitsch nach der Ank�ndigung der Zentralratsvorsitzenden Charlotte Knobloch, unter solchen Voraussetzungen k�nne es derzeit keine Gespr�che geben. Eine Entschuldigung des Holocaust-Leugners reiche nicht aus, erkl�rte Knobloch an diesem Freitag in M�nchen. Der Zentralrat erwarte jetzt ein �klares Signal aus dem Vatikan“.
Zollitsch:

�Ich verstehe die Entt�uschung von Charlotte Knobloch. Doch ich pers�nlich bin von meiner Geschichte her ein Mensch, der prinzipiell nie Br�cken abbricht. Ich versuche vielmehr neue Br�cken zu bauen. Deshalb werde ich von meiner Seite versuchen, Br�cken zu bauen.“

Auch der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig M�ller verteidigt den Papst: Die Aufhebung der Exkommunikation gegen den Traditionalisten-Bischof habe nichts mit dessen skandal�sen �u�erungen zu tun, sagte er dem K�lner Domradio.

�Ich bin ver�rgert, dass man nun den Papst kritisiert und nicht die Worte Williamsons. Denn es ist ganz klar, dass der T�ter dieser Geschichte Williamson ist und nicht der Papst. Es ist ein ungl�cklicher Zufall von zwei voneinander unabh�ngigen Vorg�ngen. Wenn man die Kaltschn�uzigkeit sieht, mit der Williamson �ber das Leiden von Millionen von Menschen – Kindern und Erwachsenen – sprach, dann steigt die Zorneswut hei� ins Gesicht. Es ist einfach unertr�glich, dass jemand der – wenn auch illegal – zum Bischof geweiht worden ist und somit Nachfolger der Apostel und Verk�ndiger des Evangeliums ist, eine solche unglaubliche Position vertritt.“ (rv)
 

Kirchenrechtler �ber Piusbruderschaft: �Zum Teil sehr anma�ende T�ne“
�Meine Rechtsauffassung ist, das die vier Bisch�fe weiterhin suspendiert bleiben“. Das sagte der M�nchner Kirchenrechtsprofessor Pater Stephan Haering OSB im Interview von Radio Vatikan. Seiner Einsch�tzung nach muss die Piusbruderschaft jetzt nicht nur theologische Kl�rungen mit dem Vatikan suchen, sondern dabei auch ihren anma�enden Ton �ndern. (rv)

 

nach oben > >

 

 

2/2009

 

 

02.02.09

Kardinal Kasper sieht �Fehler im Management der Kurie”

Der Vatikan-Verantwortliche f�r das Gespr�ch mit anderen christlichen Konfessionen und mit dem Judentum beklagt mangelnde Kommunikation im Vatikan, was die Exkommunikation von Lefebvre-Bisch�fen betrifft. �Man hat da vorher im Vatikan zuwenig miteinander gesprochen und nicht abgecheckt, wo die Probleme auftreten”, meinte Kardinal Walter Kasper im Gespr�ch mit Radio Vatikan. Von Moskau aus, wo er an den Feiern zum Amtsantritt des orthodoxen Patriarchen Kyrill teilgenommen hat, sagte Kasper am Montag, er sehe die derzeitige Debatte �mit gro�er Besorgnis”. Im �Management der Kurie” seien Fehler gemacht worden.
Gegen�ber Radio Vatikan sagt Kardinal Kasper:

�Ich beobachte die Debatte mit gro�er Besorgnis: Niemand kann sich dar�ber freuen, dass Missverst�ndnisse aufgetreten sind. Es sind sicher auch Fehler gemacht worden im Management der Kurie – das will ich ganz ausdr�cklich sagen. Aber in der Substanz hei�t die Aufhebung dieser Exkommunikationen ja nur, dass man sozusagen ein Hindernis weggenommen hat, damit man nun eintreten kann in das Gespr�ch mit der Lefebvre-Bewegung, �ber eine ganze Reihe von theologischen Fragen. Soweit ich das beurteilen kann, wird es kein leichtes, sondern ein schwieriges Gespr�ch sein – sowohl �ber die �kumene wie �ber den interreligi�sen Dialog wie �ber die Eucharistie oder die Religionsfreiheit… Es sind viele Fragen da zwischen uns und ihnen. Der Papst wollte das Gespr�ch er�ffnen, weil er die Einheit nach innen will und nach au�en. Wir hoffen, dass es nun zu einem guten Gespr�ch kommt, aber es kann keine Rede davon sein, dass diese Lefebvre-Bisch�fe jetzt schon in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche sind. Sie sind nach wie vor suspendiert. Wir hoffen, dass wir jetzt ein ernsthaftes Gespr�ch er�ffnen, wobei sie vor allem Schritte des Entgegenkommens machen m�ssen.”

Ob es im Vatikan manchmal an interner Kommunikation mangelt, meint Kardinal Kasper:

�Ich bin der Meinung: Ja. Ich muss das ganz offen sagen. Man hat da vorher im Vatikan zuwenig miteinander gesprochen und nicht mehr abgecheckt, wo die Probleme auftreten k�nnen. Es hintendrein zu erkl�ren, ist nat�rlich immer viel, viel schwieriger, als wenn man das gleich gemacht h�tte. Ich h�tte mir auch mehr Kommunikation vorher gew�nscht.” (rv)
 

Klare Worte: Deutschsprachige Bisch�fe zu Papst und Lefebvre
Bisch�fe im deutschsprachigen Raum bem�hen sich in der Debatte um Papst und Lefebvre-Anh�nger um Schadensbegrenzung. H�ren Sie bei uns einen Beitrag von Stefan Kempis mit Kommentaren des Wiener Kardinals Christoph Sch�nborn und des deutschen Erzbischofs Robert Zollitsch. Beide leiten die jeweilige Bischofskonferenz ihres Landes. (rv)
 

Deutschland: Maier, �Einheit um einen hohen Preis“
Der Vatikan h�tte vor der Aufhebung der Exkommunikation der Lefebvre-Bisch�fe die nationalen Bischofskonferenzen einbeziehen m�ssen. Das sagte der Religionsphilosoph und fr�here Pr�sident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans Maier, an diesem Montag gegen�ber Radio Vatikan. Die derzeitige Krise h�tte vermieden werden k�nnen, w�ren mehr Menschen an der Entscheidung beteiligt gewesen, so Maier im Gespr�ch mit Birgit Pottler.

�Es ist ein unverzeihlicher Fehler, auch ein politisch handwerklicher Fehler, dass man diejenigen Bischofskonferenzen, wo die meisten Leute der Bruderschaft leben, also die schweizerisch, deutsche und franz�sische nicht vorher unterrichtet wurde; daher auch die Hilflosigkeit in den �u�erungen der Bisch�fe, daher auch das Stimmengewirr, das aus Rom kam. Auch Kardinal Walter Kasper hat ja deutlich diese Holocaust-Leugnung kritisiert und verurteilt, auch der Papst hat das klar gestellt. Aber wenn das so ist, warum hat man nicht fr�her eine breitere Einigung, einen Konsens �ber diese Fragen herbeigef�hrt? Eine so wichtige und entscheidende Frage muss in einem gr��eren Kreis behandelt werden.“ (rv)
 

Kommentar: �Missverst�ndnis und Debakel”
Missverst�ndnisse und mangelnde Professionalit�t – ein Kommentar vom Leiter der deutschsprachigen Sektion von Radio Vatikan, Pater Eberhard von Gemmingen SJ, zur aktuellen Diskussion um Richard Williamson und die Beweggr�nde von Papst Benedikt XVI., die Exkommunikation gegen die Lefebvre-Bisch�fe aufzuheben:

�Papst Benedikt ist in eine �u�erst schwierige Situation geraten. Seine besten Absichten, das Schisma mit den Lefebvre-Anh�ngern zu beheben, wird missverstanden und wurde vom Vatikan unprofessionell bekannt gegeben. Viele Katholiken sind von Papst Benedikt entt�uscht, weil sie den Eindruck haben, er komme einer faschistischen Gruppe zu weit entgegen.
Dabei steht Papst Benedikt, wie er oft gesagt hat, voll hinter dem Zweiten Vatikanum, voll und ganz hinter Religionsfreiheit, hinter dem Dialog mit den Juden, und voll zur �kumene. Er verurteilt Antisemitismus. Sein eigentliches Grundanliegen ist die Rettung der christlichen Wurzeln unserer Kultur. Offenbar gibt es im Vatikan Organisations- und Kommunikationsm�ngel.
Hier bei Radio Vatikan kann ich eigentlich nur noch sagen: Beten Sie f�r den Papst und seinen Stab. Ein solches Missverst�ndnis und Debakel darf nie wieder passieren.” (rv)

 

 

04.02.09

Vatikan: �Papst kannte Williamson-�u�erungen nicht“; Williamson muss widerrufen

Der Papst hat die �u�erungen von Bischof Richard Williamson zur Holocaust-Leugnung zum Zeitpunkt der Aufhebung der Exkommunikation nicht gekannt. Das stellte am Mittwochnachmittag das Vatikanische Staatssekretariat klar. Bevor Williamson in der Kirche seinen bisch�flichen Dienst aus�ben darf, m�sse er sich auf unzweideutige und �ffentliche Weise von seinen Stellungnahmen zur Shoah distanzieren.
Wir dokumentieren hier die Erkl�rung aus dem Staatssekretariat in einer eigenen Arbeits�bersetzung:
Angesichts der Reaktionen, die das j�ngste Dekret der Bischofskongregation ausl�ste, in dem die Exkommunikation gegen vier Bisch�fe der Bruderschaft Pius X. aufgehoben wurde, und mit Blick auf die negationistischen oder reduktionistischen Erkl�rungen des Bischofs Williamson von der genannten Bruderschaft zur Shoah, halten wir es f�r opportun, einige Aspekte der Angelegenheit klarzustellen.
1. Aufhebung der Exkommunikation
Wie schon fr�her betont, war das Dekret der Bischofskongregation vom 21. Januar 2009 ein Akt, mit dem der Heilige Vater gro�z�gig wiederholten Bitten des Generaloberen der Bruderschaft Pius X. entgegen kam.
Seine Heiligkeit wollte ein Hindernis f�r die �ffnung einer T�r zum Dialog beseitigen. Er erwartet sich jetzt, dass die vier Bisch�fe eine vergleichbare Bereitschaft ausdr�cken, durch v�llige �bernahme der Lehre und Disziplin der Kirche.
Die schwerwiegende Strafe der Exkommunikation �latae sententia“, die die genannten Bisch�fe sich am 30. Juni 1988 zugezogen hatten und die am 1. Juli desselben Jahres formell erkl�rt worden war, war eine Folge ihrer illegalen Weihe durch Bischof Marcel Lefebvre.
Die Aufhebung der Exkommunikation hat die vier Bisch�fe von einer schwerwiegenden kanonischen Strafe befreit, hat aber nicht die juridische Lage der Bruderschaft St. Pius X. ge�ndert, die sich gegenw�rtig keiner kanonischen Anerkennung in der katholischen Kirche erfreut. Auch die vier Bisch�fe haben, auch wenn ihre Exkommunikation aufgehoben ist, keine kanonische Funktion in der Kirche und �ben in ihr kein berechtigtes Amt aus.
2. Tradition, Lehre und Zweites Vatikanisches Konzil
F�r eine k�nftige Anerkennung der Bruderschaft St. Pius X. ist die volle Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils und des Lehramts der P�pste Johannes XXIII., Paul VI., Johannes Paul I., Johannes Paul II. sowie Benedikt XVI. eine unerl�ssliche Bedingung.
Wie schon im Dekret vom 21. Januar 2009 betont wurde, wird es sich der Heilige Stuhl nicht nehmen lassen, mit den Betreffenden auf die f�r opportun erachtete Weise die noch offenen Fragen zu vertiefen, um zu einer vollst�ndigen und zufrieden stellenden L�sung der Probleme zu kommen, die zu diesem schmerzhaften Bruch gef�hrt haben.
3. �u�erungen �ber die Shoah
Die Stellungnahmen von Bischof Williamson zur Shoah sind absolut inakzeptabel und sind vom Heiligen Vater klar zur�ckgewiesen worden, wie er selbst am vergangenen 28. Januar hervorgehoben hat, als er mit Bezug auf diesen furchtbaren V�lkermord seine volle und nicht hinterfragbare Solidarit�t mit unseren Br�dern bekr�ftigt hat, denen der Erste Bund gilt. Er hat betont, dass die Erinnerung an diesen schrecklichen Genozid die �Menschheit dazu bringen muss, nachzudenken �ber die unvorhersehbare Gewalt des B�sen, wenn es das Herz des Menschen erobert“, und f�gte hinzu, die Shoah bleibe �f�r alle eine Mahnung gegen das Vergessen, gegen die Leugnung oder den Reduktionismus, denn die Gewalt gegen einen einzigen Menschen ist Gewalt gegen alle“.
Bischof Williamson wird, um zu bisch�flichen Funktionen in der Kirche zugelassen zu werden, auch auf absolut unzweideutige und �ffentliche Weise auf Distanz zu seinen Stellungnahmen zur Shoah gehen m�ssen – Stellungnahmen, die der Heilige Vater im Moment der Aufhebung der Exkommunikation nicht kannte.
Der Heilige Vater bittet alle Gl�ubigen um Begleitung im Gebet, damit der Herr den Weg der Kirche erleuchte. M�ge der Eifer der Hirten und aller Gl�ubigen wachsen, um die heikle und schwere Mission des Nachfolgers des Apostels Petrus als �H�ter der Einheit“ in der Kirche zu unterst�tzen.
Aus dem Vatikan, am 4. Februar 2009. �bersetzung: Stefan von Kempis (rv)

Vatikan/Deutschland: Lombardi weist Kritik zur�ck
Nachdem vor allem im deutschen Sprachraum die Kritik an einem vermeintlichen Schweigen des Papstes immer lauter wurde, hatte sich am Dienstagabend zun�chst Vatikansprecher Pater Federico Lombardi eingeschaltet. Der Papst habe Aussagen, die den Holocaust leugnen, mehrmals unmissverst�ndlich verurteilt, stellte Lombardi auf Deutsch und Italienisch klar. Der Vatikansprecher erinnerte an die Papstworte in der K�lner Synagoge 2005, im Konzentrationslager Auschwitz 2006 und zuletzt bei der Generalaudienz am 28. Januar dieses Jahres. Die deutlichen Worte des Papstes galten auch Bischof Richard Williamson, pr�zisierte Lombardi und zitierte:

�W�hrend ich erneut aus ganzem Herzen meine volle und unbestreitbare Solidarit�t mit unseren Br�dern, den Tr�gern des ersten Bundes, zum Ausdruck bringe, w�nsche ich, dass die Shoah die Menschheit dazu anstiftet, nachzudenken �ber die unvorhersehbare Macht des B�sen, wenn es das Herz des Menschen ergreift. Die Shoah sei f�r alle eine Mahnung gegen das Vergessen, gegen die Leugnung oder die Reduzierung…“

Lombardi weiter: �Die Verurteilung von Aussagen, die den Holocaust leugnen, konnte nicht klarer sein, und aus dem Kontext erschlie�t sich, dass diese sich auch auf die Positionen von Bischof Williamson und alle �hnlichen Positionen bezogen.“

Die Aufhebung der Exkommunikation der Piusbruderschaft, zu denen auch der umstrittene Bischof Williamson geh�rt, habe nichts mit einer Legitimierung von Aussagen zu tun, die den Holocaust leugnen, betonte Lombardi weiter. Benedikt verurteile jede Leugnung der Shoah auf das Sch�rfste.

Damit reagierte Lombardi auch auf die Kritik von Bundeskanzlerin Merkel an der Haltung des Papstes in der Diskussion um den Umgang mit dem Holocaust. Die Kanzlerin hatte Benedikt XVI. am Dienstag am Rande einer Pressekonferenz in Berlin zu einer eindeutigen Stellungnahme aufgefordert. W�rtlich sagte Merkel:

�Es ist im allgemeinen nicht an mir, innerkirchliche Entscheidungen zu bewerten oder zu kommentieren. Allerdings ist das anders, wenn es um Grundsatzfragen geht. Und ich glaube es ist schon eine Grundsatzfrage, wenn durch eine Entscheidung des Vatikans der Eindruck entsteht, dass es die Leugnung des Holocausts geben k�nnte, und dass es auch um grunds�tzliche Fragen des Umgangs mit dem Judentum geht. Deshalb darf das nicht ohne Folgen im Raum stehen bleiben. Das ist nach meiner Auffassung auch nicht nur eine Angelegenheit der christlichen Gemeinden, der katholischen Gemeinden in Deutschland und der j�dischen Gemeinden, sondern es geht darum, dass von Seiten des Papstes und von Seiten des Vatikans sehr eindeutig klargestellt wird, dass es hier keine Leugnung geben kann und dass es nat�rlich einen positiven Umgang mit dem Judentum insgesamt geben muss. Diese Klarstellungen sind aus meiner Sicht noch nicht ausreichend erfolgt.“

Ermutigend f�nde sie aber die vielen Stimmen aus der katholischen Kirche, die seitens des Vatikans eine deutliche Distanzierung von den Positionen des Holocaust-Leugners Williamson forderten, betonte Merkel weiter. Zustimmung erhielt Merkel von der fr�heren Bundestagspr�sidentin Rita S�ssmuth (CDU). Dem Berliner Inforadio sagte S�ssmuth, es bestehe ein massiver Widerspruch zwischen der Grundeinstellung des Papstes und seinem Handeln im Fall Williamson. Merkel sei daher moralisch verpflichtet gewesen, sich in die Debatte einzuschalten. - Mit ihrer Kritik am Papst stie� die Kanzlerin jedoch nicht nur auf Gegenliebe. Gegenstimmen kamen aus den Reihen der katholischen Bisch�fe, aber auch aus der Union. (rv)

 

 

05.02.09

Eine Klarstellung aus der Redaktion

 

Unser Redaktionsleiter P. Eberhard von Gemmingen stand (und steht) in diesen Tagen Dutzenden deutschsprachigen Medien Rede und Antwort zur Debatte nach der Aufhebung der Exkommunikation f�r die Bisch�fe der Piusbruderschaft. Einige Medien haben eine Aussage Pater Gemmingens sinnentstellend wiedergegeben. So schreibt etwa die �S�ddeutsche Zeitung“ im Untertitel zu einem ihrer Artikel: �W�hrend der Papst offenbar ver�rgert auf die offene Kritik aus Deutschland reagiert, vermutet ein Leiter von Radio Vatikan sogar R�cktrittsgedanken bei Benedikt.“ Dieser Untertitel interpretiert eine Pressemitteilung des Radiosenders NDR Kultur, der Pater Gemmingen interviewt hatte. In diesem Gespr�ch sagte unser Redaktionsleiter auf die Frage, ob in der aktuellen Lage ein R�cktritt des Papstes denkbar sei, w�rtlich:

"So wie ich den Papst kenne, hat dieser in seinem Herzen m�glicherweise schon mal gedacht: 'Irgendwann muss ich vielleicht zur�cktreten, damit das Petrusamt gut wahrgenommen wird.’ Also ich glaube nicht, dass er so lebt und denkt wie sein Vorg�nger, der sagte, ein Papst tritt nicht zur�ck, weil Benedikt weniger mystisch und mehr theologisch ist und sagt, Petrus muss funktionieren k�nnen. In diesem Sinn glaube ich, dass er durchaus den R�cktritt nicht ausschlie�t. Allerdings glaube ich nicht, dass er den R�cktritt erw�gen w�rde, um einem Problem aus dem Weg zu gehen, um zu sagen, das ist mir zu kompliziert, ich bin zu alt, um das zu l�sen. Das glaube ich wiederum nicht, weil er dann sagt, ich will nicht meinem Nachfolger ein solches Problem aufladen.“ (rv)

 

 

06.02.09

Lefebvrianer auf Kollisionskurs – Sarkozy entsetzt �ber Shoah-Leugnung

Die Priesterbruderschaft Pius X. bleibt offenbar auf Konfrontationskurs zur katholische Kirche. Trotz der Suspendierung durch den Vatikan plant die Gruppe anscheinend neue Priesterweihen. Das berichtet der �K�lner Stadt-Anzeiger“. Nach Angaben der Zeitung habe einer der vom Papst begnadigten Bisch�fe, der Schweizer Bernard Fellay, f�r Ende Juni neue Priesterweihen angek�ndigt. Der Bischof, der diese Weihen durchf�hrt, k�nnte sich dadurch laut Kirchenrecht automatisch wieder die Exkommunikation zuziehen. Fellay ist Leiter der Bruderschaft, in der sich die Anh�nger des abtr�nnigen Erzbischofs Marcel Lefebvre sammeln. Bereits am Sonntag soll Fellay in der N�he von Regensburg auch schon so genannte �niedere Weihen“ vorgenommen haben. Die Angaben der Zeitung sollen an diesem Nachmittag von der Bruderschaft best�tigt worden sein.
Fellay ist wie die anderen drei Traditionalisten-Bisch�fe weiterhin vom priesterlichen Dienst in der katholischen Kirche suspendiert. Die Piusbruderschaft ist vom Vatikan nicht anerkannt. Der Trierer Kirchenrechtler Peter Kr�mer wertete die Weihehandlung als Zeichen daf�r, dass die abtr�nnigen Bisch�fe nicht gewillt seien, sich der Disziplin der katholischen Kirche zu unterwerfen. Insbesondere die geplante Priesterweihe sei ein Akt �bewussten Ungehorsams gegen die Autorit�t des Papstes“. Der M�nsteraner Kirchenrechtler Klaus L�dicke bezweifelte, dass es den Traditionalisten tats�chlich um eine Wiedereingliederung in die katholische Kirche gehe. Mit der R�cknahme der Exkommunikation h�tten sie vielmehr den Wegfall eines Hemmnisses erreicht, das ihnen den Zulauf ultrakonservativer Katholiken bisher erschwert habe.
Unterdessen nahm der deutsche Distriktobere der Priesterbruderschaft, Franz Schmidberger, den Ausdruck �Kindersch�nder“ f�r den Propheten Mohammed �mit gro�em Bedauern“ zur�ck. Zur Begr�ndung betont Schmidberger in einer Erkl�rung, diese Wortwahl sei geeignet, �Muslime in ihren religi�sen Gef�hlen zu verletzen“. Mit einem Statement, das an diesem Freitag ver�ffentlicht wurde, setzt sich Schmidberger au�erdem gegen viele verzerrende Berichte �ber die Priesterbruderschaft zur Wehr. Es sei zu manchmal geradezu b�sartigen Angriffen gekommen.
Der franz�sische Pr�sident Nicolas Sarkozy ist schockiert �ber die Leugnung der Shoah durch den Traditionalistenbischof Richard Williamson. Es sei �unertr�glich und unfassbar“, dass solche �u�erungen �im 21. Jahrhundert noch m�glich sind“, meinte Sarkozy im franz�sischen Fernsehen. (rv)

Lefebvrianer: Ein eher rechtes Weltbild
Wer sind die Pius-Br�der, aus welchem geistigen Umfeld kommen sie, wof�r stehen sie politisch? Das sind Fragen, die von den uns�glichen Bemerkungen Williamsons zum Holocaust aufgeworfen werden. Jozef Niewiadomski ist Professor f�r Dogmatik und Dekan der Katholischen Fakult�t an der Universit�t Innsbruck. Er will nicht alle Lefebvre-Anh�nger unter rechtsextremen Generalverdacht stellen.
Dazu sagte er:

�Es ist aber sicher so, dass das Weltbild der Pius-Bruderschaft, gest�rkt vor allem durch einzelne Aussagen von Erzbischof Marcel Lefebvre und die sp�teren Ver�ffentlichungen, doch ziemlich in rechte Kreise bis hin zu rechtsradikalen Kreisen hineinreicht. Ich w�rde schon sagen, dass es in der Pius-Bruderschaft immer noch die Ideen gibt, die moderne Prinzipien wie Menschenrechte, wie Toleranz, wie Achtung vor jedem anderen Menschen – auch anderen Religionen – ablehnen, und den extremen Antisemitismus. In den letzten Jahren hat man immer wieder einzelne Mitglieder der Pius-Bruderschaft auch im Kontext von rechtsgerichteten politischen Gruppierungen gesehen, etwa bei Le Pen. Ich finde, die ganze Auseinandersetzung macht uns auf irgendetwas sehr deutlich aufmerksam...“

Die Debatte dieser Tage findet Niewiadomski letztlich heilsam: Sie mache darauf aufmerksam, dass das Thema Lefebvrianer nicht nur liturgische, sondern auch politische Facetten habe. Eine volle R�ckkehr der Pius-Bruderschaft in die Kirche vermag er sich nicht ganz vorzustellen.

�Als gl�ubiger Mensch sage ich: Man soll dem g�ttlichen Geist keine Grenzen setzen und an die Bekehrungsbereitschaft und -f�higkeit eines jeden glauben. Wenn ich mir allerdings die ersten Reaktionen anschaue, die auf die Aufhebung der Exkommunikationen von einzelnen Mitgliedern der Pius-Bruderschaft bereits gekommen sind und den Tenor haben ,Nicht wir werden umdenken, sondern wir werden dazu beitragen, dass die Kirche umdenkt’ – dann bin doch ein bisschen skeptisch.“ (rv)
 

Deutschland: Genn fragt �Wes Geistes Kind seid ihr?“
�Mit dem, was am Leidvollsten ist“ hat der ernannte Bischof von M�nster, Felix Genn, seine erste Pressekonferenz an diesem Freitag dort begonnen: mit diesen �unseligen – eigentlich unter meiner W�rde sie zu kommentieren – �u�erungen zum Holocaust“.
Der Papst habe in der Frage des Verh�ltnisses zum Judentum �so viele Zeichen gesetzt“,

�dass man �berhaupt nicht daran denken kann, dass er ein Antisemit ist, oder die Beziehungen zum Judentum kappen will. Wenn er nach Israel fahren sollte, wird es sicher noch einmal einen starken Akzent in dieser Richtung geben.“

Er sei �berzeugt, so Genn,

�dass Benedikt nichts von den �u�erungen Williamsons gewusst hat“.

Im Vatikan m�sse man sich jetzt fragen, wie es dazu kommen konnte, dass �das Image des Papstes und des Papsttums so angegriffen“ wurde. Der Leiter einer Beh�rde m�sse sich auf den Dienst seiner Mitarbeiter verlassen k�nnen.

�Ich leite ja selbst eine Beh�rde und wei� ja auch nicht alles, was in meinen Abteilungen geschieht. Ich muss ja auch gar nicht alles wissen, sondern ich verlasse mich darauf, dass meine engsten Mitarbeiter ihre Verantwortungsbereiche wahrnehmen und zwar ordentlich wahrnehmen und dass mein Dienst als Bischof nicht besch�digt wird.“

Die Holocaust-Leugnung Williamsons habe ein �hochsensibles Kapitel“ ber�hrt, �das in unserem Volk immer noch nicht aufgearbeitet ist“. Im Umgang mit der Piusbruderschaft m�sse man jetzt die Frage stellen, �wes Geistes Kind seid ihr eigentlich?“ Genn bekennt, dass auch er sich bislang nicht intensiv mit den Positionen der Lefebvre-Anh�nger auseinandergesetzt habe.

�Was da zu Tage tritt, habe ich in der Weise nicht gewusst, und das hat mich auch in der Weise nicht ber�hrt. Ich habe gedacht, das sind Schismatiker... Aber jetzt, nachdem die Exkommunikation aufgehoben ist, m�ssen sie zeigen, dass sie wirklich so p�pstlich sind, dass sie alle von einem Papst unterzeichneten Dokumente des II. Vatikanums auch anerkennen. Sie sagen ja, dass sie den Papst anerkennen, jetzt will ich sehen, was geschieht... Sie k�nnen ja nicht sagen, die einen Dokumente sind p�pstlich, die anderen nicht.“

Der aktuellen – zun�chst schwer verst�ndlichen – Debatte kann der Bischof bei allem vordergr�ndigen Schaden f�r das Ansehen der katholischen Kirche daher auch Positives abgewinnen. Sie kl�re letztendlich die Stellung der Piusbruderschaft.

�Jetzt kann man ihnen auf die Finger schauen. Das was ich jetzt von ihnen lese, ist so horrend – das kann auch dazu f�hren, dass man sagt, jetzt ist Schluss: Wir sind hier, und ihr bleibt da. Auch dazu kann es kommen. Dann ist der Schnitt aber eindeutig.“

Die bisherigen �u�erungen und Reaktionen der Piusbruderschaft tr�gen nicht zur Auss�hnung bei.

�Vielleicht war es notwendig, dass das ganze Durcheinander hochkam, damit man jetzt sagen kann: ,Liebe Piusbruderschaft, ihr habt lange genug in der Ecke gestanden, wir sind euch jetzt entgegen gekommen, ihr habt um Aufhebung der Exkommunikation gebeten, das haben wir euch gew�hrt.’ Wer das entsprechende Dekret liest, sieht, dass da noch viele offene Fragen sind, sieht, dass gesagt wird, es muss verhandelt werden. ,Wenn ihr euch aber so benehmt, dann geht das nicht.’ Es kann doch nicht einer, der den Holocaust leugnet im Ernst daran denken, dass er Bischof der katholischen Kirche wird.“ (rv)
 

Die Debatte geht weiter
Der Wiener Kardinal Christoph Sch�nborn hat am Freitag neuerlich betont, dass die Haltung der katholischen Kirche zum j�dischen Volk in der Konzilserkl�rung �Nostra Aetate“ eindeutig und verbindlich festgelegt ist. Diese Festlegung sei auch im Katholischen Weltkatechismus noch einmal in aller Deutlichkeit wiederholt worden. Wie Kardinal Sch�nborn betonte, ist die �vollinhaltliche Annahme“ des Zweiten Vatikanischen Konzils einschlie�lich von �Nostra Aetate“ und der Erkl�rung �ber die Religionsfreiheit �Dignitatis humanae“ unabdingbare Voraussetzung f�r eine Eingliederung der Pius-Bruderschaft in die Kirche. Die Konzilserkl�rung entziehe jedem Antisemitismus den Boden, wenn es w�rtlich hei�t: �Obgleich die j�dischen Obrigkeiten mit ihren Anh�ngern auf den Tod Christi gedrungen haben, kann man dennoch die Ereignisse seines Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen.“
Eine st�rkere Betonung des Zweiten Vatikanischen Konzils in der Kirche w�nscht sich der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer. In einem ORF-Interview am Freitag r�umte Scheuer Fehler in der j�ngeren Entwicklung in der Kirche ein, aus denen man jetzt dringend lernen m�sse. Die Vatikan-Entscheidung zur Pius-Bruderschaft wolle er nicht in Zusammenhang mit der Ernennung des Linzer Weihbischofs Gerhard Maria Wagner sehen. Scheuer w�rtlich: �Da w�rde man Wagner nicht gerecht. Lefebvrianer ist er keiner, konservativ ist er sicher.“
�Vieles, was in den letzten Tagen �ber Papst Benedikt in der �ffentlichkeit gesagt worden ist, war b�sartig“. Das schreibt der Basler Bischof Kurt Koch, Pr�sident der Schweizer Bischofskonferenz, in einem ausf�hrlichen pers�nlichen �Brief an die Gl�ubigen“. Der Papst habe in seinem bald vierj�hrigen Pontifikat sehr deutlich gezeigt, �dass Antisemitismus mit dem christlichen Glauben schlechterdings nichts zu tun haben kann“. Das Konzil stehe in der Kirche nicht zur Disposition, betont Koch. �Ist der Preis f�r die Bem�hungen um Einheit nicht zu gro�?“, fragt er dann und kommt zum Schluss: �Ich bin �berzeugt, dass die Geschichte Papst Benedikt darin Recht geben wird, bis zum �u�ersten gegangen zu sein, um die Spaltung, die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingetreten ist, zu heilen.“ Gleichzeitig meint Koch, dass mit dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems nach der Wende von 1989 die Zeit f�r eine neue Verst�ndigung mit den Befreiungstheologen reif sein k�nnte. Der Papst habe mit seiner Brasilienreise im Mai 2007 daf�r �einen guten Anfang“ gesetzt, �auf dem man weiterbauen k�nnte“.
Die Katholische Fakult�t der Universit�t Wien kritisiert die Aufhebung der Exkommunikation der Lefebvrianer sowie die Ernennung des Linzer Weihbischofs Gerhard Maria Wagner. In einer Erkl�rung vom Freitag ruft sie die Katholiken zu Verantwortungsbewusstsein auf. Es handle sich bei den derzeitigen Konflikten �keineswegs um blo�e 'Nebenschaupl�tze', sondern um wesentliche - gesellschaftlich h�chst relevante - Konsequenzen des christlichen Glaubens, die an das Selbstverst�ndnis der Kirche r�hren“. Was die Pius-Bruderschaft betrifft, sehen die Theologen keine Grundlage f�r ihre institutionelle Eingliederung in die Kirche. Das Zweite Vatikanische Konzil sei ein �unverzichtbarer Teil“ der kirchlichen Tradition. Die Fakult�t begr��t die �klaren Aussagen“ von Kardinal Sch�nborn zur �Ungeheuerlichkeit einer Leugnung der Shoah“ und die Aufforderung des Papstes, Williamson m�sse widerrufen und sich entschuldigen.
Die deutsche �Edith-Stein-Gesellschaft“ betont in einer Erkl�rung die enge Verbindung zwischen Katholiken und Juden. Williamsons �u�erung �verh�hnt das Leiden der Opfer, insbesondere der j�dischen, und das Zeugnis der Leidenssolidarit�t von Edith Stein mit dem j�dischen Volk. Die �u�erungen von Bischof Williamson sind ein unertr�glicher Affront, der absolut nicht hingenommen werden kann.“ Es d�rfe �nicht nur in Worten, sondern auch im Handeln der Kirche“ nicht der geringste Zweifel daran aufkommen, dass die Kirche keine Holocaust-Leugner in ihren Reihen duldet. Der Verband regt an, Holocaust-Leugnung als Straftatbestand mit Exkommunikation in das kirchliche Gesetzbuch aufzunehmen.
Die Kirche Gro�britanniens versichert der j�dischen Gemeinschaft ihre Solidarit�t. Der Primas von England und Wales, Kardinal Cormack Murphy-O'Connor, hat nach Zeitungsangaben an den Oberrabbiner Jonathan Sacks geschrieben. Er �bedauere“ die Folgen, die sich aus der R�cknahme der Exkommunikation Williamsons ergeben h�tten. Dessen Verleugnung des Holocaust habe �absolut keinen Platz in der katholischen Kirche und ihrer Lehre“. In seiner Antwort erkl�rte Sacks laut �Telegraph“, f�r viele Juden auf der ganzen Welt h�tten die katholisch-j�dischen Beziehungen �gro�en Schaden“ genommen.
Der belgische Primas entschuldigt sich bei den Juden f�r die �u�erungen von Bischof Williamson. Auch wenn er sich nicht pers�nlich schuldig f�hle, bedr�cke ihn doch die �absolute intellektuelle Unredlichkeit und Verneinung der Geschichte“ durch Williamson. Das sagte Kardinal Godfried Danneels von Br�ssel in einem Fernsehgespr�ch. Daf�r entschuldige er sich. (rv)

Vatikan: Keine Medienschelte – �Wir hatten Kommunikationsprozess nicht in der Hand“
Der Sprecher des Vatikans ist unzufrieden dar�ber, dass es im Zusammenhang mit der Aufhebung der Exkommunikationen vor zwei Wochen zu Pannen und Kommunikationsfehlern gekommen ist. Im Gespr�ch mit der franz�sischen Tageszeitung �La Croix“ meinte Jesuitenpater Federico Lombardi: �Das Kommuniqu�, das das Dekret begleitete, lie� zu viele Aspekte im Unklaren und gab dadurch Raum zu verschiedenen Interpretationen.“ Au�erdem sei das Dokument schon zu fr�h auf �Internetseiten und an Zeitungen gelangt“: �Wir hatten den Kommunikationsprozess nicht in der Hand.“ �ber die Aufhebung der Exkommunikationen habe der Vatikan nur mit Bischof Fellay verhandelt: �Die Meinungen der anderen Bisch�fe hat man nicht genug beachtet.“ Lombardi w�rtlich: �Wenn es einen gibt, der das wissen musste, dann war das Kardinal Castrillon Hoyos.“
Abgekl�rt �u�ert sich Lombardi, der u.a. den Vatikanischen Pressesaal leitet, zur Debatte �ber Vatikan und Lefebvre in den Medien. �Die Medien sind nicht besser oder schlimmer als sonst auch.“ Doch nat�rlich gebe es auch �antikirchliche Str�mungen“ dort. Zu anderen Zeiten, etwa beim letzten Konklave oder bei den Reisen Benedikts XVI., sei es aber auch der Kirche gelungen, in den Medien ein positives Bild von sich zu zeichnen. Lombardi bedauert, dass auch viele Katholiken die j�ngste Entscheidung des Vatikans nur schwer verstehen: �Einige Dokumente sind eigentlich nur f�r Spezialisten im Kirchenrecht oder f�r Theologen bestimmt.“ Da sei es problematisch, dass sich heute �jedes Dokument, ganz gleich welcher Art es ist, direkt in der �ffentlichkeit wieder findet. Das wird dann schwierig zu handhaben.“
Lombardi l�sst erkennen, dass er unter normalen Umst�nden durchaus die Abstimmung mit den Bischofskonferenzen sucht. �Aber manchmal ist ein Dokument schon in der Hand von Ortsbisch�fen, bevor wir es haben.“ Er glaube, dass �in der Kurie erst noch eine Kultur der Kommunikation geschaffen werden muss“. Er w�nsche sich, dass die einzelnen Vatikan-Abteilungen rechtzeitig den Pressesaal des Heiligen Stuhls informierten �und auch eine erkl�rende Note schreiben, wenn der Sachverhalt komplex ist“. Lombardi w�rtlich: �Wenn die j�ngsten Erl�uterungen vom Staatssekretariat schon von Anfang an gegeben worden w�ren, dann h�tten wir uns einige leidenschaftliche Tage erspart.“ Andererseits sei es aber auch �unm�glich, jede Schwierigkeit zu vermeiden. Wir m�ssen auch mal bereit sein, ein Risiko einzugehen.“ (rv)

Deutschland: �Die Mehrzahl der Piusbruderschaft will Auss�hnung“
Wie weiter mit den Piusbr�dern? Wie viele von ihnen wollen wirklich die Auss�hnung mit dem Papst? Wie sehen andere traditionsorientierte Gruppen die Auseinandersetzungen nach der Aufhebung der Exkommunikation? Wir haben dar�ber mit Propst Gerald Goesche gesprochen. Er war in fr�heren Jahren f�r die Piusbruderschaft t�tig und gr�ndete 2003 das traditionsorientierte, aber papsttreue Institut St. Philipp Neri in Berlin. Ob die Piusbruderschaft jetzt vor einer Spaltung stehe, wollte Gudrun Sailer zun�chst von Propst Goesche wissen.
Herr Propst, wie uneins ist die Piusbruderschaft? Kommt es zu einer Spaltung in zwei Gruppen, eine, die mit Rom sprechen m�chte, und eine andere, die Dialog ablehnt?

�Das ist ganz schwierig zu beurteilen. Ich habe aber festgestellt, dass die Aufhebung der Exkommunikation insofern gute Fr�chte hat, als Bischof Fellay sich so klar ge�u�ert hat und so sehr auf Seiten des Heiligen Vaters steht wie bisher noch nicht. Auch Pater Schmidberger hier in Deutschland hat sich �hnlich vernehmen lassen. So dass ich mir vorstellen k�nnte, dass doch ein sehr gro�er Teil der Piusbruderschaft auf jeden Fall jetzt auch eine vollkommene Auss�hnung mit dem heiligen Stuhl und eine Regelung der Situation suchen wird. Ich glaube, dass Bischof Fellay da wirklich F�hrung �bernommen hat ist ein neues Element, was sehr wichtig ist. Ich denke auch, dass die Mehrzahl der Gl�ubigen und der Priester, wenn sie in die Richtung gef�hrt werden, eigentlich eine Auss�hnung mit Rom und eine vollkommene Ordnung der Situation wollen.“

Der Ton der Piusbruderschaft war manchmal au�erordentlich harsch, was die katholische Kirche betrifft – da ist von der Konzils-Sekte die Rede, davon, dass die Katholische Kirche sich bekehren und auf die Sicht der Piusbruderschaft einschwenken muss. Es geh�rte schon auch Gro�mut von Seiten des Vatikans dazu, diese Friedensgeste zu setzen, die Exkommunikation aufzuheben. Damit ist f�r die Piusbruderschaft eine ganz neue, noch nie da gewesene Situation entstanden. Meinen Sie, die Bruderschaft wird ihren Ton jetzt m��igen?

�Also es gibt nat�rlich auch ein Interview von Bischof Tissier de Mallerais, wo er den alten Ton so ein bisschen beibeh�lt, in dem Sinne, dass vor allem Rom sich bekehren muss. Insofern kann man da nicht ganz sicher sein. Aber man muss zwei Dinge beachten: Auf der einen Seite sind auch die gl�ubigen Priester und Bisch�fe der Piusbruderschaft Menschen von heute, die oft genauso h�sslich ihre Anliegen vorbringen, wie das die Herrschaften aus der linken Ecke auch tun. Das ist ein bisschen spiegelverkehrt. Das andere ist, dass wenn es die Aussicht auf eine kirchliche Regelung gibt, dann oft schon der Ton sich �ndert, weil viele dann leichter merken, welche Verantwortung sie haben und dass einfach auch diese Vorstellungen von Erzbischof Lefebvre, das Experiment der Tradition zu wagen, jetzt so nahe ist, dass man das eigentlich nicht ausschlagen kann. Man merkt das an den traditionellen Gruppen, die zu einer Auss�hnung mit Rom gelangt sind, ob in Campos oder bei den schottischen Redemptoristen oder anderswo, dass der Ton dann, fast von heute auf morgen, sich sehr ver�ndert hat und sehr vern�nftig geworden ist.“ (rv)

 

 

07.02.09

Lombardi: �Papst wollte ein Zeichen f�r die Zukunft setzen“

Die Aufhebung der Exkommunikation der vier Lefebvre-Bisch�fe war ein �Zeichen f�r die Zukunft“. Das betont Vatikan-Sprecher Federico Lombardi in seinem w�chentlichen Editorial f�r Radio Vatikan. Die entstanden Schwierigkeiten zeigen, so Lombardi, dass �der Weg der �kumenischen Einheit“ schwierig und lang sei. Man merke dabei, welchen Preis die Christen bezahlen m�ssten, um diese Einheit erreichen zu k�nnen. Lombardi w�rtlich:

�Die dargebotene Hand des Papstes ist und bleibt f�r uns alle eine erstaunliche Geste des Mutes. Damit hat er bewiesen, wie wichtig es ihm ist, f�r die Einheit zu arbeiten. Er ging soweit, dass er auch Risiken auf sich nahm. Diese Risiken bestanden u.a. darin, dass vieles vor dem Beschluss nicht klar bzw. unbekannt war. Gerade deswegen ist diese Geste ein Appell an uns alle. Das gilt insbesondere f�r die Mitarbeiter des Papstes wie f�r jegliche Mitglieder der Kirche: Wir d�rfen den Papst in solchen F�llen nicht allein lassen, wenn es darum geht, Schwierigkeiten zu meistern.“

Auch in schwierigen Zeiten kann man vieles hinzulernen, f�gt Jesuitenpater Lombardi an.

�Das gilt f�r alle Beteiligten des �kumenischen Dialogs. Jeder sollte in Bescheidenheit und Bereitschaft den Weg suchen, der zur Einheit f�hrt. Jede Krise bietet die M�glichkeit, einen Schritt weiterzukommen und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Das wird uns nicht unbedingt zu einer m�chtigeren Kirche f�hren, aber sie sollte sich zu einer Kirche der Liebe und Vergebung wandeln. In einer solchen Kirche kann es keinen Gegensatz zwischen Konzil und Tradition geben!“ (rv)
 

Kirchenrechtler: �Sie sind keine katholischen Bisch�fe“
Der Bischof der Pius-Bruderschaft, Richard Williamson, will vorerst seine Leugnung des Holocaust nicht widerrufen. Er wolle zun�chst �die historischen Beweise pr�fen“, sagte er dem Nachrichtenmagazin �Der Spiegel“. F�r eine erneute Exkommunikation Williamsons ist die Leugnung des Holocaust aus kirchenrechtlicher Sicht kein hinreichender Straftatbestand -das sagte Klaus L�dicke dem K�lner Domradio. L�dicke ist emeritierter Kirchenrechtler an der Universit�t M�nster. Man m�sse angesichts der jetzigen Debatte betonen, so L�dicke, dass die vier Lefebvre-Bisch�fe nie ein offizielles Amt innerhalb der katholischen Kirche innehatten.

�Dadurch, dass sie illegal geweiht worden sind, sind sie nie in die Gemeinschaft mit dem Papst getreten. Sie d�rften daher nicht an einem Konzil teilnehmen. Sie sind der Weihe nach Bisch�fe, aber nicht dem Amte nach! Sie k�nnen darum auch kein kirchliches Amt wiederbekommen, weil sie katholisch betrachtet keine Bisch�fe sind.“

In diesem Fall seien auch dem Vatikan durchaus Fehler unterlaufen. Man h�tte sich vorher besser �ber die einzelnen Lefebvre-Bisch�fe informieren sollen, findet L�dicke:

�Der Vatikan hat dazu die passenden Strukturen - die haben aber in diesem Fall nicht funktioniert. Diese Struktur besteht darin, dass das Staatssekretariat durch die Leitung eines p�pstlichen Diplomaten das n�tige Sensorium an den Tag legt, um zu wissen, welche Auswirkungen Erkl�rungen des Heiligen Stuhls haben. Bevor dann eine solche Entscheidung auch vollzogen wird, muss das Staatssekretariat dies �berpr�fen. In diesem Falle h�tte es dem Papst sagen k�nnen, dass die Aufhebung der Exkommunikation eine Auswirkung auf den Dialog mit den Juden und auf das Verh�ltnis zu Deutschland sowie f�r die �kumene hat. Aus irgendwelchen Gr�nden hat diese Zusammenarbeit im Vatikan diesmal nicht geklappt.“ (rv)

 

 

07.02.09

Deutschland: �Papst-Besuch ist bisher nur eine Hoffnung“

Deutsche Medien haben in den vergangenen Stunden berichtet, Papst Benedikt XVI. plane eine dritte Deutschlandsreise im kommenden Jahr. Dies wurde nach einem ZDF-Interview mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, verbreitet. Dabei wurde der Freiburger Oberhirte allerdings nicht immer ganz richtig zitiert. Der Mediensprecher der Bischofskonferenz (und langj�hrige Mitarbeiter von Radio Vatikan), Matthias Kopp, pr�zisiert das Statement von Zollitsch:

�Erzbischof Zollitsch hat in dem Interview mit dem ZDF gesagt, er hoffe, dass der Papst n�chstes Jahr nach Deutschland komme. Er hoffe, dass m�gliche Stationen Berlin und Freiburg seien. Mehr hat er aber nicht dazu gesagt. Es handelt sich also um eine Hoffnung und nicht um eine Best�tigung. Denn es gibt keine konkrete Planung dazu. Es ist eine Hoffnung.“
Eine dritte Deutschlandreise w�re f�r den Papst der erste offizielle Staatsbesuch in seinem Heimatland. 2005 nahm Benedikt XVI. am Weltjugendtag in K�ln teil, im September 2006 bereiste der Papst ausschlie�lich Orte in seiner bayerischen Heimat, n�mlich M�nchen, Alt�tting, Marktl am Inn, Regensburg und Freising. (rv)

 

 

08.02.09

Vatikan/D: Angela Merkel und Papst Benedikt r�umen Missverst�ndnisse aus

 

Papst Benedikt XVI. und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel haben in einem Telefonat �ber die Verstimmungen der vergangenen Tage geredet. �Es war ein gutes und konstruktives Gespr�ch, getragen von dem gemeinsamen tiefen Anliegen der immerw�hrenden Mahnung der Shoah f�r die Menschheit“, teilten der vatikanische Pressesaal und der Sprecher der Bundesregierung, Ulrich Wilhelm, am Sonntag in einer gemeinsamen Erkl�rung mit. Der Papst und die Kanzlerin h�tten �in gro�em gegenseitigen Respekt“ ihre Haltungen ausgetauscht. Es sei die Bundeskanzlerin gewesen, die um das Gespr�ch gebeten habe, so die Mitteilung. Zu der Verstimmung zwischen deutscher Bundesregierung und Heiligem Stuhl war es nach der Aufhebung der Exkommunikation f�r die Bisch�fe der Priesterbruderschaft St. Pius X. gekommen, als Merkel eine klare Haltung des Vatikans im Fall des Holocaust-Leugners Bischof Richard Williamson gefordert hatte. Unionspolitiker und Kirchenvertreter sprachen daraufhin von einer nicht akzeptablen Einmischung in kirchliche Angelegenheiten.

Der Vatikansprecher und der Sprecher der Bundesregierung verwiesen jetzt noch einmal auf die Erkl�rung des Papstes von der Generalaudienz am 28. Januar und der Bundeskanzlerin vom vergangenen Donnerstag. Am Mittwoch hatte der Papst von Williamson einen Widerruf verlangt. Merkel begr��te daraufhin die Haltung des Vatikans als �wichtiges und gutes Signal“. (rv)

 

 

09.02.09

Argentinien: Traditionalisten setzen Williamson als Seminarleiter ab

 

Das Leugnen der Shoah durch den traditionalistischen Bischof Richard Williamson hat Folgen. Offenbar hat ihn die Priesterbruderschaft St. Pius X. als Leiter eines Priesterseminars bei Buenos Aires abgesetzt. Das berichtet eine argentinische Nachrichtenagentur. Derweil mehren sich auch in der katholischen Kirche Stimmen, die einen Ausschluss Williamsons fordern.
Die Nachricht kam per Fax: Williamson sei von der Leitung des Seminars La Reja in Argentinien entbunden worden. Das erkl�rte Pater Christian Bouchacourt, f�hrendes Mitglied der Lefebvre-Anh�nger in Lateinamerika, in einer d�rren Mitteilung. Williamsons �u�erungen g�ben �nicht im geringsten die Haltung unserer Gemeinschaft wieder“, so das Schreiben weiter. Eine offizielle Best�tigung f�r die Absetzung von Williamson lag zun�chst nicht vor. Am vergangenen Mittwoch hatte Papst Benedikt den abtr�nnigen Bischof aufgefordert, seine Leugnung des V�lkermords an den Juden unmissverst�ndlich und �ffentlich zur�ckzunehmen. Dies lehnt der 68-J�hrige aber in einem schriftlich gef�hrten Interview mit dem Nachrichtenmagazin �Der Spiegel“ ab. Williamson leitete seit 2003 das Priesterseminar in dem Ort La Reja westlich der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. (rv)

 

 

12.02.09

Papst empf�ngt j�dische Vertreter

 

Die Beziehung zwischen dem Vatikan und den Juden �steht auf der soliden Grundlage des Zweiten Vatikanischen Konzils, sie kann auch zwischenzeitliche R�ckschl�ge verkraften. Wir k�nnen sogar gest�rkt daraus hervorgehen.“ Diese vers�hnlichen Worte sprach an diesem Donnerstag eine hochrangige j�dische Delegation vor Papst Benedikt XVI. im Vatikan aus. Das Kirchenoberhaupt seinerseits wiederholte, dass die Kirche �zutiefst und unwiderruflich dazu verpflichtet ist, allen Antisemitismus zur�ckzuweisen“. Auch zur Shoah selbst fand der Papst abermals deutliche Worte: �Der Hass und die Menschenverachtung“, die ihr deutlich wurden, �waren ein Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschlichkeit.“ Es sei ��ber jeden Zweifel erhaben, dass jede Leugnung oder Minimierung dieses furchtbaren Verbrechens nicht tolerierbar und rundweg inakzeptabel ist. Dieses schreckliche Kapitel unserer Geschichte darf nie vergessen werden!“ Beide Seiten sprachen auch von der bevorstehenden Visite Papst Benedikts im Heiligen Land: �Das gelobte Land erwartet Ihre Ankunft“, so der New Yorker Rabbiner Arthur Schneier.

Rabbiner: Historischer Tag
�Shalom, Eure Heiligkeit!“ Das setzte den Ton bei dieser Audienz, die man – nach dem Trubel der letzten Wochen – durchaus als historisch werten kann. Wie schon nach der Aufregung �ber die Karfreitags-F�rbitte war es wieder der New Yorker Rabbiner Arthur Schneier, ein geb�rtiger �sterreicher, der dem Papst Gespr�chsbereitschaft signalisierte – in einem �kritischen Moment f�r katholisch-j�dische Beziehungen“, wie er selbst sagte.
Deutliche Worte im Vatikan. Schneier dankte dem Papst daf�r, dass dieser am Mittwoch letzter Woche seine Solidarit�t mit den Juden erkl�rt und jeder Holocaust-Leugnung eine Absage erteilt hatte. Er dankte auch daf�r, dass sich Benedikt wie sein Vorg�nger Johannes Paul zur Konzilserkl�rung �Nostra Aetate“ bekennt, die f�r eine �Vers�hnung zwischen der Kirche und dem j�dischen Volk“ stehe. Der Rabbiner warb daf�r, die Erinnerung an den Holocaust in den Schulen wachzuhalten: Das �Nie wieder“ m�sse den n�chsten Generationen vermittelt werden.

Zeichen f�r Israelreise
�Wie die Juden in der W�ste nicht nur die zweiten Tafeln der Zehn Gebote mit sich trugen, sondern auch die ersten, zerbrochenen, so tragen auch wir mit uns die Erinnerung an Jahrhunderte der Verfolgung, Unterdr�ckung und Dem�tigung. Aber wir sind durch die Vergangenheit nicht gel�hmt, sondern glauben weiter an den H�ter Israels.“ Rabbi Schneier nannte den Staat Israel, der vom Vatikan erst in den neunziger Jahren diplomatisch anerkannt wurde, als Erf�llung der Prophezeiung des Ezechiel: �Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig, und ich bringe euch wieder in euer Land.“ �Das Gelobte Land erwartet Ihre Ankunft.“
Dieser kleine Satz war nichts anderes als die wieder aufgerissene T�r zu einer Papstreise nach Israel. Schon l�nger war eine solche Visite f�r den Mai im Gespr�ch; jetzt deutet alles darauf hin, als wolle Papst Benedikt angesichts des Williamson-Skandals erst recht an dem Reiseplan festhalten. Rabbi Schneier endete mit einer optimistischen Note: �Unsere Beziehung steht auf der soliden Grundlage des Zweiten Vatikanischen Konzils; sie kann auch zwischenzeitliche R�ckschl�ge verkraften. Wir k�nnen sogar st�rker daraus hervorkommen... M�ge Er, der f�r Frieden im Himmel sorgte, uns helfen, Friede auch auf Erden zu schaffen.“
Au�er Rabbi Schneier hielt an diesem Donnerstag auch Alan Solow eine kleine Rede – er kommt aus Chicago, gilt als enger Vertrauter des neuen US-Pr�sidenten Barack Obama und steht erst seit wenigen Wochen an der Spitze des Dachverbands der wichtigsten j�dischen US-Verb�nde. Auch Solow sprach von einem �kritischen Moment“ und �gespannten Beziehungen zwischen der Kirche und der j�dischen Gemeinschaft“: �Die Aufforderung des Heiligen Stuhls an Bischof Williamson, seine furchtbare Leugnung des Holocaust zur�ckzunehmen, war ein willkommener Schritt. Es muss immer wieder klargemacht werden, dass keine Art der Holocaust-Leugnung toleriert werden darf.“


Appell gegen Antisemitismus

Solow appellierte an den Papst, sich deutlich gegen Antisemitismus zu engagieren. �Die Geschichte lehrt uns, dass solche Intoleranz und solcher Hass alle mit in den Abgrund zu rei�en drohen, wenn man ihnen nicht entgegentritt. Auf den alarmierenden Angriff auf eine Synagoge in Caracas folgte ein �berfall auf die Nuntiatur des Vatikans. Auch wenn das nicht direkt in Zusammenhang steht, zeigt es, dass wir alle solcher Aufwiegelei und solchem Extremismus zum Opfer fallen.“
Und auch Solow fand klare Worte zu einer m�glichen Papstreise ins Heilige Land: �Wir begr��en und unterst�tzen die geplante Reise Eurer Heiligkeit nach Israel. Die Menschen und F�hrer in Israel sehen ihr wie wir erwartungsvoll entgegen... Die wachsenden Versuche, den Staat Israel zu d�monisieren und zu delegitimieren, sind sehr besorgniserregend. Eure Heiligkeit kann mithelfen, die Stimmen von Extremisten zur�ckzudr�ngen, die im Nahen Osten oder anderswo in der Welt zur Vernichtung Israels aufrufen oder die Terrorismus gegen seine B�rger f�rdern.“


Worte des Papstes

Der Papst selbst dankte dann in seiner Ansprache f�r die deutlichen Worte von Rabbi Schneier und Herrn Solow. Es tue ihm immer gut, �etwas Zeit mit meinen j�dischen Freunden zu verbringen“, so Benedikt. Er erinnerte an seinen Besuch in der Synagoge von K�ln kurz nach seinem Amtsantritt – und an seine Visite auf dem Gel�nde des fr�heren Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau im Mai 2006.

�Welche Worte k�nnen eine so tief bewegende Erfahrung ad�quat wiedergeben? Als ich diesen Ort des Horrors betrat, diesen Schauplatz unermesslichen Leids, dachte ich an die unz�hlige Schar von Gefangenen, darunter so vielen Juden, die auf diesem Weg in die Gefangenschaft in Auschwitz und all den anderen Lagern geraten waren. Diese Kinder Abrahams hatten, kummervoll und erniedrigt wie sie waren, wenig mehr als den Glauben an den Gott ihrer V�ter, um sie aufrecht zu halten – einen Glauben, den wir Christen mit euch teilen, unseren Br�dern und Schwestern.“
�Wie k�nnen wir auch nur ann�hernd das Monstr�se begreifen, was in diesen infamen Gef�ngnissen stattgefunden hat? Die ganze menschliche Rasse f�hlt tiefe Scham angesichts der w�sten Brutalit�t, die sich damals an Eurem Volk g�tlich hielt. Erlaubt mir, zu wiederholen, was ich bei dieser d�steren Gelegenheit sagte: Die F�hrer des Dritten Reichs wollten das ganze j�dische Volk vernichten, um es aus den Reihen der V�lker dieser Erde auszul�schen.“


Papst bereitet Israelreise vor

Auch Benedikt kam dann auf eine m�gliche Reise nach Jerusalem zu sprechen.

�Ich bereite eine Reise nach Israel vor, ein Land, das Christen wie Juden heilig ist, weil man dort die Wurzeln unseres Glaubens findet. Ja wirklich, die Kirche n�hrt sich aus der Wurzel dieses guten Olivenbaums, der das Volk Israel ist – und auf den die wilden �lbaum-�ste der Heiden aufgepfropft wurden.“ Das war – genauso wie die vom Papst letztes Jahr neuformulierte Karfreitagsf�rbitte – ein Zitat aus dem R�merbrief des Apostels Paulus. �Seit den fr�hesten Tagen des Christentums ist unsere Identit�t und jeder Aspekt unseres Lebens und unseres Gottesdienstes eng an die alte Religion unserer V�ter im Glauben r�ckgebunden.“

Mit der Formulierung �V�ter im Glauben“ variierte der Papst die ber�hmte Formel, die sein Vorg�nger Johannes Paul beim Besuch der r�mischen Synagoge gefunden hatte. Der polnische Papst hatte dabei die Juden als die ��lteren Br�der“ der Christen bezeichnet.

�Die zweitausendj�hrige Geschichte der Beziehungen zwischen Judentum und Kirche hat viele verschiedene Phasen erlebt, darunter einige schmerzvolle. Jetzt, wo wir uns in einem Geist der Vers�hnung treffen k�nnen, sollten wir fr�heren Schwierigkeiten nicht erlauben, uns davon abzuhalten, dass wir einander die Hand der Freundschaft reichen. Und wo g�be es denn auch eine Familie, in der es nicht zu irgendwelchen Spannungen kommt?“


Benedikt XVI. und das Konzil
Der Papst nannte die Konzils-Erkl�rung �Nostra Aetate“ einen �Meilenstein auf unserem Weg zur Vers�hnung“. �Die Kirche ist zutiefst und unwiderrufbar darauf verpflichtet, allen Antisemitismus zur�ckzuweisen und weiter gute, dauerhafte Beziehungen zwischen unseren zwei Gemeinschaften aufzubauen. Wenn es ein Bild gibt, das diese Verpflichtung ausdr�ckt, dann ist es Johannes Paul II. an der Klagemauer in Jerusalem, der Gott um Vergebung bittet f�r alle Ungerechtigkeit, die das j�dische Volk erlebt hat.“
�Ich mache mir sein Gebet zu eigen: Gott unserer V�ter, du hast Abraham und seine Nachkommen erw�hlt, um deinen Namen zu allen Nationen zu tragen. Wir sind tief betr�bt �ber das Verhalten derer, die im Lauf der Geschichte diesen deinen Kindern Leid zugef�gt haben. Wir bitten dich um Vergebung, und wir verpflichten uns selbst zu wahrer Br�derlichkeit mit dem Volk des Bundes.“

Noch einmal fand der Papst klare Worte zum Holocaust:

�Der Hass und die Menschenverachtung, die in der Shoah deutlich wurden, waren ein Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschlichkeit. Das sollte jedem klar sein – vor allem jenen, die in der Tradition der Heiligen Schrift stehen... Es ist �ber jeden Zweifel erhaben, dass jede Leugnung oder Minimierung dieses furchtbaren Verbrechens nicht tolerierbar und rundweg inakzeptabel ist. Die Shoah muss eine Warnung an alle sein, nicht zu vergessen, nicht zu verneinen und nicht zu verkleinern... Dieses schreckliche Kapitel unserer Geschichte darf nie vergessen werden!“

Zu Recht sei Erinnern auch �memoria futuri“, also ein Warnzeichen f�r die Zukunft, so Papst Benedikt. Die Menschheit m�sse alles tun, um eine �hnliche Katastrophe in Zukunft zu verhindern. Er bete darum, dass die Erinnerung an den Holocaust �unsere Entschlossenheit st�rkt, die Wunden zu heilen, die zu lange die Beziehungen zwischen Christen und Juden schmerzvoll gemacht haben.“
Es war eine gro�e Rede des Papstes, eine Audienz der deutlichen Worte – und ein klares Signal, dass der Vatikan aus dem Fall Williamson seine Lehren gezogen hat. Auch die T�ren zu einer Papstreise nach Israel sind an diesem Donnerstag f�r alle sichtbar aufgesprungen. Rabbi Schneier berichtete nach der Audienz vor Journalisten, er habe dem Papst auch noch etwas auf deutsch gesagt: �Ich habe die Sonne gebracht.“ Damit meinte er nicht nur das Wetter. (rv)


Vatikan: Rabbi Schneier - �Papst ist ein Br�ckenbauer“
Eine freundliche Atmosph�re herrschte beim Treffen des Papstes mit den Pr�sidenten der wichtigsten j�dischen Verb�nde in den USA. Das best�tigt nach der Zusammenkunft der New Yorker Rabbiner Arthur Schneier. Er hatte Benedikt bereits mehrmals getroffen. So war Schneier auch einer der Gastgeber beim US-Besuch Benedikts im April 2008 als er den Papst in seiner Synagoge in New York empfing. Gegen�ber Radio Vatikan erz�hlt der geb�rtige �sterreicher, wie es diesmal beim Papst war:

�Er hat nicht nur mich sehr herzlich begr��t. Ich habe die ganze Delegation vorgestellt. Er war sehr pers�nlich und sehr warmherzig. Wir haben �ber das Wetter in Rom gesprochen, dass es in den letzten Tagen geregnet habe und dass heute die Sonne scheine. Wir sprechen jeweils immer auf Deutsch miteinander.“

Schneier sagte dem Papst, dass die vergangenen Tage f�r einen Holocaust-�berlebenden wie ihn �schmerzhaft und schwierig“ gewesen seien.

�Deshalb war dieses Treffen wichtig. Denn in den letzten Wochen ist durch die Williamson-Aff�re eine gro�e Spannung entstanden. Doch mit der Erkl�rung des Papstes wurde eine klare Richtung gesetzt. Und ich habe gesp�rt, dass es sich nicht nur um eine selbstverst�ndliche Erkl�rung handelte sondern auch eine sehr pers�nliche – ja vom Herzen kommende – Note war. Das Konzilsdekret �Nostra Aetate“ und das Zweite Vatikanische Konzil im Allgemeinen sind das Prinzip der Beziehungen der Juden mit den Christen.“
Die Aufhebung der Exkommunikation f�r die vier Lefebvristen-Bisch�fe ist eine gro�e Herausforderung f�r die Juden, wie der New Yorker Rabbiner weiter hinzuf�gt.

�Die Williamson-Aff�re ist nicht eine j�dische Angelegenheit. Die Frage ist aber, ob er �Nostra Aetate“ akzeptiert oder nicht. Und es geht nicht nur um Bischof Williamson. Es geht um die Pius-Bruderschaft. Sie m�ssen Stellung nehmen, ob sie die Richtung von Papst Benedikt XVI. und von Johannes Paul II. akzeptieren. Das bedeutet auch, dass sie gegen Antisemitismus und gegen die Holocaust-Leugnung sein m�ssen.“

Eine m�gliche Papstreise im Fr�hling k�nnte den j�disch-katholischen Dialog weiter st�rken, glaubt Arthur Schneier.

�Papst Benedikt ist auch Pontifex Maximus. Ein Pontifex Maximus ist einer, der Br�cken baut. Hoffentlich wird er der Pontifex sein, der den Frieden weiter halten kann.“ (rv)


Die Audienz f�r j�dische Vertreter - ein Durchbruch
Zur Papstaudienz von diesem Donnerstag eine Einsch�tzung von Stefan Kempis.
Das Treffen im Apostolischen Palast dauerte genau 29 Minuten und 40 Sekunden. Diese Zeit hat gen�gt, um einen ersten Schlussstrich unter den Skandal Williamson zu ziehen. Die Audienz war in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert: Selten sprechen Papst-G�ste eine so deutliche Sprache. Wohl noch nie au�er in Auschwitz hat Benedikt XVI. so klare Worte zum Holocaust und zum Judentum gefunden – die Worte und auch die Emotion, auf die viele in den letzten Wochen gewartet haben. Noch nie hat sich der Papst so unmissverst�ndlich, so ohne Wenn und Aber, hinter die Vergebungsbitte von Johannes Paul gestellt. Das war ein �Mea Culpa“ im Benedetto-Stil. Und die T�r zur Papstreise nach Israel ist weit aufgesprungen. Wann es zum letzten Mal eine Audienz von solcher Eindringlichkeit gegeben hat? Kein Zweifel: Das war der Empfang f�r Botschafter aus mehrheitlich islamischen L�ndern, nach der Regensburger Rede des Papstes. Was die Audienz damals f�r die Beziehungen zum Islam bedeutete, das bedeutet die Audienz von diesem Donnerstag f�r die Beziehungen zum Judentum. Ein Durchbruch. Willkommen in Jerusalem, Heiliger Vater. (rv)

 

 

12.02.09

Der Vatikanstaat feiert seinen 80. Geburtstag mit einem Konzert

An diesem Donnerstagabend erklingt in der Audienzhalle H�ndels Oratorium �Der Messias“. F�r die Darbietung vor Papst Benedikt XVI. wird das Zweieinhalb-Stunden-Werk auf etwa eine Stunde gek�rzt. Das Oratorium mit dem ber�hmten �Halleluja-Chor“ war noch nie im Vatikan zu h�ren. Ausgef�hrt wird es vom irischen RTE Concert Orchestra und dem Chor der Kathedrale von Dublin. Die Alt-Partie �bernimmt die in Hamm geborene und in Halle an der Saale wirkende Gesangssolistin Ulrike Schneider. Zum 80-Jahr-Jubil�um gibt es au�erdem einen dreit�gigen Kongress und eine zwei Monate dauernde Ausstellung �ber den Vatikanstaat, die im �Braccio di Carlomagno“ am Petersplatz zu sehen ist. - Am 11. Februar 1929 unterzeichneten der Heilige Stuhl und das K�nigreich Italien die Lateranvertr�ge. Damit den kl�rten der italienische Staat und die katholische Kirche nach 60 Jahren der Ungewissheit den Status der Vatikanstadt. (rv)

 

 

14.02.09

Papst Benedikt XVI. hat drei Vizepr�sidenten f�r die Afrika-Synode ernannt

Es sind der afrikanischen Kurienkardin�le Francis Arinze, der Senegalese Th�odore-Adrien Sarr und der S�dafrikaner Wilfrid Fox Napier. Die Spezialsynode der Bisch�fe findet vom 4. bis 25. Oktober im 2009 im Vatikan statt. Der Erzbischof aus Ghana, Kardinal Peter Turkson, wurde zum Generalrelator der Synode ernannt. Papst Benedikt ernannte au�erdem den Erzbischof von Luanda Dami�o Antonio Franklin sowie den Bischof von Sarh, Edmond Djitangar zu Spezialsekret�ren dieser Bischofssynode. - Die Afrika-Synode findet vom 4. bis 25. Oktober im Vatikan statt. Sie steht unter dem Thema: Die Kirche in Afrika im Dienst der Vers�hnung, der Gerechtigkeit und des Friedens. Es ist die zweite Versammlung von katholischen Bisch�fen dieses Kontinents; das erste Treffen war 1994. (rv)

 

 

16.02.09

�sterreich: �Konsequenzen f�r die Zukunft ziehen“

�Wir schulden den Menschen ein Wort der Kl�rung, wollen aber auch der Hoffnung Ausdruck geben, dass mit jeder Krise Chancen verbunden sind.“ Das halten die �sterreichischen Di�zesanbisch�fe in einem gemeinsamen Hirtenbrief fest, den sie bei einer Sondersitzung in Wien an diesem Montag verabschiedet haben. Kardinal Christoph Sch�nborn hatte als Vorsitzender der Bischofskonferenz eine �au�erordentliche Konsultation“ einberufen, Thema war die derzeitige Situation der Kirche in �sterreich. �In dem Hirtenbrief wird auf die verschiedenen Aspekte der aktuellen kirchlichen Situation in �sterreich Bezug genommen“, teilte die Erzdi�zese Wien am Montag Nachmittag mit. Aus den Ereignissen der vergangenen Wochen m�sse man lernen, so die Bisch�fe, und �aus den Fehlern die richtigen Konsequenzen f�r die Zukunft ziehen“. Die Sondersitzung diente dazu, �die Ereignisse zu beraten, die in den vergangenen Tagen Sorge und Ver�rgerung in und au�erhalb der Kirche hervorgerufen haben“. Der von den zehn Di�zesanbisch�fen unterzeichnete Brief richtet sich an die Gl�ubigen und an alle B�rger des Landes.
Die Bisch�fe nehmen Bezug auf die Debatten um die Ernennung von Gerhard Maria Wagner zum Weihbischof von Linz und die Piusbruderschaft. Offen sprechen sie Spannungen, gerade die in der Di�zese Linz an. Mit der j�ngsten Ernennung seien diese �wieder akut geworden“. Doch �der pastorale Weg“ in den dort offenen Fragen zum Verh�ltnis von Weihesakrament und Laienapostolat k�nne �nur im Einklang mit der Weltkirche begangen werden“. Das Thema der Bischofsernennungen sei deswegen �so bedeutsam“, betonen die Bisch�fe, �weil es seit Mitte der achtziger Jahre in �sterreich mit etlichen Problemen verbunden war“. �Zu zahlreich waren die Kontroversen um Bischofsernennungen, zu schmerzlich die Konflikte und die Risse in der Kirche, die sie ausgel�st haben. Daher ist gerade in diesem Bereich h�chste Sensibilit�t angebracht.“ F�r die Ernennungen in den n�chsten Jahren erwarteten die Gl�ubigen �mit Recht, dass das Verfahren der Kandidatensuche, die Pr�fung der Vorschl�ge und die letzte Entscheidung sorgf�ltig und mit pastoralem Gesp�r vorgenommen werden“. Dadurch k�nne sicher gestellt werden, �dass Bisch�fe nicht ,gegen’, sondern ,f�r’ eine Ortskirche ernannt werden“.
Zur Debatte im Zusammenhang mit der Aufhebung der Exkommunikation der vier Bisch�fe der Piusbruderschaft halten �sterreichs Bisch�fe fest: �Wir hoffen, dass es gelingen wird, die unzureichenden Kommunikationsabl�ufe auch im Vatikan zu verbessern, damit der weltweite Dienst des Papstes nicht Schaden erleidet.“ (rv)
 

�sterreich: Wagners �R�cktritt aus freien St�cken“
Gerhard Maria Wagner bittet den Papst um die R�cknahme seiner Ernennung zum Linzer Weihbischof. Das geht aus einer knappen Pressemeldung der Di�zese Linz vom Sonntagabend hervor. Aus dem Vatikan gibt es dazu bislang keine offizielle Reaktion, da das R�cktrittsgesuch zun�chst schriftlich eingehen muss. In Linz hie� es jedoch bereits am Sonntagabend, �dieser Bitte wurde vom Heiligen Stuhl entsprochen“.
Im Wortlaut hei�t es in der Pressemitteilung, die per Mail um 19 Uhr 10 bei Radio Vatikan einging:
�Der designierte Weihbischof von Linz, Dr. Gerhard Maria Wagner, hat den Di�zesanbischof Dr. Ludwig Schwarz gebeten, folgende Stellungnahme an die Medien zu �bermitteln: ,Angesichts der heftigen Kritik bin ich im Gebet und nach R�cksprache mit dem Di�zesanbischof zu dem Entschluss gekommen, den Heiligen Vater in Rom um R�cknahme meiner Ernennung zum Weihbischof von Linz zu bitten.’ + Bischof Dr. Ludwig Schwarz“
Die Ernennung des Weihbischofs f�r Linz, Gerhard Maria Wagner, und umstrittene Positionen des 54-J�hrigen unter anderem zu einer �Heilung“ von Homosexuellen oder dem Hurrikan �Katrina“ als vermeintliche Gottesstrafe f�r New Orleans hatten in �sterreich auch innerhalb der katholischen Kirche zu einer anhaltenden Debatte gef�hrt. Der R�cktritt von Gerhard Maria Wagner sei �im Interesse und zum Wohl der Di�zese Linz“ erfolgt, sagte der ober�sterreichische Di�zesanbischof Ludwig Schwarz im Gespr�ch mit �Kathpress“.
Wagner hat sich am Tag nach seiner Bitte um R�cknahme seiner Bestellung erleichtert �ber diesen Schritt gezeigt. �Dieser R�cktritt geschieht aus freien St�cken“, sagte der bisherige Pfarrer von Windischgarsten (Ober�sterreich) an diesem Montag im �1-�Morgenjournal“. �Ich bin sehr erleichtert aufgestanden, im Vergleich zu den letzten N�chten“, so Wagner. Er habe �von Anfang an, als ich ernannt wurde, nat�rlich den Widerstand gesp�rt“, bekannte der Geistliche – er m�sse �auch ehrlich sagen, auf sehr oft unbarmherzige und lieblose Weise“. Er habe sich h�ufig die Frage gestellt, was er tun soll, was gut sei f�r die Kirche. �Das war dann letztlich auch f�r mich jetzt die Entscheidung, dass ich gesagt habe, ich gebe den Auftrag an den Papst zur�ck“, so Wagner. Er sei �innerlich frei“ und gl�cklich �ber diese Entscheidung, �wenngleich ich wei�, es gibt andere, die dar�ber nicht gl�cklich sind“. Zu seiner pers�nlichen Zukunft erkl�rte Wagner, er wolle weiterhin in seiner Pfarrei t�tig sein: �Ich bin bisher Pfarrer in Windischgarsten gewesen und werde auch in Zukunft Pfarrer in Windischgarsten sein.“ Er habe sich �bisher gefreut und freue mich jetzt auch wieder, mich dieser Aufgabe ganz widmen zu k�nnen“.
F�r diesen Montag hatte der Vorsitzende der �sterreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Sch�nborn, die Di�zesanbisch�fe des Landes zu einer au�erordentlichen Beratung nach Wien gerufen. Die Einladung dazu erging aber bereits am vergangenen Freitag, das Treffen fand trotz des Verzichts Wagners wie geplant statt. Thema der eint�gigen Sitzung war die derzeitige Situation der Kirche in �sterreich. Kardinal Sch�nborn hatte im Vorfeld von �Schadensbegrenzung“ gesprochen. (rv)

 

 

17.02.09

Kardinal Kim Sou-hwan verstorben

Am 16.02.2009 ist der S�dkoreaner Stephen Kardinal Kim Sou-hwan im Alter von 86 Jahren verstorben. Kim Sou-hwan war emeritierter Erzbischof von Seoul. Am 28.04.1969 war er durch Papst Paul VI. in den Kardinalsstand erhoben worden. Ein Jahr vorher wurde er zum Erzbischof von Seoul ernannt. Seine Titelkirche war S. Felice da Cantalice a Centocello. Mit seinem Tot umfasst das Kardinalskollegium noch insgesamt 188 Kardin�le.

 

 

19.02.09

Israel/Vatikan: Botschafter im Gespr�ch

Voraussichtlich im Mai reist Papst Benedikt XVI. ins Heilige Land - die offizielle Best�tigung durch den Vatikan kommt mutma�lich im M�rz, doch der Papst selbst hat diese Visite im Gespr�ch mit j�dischen Repr�sentanten aus den USA bereits angek�ndigt. All die j�ngsten Querelen (Stichwort: Bischof Williamson) haben die Reisevorbereitungen nicht zum Erliegen gebracht. Mordechay Lewy, Israels Botschafter beim Heiligen Stuhl, sieht in der Visite einen weiteren Schritt der Ann�herung zwischen seinem Land und dem Vatikan – trotz aller Hindernisse. Im Gespr�ch mit Radio Vatikan meinte er:

�Ich sehe, dass wir seit l�ngerer Zeit ein gutes Verh�ltnis zur christlichen und katholischen Welt suchen. Trotz der Missverst�ndnisse und der Schwierigkeiten, von denen wir alle wissen in den letzten Wochen. Ich denke, das spricht f�r das gemeinsame Interesse sowohl der katholischen Kirche als auch Israels, dass man trotz der Unwegsamkeiten, die ausgeglichen worden sind, immer im Auge gehabt hat, dass man ein gemeinsames Interesse hat, vielleicht im selben Boot sitzt, und dass man immer daran denken muss, wie man aus solchen Krisen auch herauskommt. Und ich glaube, das ist durchaus ein diplomatischer Erfolg: dass trotz aller Unkenrufe die Sachen auf beiden Seiten gegl�ttet worden sind und dass wir diesen Besuch als weiteren Schritt der Ann�herung sehen.“

Israels Regierung hatte in einer Sondersitzung nach der Papstaudienz f�r eine j�dische Delegation aus den USA beschlossen, Benedikts Besuch �h�chste Priorit�t“ einzur�umen. Wie Israels Bev�lkerung �ber Papst Benedikt denkt, lasse sich schwer auf den Punkt bringen, meint Lewy. Seiner Einsch�tzung nach ist das Gesamtverh�ltnis zwischen Juden und Katholiken in Israel �nicht einfach“.

�Da d�rfen wir keine Illusionen hegen: Nur ein Bruchteil der Juden ist aktiv im Dialog. Ich hoffe, dass diese Kreise sich weiter ausbreiten. Ich glaube, vor allem gibt es eine Gleichg�ltigkeit: Es ist nicht in deren Priorit�ten. Eines der Indizien daf�r ist meiner Meinung nach: Die Wogen der Entr�stung nach der Aff�re Williamson waren in der j�dischen Welt – spezifisch in Israel - relativ milde, wenn man das mit Deutschland vergleicht. Ich glaube, der Grund daf�r war, dass wir wirklich mit anderen Dingen besch�ftigt waren. Ich m�chte daraus nicht schlie�en, dass die Sache weniger ernst beurteilt worden ist oder nicht – die Schlagzeilen galten vielmehr der Wahl in Israel und vielleicht der Berichterstattung �ber Gaza und deren Ausl�ufer, so dass dieser Sache weniger Platz einger�umt worden ist.“ (rv)

 

 

22.02.09

Pius XII. - ein Papst in Bedr�ngnis

Die geplante Reise des Papstes ins Heilige Land, die bevorstehende Seligsprechung Pius XII., aber auch die j�ngsten Ereignisse im Umfeld der Traditionalisten haben die Debatte um die Rolle dieses Papstes w�hrend des Zweiten Weltkriegs neu angeheizt. H�tte der Papst die Greueltaten Hitlers stoppen k�nnen, in dem er Krieg und Judenverfolgung �ffentlich verurteilte? Professor Karl-Joseph Hummel ist Direktor der Kommission f�r Zeitgeschichte mit Sitz in Bonn. Aldo Parmeggiani fragte ihn, wie er das �Schweigen“ Pius XII. zum Holocaust beurteilt.

�Dazu muss man sagen, dass der Papst zun�chst die M�glichkeit gar nicht gehabt hat und es muss schon die Frage erlaubt sein, warum die Nationalsozialisten gerade an diesem Punkt, der in ihrem Rassismus an erster Stelle stand, auf den Papst in Rom h�tten h�ren sollen, wenn sie in anderen Punkten nicht auf ihn geh�rt haben und wir wissen ja, dass aus dem Streit um das Reichskonkordat 1933, dass die Nationalsozialisten auch da nicht bereit waren auch nur an einem einzigen Punkt nachzugeben. Tats�chlich war das Schweigen f�r Pius XII. die Voraussetzung, dass er handeln konnte, also die Nicht�ffentlichkeit war die Voraussetzung daf�r, dass zum Beispiel �ber die Nuntiaturen, Roncalli in Ankara oder der Nuntius in Budapest,P�sse ausgestellt worden sind, die die Ausreise nach S�damerika erm�glicht haben oder Taufen vorgenommen worden sind, oder j�dische Kinder in katholische Familien oder in Kl�ster vermittelt worden sind.“

Welche Leitlinien haben Ihres Erachtens Herr Hummel Pius XII. zu seinem Verhalten veranlasst? H�tte es dazu �berhaupt Alternativen gegeben?

�Pius XII. war Zeit seines Lebens ein abw�gender, �berlegender Diplomat, der mit juristischer Bildung sehr bedacht reagiert hat und nicht vorschnelle Entscheidungen getroffen hat. Diese eher abwartende diplomatische Haltung steht nun in Konkurrenz zu einer moralischen F�hrungsrolle, die von ihm erwartet worden war, auch von vielen Katholiken erwartet worden war. Nat�rlich ist es vorstellbar, dass ein anderer Papst sich anders verhalten h�tte, und sein pers�nlicher Sekret�r, Pater Leiber, hat in einem Interview einmal gesagt, er glaube, dass Pius XI. sich anders entschieden h�tte und in dem Protest gegen die Ermordung der europ�ichen Juden an die �ffentlichkeit gegangen w�re. Aber er wollte sich nicht festlegen, welches Ergebnis das bessere gewesen w�re. F�r Pius XII. war es wichtig, ad maiora mala evitanda.“

Nach der �ffnung der vatikanischen Archive wissen wir auch, dass es sehr viele alternative �berlegungen gab, die dann aus ganz verschiedenen Gr�nden verworfen worden sind. Ein Beispiel?

�1937 hat der Vatikan �berlegt, nach dem Scheitern der Enzyklika 'Mit brennender Sorge', die in Deutschland nur dazu gef�hrt hat, dass die Verfolgungsma�nahmen zugenommen haben, aber damit die Situation der Katholiken nicht verbessert worden war, nach diesem Scheitern auf nationaler Ebene eine weltweite Offensive gegen den Nationalsozialismus zu inszenieren, und diese weltweite Initiative ist dann unterbleiben, weil Kardinal Faulhaber in M�nchen davon abgeraten hat, mit der Begr�ndung, diese Offensive w�rde dem Druck der Nationalsozialisten auf die katholische Kirche weiter erh�hen und w�rde in Deutschland zu einer Kirchenspaltung f�hren, weil es die Katholiken zwingt, sich zwischen Staat und Kirche zu entscheiden.“(rv)

 

 

23.02.09

Kardinal Pham Dinh Tung verstorben

Paul Joseph Kardinal Pham Dinh Tung ist am 22.02.2009 im Alter von 89 Jahren verstorben. 1963 ernannte ihn Papst Johannes XXIII. zum Bischof von Bac Ninh. Von 1963 bis 1990 stand er unter Hausarrest. Papst Johannes Paul II. ernannte ihn 1994 zum Erzbischof von Hanoi und im selben Jahr zum Kardinalpriester im Kardinalskollegium.Pham Dinh Tungs Titelkirche war S. Maria “Regina Pacis” in Ostia mare.

 

 

23.02.09

USA: Neuer Erzbischof f�r Big Apple

New York hat einen neuen Erzbischof: Papst Benedikt XVI. hat an diesem Montag den bisherigen Erzbischof von Milwaukee, Timothy M. Dolan, in dieses Amt berufen. Er ersetzt Kardinal Edward M. Egan, dessen R�cktritt aus Altersgr�nden der Papst zugleich annahm. Dolan stammt aus Saint Louis (Missouri), wo er 1976 die Priesterweihe empfing und 2001 Weihbischof wurde. Dazwischen leitete er unter anderem sieben Jahre lang das P�pstliche Nordamerikanische Kolleg in Rom.
Das Erzbistum New York ist nach Los Angeles das zweitgr��te der USA, 1.700 Priester und vier Weihbisch�fe sind ihm zugeordnet. Dolan galt als Favorit f�r das Amt des New Yorker Erzbischofs; allerdings war daf�r auch Erzbischof William Levada im Gespr�ch, der Pr�fekt der vatikanischen Glaubenskongregation. Der 59-j�hrige Dolan kann beim n�chsten Konsistorium mit der Verleihung der Kardinalsw�rde rechnen.
Theologisch gilt der neue New Yorker Oberhirte als gem��igt konservativ. Im US-Wahlkampf 2008 tadelte er den demokratischen Kandidaten f�r das Amt des Vizepr�sidenten, den Katholiken Joe Biden, sowie Nancy Pelosi, die Sprecherin der Demokraten im US-Kongress, daf�r, die Lehre der Kirche in der Frage der Abtreibung falsch darzustellen. In der Bischofskonferenz ist Dolan Pr�sident des Leitungs- und Kontrollgremiums (�Board of Directors“). Au�erdem geh�rt er dem Finanzkomitee an und ist Konsultor im Komitee f�r Gerechtigkeit und Frieden. (rv)

 

 

24.02.09

Kurienkardinal Jose Saraiva Martins zum Kardinalbischof ernannt

Damit steigt der 77-j�hrige Saraiva Martins in die protokollarisch h�chste Klasse des Kardinalskollegiums auf. Dieser Gruppe geh�ren weitere sechs Purpurtr�ger an. Neben den Italienern Angelo Sodano (Kardinaldekan), Giovanni Battista Re (Bischofskongregation) und Tarcisio Bertone (Kardinal-Staatssekret�r) sind dies der Franzose Roger Etchegaray und der Nigerianer Francis Arinze. Saraiva war bis Juli 2008 Pr�fekt der Heiligsprechungs-Kongregation. Papst Benedikt XVI. wies ihm am Dienstag das Titularbistum Palestrina in der N�he von Rom zu. Saraiva folgt an diesem Titelsitz dem schwarzafrikanischen Kardinal Bernardin Gantin nach, der im Mai 2008 mit 86 Jahren gestorben war. – Das derzeit 187 Mitglieder z�hlende Kardinalskollegium ist in drei Klassen aufgeteilt. Neben den Kardinalbisch�fen gibt es die Gruppe der Kardinalpriester, meist Erzbisch�fe gro�er Di�zesen, sowie die der Kardinaldiakone. Zu Letzteren geh�ren meist Kurienvertreter wie die Deutschen Walter Kasper und Paul Josef Cordes. Die Einteilung hat heute nur noch protokollarische Bedeutung. Die Unterscheidung hat heute nur noch protokollarische Bedeutung. Der Kreis der Kardinalbisch�fe hat maximal sechs Mitglieder. Die Zahl der Kardinalpriester, darunter meist Oberhirten gro�er Di�zesen der Weltkirche, liegt bei �ber 140 und die der Kardinaldiakone, zumeist Vertreter der Kurie bei rund 35. (rv)

 

 

24.02.09

Kardinalvikar Agostino Vallini protokollarisch bef�rdert

Mit einem Dekret vom Dienstag berief Benedikt den Kardinalvikar in die Klasse der Kardinalpriester. Der 68-j�hrige Vallini z�hlte bisher zur Gruppe der Kardinaldiakone. Seit Juni 2008 leitet er im Auftrag des Papstes die Di�zese Rom. Die Einteilung in die drei Klassen der Kardinaldiakone, Kardinalpriester und Kardinalbisch�fe geht auf die alte Praxis zur�ck, dass der Papst als Bischof von Rom vom Klerus der Stadt gew�hlt wurde. In Erinnerung an diese Tradition hat jeder Kardinal in Rom heute einen Titelsitz als r�mischer Diakon, Priester oder romnaher Bischof. (rv)

 

 

25.02.09

Vor 550 Jahren: Geburtstag eines deutsch-fl�mischen Papstes

Er war der vielleicht ungew�hnlichste Papst der Renaissance – der Deutsche bzw. Flame Hadrian VI. Asketisch und fromm, karitativ und streng beschreiben historische Quellen den Kirchenmann, der es 1521 v�llig unverhofft aus kleinen Verh�ltnissen an die Spitze der Kirche schaffte. Am 2. M�rz j�hrt sich sein Geburtstag zum 550. Mal.

Gudrun Sailer sprach mit dem Hadrian-Biografen P. Markus Graulich, der hier in Rom an der p�pstlichen Universit�t der Salesianer Kirchenrecht lehrt.

Er war der vielleicht ungew�hnlichste Papst der Renaissance – der Deutsche bzw. Flame Hadrian VI. Asketisch und fromm, karitativ und streng beschreiben historische Quellen den Kirchenmann, der es 1521 v�llig unverhofft aus kleinen Verh�ltnissen an die Spitze der Kirche schaffte. Am 2. M�rz j�hrt sich sein Geburtstag zum 550. Mal. Gudrun Sailer sprach mit dem Hadrian-Biografen P. Markus Graulich, der hier in Rom an der p�pstlichen Universit�t der Salesianer Kirchenrecht lehrt.
Als sich die Kardin�le nach dem Tod des Medici-Papstes Leo X. im Dezember 1521 zum Konklave versammelten, waren sie allseits in der Klemme. Nach einer Zeit kultureller Bl�te war das Papstamt, war die Kirche von innen wie von au�en in Gefahr. Die T�rken bedr�ngten den S�dosten Europas, und im deutschen Reich scharte Luther trotz Kirchenbanns immer mehr Anh�nger um sich. In einer solchen Lage fiel die Wahl der Kardin�le – auf einen Flamen.
�Hadrian VI., den kannte kaum einer, der war auch gar nicht in Rom, als das Konklave tagte, sondern in Spanien, und die Nachricht seiner Wahl hat ihn erst ein Monat sp�ter erreich, als man einen Gesandten hingeschickt hatte, und er ist ein v�llig untypischer Mensch. V�llig ohne All�ren, der sehr lange mit seiner Doktorarbeit warten musste, weil er sich die Feier nicht leisten konnte.“
Adrian Florensz wurde am 2. M�rz 1459 in Utrecht geboren, das zu jener Zeit Teil des r�mischen Reiches deutscher Nation war. Er stammte aus einfachen Verh�ltnissen:
�Sein Vater war vermutlich Fl��er, Schiffsbauer, im Binnenschiffahrtsgewerbe t�tig.“
Hadrian selbst wurde Priester und Gelehrter. An der Universit�t Leuven arbeitete er sich zum Rektor hoch. Dann wurde er...
�durch Zuf�lle, die das Leben schreibt, Berater Karls V., dann Statthalter in Spanien, und �ber Karl V. dann auch Kardinal.“
Seine Kardinal-Kollegen kannten mit einer Ausnahme den Deutschen nicht im mindestens, ahnten also kaum, wie er sich als Papst machen w�rde. Der deutsche Papst hingegen hatte klare Ideen, die er bereits als Theologe herausgebildet hatte. Sein Verst�ndnis vom Papstamt war au�erordentlich modern, sagt Graulich:
�Wer ein Amt in der Kirche hat, der muss dasein wollen und nicht vorstehen wollen. Und er muss dasein wollen F�R die anderen. Pro esse, nicht Prae esse. Das war sein Amtsverst�ndnis. Er hat auch in seiner Konzeption, und zu seiner Zeit ist der Gedanke ja noch erlaubt, er hat f�r sich gesagt, der Papst kann nicht unfehlbar sein, es gibt auch P�pste, die geirrt haben, also er hat dieses Amt nicht so �berh�ht wie sein Vorg�nger Leo X., der sagte, jetzt hat uns Gott das Papstamt geschenkt, jetzt wollen wir es auch genie�en.“
Zwei gro�e Anliegen verfolgte der Flame, ganz im Sinn jener, die ihn gew�hlt hatten: Er wollte die Christenheit einigen und gegen die T�rken vorgehen. In beiden F�llen erreichte Hadrian VI. freilich nichts. Im Fall der T�rken konnte er die F�rsten nicht einigen, und das christliche Europa musste den Fall von Rhodos hinnehmen. Im Fall der Kirchenreform scheiterte er an internen Widerst�nden. Bezeichnend f�r sein Denken und Handeln, f�r seinen Reformwillen war seine Botschaft f�r den N�rnberger Reichstag 1522. Dort schickte er einen Nuntius hin und lie� ihn jenes ber�hmte Schuldgest�ndnis der Kirche ablegen:
�Die Pest ist von diesem Hof ausgegangen und hat die Kirche infiziert, und sie muss auch vom Haupt her gesunden. Deshalb verspricht Hadrian, alles zu tun um die Kurie zu reformieren, und er hofft, dass die Bisch�fe das ihre tun, um die L�nder zu reformieren, und dann wird das alles wieder gut werden. Aber die Bisch�fe wollten gar nicht reformieren. Er scheitert auch an der mangelnden Mitarbeit der Bisch�fe.“
�hnlich erging es dem ungl�cklichen Hadrian im eigenen Haus. An der Kurie war und blieb er ein Fremder. Denn der Papst, der aus dem Norden kam, war viel zu radikal.
�Sie m�ssen sich vorstellen, er kommt nach Rom in einer Zeit, in der Michelangelo hier arbeitet, und er schmei�t ihn hinaus. Weil ihn Kunst nicht interessiert. Er l�sst den Hof schlie�en, in dem der Laokoon steht, �sunt idoles paganorum“, das sind heidnische Gottheiten, das interessiert ihn nicht – er l�sst den Skulpturenhof zumauern. All das, was eben im Renaissance-Papsttum �bertrieben war, von Leo X., Julius II. vor allem, damit macht er so radikal Schluss, dass eben gar nichts mehr bleibt. Dann kommt eine Pest in Rom, die raubt ihm wichtige Monate und auch die besten Mitarbeiter, und dann bleibt er alleine. Einsam, kaum mit jemand, der ihn unterst�tzt.“
Drei Jahrzehnte lang waren gro�e Kunstm�zene auf dem Papstthron gesessen – drei Jahrzehnte, in denen Rom zur kulturell bedeutendsten Stadt Europas avanciert war. Damit ist unter dem asketischen Hadrian erst einmal Schluss.
�Man sagt in den zeitgen�ssischen Quellen, was bei anderen P�psten die K�nstler und Musiker waren, das waren bei Hadrian die Armen. Die hat er unterst�tzt.“
P. Graulich ist f�r seine Hadrian-Biografie an die Quellen gegangen und hat Adrian Florensz auch etwa durch dessen Handschriften in Leuven kennen gelernt. Handschriften, die nicht nur inhaltlich aussagekr�ftig sind, findet Graulich:
�Die sind total akkurat und alle zehn Seiten mal einen Einschub, den er an die Seite schreibt. Das sind Handschriften, die er benutzt, um Vorlesungen zu halten. Er war sicher ein systematischer Mensch, von dem man sehr viel lernen konnte, ich muss aber ehrlich zugeben, so sympathisch mir seine Figur ist, so sehr h�tte ich Angst, ihm gegen�ber zu stehen. So dieser klassische deutsche Professor halt, ein bisschen unnahbar, ganz in seiner B�cherwelt und seinen Folianten lebend. Mich fasziniert die Figur, aber es ist halt, dieses Tremendum est faszinosum – ich frage mich, h�ttest du ihn treffen wollen – vielleicht eher nicht!“
Hadrian �berlebte seine Papstwahl nur eineinhalb Jahre. Danach starb er an Ersch�pfung – nicht an Gift, wie eine Untersuchung aus den 70er-Jahren belegt. Begraben liegt der fl�mische Papst in der deutschen Nationalkirche Santa Maria dell Anima in Rom. Die Kardin�le, die wenig sp�ter zum Konklave zusammenkamen, waren dieselben, die eineinhalb Jahre zuvor Hadrian auf den Papstthron gew�hlt hatten. Der Mann aus Utrecht scheint nachhaltig abschreckend auf die Kirchenm�nner gewirkt zu haben – so sehr, dass die P�pste der n�chsten 500 Jahre, bis zu Karol Wojtyla, ausschlie�lich Italiener sein sollten.
Markus Graulichs Biografie "Hadrian VI. - Ein deutscher Papst am Vorabend der Reformation" erscheint kommenden Sommer im Verlag Ferdinand Sch�ningh. (rv)

 

 

27.02.09

Vatikan: �Erkl�rung Williamsons nicht ausreichend“

 

Ein Entschuldigungsbrief von Richard Williamson f�r seine �u�erungen zum Holocaust liege dem Vatikan nicht vor – und �berdies gen�gten die Erkl�rungen des Lefebvre-Bischofs den Forderungen des Heiligen Stuhls nicht. Das stellte Vatikansprecher Pater Federico Lombardi an diesem Freitag klar. Donnerstag Abend hatte die katholische Nachrichtenagentur Zenit berichtet, bei der P�pstlichen Kommission Ecclesia Dei sei eine Erkl�rung Williamsons eingegangen, in der er seine umstrittenen Aussagen zum Holocaust zur�cknimmt. Dazu Pater Lombardi w�rtlich:

�Zu dem Schreiben des Bischofsder Priesterbruderschaft Pius X., Richard Williamson, vom 26. Februar 2009 stellen wir klar, dass es sich dabei nicht um einen Brief an den Heiligen Vater oder an die Kommission Ecclesia Dei handelt. Die so genannte Erkl�rung des Bischofs scheint die Bedingungen nicht zu erf�llen, die das Staatssekretariat in seiner Note vom 4. Februar 2009 gestellt hat. Darin ist n�mlich festgehalten, dass der Bischof sich von seinen Positionen zur Shoah auf absolut unmissverst�ndliche Weise und �ffentlich distanzieren muss.“

In seinem Schreiben vom Donnerstag hatte sich Williamson f�r die Folgen seiner Aussagen entschuldigt und diese relativiert. Er habe nur die Meinung eines Nicht-Historikers ge�u�ert, die sich auf die verf�gbaren Erkenntnisse von vor 20 Jahren gest�tzt habe. Er bitte alle, die sich aufgrund seiner Worte �aufrichtig entr�stet haben, vor Gott um Vergebung“. Explizit zur�ck nahm er seine �u�erungen zum Holocaust nicht. Williamson hatte in einem schwedischen Fernseh-Interview Anfang November in Regensburg die Existenz von Gaskammern zur Vernichtung von Menschenleben verneint und die Zahl der ermordeten Juden auf �maximal 300.000“ beziffert. (rv)

 

nach oben > >

 

 

3/2009

 

 

01.03.09

Reaktionen auf Erkl�rung von Williamson

Vatikansprecher Federico Lombardi hat am Freitag eine Entschuldigung des Lefebvre-Bischofs Richard Williamson im Zusammenhang mit dessen Leugnung des Holocausts als nicht ausreichend bezeichnet. Williamson m�sse seine �u�erungen vollst�ndig und �ffentlich widerrufen, bekr�ftigte Lombardi. Williamson hatte der katholischen Nachrichtenagentur Zenit zufolge zwar erkl�rt, es tue ihm leid �solche Bemerkungen gemacht zu haben“, jedoch offen gelassen, ob er seine Ansichten ge�ndert hat. In einer am Donnerstag in London ver�ffentlichten Erkl�rung bat er alle, die sich aufgrund seiner Worte aufrichtig entr�stet h�tten, �vor Gott um Vergebung“, so Zenit. Williamson hatte vor rund vier Monaten behauptet, dass es f�r die Existenz von Gaskammern keine historischen Beweise gebe und dass nicht sechs Millionen Juden, sondern 200.000 bis 300.000 Juden von den Nazis ermordet worden seien. (rv/zenit)

Kommentar des Redaktionsleiters,
Pater Eberhard von Gemmingen SJ:

Der Bischof der Piusbruderschaft, Richard Williamson, hat sich zwar in der �ffentlichkeit ge�u�ert, aber er hat nicht an den Vatikan und den Papst geschrieben. Daher hat der Pressesprecher des Vatikans, Pater Federico Lombardi, gegen�ber den Medien erkl�rt, der Lefebvre-Bischof habe nicht das getan, was der Papst von ihm gefordert hatte. In einer Erkl�rung des vatikanischen Staatssekretariats vom 4. Februar hatte es gehei�en, Williamson m�sse seine antisemitischen �u�erungen und seine Holocaust-Leugnung eindeutig zur�cknehmen. Und dies nicht nur gegen�ber der allgemeinen �ffentlichkeit sondern gegen�ber dem Heiligen Stuhl. Bischof Williamson vermeidet dies offensichtlich.

Ich finde es sehr erfreulich, dass der Vatikansprecher der Welt�ffentlichkeit mitgeteilt hat, dass dies nicht den Forderungen des Vatikans entspreche. Auf der anderen Seite aber will der Vatikan nun nicht t�glich auf diese oder jene �u�erungen von Bischof Williamson reagieren. Dieser exzentrische Bischof darf nicht das Tempo diktieren. Daher wird der Vatikan m�glicherweise in den n�chsten Tagen auf weitere �u�erungen von Williamson nicht reagieren. Wenn er dies t�te, w�rde er nach der Pfeife von Williamson tanzen, was absolut unangemessen w�re.

Im �brigen bin ich der Ansicht, dass der Vatikan schon hinreichend klargemacht hat: Die antisemitischen �u�erungen und die Holocaustleugnung von Williamson sind untragbar. Papst Benedikt steht zu den Aussagen des Zweiten Vatikanums �ber das Verh�ltnis der katholischen Kirche zu den Juden. Wer gutwillig ist, konnte alles Notwendige h�ren. Vor allem haben die j�dischen Gespr�chspartner l�ngst erkannt, dass durch die Medien f�lschlicherweise der Eindruck geschaffen wurde, Papst Benedikt entferne sich von der Judenfreundschaft seines Vorg�ngers. Dies war nie der Fall. Nur haben manche Medien diesen falschen Eindruck vermittelt. Auch die Welt�ffentlichkeit darf sich ihre Themen nicht durch einen exzentrischen Bischof diktieren lassen. Man sollte Bischof Williamson links liegen lassen und ihn einfach nicht mehr h�ren.
Das bedeutet keineswegs, dass eine Holocaust-Leugnung geduldet werden kann. Aber auch andere Holocaustleugner werden nicht ernst genommen, sondern eben als exzentrische Spinner behandelt, die gleichwohl vor die entsprechenden Gerichte zitiert werden sollen.

Meine Meinung: K�mmern wir uns um die entscheidenden judenfreundlichen �u�erungen der katholischen Kirche. Und nehmen wir die b�sen �u�erungen von Pius-Br�dern und ihren Bisch�fen nicht zu ernst. Es reicht, wenn sie bestraft werden. Das aber muss geschehen. (rv)

D/Italien: Williamson-Entschuldigung unzureichend
Die Entschuldigung des umstrittenen Traditionalistenbischofs Richard Williamson f�r seine Leugnung des Holocausts wird in katholischer Kirche, Judentum und Politik als unzureichend bewertet. Die Pr�sidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, zeigte sich �ber die neue Stellungnahme des 68-j�hrigen Briten entsetzt. Der Generalsekret�r des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, sagte, sich lediglich f�r zugef�gte Schmerzen zu entschuldigen, sei �v�llig ungen�gend“. Damit seien Williamsons �u�erungen �ber den Holocaust nicht auszur�umen. Er m�sse sie widerrufen. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries schloss nicht aus, dass die Bundesrepublik die Auslieferung des britischen Holocaust-Leugners Williamson beantragt.
Auch der Pr�sident der Vereinigung der j�dischen Gemeinden Italiens, Renzo Gattegna, hat sich skeptisch �ber die Entschuldigung ge�u�ert. Die Erkl�rung des aus Argentinien ausgewiesenen Briten sei �zweideutig“, betonte er der Mail�nder Tageszeitung �Corriere della Sera“ vom Freitag zufolge. M�glicherweise sei Williamsons j�ngste Erkl�rung �schwerwiegender“ als seine bisherigen �u�erungen. Gattegna wies darauf hin, dass der Bischof der traditionalistischen Pius-Bruderschaft es auch in seiner j�ngsten �u�erung �sorgf�ltig vermeidet, eine unwiderlegliche historische Wahrheit anzuerkennen“. (rv)

 

 

02.03.09

Neuer Pr�sident des P�pstl. Rates f�r Migranten

Der p�pstliche Rat f�r die Seelsorge an Migranten und Menschen unterwegs hat einen neuen Pr�sidenten: Papst Benedikt XVI. hat an diesem Samstag Erzbischof Antonio Maria Vegli� zum neuen Vorsitzenden des Migrantenrates berufen. Bisher war Vegli� Sekret�r der Kongregation f�r die orientalischen Kirchen. Der Erzbischof l�st damit den langj�hrigen p�pstlichen Beauftragten f�r Migranten, Kurienkardinal Renato Raffaele Martino, ab. – Antonio Maria Vegli� wurde am 18. M�rz 1962 zum Priester geweiht. Er promovierte in Kanonischem Recht und trat 1968 in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls ein. Er war als Apostolischer Pro-Nuntius in Papua-Neuguinea, auf den Salomonen, im Senegal und auf Mali t�tig. 1984 wurde er zum Bischof geweiht. Als Sekret�r der Kongregation f�r die orientalischen Kirchen arbeitete er seit 2001. (rv)

 

 

05.03.09

In einem r�mischen Kloster in der N�he des Laterans ist ein wichtiges Dokument zu Papst Pius XII. aufgetaucht.

Die Notiz vom November 1943 f�hrt 24 Verfolgte des Nazi-Regimes auf; diese sollten auf Wunsch des Papstes gerettet werden. Darum habe – so das Dokument w�rtlich – der Heilige Vater angeordnet, �diesen Verfolgten in den Kl�stern Gastfreundschaft zu gew�hren“. Viele oder alle der auf der Liste aufgef�hrten Personen waren offenbar Juden. Der Relator im Seligsprechungsprozess f�r Pius, Jesuitenpater Peter Gumpel, spricht von einem �seltenen Zeugnis“. Es gebe zwar viele m�ndliche Hinweise auf solche Rettungsaktionen des Pacelli-Papstes f�r verfolgte Juden, aber so gut wie keine schriftlichen Belege. Das Dokument kam jetzt im Kloster der Augustinerinnen von �Santi Quattro Coronati“ zum Vorschein. Es ist einer von nur zwei existierenden schriftlichen Hinweisen auf die Rettungsaktion; ein zweites, schon l�nger bekanntes Dokument aus dem Vatikan in dieser Hinsicht galt dem Bistum Assisi. (rv)

 

 

07.03.09

Vatikan/Frankreich: Als der Papst in �Babylonischer Gefangenschaft“ war

Vor 700 Jahren leitete Papst Clemens V. in Avignon die �ra der so genannten �Babylonischen Gefangenschaft“ des Papsttums ein. Ursache des Avignon-Exils waren die politischen Wirren in Rom und Italien sowie der Druck der franz�sischen Krone. Bis 1376 f�hrten insgesamt sieben franz�sische Petrus-Nachfolger die Geschicke der Kirche von Avignon aus. Das feiern die Gl�ubigen dort an diesem Wochenende. Und ein franz�sischer Kurienkardinal vertritt Papst Benedikt bei den Feierlichkeiten: Kardinal Paul Poupard wird an diesem Samstag und Sonntag am ehemaligen Papstsitz �ber die Bedeutung des Avignon-Exils der P�pste sprechen. Gegen�ber Radio Vatikan erkl�rte der emeritierte Vorsitzende des P�pstlichen Kulturrats Poupard, weshalb die �Babylonische Gefangenschaft“ keinen Bruch in der Kirchengeschichte bildet:

�Denn es ging damals darum, die Kontinuit�t der Petrus-Nachfolge fortzuf�hren. Auch dank des Aufenthalts in Avignon konnte diese Linie vom Apostel Petrus bis hin zu Benedikt XVI. weiter gef�hrt werden. Aus historischer Sicht war es notwendig, dass damals das Kirchenoberhaupt von Rom weggehen musste. Doch es ist nicht korrekt zu sagen, dass es sich um eine Gefangenschaft handelte. Denn der Papst und die Kurie sind freiwillig nach Avignon gereist. Sie konnten nur dort hingehen, weil sich kein anderer Ort vorfand.“

Heute wird in der s�dfranz�sischen Stadt gefeiert, was aber damals als Schmerz empfunden wurde. Kardinal Poupard:

�Es waren schwere Zeiten. Denn es ist ja nie normal, dass ein Bischof gezwungen wird, seinen Sitz zu verlassen. Das gilt insbesondere f�r den Bischof von Rom. Damals war aber das Papsttum mit den politischen Wirren jener Zeit verbunden. Daraus schlie�en wir f�r die heutige Zeit, dass die Petrusnachfolge nicht eine politische sondern eine geistige Autorit�t bleiben muss.“ (rv)

Anmerkung  von VH zur Babylonischen Gefangenschaft (lesen Sie hierzu die Konklavegeschichte):

  • Papst Clemens V.
  • Johannes XXII.
  • Benedikt XII.
  • Clemens VI.
  • Innozenz VI.
  • Urban V. und
  • Gregor XI.         

 

 

10.03.09

Vatikan: �Aufmerksamkeit auf ganzen afrikanischen Kontinent richten“

In einer Woche bricht Benedikt XVI. auf nach Afrika. Es ist die 18. Reise eines Papstes auf den afrikanischen Kontinent. Der deutsche Papst selbst besuchte als Kardinal die kongolesische Hauptstadt Kinshasa, seine 11. internationale Pastoralreise als Kirchenoberhaupt f�hrt ihn jetzt nach Kamerun und Angola.
Andere Kontinente habe der Papst bereits bereist, Afrika sei jetzt an der Reihe, erkl�rte Vatikansprecher Pater Federico Lombardi an diesem Dienstag vor Journalisten.

�F�r Oktober ist au�erdem die Sondersynode f�r Afrika angesetzt. Die Reise steht also in enger Verbindung mit der Synode und will die Aufmerksamkeit der ganzen Kirche auf diesen Kontinent richten.“

�Die Kirche im Dienst von Vers�hnung, Gerechtigkeit und Frieden“ ist das Thema der Pastoralreise und der Afrikasynode gleicherma�en. In Kameruns Hauptstadt Yaound� wird Benedikt XVI. stellvertretend an 42 Bisch�fe des Kontinents das Arbeitspapier f�r die Sondersynode im Oktober �bergeben. Johannes Paul II. �berreichte an gleicher Stelle vor 14 Jahren das Abschlussdokument der ersten Afrika-Synode.
Die Reiseziele Kamerun und Angola erm�glichen dem Papst eine besonders exemplarische Visite des afrikanischen Kontinents: Er besucht die n�rdliche und s�dliche Hemisph�re. In den beiden L�ndern werden au�erdem die drei wichtigsten Sprachen Afrikas gesprochen, Englisch, Franz�sisch, sogar noch etwas Deutsch in Kamerun, Portugiesisch in Angola.
Angola war das erste Missionsland s�dlich der Sahara. Der Papst wolle dort die Christen st�rken, und zum Frieden aufrufen, so Lombardi. Die kriegsgeplagte Geschichte Angolas ist f�r die Planer der Papstreise beispielhaft f�r den Kontinent.

�Das Land hat 27 Jahre B�rgerkrieg hinter sich und ist auf dem Weg zur Auss�hnung. Doch Angola steht jetzt vor dem Wiederaufbau. Eine Botschaft im Zeichen des Synodenthemas Frieden und Vers�hnung ist f�r dieses Land also wichtig, das versucht, nach den schlimmen Zeiten neu anzufangen.“

Erstmals besucht Benedikt XVI. im Laufe einer Pastoralreise zwei L�nder. Die vatikanischen Tourenplaner legten Wert darauf, dass sich die Programmpunkte nicht wiederholen. In Kamerun liegt der Schwerpunkt auf den kirchlichen Themen und der Begegnung mit den Bisch�fen. Benedikt wird au�erdem ein Krankenzentrum besuchen.
Erster und international bedeutender Programmpunkt in Angolas Hauptstadt Luanda ist der Besuch beim Pr�sidenten, verbunden mit einer politischen Rede des Papstes. Lombardi:

�Das ist der Ort f�r die Ansprache des Papstes �ber Afrika, die sich sowohl an die Kirche als auch an den Kontinent richtet und international ausgerichtet ist.“
Benedikt XVI. will in Angola mit dem Volk und seinen Problemen und Sehns�chten in Kontakt kommen: In einem der neuen Fu�ballstadien Afrikas begegnet der Papst den Jugendlichen. Vor der Abreise am 22. M�rz trifft er – erstmals im Programm bei einer Papstreise – katholische Frauenbewegungen, auf eigenen Wunsch einer Pfarrei in einem der �rmsten Stadtteile Luandas. (rv)

 

 

12.03.09

Papstbrief an Bisch�fe. Der offizielle Text

Benedikt XVI. hat einen Brief an Bisch�fe aus aller Welt geschrieben. Darin antwortet er auf Kritik und Fragen zu seinem Umgang mit der Causa Williamson und den Lefebvre-Anh�ngern. Der Brief wurde am Donnerstag Mittag vom Vatikan ver�ffentlicht. Wir dokumentieren hier den autorisierten Text; Quelle ist der Pressesaal des Heiligen Stuhls.

�BRIEF SEINER HEILIGKEIT PAPST BENEDIKT XVI.
AN DIE BISCH�FE DER KATHOLISCHEN KIRCHE
in Sachen Aufhebung der Exkommunikation
der vier von Erzbischof Lefebvre geweihten Bisch�fe

Liebe Mitbr�der im bisch�flichen Dienst!

Die Aufhebung der Exkommunikation f�r die vier von Erzbischof Lefebvre im Jahr 1988 ohne Mandat des Heiligen Stuhls geweihten Bisch�fe hat innerhalb und au�erhalb der katholischen Kirche aus vielf�ltigen Gr�nden zu einer Auseinandersetzung von einer Heftigkeit gef�hrt, wie wir sie seit langem nicht mehr erlebt haben. Viele Bisch�fe f�hlten sich ratlos vor einem Ereignis, das unerwartet gekommen und kaum positiv in die Fragen und Aufgaben der Kirche von heute einzuordnen war. Auch wenn viele Hirten und Gl�ubige den Vers�hnungswillen des Papstes grunds�tzlich positiv zu werten bereit waren, so stand dagegen doch die Frage nach der Angemessenheit einer solchen Geb�rde angesichts der wirklichen Dringlichkeiten gl�ubigen Lebens in unserer Zeit. Verschiedene Gruppierungen hingegen beschuldigten den Papst ganz offen, hinter das Konzil zur�ckgehen zu wollen: eine Lawine von Protesten setzte sich in Bewegung, deren Bitterkeit Verletzungen sichtbar machte, die �ber den Augenblick hinausreichen. So f�hle ich mich gedr�ngt, an Euch, liebe Mitbr�der, ein kl�rendes Wort zu richten, das helfen soll, die Absichten zu verstehen, die mich und die zust�ndigen Organe des Heiligen Stuhls bei diesem Schritt geleitet haben. Ich hoffe, auf diese Weise zum Frieden in der Kirche beizutragen.

Eine f�r mich nicht vorhersehbare Panne bestand darin, da� die Aufhebung der Exkommunikation �berlagert wurde von dem Fall Williamson. Der leise Gestus der Barmherzigkeit gegen�ber vier g�ltig, aber nicht rechtm��ig geweihten Bisch�fen erschien pl�tzlich als etwas ganz anderes: als Absage an die christlich-j�dische Vers�hnung, als R�cknahme dessen, was das Konzil in dieser Sache zum Weg der Kirche erkl�rt hat. Aus einer Einladung zur Vers�hnung mit einer sich abspaltenden kirchlichen Gruppe war auf diese Weise das Umgekehrte geworden: ein scheinbarer R�ckweg hinter alle Schritte der Vers�hnung von Christen und Juden, die seit dem Konzil gegangen wurden und die mitzugehen und weiterzubringen von Anfang an ein Ziel meiner theologischen Arbeit gewesen war. Da� diese �berlagerung zweier gegens�tzlicher Vorg�nge eingetreten ist und den Frieden zwischen Christen und Juden wie auch den Frieden in der Kirche f�r einen Augenblick gest�rt hat, kann ich nur zutiefst bedauern. Ich h�re, da� aufmerksames Verfolgen der im Internet zug�nglichen Nachrichten es erm�glicht h�tte, rechtzeitig von dem Problem Kenntnis zu erhalten. Ich lerne daraus, da� wir beim Heiligen Stuhl auf diese Nachrichtenquelle in Zukunft aufmerksamer achten m�ssen. Betr�bt hat mich, da� auch Katholiken, die es eigentlich besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feindseligkeit auf mich einschlagen zu m�ssen glaubten. Um so mehr danke ich den j�dischen Freunden, die geholfen haben, das Mi�verst�ndnis schnell aus der Welt zu schaffen und die Atmosph�re der Freundschaft und des Vertrauens wiederherzustellen, die – wie zur Zeit von Papst Johannes Paul II. – auch w�hrend der ganzen Zeit meines Pontifikats bestanden hatte und gottlob weiter besteht.

Eine weitere Panne, die ich ehrlich bedaure, besteht darin, da� Grenze und Reichweite der Ma�nahme vom 21. 1. 2009 bei der Ver�ffentlichung des Vorgangs nicht klar genug dargestellt worden sind. Die Exkommunikation trifft Personen, nicht Institutionen. Bischofsweihe ohne p�pstlichen Auftrag bedeutet die Gefahr eines Schismas, weil sie die Einheit des Bischofskollegiums mit dem Papst in Frage stellt. Die Kirche mu� deshalb mit der h�rtesten Strafe, der Exkommunikation, reagieren, und zwar, um die so Bestraften zur Reue und in die Einheit zur�ckzurufen. 20 Jahre nach den Weihen ist dieses Ziel leider noch immer nicht erreicht worden. Die R�cknahme der Exkommunikation dient dem gleichen Ziel wie die Strafe selbst: noch einmal die vier Bisch�fe zur R�ckkehr einzuladen. Diese Geste war m�glich, nachdem die Betroffenen ihre grunds�tzliche Anerkennung des Papstes und seiner Hirtengewalt ausgesprochen hatten, wenn auch mit Vorbehalten, was den Gehorsam gegen seine Lehrautorit�t und gegen die des Konzils betrifft. Damit komme ich zur Unterscheidung von Person und Institution zur�ck. Die L�sung der Exkommunikation war eine Ma�nahme im Bereich der kirchlichen Disziplin: Die Personen wurden von der Gewissenslast der schwersten Kirchenstrafe befreit. Von dieser disziplin�ren Ebene ist der doktrinelle Bereich zu unterscheiden. Da� die Bruderschaft Pius’ X. keine kanonische Stellung in der Kirche hat, beruht nicht eigentlich auf disziplin�ren, sondern auf doktrinellen Gr�nden. Solange die Bruderschaft keine kanonische Stellung in der Kirche hat, solange �ben auch ihre Amtstr�ger keine rechtm��igen �mter in der Kirche aus. Es ist also zu unterscheiden zwischen der die Personen als Personen betreffenden disziplin�ren Ebene und der doktrinellen Ebene, bei der Amt und Institution in Frage stehen. Um es noch einmal zu sagen: Solange die doktrinellen Fragen nicht gekl�rt sind, hat die Bruderschaft keinen kanonischen Status in der Kirche und solange �ben ihre Amtstr�ger, auch wenn sie von der Kirchenstrafe frei sind, keine �mter rechtm��ig in der Kirche aus.

Angesichts dieser Situation beabsichtige ich, die P�pstliche Kommission �Ecclesia Dei“, die seit 1988 f�r diejenigen Gemeinschaften und Personen zust�ndig ist, die von der Bruderschaft Pius’ X. oder �hnlichen Gruppierungen kommend in die volle Gemeinschaft mit dem Papst zur�ckkehren wollen, in Zukunft mit der Glaubenskongregation zu verbinden. Damit soll deutlich werden, da� die jetzt zu behandelnden Probleme wesentlich doktrineller Natur sind, vor allem die Annahme des II. Vatikanischen Konzils und des nachkonziliaren Lehramts der P�pste betreffen. Die kollegialen Organe, mit denen die Kongregation die anfallenden Fragen bearbeitet (besonders die regelm��ige Kardinalsversammlung an den Mittwochen und die ein- bis zweij�hrige Vollversammlung), garantieren die Einbeziehung der Pr�fekten verschiedener r�mischer Kongregationen und des weltweiten Episkopats in die zu f�llenden Entscheidungen. Man kann die Lehrautorit�t der Kirche nicht im Jahr 1962 einfrieren – das mu� der Bruderschaft ganz klar sein. Aber manchen von denen, die sich als gro�e Verteidiger des Konzils hervortun, mu� auch in Erinnerung gerufen werden, da� das II. Vaticanum die ganze Lehrgeschichte der Kirche in sich tr�gt. Wer ihm gehorsam sein will, mu� den Glauben der Jahrhunderte annehmen und darf nicht die Wurzeln abschneiden, von denen der Baum lebt.

Ich hoffe, liebe Mitbr�der, da� damit die positive Bedeutung wie auch die Grenze der Ma�nahme vom 21. 1. 2009 gekl�rt ist. Aber nun bleibt die Frage: War das notwendig? War das wirklich eine Priorit�t? Gibt es nicht sehr viel Wichtigeres? Nat�rlich gibt es Wichtigeres und Vordringlicheres. Ich denke, da� ich die Priorit�ten des Pontifikats in meinen Reden zu dessen Anfang deutlich gemacht habe. Das damals Gesagte bleibt unver�ndert meine Leitlinie. Die erste Priorit�t f�r den Petrusnachfolger hat der Herr im Abendmahlssaal unmi�verst�ndlich fixiert: �Du aber st�rke deine Br�der“ (Lk 22, 32). Petrus selber hat in seinem ersten Brief diese Priorit�t neu formuliert: �Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die in euch ist“ (1 Petr 3, 15). In unserer Zeit, in der der Glaube in weiten Teilen der Welt zu verl�schen droht wie eine Flamme, die keine Nahrung mehr findet, ist die allererste Priorit�t, Gott gegenw�rtig zu machen in dieser Welt und den Menschen den Zugang zu Gott zu �ffnen. Nicht zu irgendeinem Gott, sondern zu dem Gott, der am Sinai gesprochen hat; zu dem Gott, dessen Gesicht wir in der Liebe bis zum Ende (Joh 13, 1) - im gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus erkennen. Das eigentliche Problem unserer Geschichtsstunde ist es, da� Gott aus dem Horizont der Menschen verschwindet und da� mit dem Erl�schen des von Gott kommenden Lichts Orientierungslosigkeit in die Menschheit hereinbricht, deren zerst�rerische Wirkungen wir immer mehr zu sehen bekommen.

Die Menschen zu Gott, dem in der Bibel sprechenden Gott zu f�hren, ist die oberste und grundlegende Priorit�t der Kirche und des Petrusnachfolgers in dieser Zeit. Aus ihr ergibt sich dann von selbst, da� es uns um die Einheit der Glaubenden gehen mu�. Denn ihr Streit, ihr innerer Widerspruch, stellt die Rede von Gott in Frage. Daher ist das M�hen um das gemeinsame Glaubenszeugnis der Christen – um die �kumene – in der obersten Priorit�t mit eingeschlossen. Dazu kommt die Notwendigkeit, da� alle, die an Gott glauben, miteinander den Frieden suchen, versuchen einander n�her zu werden, um so in der Unterschiedenheit ihres Gottesbildes doch gemeinsam auf die Quelle des Lichts zuzugehen – der interreligi�se Dialog. Wer Gott als Liebe bis ans Ende verk�ndigt, mu� das Zeugnis der Liebe geben: den Leidenden in Liebe zugewandt sein, Ha� und Feindschaft abwehren - die soziale Dimension des christlichen Glaubens, von der ich in der Enzyklika �Deus caritas est“ gesprochen habe.

Wenn also das Ringen um den Glauben, um die Hoffnung und um die Liebe in der Welt die wahre Priorit�t f�r die Kirche in dieser Stunde (und in unterschiedlichen Formen immer) darstellt, so geh�ren doch auch die kleinen und mittleren Vers�hnungen mit dazu. Da� die leise Geb�rde einer hingehaltenen Hand zu einem gro�en L�rm und gerade so zum Gegenteil von Vers�hnung geworden ist, m�ssen wir zur Kenntnis nehmen. Aber nun frage ich doch: War und ist es wirklich verkehrt, auch hier dem Bruder entgegenzugehen, �der etwas gegen dich hat“ und Vers�hnung zu versuchen (vgl. Mt 5, 23f)? Mu� nicht auch die zivile Gesellschaft versuchen, Radikalisierungen zuvorzukommen, ihre m�glichen Tr�ger - wenn irgend m�glich - zur�ckzubinden in die gro�en gestaltenden Kr�fte des gesellschaftlichen Lebens, um Abkapselung und all ihre Folgen zu vermeiden? Kann es ganz falsch sein, sich um die L�sung von Verkrampfungen und Verengungen zu bem�hen und dem Raum zu geben, was sich an Positivem findet und sich ins Ganze einf�gen l��t? Ich habe selbst in den Jahren nach 1988 erlebt, wie sich durch die Heimkehr von vorher von Rom sich abtrennenden Gemeinschaften dort das innere Klima ver�ndert hat; wie die Heimkehr in die gro�e, weite und gemeinsame Kirche Einseitigkeiten �berwand und Verkrampfungen l�ste, so da� nun daraus positive Kr�fte f�r das Ganze wurden. Kann uns eine Gemeinschaft ganz gleichg�ltig sein, in der es 491 Priester, 215 Seminaristen, 6 Seminare, 88 Schulen, 2 Universit�ts-Institute, 117 Br�der und 164 Schwestern gibt? Sollen wir sie wirklich beruhigt von der Kirche wegtreiben lassen? Ich denke zum Beispiel an die 491 Priester. Das Geflecht ihrer Motivationen k�nnen wir nicht kennen. Aber ich denke, da� sie sich nicht f�r das Priestertum entschieden h�tten, wenn nicht neben manchem Schiefen oder Kranken die Liebe zu Christus da gewesen w�re und der Wille, ihn und mit ihm den lebendigen Gott zu verk�nden. Sollen wir sie einfach als Vertreter einer radikalen Randgruppe aus der Suche nach Vers�hnung und Einheit ausschalten? Was wird dann werden?

Gewi�, wir haben seit langem und wieder beim gegebenen Anla� viele Mi�t�ne von Vertretern dieser Gemeinschaft geh�rt – Hochmut und Besserwisserei, Fixierung in Einseitigkeiten hinein usw. Dabei mu� ich der Wahrheit wegen anf�gen, da� ich auch eine Reihe bewegender Zeugnisse der Dankbarkeit empfangen habe, in denen eine �ffnung der Herzen sp�rbar wurde. Aber sollte die Gro�kirche nicht auch gro�m�tig sein k�nnen im Wissen um den langen Atem, den sie hat; im Wissen um die Verhei�ung, die ihr gegeben ist? Sollten wir nicht wie rechte Erzieher manches Ungute auch �berh�ren k�nnen und ruhig aus der Enge herauszuf�hren uns m�hen? Und m�ssen wir nicht zugeben, da� auch aus kirchlichen Kreisen Mi�t�nendes gekommen ist? Manchmal hat man den Eindruck, da� unsere Gesellschaft wenigstens eine Gruppe ben�tigt, der gegen�ber es keine Toleranz zu geben braucht; auf die man ruhig mit Ha� losgehen darf. Und wer sie anzur�hren wagte – in diesem Fall der Papst -, ging auch selber des Rechts auf Toleranz verlustig und durfte ohne Scheu und Zur�ckhaltung ebenfalls mit Ha� bedacht werden.

Liebe Mitbr�der, in den Tagen, in denen mir in den Sinn kam, diesen Brief zu schreiben, ergab es sich zuf�llig, da� ich im Priesterseminar zu Rom die Stelle aus Gal 5, 13 – 15 auslegen und kommentieren mu�te. Ich war �berrascht, wie direkt sie von der Gegenwart dieser Stunde redet: �Nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand f�r das Fleisch, sondern dient einander in Liebe! Das ganze Gesetz wird in dem einen Wort zusammengefa�t: Du sollst deinen N�chsten lieben wie dich selbst! Wenn ihr einander bei�t und zerrei�t, dann gebt acht, da� ihr euch nicht gegenseitig umbringt.“ Ich war immer geneigt, diesen Satz als eine der rhetorischen �bertreibungen anzusehen, die es gelegentlich beim heiligen Paulus gibt. In gewisser Hinsicht mag er dies auch sein. Aber leider gibt es das �Bei�en und Zerrei�en“ auch heute in der Kirche als Ausdruck einer schlecht verstandenen Freiheit. Ist es verwunderlich, da� wir auch nicht besser sind als die Galater? Da� uns mindestens die gleichen Versuchungen bedrohen? Da� wir den rechten Gebrauch der Freiheit immer neu lernen m�ssen? Und da� wir immer neu die oberste Priorit�t lernen m�ssen: die Liebe? An dem Tag, an dem ich dar�ber im Priesterseminar zu reden hatte, wurde in Rom das Fest der Madonna della Fiducia – unserer Lieben Frau vom Vertrauen – begangen. In der Tat – Maria lehrt uns das Vertrauen. Sie f�hrt uns zum Sohn, dem wir alle vertrauen d�rfen. Er wird uns leiten – auch in turbulenten Zeiten. So m�chte ich am Schlu� all den vielen Bisch�fen von Herzen danken, die mir in dieser Zeit bewegende Zeichen des Vertrauens und der Zuneigung, vor allem aber ihr Gebet geschenkt haben. Dieser Dank gilt auch allen Gl�ubigen, die mir in dieser Zeit ihre unver�nderte Treue zum Nachfolger des heiligen Petrus bezeugt haben. Der Herr beh�te uns alle und f�hre uns auf den Weg des Friedens. Das ist ein Wunsch, der spontan aus meinem Herzen aufsteigt, gerade jetzt zu Beginn der Fastenzeit, einer liturgischen Zeit, die der inneren L�uterung besonders f�rderlich ist und die uns alle einl�dt, mit neuer Hoffnung auf das leuchtende Ziel des Osterfestes zu schauen.

Mit einem besonderen Apostolischen Segen verbleibe ich
im Herrn Euer

[Benedictus PP. XVI]
Aus dem Vatikan, am 10. M�rz 2009.
 

Papstbrief – die Kerns�tze

Wir dokumentieren hier die Kerns�tze aus dem Brief des Papstes an die Bisch�fe zur Causa Williamson und den Lefebvre-Anh�ngern. Quelle ist der Vatikanische Pressesaal. Er hat die offizielle Fassung des Papstbriefes am Donnerstag Mittag ver�ffentlicht.
�Liebe Mitbr�der im bisch�flichen Dienst!
(Ich f�hle) mich gedr�ngt, an Euch, liebe Mitbr�der, ein kl�rendes Wort zu richten, das helfen soll, die Absichten zu verstehen, die mich und die zust�ndigen Organe des Heiligen Stuhls bei (der Aufhebung der Exkommunikationen) geleitet haben. Ich hoffe, auf diese Weise zum Frieden in der Kirche beizutragen.
Eine f�r mich nicht vorhersehbare Panne bestand darin, da� die Aufhebung der Exkommunikation �berlagert wurde von dem Fall Williamson. Der leise Gestus der Barmherzigkeit ... erschien pl�tzlich als etwas ganz anderes: als Absage an die christlichj�dische Vers�hnung... Da� diese �berlagerung zweier gegens�tzlicher Vorg�nge eingetreten ist und den Frieden zwischen Christen und Juden wie auch den Frieden in der Kirche f�r einen Augenblick gest�rt hat, kann ich nur zutiefst bedauern. Ich h�re, da� aufmerksames Verfolgen der im Internet zug�nglichen Nachrichten es erm�glicht h�tte, rechtzeitig von dem Problem Kenntnis zu erhalten. Ich lerne daraus, da� wir beim Heiligen Stuhl auf diese Nachrichtenquelle in Zukunft aufmerksamer achten m�ssen. Betr�bt hat mich, da� auch Katholiken, die es eigentlich besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feindseligkeit auf mich einschlagen zu m�ssen glaubten...
Eine weitere Panne, die ich ehrlich bedaure, besteht darin, da� Grenze und Reichweite der Ma�nahme vom 21. 1. 2009 bei der Ver�ffentlichung des Vorgangs nicht klar genug dargestellt worden sind. Die Exkommunikation trifft Personen, nicht Institutionen... Die L�sung der Exkommunikation war eine Ma�nahme im Bereich der kirchlichen Disziplin: Die Personen wurden von der Gewissenslast der schwersten Kirchenstrafe befreit... Solange die doktrinellen Fragen nicht gekl�rt sind, hat die Bruderschaft keinen kanonischen Status in der Kirche und solange �ben ihre Amtstr�ger, auch wenn sie von der Kirchenstrafe frei sind, keine �mter rechtm��ig in der Kirche aus.
Angesichts dieser Situation beabsichtige ich, die P�pstliche Kommission �Ecclesia Dei“ ... in Zukunft mit der Glaubenskongregation zu verbinden. Damit soll deutlich werden, da� die jetzt zu behandelnden Probleme wesentlich doktrineller Natur sind, vor allem die Annahme des II. Vatikanischen Konzils und des nachkonziliaren Lehramts der P�pste betreffen. Die kollegialen Organe, mit denen die Kongregation die anfallenden Fragen bearbeitet, ... garantieren die Einbeziehung der Pr�fekten verschiedener r�mischer Kongregationen und des weltweiten Episkopats in die zu f�llenden Entscheidungen. Man kann die Lehrautorit�t der Kirche nicht im Jahr 1962 einfrieren - das mu� der Bruderschaft ganz klar sein. Aber manchen von denen, die sich als gro�e Verteidiger des Konzils hervortun, mu� auch in Erinnerung gerufen werden, da� das II. Vaticanum die ganze Lehrgeschichte der Kirche in sich tr�gt. Wer ihm gehorsam sein will, mu� den Glauben der Jahrhunderte annehmen und darf nicht die Wurzeln abschneiden, von denen der Baum lebt...
Die Menschen zu Gott, dem in der Bibel sprechenden Gott zu f�hren, ist die oberste und grundlegende Priorit�t der Kirche und des Petrusnachfolgers in dieser Zeit. Aus ihr ergibt sich dann von selbst, da� es uns um die Einheit der Glaubenden gehen mu�... Wenn also das Ringen um den Glauben, um die Hoffnung und um die Liebe in der Welt die wahre Priorit�t f�r die Kirche in dieser Stunde ... darstellt, so geh�ren doch auch die kleinen und mittleren Vers�hnungen mit dazu. Da� die leise Geb�rde einer hingehaltenen Hand zu einem gro�en L�rm und gerade so zum Gegenteil von Vers�hnung geworden ist, m�ssen wir zur Kenntnis nehmen. Aber nun frage ich doch: War und ist es wirklich verkehrt, auch hier dem Bruder entgegenzugehen, �der etwas gegen dich hat“ und Vers�hnung zu versuchen (vgl. Mt 5, 23f)? Mu� nicht auch die zivile Gesellschaft versuchen, Radikalisierungen zuvorzukommen...? Kann es ganz falsch sein, sich um die L�sung von Verkrampfungen und Verengungen zu bem�hen und dem Raum zu geben, was sich an Positivem findet und sich ins Ganze einf�gen l��t?...
Gewi�, wir haben ... viele Mi�t�ne von Vertretern dieser Gemeinschaft geh�rt - Hochmut und Besserwisserei, Fixierung in Einseitigkeiten hinein usw. ... Aber sollte die Gro�kirche nicht auch gro�m�tig sein k�nnen im Wissen um den langen Atem, den sie hat; im Wissen um die Verhei�ung, die ihr gegeben ist? ... Manchmal hat man den Eindruck, da� unsere Gesellschaft wenigstens eine Gruppe ben�tigt, der gegen�ber es keine Toleranz zu geben braucht; auf die man ruhig mit Ha� losgehen darf. Und wer sie anzur�hren wagte - in diesem Fall der Papst -, ging auch selber des Rechts auf Toleranz verlustig und durfte ohne Scheu und Zur�ckhaltung ebenfalls mit Ha� bedacht werden...
Der Herr beh�te uns alle und f�hre uns auf den Weg des Friedens...“ (rv)
 

Vatikan: Offizielle Erkl�rung zum Papstbrief

Der Brief von Papst Benedikt zum Trubel um die Lefebvre-Anh�nger wurde am Donnerstag im Vatikan offiziell vorgestellt. Vatikan-Sprecher Federico Lombardi gab zu dem Papstschreiben einige Erkl�rungen ab. Wir ver�ffentlichen den Text des Jesuitenpaters (der auch Generaldirektor von Radio Vatikan ist) in vollem Wortlaut auf deutsch.

Erkl�rung des Briefes von Papst Benedikt XVI. zur R�cknahme der Exkommunikation der Lefebvre-Bisch�fe vom vatikanischen Pressesaal.

Warum und wann ist der Brief geschrieben worden?

  • Um - nach einer Diskussion von unvergleichlicher Vehemenz - ein kl�rendes Wort �ber die Intention des Papstes und der Organe des Heiligen Stuhls zu sprechen und um so einen Beitrag f�r den Frieden in der Kirche zu leisten –
    Geschrieben wurde der Brief in der zweiten H�lfte Februar, vor Beginn der Exerzitien.

  • Die Fehler oder Pannen, die dazu beigetragen haben
  • Der Fall �Williamson“, also das Missverst�ndnis, dass durch die R�cknahme der Exkommunikation der Weg der Vers�hnung zwischen Christen und Juden verlassen w�rde. Der Papst anerkennt einen Informationsmangel und dankt den Juden, die das Missverst�ndnis erkannt und die Vertrauensatmosph�re wieder hergestellt h�tten.
    Mangelnde Klarheit bei der Vorstellung von Bedeutung und Grenzen der Aufhebung der Exkommunikation.

  • Bedeutung und Grenzen des Schrittes von 21. Januar 2009
  • Die Exkommunikation betrifft Personen und nicht Institutionen. Bischofsweihen ohne Erlaubnis bedeuten die Gefahr eines Schismas. Daher werden die betroffenen Personen mit der sehr harten Strafe, der Exkommunikation, bestraft, um sie so zur Einheit zur�ck zu rufen. Nachdem die Betroffenen grunds�tzlich die Vollmacht des Papstes anerkannt hatten, zielt die R�cknahme der Exkommunikation dem gleiche Ziel: die Einladung der vier Bisch�fe zur Einheit.
    Die Institution St. Pius-Bruderschaft hat aber aufgrund der Lehre keinen kirchenrechtlichen Status. Solange die Lehrfragen nicht gekl�rt sind, �ben auch ihre Amtstr�ger legal kein Amt in der Kirche aus.

  • Die Zukunft der Kommission �Ecclesia Dei“ und ihre Beziehung zur Bruderschaft Pius X.
  • Da die grundlegenden Fragen lehrm��iger Art sind, wird die Kommission Ecclesia Dei mit der Glaubenskongregation verbunden und ihre Entscheidungen werden von ihren kollegialen Organen in ihren Versammlungen entschieden (unter Einbeziehung der Pr�fekten der anderen Kongregationen und des Episkopates).
    Die Fragen betreffen vor allem die Anerkennung des 2. Vatikanischen Konzils und des nachkonziliaren Lehramtes der P�pste. Was die Pius-Bruderschaft betrifft: “Man kann das Lehramt der Kirche nicht im Jahr 1962 einfrieren.“ (also vor dem 2. Vatikanum). Was die Verteidiger des 2. Vatikanums betrifft: �Das 2. Vatikanum tr�gt die ganze Lehrgeschichte der Kirche in sich. Man kann die Quellen, von dem der Baum lebt, nicht abschneiden.“
     

  • War die R�cknahme der Exkommunikation wirklich notwendig?
    Auf diese Frage antwortet der Papst in zwei Abs�tzen:
    Die wahren und gro�en Priorit�ten des Pontifikates sind von ihm von Anfang an klar unterstrichen worden:
  • Die Menschen zu Gott f�hren, zu dem Gott, der in der Bibel spricht und sich in Christus geoffenbart hat.
    Die Einheit der Christen, �kumene
    Der interreligi�se Dialog mit allen, die an Gott glauben, um den Frieden zu suchen.
    Das Zeugnis der Liebe in der sozialen Dimension des christlichen Glaubens (Deus Caritas est)

  • Der Papst f�hrt dann fort: Wenn einerseits der m�hevolle Einsatz f�r Glaube, Hoffnung und Liebe die wirkliche Priorit�t ist, so sind doch andererseits auch ein Teil davon die �kleinen und mittleren Vers�hnungen“ wie die mit der Pius-Bruderschaft.

    Der Papst geht dann von dem Faktum aus, dass �die Geste einer ausgestreckten Hand Ausgangspunkt f�r einen gro�en L�rm und so genau zum Gegenteil von Vers�hnung wurde“ und er stellt eine Reihe von Fragen, um nach - den Kriterien des Evangeliums - zum Nachdenken anzuregen.
  • War und ist es wirklich so verkehrt, in diesem Fall die Vers�hnung zu suchen, mit einem �Bruder, der etwas gegen dich hat“ – wie es in Bergpredigt hei�t?
    Muss nicht auch die Zivilgesellschaft die Radikalisierungen �berwinden (es gibt auch gute Erfahrungen mit Gemeinschaften, die von Rom getrennt waren).
    Kann es uns gleichg�ltig lassen, eine so gro�e Gemeinschaft wie die Pius-Bruderschaft wegziehen zu lassen? (bei vielen ihrer Priester sind doch Dimensionen der Liebe zu Christus und der Wunsch ihn zu verk�nden)
    Auch wenn es bei Repr�sentanten der Bruderschaft offene Defekte gibt, wie Hochmut, Besserwisserei, Einseitigkeit, so muss man doch auch die Verf�gbarkeit von anderen anerkennen. Muss sich die Gro�kirche nicht gro�m�tig zeigen, offen, langatmig im Glauben und selbstkritisch angesichts der internen Fehler.

  • Zum Schluss gibt es einen starken Satz, eine wahre Herausforderung f�r das Gewissen auch bei strikten Kriterien f�r die Geste des Papstes und seiner Intentionen (innerhalb und au�erhalb der Kirche): �Manchmal hat man den Eindruck, dass unsere Gesellschaft wenigstens eine Gruppe braucht, der man keinerlei Toleranz schuldig ist, gegen die man ganz friedlich Hass schleudern darf. Und wer sie anzur�hren wagt– in diesem Fall der Papst – auch der verliert das Recht auf Toleranz und auch er kann ohne Scheu und Reserve mit Hass bedacht werden.“
    Der Brief schlie�t mit einer leidenschaftlichen Reflexion des Apostels Paulus �ber die Liebe als Erf�llung des Gesetzes und �ber die Warnung vor der Versuchung, sich �gegenseitig zu bei�en und zu verschlingen“ (Galater 5,13-15) – als falsch verstandene Freiheit. Diese Versuchung gibt es auch heute in der Kirche – schreibt der Papst – wir d�rften uns dar�ber nicht wundern, sondern m�ssen ihr widerstehen und immer neu die absolute Priorit�t der Liebe lernen. �Der Herr besch�tze uns alle und f�hre uns auf dem Weg des Friedens.“ (�bersetzung: P. Eberhard v. Gemmingen SJ, rv)
     
  • Presseschau zum Papstbrief

    �berwiegend positiv reagieren die Medien in Deutschland auf den Papstbrief. Ins Auge fallen zwei Ausnahmen: die �Frankfurter Allgemeine“ auf der rechten, die Berliner �tageszeitung“ auf der linken Seite. Generell wird die Berichterstattung �ber den Papstbrief aber von Informationen �ber das Schulmassaker in Baden-W�rttemberg in den Hintergrund gedr�ngt.
    �Sp�t, aber nicht zu sp�t“ kommt der Papstbrief nach dem Urteil der �Rheinischen Post“: �Er zeichnet sich durch Selbstkritik, Vers�hnungsbereitschaft und christliche Barmherzigkeit aus“. Benedikts Schreiben �besch�mt hoffentlich diejenigen bis hinein ins Kanzleramt, die den Papst ins reaktion�re, antij�dische Zwielicht getaucht haben.“ �In ungew�hnlicher Offenheit legt das Kirchenoberhaupt seine Beweggr�nde dar und wirbt f�r seinen Kurs“, meint das ZDF.
    Das �Hamburger Abendblatt “ findet den Brief �so �berraschend und ungew�hnlich wie die umstrittene Aufhebung der Exkommunikation“ der vier Lefebvre-Bisch�fe. Dem Blatt f�llt vor allem auf, dass Benedikt gleich zweimal das Wort "Panne" gebraucht“. Die �berlegung des Papstes, dass der Vatikan k�nftig st�rker aufs Internet achten m�sse, habe sich schon am Mittwoch bewahrheitet, als die FAZ das Schreiben unautorisiert auf ihre Homepage setzte.
    �Ein offenes und starkes Wort“, urteilt die katholische �Tagespost“. �Am Ende geht es darum, wer das letzte Wort hat.“ Benedikt habe �auf dem H�hepunkt der hysterischen Aufregung in seiner Heimat die schw�rzeste Woche seines Pontifikats durchlebt“. Die Offenheit des Papstes gebe dem Brief �St�rke“: �Er geht direkt auf die immer wieder lautgewordene Frage ein, ob es denn f�r den Vatikan nichts Wichtigeres gebe, als sich um eine schismatische Gruppierung zu k�mmern – und l�sst auch ein wenig in das eigene Herz des obersten Hirten der Kirche blicken“. Benedikt XVI. besch�nige nichts, �macht jedoch unmissverst�ndlich klar, dass es zu den obersten Priorit�ten des Petrusnachfolgers geh�rt, f�r die Einheit unter den Gl�ubigen zu sorgen.“ Wo der Papst vom drohenden Glaubensverlust in vielen Teilen der Welt spreche, werde der Brief �fast dramatisch“. Fazit der �Tagespost“: �Es ist nicht der �rechte Rand“ der Kirche, den Papst Benedikt vorzugsweise beackert. Es ist die ganze Welt und es ist die ganze Kirche“.

    �Bislang galt ... ein unersch�tterlicher Grundsatz im Vatikan: P�pste machen keine Fehler.“ Das behauptet das Hamburger Magazin �Der Spiegel“ auf seiner Internetseite. Diesen Grundsatz habe der Papst jetzt �deutlich durchbrochen“. Kardinal Castrill�n Hoyos, �der das Desaster mit den Piusbr�dern Mitte Januar ausgel�st hatte“, sei durch den Brief �entmachtet“: �Da hat es ordentlich gerumpelt“, zitiert der �Spiegel“ einen Pr�laten. Der Kommentar lobt auch den Hinweis des Papstes darauf, dass das Thema Pius-Br�der am Vatikan k�nftig kollegial behandelt wird; das sei �f�r den Vatikan mit seiner versteinerten Hierarchie“ von �betr�chtlicher Sprengkraft“. Offenbar wolle Benedikt mit der Kardinalsversammlung am Mittwoch �eine Art politisches Kabinett der Kardin�le installieren, dass es in der Form bisher nicht gab“. Das sei �eine neue Ausrichtung in Richtung Kollegialit�t in Rom, gepaart mit einem selbstkritischen Papst“. Fazit des �Spiegels“: �Ob allerdings der Kurs der Kirche mit diesem Schreiben in einen neuen Fr�hling oder zur�ck in den alten Trott f�hrt, wird erst die Zeit zeigen.“
    Die Tageszeitung �Die Welt“ betont, dass dieser Brief �in der j�ngeren Kirchengeschichte kein Vorbild hat“. �Nicht die Kritik der deutschen Bundeskanzlerin, nicht der Protest deutscher Theologen oder gar die Erkl�rung der Hirten“ habe den Papst zu dem Brief veranla�t, sondern ein Galater-Text, der schon Luther inspiriert habe. Benedikts Schreiben sei ein neuer �Brief an die Galater“; darin erl�utere er einen �komplizierten Vorgang“, �der nicht nur der Bundeskanzlerin Frau Doktor Merkel, sondern auch vielen Bisch�fen offensichtlich nicht mehr ganz klar und gel�ufig war.“ �Zu sagen, der neue Brief komme 50 Tage zu sp�t, trifft die Lage nicht ganz“, meint der Kommentator. �Dann n�mlich h�tte jener Konflikt ja unm�glich mitbedacht werden k�nnen, der durch den Streit um die Pius-Bruderschaft inzwischen wie Kontrastbrei viele Bruchlinien innerhalb der Kirche hat offenbar werden lassen.“ Man solle jetzt nicht erwarten, dass Benedikt k�nftig �fter mal im Internet surfe: �Er wird weiter mit Bleistift schreiben, doch selten so wie diesmal“. �Beunruhigend“ werde der Papst, wo er ganz offen von �Hass“ auf ihn schreibe. �Hass auf den Papst? Davon hat in diesen Tagen keiner offen gesprochen, obwohl er allenthalben mit den H�nden zu greifen war.“
    �Ein Papst beschwert sich �ber den L�rm“ – das ist der Titel des Kommentars in der �Frankfurter Allgemeinen“ – der Zeitung also, die auch gegen jede Sperrfrist den Text �ffentlich gemacht hatte. Benedikts Brief sei �ein Dokument von unklarem Status“; er reagiere ganz offensichtlich auf �ffentlichen Druck. �Den Erl�uterungen von vatikanischer Seite, die es seit der Publikation des Dekrets vor sechs Wochen in stetigem Fluss gegeben hat, f�gt der Brief nichts hinzu.“ Deutlich werde stattdessen ein �dramatischer Autorit�tsverlust des Papstes“: �Er wiederholt die bekannten Erl�uterungen und schm�ckt sie mit pastoralen Floskeln.“ �Nichts Neues aus Rom“, so kommentiert die Zeitung bei�end. Es fehle eigentlich nur noch �die Ank�ndigung, man werde auch den �Spiegel“ abonnieren“. Benedikt lasse �seine pers�nliche Empfindlichkeit“ erkennen, gebrauche mehrmals �ein schiefes, sogar kitschiges Bild“, vermehre �den L�rm, den er verdammt“, und wirke �unsouver�n“: �Eine seltsame Mischung aus Furcht und Hochmut kommt hier zum Vorschein, die wenig zu tun hat mit der Liebe, die der Verfasser ... beschw�rt. Man k�nnte glauben, der Papst h�tte sich die Feder von einem Feuilletonisten geliehen.“ Vom FAZ-Feuilleton indes hat sich Benedikt seine Feder ganz offenbar nicht geliehen.
    �Der Papst denkt nur an die Kirche“, befindet wiederum die linke � tageszeitung“. Der Briefe zeige �vor allem eines: Der Papst ist weit entfernt von unserer Welt“ und zeige eine �f�r viele Europ�er schwer nachvollziehbare Weltfremdheit“. So w�rden etwa der Holocaust oder seine Leugnung durch Bischof Williamson von Benedikts Brief nicht einmal erw�hnt. �Dieser Papst begibt sich im Unterschied zu seinem Vorg�nger nicht auf die Ebene unseres historischen und politischen Denkens. Der offene Dialog mit der Welt, den die katholische Kirche seit den sechziger Jahren anstrebt, ist mit ihm schwierig geworden.“ Die �taz“ prophezeit: �Der n�chste Zusammensto� zwischen Papst und Welt wird nicht lange auf sich warten lassen. Wer mehr weltlich als kirchlich denkt und f�hlt, den l�sst der Brief ratlos zur�ck.“ Immerhin nehme das Schreiben die Krise sp�rbar ernst und werde daher �zur Entspannung der Situation beitragen“. (rv)

 

 

15.03.09

Gro�britannien: Spekulationen von der Insel

Die Ernennung eines Nachfolgers f�r Kardinal Cormac Murphy-O'Connor zum Oberhaupt der Katholiken in England und Wales sorgt offenbar f�r Schwierigkeiten. Das berichtet dieKatholische Nachrichtenagentur unter Berufung auf den �Sunday Telegraph“. Nach Angaben des Blattes sprechen sich einige Bisch�fe gegen die Ernennung des bisherigen Erzbischofs von Birmingham, Vincent Nichols, aus. In Schreiben an den Nuntius in London, Faustino Sainz Munoz, bezeichneten die Bisch�fe Nichols dem Bericht zufolge als zu ehrgeizig. Weiter kritisierten sie demnach den F�hrungsstil des Erzbischofs, seinen Charakter und sein �bersteigertes Vertrauen in die eigenen F�higkeiten. Auch ein britischer Abgeordneter soll sich brieflich gegen den �Kirchen-Karrieristen“ ge�u�ert haben.

Bislang galt der 63-j�hrige Nichols als Favorit f�r das Amt des Erzbischofs von Westminster, so die KNA. Die anderen beiden Kandidaten auf der Auswahlliste, die der Nuntius im Januar an Papst Benedikt XVI. gesandt habe, seien der Erzbischof von Cardiff, Peter Smith, und der Bischof von Nottingham, Malcolm McMahon. Smith gelte aber vielen im Vatikan als zu liberal, w�hrend McMahon �ffentlich den Z�libat infrage gestellt habe. - Der 76-j�hrige Kardinal Cormac Murphy-O'Connor soll im April aus dem Amt scheiden, so die Katholische Nachrichtenagentur.

Derweil spekuliert der �Sunday Telegraph“ auch �ber einen m�glichen Papstbesuch im n�chsten Jahr. Nach seinen Informationen plane Benedikt eine Reise, die ihn 2010 au�er nach Gro�britannien auch nach Irland f�hre, so das Blatt. Es beruft sich auf Quellen im Vatikan. Ein solcher Papstbesuch – der im Vatikan derzeit nicht best�tigt wird – w�re der erste im Vereinten K�nigreich seit 1982. Damals besuchte Johannes Paul II. Gro�britannien. Anla� f�r eine Visite Benedikts k�nnte eine m�gliche Seligsprechung von Kardinal John Henry Newman sein. Der Kirchenmann des 19. Jahrhunderts, der vom anglikanischen zum katholischen Bekenntnis wechselte, geh�rt zu den gr��ten christlichen Denkern Europas.

Als m�gliche Etappen einer Papstreise nennt der �Sunday Telegraph“ London, Birmingham, Oxford, Edinburgh, Armagh und Dublin. Der britische Premierminister Gordon Brown war am 19. Februar beim Papst. Nach Angaben aus seinem Umfeld hat er Benedikt dabei zu einem Besuch eingeladen. (rv)

 

 

15.03.09

Papst vor Afrikareise: �Den ganzen Kontinent umarmen“

Beim letzten �ffentlichen Auftritt vor seiner Reise nach Kamerun und Angola hat Papst Benedikt um Aufmerksamkeit f�r Afrika geworben. �Heute bitte ich euch alle um euer Gebet f�r meine erste Apostolische Reise nach Afrika, zu der ich am Dienstag aufbrechen werde.“ Beim Angelusgebet am Sonntag in Rom dachte Benedikt �an alle Opfer von Hunger, Krankheiten, Ungerechtigkeit, Krieg und Gewalt“ in Afrika; auch viele Missionare, Kirchenleute oder engagierte Laien geh�rten zu diesen Opfern. �Der Herr segne diesen Kontinent und alle, die ihm in N�chstenliebe verbunden sind!“ In einer kurzen italienischen Ansprache umri� Benedikt XVI. das Ziel seiner ersten Reise zum so genannten Schwarzen Kontinent:

�Mit diesem Besuch will ich den ganzen afrikanischen Kontinent geistlich umarmen: seine tausend Unterschiede und seine zutiefst religi�se Seele; seine alten Kulturen und seinen m�hsamen Weg der Entwicklung und Vers�hnung; seine schweren Probleme, seine schmerzhaften Wunden und sein enormes Hoffnungs-Potential. Ich will die Katholiken im Glauben st�rken, die Christen im Einsatz f�r die �kumene ermuntern und allen den Frieden verk�nden, den der Auferstandene der Kirche anvertraut hat.“
 

Auf deutsch ging Benedikt XVI. beim Angelusgebet auf den Text des Apostels Johannes von diesem Sonntag ein. �Das heutige Evangelium berichtet, da� Jesus die Viehh�ndler und Geldwechsler aus dem Tempel, dem Haus seines Vaters, vertrieben hat. Daf�r zur Rede gestellt, antwortet er, da� er selbst der eigentliche lebendige Tempel ist, in dem Gott unter uns wohnt. Nach den Worten des Apostels Paulus ist auch unser Leib ein �Tempel des Heiligen Geistes“, den wir durch ein Leben nach den Geboten Gottes rein bewahren m�ssen.“ (rv)

 

 

16.03.09

Papstreise und Afrikasynode: Kampf der Korruption

Benedikt XVI. bricht zu seiner ersten Pastoralreise nach Afrika auf. Die offiziellen Anl�sse der Visite sind die �bergabe des Arbeitspapiers f�r die Afrika-Sondersynode und die 500-Jahr-Feiern der Evangelisierung Angolas. Doch in Kamerun und Angola stehen kirchliche wie politische Themen auf dem Programm. Hintergr�nde von Birgit Pottler:

Der Vatikan will die internationale Aufmerksamkeit auf Afrika lenken. Der deutsche Weltkirchenbischof, Erzbischof Ludwig Schick aus Bamberg, sagte vor der Abreise Benedikts XVI.:
�Ich denke, es ist wichtig – und das ist ja immer das erste Anliegen des Papstes – die Kirche zu st�rken, auch als Hirte der Einheit die Bisch�fe und die Gl�ubigen mehr zu vereinen, um eine Kraft in die Kirche hineinzubringen. Das wird der Papst sicher tun. Wichtig ist sicher auch, dass die n�chste Afrikasynode angek�ndigt und f�r sie geworben wird. Das halte ich f�r die zwei wichtigsten Punkte bei seiner Reise.“

Vers�hnung, Gerechtigkeit und Frieden sind die Leitthemen f�r die Papstreise und die Synode. Benedikts Ansprachen werden die Situation auf dem Kontinent und in den besuchten L�ndern unter diesen Gesichtspunkten beleuchten. Vordergr�ndiges Hauptproblem in Kamerun: die Korruption. 1998 errang das Land unter korruptesten L�ndern weltweit den traurigen ersten Platz. Unter internationalem Druck begann Pr�sident Paul Biya eine �S�uberungsaktion“ in der Verwaltung und es hagelte Gef�ngnisstrafen f�r zahlreiche f�hrende Kr�fte. Die Wirtschaftslage Kameruns hat sich seither verbessert, doch von tragf�higer Entwicklung und allgemeinem Wohlergehen zu sprechen, erscheint noch immer weit hergeholt. Der Kampf gegen die Korruption ist nicht gewonnen. Die Staatsausgaben f�r das Gesundheitssystem etwa liegen bei lediglich drei Prozent.

Die so genannten �Lineamenta“ zur Vorbereitung der Synode bemerken positiv den �wachsenden Widerstand gegen die Korruption“, prangern aber gleichzeitig das �inakzeptable Ausma�“ an, das sie in einigen L�ndern erreicht habe. Die Wurzeln, so das Synodendokument, l�gen in der �wirtschaftlichen Ungerechtigkeit“. Auch Europa trage hier Verantwortung, habe nicht nur den Glauben, sondern auch �die Laster des alten Kontinents“ exportiert, sagte Benedikt XVI. bereits im Jahr 2005. Die Industrienationen und Afrika selbst m�ssten sich gleicherma�en ihrer Verantwortung stellen.

Sollte Benedikt XVI. das jetzt aufgreifen? Erzbischof Schick:
�In den Vorlagen f�r die Synode steht auch einiges zur Korruption. Wenn das aufgegriffen wird, ist das meiner Meinung nach eine gro�e Hilfe. Wenn dann die Synode dazu eine klare Position ver�ffentlicht, dann kann das sehr hilfreich sein.“

Die Kameruner Bischofskonferenz bezeichnete einmal die Korruption im Land als �Lebensstil". Vor gut einem Jahr, nach einem Besuch bei Bisch�fen in Kamerun, sagte Erzbischof Schick gegen�ber Radio Vatikan:
�Es ist hinl�nglich bekannt, dass die Regierung in Kamerun mit zu den korruptesten der ganzen Welt geh�rt und von daher funktioniert das soziale System von Seiten des Staates her viel zu wenig. Es wird viel zu viel in die eigene Taschen gewirtschaftet.“
Kann die Kirche in Kamerun, obwohl sie die Politik durchaus stark kritisiert, dennoch frei arbeiten?
�Ja. Sie bekommt von staatlicher Seite keine Hilfe und keine Unterst�tzung. Aber der Staat ist zufrieden mit dem, was die Kirche macht und die Kirche kann wirken. Aber die Mittel sind nicht gro� genug. Wir von Deutschland unterst�tzen durch Missio, durch Misereor die Aktivit�ten dort, auch viele Partnerschaften, die es gibt. Das ist aber alles nicht genug. Der Staat muss selber daf�r sorgen, dass es ein wirklich funktionierendes soziales System gibt. Das geschieht nicht, oder zumindest zu wenig.“
Die Kirche in Afrika soll die Katholiken bef�higen - lassen Sie es mich so sagen, �ihren Mann“ in der Gesellschaft zu stehen. Ihr �ffentliches Wirken soll vom christlichen Prinzip des Dienens geleitet werden, hei�t es in den Lineamenta zur Synode. Dazu geh�rten der Einsatz f�r das Gemeinwohl, der Kampf gegen die Korruption und ganzheitliche Entwicklung, geistlich wie materiell, f�r alle B�rger. Die Afrikasynode und damit der Papst werden davon noch sprechen.
(rv)

 

 

17.03.09

1. Tag der Afrikareise von Papst Benedikt XVI.

Benedikt XVI. ist in Afrika eingetroffen.

In Kameruns Hauptstadt Yaound� rief er zum Kampf gegen die Probleme des Kontinents auf. Afrika d�rste nach Frieden, Gerechtigkeit und Vers�hnung. Es ist die erste Reise des Papstes auf den afrikanischen Kontinent. Sie f�hrt ihn au�er nach Kamerun auch noch nach Angola. Aktuelle Berichte �ber die Reise finden Sie hier auf unserer Homepage.

 Papst in Kamerun: �Christen k�nnen nicht schweigen angesichts der Ungerechtigkeit“
�Welche Freude, zum ersten Mal seit meiner Wahl zum Papst in Afrika zu sein!“ Das sagte Benedikt in seiner ersten Ansprache auf afrikanischem Boden. Er gratulierte Kamerun zum 50. Jahrestag seiner Unabh�ngigkeit und lobte das freundliche Klima zwischen den Konfessionen und Religionen im Land. Hier sind die Kerns�tze aus der Papstrede am Flughafen von Yaound�.

�Ich komme zu euch als Hirte. Ich komme, um meine Br�der und Schwestern im Glauben zu st�rken, wie einst Petrus. Als Petrus am Pfingsttag in Jerusalem predigte, da waren auch Zuh�rer aus Afrika dabei. Das Zeugnis vieler gro�er Heiliger dieses Kontinents in den ersten Jahrhunderten des Christentums garantiert Afrika einen besonderen Platz in der Kirchengeschichte. Bis heute haben Heerscharen von Missionaren und M�rtyrern in allen Teilen Afrikas Zeugnis f�r Christus abgelegt, und heute z�hlt die Kirche hier etwa 150 Millionen Gl�ubige.“

Benedikt erinnerte daran, dass Papst Johannes Paul 1995 in Yaound� das Abschlu�dokument einer Bischofs-Sondersynode f�r Afrika vorstellte. Er komme nun, um das Arbeitspapier der zweiten Sondersynode zum Thema Afrika zu pr�sentieren; das Bischofstreffen findet im Oktober in Rom statt. Er hoffe auf einen �Moment der Gnade“ und einen �neuen missionarischen Aufbruch“ der afrikanischen Kirche.

�Auch mitten im gr��ten Leiden bringt die christliche Botschaft immer Hoffnung mit sich. Die Begegnung mit dem lebendigen Gott kann auch in einer Lage gro�en Leids und gro�er Ungerechtigkeit alles verwandeln. Ein Christ kann niemals schweigen angesichts des Schmerzes und der Gewalt, der Armut und des Hungers, der Korruption und des Machtmissbrauchs! Die rettende Botschaft des Evangeliums will mit Kraft und Klarheit verk�ndet werden, damit das Licht Christi im Dunkel des Lebens der Menschen leuchtet. Auch hier in Afrika hungern zahllose Menschen nach einem Wort der Hoffnung und des Trostes. Regionale Konflikte f�hren zu Tausenden Obdachlosen und Bed�rftigen, Waisen und Witwen.“

�berraschend deutlich ging Papst Benedikt schon in seiner ersten Ansprache auf die Probleme Afrikas heute ein.

�Der Kontinent hat in der Vergangenheit erlebt, dass viele seiner Einwohnner grausam geraubt und verschifft wurden, um als Sklaven zu arbeiten; heute ist der Menschenhandel, besonders mit wehrlosen Frauen und Kindern, zu einer modernen Form der Sklaverei geworden. In einer Zeit weltweiter Nahrungsmittelknappheit, der Finanzkrise und des Klimawandels leidet Afrika �berproportional: Immer mehr seiner Einwohner werden zu Opfern des Hungers, der Armut, der Krankheit. Sie schreien nach Vers�hnung, Gerechtigkeit und Frieden – und genau das ist es, was die Kirche ihnen bietet: Nicht neue Formen wirtschaftlicher und politischer Unterdr�ckung, sondern die Freiheit der Kinder Gottes. Nicht kulturelle Modelle, die das Recht der Ungeborenen ignorieren, sondern das reine Wasser des Evangeliums vom Leben. Nicht bittere Rivalit�ten zwischen Volksgruppen und Religionen, sondern den Frieden und die Freude des Reiches Gottes – die Zivilisation der Liebe.“

Der Papst erw�hnte, dass mehr als ein Viertel der Einwohner Kameruns sich zum katholischen Glauben bekennt. Die Kirche sei also �in einer guten Ausgangslage, um f�r das Wohl der Menschen und die Vers�hnung einzutreten“. Das tue sie besonders in der Sorge um Kranke und Behinderte sowie im Schulwesen.

�Kamerun ist ein Land der Hoffnung f�r viele in Zentralafrika. Tausende von Fl�chtlingen aus L�ndern der Region, die vom Krieg verw�stet sind, haben hier Aufnahme gefunden. Es ist ein Land des Lebens – mit einer Regierung, die sich eindeutig auch f�r die Rechte der Ungeborenen einsetzt. Es ist ein Land des Friedens: Kamerun und Nigeria haben einen Streit um eine Halbinsel im Dialog aus der Welt geschafft und damit der Welt gezeigt, dass eine geduldige Diplomatie immer Fr�chte bringen kann. Es ist ein Land der jungen Leute mit einer vitalen, jungen Bev�lkerung. Mit Recht sprechen manche von �Afrika in Miniatur“ – es ist Heimat von �ber 200 ethnischen Gruppen, die in Harmonie miteinander leben... Gott segne Kamerun! Gott segne Afrika!“ (rv)
 

Papst: �Afrikas Aids-Krise l�st man nicht mit Kondomen“
Bereits zum Antritt der Afrikareise ist Aids f�r Papst Benedikt zu einem Thema geworden: Die Aids-Epidemie in Afrika k�nne nicht mit der Verteilung von Kondomen gel�st werden. Im Gegenteil, dies vertiefe die Probleme nur. Das betonte der Papst w�hrend des Fluges von Rom nach Kamerun. Wie �blich bei Papstreisen fand auch diesmal eine �fliegende Pressekonferenz“ hoch �ber den Wolken statt.

Der Papst w�rtlich:

�Die katholische Kirche leistet in Afrika viel im Kampf gegen Aids. Es ist eine Trag�die, die man nicht mit Geld �berwinden kann. Vielmehr kommt es auf ein moralisch richtiges Verhalten und zugleich auf eine besondere Aufmerksamkeit gegen�ber den Kranken an.“ Soweit das Kirchenoberhaupt gegen�ber den mitreisenden Journalisten. Entschieden wandte sich Benedikt XVI. gegen Behauptungen in den Medien, er sei im Vatikan einsam und isoliert. �Ehrlich gesagt: Ich muss �ber diesen Mythos der Einsamkeit lachen. Ich f�hle mich in keiner Weise einsam. Jeden Tag treffe ich mich mit Freunden, Mitarbeitern, mit den Chefs der vatikanischen Beh�rden und Bisch�fen.“ Der Papst rief zu internationaler Solidarit�t auf, damit Afrika unter dem Druck der Wirtschaftskrise nicht zusammenbreche. Er meinte, dass die Finanz- und Wirtschaftswelt ethische Fragen in den Vordergrund r�cken sollte. �Diese Wirtschaftskrise ist das Resultat eines ethischen Defizits. Mit diesem Thema werde ich mich in meiner neuen Enzyklika befassen. Die Enzyklika war fast fertig, doch dann ist die globale Rezession hinzugekommen, und wir haben den Text revidieren m�ssen, um der Menschheit eine Botschaft zu dieser Weltlage zu bieten.“ Die Kirche in Afrika stehe den Armen und den Leidenden nahe. Dennoch sei sie keine �perfekte Gemeinschaft“. Daher sei �eine Bereinigung der Strukturen und eine Reinigung der Herzen“ notwendig. Benedikt XVI. sprach in diesem Zusammenhang auch von der Aggressivit�t der neuen Sekten in Afrika. �Es stimmt, in Afrika gibt es Probleme mit den Sekten. Wir verk�nden nicht wie sie Wunder und Reichtum. Diese Sekten sind sehr instabil, und der Katholizismus kann sie mit seiner Struktur und Einheit durchaus bek�mpfen. Unser Netz kann den Tribalismus �berwinden.“ (rv)
 

�Wir sind Papst“: Kamerun. Streiflicht auf Geschichte und Gesellschaft
Ganz Afrika umarmen - das will Benedikt XVI. w�hrend seiner ersten Reise auf den Kontinent. Nicht von ungef�hr, scheint es, betritt er daher in Kamerun erstmals als Papst afrikanischen Boden. Aus der Hauptstadt Yaound� berichtet Birgit Pottler. (rv)
 

Stationen Benedikts in Yaound�, Stadt auf sieben H�geln
Zwei Kirchen, das Fu�ballstadion und eine Krankenstation besucht Benedikt XVI. w�hrend seines Aufenthalts in Kamerun, erste Station auf seiner Afrikareise. Ein wenig mag er sich heimisch f�hlen, wie Rom ist Yaound� auf sieben H�geln erbaut. Von einer ersten Ortsbesichtigung berichtet unsere Korrespondentin Birgit Pottler.

Yaound� ist eine Verwaltungshauptstadt, erst 1889 gegr�ndet, das Herz der Wirtschaft schl�gt gut 250 Kilometer westlich in der Hafenstadt Douala. Abseits der gro�en Stra�en ist Yaound� ein einziger gro�er Markt. Zwischen H�tten aus Holz, Lehm oder Wellblech bieten Frauen wie M�nner alles feil, was ihr Land und seine Menschen produzieren: Holz und Handwerk, Bananen, Gew�rze, bedruckte und gebatikte Stoffe in allen Farben… Dazwischen verkaufen sie Handy-Karten, grillen Fleischspie�e, frittieren Backwerk. Wo auch immer ein St�ck rote Erde frei ist, spielen Kinder und M�nner Fu�ball. Trikots der gro�en Vereinsmannschaften aus aller Welt gibt es �berall zu kaufen, doch das leuchtende Gr�n des Nationaltrikots Kameruns �berstrahlt sie alle. �In einem Zimmer sein, ist Stress“, sagt einer der Priester, der uns in diesen Tagen begleitet. �Wir leben auf der Stra�e.“

Dass Stra�en und Pl�tze jetzt modernisiert werden, dass das Stromnetz gerade jetzt erneuert wurde, sei Zufall, maximal gl�ckliche F�gung. Die Modernisierungspl�ne existierten schon seit drei Jahren, versichern Kirchenvertreter und Sicherheitspersonal.

Auf einem der sieben H�gel Yaoundes liegt die Pfarrei Christ-Roi inmitten eines guten Wohnviertels mit Schulen und medizinischer Versorgung. Tiefrot das Tor zum Pfarrhof, rot und ockerfarben die Kirche mit Wellblechdach und Buntglasfenstern. Der Papst trifft hier am Mittwoch Vormittag die Bisch�fe Kameruns. Bei unserem Besuch am sp�ten Sonntag Nachmittag blieb bis dahin noch viel zu tun, inzwischen wurden W�nde gestrichen, die Kirchenb�nke gr��tenteils entfernt, der Altarraum umgestaltet und die Holzt�ren neu lackiert. Unsere Mikrofone k�nnen nur die Ger�usche wiedergeben, ich kann also nur erz�hlen vom Geruch frischer Farbe, der sich vermischt mit diesem s��lichen Duft Afrikas.

Eine Oase der Ruhe zwischen Palmen, Kamelien und Mangob�umen ist dagegen die Basilika �Maria, K�nigin der Apostel“. Rund 20.000 Gl�ubige aus allen Di�zesen Kameruns werden am Mittwoch Nachmittag hier erwartet, wenn der Papst mit Bisch�fen, Priestern, Ordensleuten und Laien die Vesper betet. Ein gro�z�giger, flacher Bau aus den 90er Jahren, innen holzverschalt, ist der Marienwallfahrtsort des modernen Kamerun. Die Evangelisierung der Region begann von diesem H�gel aus. Der Sitz der Pallottiner und die �lteste erhaltene Kirche im Kolonialstil aus dem Jahr 1906 nur wenige Schritte entfernt geben davon Zeugnis. Seit Tagen beten die Menschen hier vor dem Allerheiligsten still f�r den Papstbesuch und Afrika.

N�chste Station f�r den Papst am Donnerstag das Stadion Amadou Ahidjo, benannt nach dem ersten – trotz zahlreicher wirtschaftlicher Fortschritte auch im R�ckblick nicht unumstrittenen – Pr�sidenten des vereinigten Kamerun und k�rzlich renoviert. Hier spielt die Fu�ballnationalmannschaft Kameruns ihre Partien. Hier �berreicht Benedikt XVI. den Bisch�fen des ganzen Kontinents feierlich das Instrumentum Laboris f�r die n�chste Afrikasynode. Die Holztrib�nen f�r 40.000 Fans und Gl�ubige leuchten in den Nationalfarben, die ehemals ockerfarbene �berdachung wurde noch wei� gestrichen; am Sonntag Abend fehlten dem Maler noch wenige Meter. Bereits fertig war der Rohbau der Altarinsel in Schiffsform, der Wind- und Sonnenschutz f�r Papst und Konzelebranten ist ein Aufbau aus Holz, Stroh gedeckt und mit Dachgaube, fast ein Haus im Kolonialstil.

Gesch�ftigkeit, akribische Vorbereitung ja, doch der Arbeiterstab in Yaound� bleibt heiter. Meistern k�nnen sie fast jede Situation mit Musik und einem L�cheln. Das Spruchband vor dem Stadion w�nscht dem Papst entsprechend auch �einen guten Josephstag“. Yaound� wird hier mit ihm Namenstag feiern, falls die Eintrittskarten f�r das Stadion noch rechtzeitig verteilt werden. Eine der Lokalzeitungen lies daran am Dienstag Zweifel aufkommen.

Letzte Besuchsstation in Yaound� ist am Donnerstag ein Kranken- und Rehabilitationszentrum, benannt nach dem kanadischen Kardinal Paul Emile Leger, der sich nach seinem R�ckzug vom Amt des Erzbischofs in Montreal hier als Missionar verdient machte. Heute wird es vom staatlichen Gesundheitsministerium verwaltet und bietet unter anderem Physiotherapie, eine Schule, eine Schreinerei und eine Orthop�die-Werkstatt. 200 Kranke aus verschiedenen Kliniken des Landes warten hier auf Zuspruch des Papstes. W�hrend drau�en noch geputzt wird, sortiert die Leiterin in ihrem B�ro die einheitliche Kleidung f�r die Patienten – Blusen, Hemden, R�cke, Hosen aus demselben Stoff – eigens bedruckt mit dem Papstbild und dem Motto seiner Reise und der Synode: �Vers�hnung, Gerechtigkeit und Frieden.“ Auf dem Vorplatz wehen die Flaggen Kameruns und des Vatikans. (rv)
 

Kamerun: Pressestimmen zur Ankunft Benedikts XVI.
Am Tag der Ankunft von Papst Benedikt in Kamerun sind die gr��ten Zeitungen des Landes voll von Begr��ungsbotschaften. �Benedikt XVI. kommt - Kamerun hat die Ehre“ und �Kamerun hei�t den Heiligen Vater willkommen“ �berschreibt die staatliche Tageszeitung �Cameroon Tribune“ in der Haupstadt Yaound� ihren Leitartikel �ber die letzten fieberhaften Vorbereitungen auf die Ankunft des Papstes. Noch nie habe das Land eine so gro�e ausl�ndische Delegation wie die insgesamt (wenn man auch anreisende Bisch�fe mitrechnet) 800-k�pfige Gesandschaft um Benedikt erwartet, hei�t es dort. Positiv unterstreicht das Blatt das gro�e mediale Interesse, dass sich durch den Papstbesuch auf Kamerun richte. In einer 56-seitigen Sonderbeilage infomiert die Tageszeitung ihre Leser �ber den Werdegang Benedikts von seiner Kindheit bis zur Nachfolge auf dem Stuhl Petri. Ohne auf die europ�ischen Kontroversen der vergangenen Wochen einzugehen, lobt die Zeitung auf der Meinungsseite Benedikt XVI. als �moralische Figur und Orientierungspunkt, der als Gegengewicht von den Regierungen der Welt gef�rchtet sei“. Afrika sei nicht besser oder schlechter als seine Epoche, schreibt der Kommentator weiter, vor allem aber liebe es den Papst und brauche ihn. Gleichzeitig appelliert der Autor: �Lieber Heiliger Vater, die Afrikaner sind es leid, nichts erwarten zu d�rfen von einer Welt, die sich globalisiert, ohne sich zu solidarisieren, inmitten von ungerechten und aufgezwungenen Regeln.“ Vom Papst w�rden sie daher �standhafte Ermahnungen zu Gerechtigkeit und Solidarit�t“ erwarten.

�Die Gl�ubigen fiebern dem Papst entgegen“, lautet der Titel der Tageszeitung �Mutations“ . Zwei Tage vor der Papstmesse im Amadou-Ahidjo-Stadion in Yaound� seien die Eintrittskarten restlos ausverkauft, hei�t es weiter. �Die ganze Welt wird zur Papstmesse im Stadion vertreten sein“, betont auch der Generalvikar der Di�zese Yaound� im Interview mit Mutations. Weiter berichtet das Blatt �ber die Schwierigkeiten in der Hauptstadt, den gro�en Pilgeransturm zu bew�ltigen. Pilger k�men vor allem aus der K�stenstadt Douala, die die meistbev�lkerte Stadt und Wirtschaftszentrum des Landes ist.

�Benedikt XVI. herzlich willkommen in Kamerun“, begr��t auch die Tageszeitung �Le Jour“ das katholische Kirchenoberhaupt. Unter Berichten �ber den genauen Ablauf und das Programm der Reise findet sich auch ein Dementi der Behauptung, der Papst wolle mit seinem Besuch seine Unterst�tzung f�r die Regierung unter Pr�sident Biya zum Ausdruck bringen.

Kritische T�ne zum Papstbesuch sind rar, was auch an der eingeschr�nkten Pressefreiheit im Land liegt. So greift die Tageszeitung �L’Ind�pendant“ die Polemiken um den Abriss alter Wohnviertel in Yaound� auf, f�r die der Papstbesuch vordergr�ndiger Anlass gewesen sein soll. �Warten auf den Papst – Alarmstufe Rot in Yaound�“ titelt �The Post“ und unterstreicht damit das Sicherheitsproblem sowie den personellen und finanziellen Aufwand, den der Papstbesuch verursache. (rv)
 

Yaound� begr��t den Papst
�Benedikt XVI. kommt zu uns!“ schreiben die Zeitungen, und mit dem Papst kommt die Sonne nach Yaound�. In den vergangenen Tagen st�hnte die Hauptstadt Kameruns unter wolkenverhangener Schw�le, zur Ankunft Benedikts XVI. zeigt sie ihre Farben: dunkles Rot der Erde, tiefes Gr�n der Ausl�ufer des Regenwaldes. Unsere Korrespondentin Birgit Pottler ist vor Ort.

Hunderte Flaggen wehen im leichten Wind, die Nationalfarben Kameruns, gr�n, rot und gelb, mischen sich an �ffentlichen Geb�uden, entlang der Stra�en und auf Pl�tzen mit dem gelb-wei� des Vatikans. Vom Flughafen bis zur Nuntiatur begr��en Spruchb�nder das Kirchenoberhaupt auf Afrikamission. �Heiliger Vater, wir teilen ihre Ansicht von einer gemeinsamen Zukunft f�r alle V�lker der Erde“ prangt �ber dem Boulevard f�r staatliche Aufm�rsche, ein Appell f�r �kumene und friedliches Miteinander der Religionen an der Stra�e in Richtung Marienbasilika.

Wo immer der Papst in diesen Tagen vorbeif�hrt, war vor wenigen Tagen noch Baustelle. Auf den knapp 30 Kilometern vom Flughafen in die Hauptstadt wurden am Samstag Abend die letzten Meter asphaltiert und die Mittelstreifen gezogen.

�Venite adoremus…“ erklingt am Sonntag morgen im Zentrum, es sind Tonproben, die auf den Gast aus Rom einstimmen. Einer der Helfer verschn�rt wei�e Kabel an einem Strommast, zuvor hat er damit das offizielle Foto Benedikts XVI. im Holzrahmen befestigt. Auf der anderen Stra�enseite prangt Staatspr�sident Paul Biya im Holzrahmen. Offizielle Flyer und Plakate zeigen Kirchen- und Staatsoberhaupt gemeinsam; Biya, Pr�sident seit 1982, ist bem�ht, sich Afrika und der Welt in gutem Licht zu zeigen; immenses Aufgebot an Sicherheitspersonal und auf absolute H�flichkeit und besten Service f�r Presse und ausw�rtige G�ste – getrimmtes Personal eingeschlossen.

�Dank sei Gott und Johannes Paul II.“ steht unter manchen Plakaten und Bildern Benedikts XVI., die eifrige Helfer am Stra�enrand gegen Kleingeld verteilen. �Der Papstbesuch ist eine Ehre, ja eine Gnade“, sagt einer der engagierten Organisatoren rund um die Kathedrale in der Hauptstadt. �Kamerun hat dieses Gl�ck, das gleich zwei P�pste unser Land besuchen. Das bedeutet, dass Gott Kamerun liebt. Unser Land lebt heute im Frieden, und das hei�t, Gott hat gesehen, dass das Volk viel gebetet hat. Der Besuch des Papstes bedeutet f�r uns Heil.“

Der Mann im Anzug und violetter Armbinde erinnert an die erste Enzyklika Benedikts und wartet auf eine Grundaussage: �Frieden bedeutet Liebe, N�chstenliebe, bedeutet gutes Miteinander.“

Der Besuch Benedikts soll den Glauben im Land also noch mehr st�rken, und die Kirche gegen�ber den Sekten festigen. Die Chorleiterin der Kathedrale meint: �Die Menschen sollten verstehen, dass der Glaube hier wirklich gelebt werden muss, nur so k�nnen wir soziale Spannungen �berwinden.“ (rv)

Bundespr�sident Horst K�hler freut sich �ber die Afrika-Reise von Benedikt XVI. Das sei ein gutes Signal f�r die Menschen auf dem Kontinent, meint K�hler in einem Brief an den Papst, den die �Tagespost“ dokumentiert. Gerade in der Finanzkrise sei es wichtig, dass Afrika nicht aus dem Blick gerate. Die Afrikaner m��ten in eine Neugestaltung der Weltordnung mit einbezogen werden, so K�hler in seinem Brief an Benedikt. Der deutsche Bundespr�sident interessiert sich seit seinen Jahren beim Internationalen W�hrungsfonds besonders f�r Afrika; er kennt den Kontinent von vielen Reisen her. (rv)

 

 

18.03.09

2. Tag der Afrikareise von Papst Benedikt XVI.

Papst in Kamerun: �Priester m�ssen ihren Gel�bden treu bleiben“
Benedikt XVI. hat die Bisch�fe in Kamerun ermahnt, nicht wegzugucken, wenn Priester oder Ordensleute ihren Gel�bden untreu sind. In der Christ-K�nig-Kirche im Tsinga-Viertel hielt der Papst am Mittwoch Vormittag eine Grundsatzrede �ber die Kirche in Kamerun; dabei lie� er die Probleme und Herausforderungen einer afrikanischen Ortskirche Revue passieren.
�In diesem Paulusjahr ist es besonders passend, uns klarzumachen, wie dringend das Verk�nden des Evangeliums an alle ist. Dieser Auftrag, den die Kirche von Christus erhalten hat, bleibt eine Priorit�t... Um das Volk Gottes dabei zu leiten und anzuregen, m�ssen die Seelsorger vor allem selbst Verk�nder sein. Verk�ndigung ist ureigenste Aufgabe des Bischofs, der wie Paulus sagen kann: �Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verk�nde!“ Der Bischof ist der Katechist par excellence.“
Benedikt betonte, wie wichtig die Einheit der Bisch�fe untereinander ist. Sie sollten sich jedes Mal um einen gemeinsamen Standpunkt bem�hen, wenn es um die �multiplen Herausforderungen“ der Welt von heute geht. Durch eine st�rkere Zusammenarbeit der Bist�mer k�nnten die Priester auch besser �ber das Land verteilt werden, regte der Papst an. Was im kleinen f�r Kamerun gelte, k�nne �brigens auch Afrika als ganzes gut gebrauchen: eine �apostolische Solidarit�t“, durch die die Kirche missionarisch bleibe.
Der Papst dr�ngte die Bisch�fe aber auch zur besonders engen Zusammenarbeit mit den Priestern: Sie sollten dem Klerus ein Beispiel geben – und ihm gleichzeitig auch auf die Finger sehen, ob ihr Lebensstil wirklich priesterlich ist. Benedikt hatte da wohl manche afrikanische Laxheit im Auge, die sich afrikanische Priester vor allem mit dem Z�libat leisten.
�Ich fordere euch auf, besonders aufmerksam zu sein, was die Treue von Priestern und Ordensleuten zu ihren Gel�bden betrifft, die sie im Moment ihrer Weihe oder ihres Eintritts ins Ordensleben abgelegt haben. Sie m�ssen ihrer Berufung treu bleiben – um der gr��eren Heiligkeit der Kirche und der Ehre Gottes willen. Damit ihr Zeugnis authentisch ist, darf kein Graben sein zwischen dem, was sie lehren, und dem, was sie jeden Tag leben!“
An Priesternachwuchs fehle es zum Gl�ck nicht, so Benedikt – doch sei �ernsthafte Auswahl“ sehr wichtig. Darum sollten die Bisch�fe trotz aller pastoraler Notwendigkeiten doch viel Zeit und Aufmerksamkeit in die Ausbildung an den Priesterseminaren investieren. K�nftige Priester br�uchten �eine solide menschliche, geistliche und seelsorgliche Bildung, um zu reifen und ausgeglichenen Pers�nlichkeiten zu werden“. Erst dann seien sie �gut vorbereitet auf ein Leben als Priester.“
Der Papst ging auch auf die wichtige Rolle der Katechisten in Kamerun ein: Es gibt davon an die 19.000, das ist fast viermal soviel als die Zahl der Priester und Ordensleute im Land.
�Ich danke ihnen f�r ihre Gro�z�gigkeit und ihren Glauben im Dienst der Kirche! Durch ihre Arbeit kommt es zu einer echten Inkulturation des Glaubens. Darum ist auch ihre menschliche, geistliche und doktrinelle Ausbildung unerl�sslich. Sie brauchen auch Unterst�tzung (auch materielle) von ihren Hirten, um ihre Mission in guten Lebens- und Arbeitsbedingungen erf�llen zu k�nnen – auch dadurch zeigt die Kirche, wie wichtig sie ihre Verk�ndigungsarbeit findet.“
Benedikt bat die Bisch�fe au�erdem, sich um die Familie zu k�mmern: Die �grundlegenden Werte der afrikanischen Familie” br�uchten in der s�kularisierten Welt besonderen Schutz. Zum Thema Sekten und Aberglauben meinte der Papst: Das Ph�nomen lade die Kirche dazu ein, der �Erziehung von Kindern und jungen Erwachsenen neuen Schwung zu geben“. Er lobte die sehr r�hrigen katholischen Laienverb�nde in Kamerun:
�Besonders ermutige ich die Frauenverb�nde, in den verschiedenen Bereichen der Mission der Kirche aktiv mitzuarbeiten. Sie zeigen dadurch ein echtes Bewusstsein der W�rde der Frau und ihrer besonderen Berufung in der kirchlichen Gemeinschaft und in der Gesellschaft.“
Die Kirche wolle die Rechte der Armen und Schwachen verteidigen – so zeige sie konkret, dass sie �die echte Familie Gottes“ sei. Das schlie�e �jeden Ethnozentrismus oder �bertriebenen Partikularismus“ aus und f�hre zur �Zusammenarbeit der Ethnien f�r das Wohl aller“. (rv)

Vatikan und Kamerun planen Abkommen zur Rolle der Kirche
Der Vatikan und Kamerun wollen ihre bilateralen Beziehungen vertiefen. Kardinal-Staatssekret�r Tarcisio Bertone und Ministerpr�sident Ephraim Inoni trafen am Mittwoch im Rahmen des Papst-Besuchs in der Hauptstadt Yaounde zu einer Unterredung zusammen. Dabei ging es nach Angaben von Vatikansprecher Federico Lombardi um �berlegungen f�r ein Abkommen, das die Beziehungen zwischen Staat und Kirche n�her regeln soll. Details nannte Lombardi nicht. Betont worden sei aber der Beitrag der katholischen Kirche in den Bereichen Bildung und Gesundheit. (kna)

Ein Besuch vorab: Marienbasilika vereint das Land
Die dritte Ansprache Benedikts XVI. w�hrend seiner Afrikareise ist an der Marienbasilika �Maria K�nigin der Apostel“ geplant. Der Papst trifft dort Priester, Ordensleute und Laien aller 24 Bist�mer Kameruns.
Die Basilika �Marie Reine des Ap�tres“ im Viertel Mvoly� steht nicht auf irgendeinem der sieben H�gel Yaound�s. Der erste Missionar und Bischof in Kamerun, der M�nsterl�nder Pallottiner Heinrich Vieter, hat hier am h�chsten Punkt von Mvoly� 1901 seine Zelte aufgeschlagen. 1906 legte er Hand an beim Bau der ersten Kirche hier auf dem H�gel. Sie ist heute eine Anbetungskirche, erkl�rt der Regionalobere Bruno Ateba.
�Ich w�rde sagen, Mvoly�, wo die Basilika steht, hat f�r uns die gleiche Bedeutung, wie f�r Sie aus Deutschland die Stadt Fulda.“
Denn Heinrich Vieter ist �Vater des Glaubens in Kamerun“. Er hatte zu Beginn der Mission in Marienberg am 8. Dezember 1890 Kamerun Maria, �der K�nigin der Apostel“ geweiht. Zum 100. Jahrestag entstand diese neue Kirche. Einige Meter hangabw�rts liegt das Grab Vieters. Von dort aus wirkt die Basilika auf den ersten Blick wie ein Zelt: eine aufragende Spitze mit Kreuz, dann abgesetzt das Dach, das in einer leichten Welle auf den Vorplatz herab f�llt.
12 S�ulen st�tzen den Bau im Innenraum. Diese Kirche strahlt W�rme aus, Geborgenheit – selbst in einem f�r mich bislang fremden Land und in den hektischen Tagen des Papstbesuchs. Mein Blick geht nach oben und trifft auf ein komplett holzverschaltes Gew�lbe, ein warmer, heller Rotton. Bruno Ateba, Rektor der Basilika, �ffnet mir die Augen: �Maria mit ihrem Mantel sch�tzt die zw�lf Apostel. Und f�r die 12 Apostel stehen die zw�lf S�ulen.“
Das Dach ist also der Mantel, die Spitze mit dem Kreuz steht f�r Maria. Doch sie sch�tzt hier nicht nur die Apostel sondern ganz Kamerun. Diese moderne Architektur schafft es, das ganze Land symbolisch in sich zu vereinen.
�Im S�den, im Zentrum und im Osten gibt es sehr viel Holz, das Kamerun auch exportiert. Das ist hier in der Basilika verarbeitet“, erkl�rt Ateba. �Wir haben hier auch noch Spuren von Heinrich Vieter“, meint er und klopft an Stuhlbeine aus Ebenholz. Vermutlich hat der gelernte Schreiner diese St�cke vor mehr als 100 Jahren selbst bearbeitet.
Wir gehen weiter in das Halbrund des Altarraums unter der Spitze: Am Ambo – die Symbole der vier Evangelisten, jeweils einen halben Meter hoch aus einem St�ck Holz. Aus einem St�ck auch die Madonna mit Kind, imposante vier Meter ist sie hoch, aber sie wirkt lebendig und erregt eher Z�rtlichkeit, so menschlich ist ihre Haltung, so reich die Maserung des rotbraunen Holzes.
Aus Stein ist nur der Altar, aber auch der ist ein Stein aus S�dkamerun, hier aus der Gegend um Yaound�.
�Im Westen Kameruns wird mit Bronze gearbeitet: Da haben wir das Kreuz, den Tabernakel, und auch die Heilige Pforte ist ganz aus Bronze. F�r die K�ste haben wir drau�en auf dem Vorplatz sieben Brunnen.“
Die Au�enverkleidung des Dachs ist aus Kupfer – Symbol f�r den Norden des Landes. Wenn also Kamerun Klein-Afrika ist, ist diese Basilika Klein-Kamerun: �Wir haben verschiedene St�mme in diesem Land, aber in dieser Basilika geh�ren wir zusammen. Der Tabernakel ist ein Globus. Das hei�t, Jesus Christus ist unsere Mitte.“
Ein besonderes Kunstwerk zierte die Kirche in diesen Tagen. Ein Mann aus der Pfarrei hat Benedikt XVI. gemalt und entsprechend des Prinzips der Inkulturation mit einer besonders gef�rbten Soutane: �mit unserer Fahne, alles ist in rot, gr�n und gelb. Schlie�lich kommt er zu uns…“, meint Pater Ateba. �Sie wollen einen Kameruner aus ihm machen“, brummt der 20.000 Gl�ubige fasst der Vorplatz der Basilika, 3.500 die Basilika. Pallottinerpater Bruno Ateba wird den Papst begr��en: �Als Rektor der Basilika ist es eine gro�e Ehre f�r mich, den Papst zu empfangen. Ich werde ihm sagen: Gr�� Gott, Heiliger Vater! Willkommen bei uns!“ (rv)

Kirche in Kamerun: Die deutschen Anf�nge
Die Gastgeber der Papstreise pr�sentieren sich als lebendige Kirche, mit knapp 1.800 Priestern und 18.000 Katecheten f�r 4,7 Millionen Katholiken. Birgit Pottler blickt zur�ck auf die Anf�nge der Kirche in Kamerun. (rv)

Nach der Ankunft des Papstes in Kamerun: Presseschau
Die Freude �ber die Ankunft des Papstes bestimmt die Medien in Kamerun, nicht aber kirchliche Aussagen zur Aidspr�vention und Sexualethik. Der nationale Radio- und Fernsehsender RTV verfolgte jeden Schritt Benedikts vom Flugzeug bis zu Nuntiatur, strahlte die Bilder von tausenden Kamerunern am Stra�enrand, einem posierenden Pr�sidenten mit Gattin und dem sichtlich zufriedenen und interessierten Papst meist unkommentiert und in Wiederholung bis Mitternacht aus. In einer Endlosschleife folgten dann Bilder aus dem Vatikan und Archivaufnahmen s�mtlicher bisheriger Reisen Benedikts XVI. �Historischer Besuch beginnt“ schreibt die Online-Redaktion von RTV.
Die �Cameroon Tribune“, regierungsnahe Tageszeitung, spricht von einem �Triumph“. Das zweisprachige Blatt widmet dem Papstbesuch zw�lf von 32 Seiten und druckt die Ansprachen des Pr�sidenten und des Papstes. In einem ganzseitigen Artikel mit dem Titel �Papst verurteilt die Laster Afrikas“ ein Satz zum Thema Aids: �Der Papst fordert die unentgeltliche Behandlung von Aids-Patienten.“
Die Tageszeitung �Nouvelle Vision“ liefert laut Selbstvorstellung �B�rgerinformation“ und zeigt auf dem Titel ein Archivfoto des Papstes bei seiner Einf�hrungsmesse 2005. �Der Papst kommt �ber Kamerun nach Afrika“ hei�t es im Editorial.
Die Oppositionszeitung �L’Independant“ berichtet auf drei von 12 Seiten, legt aber den Fokus auf die Zerst�rung alter H�user im Zug der Modernisierungsma�nahmen. Hier w�rden nicht - wie von Pr�sident Paul Biya versprochen – neue Wohnungen entstehen, sondern Baugrund und Lizenzen an gro�e Firmen vergeben. Wo die fr�heren Bewohner der Viertel unterkommen sollen, wisse keiner. Auch der Erzdi�zese selbst fehle au�erdem Geld, so das Blatt. �Im Namen des Papstes, des Paul und des Gilbert. Amen“ ist der Untertitel des eineinhalbspaltigen Fotos auf der Titelseite. Gilbert Tsimi ist der Delegierte der Regierung im Stadtrat Yaound�s. (rv)

Lombardi: Fr�hliche Begr��ung ist gutes Zeichen
Begeistert hat Kamerun am Dienstag den Papst in Empfang genommen. Mit klaren Worten begr��te Benedikt XVI. seinerseits das Land und den ganzen afrikanischen Kontinent. In seiner Ansprache auf dem Flughafen der Hauptstadt Yaound� hat der Papst bereits die gro�en politischen Themen angesprochen, die Afrika bewegen. Hunderttausende Menschen haben ihm bei seiner anschlie�enden Fahrt nach Yaound� zugejubelt. Das sei ein gutes Omen f�r die gesamte Reise, meint Vatikansprecher Pater Federico Lombardi. Unsere Korrespondentin Birgit Pottler hat mit ihm �ber erste Eindr�cke und bevorstehende H�hepunkte der Papstreise gesprochen:
Pater Lombardi, der Papst ist seit wenigen Stunden auf afrikanischem Boden. Es ist sein erster Besuch als Kirchenoberhaupt auf diesem Kontinent. Wie haben Sie ihn erlebt?
�Es war ein ganz wunderbares Erlebnis. Ich war sehr beeindruckt von den Leuten, die auf der Stra�e waren – viel mehr als von der ersten Begegnung am Flughafen. Das war zu Beginn zwar schon eine gro�e und starke Rede des Papstes f�r Afrika, f�r Gerechtigkeit und Frieden, f�r Engagement, f�r ein geistliches und menschliches Wachstum, aber die Leute auf der Stra�e waren wirklich wunderbar. Es waren, glaube ich, Hunderttausende. Es war sicherlich die ganze Stadt auf der Stra�e. Und der Papst war froh, zu sehen, dass die Leute so fr�hlich auf ihn warten und so gl�cklich sind, ihn zu sehen und ihm zu begegnen und mit ihm zu beten. Ich hoffe, dass das wirklich ein gutes Zeichen ist, f�r die ganze Reise.“
Der Papst hat sofort sehr politische Themen angesprochen bei seiner Rede am Flughafen. Es ging um Gerechtigkeit. Es ging auch um den Sklavenhandel und geschichtliche Abschnitte Afrikas. Wird es denn auch um das Thema Aids gehen in den kommenden Tagen?
�Ich glaube, dass der Papst hier in Kamerun sofort auf diese Themen eingehen sollte. Denn die Reden, die er sp�ter halten wird, befassen sich eher mit kirchlichen Angelegenheiten. Sie richten sich vornehmlich an die Bisch�fe oder an die Lokalkirche. Auf dem Flughafen hatte ihm praktisch die ganze Nation zugeh�rt, auch �ber das Fernsehen. Und da hat er bereits das Wesentliche seiner Botschaft schon in wenigen Worten verk�ndet. Ich habe das sehr stark gefunden und ich hoffe, dass die Leute das bemerkt haben.“
Das Thema Aids wurde schon im Flugzeug angesprochen. Die internationalen Zeitungen haben das Thema in den vergangenen Tagen in der Vorbereitung auf die Papstreise immer wieder aufgegriffen. Wird der Papst dazu etwas Neues sagen k�nnen?
�Nein. Gerade in der kleinen Konferenz hat der Papst schon betont, dass es ein Irrtum sei, wenn die Leute darauf warten, dass er etwas �ndert in der Rede von Kondomen und Pr�servativen. Er wird auf die klassische Lehre bestehen. Aber er hat sofort auch ganz klar gesagt, dass das nicht das einzige Problem im Bezug auf Aids ist und dass es ein Irrtum w�re, sich auf diese Perspektive zu beschr�nken. Das Problem ist vielmehr die Verantwortung. Die Erziehung zur Verantwortung in der Sexualit�t im Familienleben muss gef�rdert werden. Der Papst hat zudem das Engagement von vielen katholischen Institutionen gepriesen, die f�r die Kranken sehr aktiv und engagiert sind. Die tun viel mehr f�r die Menschen, als diejenigen, die nur Pr�servative verkaufen.“
Aidspr�vention und sexualethische Erziehung ist eine der Hauptaufgaben der Kirche in Afrika. Der Papst �bergibt das �Instrumentum laboris“ f�r die Synode. Welche andere Hauptaufgaben f�r die Kirche in Afrika wird er ansprechen? Was k�nnen Sie heute schon sagen?
�Wir werden in zwei Tagen das �Instrumentum laboris“ in den H�nden haben und wir k�nnen dann sehen, welchen Reichtum an Argumenten und Themen es geben wird, die dann auf der Synode mit Tiefe diskutiert werden. Aber das Thema der Reise Lautet �Die Kirche f�r Frieden, Gerechtigkeit und Vers�hnung“. Das ist ganz klar die Richtung, auf die sich auch alle Punkte des �Instrumentum laboris“ richten – nat�rlich in einer christlichen Perspektive, aus dem Licht des Evangeliums heraus.“
Eine letzte Nachfrage: Was kann, Ihrer Meinung nach, als H�hepunkt der Reise bezeichnet werden? Es ist ein dichtes Programm, sehr detaillereich. Gibt es so etwas wie einen H�hepunkt?
�Ich glaube, dass es verschiedene H�hepunkte sein werden. Ein H�hepunkt ist sicherlich die Messe, in der das �Instrumentum laboris“ den Menschen und der Kirche in Afrika �bergeben wird. Das ist ein Impuls f�r die Kirche Afrikas zur Vorbereitung der Synode. Das wird hier in Yaound� stattfinden. Und zweitens die Rede f�r das diplomatischen Corps und die politischen Autorit�ten in Luanda. Sie wird, meiner Meinung nach, eine sehr wichtige Rede f�r die politische Gemeinschaft Afrikas und auch f�r die internationale Gemeinschaft. Das halte ich f�r einen weiteren H�hepunkt. Aber es gibt auch andere Ereignisse, die sicher sehr bedeutend sein werden. Zum Beispiel auch einer der letzten Programmpunkte, bei dem der Papst afrikanische Frauen treffen wird. Es handelt sich um Repr�sentantinnen der katholischen Frauenbewegungen in Afrika. Die Stellung der Frau in Afrika ist so fundamental innerhalb der Familie, der Gesellschaft und auch in der Kirche. Das sollte wirklich noch weiter gef�rdert werden. Eine solche Begegnung des Papstes mit den Frauen von Afrika wird, meiner Meinung nach, ein spezifischer H�hepunkt der Reise sein. Es ist, glaube ich, auch das erste Mal, das so etwas geschehen wird.“ (rv)

 

 

19.03.09

3. Tag der Afrikareise von Papst Benedikt XVI.

Papst in Afrika: Appell f�r Lebensschutz, Ehe und Familie
Benedikt XVI. dr�ngt die Afrikaner, die Werte von Ehe und Familie wieder zu entdecken. In seiner Predigt in Yaound� am Donnerstag stellte er Eltern das Beispiel des hl. Joseph vor Augen – dieser sei ein �Modell des Gottvertrauens“.

�Und ihr, liebe Eltern: Habt ihr Vertrauen zu Gott, der euch zu den Eltern seiner geliebten Kinder macht? Akzeptiert ihr, dass Gott auf euch z�hlt, um euren Kindern menschliche und geistliche Werte weiterzugeben, die ihr selbst empfangen habt? Heutzutage versuchen viele Menschen ohne Skrupel, ein Reich des Geldes zu errichten und die Schw�chsten an den Rand zu dr�cken – da m�sst ihr sehr vorsichtig sein. Ganz Afrika ist in Gefahr, wenn es nicht den wahren Spender des Lebens erkennt! Br�der und Schwestern Kameruns und Afrikas, die ihr von Gott so viele menschliche Qualit�ten empfangen habt – sorgt euch um eure Seelen! Lasst euch von falschem Glanz und falschen Idealen nicht blenden!“

Die Afrikaner sollten den Glauben an Gott hochhalten – er k�nne ihrem Leben �Stabilit�t geben“. Er wisse, dass die Familien in Afrika �eine schwierige Zeit“ durchmachten, so Benedikt.

�Einige Werte des traditionellen Lebens sind ersch�ttert, das Verh�ltnis zwischen den Generationen verschlechtert sich; die Landflucht besch�digt die Familienbande. Viele junge Leute sind entwurzelt, arbeitslos, suchen Zuflucht in k�nstlichen Paradiesen; viele Afrikaner verlieren sich angesichts der vielen Probleme selbst, kappen ihre Wurzeln und gehen in eine Art inneres Exil. Aber ist das alles unumkehrbar? Nat�rlich nicht! Mehr denn je m�ssen wir gegen alle Hoffnung hoffen!”

Ein erster Schritt zur Heilung der vielen Probleme Afrikas k�nnte eine R�ckbesinnung auf das Leben als Geschenk Gottes sein, meinte der Papst. �F�r die Bibel wie f�r die Weisheit eures Kontinents“ sei �jedes Kind eine Gnade und ein Segen von Gott“; jeder Mensch sei nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffen. �Er soll leben! Der Tod darf nicht �ber das Leben siegen! Der Tod darf nie das letzte Wort haben!“

�S�hne und T�chter Afrikas, habt keine Angst zu glauben, zu hoffen und zu lieben! Habt keine Angst davor, zu sagen, dass Jesus Weg, Wahrheit und Leben ist und wir nur von ihm gerettet werden k�nnen. Durch euch ist Afrika zur Hoffnung berufen! Durch Christus kann Afrika der Kontinent der Hoffnung werden. Wir alle sind von Gott gedacht, gewollt und geliebt. Lasst euch nicht entmutigen oder zu Hass verf�hren- denkt an den Glauben des hl. Joseph, des Nachkommens Abrahams, der hoffte gegen alle Hoffnung!“

Benedikt hatte noch ein paar sehr konkrete Ermahnungen parat: Eheleute sollten sich gegenseitig respektieren, Priester sich an den Z�libat halten, V�ter sich um ihre Kinder k�mmern. Junge Leute rief der Papst �freundschaftlich“ dazu auf, den �Mut nicht fahren zu lassen“. (rv)
 

Eine afrikanische Papstmesse - Eindr�cke aus Yaound�
Papst Benedikt XVI. hat an seinem Namenstag - 19. M�rz, Heiliger Josef - seinen ersten �ffentlichen Gottesdienst in Afrika gefeiert. Die Messe hatte unverkennbar Akzente aus dem schwarzen Kontinent, doch auch spezifische �Benedikt-Elemente“ waren vertreten.

Einzug ins Fu�ballstadion: So viele Menschen sind hier sonst nur versammelt, wenn Kameruns Nationalmannschaft spielt. Heute sind sie gekommen, um mit dem Papst aus Rom zu feiern. 40.000 Menschen begr��en Benedikt XVI. sehr, sehr herzlich. Auch der Staatspr�sident und eine Menge Diplomaten sind vertreten.

Die Altarinsel hat die Form einer strohgedeckten H�tte, das gro�e, unverzierte Kreuz, das vor dem Papst auf dem Altar steht, ist aus afrikanischem Edelholz. Benedikt tr�gt das Pallium �ber einem betont schlichten wei�en Messgewand. Farblich harmonierend die Mitgestalter des Gottesdienstes: Der Chor aus hunderten Stimmen wiegt sich im Takt der afrikanischen Ges�nge, die Frauen haben helle Turbane, die M�nner sind blo�h�uptig, alle tragen flie�ende cremefarbene Kleider und Sch�rpen mit appliziertem Papstwappen.

Selbst die Absperrungen sind in den Vatikanfarben wei� und gelb gehalten. Ein paar heimische Soldaten in khakigr�nen Uniformen haben den Staatspr�sidenten und seine auff�llig gestylte Frau im Blick; die ernst dreinblickenden vatikanischen Sicherheitskr�fte tragen Anzug und Knopf im Ohr.

Offen l�chelnd nimmt der Papst die Gaben entgegen, die ihm in einer fr�hlich wirkenden Prozession �berbracht werden. Ein Orchester aus Xylophonen begleitet die Szene, einzelne Messg�nger haben sich von ihren Sitzen erhoben und tanzen in der Menge. Wie schon bisher in Kamerun spricht der Papst bei der Predigt abwechselnd franz�sisch und englisch, die Worte der Gabenbereitung singt er auf Latein aus dem Messbuch, das ihm Zeremonienmeister Guido Marini h�lt. Auch lokale Sprachen wie Bassa, Suaheli, Lingala und Ewondo kommen bei dem Gottesdienst zum Zug und verdeutlichen den Reichtum afrikanischer Kulturen. Zum ersten Mal spricht der Papst �ffentlich ein Gebet, das er aus dem Anlass dieser Reise selbst formuliert hat: ein Gebet an die Jungfrau Maria, Besch�tzerin Afrikas.

Bei der Wandlung, die der Papst auf Franz�sisch h�lt, macht sich die Atmosph�re der freudigen Erwartung im Stadion Luft: In diesen Momenten, die bei einer beliebigen Messe in westlichen L�ndern die gesammeltsten w�ren, branden pl�tzlich Applaus und Jubel auf. Die Augenblicke der Stille nach der Kommunion fallen ebenfalls nur relativ still aus. Auch in Afrika empfangen jene Gl�ubigen, die beim Papst kommunizieren, die Hostie in den Mund und auf Knien.

Im Anschluss an die Messe verteilt Benedikt das �Instrumentum Laboris“ – das �Werkzeug“ f�r die im Herbst geplante Afrikasynode - an die Vorsitzenden der afrikanischen Bischofskonferenzen. Jeder der W�rdentr�ger tritt in schnellem Takt vor und nimmt sein Exemplar aus den H�nden des Papstes entgegen. Noch ein kurzes Bad in der Menge, ausgew�hlte G�ste werden zum Ringkuss vorgelassen, den alle w�rtlich nehmen. Unter ausgelassenen Rufen und Gesang der Menge steigt Benedikt ins Papamobil. (rv)
 

Afrikasynode: Bisch�fe fordern Einheit und �sichtbarere Rolle“ f�r Frauen
Die Probleme von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft seien immer auch die Probleme der Kirche. Das betonen die Bisch�fe Afrikas im Arbeitspapier zur Sondersynode. Gemeinsam gelte es �neue Antworten“ auf das Leid der Bev�lkerung zu finden. �Vers�hnung, Gerechtigkeit und Frieden“ ist das Motto dieser Papstreise, aber auch der Bischofsversammlung f�r den Kontinent, die im Oktober in Rom statt findet. Papst Benedikt XVI. �bergab am Ende der Messe in Yaound� das so genannte �Instrumentum Laboris“ an die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen Afrikas. Am fr�hen Abend er�ffnet er in Yaound� symbolisch die Synode - in einer Sitzung mit den 12 Mitgliedern des Sonderrats f�r Afrika aus 11 verschiedenen L�ndern des Kontinents. (rv)
 

�Papstaussage zu Kondomen ist kein Thema in Afrika“
Wie haben die Katholiken in Yaound� den ersten Gottesdienst dieses sehr europ�ischen Papstes auf afrikanischem Boden erlebt? Unsere Korrespondentin Birgit Pottler im Gespr�ch.

Die Menschen haben diesen Gottesdienst wirklich mitgefeiert. Die wenigsten sind gekommen, um den Papst zu sehen und da ein Foto zu machen, die meisten besitzen keine Kamera, die haben wirklich Gottesdienst feinern wollen, obwohl sie in diesem Stadium so gut wie nichts gesehen haben. Diese 60.000 hatten freien Blick auf das Fu�ballfeld beziehungsweise. auf einen kleinen Bildschirm, der im Stadium angebracht war. Den Papst haben sie nicht gesehen, und trotzdem haben sie einfach mitgefeiert. Sie haben intensiv gesungen, der Chor hat sich bei jedem Gesang von rechts nach links gewogen im Rhythmus, die Menschen haben fast das Tanzen begonnen, und als nach der Predigt ein kurzer Moment der Stille ausgerufen wurde, war es wirklich still. Ich stand auf diesem Fu�ballfeld und es war still.

Auffallend war au�erdem die Kleidung. In diesen Tagen laufen hier ganz viele in Kleidern aus dem gleichen Stoff durch die Stadt. Diesen Stoff hat sowohl die Stadt verteilt als auch die Regierung und das Erzbistum von Yaound� – den Stoff, aber ansonsten nichts. Die Menschen haben eine unheimliche Fantasie, sich aus diesem Stoff Kleider zu n�hen. Die sind ausgeschnitten, tailliert, mal weit und lang, die M�nner n�hen sich Hemden und Hosen, es gibt Kopfbedeckungen aus dem Stoff, die Chormitglieder hatten die Stola aus diesem Stoff. Er zeigt immer den afrikanischen Kontinent, das Papstwappen und das Motto der Synode und der Reise: Gerechtigkeit, Frieden und Vers�hnung. Ein kleines Detail: Der Stoff, der von der Regierung verteilt wird, hat neben dem Papstfoto auch das Foto des Pr�sidenten.

Was halten die Menschen vom Papstbesuch?

Die Katholiken in der Stadt sind sehr angetan und sagen, der Papstbesuch ist f�r uns eine Gnade, manche sehen es fast als Wunder und meinen, das sei ein Beweis daf�r, dass Gott Kamerun wirklich liebt, da jetzt schon zum dritten Mal ein Papst im Land ist. Ich habe im Hotel aber auch Gesch�ftsleute gesehen, die mit der Kirche nicht so viel zu tun haben. Da habe ich auch die Frage geh�rt: was macht der Papst eigentlich hier, warum ist er gekommen? Das kostet ja auch so viel Geld. Die Regierung hat den ganzen Besuch finanziert und wird wohl auch versuchen, ihn f�r sich ein bisschen auszuschlachten. Das wiederum wird von den Katholiken sehr kritisiert.

In hiesigen Medien wird die Frage Aids und Kondome sehr intensiv debattiert. Ist das auch in Afrika ein so bestimmendes Thema, wenn man vom Papstbesuch spricht?

In den Medien gar nicht. Am Tag nach der Aids-Aussage des Papstes habe ich zum Beispiel einen Satz zu Aids in einer sehr umfangreichen Presseschau gefunden, da ging es aber schlicht darum: Der Papst fordert freien Zugang zu medizinischer Versorgung f�r Aidskranke. Eine Forderung, die sich auch im Arbeitspapier f�r die Synode wiederholt. Also hier geht’s um die Versorgung und nicht darum, was der Papst �ber Kondome gesagt hat. Und heute nach der Messe konnte ich kurz mit einem einfachen Gl�ubigen sprechen, ein Mann, der sagte: �Der Papst hat Recht. Wir k�nnen nicht einfach mit jedem oder jeder ins Bett gehen. Sondern wir m�ssen uns selbst zur Verantwortung rufen.“

Ist schon jetzt, am dritten Tag Benedikt in Kamerun beziehungsweise sp�ter Angola, der Bezug zu ganz Afrika da?

Ja vor allem am dritten Tag selbst – das ist der Tage der Kirche Afrikas. Gestern war es die Kirche in Kamerun, die Bisch�fe, die Laien, die Priester, heute mit dem Schwerpunkt des �Instrumentum Laboris“ f�r die Afrikasynode war es die Kirche Afrikas. Die Menschen in Kamerun betonen immer wieder, wir sind Kleinafrika, die Probleme, die wir haben, die hat der ganze Kontinent. Und das gilt auch f�r die Kirche hier.(rv)
 

Lombardi: Papstreise darf nicht auf Kondomfrage reduziert werden
Im Anschluss an die Papstmesse im Amadou-Ahidjo-Stadion fand die t�gliche Pressekonferenz mit Vatikansprecher Pater Federico Lombardi statt. Dabei nahm Lombardi auch zu den umstrittenen �u�erungen des Papstes im Bezug auf Kondome und das Aids-Problem in Afrika Stellung. Gudrun Sailer berichtet:

Die Nachfrage, ob der Papst �ber die Kritik an seinen �u�erungen zum Aidsproblem informiert worden sei, bajhte Lombardi:

�Ich versuche, die Einw�nde und Diskussionen, die derzeit anderswo auf der Welt laut werden, zur Kenntnis und auch Ernst zu nehmen.“

Allerdings konzentriere sich der Papst derzeit prim�r auf die eigentlichen Motive und Ziele seiner Reise in Kamerun, so der Vatikansprecher. Es sei bedauerlich, dass vor allem in Europa die vielen wichtigen Themen, die der Papst angesprochen habe, kaum wahrgenommen w�rden:

�Ich habe den Eindruck, dass ein gro�er Widerspruch besteht zwischen der Realit�t der Reise, das hei�t, wie die Begegnung mit dem Papst von den Afrikanern und den Kamerunern erlebt wird und dem, was auf der anderen Seite in Europa wahrgenommen wird. Alles, was hier passiert, was der Papst zu den vielen Problemen Afrikas sagt, kontrastiert mit einer sehr einseitigen Aufmerksamkeit in anderen L�ndern, die sich nur auf einen spezifischen Gesichtspunkt konzentriert und dabei auch riskiert, die vielseitigen Aspekte und die eigentliche Bedeutung dieser Reise zu vergessen. Die Afrikaner dagegen nehmen diese Bedeutung sehr wohl wahr.“

Die Fixierung auf die Kondomfrage w�rde der sozialen und kutlurellen Lage der Menschen in Afrika, ihrer Probleme und Bed�rfnisse nicht gerecht. So d�rfe nicht vergessen werden, dass die meisten Menschen in Afrika derzeit immer noch an Malaria sterben, weil es an Vorsorge und Medikamenten fehle:

�Daneben d�rfen wir das gro�e Aids-Problem, das viele Tote fordert, nat�rlich nicht verharmlosen. Aber auf der anderen Seite d�rfen wir auch die zahlreichen anderen Probleme, die der Papst angesprochen hat, und die ihm w�hrend der Messe ein Gebetsanliegen waren, nicht vergessen.“ (rv)
 

Papst, Aids, Kondome - Pater Gemmingen kommentiert
Eine �u�erung des Papstes zum Thema Aids und Verh�tung auf dem Flug nach Kamerun hat in einigen Medien f�r Aufsehen gesorgt. Wir dokumentieren hier den genauen Wortlaut der Erkl�rung von Papst Benedikt; er antwortete damit auf eine Journalistenfrage:

�Ich denke, die wirksamste, pr�senteste und st�rkste Realit�t im Kampf gegen Aids ist gerade die katholische Kirche mit ihren geistlichen Bewegungen und ihren verschiedenen Gruppen. Da denke ich etwa an die Gemeinschaft von Sant’Egidio, die sichtbar und unsichtbar sehr viel im Kampf gegen Aids tut, an die Kamillianer, an all die Schwestern, die den Kranken beistehen. Ich w�rde sagen, das Problem Aids l�st man nicht mit Geld allein. Geld ist n�tig, hilft aber nur, wenn dahinter eine Seele steckt, die es gut einzusetzen wei�. Ebenso wenig ist es getan mit der Verteilung von Pr�servativen: Im Gegenteil, sie verst�rken das Problem. Die L�sung muss eine doppelte sein. Das erste ist eine Humanisierung der Sexualit�t, das hei�t eine spirituelle und menschliche Erneuerung, die zu einer neuen Art des Umgangs sowohl mit dem eigenen K�rper als auch zu einem neuen Umgang miteinander f�hrt. Das zweite ist Freundschaft mit und f�r die Leidenden, eine Hilfsbereitschaft, die auch mit pers�nlichen Opfern verbunden ist, um an der Seite der Kranken zu sein - diese F�higkeit zum Mitf�hlen mit den Leidenden und in schwierigen Situationen dazubleiben. Das sind die Faktoren, die helfen und die echte, sichtbare Fortschritte bringen. Die Kirche tut das und leistet so einen gro�en und wichtigen Beitrag. Ich danke allen, die da mitwirken.“

Zum j�ngsten Wirbel in den Medien: ein Kurz-Kommentar von Pater Eberhard Gemmingen SJ, dem Leiter des deutschen Programms von Radio Vatikan.

�Es ist schade, dass die sensiblen und subtilen Papstworte �ber Aids und Kondome viele andere Papstworte in Afrika �berdecken. Vielleicht h�tte er die Journalistenfrage erst auf dem R�ckflug beantworten sollen. Schade, dass die Qualit�t des Journalismus so abgesunken ist. Welche Interessen stehen dahinter? Eine wirklich gute Zeitung h�tte etwa schreiben k�nnen: Bei Papst Benedikt muss man gut hinh�ren. Er hat den Kondom-Gebrauch nicht direkt verurteilt, sondern nur erkl�rt, Kondome helfen nicht gegen das Problem, vielmehr verst�rkten sie es. Nun kam aus den USA die Stimme: der Papst kann ja ethisch sagen, wovon er �berzeugt ist, aber er d�rfe nicht Sachen behaupten, die nicht stimmen, n�mlich die Versch�rfung des Aidsproblems. Mag ja stimmen, dass Aidserkrankungen durch Kondome verringert werden. Und das w�re gut. Schlecht aber bleibt, wenn etwas sehr Humanes auf der Welt, der Geschlechtsverkehr, immer mehr zum Gesellschaftsspiel w�rde, nur zur Triebabfuhr der M�nner, zum Missbrauch der Frauen. Denken daran Papstkritiker und die UNO, wenn sie den Papst abwatschen?“
 

Papst an Moslems: �Glaube und Vernunft st�tzen sich gegenseitig”
Benedikt XVI. hat zu enger Zusammenarbeit von Katholiken und Moslems in Afrika aufgerufen. In Yaound� traf sich der Papst am Donnerstag Vormittag mit zwanzig Vertretern der islamischen Gemeinschaft von Kamerun. Etwa ein F�nftel der Einwohner von Kamerun sind Moslems; sie wohnen vor allem im Norden, an der Grenze zu Nigeria.

�Kamerun beherbergt Tausende von Christen und Moslems, die h�ufig Seite an Seite leben, arbeiten und ihren Glauben aus�ben. Die Anh�nger beider Religionen glauben an einen einzigen und barmherzigen Gott, der am J�ngsten Tag die Menschheit richten wird. Gemeinsam treten sie f�r die grundlegenden Werte der Familie, der sozialen Verantwortung, des Gehorsams gegen�ber Gott und der Liebe zu den Kranken und Leidenden ein.“

Wie schon in seiner ber�hmten Regensburger Rede von 2005 ging Benedikt auch diesmal auf das Verh�ltnis von Glaube und Vernunft ein, eines der gro�en Themen seines Pontifikats.

�Wenn sich die Menschen erleuchten lassen von der wunderbaren Ordnung der Sch�pfung und der W�rde des Menschen, dann erkennen sie: Das �Vern�nftige“ ist weit mehr als das, was die Mathematik ausrechnen kann; es schlie�t auch das Gut und die innere Anziehungskraft eines ehrlichen und ethischen Lebens ein, wie es uns die Sprache der Sch�pfung mitteilt. Diese Schau bringt uns dazu, das Richtige und Gerechte zu suchen und aus unseren egoistischen Interessen auszubrechen, um f�r das Wohl der anderen zu arbeiten.“

Eine �wahre Religion“ �ffne den Horizont des menschlichen Begreifens und bilde das Fundament aller �authentischen menschlichen Kultur“, so der Papst.

�Sie weist alle Formen der Gewalt und des Totalit�ren zur�ck; nicht nur aus Glaubensprinzipien heraus, sondern auch aufgrund der Vernunft. Religion und Vernunft st�tzen sich n�mlich gegenseitig; die Voraussetzung daf�r ist aber, dass die Religion gereinigt und strukturiert wird von der Vernunft – und dass das volle Potential der Vernunft durch die Offenbarung und den Glauben freigesetzt wird.“ (rv)
 

Afrikanische Presse zur Papstreise
Die Medien in Afrika zeichnen ein buntes Bild der Papstreise in Afrika. So stellen sie vor allem die Gl�ubigen vor, die den Papst von nahe gesehen haben. Der Afrika-Dienst der BBC zitiert beispielsweise eine junge Frau in Yaound�, die sich vier Tage freigenommen habe, um beim Besuch des Papstes dabei zu sein: �Der Papst kam hierher, weil Gott ihn gesandt hat. Gott erkennt, dass der Patient den Arzt braucht. Wir sind der Patient.“ Die Tageszeitung �Cameroon Tribune“ geht vor allem auf das Treffen des Papstes mit dem Pr�sidenten Kameruns, Paul Biya, ein. Dabei betont die Zeitung, dass der Papst ein Hoffnungszeichen f�r Afrika sei. Auf mehreren Seiten wird auch die Betreuung der rund 400 Journalisten beschrieben, die nach Yaound� gereist sind. Die Zeitung �Le Jour“ berichtet auf ihrer Titelseite �ber die Visite Benedikts, doch in einem kleinen Artikel. Daf�r werden auf mehrere Seiten die Papstreden analysiert. In einer Sondernummer �ber die Papstreise stellt �Prospective“ vor allem die Zahlen des Gro�anlasses vor. Weltweit w�rden �ber eine Milliarde Menschen die Papstreise in den Medien mitverfolgen, so die Zeitung. Franz�sischsprachige Medien in Kamerun kritisierten unterdessen Organisationsprobleme bei der Verteilung der Eintrittskarten f�r die gro�e Papstmesse an diesem Donnerstag. Vielfach seien die versprochenen Karten nicht in den Pfarreien eingetroffen. Mehrfach beanstandet wird zudem die Berichterstattung des Fernsehsenders �CRTV“. Die angek�ndigten hohen Standards seien bei weitem nicht erreicht worden. Wegen zu weniger Kameras und schlechter Bildregie sei der Papst oft nur aus weiter Ferne zu sehen gewesen. Die Presse betont auch die positive wirtschaftliche Entwicklung im Zuge des Papstbesuches. Im benachbarten Gabun berichteten Medien, die Reise von Benedikt XVI. beschere den fliegenden H�ndlern ein sehr gutes Gesch�ft. Fotos, T-Shirts oder Schirme mit dem Papst-Portr�t w�rden in der ganzen Stadt angeboten. Auch die Kathedrale von Yaound� habe sich zum Teil in einen Basar verwandelt. Die Kirche Kameruns habe selbst einige Andenken an den Papstbesuch auf den Markt gebracht.

Kontroverse um Papst-�u�erungen

Die Kontroverse �ber die Papst-�u�erungen zu Kondomen besch�ftigt auch die Medien in Afrika. Doch in Kamerun selbst ist es nur die Zeitung �Mutations“, die dar�ber berichtet. Das Blatt kritisiert, dass diese Diskussion die weiteren H�hepunkte der Reise in den Schatten stellt. Die s�dafrikanische Zeitung �Mail & Guardian“ zitiert den Sprecher einer Initiative, die sich in Kamerun f�r den Zugang zur Gesundheitsversorgung von HIV-Infizierten einsetzt, mit den Worten: �Die Leute werden nicht auf den Papst h�ren. Er lebt im Himmel, und wir sind auf der Erde.“ Angesichts seiner gro�en und oft unkritischen Gefolgschaft in Afrika werde die Aussage des Papstes, dass die Propagierung von Kondomen das Aids-Problem des Kontinents eher verschlimmern als eind�mmen k�nnte, enorme Folgen haben, so der Aktivist. Er fragt weiter: �Wusste der Papst nicht, als er in Kamerun ankam, dass HIV-Positive einen gro�en Teil der Bev�lkerung bilden?“ Nach Sch�tzungen der UNO-Organisation �UNAIDS“ waren 2007 mehr als f�nf Prozent der kamerunischen Erwachsenen von Aids betroffen. (rv)

 

Der Papst trifft die �Welt des Leidens“. Eindr�cke vorab
Die Kirche ist allen Menschen nahe, die leiden. Das will Papst Benedikt XVI. w�hrend seiner Afrikareise einmal mehr deutlich machen, symbolisch daf�r sein Besuch ein einem Kranken- und Rehabilitationszentrum, benannt nach dem kanadischen Kardinal Paul Emile L�ger. Eine Einf�hrung von Birgit Pottler:

�Begegnung mit der Welt des Leidens“ ist das Ereignis im Reiseprogramm �berschrieben. Das Kirchenoberhaupt hat hier noch einmal Gelegenheit, vom �menschlichen und spirituellen Beistand f�r Aids-Patienten“ zu sprechen, die – so lie� Vatikansprecher Pater Federico Lombardi �ber den Pressesaal am Mittwoch erneut erkl�ren – �wie alle Leidenden der Kirche von jeher am Herzen liegen“. Zwar hat Benedikt ja bereits mit Teilnehmern eines Aids-Projekts von Sant’Egidio gesprochen, doch �ffentliche Worte, weltweit im Internet per Livestream zug�nglich, stehen nach der Pressekonferenz auf dem Hinflug noch aus. Auch der Vatikan sieht nicht an der Realit�t vorbei, dass in Afrika 67 Prozent der HIV-infizierten Menschen der Welt leben. Auch der Vatikan kennt die traurige Nachricht, dass 17 Millionen Menschen auf dem Kontinent schon an Aids gestorben sind. Die katholische Kirche stehe diesem Leid nicht gleichg�ltig gegen�ber, so Lombardi hier in Yaound�, aber sie setze im Kampf gegen den HI-Virus auf eine entsprechende Sexualerziehung, auf wirksame Therapien, um die Weitergabe des Virus von infizierten M�ttern auf ihre Kinder zu unterbrechen, sowie auf eine soziale und seelsorgliche Begleitung der Betroffenen.“ Der Papst wird - ich streiche bewusst den Konjunktiv - keine neuen Akzente setzen. Aber er tut gut daran, positive Akzente zu setzen.
 

Priester sind V�ter und Diener zugleich
Nach dem Vorbild des Heiligen Josef sind Priester V�ter und gleichzeitig Diener. Und sie sollten sich von Schwierigkeiten auf ihrem Weg nicht abbringen lassen. Das sagte der Papst in einer Meditation �ber das Thema V�terlichkeit bei der Vesper in der Marienbasilika von Yaound� im Kamerun am Mittwoch Abend. Der 19. M�rz – Gedenktag des Heiligen Josef – ist der Namenstag des Papstes. An der �kumenischen Begegnung nahmen Priester, Ordensleute und Personen des geweihten Lebens teil.

�Es handelt sich darum, kein mittelm��iger Diener zu sein, sondern ein treuer und besonnener Diener. Das ist keine zuf�llige Kombination. Vielmehr stellt sie klar, dass Intelligenz ohne Treue – ebenso wie Treue ohne Weisheit – ungen�gende Qualit�ten sind. Das eine ohne das andere erlaubt uns nicht, in vollem Ma� die Verantwortung wahrzunehmen, die Gott uns anvertraut hat. Diese V�terlichkeit, liebe Priester, m�sst ihr im Alltag eures Amtes leben.“

Benedikt dankte den afrikanischen Priestern f�r ihren gro�z�gigen Einsatz im Dienst der Kirche und ermunterte sie, sich von den Schwierigkeiten nicht entmutigen zu lassen. �Liebe Br�der im Priesteramt, euer Hirtendienst verlangt viel Verzicht, aber er ist auch Quelle der Freude“, rief er ihnen zu. Den Angeh�rigen der kirchlichen Bewegungen w�nschte der Papst, dass sie gerade den �rmsten das liebende Gesicht Gottes zeigen k�nnten und ermutigte sie, sich weiterhin f�r die menschliche und christliche Erziehung der Jugendlichen und f�r die F�rderung der Frau in Afrika einzusetzen. Hierbei gab der Papst noch einen konkreten Rat:

�Das geweihte Leben ist ein radikaler Weg der Christusnachfolge. Deshalb soll euer Lebensstil verdeutlichen, was es ist, das euch leben l�sst. Es ist n�tig, dass euer Handeln eure tiefe Identit�t nicht versteckt.“

Das Leben des Heiligen Josef sei ein beredtes Beispiel f�r alle Nachfolger Jesu, die die Einheit der Kirche w�nschen, so der Papst an die Adresse der anderen christlichen Konfessionen.

�Sein Beispiel lehrt uns zu verstehen, dass derjenige, der sich voll dem Willen Gottes ausliefert, ein wirksames Werkzeug Gottes wird im seinem Vorhaben, die Menschen in eine einzige gro�e Familie, in eine einzige Kirche zusammenzuf�hren. Diese Suche nach der Einheit der Nachfolger Christi ist f�r uns eine gro�e Herausforderung. Sie f�hrt uns dazu, uns immer mehr von Christus anziehen zu lassen. Wir sind dazu aufgerufen, Kinder desselben Vaters zu sein.“ (rv)

 

 

20.03.09

4. Tag der Afrikareise von Papst Benedikt XVI.

Papst in Angola: Die Armen nicht vergessen
Vierter Tag der Papstreise auf dem Schwarzen Kontinent: Benedikt XVI. hat Kamerun verlassen und ist in Angola eingetroffen. �Ich komme aus einer Nation, die Krieg und Teilung erlebt hat“, sagt Benedikt in seiner ersten Ansprache, �darum liegt mir der Frieden besonders am Herzen!“ Eindringlich warnt er Afrika davor, auf das Recht des St�rkeren zu setzen.

Um kurz vor eins ist Benedikt, von Kamerun kommend, in Angolas Hauptstadt Luanda gelandet. Dort begr��te ihn Pr�sident Eduardo Dos Santos, im Amt seit 1979. �Segne unser Land“ – das ist das Motto der Reise durch Angola. In seiner ersten Ansprache stellte sich der Papst in die Tradition seines Vorg�ngers, des �Eiligen Vaters“.

�Ich denke jetzt an Johannes Paul II., der Angola 1992 segnete: Er war ein unerm�dlicher Missionar Jesu Christi bis an die Enden der Erde; er zeigte den Weg zu Gott und lud alle Menschen guten Willens dazu ein, eine Gesellschaft der Gerechtigkeit und des Friedens zu errichten. Was mich betrifft: Ich komme aus einem Land, in dem den Menschen Frieden und Br�derlichkeit besonders am Herzen liegen – besonders denen, die wie ich Krieg und Teilung erlebt haben. Schuld daran waren zerst�rerische, unmenschliche Ideologien, die den Menschen Illusionen vorspiegelten und sie in Wirklichkeit unterdr�ckten. Ihr versteht daher, dass ich sensibel bin f�r den Dialog als Mittel, um jede Form von Konflikt und Spannung zu �berwinden und um aus jeder Nation – auch aus der euren – ein Haus des Friedens und der Br�derlichkeit zu machen.“
Angola solle sich seines reichen geistlichen und kulturellen Erbes bewusst sein und seinen wachsenden Reichtum dazu einsetzen, �Frieden und Verst�ndigung zwischen den V�lkern zu f�rdern“. So k�nne das Land dazu beitragen, Afrika eine �friedliche und solidarische Zukunft“ zu verschaffen.

�Darum bitte ich euch: Kapituliert nicht vor dem Recht des St�rkeren! Gott macht es den Menschen m�glich, mit den Fl�geln von Verstand und Glaube �ber seine nat�rlichen Tendenzen hinauszufliegen. Wenn ihr euch von diesen Fl�geln tragen lasst, dann werdet ihr in den anderen eure Br�der erkennen, die die gleichen grundlegenden Rechte haben. Leider gibt es in Angola noch viele Arme, die den Respekt vor ihren Rechten einfordern. Man darf die vielen Angolaner nicht vergessen, die noch unterhalb der Armutsgrenze leben. Entt�uscht ihre Erwartungen nicht!“
Die Kirche in Angola gr��te Benedikt als eine der �ltesten katholischen Gemeinschaften s�dlich des �quators; ihr gelte sein Besuch vor allem.

�Ich schlie�e mich ihren Bitten an, dass die Zeit des Friedens, der Gerechtigkeit und der Br�derlichkeit in Angola nicht vor�bergeht und dass sie als Kirche ihre Mission zum Wohl des Volkes und der Nationen Afrikas tun kann. Gott segne Angola!“
Am Freitag Morgen hatte Benedikt XVI. Kamerun verlassen. Dabei dankte er f�r die Gastfreundschaft und bat um Gebet f�r die Bischofs-Sondersynode zu Afrika, die im Oktober in Rom stattfinden soll. Er hoffe auf �eine Zeit der Gnade f�r die Kirche des ganzen Kontinents, um sich zu erneuern und einer zerrissenen Welt die rettende Botschaft des Evangeliums zu bringen“. (rv)
 

Halbzeit: Papst verl�sst Kamerun
Benedikt XVI. ist am Freitagvormittag von Kamerun nach Angola aufgebrochen. In seiner Abschiedsrede auf dem Flughafen von Yaound� dankte er vor Pr�sident Baya und den Bisch�fen des Landes allen Kamerunern f�r den gro�z�gigen Empfang der letzten Tage. �Die W�rme der afrikanischen Sonne hat sich in der W�rme Eurer Gastfreundschaft widergespiegelt“, so Benedikt w�rtlich. Weiter bat er die Gl�ubigen um Gebet f�r die Bischofs-Sondersynode zu Afrika, die im Oktober in Rom stattfinden soll.

Eine Bilanz zur ersten Etappe der Papstreise zieht unsere Korrespondentin Birgit Pottler:

Zum dritten Mal ist Papst Benedikt an diesem Freitag den Boulevard Yaound�s entlang gefahren. Wieder standen tausende Kameruner aller sozialen Schichten am Stra�enrand, wieder waren die Trib�nen, an denen am Unabh�ngigkeitstag allj�hrlich die Milit�rparade vorbeif�hrt, bis auf den letzten Platz gef�llt.

F�r die Katholiken war der Papstbesuch ein gro�es Fest. Die Souvenirs fanden rei�enden Absatz. Die Stra�enh�ndler waren zufrieden mit dem Absatz von Bildern, M�tzen und T�chern. Der Stoff zur Papstreise – keine neue Idee, es ist �blich hier, zu besonderen Anl�ssen Stoffe zu weben und zu bedrucken – war in der �Boutique“ an der Kathedrale schon am Dienstag ausverkauft.

Einen Schatten haben nicht Debatten um Aidsvorsorge und Kondome, sondern eher die massiven Sicherheitsvorkehrungen und r�cksichtlosen Stadtversch�nerungsma�nahmen auf das Ereignis geworfen.

Das Kirchenoberhaupt hat die Bisch�fe Kameruns getroffen. Ihnen hat er mit seiner Position zur Aidspr�vention und der medizinischen wie pastoralen Sorge f�r die Betroffenen aus der Seele gesprochen.

Benedikt XVI. hat Kamerun besucht, aber zu und f�r ganz Afrika gesprochen. Der Appell zum Auftakt, �Christen k�nnen nicht Schweigen angesichts von Ungerechtigkeit“, gilt �berdies nicht nur f�r diesen Kontinent. Schutz der Familie, Treue zu den Gel�bden von Priestern und Ordensleuten, Ausbildung und Zusammenarbeit mit Laien – Themen in der Vesper mit dem Klerus, den Ordensleuten und Katecheten – sind Aufgaben f�r die Kirche �berall. Gleiches gilt f�r die Begegnung mit den Kranken.

Der Papst hat in Kamerun den Startschuss f�r die Afrikasynode gegeben. Alle Themen, die er hier ansprach, auch die politischen, finden sich im Instrumentum Laboris wieder. Sein Aufruf zum friedlichen Miteinander und zur Zusammenarbeit von Christen und Moslems ist au�erdem eine weitere Etappe im weltweiten Dialog beider Religionen. Auf dem Weg zum Flughafen traf der Papst zum Abschluss noch eine Gruppe Pygm�en. Diese Begegnung ist lesbar als Symbol f�r die Besch�ftigung der katholischen Kirche mit den traditionellen Religionen und die bleibende Aufgabe ihrer Inkulturation.

Yaound� verabschiedet Benedikt XVI. so, wie es ihn begr��t hat: unter afrikanischer Sonne. �Afrika liebt Sie“ steht sogar auf Deutsch auf einem Plakat am Flughafen. Kamerun ist eben Klein-Afrika. (rv)
 

Aids-Debatte in Afrika: �Der Papst hat Recht“
Die ablehnende Haltung des Vatikans zu Kondomen als scheinbar allein Heil bringende Methode in der Aidspr�vention besch�ftigt die internationale Presse und wird massiv kritisiert. Anders in Afrika. Unsere Korrespondentin Birgit Pottler hat sich umgeh�rt:

Die �Kondomdebatte“ habe in Afrika keinen Schatten auf den Papstbesuch geworfen. P�re Andr� Tum aus der Di�zese Edea weist diesen Eindruck entschieden zur�ck. Noch dazu habe diese Journalistenfrage ja gar nichts mit den Auftritten Benedikts in Afrika selbst zu tun. Die Botschaft des Papstes habe die Kirche in Afrika im Gegenteil best�rkt, betont Tum, Professor f�r Metaphysik am Grand Seminaire von Bafoussam:

�Wir Afrikaner erwarten vom Papst ein Wort der Hoffnung, eine St�rkung im Glauben. Es ist klar, dass Abstinenz und Treue die wirksamsten Mittel sind, die Ausbreitung von Aids einzud�mmen.“

Nat�rlich verteilen Nichtregierungsorganisationen Kondome. Aber – P�re Andr� unterstreicht seine Worte mit energischen Handzeichen –
�ein gl�ubiger Christ, ob nun Europ�er oder Afrikaner, kann vom Kirchenoberhaupt keine andere Aussage erwarten. Wir Afrikaner f�hlen uns best�rkt, denn die Papstbotschaft weist uns auf das Wesentliche hin. Das Evangelium leitet uns an, vollkommen zu sein. Und es ist die Aufgabe des Papstes, uns zur Perfektion, zur Vollkommenheit zu f�hren. Der Papst darf uns nicht sagen, wie wir besser s�ndigen k�nnen – das ist nicht seine Aufgabe. Er muss uns dabei helfen, das Evangelium im Leben umzusetzen.“
Afrikas Katholiken – einen Unterschied zwischen praktizierenden und sogenannten Taufschein-Katholiken gibt es hier nicht – seien der gleichen Ansicht, versichert Tum, auch die Frauen. Doch die kirchliche Lehre und die pers�nlichen �berzeugungen lie�en sich eben nicht immer mit der Realit�t vereinen, das sei in Afrika so. Der Professor und erfahrene Seelsorger erz�hlt erst, als das Mikrofon wieder in der Tasche verstaut ist, von Gespr�chen mit Frauen, von afrikanischen Traditionen und der verbreiteten Ansicht, je mehr Frauen, je mehr Kinder, desto angesehener ein Mann.

Ein Katholik aus Yaound�, gekleidet in traditionelles Gewand, erkl�rt uns jedoch, w�hrend Benedikt XVI. im Stadion Eucharistie feiert:

�Der Papst hat Recht. Die Verteilung von Kondomen f�hrt zu sexueller Z�gellosigkeit.“

Kondome allein l�sten das Problem nicht. Der Mann stimmt dem Papst zu und mahnt sogleich die Kirche, HIV-Patienten nicht zu diskriminieren:

�Diese Krankheit kann ja auch zum Beispiel durch eine Bluttransfusion �bertragen werden. Die Betroffenen verdienen es also, wie alle anderen Kranken behandelt zu werden, mit W�rde und Respekt. Und sie brauchen medizinische Versorgung.“
Im Jahr 2000 haben HIV-positive Frauen in Yaound� eine Selbsthilfegruppe gegr�ndet, inzwischen unterst�tzt ihr Verein AFASO Waisenkinder, die ihre Eltern durch Aids verloren haben, betreibt Aufkl�rung und bek�mpft die Stigmatisierung HIV-positiver Menschen in der Gesellschaft. Mit Frauen �ber das Thema Aids und Kondomgebrauch zu sprechen, erweist sich w�hrend der Papstreise als schwierig. Eine Katholikin sch�ttelt auf die Frage, was sie �ber die Papstworte denkt, den Kopf und macht einen Schritt zur�ck:�Er ist der Papst. Das muss er sagen und denken. Punkt.“ (rv)
 

Papst: �Afrika-Synode wird neue Impulse geben“
Die Sonder-Bischofssynode f�r Afrika soll neue Impulse im Engagement der Kirche f�r die Gesellschaft geben. Das betonte Papst Benedikt XVI. am Donnerstagabend vor dem Synodenrat in Kameruns Hauptstadt Yaounde. Konkret gehe es um Vers�hnung, Gerechtigkeit und Frieden in Afrika, so Benedikt weiter. Mit dem Treffen der zw�lf Mitglieder des Bischofsrates ist somit die zweite Afrika-Synode offiziell gestartet. Die Beratungen finden vom 4. bis 25. Oktober im Vatikan statt.

Vor dem Synodenrat sagte das katholische Kirchenoberhaupt:

�Afrika ist trotz aller Konflikte und N�te ein Kontinent der Hoffnung. Gerade die Christen als Mitglieder der Familie Gottes m�ssen sich mit Nachdruck gegen Gewalt und Ungerechtigkeit einsetzen. Ihr besonderes Augenmerk muss den Armen und Unterdr�ckten gelten. Die Kirche muss sich deshalb als eine Gemeinschaft von Menschen pr�sentieren, die mit Gott und untereinander vers�hnt sind.“
Doch die Unterdr�ckung, unter der die V�lker Afrikas litten, sei nicht unumkehrbar, unterstrich der Papst vor dem Synodenrat.

�Afrika war und ist noch immer ein Schauplatz schwerer Trag�dien, die eine echte Vers�hnung zwischen V�lkern, Ethnien und Menschen verlangen. F�r Christen hat Vers�hnung letztlich ihren Ursprung in der barmherzigen Liebe Gottes; diese m�ssen sie allen anbieten. Dazu geh�ren auch Gerechtigkeit und Frieden, die unverzichtbar f�r den Aufbau einer besseren Welt sind. Keine ethnischen oder kulturellen Unterschiede, keine Differenzen nach Rasse, Geschlecht oder Religion d�rfen Anlass f�r Auseinandersetzungen sein.“
Benedikt nannte auch positive Aspekte: So sei die Kirche in Afrika sehr dynamisch und aktiv. Die Synode m�sse aber untersuchen, ob das Wachstum und die Zuwachsraten nur quantitativ oder auch qualitativ sind. Der Papst hegt auch einen Wunsch:

�Vielleicht erlaubt dieses Jahrhundert das Wiedererstehen – freilich in neuer und anderer Form – der angesehenen Schule von Alexandrien, die in der Antike zu den f�hrenden christlichen Denkschulen geh�rte. Warum nicht hoffen, dass diese den Afrikanern von heute und der Universalkirche gro�e Theologen und geistliche Lehrer schenken k�nnte?“ (rv/kna)
 

Lombardi: �Realit�t trifft Reflektion“
Das Treffen Benedikts XVI. mit den Mitgliedern der Bischofsrates in Kamerun war der offizielle Startschuss f�r die zweite Afrika-Synode. Wie wegweisend das Auftakttreffen am Donnerstagabend f�r das zuk�nftige Engagement der Kirche in Afrika sei, erl�utert der Vatikan-Sprecher Federico Lombardi im Gespr�ch mit Birgit Pottler. Nach der Sitzung des Bischofsrates sagte Lombardi:

�Die Sitzung gibt eine gute Vorstellung davon, was die Synode sein kann: Die reiche, dramatische und auch hoffnungsvolle Wirklichkeit Afrikas trifft hier auf die Reflektion der Kirche, um Impulse f�r Probleml�sungen, Inspirationen und Hoffnungen zu erhalten. Mit dem Treffen von heute Abend bekommen wir einen ersten tiefen Eindruck von der Afrika-Synode.“
Vor der Papst-Rede hatten die Bisch�fe Gelegenheit, auf die Lage der verschiedenen Regionen Afrikas einzugehen. Pater Lombardi:

�Erzbischof Monsengwo hat wirklich dramatisch �ber die Lage in der Demokratischen Republik Kongo gesprochen. Kardinal Napier hat von den Erfahrungen der Vers�hnungskommission in S�dafrika erz�hlt und seine Hoffnung auf Vers�hnung auch in anderen L�ndern Afrikas formuliert. Erzbischof Onaiyekan hat sehr gut �ber die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen in Nigeria gesprochen. Und dann hat schlie�lich der Papst seine Rede gehalten.“
Aus der Begegnung mit der Bev�lkerung in Kamerun gehe der Papst gest�rkt f�r die weitere Reise hervor, so Lombardi. �Ich glaube, dass Benedikt sehr beeindruckt war von den Leuten, die ihn hier angenommen haben. Auch heute an der Stra�e in Yaound� waren Tausende von Leuten. Sie waren alle so liebevoll und froh, den Papst zu treffen. Das war wirklich eine Begegnung Benedikts mit dem Volk von Afrika. Das ist sehr hoffnungsvoll auch f�r die n�chste Etappe der Reise. Das Volk hat ihn verstanden, und er hat den Geist Afrikas gesp�rt. Er setzt seine Reise mit gro�er Hoffnung fort und mit der Sicherheit, diesem Kontinent einen guten Dienst zu erweisen.“ (rv)

 

Kameruns Presse: �Papst als Einheitsstifter“
Bilder der Freude... Auf den Titelseiten der meisten afrikanischen Zeitungen sind die Fotos vom Gottesdienst in Yaoundes Fu�ballstadion zu sehen. Weiter wurde dem Treffen Benedikts mit den Kranken im Pflegezentrum �Kardinal Paul Emile L�g�r“ sehr viel Platz einger�umt. So hat die �Cameroon Tribune“ den Papst als �Einheitsstifter“ beschrieben, der die Menschen im afrikanischen Land tief ber�hrt. Die Tageszeitung �Le Jour“ widmet in ihrer Freitagsausgabe mehrere Seiten der fliegenden Pressekonferenz bei der Anreise des Papstes am Dienstag. Kommentarlos werden die Fragen der Journalisten und die Antworten des Papstes wiedergegeben. Das Oppositionsblatt �Mutations“ fragt sich hingegen, ob der Papst �berhaupt die M�glichkeit habe, die Gewalt in Kamerun anzusprechen. Die kamerunische Zeitung �The Post“ antwortet darauf auf ihrer Titelseite: �Der Papst verurteilt jegliche Machtanspr�che und Gewalt in Kamerun und anderen afrikanischen Staaten.“ Die Oppositionszeitschrift �Germinal / Le prix de la v�rit�“ kritisiert vor allem die Rolle des Pr�sidenten Paul Biya, der sich ihrer Meinung nach zu sehr in den Mittelpunkt des Besuchs gestellt habe. (rv)

 

Zweite Halbzeit: Angola
Kamerun – Angola. Ein Kontinent. Zwei Welten. Eine Einf�hrung von Birgit Pottler:

Papst Benedikt XVI. hat auf seiner Afrikareise am Freitag Vormittag den �quator �berflogen, wechselt von Englisch und Franz�sisch ins Portugiesische und richtet nach den Vertretern der katholischen Kirche und anderen Religionen Afrikas seine Worte nun an Politiker und Diplomaten.

Auch diese Entscheidung haben die p�pstlichen Tourenplaner nicht von ungef�hr getroffen. W�hrend Kamerun als politisch stabil gilt, hat Angola, erst 1975 nach portugiesischer Kolonialherrschaft in die Unabh�ngigkeit entlassen, 27 Jahre B�rgerkrieg hinter sich. Eine halbe Million Menschen starben, vier Millionen wurden vertrieben. Die Bischofskonferenz von Angola und Tom� engagiert sich mit allen Kr�ften f�r Vers�hnung und Wiederaufbau.

Zwar ist Angola reich an Bodensch�tzen, vor allem an Erd�l und Diamanten, dennoch geh�rt das Land zu den �rmsten der Erde. Auch das derzeit gr��te Wirtschaftswachstum Afrikas bessert die Lage der Bev�lkerung kaum. Korruption, negative Folgen der Globalisierung und ein enormes Gef�lle zwischen Reich und Arm pr�gen Angola – wie viele L�nder auf dem Kontinent.

Die Bev�lkerung Angolas ist jung: Neun von 16 Millionen Einwohnern sind j�nger als 18 Jahre, mehr als 56 Prozent der Angolaner. Das Treffen mit der Jugend am Samstag ist also bewusst nach Angola gelegt.

Ein Wort zur Kirche: Sie begeht mit dem Besuch Benedikts XVI. einen weiteren H�hepunkt in den 500-Jahr-Feiern ihrer Evangelisierung. Die Katholiken stellen heute mehr als 55 Prozent der Angolaner. In Zahlen ausgedr�ckt sind das 8,6 Millionen. Der Blick zur�ck nach Kamerun: Die 4,8 Millionen Katholiken entsprechen dort gut einem Viertel der Bev�lkerung. Kameruns Kleriker und Laien haben dem Papst eine lebendige Kirche gezeigt; buchst�blich Leben in jungen Kirchen, schlie�lich wurde das Land erst Ende des 19. Jahrhunderts katholisch. 259 Katholiken kommen in Kamerun auf einen Katecheten, 2.600 auf einen Priester. Anders lebt die katholische Welt in Angola: Ein Priester hat 10.800 Katholiken zu betreuen, noch wichtiger also sind engagierte Laien und Katecheten. Ihnen – vor allem den Frauen – gilt eine Ansprache des Papstes am Sonntag Abend.

Hier schlie�t sich der Kreis und vereint hoffentlich zwei Welten: Nach der Ankunft in Kamerun sprach der Papst zu den Bisch�fen. Vor der Abreise aus Angola spricht das Kirchenoberhaupt zu den Frauen. (rv)

 

 

21.03.09

5. Tag der Afrikareise von Papst Benedikt XVI.

Papst bei Jugendtreffen: �Wagt den Sprung ins Endg�ltige!“
�Jungen Leuten zu begegnen, tut allen gut. Sie haben zwar manchmal viele Schwierigkeiten, aber sie tragen so viel Hoffnung und Enthusiasmus in sich, soviel Willen, noch mal von vorne anzufangen. Liebe junge Freunde, ihr tragt in euch selbst die Dynamik der Zukunft!“ Das sagte der Papst am Samstag Abend bei einem gro�en Treffen mit Jugendlichen in Luanda. Der auferstandene Christus sei �unser Gef�hrte“; er halte �das Buch unserer Tage in seiner Hand“, so Papst Benedikt. �Gott ist die Zukunft.“ Er werde – wie es die Offenbarung des Johannes formuliere –�er jede Tr�ne von unseren Augen wischen; es wird keinen Tod mehr geben, keine Trauer, kein Klagen.“

�Ich sehe unter euch einige der tausenden von jungen Angolanern, die wegen des Krieges und der Landminen verst�mmelt sind – und ich denke an die unz�hligen Tr�nen, die viele von euch vergossen haben, als Angeh�rige eurer Familien starben. Es f�llt nicht schwer, sich auszumalen, welche dunklen Wolken �ber euren Erwartungen an das Leben h�ngen... Ich lese in eurem Herzen einen Zweifel: �Das ist das, was wir haben“, sagt ihr mir. �Das, wovon du sprichst, kann ja keiner sehen. Wir glauben ja an die g�ttlichen Versprechen – aber wann steht Gott auf und macht alles neu?““
Benedikt lie� sich auf ein imagin�res Zwiegespr�ch mit solchen verbitterten Jugendlichen ein – er k�nne ihnen keine Antwort geben als die S�tze Jesu: �Euer Herz sei ohne Angst. Glaubt an Gott und glaubt an mich. Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen.“

�Aber ihr, liebe junge Leute, hakt noch mal nach: �Einverstanden – aber wann wir das alles geschehen?“ Auf eine solche Frage hat Jesus geantwortet: �Euch steht es nicht zu, die Zeiten zu erfahren... aber ihr werdet Kraft bekommen durch den Heiligen Geist, und ihr werdet meine Zeugen sein bis an die Enden der Erde.“ Ihr seht: Jesus l�sst uns nicht ohne Antwort – er sagt uns eines sehr klar: Die Erneuerung beginnt innen drin; ihr werdet eine Kraft aus der H�he empfangen. Die dynamische Kraft der Zukunft findet sich in euch selbst!“
�Und wie?“, so fragte Benedikt sich selbst. Um zu antworten: So wie Leben in einem Samenkorn sei. Zwar sei ein Samenkorn etwas sehr Unscheinbares, aber es trage die ganze Zukunft in sich.

�Meine Freunde, ihr seid die Samenk�rner, die Gott auf der Erde ausgestreut hat; ihr tragt im Herzen eine Kraft aus der H�he, die Kraft des Heiligen Geistes. Um allerdings Fr�chte zu tragen, m�sst ihr bereit sein, euer Leben hinzugeben. So wie Jesus es uns vorgemacht hat: Seine Kreuzigung schien das v�llige Scheitern, aber sie war es nicht! Er wurde zum Samenkorn, das Frucht brachte in jeder Zeit und f�r alle Zeiten!“
Der Papst lud die Jugendlichen ein, in der Eucharistie das Gespr�ch mit Christus zu suchen und von ihm zu lernen, wie man richtig lebt. Auch wenn die �dominierende soziale Kultur euch nicht dabei hilft, das Wort Jesu und die Selbsthingabe zu leben, zu der er euch aufruft“.

�Habt keine Angst, definitive Entscheidungen zu treffen! Die Gro�z�gigkeit fehlt euch nicht, das wei� ich. Aber dieses Risiko, sich f�rs ganze Leben festzulegen, ob in der Ehe oder in einem geweihten Leben – das macht euch Angst: �Die Welt �ndert sich st�ndig, das Leben ist voller M�glichkeiten, kann ich da in einem einzigen Moment �ber mein ganzes Leben verf�gen und alle unvorhergesehenen Wendungen, die es f�r mich haben wird, ignorieren? Verliere ich dadurch nicht meine Freiheit?“ Das sind eure Zweifel, und die individualistische, hedonistische Kultur von heute best�rkt euch noch darin. Aber wenn sich ein junger Mensch nicht entscheidet, riskiert er, ewig ein Kind zu bleiben!“
�Ich sage euch: Nur Mut! Traut euch definitive Entscheidungen zu! In Wirklichkeit n�mlich sind das die einzigen, die die Freiheit nicht zerst�ren, sondern eine richtige Richtung vorgeben, so da� man im Leben etwas Gro�es erreicht. Das Leben hat nur einen Wert, wenn ihr Mut zum Abenteuer und Gottvertrauen habt. Junge Leute von Angola, setzt den Heiligen Geist, die Kraft aus der H�he, in euch frei! Riskiert wie Jesus sozusagen diesen Sprung ins Endg�ltige und gebt damit dem Leben eine Chance! So werden sich unter euch erst Inseln, dann Oasen und schlie�lich fl�chendeckende Stellen christlicher Kultur bilden... Das ist das Leben, das lebenswert ist und das ich euch von Herzen w�nsche. Es lebe die Jugend von Angola!“ (rv)

 

Papst: �Zeigt Christus denen, die an Geister glauben“
Einen Auftrag zur Missionierung hat Papst Benedikt XVI. beim Gottesdienst in der angolanischen Hauptstadt Luanda erteilt. Christus jenen Menschen zu zeigen, die etwa dem Geisterglauben verhaftet seien, sei keineswegs ein Unrecht, sondern sogar �unsere Pflicht“, erinnerte der Papst die Priester, Bisch�fe, Ordensleute und Katecheten, mit denen er in der Sankt-Pauls-Kirche die Messe feierte.

Benedikt XVI. w�rdigte die Arbeit der Missionare in der Region S�dwestafrika, die unter heroischem Einsatz �ber Jahrhunderte die Frohe Botschaft des Christentums verk�ndet h�tten. Und er erinnerte an das einigende Band der Taufe.

�Vor �ber 500 Jahren entstand in diesen L�ndern, damals unter der Herrschaft der Portugiesen, das erste christliche Reich unterhalb der Sahara. Das Reich blieb katholisch bis zum 18. Jahrhundert, mit einem eigenen Botschafter in Rom. Ihr seht, wie zwei ganz verschiedene Ethnien – die Banta und die Lusiade – versucht haben, in der christlichen Religion eine Basis des Gemeinsamen zu finden. Es gab durchaus schwerwiegende Differenzen, doch die beiden Reiche haben sich nicht getrennt. Tats�chlich, die Taufe bewirkt doch, dass alle, die glauben, �eins“ in Christus sind.“
Der Auftrag zur Verk�ndigung des Frohen Botschaft gilt auch heute, hielt der Papst fest:

�Viele eurer Mitb�rger leben in der Angst vor Geistern, vor den unheilvollen M�chten, von denen sie sich bedroht f�hlen. Orientierungslos gelangen sie an den Punkt, die Stra�enkinder zu verurteilen und auch die �lteren, weil diese – so sagen sie – Medizinm�nner sind.“
Manche k�nnten hier einwenden: �Sie haben ihre Wahrheit, und wir haben unsere“. Von dieser falsch verstandenen Toleranz und Gleichg�ltigkeit riet der Papst ab.

�Wenn wir die Erfahrung gemacht haben, dass ohne Christus das Leben unvollst�ndig ist und eine fundamentale Wirklichkeit fehlt, dann m�ssen wir tats�chlich auch �berzeugt sein, dass wir an niemandem ein Unrecht begehen, wenn wir ihm Christus zeigen und ihm die M�glichkeit geben, so zu seiner wahren Authentizit�t zu finden, ja die Freude geben, das Leben gefunden zu haben. Im Gegenteil, wir sollen es sogar tun, es ist unsere Pflicht, allen diese M�glichkeit anzubieten, damit sie das ewige Leben erlangen.“ (rv)
 

�Au�erdem sind wir zahlreicher“ - Afrikas Frauen und der Papst
Gibt es eigentlich bei einer Papstreise noch etwas, was nicht auch schon Johannes Paul so oder �hnlich gemacht hat? Ja doch: Auf dieser Afrikareise Benedikts XVI. kommt es zu einem Novum. Kurz vor seinem Abflug aus Angola wird der Papst n�mlich die Mitglieder von katholischen Frauenbewegungen treffen – eine historische Premiere. Und eine Botschaft, die an die Frauen in ganz Afrika gerichtet ist. Ein Beitrag mit Material unserer Korrespondentin Birgit Pottler.

�Das ist eine gro�e Freude f�r uns Frauen!“ Sagt eine junge Frau, die im Chor der Kathedrale von Yaound� mitsingt – und sie meint die Visite Benedikts XVI. auf dem Schwarzen Kontinent. �Das ist nat�rlich nicht der erste Papst, der uns segnet; auch Johannes Paul II. war schon hier. Aber das ist f�r uns Frauen wirklich eine gro�e Freude. Wie zufrieden wir Frauen sind, werden Sie auf den Stra�en leicht feststellen: Da sind jetzt sehr viel mehr Frauen als M�nner, um den Papst zu begr��en! Die Frauen haben einen starken Glauben; Afrikas Frauen allgemein sind enthusiastisch, dass der Papst kommt.“
Und Benedikt kommt speziell zu ihnen, den Frauen Afrikas – das signalisiert sein Termin mit katholischen Frauenverb�nden am Sonntagabend in der angolanischen Hauptstadt Luanda. �Die Frauen wollen vor allem Frieden. Sie wollen, dass der Papst mit uns f�r Frieden und Wohlstand betet, f�r unsere Familien... Das w�re gut f�r uns.“ Afrika ist ein Kontinent der Frauen; in der Landwirtschaft, die dort noch eine ganz andere Rolle spielt als in den Industrienationen, wird mehr als 90 Prozent der Arbeit von Frauen geleistet. Sie stehen f�r das dynamische Afrika, f�r Auswege aus l�hmenden Traditionen.

�Die Frauen werden immer mehr respektiert, und in einigen afrikanischen L�ndern haben sie schon sehr verantwortungsvolle Posten bekommen. Die Frauen werden respektiert, weil sie ihre Arbeit gut tun... und au�erdem – wenn Sie sich mal umschauen: Die Frauen sind zahlreicher als die M�nner!“
Auf diese Zahlen-Evidenz musste auch der Papst reagieren. Aber welche Botschaft werden die Frauen dem Papst mit auf den Weg geben? �Ich vermute, die Frauen in Angola werden den Papst auf die Rolle von Frauen in der Kirche ansprechen – die Rolle der afrikanischen Frau. In der Kirche und in der Welt. Das ist die wesentliche Botschaft.“ Sagt Yvette Linga, eine engagierte Katholikin aus Yaound�.

�Auch das Zweite Vatikanische Konzil hat die Rolle der Frauen betont, und zwar im Innern der Kirche wie in der Gesellschaft. Das ist etwas sehr Wichtiges. Denn die Frau ist Tr�gerin der Menschlichkeit; sie ist die Erzieherin. Die Kirche ist eine Mutter, und die Frau wird mit der Kirche verglichen: Mutter, Geb�rerin, Erzieherin.“
Linga leitet den Freundeskreis der Marienbasilika von Yaound�; die Mutter von vier Kindern und drei Enkelkindern arbeitet in einem Unternehmen.

�Es gibt eine Polemik, mit der die Frauen mehr Raum in der Kirche einfordern. Ich finde, sie haben heute schon eine wichtige Rolle: in den Bewegungen, aber auch in der Liturgie. Ich finde, wir sollten selbst erkennen, was unser eigentlicher Platz ist; dieser Platz ist klar definiert, und wir sollten ihn mit viel W�rde und Respekt ausf�llen.“
Das hei�t aus afrikanischer Perspektive aber etwas anderes, als sich mit der Rolle des Heimchens am kirchlichen Herd abzufinden. Yvette Linga formuliert – nun ja, anders als Alice Schwarzer, vermutlich.

�Die Rolle der Frau ist wichtig, und zwar schon im Heilsplan Gottes: Sie ist Erzieherin und Mutter. Und eine Mutter hat ihre ganz eigene Sensibilit�t, ihr eigenes Genie! Sie muss auch das Recht haben, das zu zeigen und anzuwenden. Vergessen wir nicht: Frauen waren die ersten Apostel, die die Nachricht von der Auferstehung weitergetragen haben! Die erste Verbreiterin des Evangeliums sollte auch heute die Frau sein. Aber wenn wir derzeit auf die Statistiken hier in Afrika schauen, dann stellen wir fest: Der Frauenanteil unter den Katechisten ist unterproportional niedrig. Da w�rde ich einhaken: Sie brauchen eine solide Ausbildung, um diese Rolle spielen zu k�nnen – erst recht heute, wo wir sehen, dass viele M�nner in dieser Hinsicht versagen! Frauen sollten sie abl�sen, um das Evangelium weiterzutragen!”
Vielleicht werden P�pste bei k�nftigen Afrikareisen um eigene Begegnungen mit kirchlichen Frauengruppen gar nicht mehr herumkommen. Es w�re das Schlechteste nicht. (rv)
 

Papst fordert mehr Demokratie in Angola
Nach seiner offiziellen Begr��ung am Flughafen in Luanda ist Papst Benedikt am Freitagnachmittag erneut mit dem angolanischen Staatspr�sidenten Jos� Eduardo Dos Santos zusammengetroffen. Im barocken Pr�sidentenpalais, dem �Pal�cio de Povo“ hat der Papst vor Politikern, Vertretern der Zivilgesellschaft und Diplomaten gesprochen. An sie richtete er den Appell, die Demokratisierung im Land entschiedener voranzutreiben. Deutliche Worte des Papstes gingen auch an die Internationale Staatengemeinschaft. Die Industriel�nder sollten mehr f�r die Entwicklung Afrikas tun, ohne die Afrikaner dabei zu bevormunden.

Nach jahrelangem B�rgerkrieg sei in Angola endlich wieder eine �Zeit der Hoffnung“ angebrochen, sagt Benedikt. Daher sei jetzt die Gelegenheit, das Land, so der Papst w�rtlich, �auf den Weg jener Prinzipien zu f�hren, die f�r jede moderne, zivile Demokratie unabdingbar sind“. Dazu geh�rten, laut Benedikt: Respekt vor den Menschenrechten, eine transparente Regierung, eine unabh�ngige Richterschaft, Pressefreiheit und ein funktionierendes Bildungs- und Gesundheitssystem. Zudem sei entschieden gegen die Korruption vorzugehen.

Wie schon in seiner Botschaft zum Weltfriedenstag am ersten Januar dieses Jahres rief der Papst die Industriel�nder dazu auf, sowohl ihre Wirtschaftsbeziehungen mit Afrika als auch ihre Hilfsprogramme nach ethischen Prinzipien zu gestalten. W�rtlich sagte Benedikt: �Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Afrika erfordert die Zusammenarbeit zwischen nationalen Regierungen, regionalen Initiativen und internationalen Entscheidungstr�gern.“ Eine solche Koordinierung sei nur m�glich, wenn die afrikanischen L�nder nicht nur als �Empf�nger von L�sungsstrategien“ betrachtet w�rden, die andere erarbeitet h�tten. Vielmehr sollten die Afrikaner die Entwicklung ihres Kontinents eigenverantwortlich gestalten k�nnen.

Von der Internationalen Gemeinschaft forderte Benedikt die endliche Einl�sung alter Versprechen: Erstens mehr Einsatz gegen den Klimawandel, zweitens ein gerechteres Wirtschaftssystem - etwa durch die Umsetzung der Doha-Entwicklungsagenda – und drittens, mehr Gelder f�r Hilfsprojekte.

Seine abschlie�enden Worten richtete der Papst an die Schw�chsten und �rmsten in den afrikanischen L�ndern, darunter Kranke, Frauen und Kinder. Ihnen f�hle sich die Kirche besonders verpflichtet. Sie werde auch weiterhin alles daf�r tun, damit ihnen geholfen werde.

Nach seinem Empfang im Pr�sidentenpalast ist Benedikt am Freitagabend auch mit den angolanischen Bisch�fen zusammengetroffen. Er dankte den Bisch�fen, dass sie die Kirche in Angola sicher durch die schwierigen Zeiten des B�rgerkriegs gef�hrt haben und versicherte ihnen wie den Gl�ubigen Angolas seiner st�ndigen F�rsorge.

In Zukunft m�sse sich die Kirche in Angola vor allem der Evangelisierung der Familie widmen, deren Einheit in der zeitgen�ssischen Kultur besonders bedroht sei. Weiter forderte der Papst die Bisch�fe dazu auf, sich f�r die �Heiligkeit des Lebens“ stark zu machen.

Lobende Worte fand der Papst f�r das gro�e Engagement der Laien und die wachsende Zahl an Priestern in Angola. Sein besonderer Dank galt schlie�lich den zahlreichen Missionaren, die das Fundament f�r die christlichen Gemeinschaften im Land gelegt h�tten. (rv)
 

Abtreibung: Eine Klarstellung des Vatikans
Papst Benedikt hat keine Aussagen �ber jene F�lle gemacht, in denen Frauen durch die Fortsetzung einer Schwangerschaft in Lebensgefahr geraten w�rden. Das betonte der vatikanische Pressesprecher, Jesuitenpater Federico Lombardi, mit Blick auf Polemiken um die gro�e Rede des Papstes �ber die Entwicklung Afrikas. Benedikt hatte sie am Freitag Abend in Luanda vor angolanischen Politikern und in Luanda akkreditierten Diplomaten gehalten. Dabei hatte er im �Palacio Presidencial“ einerseits gefordert, dass die Afrikaner die Entwicklung des Kontinents selbst in die Hand nehmen, andererseits die Industriestaaten daran erinnert, dass sie seit Jahrzehnten versprochen haben, 0,7 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts f�r Entwicklungszusammenarbeit aufzuwenden. Im Zusammenhang mit der in Afrika verbreiteten Gewalt gegen Frauen war der Papst kurz auch auf politische Bestrebungen zur F�rderung der Abtreibung eingegangen. W�rtlich sagte Benedikt XVI.: �Wie bitter ist die Ironie derjenigen, die Abtreibungen zum Mittel der Pflege der Gesundheit der 'M�tter' erheben wollen. Wie befremdlich ist die These, wonach die Unterdr�ckung des Lebens eine Frage von reproduktiver Gesundheit sei.“ Im Redetext des Papstes war in Klammern ein Hinweis auf Artikel 14 des �Protokolls von Maputo“ enthalten. Das im Sommer 2003 verabschiedete Protokoll von Maputo umschreibt die �Frauenrechte“ in Erg�nzung zur �Afrikanischen Charta der Menschen- und V�lkerrechte“. Artikel 14 handelt von �Gesundheit und reproduktiven Rechten“. Absatz 2 c besagt, dass die Staaten in F�llen von �Vergewaltigung, Inzest oder wenn die Fortsetzung der Schwangerschaft die psychische und physische Gesundheit der Mutter oder das Leben der Mutter oder des F�tus gef�hrdet“, die medizinische Abtreibung gew�hrleisten sollen. Die Formulierung entspricht UNO-Dokumenten, die von der katholischen Kirche wegen ihrer Unbestimmtheit immer abgelehnt wurden. Dementsprechend sagte P. Lombardi, dass internationale Gesundheitsprogramme f�r Frauen nicht zum Freibrief f�r Schwangerschaftsabbr�che als medizinische Dienstleistung werden d�rften. Dabei handle es sich um ein �klassisches Thema“, zu dem der Vatikan wiederholt Stellung bezogen habe, unter anderem vor den Vereinten Nationen selbst. Benedikt XVI. habe nichts anderes getan, als diese Position des Heiligen Stuhls in Erinnerung zu rufen.

 

Papstsprecher mit Zwischenbilanz der Reise
Kann man schon so was wie eine Bilanz dieser Afrikareise von Papst Benedikt ziehen? Der Sprecher des Papstes, Federico Lombardi, versucht`s. Hier ist das w�chentliche Editorial des Jesuitenpaters f�r Radio Vatikan. Er spricht �ber die ersten Tage der Reise.

�Der Papst in Afrika – das war eine echte Begegnung, �ber die Ansprachen und Events hinaus. Auf den Stra�en von Yaound� haben viele Kinder, junge und alte Leute dem Papst gezeigt, dass er wirklich willkommen ist in Afrika. Aber die Menschen haben nicht nur getanzt und gesungen – sie haben auch zugeh�rt, als der �Grand Mvamba“ sprach: Der gro�e Gro�vater des afrikanischen Volkes. Der Ausdruck ist vom Erzbischof von Yaound�.

Es gibt nicht nur brutale Konflikte, Korruption, Epidemien, Armut und Hunger – sie sind auch f�hig zum Dialog der Religionen, zum Erlebnis der Vers�hnung, der Liebe zum Leben, zu Kreativit�t und traditioneller Weisheit. �Kirche in Afrika – im Dienst von Vers�hnung, Gerechtigkeit und Frieden“ – das ist das Motto der kommenden Bischofssynode zu Afrika. Nicht nur Bisch�fe und Klerus, auch Laien, auch die Frauen – ein ganzes Volk ist vom Papst eingeladen worden, mit Hoffnung nach vorn zu schauen.“ (rv)
 

Papst gr�ndet neue Di�zese in Angola
Papst Benedikt hat w�hrend seiner Afrika-Reise in Angola eine neue Di�zese gegr�ndet. Es handelt sich um eine Abtrennung von der Erzdi�zese Lubango. Die neue Di�zese im S�den des Landes hei�t Namibe und in ihr leben nur etwa 270.000 Katholiken. Ihr Territorium entspricht genau der Ausnehmung der gleichnamigen staatlichen Provinz. Gleichzeitig ernannte der Papst f�r die neue Di�zese den bisherigen Kanzler der Erzdi�zese Huambo, Mateus Feliciano Tomas zum Bischof. (rv)

 

 

22.03.09

6. Tag der Afrikareise von Papst Benedikt XVI.

Treffen mit den Frauen
Eine Premiere: Noch nie hat ein Papst auf Reisen eine Botschaft allein an die Frauen gerichtet. Sonntag Abend traf Papst Benedikt XVI. in der angolanischen Hauptstadt Luanda Mitglieder der katholischen Frauenbewegungen in Afrika. Deutlich wandte sich der Papst in seiner Ansprache in der Kirche Santo Antonio auch an die M�nner Afrikas. Sie sollten den Frauen die volle Gleichberechtigung in der Gesellschaft zugestehen und selbst in der Familie aktiver werden.
Dabei zitierte Benedikt die Worte seines Vorg�nger Johannes Paul II. anl�sslich des Weltfriedenstages 1995. Damals betonte Johannes Paul, dass Frauen, ebenso wie M�nner, das volle Recht besitzen,

�aktiv an allen Bereichen des �ffentlichen Lebens teilzunehmen und dass ihre Rechte auch gesetzlich verankert sowie, wo es n�tig ist, gesch�tzt werden. Dennoch darf diese Anerkennung der Rolle der Frau in der �ffentlichkeit, ihre unersetzliche Funktion innerhalb der Familie nicht schm�lern. Hier ist ihr Beitrag f�r das Gute und den gesellschaftlichen Fortschritt von unsch�tzbarem Wert, auch wenn dieser oft kaum beachtet wird“. Weiter rief der Papst dazu auf,

�sich der effektiven Benachteiligung bewusst zu werden, unter der viele Frauen gelitten haben und immer noch leiden. Dabei muss auch der Frage nachgegangen werden, inwieweit die Haltung der M�nner, ihr Mangel an Einf�hlungsverm�gen und Verantwortung Gr�nde daf�r sein k�nnen.“
Wie bereits Johannes Paul II. betont habe, sei die Frau im g�ttlichen Plan diejenige, �in der die Liebe, die auf der Welt hervorgebracht wird, Wurzeln schl�gt“. Diese F�higkeit werde zu unserer Zeit besonders gebraucht, so der Papst.

�Wer versp�rt heutzutage nicht die Notwendigkeit, den �Herzensangelegenheiten“ mehr Raum zuzugestehen? In einer Welt, die wie die heutige von der Technik dominiert wird, sp�rt man die Notwendigkeit der komplement�ren Rolle der Frau mehr denn je, damit der Mensch leben kann, ohne sich vollkommen zu entw�rdigen. Man denke nur an die L�nder, wo die Armut �berwiegt, in den vom Krieg zerst�rten Regionen und in vielen tragischen Situationen, die Menschen zu Flucht und Migration zwingen. Es sind fast immer die Frauen, welche die Menschenw�rde intakt halten. Sie verteidigen die Familie und bewahren die religi�sen und kulturellen Werte.“
Dass damit nicht gemeint ist, dass Familienarbeit reine Frauensache sei, machte Benedikt in seinem abschlie�enden Appell an die M�nner klar:

�Die m�tterliche Pr�senz innerhalb der Familie ist wichtig f�r die Stabilit�t und f�r das Wachstum, dieser Kernzelle unserer Gesellschaft. Sie sollte daher mit Anerkennung bedacht, gelobt und gef�rdert werden. Aus demselben Grund muss die Gesellschaft auch die V�ter und Ehem�nner dazu aufrufen, Verantwortung innerhalb der Familie zu �bernehmen.“ (rv)
 

“Afrika mit afrikanischen Werten”
In seiner Abschlusspredigt in Angola hat Papst Benedikt XVI. Afrika zu Vers�hnung, Frieden und Gerechtigkeit aufgerufen. Nach den langj�hrigen B�rgerkriegen m�sse es nun um einen Neuanfang gehen, sagte das Kirchenoberhaupt am Sonntagmorgen bei einer Messe vor rund einer Million Gl�ubigen in der angolanischen Hauptstadt Luanda. �berschattet wurde die Veranstaltung vom Tod zweier M�dchen, die am Samstag in den Menschenmassen am Stadion von Luanda ums Leben kamen. Den Angeh�rigen sprach Benedikt seine Solidarit�t und sein tiefes Beileid aus; vor allem, weil die M�dchen zum Stadion gekommen seien, um ihn zu sehen.
In der anschlie�enden Fastenpredigt erinnerte der Papst an die schweren Leiden Angolas unter 27 Jahren B�rgerkrieg und ethnischen Konflikten, die den Aufbau einer gerechteren Gesellschaft erschwerten. Dazu Benedikt:

�Tragischerweise haben die Wolken des B�sen auch Afrika verdunkelt. Denken wir an die Gei�el des Krieges, an die grausamen Fr�chte der Stammesk�mpfe und ethnischen Konflikte, an die Gier, die das Herz des Menschen zerst�rt, die Armen in die Sklaverei f�hrt und k�nftige Generationen ihrer Ressourcen beraubt. Diese Ressourcen brauchen sie aber, um eine solidarischere und gerechtere Gesellschaft zu errichten, die echt und ihren Werten nach afrikanisch ist.“
Benedikt XVI. warnte in seiner Predigt vor Abtreibung, der Schw�chung von Ehe und Familie, vor Hedonismus und Drogenkonsum. Ein Neuanfang f�r Afrika m�sse mit den allt�glichen Gesten eines jeden Gl�ubigen beginnen:

�Er muss in unseren Herzen, in kleinen t�glichen Opfern beginnen, die zeigen, dass wir unsere N�chsten lieben, ohne Ansehen der Rasse oder Sprache. Nehmt die Herausforderung des gro�en Erbes des Evangeliums an. Und begreift, dass die Kirche in Angola und in ganz Afrika die Aufgabe hat, vor der Welt ein Zeichen der Einheit abzugeben. Einer Einheit, zu der die ganze menschliche Familie durch den Glauben an Christus, den Erl�ser, aufgerufen ist.“
Besonders die junge Generation sei f�r die Zukunft gefordert. Benedikt:

�Liebe junge Freunde, ihr seid die Hoffnung auf Zukunft f�r euer Land, das Versprechen eines besseren Morgen! Beginnt ab heute, eure Freundschaft mit Jesus wachsen zu lassen, der �der Weg, die Wahrheit und das Leben ist‘. Werdet Bekehrer eurer Freunde und f�hrt sie mit eurem pers�nlichen Beispiel dazu, die Sch�nheit und Wahrheit des Evangeliums zu sch�tzen - in eine Zukunft, die nach den Werten des Reiches Gottes gestaltet ist. Die Kirche braucht euer Zeugnis!“ (rv)
 

“Richtet die Augen auf Afrika!”
Dazu forderte Papst Benedikt beim Angelusgebet nach dem Gottesdienst die Gl�ubigen in aller Welt auf. �Dieser gro�e Kontinent ist randvoll mit Hoffnung, d�rstet aber immer noch nach Gerechtigkeit, Frieden und einer gesunden und ma�vollen Entwicklung, die dem Volk eine Zukunft des Fortschritts und des Friedens sichert“, so der Papst. Die �K�nigin des Friedens“ m�ge Afrika auf seinem Weg unterst�tzen.

�Die Jungfrau Maria, die K�nigin des Friedens, leite das Volk von Angola weiterhin bei der Aufgabe der nationalen Auss�hnung nach der verheerenden und unmenschlichen Erfahrung des B�rgerkrieges. M�gen ihre Bitten f�r alle Angolaner die Gnade einer echten Vergebung, der Achtung f�r die anderen und der Zusammenarbeit erwirken, die allein das enorme Werk des Wiederaufbaus voranbringen kann.“

Auch die nahe gelegene Region der Gro�en Seen schloss Papst Benedikt ins sein Gebet ein. Christus m�ge all jenen beistehen, die dort den schwierigen Prozess des Dialogs voranbringen und den Weg des Verhandelns eingeschlagen haben, so der Papst. (rv)
 

Bertone besucht die Verletzten im Krankenhaus
Bei dem Massenandrang vor der Begegnung Papst Benedikts mit Jugendlichen in Luanda sind am Samstagnachmittag zwei M�dchen get�tet und insgesamt 89 Menschen verletzt worden. Das best�tigt nun eine Mitteilung des Vatikans. Die Zahl der Verletzten liegt damit h�her als zuvor angenommen. 57 Personen werden momentan in Krankenh�usern behandelt. Vatikanvertreter unter der Leitung von Kardinalstaatssekret�r Tarcisio Bertone statteten den Verletzten und Angeh�rigen am Sonntagnachmittag einen Besuch ab. Bei den Toten handelt es sich um zwei junge Frauen, die vor dem Treffen des Papstes mit angolanischen Jugendlichen am Samstagnachmittag im Gemenge vor dem Stadion zu Tode gekommen waren. Kardinalstaatssekret�r Bertone segnete die beiden Leichname. Eines der Opfer ist noch nicht identifiziert. Der genaue Hergang des Ungl�cks wird noch untersucht.

“Der Unfall wirft einen traurigen Schatten auf die gro�e Feier am Samstagnachmittag und die Papstreise insgesamt“,

sagte auch Vatikansprecher Pater Federico Lombardi am Sonntag. Offenbar sei das Ungl�ck offenbar schon Stunden vor Beginn der Papstveranstaltung im Dos-Coqueiros-Stadion passiert, informiert der Vatikansprecher. Angesichts der Menschenmassen im Eingangsbereich sei Panik ausgebrochen. Dabei seien zahlreiche Personen verletzt und ins Krankenhaus gebracht worden. Darunter waren auch zwei circa 20-j�hrige Frauen, die schlie�lich ihren Verletzungen erlegen seien. Beide waren eigens aus dem angolanischen Hinterland f�r das Treffen mit Papst Benedikt in die Hauptstadt gekommen.

Von ihrem Tod im Krankenhaus seien der Papst und Vatikanvertreter erst am sp�ten Abend nach der Veranstaltung informiert worden, so Lombardi. Das wurde an diesem Sonntag auch seitens der angolanischen Beh�rden best�tigt. �Der Papst wusste also tragischerweise w�hrend der gesamten Feier im Stadion nichts von dem, was passiert war.“ Umso tiefer sei Benedikt von dem Unfall betroffen, berichtet Lombardi; denn die beiden M�dchen seien ja nur in die Hauptstadt gekommen, um den Heiligen Vater zu treffen."

Sichtlich bewegt hatte der Papst daher am Sonntagmorgen vor Beginn der Messfeier in Luanda den Todesopfern des Unfalls gedacht und ihren Angeh�rigen sowie den zahlreichen Verletzten sein Mitgef�hl ausgesprochen. Am Nachmittag wollte Kardinalstaatssekret�r Tarcisio Bertone die verletzten Jugendlichen im Krankenhaus von Luanda besuchen. (rv)

 Schlaglicht auf die Jugendlichen in Afrika
Mit einer gro�en Rede hat Papst Benedikt XVI. am Samstag Nachmittag Angolas Jugendlichen Mut gemacht. Der jahrzehntelange B�rgerkrieg hatte das Land von seiner Zukunft fast abgeschnitten. Die Hoffnung liegt auf der Jugend – doch gerade die hat es nicht leicht, beschreibt die Ordensfrau Teresa Tulisse Joao. Sie arbeitet in der kirchlichen Jugendseelsorge und hat das Treffen des Papstes mit den Jugendlichen in Luanda mitorganisiert.

�Die Jugendlichen in Angola m�ssen eine Menge Schwierigkeiten meistern. Es stimmt, sie haben eine gro�e Lebenslust. Aber mehr als jeder zweite von ihnen hat keine Arbeit. Wenn Sie sich hier umschauen – viele, die oft noch Kinder sind, versuchen ihr Gl�ck als Stra�enh�ndler. Sie leben von der Hand in den Mund. Von den j�ngeren schaffen es viele nicht, in die Schule zu gehen, weil in der Familie das Geld fehlt.“

Die Kirche ist an vorderster Front beteiligt, die Lage der Jugendlichen in Angola zu verbessern. Dabei konzentriert sie sich auf etwas, was ihr seit Jahrhunderten am Herzen liegt: Bildung. Schwester Teresa:
�Wir versuchen, den Kindern und Jugendlichen den Schulbesuch zu erm�glichen. Denn das ist die einzige Basis f�r einen Aufstieg aus dem Elend; nur mit Bildung finden junge Leute heute �berhaupt irgendeine Arbeit. So betreibt die Kirche in Angola eine Menge Schulen, und es werden mehr. F�r jene, denen das Lernen nicht liegt, bieten wir auch verschiedene Berufsausbildungen.“ (rv)

 

 

23.03.09

7. Tag der Afrikareise von Papst Benedikt XVI.

Abschied in Luanda: Papst fordert gerechte Verteilung der Ressourcen
�Gott segne die S�hne und T�chter Angolas!“ Mit diesen Worten hat sich Papst Benedikt XVI. am Montag auf dem Flughafen der Hauptstadt Angolas von Afrika verabschiedet. Mit einer Sondermaschine der italienischen Fluggesellschaft Alitalia ist das Kirchenoberhaupt am Morgen zur�ck nach Rom aufgebrochen.

Zum Abschluss seiner knapp einw�chigen Reise in Kamerun und Angola rief Benedikt zu einer gerechteren Verteilung der weltweiten Ressourcen auf. Es war die letzte Rede des Papstes w�hrend seines sechst�tigen Aufenthalts auf dem so genannten �schwarzen Kontinent“ und sie brachte noch einmal das Motto der Reise auf den Punkt: Vers�hnung, Gerechtigkeit und Solidarit�t sind weltweit notwendig, damit die �rmsten, von B�rgerkriegen geplagten L�nder Afrikas neue Perspektiven finden. Die Angolaner, sagte Benedikt, habe er als ein �mutiges“ Volk kennengelernt, das �zum Neuanfang entschlossen“ sei:

�Trotz aller Widerst�nde und Hindernisse, hat dieses Volk die Absicht, seine Zukunft aufzubauen und dabei den Weg der Vers�hnung, Gerechtigkeit und Solidarit�t zu gehen.“

F�r das Land sei eine �Zeit der Hoffnung“ angebrochen, so Benedikt. Er habe in Angola eine �lebendige“ Kirche kennengelernt, die �trotz vieler Schwierigkeiten voller Enthusiasmus“ sei. Sie k�nne Angola auf dem Weg in eine bessere Zukunft unterst�tzen, so der Papst weiter, �indem sie den Seelen Frieden stiftet und zu einer br�derlichen Barmherzigkeit einl�dt, die jeden mit offenen Armen empf�ngt, und zwar im Respekt vor seinen Ideen und Gef�hlen.“

An der Abschiedszeremonie auf dem Flughafen nahmen neben den Bisch�fen des Landes und einer Gruppe Jugendlicher auch der angolanische Staatspr�sident Edoardo dos Santos und Vertreter aus Politik und Gesellschaft teil. Besonders an sie appellierte der Papst, sich um die Bed�rfnisse und Hoffnungen der �rmsten zu sorgen. Jeder der ein �ffentliches Amt aus�be, solle dies nicht nur zum eigenen Vorteil, sondern f�r das Gemeinwohl tun, mahnte das katholische Kirchenoberhaupt:

�Unsere Herzen k�nnen keinen Frieden finden, solange es noch Br�der und Schwestern gibt, die unter Mangel an Nahrung, Arbeit, Unterkunft oder anderen lebensnotwendigen G�tern leiden. Um diesen unseren Br�dern und Schwestern eine konkrete Antwort zu geben, m�ssen wir uns zun�chst der Herausforderung der Solidarit�t stellen: Solidarit�t zwischen den Generationen, zwischen Nationen und Kontinenten. Diese Solidarit�t soll zu einer immer gerechteren Verteilung der Ressourcen unter den Menschen f�hren.“

Er sei traurig, dass sein Aufenthalt in Afrika zu Ende gehe, sagte der Papst. Doch st�nde die n�chste Begegnung mit dem Kontinent bereits an – dieses Mal im Vatikan. Dort wird im kommenden Oktober die zweite Sonder-Synode der Bisch�fe zum Thema Afrika tagen. In einem Schlussgebet bat der Papst um Schutz f�r die vielen Fl�chtlinge des Kontinents. Der letzte Gru� des Kirchenoberhaupts galt den Angolanern wie ganz Afrika:

�Geschwister und Freunde in Afrika, liebe Angolaner – nur Mut! Werdet nie m�de, den Frieden voranzutreiben, indem ihr Zeichen der Vergebung setzt und an der nationalen Vers�hnung arbeitet, damit Gewalt niemals den Dialog besiegt, Angst und Ern�chterung die Zuversicht verdr�ngen und Groll die br�derliche Liebe bezwingt. Das ist m�glich, wenn ihr Euch gegenseitig als Kinder desselben und einzigen Vaters im Himmel anerkennt. Gott segne Angola und seine S�hne und T�chter! Er segne die Gegenwart und die Zukunft dieser geliebten Nation. Lebt wohl!“ (rv)

Papst zieht Bilanz: �Gastfreundschaft und Liturgiebewusstsein waren gro�artig“
Auf dem R�ckflug des Papstes von Angola Richtung Rom hat Benedikt XVI. nochmals seine Reise Revue passieren lassen. Zwei Eindr�cke blieben ihm besonders in Erinnerung, so das katholische Kirchenoberhaupt:

�Einerseits gibt es da das Bild einer beeindruckenden Gastfreundschaft, die fast schon �berm��ig wirkt. Eine Gastfreundschaft, die gepr�gt ist von Freude. Man kann sagen: Afrika in Feststimmung. Mir schien, dass die Afrikaner den Papst als – sozusagen – �Personifizierung der Kirche als Familie“ ansehen. Somit war die Pr�senz des Papstes in Afrika etwas wahrlich Freudiges.“

Ein zweiter Aspekt betrifft die Religiosit�t der Afrikaner, so Benedikt XVI. weiter.

�Ich war sehr beeindruckt von der Spiritualit�t bei den Liturgien. Man sp�rte ein starkes Gef�hl f�r das Heilige. Bei den Liturgiefeiern standen nie die eigenen Gruppen oder die Selbstdarstellung im Mittelpunkt, sondern die Gegenwart des Heiligen und Gottes selbst. Auch die Bewegungen w�hrend der Zeremonien waren immer voller Respekt und vom Bewusstsein gepr�gt, dass sie f�r Gott gemacht werden. Das hat mich sehr stark beeindruckt.“

Papst Benedikt XVI. hat bei seiner am Montag beendeten Reise nach Kamerun und Angola die gro�en Themen der afrikanischen Realit�t wie Vers�hnung, Frieden, Wiederaufbau und echte Demokratie angesprochen. Das betonte Vatikansprecher Federico Lombardi in seinem Res�mee.

�Der Papst hat auch internationale Solidarit�t, Menschenrechte, gerechte Entwicklung und Gleichheit gefordert und Korruption verurteilt. Seine Botschaft der Hoffnung wird zweifellos Fr�chte bringen. Die Aufnahme in beiden afrikanischen L�ndern war f�r den Papst ausgezeichnet. Benedikt XVI. ist mit Begeisterung begr��t worden und hat den Menschen den R�cken gest�rkt. Zugleich ist der Enthusiasmus auch f�r ihn eine Ermutigung gewesen.“ (rv)

Afrikareise: Ein Gespr�ch mit unserer Korrespondentin
Was bleibt von diesem Papstbesuch in Afrika? Das haben wir nach ihrer R�ckkehr nach Rom unsere Kollegin Birgit Pottler gefragt, die Benedikt den XVI. in den vergangenen Tagen f�r uns genau beobachtet hat. Wie ist dieser durch und durch europ�ische Papst auf die Katholiken in Afrika zugegangen? Ist er f�r diese Tage einer von ihnen geworden?

�Es gibt in Kamerun ein Sprichwort: �Ein Baum, der ins Wasser f�llt, ist noch lange kein Krokodil“. So seltsam dieses Sprichwort f�r uns Europ�er wohl klingen mag, ich denke, es trifft das, was der Papst in Afrika erlebt hat, sehr gut. Er ist Europ�er geblieben, hat aber f�r die Afrikaner gesprochen. Er hat deren Probleme angesprochen, hat wirklich versucht, sich darauf einzulassen. Er hat sich ja unter anderem in Yaounde auch mit einem Pygm�enstamm getroffen. Eine Minderheit, die von der Regierung auf alle m�gliche Weise schikaniert wird. Der Papst ist ihnen begegnet. Das ist ein Zeichen, das denke ich auch von den anderen Ethnien in Kamerun und Angola sehr stark wahrgenommen wird. Er hat Geschenke entgegengenommen, die typisch afrikanisch waren: aus Ebenholz, aus Kupfer, Produkte mit denen Afrikaner arbeiten. Er selbst hat aber Geschenke mitgebracht, die europ�isch waren: eine Marienikone, einen Leuchter. Er hat sich da also keine M�he gegeben, sich zu verstellen. Ich fand das sehr authentisch.“

In Europa hat die Berichterstattung �ber diese Papstreise in Afrika ein Thema ganz klar dominiert. Das war eine vielleicht etwas k�nstlich losgetretene Kondomdebatte. In Afrika war das nicht wirklich ein Thema, oder?

�Es war erst am dritten Besuchstag in Afrika ein Thema, als die Meldungen aus Europa den Kontinent erreicht hatten. Dann haben einige Zeitungen dieses Thema - relativ unkommentiert – aufgenommen, aber f�r die Afrikaner spielte es weiterhin keine Rolle. Wir sind auf der R�ckreise aus Afrika zur Zwischenlandung drei Stunden in Paris gewesen, wo ich Gelegenheit hatte, die franz�sischsprachige Presse zu lesen - und bei mir hat sich, und ich glaube auch bei den Kollegen aus dem Radio-Vatikan-Team, eine Mischung aus Traurigkeit und Zorn eingestellt. Denn man kann die Aussage des Papstes und die Vatikanhaltung zur Verteilung von Kondomen mit Sicherheit noch einmal unterschiedlich bewerten, aber davon abgesehen ist die Konzentration auf diese Debatte wirklich etwas, was der ganzen Afrikareise nicht gerecht wird. Er hat �ber Aids ja gar nicht mehr in dieser Ausf�hrlichkeit gesprochen. Es war f�r ihn ein Beispiel der Menschen, die leiden. Es waren viele andere Themen wichtig. Von daher wird diese Berichterstattung in der westlichen Welt dem Anliegen des Papstes nicht gerecht und es wird aber auch dem Engagement der Kirche in Afrika nicht gerecht.“

Was wird denn f�r die Kirche Afrikas von diesem Papstbesuch bleiben?

�Mit Sicherheit nicht die Aids-Debatte, sondern die Punkte, die er angesprochen hat. Die bleibende Sorge der Kirche f�r die Menschen, die leiden. Er hat verschiedene Beispiele herausgegriffen, die aber auch alle zum Beispiel im �Instrumentum laboris“, in diesem Arbeitspapier f�r die Synode, benannt sind. Er sprach das Problem der Korruption an, er forderte Frieden und Gerechtigkeit, er mahnte die reichen L�nder zu mehr Einsatz in Afrika und vieles mehr. Nichts was der Papst gesagt hat, w�re nicht auch von den Bisch�fen, von den Bischofskonferenzen schon benannt worden. Es ist von daher f�r die Kirche Afrikas jetzt ein neuer Ruck, eine neue Best�tigung: jawohl, wir m�ssen auf diesem Weg weitergehen.“ (rv)

 

 

25.03.09

Bisch�fe weisen Kritik der Piusbr�der zur�ck

Die Deutsche Bischofskonferenz hat die Vorw�rfe der traditionalistischen Piusbruderschaft zur�ck gewiesen. Die Priesterbruderschaft greife �unser Verst�ndnis von Demokratie“ an und setze es herab, sagte der Bischofskonferenzvorsitzende Erzbischof Robert Zollitsch an diesem Mittwoch bei einer Veranstaltung in Berlin.
Der Generalobere der Priesterbruderschaft, Bernard Fellay, habe mit der Erkl�rung vom Dienstag �seine tats�chliche Geisteshaltung“ gezeigt, sagte Pressesprecher Matthias Kopp am Dienstag Abend in Bonn.
Fellay hatte in einem im Internet verbreiteten Text die Deutsche Bischofskonferenz direkt angegriffen. W�rtlich hie� es: �Wir sind besonders angewidert von der Haltung des deutschen Episkopats, der uns unabl�ssig seine unbarmherzige Feindseligkeit gezeigt hat, die jeder N�chstenliebe entbehrt.“ Einige Bischofskonferenzen h�tten die Kontroverse um die Bruderschaft genutzt, um �einen offenen Aufstand“ gegen den Papst zu f�hren.
Pressesprecher Kopp dazu: �Wir verbitten uns den Vorwurf, einen offenen Aufstand gegen den Papst gef�hrt zu haben. Im �brigen weisen wir die Anschuldigung unbarmherziger Feindseligkeit entschieden zur�ck.“ Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig M�ller forderte die Priesterbruderschaft zur Selbstkritik auf. Fellays Kommunique wertete er als �Versuch, einen Keil zwischen den Papst und die deutschen Bisch�fe zu treiben“. Damit �werden sie aber keinen Erfolg haben“, sagte M�ller der Katholischen Nachrichten-Agentur in Regensburg. Bischof M�ller betonte, alle deutschen Bisch�fe seien vom Papst ernannt und st�nden in voller Gemeinschaft mit ihm. Die Pius-Bisch�fe hingegen seien illegal geweiht und sollten daher �in ihren �u�erungen deutlich zur�ckhaltender sein“.
Bei ihrer Vollversammlung Anfang M�rz hatten die deutschen Bisch�fe sich deutlich von der traditionalistischen Priesterbruderschaft distanziert und eine gemeinsame Erkl�rung verabschiedet. Der Vorsitzende Erzbischof Robert Zollitsch betonte damals:
�Wir m�ssen feststellen, dass die Priesterbruderschaft Pius X. sich von sich aus von der katholischen Kirche abgespalten hat. Es liegt nun an der Bruderschaft, das Schisma zu �berwinden und durch einen Prozess der Wiedereingliederung die Einheit mit dem Papst und der katholischen Kirche wieder herzustellen.“
Der deutsche Episkopat selbst werde nicht das Gespr�ch mit der Piusbruderschaft suchen, erkl�rte Zollitsch. Die Kl�rung m�sse n�mlich auf weltkirchlicher Ebene erfolgen. Die in Deutschland losgetretene Debatte sei allerdings auch eine Chance, das Zweite Vatikanische Konzil und seine Dynamik neu ins Bewusstsein der Katholiken zu bringen. �Denn die entscheidende Sorge f�r uns ist die St�rkung und Erneuerung des kirchlichen Lebens und seine Bezeugung hier in Deutschland. Wir hoffen, dass es jetzt auch zu einem entsprechenden Neuanfang kommt.“
Die nach der Aufhebung der Exkommunikation seitens der Piusbr�der angek�ndigten weiteren Weihen bezeichnete Zollitsch als eine Art �Kampfansage“ an die Kirche und einen Versto� gegen die kirchliche Ordnung. Sollte die Piusbruderschaft ihr Verhalten nicht �ndern, sei eine erneute Exkommunikation f�r ihn die �innere Konsequenz“, so Zollitsch.
Die Priesterbruderschaft zeigt sich von dieser Warnung seitens der katholischen Bisch�fe unbeeindruckt: Die f�r Ende Juni angek�ndigten Priesterweihen wurden nicht abgesagt:
�Die �brigen Weihen werden wie vorgesehen stattfinden; es stand niemals zur Debatte, sie zu unterlassen", so Fellay. �Wir wissen, dass unsere Lage in Bezug auf das Kirchenrecht unvollkommen ist.“ Diesem Recht zufolge auf Weihen zu verzichten, w�rde aber �das Leben unserer priesterlichen Gemeinschaft ersticken“.
Anlass der Erkl�rung Fellays ist die Verlegung einer urspr�nglich in Bayern geplanten Weihe von Subdiakonen der Bruderschaft. Der Generalobere teilte mit, die f�r Samstag geplante Weihe von Subdiakonen in Zaitzkofen werde an den Sitz des Mutterhauses nach Econe im schweizerischen Wallis verlegt. Die Bruderschaft verstehe dies als eine �Geste der Beruhigung“. Die Ortsverlegung entspreche einem Wunsch Roms. Eine Absage habe jedoch zu keinem Zeitpunkt zur Debatte gestanden.(rv)

 

 

25.03.09

Kamerun: �Medien verdunkeln Papst-Botschaft f�r Afrika“

Die Debatte �ber die Afrikareise des Papstes und die ablehnende Haltung des Vatikans zu Kondomen als scheinbar allein erfolgreiche Methode im Kampf gegen die Ausbreitung von Aids h�lt an. Jetzt haben die Bisch�fe Kameruns die westliche Berichterstattung �ber die Afrikareise des Papstes kritisiert. Der Umgang bestimmter Pressevertreter mit den Aussagen des Papstes �ber den Kampf gegen Aids und den Gebrauch von Kondomen sei �unverantwortlich“ und habe versucht, die Mission der Reise in den Schatten zu stellen, hei�t es in einer an diesem Mittwoch verbreiteten Erkl�rung der Bischofskonferenz. Gleichzeitig rufen die Oberhirten Kameruns die Christen zu einem verantwortlichen Umgang mit der Sexualit�t und die Kirche zum vielf�ltigen Einsatz im Kampf gegen Aids auf.
Die westlichen Medien h�tten die wesentlichen Aspekte der Reise Benedikts XVI. nach Afrika nicht beachtet, kritisieren die Bisch�fe und benennen Papstworte zu Armut, Vers�hnung, Gerechtigkeit und Frieden. Das fehlende Medienecho in diesen Fragen sei umso tragischer, da bekannt sei, wie viele Menschen Opfer von B�rgerkriegen und Hungersn�ten oder anderer Krankheiten w�rden; diese Dramen w�rden in der �ffentlichkeit nicht wahrgenommen. Mit ihrer verk�rzten Berichterstattung h�tten die Medien �berdies das Engagement der Kirche f�r die Kranken auf die Kondomfrage reduziert und die Worte des Papstes in ein falsches Licht gestellt, so die Bisch�fe weiter.
Der Papst stelle �den Menschen in den Mittelpunkt seiner Sorge“ und erinnere �an die Lehre Christi und der Kirche“. Diese Lehre spreche von der W�rde eines jeden Menschen als Adoptivkind Gottes. Die katholische Kirche k�mpfe daher t�glich und auf vielf�ltige Weise gegen die Ausbreitung von Aids, versorge die Kranken, begleite sie und ihre Familien. Das sei die erste Botschaft des Papstes gewesen.
Der zweite Aspekt: Die Kirche k�nne sich nicht aus ihrer Pflicht stehlen, als moralische Kraft zu ehelicher Treue und zu Abstinenz aufzurufen. Jeder au�ereheliche Geschlechtsverkehr sei gef�hrlich und unterst�tze die Ausbreitung des HI-Virus, so die Bisch�fe weiter. Die Menschen in Kamerun h�tten die Botschaften des Papstes - anders als die westlichen Medien - sehr wohl verstanden und das Kirchenoberhaupt mit Freude und Enthusiasmus aufgenommen. (rv)
 

Kardinal aus dem Senegal: �Afrikaner k�nnen selbst denken“
Die westliche Welt solle aufh�ren, Afrika zu bevormunden. Das forderte gegen�ber Radio Vatikan der Erzbischof von Dakar im Senegal, Kardinal Theodore-Andrien Sarr. Er kritisierte scharf die einseitige Berichterstattung westlicher Medien �ber den Kampf gegen Aids.
�Der Westen muss endlich zulassen, dass die Afrikaner so reagieren, wie sie es f�r richtig halten. Die Afrikaner leben auf ihre Art und Weise und denken auf ihre Art und Weise. Der Westen muss nicht f�r uns denken. Was passiert ist, ist sehr, sehr schade! Von dieser Reise h�tte es so viel Sch�nes und Wichtiges zu berichten gegeben, doch Einige hatten nichts als Polemik im Sinn. Im Verh�ltnis zu den �brigen Inhalten der Reise ist diese Polemik sogar noch aufgebauscht worden. Es wird immer wichtiger, dass der Westen und seine Bewohner von dieser Meinung abkommen, dass nur sie Tr�ger der Wahrheit sind, dass nur ihre Meinung und ihre Ideen z�hlen.“
Kardinal Sarr berichtet im Gespr�ch mit uns vom gemeinsamen Kampf gegen Aids im Senegal von Christen und Moslems. Die Erfahrung zeige, das Kondom sei nicht die einzige Waffe gegen die Immunschw�chekrankheit:
�Wir haben uns im Auftrag des Pr�sidenten engagiert und gemeinsam Abstinenz und Treue gepredigt. Wenn heute die Ansteckungsrate im Senegal niedrig ist, dann bestimmt auch, weil die Religionsgemeinschaften auf moralische Verhaltensweisen gepocht haben. … In einigen L�ndern Afrikas mag diese Position schwierig sein, weil die Gewohnheiten anders sind. Doch Afrika ist in sich verschieden, und es gibt sehr wohl Gesellschaften, die den Begriff von Abstinenz und Treue kennen und ihn auch f�rdern.“
Was wird von dieser ersten Afrikareise Benedikts XVI. bleiben? Sicher die Debatten um den Lebensschutz und die Aidsvorsorge, meint der Senegalese. Aber er betont auch:
�Vielleicht wollte der Papst ja auch uns Afrikaner, vor allem uns Bisch�fe, daran erinnern, dass es besser ist, wenn wir selbst und f�r uns selbst denken. Wir sollen das Evangelium und seine Werte leben und sie selbst verbreiten. Unsere Art, die Dinge zu sehen und unsere Art zu handeln ist wirksam, auch wenn sie nicht dem entspricht, was andere uns vorschlagen.“ (rv)

Vatikansprecher: Afrikareise �im Zeichen von Realismus und Hoffnung“
�Ich hatte die M�glichkeit, V�lkern zu begegnen, die fest mit geistlichen Traditionen verwurzelt sind und sich danach sehnen, dass ihr Wohlstand im rechten Ma� w�chst.“ So beurteilt Papst Benedikt XVI. nach seiner R�ckkehr die Pastoralreise nach Afrika in einem Telegramm an Italiens Staatspr�sident Giorgio Napolitano. Vatikansprecher Pater Federico Lombardi spricht r�ckblickend von einer Reise �im Zeichen von Realismus und Hoffnung“. Gegen�ber Radio Vatikan sagte der Jesuit:

�Der Papst hat die Realit�ten Afrikas auf konkrete Weise erlebt. Er hat die gro�en Probleme des Kontinents beleuchtet, aber er hat auch dazu ermuntert, mit einer christlichen Brille nach vorne zu schauen. Diese Botschaft der Hoffnung gilt nat�rlich allen Christen weltweit, aber f�r Afrika kann dieser Ausdruck besondere Bedeutung haben, gerade weil wir um die dramatischen Probleme des Kontinents wissen. Die Einladung zur Hoffnung ist dringlich, und es ist richtig, dass der Papst an den gro�en Wert dieser Tugend f�r alle Christen, die auf diesem Kontinent wirken, erinnert hat.“

W�hrend die Begegnung mit Jugendlichen auf Pastoralreisen zur Tradition geworden sei, wollte der Papst diesmal den Frauen besondere Aufmerksamkeit schenken, betont Lombardi:

�Im Bewusstsein ihrer fundamentalen Rolle bei der Weitergabe des Lebens, im Zentrum der Familie aber auch der Gesellschaft. Die Frau hat auch Gaben und Charismen, die zu Verst�ndnis, zu Dialog und zu gegenseitigem Respekt verhelfen.“

Es sei eine gute Entscheidung gewesen, noch vor der Sonderbischofsversammlung f�r Afrika im Oktober nach Kamerun und Angola zu reisen, meint Lombardi. Dass der Papst pers�nlich das Instrumentum Laboris �berreicht habe, gebe den Vorbereitungen der Synode einen entscheidenden Impuls:

�Das zeigt, dass der Papst und die Weltkirche gro�es Interesse an diesem Ereignis haben, es verfolgen, daran teilhaben m�chten und es im Gebet begleiten.“

Schon w�hrend der fliegenden Pressekonferenz hatte Benedikt XVI. schmunzelnd auf die Frage nach dem Mythos seiner Einsamkeit im Vatikan reagiert. Nach der R�ckkehr aus Afrika und den Bildern jubelnder Menschen am Stra�enrand betont der Papstsprecher:

�Von Einsamkeit kann man wirklich nicht sprechen. Wir haben ja gesehen, dass auch die Bisch�fe in den letzten Monaten ihre Solidarit�t zum Ausdruck bringen wollten. Wir haben den Enthusiasmus und die offenen Arme zahlreicher V�lker gesehen. Der Papst f�hlt sich nicht allein, weder was die Leitung der Kirche angeht, noch was die Menschen angeht, denen er begegnet.“

In Afrika wurden die kirchlichen wie politischen Ansprachen des Papstes auch in den Medien positiv dargestellt. Zum Widerspruch zur Berichterstattung in den westlichen Medien konstatiert Lombardi:

�Ich habe den Eindruck, dass es f�r den Westen schwierig ist, die besondere Einstellung zu begreifen, mit der die Kirche Entwicklung und Fortschritt der V�lker sieht. … Ich habe, an der Seite des Papstes, diese hunderttausenden Menschen gesehen: Das sind keine Nummern, keine Tiere, die es einzugrenzen, oder mit Macht, mit wirtschaftlichen, polizeilichen oder sonstigen Ma�nahmen zu regieren gilt. Das sind Personen. Hinter jedem Gesicht sieht die Kirche eine Person mit unendlicher W�rde, eine Person die dazu gerufen ist, ihre Verantwortung wahrzunehmen und zu wachsen. Das scheint in vielen der Positionen, die wir in diesen Tagen zu Afrika und seiner Zukunft geh�rt haben, zu fehlen.“ (rv)

 

 

26.03.09

Papst-Programm f�r Nahostreise vorgestellt

Der Vatikan hat den Besuch Papst Benedikts im Heiligen Land nun auch offiziell best�tigt. Vom 8. bis 15. Mai reist Benedikt XVI. nach Jordanien, Israel und in die Pal�stinensergebiete. Es ist die mit Abstand dichteste Reise, die Papst Benedikt in seinem bisherigen Pontifikat absolviert hat. Vorgesehen sind nicht weniger als 25 Reden, vier �ffentliche Gottesdienste und zwei Vespern, �kumenische und interreligi�se Begegnungen sowie Besuche in karitativen Einrichtungen. Im Mittelpunkt der als Pilgerreise apostrophierten Visite steht der Besuch der wichtigsten Wirkungsst�tten Jesu.

Die ersten drei der sieben Tage verbringt Papst Benedikt in Jordanien. Am Tag seiner Ankunft, dem 8. Mai, besucht er – wie schon sein Vorg�nger Johannes Paul II. im Jahr 2000 - das katholische Behindertenzentrum �Regina Pacis“ und wird im Anschluss zum H�flichkeitsbesuch vom jordanischen K�nigspaar in dessen Palast empfangen.

Am Samstag pilgert er nach einem privaten Gottesdienst in der Nuntiatur von Amman, die dem Papst in Jordanien auch als Herberge dienen wird, zur Basilika des Moses auf dem Berg Nebo. Von hier hatte der biblischen �berlieferung zufolge Moses erstmals das "Gelobte Land" erblickt, als er sein Volk aus �gyptischer Gefangenschaft heimf�hrte. Danach besucht der Papst die Al-Hussein-bin-Talal-Moschee und trifft sich mit Muslim-F�hrern sowie Diplomaten. Die Vesper feiert er mit Priestern, Ordensleuten und Seminaristen in der griechisch-melkitischen Georgskathedrale in Amman.

Am Sonntag steht im Stadium von Amman ein Gottesdienst auf dem Programm. Am Nachmittag pilgert der Papst zu der Stelle am Jordan, an der Jesus von Johannes die Taufe empfing.

Am Montag, den 11. Mai, landet der Papst in Israel auf dem Internationalen Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv. In Jerusalem empf�ngt ihn der israelische Staatspr�sident zum H�flichkeitsbesuch. Gleich im Anschluss besucht Benedikt die Holocaust-Gedenkst�tte Yad Vashem in Jerusalem und h�lt dort eine Rede. Am Abend trifft er sich mit Exponenten des interreligi�sen Dialogs.

Am Dienstag stattet Benedikt nach einem Besuch im Felsendom dem Gro�mufti von Jerusalem einen H�flichkeitsbesuch ab. Im Anschluss besucht er die Klagemauer. Der n�chste H�flichkeitsbesuch gilt den beiden Gro�rabbinern der Heiligen Stadt. Zu beiden Begegnungen wird der Papst eine Rede halten. Im Tal Josafat feiert Benedikt am Nachmittag eine Heilige Messe.

Auf dem Krippenplatz in Bethlehem zelebriert der Papst dann am Mittwoch, dem 13. Mai, die Messe. Am Nachmittag steht ein privater Besuch in der Geburtsgrotte auf dem Programm, danach ein Besuch im Caritas Baby Hospital und im Aida-Fl�chtlingslager von Bethlehem, wo der Papst eine Rede halten wird. Es folgt ein H�flichkeitsbesuch beim Pr�sidenten der Pal�stinensischen Autonomiebeh�rde im Pr�sidentenpalast von Bethlehem.

Am Donnerstag zelebriert der Papst auf dem �Berg des Herabsturzes“ in Nazareth die Heilige Messe. Nach einem Mittagessen mit dem �rtlichen Klerus und der Gemeinschaft der Franziskaner in deren Konvent folgt dort eine Begegnung mit dem israelischen Premierminister. Die n�chste Rede h�lt der Papst in der Verk�ndigungsbasilika in Nazareth bei einer Begegnung mit Religionsf�hrern von Galil�a. Am selben Ort feiert Benedikt mit Bisch�fen, Priestern, Ordensleuten und Seelsorgern von Galil�a die Vesper.

Am letzten Tag des Besuches kommt es zu einer �kumenischen Begegnung am Sitz des griechisch-orthodoxen Patriarchen von Jerusalem. Nach einem Besuch der Grabeskirche macht Benedikt einen Abstecher zur armenischen Patriarchalkirche des Heiligen Jakob. Letzter offizieller Programmpunkt ist die Verabschiedung auf dem Internationalen Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv. (rv)

 

 

 

nach oben > >

 

 

4/2009

 

 

01.04.09

Vatikan: �Santo subito – aber nach gr�ndlicher Pr�fung“

Der Heilige Stuhl will beim Seligsprechungsprozess f�r Papst Johannes Paul II. nichts �berst�rzen. Das sagte der Pr�fekt der Heiligenkongregation, Erzbischof Angelo Amato, im Gespr�ch mit uns. Der Prozess k�nne dank einer Entscheidung des Papstes �beschleunigt vorangehen“, so Amato: �Das bedeutet, dass er nicht in die anderen F�lle eingereiht wird, von denen derzeit mehr als tausend auf ein Urteil warten.“
�Weil es sich um einen so bekannten und geliebten Papst handelt, verpflichtet die Schnelligkeit allerdings zu gro�er Genauigkeit – in der Methode, im Inhalt und im Respekt vor den vorgesehenen Prozeduren. Schnelligkeit bedeutet also nicht Eile oder Oberfl�chlichkeit, sondern impliziert im Gegenteil Detailgenauigkeit und Professionalit�t.“
In der polnischen Heimat Johannes Pauls wird spekuliert, dass dieser vielleicht schon im Oktober zur Ehre der Alt�re erhoben wird oder am 2. April n�chsten Jahres, an seinem f�nften Todestag. Amato macht bei solchen Spekulationen nicht mit:
�Der di�zesane Prozess ist im Mai 2007 zu Ende gegangen. Seit November 2008 gibt es in unserer Kongregation die so genannte �Positio“, die von den theologischen Beratern einer ersten Pr�fung unterzogen wird. Wie lange diese Pr�fung dauert, l�sst sich nicht voraussagen. Wenn sie vor�ber ist, wird das Urteil von Kardin�len und Bisch�fen eingeholt und kommt dann zum Papst: f�r das Dekret der �Verehrungsw�rdigkeit“. Dieses Dekret ist wichtig, weil es den heroischen Tugendgrad feststellt. Auch das mutma�liche Wunder wird gepr�ft, unter anderem von Medizinern, Theologen sowie Kardin�len und Bisch�fen. Das Resultat wird dann dem Heiligen Vater f�r seine abschlie�ende Entscheidung unterbreitet. Erst wenn alle diese Prozeduren genau eingehalten worden und zu einem Abschluss gebracht sind, wird man von einem eventuellen Datum f�r eine Seligsprechung reden k�nnen. Heute wissen wir nicht, wann das sein wird!“
Papst Benedikt wird an diesem Donnerstagabend eine Messe zur Erinnerung an seinen Vorg�nger feiern, der am 2. April 2005 starb.
�Ich glaube, dass der Wunsch nach einer baldigen Seligsprechung, den ja nicht nur die polnische Nation, sondern viele in der Kirche haben, auch von Papst Benedikt geteilt wird – und auch von unserer Kongregation. Die Zeit des Wartens auf eine m�gliche Seligsprechung sollte weniger von Neugier gepr�gt sein als von spirituellem Eifer, Gebet und Apostolat.“ (rv)

 

 

03.04.09

Papst Benedikt trauert um den italienischen Kardinal Umberto Betti

Der Franziskaner starb am Mittwoch im Alter von 87 Jahren in einem Kloster bei Florenz. Er war in den 90er-Jahren Rektor der P�pstlichen Lateran-Universit�t und wurde im Jahre 2007 zum Kardinal kreiert. Benedikt w�rdigte in einem Kondolenztelegramm �den eifrigen Dienst, den der verstorbene Kardinal und sachkundige Theologe als Konzilsperitus und dann als Berater der Glaubenskongregation, des Staatssekretariats und als Rektor der P�pstlichen Lateran-Universit�t“ geleistet hatte. (rv)

 

 

03.04.09

London hat einen neuen Oberhirten

Papst Benedikt hat an diesem Freitag Vincent Gerard Nichols zum Erzbischof von Westminster ernannt. Der 63-j�hrige folgt auf Kardinal Cormac Murphy O'Connor, dessen altersbedingten R�cktritt der Papst am gleichen Tag annahm. Nichols war zwischen 1992 und 2000 bereits Weihbischof in Westminster, dem britischen Hauptstadt-Bistum. Wie Murphy O'Connor d�rfte auch der neue Metropolitan-Erzbischof bei n�chster Gelegenheit den Kardinalspurpur erhalten. Innerhalb Englands hat Nichols sich als Vork�mpfer konfessioneller Schulen sowie durch �kumenische Arbeit und seinen Einsatz f�r den interreligi�sen Dialog einen Namen gemacht. (rv)

 

 

10.04.09

Vatikan/Deutschland: Piusbruderschaft lehnt erneuerte Judenf�rbitte ab

Die traditionalistische Priesterbruderschaft St. Pius X. lehnt die von Papst Benedikt XVI. neu formulierte Karfreitagsf�rbitte f�r die Juden ab. Man werde am Karfreitag weiterhin f�r die Bekehrung der Juden beten, teilte die Bruderschaft an diesem Donnerstag mit. Die entsprechende F�rbitte geh�re zur �uralten Tradition der Kirche“ und gehe in ihrem Wortlaut auf das vierte Jahrhundert zur�ck. Jeder habe das Recht, �seine Gebete so zu formulieren, �wie es ihm der pers�nlich gefundene Glaube nahe legt“, hei�t es in der Aussendung der Piusbruderschaft, die vom Distriktoberen P. Franz Schmidberger unterzeichnet ist. Die Ablehnung der neuen Fassung der F�rbitte gelte f�r die gesamte Bruderschaft, f�gte er auf Anfrage hinzu.

Nach Schmidbergers Darstellung soll auch das alte Gebet weder provozieren noch �in irgendeiner Weise die religi�sen Gef�hle von Nichtkatholiken“ verletzen. Die Priesterbruderschaft sieht sich �von dem Wunsch beseelt“, dass �gerade in Deutschland wieder eine theologische Auseinandersetzung zwischen Juden und Katholiken stattfindet“. Zu sehr w�rden Gespr�che �ber den Glauben �durch historische Belastungen erschwert“. In ihrer Aussendung verwirft die Piusbruderschaft – unter Verweis auf Papst Pius XI. (1929-1939) - den Antisemitismus. Auch Zwangsmissionierung schlie�t sie aus.

Kritik �bte Schmidberger am Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Dieses hatte jeder Form der Judenmission eine klare Absage erteilt. Die katholische Laienorganisation entferne sich damit �weit von der Heiligen Schrift und der Sendung der katholischen Kirche“.

Papst Benedikt hatte vor einem Jahr die F�rbitte f�r die au�erordentliche Form des r�mischen Messritus neu formuliert. Im alten Formular von 1962 – jenem, das die Piusbruderschaft jetzt weiterhin verwendet – ist von einer �Verblendung jenes Volkes“ die Rede, das �aus seiner Finsternis entrissen“ werden soll. Gegen diese Formulierung war Widerstand von j�discher, aber auch von katholischer Seite laut geworden. Weil die katholische Kirche ihr Verh�ltnis zum Judentum im II. Vatikanischen Konzil (1962-1965) auf eine neue Grundlage gestellt hatte, entschloss sich der Papst, den Gebetstext neu zu formulieren.

Die Situation war entstanden, weil Papst Benedikt zuvor mit seinem Erlass �Summorum Pontificum“ vom Juli 2007 die alte Form der r�mischen Liturgie als �au�erordentlichen Ritus“ wieder zugelassen hatte. Traditionsverbundene Gruppen, darunter die Piusbruderschaft, feiern die Messe nach den alten B�chern, die bis zum Konzil in Gebrauch waren. (rv)

 

 

12.04.09

Papst auf dem Palatin-H�gel

 

Der bald 82-j�hrige Papst verfolgte die Kreuzweg-Prozession auf dem Palatin-H�gel oberhalb des Kolosseums. Ein von Gl�ubigen getragenes Holzkreuz �bernahm er erst ganz am Schluss. Bei der Prozession wird der Leidensweg Jesu am Tag seiner Kreuzigung symbolisch nachgestellt. Die Meditationen an den insgesamt 14 Stationen des Kreuzweges, der vom Kolosseum bis zum Palatin-H�gel f�hrte, stammten von dem indischen Erzbischof Thomas Menamparampil. Er formulierte seine Betrachtungen nach eigenen Worten als �Hymnus der Hoffnung“. W�hrend des Gebets trugen abwechselnd Gl�ubige aus unterschiedlichen Regionen der Welt ein schlichtes Holzkreuz. Stellvertretend f�r die Leidenden �bernahmen ein junger Rollstuhlfahrer und ein Kranker gemeinsam mit Betreuern das Kreuz f�r einige Stationen.

Meditationstext �ber Hoffnung
Die Gebete des Kreuzweges riefen gegen Angst und globale Probleme zu neuer Hoffnung auf. �Unter der Oberfl�che von Naturkatastrophen, Kriegen, Revolutionen und Konflikten aller Art gibt es eine stille Gegenwart, ein zielgerichtetes g�ttliches Handeln. Sie bleibt verborgen in der Welt, in der Gesellschaft, im Universum“, hie� es in dem Text des indischen Erzbischofs. Anhand der Stationen des Leidenswegs Jesu riefen die Meditationen zu Gewaltverzicht auf. Menamparampil zitierte Franz von Assisi, Mahatma Gandhi, Rabindranath Tagore und Mutter Teresa.

Ohne auf die Ausschreitungen militanter Hindus gegen Katholiken im vergangenen Herbst in Indien konkret einzugehen, sprach die Meditation von neuen Martyrien. �Jesus leidet weiter, wenn die Gl�ubigen verfolgt werden“, hie� es. Die Kreuzweg-Andacht kritisierte eine �ffentliche Verspottung und Aufgabe von Werten. Gewalt gegen Frauen und Kinder, ethnische Konflikte, Folter und Menschenrechtsverletzungen wurden verurteilt. Zugleich erinnerte der Text an die Verantwortung f�r eine gemeinsame Zukunft und warnte vor Raubbau und Umweltverschmutzung.

Papst erinnert an heutige Leidenden
Der Papst erinnerte zum Abschluss des Kreuzweges an die gegenw�rtig Leidenden. Jesus habe alle menschlichen �ngste auf sich genommen.

�Sein Antlitz spiegelt sich in dem jedes gedem�tigten und verletzten Menschen, jedes Kranken und Leidenden, Einsamen, Verlassenen und Verachteten.“

Via Crucis: �Ich bin stolz, dass ich Kreuz tragen durfte“
Zehntausende Gl�ubige sind beim Kolosseum dem symbolischen Leidensweg Christi gefolgt. Unter ihnen war auch die indische Ordensfrau Vilemna Solome. Sie stammt aus Kerala, demselben Ort wie Erzbischof Thomas Menamparampil. Er hat die diesj�hrigen Meditationstexte f�r die 14 Stationen des Leidenswegs Christi vom Garten Gethsemani bis zum Kreuz geschrieben. Die indische Ordensfrau durfte von der siebten bis zur neunten Station das Kreuz tragen. Diese Ehre kam ihr zuteil, nachdem sie vor wenigen Wochen im Vatikan angefragt hatte, ob sie die Aufgabe �bernehmen d�rfe. Es sei ihre erste Romreise und daher auch das erste Mal, dass sie am Kreuzweg im Kolosseum teilnehmen w�rde. Gegen�ber Radio Vatikan �u�ert sie ihre Freude �ber ihre besondere Rolle bei der Via Crucis:

�Wenn ich denke, dass wir Christen in Indien so viel leiden, dann f�hle ich mich sehr privilegiert, hier in Rom zu sein. Hindu-Fundamentalisten verfolgen vor allem Katholiken. In Kerala und in ganz Nordindien ist der christliche Glaube aber sehr stark. Wir haben n�mlich keine Angst vor den Angriffen und schauen mit Zuversicht auf die Zukunft. Wir sind stolz, dass unser Erzbischof diesen Meditationstext schreiben durfte. Alle Katholiken in Indien sind gl�cklich dar�ber. F�r Kerala und ganz Nordindien ist das ein gro�artiger Tag.“ (rv)

Papst-Prediger: �Leid bleibt ein Geheimnis“
Papst Benedikt XVI. hat am Karfreitag des Leidens und Sterbens Jesu gedacht. Im Petersdom fand dazu ein Wortgottesdienst statt. Die Auslegung der biblischen Leidensgeschichte hielt – wie es seit Jahren �blich ist – der p�pstliche Hausprediger. Kapuzinerpater Raniero Cantalamessa sprach �ber das Leid in der heutigen Zeit. Die Feier war gepr�gt von Stille und Andacht. Zahlreiche Kurienkardin�le, Bisch�fe und Botschafter beim Heiligen Stuhl nahmen an der Zeremonie der Kreuzverehrung teil. Nach katholischer Tradition findet am Karfreitag, dem Ged�chtnistag des Todes Jesu, keine Messe statt. Benedikt verharrte kniend vor dem Kreuz und betete still. Im Lauf der Feier beteten Papst und Gl�ubige f�r die gro�en Anliegen der Kirche. Die F�rbitten wurden in zehn Sprachen vorgetragen. Benedikt XVI. antwortete auf jede der Bitten mit dem lateinischen Gebet, das die Liturgie nach der Reform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) vorsieht. Der p�pstliche Hausprediger, Raniero Cantalamessa, wies in seiner Bibel-Auslegung auf die Atheisten-Kampagne in London hin. Auf den Bussen der englischen Hauptstadt wurde mit dem Slogan geworben: �Vielleicht gibt es keinen Gott, also genie� dein Leben“. Der Kapuzinerpater kritisierte diesen Spruch. Er sei zynisch gegen�ber Leidenden. Auch mit Bezug auf das Erdbeben in den Abruzzen sagte der Kapuziner, das Leid bleibe ein Geheimnis, insbesondere das Leid Unschuldiger, �aber ohne Glaube an Gott wird es noch absurder“. Man nehme den Menschen so �noch die letzte Hoffnung auf Erl�sung“. Atheismus sei ein �Luxus, den sich nur die Privilegierten des Lebens erlauben k�nnen“. Zugleich kritisierte Cantalamessa Profitgier und selbsts�chtiges Verhalten als S�nde und eigentliche Wurzeln der weltweiten Wirtschaftskrise. Finanz- und Wirtschaftseliten seien zu einer �irren Lokomotive“ geworden, die �ungebremst weiterfuhr, ohne sich �ber den Zug Gedanken zu machen, der weit hinten auf den Gleisen liegengeblieben war“. (rv)

 

 

16.04.09

Vatikan: Papst feiert Geburtstag

Feststimmung im Vatikan: An diesem Donnerstag darf Benedikt 82 Geburtstagskerzen ausblasen. Der Papst feiert seinen Geburtstag in diesem Jahr in Castel Gandolfo. Im vergangenen Jahr war der Papst an seinem Geburtstag im Wei�en Haus anl�sslich seines Besuchs in den USA. Beim Wiegenfest 2009 geht es also ruhiger zu: Nach den Strapazen der Osterfeiertage verbringt Benedikt XVI. seinen 82. Geburtstag in kleinstem Kreis.
Benedikt XVI. wurde am Karsamstag, 16. April 1927, als drittes Kind des Gendarmen Joseph Ratzinger und seiner Frau, der K�chin Maria Ratzinger, in Marktl geboren. Noch am selben Tag wurde er in der Marktler Pfarrkirche St. Oswald getauft. Die unmittelbare Verbindung von Geburt und Taufe mit dem �Triduum Sacrum“, den �Drei Heiligen Tagen“, hat er stets als eine besondere Verbindung seines Lebensweges mit dem Ostergeheimnis verstanden und betont. In Ratzingers Werk �Salz der Erde“ heisst es:
�Die Religion war ein Bestandteil des Lebens. Schon durch das gemeinsame Gebet. Zu allen Mahlzeiten wurde gebetet. Wenn es irgendwie vom Schulrhythmus her m�glich war, gingen wir nat�rlich auch jeden Tag in die Messe und am Sonntag gemeinsam in den Gottesdienst. Sp�ter, als mein Vater pensioniert war, wurde meistens auch der Rosenkranz gebetet; ansonsten hat man der schulischen Katechese vertraut. Der Vater hat uns auch Lekt�re gekauft; es gab zum Beispiel Zeitschriften bei der Erstkommunion. Aber es war nicht so, dass explizit religi�s erzogen wurde, sondern es war durch das Familiengebet und durch den Kirchenbesuch gegeben.“
In seinem Alter sind viele M�nner Gro�v�ter. Und irgendwie gilt Benedikt auch als �gro�artiger Vater“ innerhalb der katholischen Kirche. So sagte er in der Ansprache am F�nften Welttreffen der Familien in Valencia, am 8. Juli 2006:
�Wir haben geh�rt, dass ich der �Gro�vater der Welt“ genannt worden bin. Ich m�chte mich jetzt gern an die Grosseltern wenden, die in den Familien so wichtig sind. Sie k�nnen – und tun es oft – die Zuneigung und Z�rtlichkeit gew�hrleisten, die jeder Mensch braucht, die er geben und empfangen sollte. Gro�eltern bieten den Enkeln die Perspektive der Zeit, sind Ged�chtnis und Reichtum der Familien. Unter keinen Umst�nden d�rfen sie aus dem Kreis der Familie ausgeschlossen werden. Sie sind ein Schatz, den wir den heranwachsenden Generationen nicht vorenthalten d�rfen, vor allem wenn sie im Hinblick auf den nahenden Tod ihren Glauben bezeugen.“ (rv)

 

 

16.04.09

Vereinigte Staaten/Vatikan: Papst-Besuch zur Abschaffung der Todesstrafe

 

Mit einem Besuch in Rom und im Vatikan hat US-Gouverneur Bill Richardson die Abschaffung der Todesstrafe in seinem Bundesstaat New Mexico gefeiert. Am Mittwoch nahm Richardson an der Generalaudienz von Papst Benedikt XVI. teil. Abends stand die feierliche Beleuchtung des r�mischen Kolosseums auf dem Programm. Das antike Wahrzeichen erstrahlt jedes Mal, wenn ein Staat der Weltgemeinschaft auf Hinrichtungen verzichtet. Am vergangenen 18. M�rz hatte Richardson nach einem entsprechenden Parlamentsbeschluss das Gesetz zur Abschaffung der Todesstrafe unterzeichnet, obwohl er zuvor Bedenken gegen einen solchen Schritt ge�u�ert hatte. Gegen�ber Radio Vatikan erk l�rt New Mexikos Gouverneur, weshalb er gegen die Todesstrafe ist.

�Es war eine schwere Entscheidung f�r mich. Ich war ja urspr�nglich f�r die Todesstrafe. Doch ich habe meine Meinung ge�ndert. Gef�ngnis ist eine gerechte Strafe, die Todesstrafe aber nicht. Die Vereinigten Staaten sind weltweit eindeutig in der Minderheit, wenn sie weiterhin diese drakonische Strafe tolerieren. Auch wissen wir, dass es immer wieder zu falschen Urteilen kommt. Allein in den USA sind das rund 130 F�lle pro Jahr.“

Richardson, selbst Katholik, hat nach eigener Aussage auch auf die Kirche und ihre Haltung zur Todesstrafe geh�rt.

�Alle Argumente, die ich bereits genannt habe, sowie die Argumente meiner Kirche und meines Erzbischofs haben mich darin best�rkt, die Todesstrafe abzuschaffen. Hinzu kommt auch, dass rund 60 Prozent der Bev�lkerung in New Mexico gegen die Todesstrafe ist. Nichtsdestotrotz gebe ich zu, dass es keine leichte Entscheidung f�r mich war.“

New Mexico ist der 15. US-Bundesstaat, der diese Strafe abschafft. Zur Zeit der Gesetzes�nderung sa�en in New Mexico zwei Verurteilte in Todeszellen. Die Gemeinschaft Sant’Egidio hatte die jeweilige feierliche Erleuchtung des Kolosseums als Signal gegen die Todesstrafe 2002 initiiert. (rv)

 

 

18.04.09

Der P�pstliche Gesundheitsrat bekommt einen neuen Pr�sidenten.

Papst Benedikt nahm an diesem Samstag den R�cktritt des bisherigen Leiters an; Kardinal Javier Lozano Barragan hat die Altersgrenze erreicht. Zu seinem Nachfolger an der Spitze des Rates machte Benedikt den bisherigen Bischof von Radom in Polen, Zygmunt Zimowski. Dieser wird gleichzeitig in den Rang eines Erzbischofs erhoben. Zimowski stammt aus dem Bistum Tarnow; er ist sechzig Jahre alt. Einen Teil seiner Studien absolvierte er in Lublin und in Innsbruck. Seit 1983 geh�rt er zur vatikanischen Glaubenskongregation, wo er auch dem jetzigen Papst auffiel, der damals als Kardinal Joseph Ratzinger die Kongregation leitete. Zimowski ist Autor zahlreicher B�cher und Aufs�tze und wirkte auch an der Redaktion des Weltkatechismus mit; er hat oft mit der polnischen Abteilung von Radio Vatikan zusammengearbeitet. Papst Johannes Paul machte ihn 2002 zum Bischof von Radom; die Bischofsweihe wurde damals von Kardinal Ratzinger vorgenommen. (rv)

 

 

28.04.09

Abruzzen: Papst besucht Erdbebenregion

Papst Benedikt XVI. hat an diesem Dienstag das Erdbebengebiet in den mittelitalienischen Abruzzen besucht. Er versicherte den Opfern die Anteilnahme und Solidarit�t der Kirche und appellierte an Institutionen und Unternehmen, zum Wiederaufbau der Region beizutragen. Die verheerenden Erdst��e vom 6. April hatten insgesamt 296 Menschenleben gefordert. Rund 1.500 Menschen wurden verletzt und mehr als 55.000 Personen obdachlos. Wegen starken Regens und Wind legte er die rund 90 Kilometer von Rom aus mit dem Auto und nicht wie geplant mit dem Hubschrauber zur�ck.

Onna

Um 10 Uhr 30, eine Stunde sp�ter als geplant, traf das Kirchenoberhaupt in der Zeltstadt von Onna ein. Das zu 90 Prozent zerst�rte Dorf ist zum Symbol f�r die getroffene Gegend geworden, 40 der rund 280 Einwohner starben. Behutsam, abtastend machte Benedikt die ersten Schritte in Richtung der wartenden Menschen. Beherzt ergriff er schlie�lich die H�nde einiger Helfer und Mitarbeiter des Zivilschutzes und lie� sich dann vom Pfarrer Onnas zu den Einwohnern und durch die Zeltstadt f�hren. Nicht kraftvoll, sondern voll Mitgef�hl trat Benedikt XVI. in der Menge vor das Mikrofon: �Ich habe die Nachrichten mit Sorge verfolgt. Ich teile eure Best�rzung und eure Tr�nen um die Toten, ebenso wie eure bange Frage, wie viel ihr in einem Augenblick verloren habt. Jetzt bin ich hier bei euch. Ich m�chte euch voll Zuneigung umarmen, einen nach dem anderen. Die ganze Kirche steht mit mir hier, ist euren Leiden nahe, teilt mit euch den Schmerz um den Verlust von Angeh�rigen und Freunden und will euch helfen, H�user, Kirchen und Betriebe wieder aufzubauen…. Ich habe den Mut, die W�rde und den Glauben bewundert, mit dem ihr diese harte Pr�fung auf euch genommen habt. Es war nicht das erste Erdbeben in eurer Region, und wie in der Vergangenheit habt ihr nicht aufgegeben, habt den Mut nicht verloren…. Mein Besuch bei euch soll ein greifbares Zeichen sein, dass der gekreuzigte Herr auferstanden ist und euch nicht verl�sst; er l�sst eure Fragen nach der Zukunft nicht unerh�rt, er ist nicht taub gegen�ber dem besorgten Schrei vieler Familien, die alles verloren haben.“
Keine Trib�ne, kein Teppich trennte den Papst von den Menschen. Das wei�e Papstgewand stach aus dunklen Regenjacken und gelben Sicherheitswesten hervor, Privatsekret�r Georg G�nswein versuchte den Papst vor dem Regen zu sch�tzen, doch der scheute weder das Wetter noch den direkten Kontakt mit Menschen in der Zeltstadt. Er segnete Kinder, umschloss wortlos die H�nde trauernder junger Frauen und gehbehinderter Greise. Beim Gebet f�r die Toten und dem abschlie�enden Segen f�r die �berlebenden stahl sich die Sonne durch die Wolken. �Danke f�r euren Mut, euren Glauben und eure Hoffnung“, sagt Benedikt da und geht weiter - ohne R�cksicht auf Sicherheitspersonal und vorher minuti�s festgelegten Zeitplan - von Kindern zu Gro�eltern, von Frauen zu M�nnern. Bewegende Bilder, bewegte Menschen: �Das ist wundersch�n. Der Besuch ist einfach sch�n, ist eine innere Kraft und sagt ,L�Aquila, geh weiter, schau nach vorn’. Er hat Mut gemacht, das Leben geht weiter. – Was sollen wir tun? Wir sind in den H�nden des Herrn. Wir hoffen nat�rlich, dass die Beh�rden uns helfen und dass auch der Papst dazu dr�ngt, dass uns geholfen wird. – Der Papst hat magnetische Anziehungskraft. Wo er auch hinkommt, verbreitet er Enthusiasmus und vor allem Hoffnung. – Diese N�he ist es, die ber�hrt, diese unendliche Menschlichkeit und die Tatsache, dass er den gro�en Schmerz mit uns teilt.“

Basilika von Collemaggio

Am Rand der Regionshauptstadt L�Aquila besuchte das Kirchenoberhaupt die romanische Basilika Santa Maria di Collemaggio. Die ber�hmte Kirche aus dem 13. Jahrhundert wurde vom Erdbeben schwer besch�digt, gro�e Teile des Chors und Teile des Seitenschiffs st�rzten ein. Der Schrein mit den �berresten des heiligen Papstes Coelestin V. (1210-1296) konnte wenige Tage nach den Erdst��en unversehrt aus den Tr�mmern geborgen werden. Benedikt XVI. betrat das Gotteshaus aus dem 13. Jahrhundert durch die Heilige Pforte f�r den j�hrlichen Ablass - H�hepunkt des Glaubenslebens in den Abruzzen. An der Urne Coelestins legte er ein Pallium als Zeichen der Verbundenheit nieder, verharrte einige Augenblicke im stillen Gebet und segnete die verantwortlichen Priester und Sicherheitsleute der Basilika.

Begegnung mit Studenten

Der anschlie�ende kurze Aufenthalt am eingest�rzten Studentenheim von L�Aquila lebte von der Begegnung mit einer Gruppe Studierenden. Benedikt XVI. sprach einzeln mit einem Dutzend junger M�nner und Frauen. Unter den Tr�mmern des Betonbaus waren acht junge Menschen gestorben. Den �berlebenden der Erdst��e vom 6. April werden der interessierte, wache Blick und das warme, zukunftsweisende L�cheln des Papstes in Erinnerung bleiben - ohne Blick auf die Uhr, die Wolken und das Sicherheitspersonal. Vor den weiterhin unbewohnbaren H�usern lauschte Benedikt stattdessen einem Feuerwehrmann und dankte ihm stellvertretend f�r den noch lange n�tigen Einsatz der Hilfskr�fte.

Der Studentenseelsorger Luigi Epicoco berichtet aus der Erdbebennacht :

�Diese Nacht war schrecklich, jeder hat versucht zu fliehen. Doch das Sch�ne war, dass die Menschen den Instinkt der Solidarit�t bewahrt haben. Die Studenten suchten einander gegenseitig, hatten, obwohl ja die Beben weitergingen, keine Angst, zur�ck in die Stadt zu gehen. Sie suchten ihre Freunde und w�hlten mit blo�en H�nden in den Tr�mmern, haben zwei Kinder unter deren toten Eltern lebend geborgen. Hier herrschte Aufregung und Chaos, und doch habe ich dieses Verantwortungsbewusstsein erlebt. Ich denke, dass diese jungen Menschen in einer Nacht um drei�ig Jahre gereift sind.“

Zuspruch an B�rgermeister, Priester und Menschen in Zeltst�dten

Vor den Toren der rund 70.000 Einwohner z�hlenden Stadt L�Aquila sprach der Papst gegen Mittag mit den Pfarrern und B�rgermeistern der vom Erdbeben betroffenen Orte. In einer Kaserne der Guardia di Finanza wechselte er mit jedem einzelnen einige Worte. Drau�en auf dem Exerzierplatz hatten sich rund 2000 Menschen versammelt, stellvertretend f�r die rund 55.000 Menschen, die nach dem Erdbeben obdachlos geworden sind und die mehreren Tausend Hilfskr�fte von Heer, Zivilschutz und Feuerwehr. Nach einigen hundert Metern im offenen Milit�rjeep steht das Kirchenoberhaupt anders als in Onna hier auf einer Trib�ne. Mit Holzthron, Kerzen und Holzkreuz haben die Organisatoren des Papstbesuchs einen Altar improvisiert, die geladenen G�ste sitzen vor ihm, Zaung�ste aus der Region dr�ngen sich am Rand. Alle, die nach den verheerenden Erdst��en Hand bei der Soforthilfe anlegten, beim Namen zu nennen, sei schwierig, so Benedikt XVI., doch an jeden Einzelnen wolle er ein besonderes Wort der Wertsch�tzung richten. �Danke f�r alles, was ihr getan habt. Danke vor allem f�r die Liebe, mit der ihr es getan habt. Danke f�r das Beispiel, das ihr gegeben habt. Geht vereint und gut aufeinander abgestimmt voran, damit es baldm�glichst wirksame L�sungen f�r die Menschen gibt, die jetzt in Zeltst�dten wohnen. Das w�nsche ich von ganzem Herzen und daf�r bete ich.“ Benedikt lie� seinen Vormittag in der Region Revue passieren und versicherte, er trage alle Opfer dieser Katastrophe im Herzen. �W�hrend ich durch die Stra�en der Stadt gefahren bin, habe ich noch mehr begriffen, wie schwer die Konsequenzen des Erdbebens gewesen sind.“ Die Kaserne in L�Aquilas Ortsteil Coppito wird Schauplatz des n�chsten G8-Gipfels sein, hier zelebrierte der Kardinalstaatssekret�r am Karfreitag das Requiem f�r die Erdbebentoten. Die �berlebenden sind dankbar f�r die Papstworte, doch wischen sie in Erinnerung an die Ereignisse und die Probleme, die noch bevorstehen, wieder Tr�nen aus den Augen. Stille liegt �ber dem Platz. �Nun bin ich hier auf diesem Platz, an dem die Schule der Finanzpolizei liegt, die von Beginn an das Hauptquartier war, an dem die Hilfsma�nahmen koordiniert wurden. Dieser Ort ist vom Gebet und von den Tr�nen um die Opfer geweiht. Er ist das Symbol f�r euren beharrlichen Willen, nicht den Mut zu verlieren.“ Benedikt XVI. erinnerte an die zahlreichen Hilfs- und Solidarit�tsaufrufe und berichtete von Zuschriften und Spenden auch orthodoxer Kirchenf�hrer. Solidarit�t, die sich in diesen Krisenzeiten zeige, sei wie Feuer, das unter der Asche verborgen war. �Solidarit�t ist ein h�chst ziviles und christliches Gef�hl und zeigt die Reife einer Gesellschaft.“
In den vergangenen Wochen waren erhebliche M�ngel an mehreren Bauten in der Erdbebenregion festgestellt worden. Anti-Mafia-Beauftragte �berwachen jetzt den Wiederaufbau. Papst Benedikt nannte die Proteste nicht beim Namen, appellierte jedoch an die Verantwortung von Gesellschaft und Institutionen. �Die Zivilgesellschaft muss sich einer ernsthaften Gewissenspr�fung unterziehen, damit die Verantwortung in keinem Moment nachlasse. Unter dieser Bedingung wird L�Aquila - zu deutsch: der Adler - auch wenn er verwundet ist, wieder fliegen k�nnen.“Die Holzstatue der Madonna di Monte Roio war zum Besuch des Papstes aus einer Wallfahrtskirche der Region vor die Kaserne gebracht worden; Johannes Paul II. hatte bei seinem Abruzzenbesuch 1980 in der Kirche gebetet; Benedikt XVI. schenkte der Marienfigur eine Goldene Rose. Diese besondere p�pstliche Auszeichnung, auch Tugendrose genannt, gibt es seit rund 1000 Jahren, Benedikt verlieh sie zuletzt einigen Wallfahrtsorten, unter anderem Alt�tting. Zivile Opfer und Milit�rangeh�rige sangen gemeinsam das Regina Coeli, noch eine gute halbe Stunde sp�ter dankte der Papst B�rgermeistern und Hilfspersonal mit beiden H�nden und umarmte trauernde �berlebende. Benedikt XVI. hatte in den vergangenen Wochen wiederholt f�r die Opfer gebetet und den �berlebenden seinen Beistand versichert. F�r die Begr�bnisfeierlichkeiten am Karfreitag hatte das Kirchenoberhaupt die Sondergenehmigung f�r eine Messfeier erteilt, sein Privatsekret�r Georg G�nswein verlas in L�Aquila eine pers�nliche Gru�botschaft. (rv)

Stichwort: Santa Maria di Collemaggio

Papst Benedikt XVI. will an diesem Dienstag die romanische Basilika Santa Maria di Collemaggio besuchen. Die ber�hmte Kirche aus dem 13. Jahrhundert am Stadtrand von L�Aquila wurde vom Erdbeben schwer besch�digt, gro�e Teile des Chors und Teile des Seitenschiffs st�rzten ein. Der Schrein mit den �berresten des heiligen Papstes Coelestin V. (1210-1296) konnte wenige Tage nach den Erdst��en unversehrt aus den Tr�mmern geborgen worden. Der so genannte �Engelpapst“ Coelestin V. lebte vor seiner Papstwahl als Einsiedler am Majella-Massiv in den Abruzzen. Der Bau der Kirche geht auf ihn zur�ck. Auf Betreiben Karls II. von Neapel war Coelestin am 1294 in Perugia zum Papst gew�hlt worden. Wegen seiner Abh�ngigkeit vom K�nig und Selbstzweifeln an der Amtsf�higkeit dankte er bereits nach f�nf Monaten ab. Sein Nachfolger Bonifatius VIII. lie� ihn auf der Flucht festnehmen und f�r den Rest seines Lebens in der Bergfeste Fumone einkerkern. Clemens V. sprach ihn 1313 heilig. Die Basilika von Collemaggio ist die einzige katholische Kirche weltweit, die eine Heilige Pforte f�r einen j�hrlichen Ablass besitzt. Die Einrichtung geht auf Coelestin zur�ck. Er verf�gte den Erlass aller zeitlichen S�ndenstrafen f�r B��er, die am 28. oder 29. August die Kirche Santa Maria di Collemaggio durch die Heilige Pforte betreten. Die �Perdonanza“ (Vergebung) z�hlt bis heute zu den gr��ten religi�sen Festen der Region. Papst Benedikt wird bei seinem Besuch die Kirche durch diese Heilige Pforte betreten. (rv)

R�ckblick: Papstbotschaft f�r Trauerfeier in L�Aquila

Mit p�pstlicher Sondergenehmigung hatten die Gl�ubigen in den Abruzzen am Karfreitag das Requiem f�r die Todesopfer des verheerenden Erdbebens vom 6. April gefeiert. Kardinalstaatssekret�r Tarcisio Bertone war dazu im Auftrag des Papstes nach L�Aquila gereist, Privatsekret�r Georg G�nswein verlas eine Gru�botschaft Benedikts XVI. Antje Dechert hat die Trauerfeier verfolgt:

Den Trauernden geistlich verbunden

Er f�hle sich den Trauernden in ihrem Schmerz geistlich verbunden, betonte der Papst. �Ich teile Eure Trauer und bete zu Gott, f�r die ewige Ruhe der Opfer, eine rasche Genesung der Verletzten und f�r alle Betroffenen, dass sie bald wieder Hoffnung finden“, hie� es w�rtlich in seiner von Georg G�nswein verlesenen Trauerbotschaft. �In Momenten wie diesen, ist der Glaube eine Quelle des Lichts und der Hoffnung, denn gerade in diesen Tagen erz�hlt er uns von den Leiden des Sohnes Gottes, der f�r uns Mensch geworden ist: sein Leidensweg, sein Tod und seine Auferstehung m�gen f�r alle eine Quelle des Trosts sein und die Herzen aller f�r den mystischen Weg zum ewigen Leben �ffnen, in dem �der Tod nicht mehr sein wird, keine Trauer, keine Klage, kein M�hsal. Denn was fr�her war, ist vergangen“. (Offb. 21,4)

Papst hat Erdbeben gesp�rt

Er selbst habe das Beben im Vatikan gesp�rt und den Verlauf der schrecklichen Katastrophe mitverfolgt, schreibt der Papst weiter. Besonders begr��t habe er die unmittelbare Solidarit�t mit den Betroffenen seitens des Staats, der Kirche sowie von Privatleuten und die sofortigen Hilfsma�nahmen. �Der Heilige Stuhl m�chte seinen Anteil leisten, gemeinsam mit den Pfarreien, den religi�sen Einrichtungen und den Laienorganisationen. Das ist der Moment des Engagements, in Abstimmung mit den staatlichen Einrichtungen, die bereits in lobenswertem Einsatz sind. Nur durch Solidarit�t k�nnen so schmerzhafte Pr�fungen �berstanden werden.”

G�nswein �berreichte Papst-Spende

G�nswein �berreichte dem Erzbischof von L�Aquila, Giuseppe Molinari, eine Spende des Papstes f�r die Opfer und Hinterbliebenen. An Ostern wird Benedikt den Kindern im Erdbebengebiet Schokoladen-Eier zuschicken. Als Zeichen der Verbundenheit hat der Papst-Sekret�r vor seiner Abreise seine Uhr geschenkt.

Sondergenehmigung f�r Trauermesse

Zelebriert wurde die Trauermesse von Kardinal-Staatssekret�r Tarcisio Bertone. Dazu war eine Sondergenehmigung des Vatikans notwendig. Denn am Karfreitag finden in der r�misch-katholischen Kirche keine Messen statt. Angesichts der Schwere der Erdbebenkatastrophe, hatte der Vatikan die Trauermesse an diesem Freitag jedoch gestattet. 205 blumengeschm�ckte S�rge waren f�r das Staatsbegr�bnis auf dem Kasernengel�nde aufgebart. Mit tausenden Angeh�rigen nahmen auch der italienische Staatspr�sident, Giorgio Napolitano, und Ministerpr�sident Silvio Berlusconi an der Zeremonie teil. Es gelte jetzt, vor allem den Hinterbliebenen beizustehen, betonte Kardinalstaatssekret�r Tarcisio Bertone in seiner Predigt: �Mit Euch versammelt sind hier der Oberhirte von L�Aquila und viele Priester aus der Region, die mit Euch die Erfahrung teilen, dass einem alles entrissen wurde. In dieser Eurer Stadt und ihren umliegenden D�rfern, die bereits schwierige Momente in der Geschichte erlebt haben, vereint sich heute im Geiste ganz Italien. Das Land hat auch in dieser schwierigen Pr�fung bewiesen, wie sehr es durch die Werte der Solidarit�t und der Br�derlichkeit gepr�gt ist. Liebe Br�der und Schwestern, der Heilige Vater steht Euch bei, der dieser Tage nie aufgeh�rt hat, f�r Euch zu beten und der Euch heute besonders nah sein wollte, nicht nur durch meine, sondern auch durch die Anwesenheit seines Sekret�rs und durch seine Botschaft.“Weiter ermutigte Bertone die Trauernden trotz allen Leidens nach vorn zu schauen, mit Hilfe des Glaubens und des Zusammenhalts: �Was uns in diesen Stunden des Schmerzes vereint, ist der Trost, den uns der Glauben spendet. Diese s��e Erleichterung, die uns in der Begegnung mit Christus am Kreuz zuteil wird…Wenn ich daran denke, f�hle ich bereits eine neue Hoffnung im Herzen…Liebe Br�der und Schwestern, lasst uns also gemeinsam den Weg in die Zukunft beschreiten, in dem wir die Trauer f�r die Toten gemeinsam und auch mit der Hilfe der Muttergottes tragen. Stehen wir ihren Familien unerm�dlich und in Freundschaft bei, die in der gro�en Familie Gottes auch unsere Familien geworden sind.“ Nach der katholischen Messe f�r die Erdbebenopfer wird es auch einen kurzen islamischen Ritus geben. Das Totengebet eines Imams sei mit R�cksicht auf sechs muslimische Verstorbene, darunter zwei Pal�stinenser, eingeplant worden, berichteten italienische Online-Medien am Donnerstag. – Nach j�ngsten Angaben sind bei der Erdbebenkatastrophe in den Abruzzen bislang 281 Menschen ums Leben gekommen. (rv)

 

 

 

nach oben > >

 

 

5/2009

 

 

01.05.09

Ein Konzert zu Ehren von Papst Benedikt XVI.

 

Zu Ehren von Papst Benedikt XVI. und zum vierten Jahrestag seiner Wahl hat der italienische Pr�sident Giorgio Napolitano am Donnerstag Abend ein Konzert im Vatikan gegeben. Symphonie-Orchester und Chor �Giuseppe Verdi“ trugen unter der Leitung von Xian Zhang und Erna Gamberini Werke von Haydn, Mozart und Vivaldi vor. Vor der Auff�hrung trafen der Papst und Napolitano kurz zusammen und betraten dann gemeinsam die vatikanische Audienzhalle. In seinem Gru�wort w�rdigte Napolitano den Einsatz des Papstes f�r Frieden und Gerechtigkeit in der Welt. Er dankte ihm besonders f�r seinen j�ngsten Besuch im mittelitalienischen Erdbebengebiet. Die Visite habe die Bev�lkerung der Region getr�stet und sie geistig und menschlich gest�rkt. Weiter �u�erte Napolitano die Hoffnung, dass der Papst bei seiner bevorstehenden Nahostreise wichtige Impulse f�r den Friedensprozess geben m�ge. �Diese lang erwartetete Reise des Papstes ins Heilige Land st�rkt die Hoffnung, dass dort Spannungen und Konflikte �berwunden werden k�nnen, die dieser Region seit Jahrzehnten zusetzen und die internationale Stabilit�t ernsthaft gef�hrden. Wir erhoffen uns von Ihrer Reise, Heiliger Vater, gro�en Erfolg.“ Der Papst dankte dem Staatsoberhaupt und lobte die Darbietung sowie die Auswahl der Musikst�cke, die gut zur Osterzeit passten. Dabei deutete das musikbegeisterte Kirchenoberhaupt die Werke vor dem Hintergrund der Leidensgeschichte und Auferstehung Christi. Die Haydn-Symphonie Nummer 95, die in Moll beginne und in Dur ende, lasse
�..uns an den Weg der Seele denken, der hier von der Violine dargestellt wird und zu Frieden und Gl�cksseligkeit hinf�hrt.“
Die Mozart-Sinfonie Nr. 35 stelle hingegen die Bejahung und Kr�nung des Lebens dar, das �ber den Tod siegt, und der Chor im St�ck �Magnifikat“ von Vivaldi gebe schlie�lich dem Preis Gottes stimmhaften Ausdruck. Beim �Magnifikat“ sei vor allem die Stimme der Jungfrau Maria von Bedeutung. �Das Wort �Magnifikat‛? ist in Marias Gesang enthalten, die aufgrund ihrer Demut von Gott auserw�hlt wurde. �Magnifikat‛? ist dann zum t�glichen Gesang der Kirche geworden, vor allem zur Stunde der Vesper, die zur Meditation �ber den Sinn des Lebens und der Geschichte einl�dt. Ganz deutlich meint �Magnifikat‛? die Auferstehung und den Sieg Christi in dem Moment, da Gott seine Versprechen einl�st und sich seine Barmherzigkeit in ihrer ganzen paradoxen Kraft zeigt.“ In Mozarts Werk �Ave Verum Corpus“ sei, so Benedikt, die Musik schlie�lich zum �Gebet“ geworden, zur �Hingabe an Gott in einem tiefen Sinn des Friedens“. Aufgef�hrt wurden die Symphonie Nummer 95 von Joseph Haydn, die Haffner-Symphonie und das �Ave Verum Corpus“ von Wolfgang Amadeus Mozart sowie das �Magnifikat“ von Antonio Vivaldi. Bereits im letzten Jahr hatte Giorgio Napolitano zum Jahrestag des p�pstlichen Amtsantritts im Vatikan ein Konzert gegeben. (rv)

 

 

02.05.09

Papst Benedikt ist der gr��te Verteidiger der Menschenw�rde und der Grundrechte

Mit diesen Worten hat der spanische Kurienkardinal Ca�izares Llovera die Kritik der linken spanischen Partei �Izquierda Unida“ zur�ckgewiesen. Sie hatte die �u�erungen des Papstes zu Aids und Kondomen w�hrend seiner j�ngsten Afrikareise scharf kritisiert. Die Linkspartei verurteilte die Papstworte zum Kondomverzicht scharf und verlangt vom spanischen Kongress, eine Erkl�rung des Papstes zu seiner Haltung einzufordern. Ca�izares betonte demgegen�ber seine vorbehaltlose Unterst�tzung f�r den Papst. (rv)

 

 

03.05.09

Programm der Apost. Reise Papst Benedikt XVI. nach Amman und Israel

 

Freitag, 08.05.2009

 

Rom

09.30

Abflug vom Internationalen Flughafen "Leonardo da Vinci" in Fiumicino (Rom) zum Internationalen Flughafen "Queen Alia" von Amman (Jordanien)

 

Amman

14.30

Begr��ungszeremonie auf dem Internationalen Flughafen "Queen Alia" von Amman

15.30

Besuch des "Regina-Pacis"-Zentrums in Amman

17.40

H�flichkeitsbesuch beim jordanischen K�nigspaar im "Al-Husseinye"-Palast von Amman

 

Samstag, 09.05.2009

07.15

Privatmesse in der Kapelle der Apostolischen Nuntiatur von Amman

 

Berg Nebo

09.15

Besuch der byzantinischen Basilika der Moses-Gedenkst�tte auf dem Berg Nebo

 

Madaba

10.30

Segnung des Grundsteins f�r die Universit�t des Lateinischen Patriarchats von Madaba

 

Amman

11.30

Besuch des Haschemitischen Museums und der Al-Hussein-Bin-Talal-Moschee in Amman

11.45

Begegnung mit muslimischen Religionsf�hrern, dem Diplomatischen Korps und den Rektoren der jordanischen Universit�ten vor der Al-Hussein-Bin-Talal-Moschee in Amman

17.30

Feier der Vesper mit den Priestern, Ordensleuten, Seminaristen und Vertretern der kichlichen Bewegungen in der griechisch-melkitischen Sankt- Georgs-Kathedrale in Amman

 

Sonntag, 10. Mai 2009

10.00

Hl. Messe im Internationalen Stadion von Amman. Regina C�li im Internationalen Stadion von Amman

12.45

Mittagessen mit den Patriarchen, Bisch�fen und dem P�pstlichen Gefolge im Lateinischen Vikariat von Amman

 

Bethany-beyond-the-Jordan

17.30

Besuch der Taufstelle Jesu im Jordan in Bethanien

18.00

Segnung der Grundsteine der dortigen Kirchen der Lateiner und der Melkiten

 

Montag, 11. Mai 2009

 

Amman

07.30

Privatmesse in der Kapelle der Apostolischen Nuntiatur von Amman

10.00

Abschiedszeremonie auf dem Internationalen Flughafen "Queen Alia" von Amman

10.30

Abflug vom Internationalen Flughafen "Queen Alia" von Amman (Jordanien)) zum Internationalen Flughafen "Ben Gurion" von Tel Aviv (Israel)

 

Tel Aviv

11.00

Begr��ungszeremonie auf dem Internationalen Flughafen "Ben Gurion" von Tel Aviv

 

Jerusalem

16.15

H�flichkeitsbesuch beim Staatspr�sidenten von Israel im Pr�sidentenpalast von Jerusalem

17.45

Besuch in der Gedenkst�tte Yad Vashem in Jerusalem

18.45

Begegnung mit Organisationen f�r den interreligi�sen Dialog im Auditorium des "Notre Dame of Jerusalem Center" in Jerusalem

 

Dienstag, 12. Mai 2009

09.00

Besuch des Felsendoms in Jerusalem

 

H�flichkeitsbesuch beim Gro�mufti auf dem Moscheenplatz von Jerusalem

10.00

Besuch der Westmauer in Jerusalem (Klagemauer)

10.45

H�flichkeitsbesuch bei den Oberrabbinern von Jerusalem im "Hechal Shlomo"-Zentrum

11.50

Regina Caeli mit den Ordinarien des Hl. Landes im Abendmahlssaal

12.30

Kurzer Besuch in der Lateinischen Kon-Kathedrale von Jerusalem

13.00

Mittagessen mit den Ordinarien des Hl. Landes, den �bten und dem P�pstlichen Gefolge im Lateinischen Patriarchat von Jerusalem

16.30

Hl. Messe im Josafat-Tal von Jerusalem

 

Mittwoch, 13. Mai 2009

 

Bethlehem

09.00

Begr��ungszeremonie auf dem Vorplatz des Pr�sidentschaftspalastes von Bethlehem

10.00

Hl. Messe auf dem Krippenplatz von Bethlehem

12.30

Mittagessen mit den Ordinarien des Hl. Landes, der Franziskaner-Kommunit�t und dem P�pstlichen Gefolge im Kloster "Casa Nova" von Bethlehem

15.30

Privater Besuch in der Geburtsgrotte in Bethlehem

16.10

Besuch des Caritas-Baby-Hospital in Bethlehem

16.45

Besuch im Aida-Fl�chtlingslager in Bethlehem

18.00

H�flichkeitsbesuch beim Pr�sidenten der Pal�stinensischen Autonomiebeh�rden im Pr�sidentenpalast von Bethlehem

18.40

Abschiedszeremonie im Hof des Pr�sidentenpalastes von Bethlehem

 

Donnerstag, 14. Mai 2009

 

Nazareth

10.00

Hl. Messe am "Mount of Precipice" in Nazareth

12.30

Mittagessen mit den �rtlichen Ordinarien, der Gemeinschaft der Franziskaner und dem P�pstlichen Gefolge im Franziskaner-Kloster von Nazareth

15.50

Begegnung mit dem israelischen Ministerpr�sidenten im Franziskaner-Konvent von Nazareth

16.30

Gru� an die religi�sen Galil�as im Auditorium des Verk�ndigungsheiligtums von Nazareth

17.00

Besuch der Verk�ndigungsgrotte von Nazareth

17.30

Feier der Vesper mit den Bisch�fen, Priestern, Ordensleuten, Vertretern der kirchlichen Bewegungen und den pastoralen Mitarbeitern von Galil�a in der Oberkirche der Verk�ndigungsbasilika von Nazareth

 

Freitag, 15. Mai 2009

 

Jerusalem

07.30

Privatmesse in der Kapelle der Apostolischen Delegation von Jerusalem

09.15

�kumenisches Treffen im Thronsaal des Sitzes des Griechisch-Orthodoxen Patriarchats von Jerusalem

10.15

Besuch der Grabeskirche von Jerusalem

11.10

Besuch der Armenischen Patriarchalkirche St. Jakob von Jerusalem

 

Tel Aviv

13.30

Abschiedszeremonie auf dem Internationalen Flughafen "Ben Gurion" von Tel Aviv

14.00

Abflug vom Internationalen Flughafen "Ben Gurion" von Tel Aviv (Israel) zum Flughafen Ciampino (Rom)

 

Italien/Rom

16.50

Ankunft auf dem Flughafen Ciampino

 

 

04.05.09

Lombardi: Kein Papst-Abstecher nach Bagdad

Noch vier Tage bis zur Papstreise ins Heilige Land - der Pressesprecher des Vatikans ist an diesem Montag das Programm der Reise mit den Journalisten einmal Punkt f�r Punkt durchgegangen. Dabei machte Jesuitenpater Federico Lombardi deutlich, dass Benedikt in erster Linie als Pilger kommt - und dass sein Besuch vor allem den Christen des Heiligen Landes gilt. Einmal an diesem Vormittag kann sich der Leiter des Vatikanischen Pressesaals das Lachen nicht verkneifen: als er auf Agenturenberichte angesprochen wird, dass der Papst unangek�ndigt auch einen Abstecher in die irakische Hauptstadt Bagdad machen werde. �Das scheint mir keine seri�se Meldung“, sagt Lombardi dann. Eine Art Enth�llung hat der Jesuit dann aber doch f�r die Journalisten: dass n�mlich - was viele nicht wissen - der jetzige Papst Israel schon sehr gut kennt, er war n�mlich insgesamt schon dreimal da. �Ein erstes Mal 1964, als er 37 Jahre alt war; dann im Jahr 1992 und schlie�lich 1994. Bei dieser letzten Gelegenheit hielt er auch eine wichtige Rede �ber die Beziehungen zwischen dem Vatikan (oder der Kirche) und Israel.“
Das politische Umfeld dieser Papstreise ist kein einfaches, das wei� man auch im Vatikan. Pater Lombardi spricht von einer �komplexen Reise“. �Inzwischen gab es den neuen Gaza-Konflikt, und wie Sie wissen, ist die Reise ja schon zuvor angek�ndigt worden. Dann gibt es eine neue Regierung, es gibt Spannungen zwischen den Pal�stinensern, Spannungen zwischen dem Iran und Israel, eine neue Au�enpolitik unter Obama - ein ganzes B�ndel also von Gemengelagen, die sich st�ndig �ndern. Die Papstreise ist in diesem Zusammenhang auch ein mutiger Akt. Viele von uns haben sich sicher w�hrend des Gaza-Konflikts gefragt, ob die Reise stattfinden w�rde oder nicht... und dann wurde sie doch best�tigt. Das scheint mir ein sch�nes Zeugnis f�r das Engagement, eine Botschaft des Friedens und der Hoffnung - auch in einer nicht leichten Situation - zu bringen.“ (rv)

 

 

06.05.09

Kardinal Cordes: Hl. Land darf kein Museum werden

Kardinal Paul Josef Cordes h�lt die Papstreise in den Nahen Osten f�r sehr wichtig. Das sagte er an diesem Mittwoch – zwei Tage vor dem Aufbruch Benedikts – gegen�ber Radio Vatikan. �Die Reise ist sicher nicht sehr einfach; sie ist schon jetzt viel kommentiert worden, und ich hoffe auch, dass der Heilige Geist – da bin ich sogar sehr sicher – den Papst leiten wird. Bisher haben wir ja immer erlebt, dass der Heilige Vater, wenn er auch schwierige Reisen durchzuf�hren hatte, wie zum Beispiel in die USA oder nach Frankreich, das richtige Wort gefunden hat und aus den Reisen wirklich eine Chance f�r den Glauben und f�r die Kirche gemacht hat. Das erwarte und erhoffe ich mir auch von dieser Reise.“ Vor allem f�r die Christen im Heiligen Land sei diese Visite Benedikts XVI. �sehr, sehr wichtig“, meint Kardinal Cordes, der das P�pstliche Hilfswerk Cor Unum leitet: �…dass der Heilige Vater dorthin geht, dass er sie best�rkt in ihrem Glauben und in ihrer schwierigen menschlichen Situation – in der Situation des Mangels von Frieden und von Verst�ndnis. Ganz gewiss ist es so, dass durch eine solche Reise die Gl�ubigen dort neu den Wunsch hegen, in diesem Land zu bleiben. Meine gro�e Sorge ist es immer, dass die Christen des Heiligen Landes wegen ihrer schwierigen Lebensumst�nde und der vielen Auseinandersetzungen in der Gefahr sind, das Land verlassen zu wollen. Auf die Dauer w�rde es schrecklich sein, wenn dieses Heilige Land gleichsam ein Museum w�rde: dass nicht mehr die Christen dort selber die Heiligen St�tten verwalten, besuchen und frequentieren, sondern nur noch die Christen aus der ganzen Welt wie zu einem Museum dorthin kommen, um einen Besuch zu machen.“ Insofern sei �diese Reise sehr wichtig, um die Christen zu best�rken in der Notwendigkeit, dort zu leben, wo Jesus gelebt hat, und dort zu bleiben, auch wenn die Umst�nde schwierig sind!“ Kardinal Cordes ging auch auf den interreligi�sen Aspekt der Papstreise an die Heiligen St�tten der drei gro�en monotheistischen Religionen ein. (rv)

 

 

06.05.09

Vatikan f�r Pilger und Neugierige

Als Vatikan-Angestellter hat man unerh�rte Privilegien. Dazu geh�rt etwa ganz schlicht: Man darf in den Vatikan HINEIN. Allerdings d�rfen das auch ganz gew�hnliche Rom-Pilger – vorausgesetzt, sie wissen, wie sie es anstellen. Radio Vatikan-Redakteurin Gudrun Sailer hat nun einen Vatikan-Reisef�hrer vorgelegt, in dem sie praktische Tipps dieser Art mit Geschichte und Alltag im Vatikan verbindet. �Vatikan – Der christliche Reisef�hrer“ hei�t das Buch – und das deutet schon an, dass es hier nicht um die Befriedigung banaler touristischer Neugier geht.  (rv)

 

 

08.05.09

Heilig-Land-Reise: 1. Tag

 

Papst Benedikt XVI. hat an diesem Freitag seine achtt�gige Reise in den Nahen Osten begonnen, bei der er Jordanien, Israel und die autonomen Pal�stinensergebiete besucht. In seiner ersten Rede am Flughafen der jordanischen Hauptstadt Amman sprach sich das Kirchenoberhaupt f�r einen dauerhaften und gerechten Frieden f�r alle Bewohner des Nahen Ostens aus. Sein Besuch solle gute Beziehungen zwischen Christen und Moslems f�rdern. Kurz nach seiner Ankunft besuchte Benedikt XVI. ein Rehabilitationszentrum f�r behinderte Jugendliche. Am sp�ten Nachmittag stattete er dem K�nigspaar einen H�flichkeitsbesuch ab.

H�hepunkte des bis Montag dauernden Aufenthalts von Benedikt XVI. in Jordanien sind am Samstag Vormittag ein Treffen mit Vertretern des Islam und die Sonntagsmesse im Stadion von Amman. Am Montag fliegt der Papst weiter nach Israel. Auf dem Programm stehen in den folgenden Tagen Besuche in der Holocaust-Gedenkst�tte Yad Vashem und an der j�dischen Klagemauer sowie eine Messe mit pal�stinensischen Christen in Bethlehem. Es ist die zw�lfte Auslandsreise des Papstes. Benedikt XVI. selbst bezeichnet seine erste Nahost-Reise als Friedensmission und Pilgerfahrt. (rv)

Jordanien: Benedikt XVI. kommt als �Pilger“
und will �gute Beziehungen zwischen Christen und Moslems f�rdern“

Die erste Reisestation f�r Benedikt ist Amman. Gegen 13.30 mitteleurop�ischer Sommerzeit landete die A321 der italienischen Fluggesellschaft Alitalia mit Benedikt XVI. an Bord auf dem Flughafen der jordanischen Hauptstadt; um 9.50 Uhr war der Papst vom r�mischen Flughafen Fiumicino in Richtung Jordanien aufgebrochen. Das Kirchenoberhaupt wurde auf dem Flughafen vom jordanischen K�nigspaar empfangen. In seiner ersten Ansprache in einem zeltartigen so genannten �K�niglichen Pavillon“ vor der K�nigsfamilie, Politikern und Vertretern gesellschaftlicher Gruppen dr�ckte der Papst seine Freude �ber seinen Besuch in der Region aus – sein erster seit Beginn seines Pontifikats. Er komme als �Pilger“ in ein Land, das f�r Juden, Christen und Moslems �voll von religi�ser Bedeutung“ sei. W�rtlich sagte Benedikt XVI.: �Ich komme als Pilger nach Jordanien. Ich komme, um die heiligen Orte zu verehren, die eine so wichtige Rolle in einigen Schl�sselmomenten der biblischen Geschichte gespielt haben.“ Mit seinem Besuch wolle er dem jordanischen K�nig und der gesamten muslimischen Gemeinschaft seinen Respekt zeigen, so Benedikt in dem Land mit 96 Prozent sunnitisch-muslimischem Bev�lkerungsanteil. Benedikt XVI. lobte Jordaniens �Offenheit“ f�r Religion. Die Errichtung �ffentlicher Gebetsst�tten katholischer Gemeinden zeuge von �Respekt“ f�r die christliche Gemeinschaft. Daf�r sprach Benedikt im Namen aller Katholiken seine Wertsch�tzung aus und betonte zugleich die Bedeutung der Religionsfreiheit weltweit: �Die Religionsfreiheit ist ein grundlegendes Menschenrecht, und es ist meine innige Hoffnung und mein inniges Gebet, dass der Respekt f�r die unver�u�erlichen Rechte und die W�rde jedes Mannes und jeder Frau immer weiter best�tigt und verteidigt werde, nicht nur im Nahen Osten, sondern in allen Teilen der Welt.“ Das B�ndnis zwischen der westlichen und islamischen Welt habe sich in den letzten Jahren verst�rkt. Das sagte der Papst mit Bezug auf die Botschaft von Amman aus dem Jahr 2004, die damals f�r Toleranz und interreligi�sen Dialog warb. Jordanien sei in diesem Prozess treibende Kraft. Benedikt: �Jordanien engagiert sich seit jeher als eines der ersten L�nder f�r die St�rkung des Friedens im Nahen Osten und in der Welt, ermutigt zum interreligi�sen Dialog und unterst�tzt die Anstrengungen, eine gute L�sung f�r den Konflikt zwischen Israel und Pal�stina zu finden. Das Land nimmt die Fl�chtlinge aus dem Irak auf und versucht, den Extremismus zu bremsen.“ Der ehemalige jordanische K�nig Hussein sei mit seinem Einsatz f�r den Frieden in der Region ein Vorbild gewesen, so Benedikt. Sein Engagement und �hnliche Initiativen m�gen eine Fortsetzung finden, so der Papst abschlie�end, und zu �dauerhaftem Frieden“ und �echter Gerechtigkeit“ im Nahen Osten beitragen: �Ich hoffe sehr, dass mein Besuch die gute Beziehungen zwischen Christen und Moslems f�rdern, unsere Liebe f�r den allm�chtigen und barmherzigen Gott sowie unsere gegenseitige br�derliche Liebe wachsen lassen kann.“ (rv)

Jordanien: �K�nig sprach als Freund“
K�nig Abdullah II. hat in seinem Gru�wort an Papst Benedikt XVI. zu einem globalen Dialog in Verst�ndnis und Harmonie aufgerufen. Er erinnerte an die gemeinsamen Wurzeln der monotheistischen Religionen und hob die Bedeutung des Glaubens f�r Verst�ndigung und Frieden hervor. Der K�nig verwies auch auf die Sorge seines Landes wie der katholischen Kirche f�r die heiligen St�tten der Region. Zudem �u�erte er die Hoffnung auf ein friedvolles Zusammenleben im Nahen Osten. Daf�r m�sse es ein Ende der Besetzung f�r das pal�stinensische Volk geben, so Abdullah. F�r unser deutschsprachiges Programm begleitet Stefan von Kempis die Nahost-Reise. Er hat unmittelbar nach der Begr��ungszeremonie mit Pater Bernd Besch vom Lateinischen Patriarchat im Heiligen Land gesprochen; der deutsche Priester betreut auch die lateinischen Christen in Jordanien. �Ich muss ehrlich sagen: Die erste Reaktion war eine Freude. Der K�nig, zu dem unsere Kirche und unsere Kirchenf�hrer ein ausgezeichnetes Verh�ltnis haben, ist wie ein Freund aufgetreten. Er war in seiner Ansprache sehr verbindlich und hat darauf hingewiesen, dass es zwischen Kirche und der muslimischen Welt, die er nat�rlich generell angesprochen hat, auf Harmonie ankommt und dass man daf�r arbeiten und kooperieren will. Bisher haben mich diese ersten Minuten sehr angesprochen und mit Hoffnung erf�llt.“
Die Begr��ung hat in einer Art gro�em Festzelt statt gefunden. Sollte das bereits arabisches Flair vermitteln? �Ja, das scheint so. Gerade in Jordanien haben wir ja noch viele alte Traditionen, Beduinentraditionen. Unser eigener Patriarch stammt aus einer ber�hmten Beduinenfamilie, die erst vor etwa 150 Jahren sesshaft geworden ist. Da sieht man noch sehr viele traditionelle Aufz�ge, auch das Milit�r ist zum Beispiel ist im alten Beduinendress aufgezogen. Und das Zelt ist nat�rlich ein Symbol des Beduinen.“ (rv)

Nuntius: �Jordanien ist Modell“
Papst Benedikt XVI. ist in Jordanien eingetroffen. Der Nuntius im Gastland begr��t laut Protokoll das Kirchenoberhaupt noch in der Maschine. In Amman betrat an diesem Freitag Nuntius Francis Assisi Chullikat die Alitalia-Maschine �Dante Alighieri“. Der Erzbischof wird das Kirchenoberhaupt bis Montag auf allen Stationen in Jordanien begleiten, in der Nuntiatur wird Benedikt XVI. w�hrend seines Aufenthaltes auch wohnen. �ber Ziele und Hoffnungen der Reise sagte der Nuntius im Vorfeld gegen�ber Radio Vatikan: �Dieser Besuch ist sehr wichtig und die ganze Kirche im Heiligen Land hat ihn herbeigesehnt. Seit Beginn des Pontifikats Benedikts XVI. wartet die Kirche im Heiligen Land auf die Mutterkirche. Die Christen durchleben eine schwierige Zeit. Sie brauchen jetzt ein ermutigendes Wort und eine Botschaft der Hoffnung seitens des Papstes und warten sehns�chtig darauf. Sie wissen, dass die Worte des Papstes Fr�chte tragen und auf breites Echo sto�en, nicht nur im Heiligen Land sondern in der ganzen Region. Dieser Besuch ist also auch sehr wichtig, um eine Botschaft des Friedens und der Einheit zu geben, wie es der Papst selbst vor dieser Reise, die er als Pilgerreise definiert, ja mehrmals gesagt hat.“
Die Kirche im Heiligen Land sollte - wie sie es in allen Jahrhunderten getan habe - der Welt Zeugnis von Mut und Glauben geben, so der Nuntius. Die Christen in Jordanien h�tten hier eine besondere Aufgabe, lebten sie doch in einer vergleichsweise ruhigen und friedlichen Welt, so Erzbischof Chullikat. �Die Regierung Jordaniens bem�ht sich um den Frieden im Nahen Osten, vor allem um Auss�hnung im israelisch-pal�stinensischen Konflikt. Die Kirche in Jordanien ist hier sehr aktiv und das friedliche Zusammenleben, das wir hier praktizieren, kann auch ein Zeichen der Hoffnung und der Ermutigung f�r alle christlichen Gemeinschaften in der Region sein. Christen, die hierher kommen, haben keinerlei Einreiseschwierigkeiten. Jordanien nimmt alle Gl�ubigen auf und versucht ihnen entgegen zu kommen. Vor kurzem wurde ein gemeinsamer Rat f�hrender christlicher Geistlicher eingerichtet, um damit die wichtigsten Kirchen, die hier pr�sent sind, offiziell anzuerkennen. Die Regierung �bt solche positiven Gesten gegen�ber den christlichen Gemeinschaften in Jordanien, und das Land k�nnte zum Modell f�r andere L�nder der Region werden.“ (rv)

Papst zu Frieden in Nahost: �Wir sind keine politische Macht“
�Wir sind keine politische Macht, sondern eine spirituelle.“ Das hat Papst Benedikt XVI. bei einem kurzen Pressegespr�ch �ber den Wolken im Flugzeug nach Amman unterstrichen. Die Journalistenfragen kreisten um den Beitrag der katholischen Kirche zum Frieden im Heiligen Land, um den Dialog mit den Juden und den Moslems und um den Exodus der Christen aus der Region. Einzelheiten, zusammengetragen von Gudrun Sailer:

Das Heilige Land – heilig f�r drei Weltreligionen, dennoch Konfliktherd Nummer eins auf der Welt. Was kann der Papst zum Frieden dort beitragen, wollten Journalisten auf dem Flug nach Amman wissen: �Nat�rlich m�chte ich zum Frieden beitragen, nicht als Individuum, sondern im Namen der katholischen Kirche und des Heiligen Stuhls. Wir sind kein politische Macht, sondern eine spirituelle Kraft. Diese spirituelle Kraft kann die Fortschritte im Friedensprozess beg�nstigen.“
Zum einen gehe es da um Gebet: Wenn Millionen von Gl�ubigen beten, geht davon eine Kraft aus, �die beeinflusst“, so der Papst. Au�erdem versuche die Kirche, zur Gewissensbildung beizutragen, sodass Einzelinteressen in den Hintergrund treten vor den wahren Werten. Drittens appelliere die Kirche an die Vernunft. �Eben weil wir keine politische Partei sind, k�nnen wir vielleicht, auch im Licht des Glaubens, die wahren Kriterien besser sehen, die zum Frieden beitragen. Und wir k�nnen auch die wahrhaft vern�nftigen Positionen unterst�tzen – das haben wir bereits getan und wollen es auch in Zukunft tun.“
Zum Dialog mit dem Judentum �u�erte Papst Benedikt Hoffnung f�r die Zukunft - auch wenn es in der Vergangenheit immer wieder zu Missverst�ndnissen gekommen sei. Man habe dieselben Wurzeln, �aber klarerweise, nach 2000 Jahren der getrennten Geschichte, braucht man sich nicht zu wundern, wenn es Missverst�ndnisse gibt. Denn es haben sich verschiedene Traditionen der Interpretation, der Sprache, des Denkens herausgebildet. Es ist ein anderer semantischer Kosmos, in dem dieselben W�rter auf beiden Seiten verschiedene Bedeutungen haben. Wir m�ssen alles tun, um vom anderen zu lernen. Wir haben heute die M�glichkeit, dass die Jugendlichen, die zuk�nftigen Lehrenden der Theologie, in Jerusalem an der Hebr�ischen Universit�t studieren k�nnen, und die Juden haben ihrerseits akademische Kontakte mit uns. So trifft ein semantischer Kosmos auf den anderen, wir lernen voneinander und gehen gemeinsam auf dem Weg des Dialogs. Ich bin sicher, dass wir Fortschritte machen, das wird auch dem Frieden und der gegenseitigen Liebe helfen.“
Weiter stelle Papst Benedikt einen gemeinsamen Aufruf an die drei monotheistischen Religionen in Aussicht - dazu gebe es im Heiligen Land bestimmt Gelegenheit. �Auch der Islam ist entstanden in einem Ambiente, in dem es sowohl das Judentum als auch verschiedene Zweige des Christentums gab. Diese Umst�nde spiegeln sich in der Tradition des Korans. Wir haben den gemeinsamen Ursprung des Glaubens an den einen Gott. Der ,Trialog’ zwischen Juden, Moslems und Christen muss weitergehen, ist wichtig f�r den Frieden und um gut zu leben, jeder einzelne in seiner Religion.“
Befragt nach dem Exodus der Christen aus dem Heiligen Land, sagte Papst Benedikt, er wolle die Gl�ubigen im ganzen Nahen Osten ermutigen, in ihrer Heimat zu bleiben. Sie seien ein wichtiges kulturelles Element in ihren L�ndern. Konkret unterhalte die katholische Kirche im Heiligen Land besonders Spit�ler und Schulen. �Unsere Schulen bilden eine Generation heran, die die M�glichkeit haben wird, im �ffentlichen Leben pr�sent zu sein. Wir schaffen auch eine katholische Universit�t von Jordanien, das scheint mir eine gro�e Perspektive, wo sowohl junge Moslems als auch Christen studieren werden. Diese christliche Elite wird besonders am Frieden arbeiten. Auf diese Weise gibt es eine �ffnung zur Zukunft.“ (rv)
 

Papst vor Jugendlichen: �Ich bin f�r Einheit und Frieden gekommen“
�Ich bin mit der Absicht gekommen, f�r Einheit und Frieden in Nahost zu beten.“ Das sagte Benedikt XVI. an diesem Freitagnachmittag bei seinem Besuch in dem Rehabilitationszentrum f�r behinderte Jugendliche �Regina Pacis“ in der jordanischen Hauptstadt Amman. In der Hauskapelle w�rdigte Benedikt vor hohen Kirchenvertretern aus der Region, den Mitarbeitern des Zentrums und zahlreichen Jugendlichen die wichtige Arbeit des Zentrums. �Regina Pacis“ sorgt f�r die pastorale Begleitung und soziale Integration behinderter junger Menschen. Bei dieser ersten Reiseetappe ging das Kirchenoberhaupt noch einmal auf die Ziele seiner achtt�gigen Pilgerreise in Jordanien und dem ganzen Heiligen Land ein:

�Meine lieben Freunde, ich komme nicht - wie die Pilger von einst - mit Geschenken und Angeboten. Ich komme ganz einfach mit einer Absicht, einer Hoffnung: um f�r das wertvolle Geschenk der Einheit und des Friedens zu beten, vor allem f�r den Nahen Osten. Frieden f�r jeden Einzelnen, f�r Eltern und Kinder, f�r Gemeinschaften, Frieden f�r Jerusalem, f�r das Heilige Land, f�r die Region, Frieden f�r die ganze Menschheitsfamilie; ein dauernder Frieden, der aus Gerechtigkeit, Integrit�t und Mitgef�hl hervorgeht, ein Frieden, der aus Demut, Vergebung und dem tiefen Bed�rfnis heraus geboren wird, harmonisch zusammen zu leben.“
Die Ansprache des Papstes galt aber vor allem den leidgepr�ften Jugendlichen des �Regina-Pacis-Zentrums“. Oft sei es schwierig, die Gr�nde f�r emotionale wie k�rperliche Schmerzen zu begreifen. Doch der Glaube an Gott k�nne helfen, �ber den eigenen Horizont hinaus zu schauen und neue Hoffnung zu sch�pfen. Daf�r seien die Jugendlichen des Zentrums ein leuchtendes Beispiel, so der Papst:

�Meine lieben jungen Freunde! Euch ganz besonders m�chte ich sagen, dass ich in Eurer Mitte die St�rke Gottes f�hle. Die harten Pr�fungen, die ihr erduldet habt, die Barmherzigkeit, die Euch widerfahren ist und Eure Entschlossenheit, die H�rden zu �berwinden, denen ihr begegnet, best�rken mich in meinem Glauben, dass Leiden Ausgangspunkt f�r einen Wandel zum Guten sein k�nnen. In unseren eigenen Pr�fungen und indem wir anderen in ihren Pr�fungen beistehen, erfahren wir das Wesen unserer Menschlichkeit. Wir werden dadurch sozusagen menschlicher. Und dabei lernen wir auch auf einer anderen Ebene, dass auch Herzen, die von Zynismus, Ungerechtigkeit oder Unvers�hnlichkeit verh�rtet sind, nie jenseits der Reichweite Gottes liegen, sondern dass sie immer wieder f�r eine neue Lebensweise und Friedensvision ge�ffnet werden k�nnen.“
Zum Abschluss seiner Rede rief der Papst die Jugendlichen dazu auf, f�r das gute Gelingen seiner Pilgerreise sowie f�r Vergebung und Solidarit�t zu beten, �damit Einheit und Friede in der Welt reiche Fr�chte trage“, so der Papst. - Das �Regina-Pacis“-Zentrum in Amman nimmt sich der Rehabilitation von k�rperlich behinderten Menschen an und bem�ht sich um deren Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Gegr�ndet wurde die Einrichtung vom Weihbischof und Patriarchalvikar f�r Jordanien im Lateinischen Patriarchat von Jerusalem, Salim Sayegh. Der Name des Behindertenzentrums ist mit �K�nigin des Friedens“ zu �bersetzen. (rv)
 

Jordanien: Presseschau zum Papstbesuch
In den jordanischen Medien nimmt Papst Benedikts Pilgerreise in den Nahen Osten schon am Tag seiner Ankunft viel Platz ein. Die wichtigsten Zeitungen des Landes widmeten dem Thema mehrere Artikel mit vielen Fotos, die Benedikt l�chelnd und zusammen mit dem jordanischen K�nig Abdullah II. im Vatikan zeigen. Dem Besuch der heiligen St�tten, vor allem der Taufstelle Jesu in Betanien, wird von allen Zeitungen gro�e Bedeutung beigemessen. Die Reise f�rdere dar�ber hinaus den interreligi�sen Dialog, so das Credo.

Den Papstbesuch in Nahost biete die Gelegenheit, den Dialog der Religionen voranzutreiben, sagt der maronitische Patriarch im Libanon, Kardinal Nasrallah Sfeir, im Interview mit der nationalen Tageszeitung �Addustour“. Auch Jordanien sei ein �Heiliges Land“, so Sfeir, was die �Pilgerfahrt“ des Papstes auch nach Jordanien best�tige. Die nationale Tageszeitung �Al arab Alyawm“ wertet die Papstreise als Benedikts �Bitte um Frieden“ im Nahen Osten. �Alghad“ widmet dem Thema Papstreise eine achtseitige Spezialbeilage. Benedikts �Pilgerfahrt“ unterst�tze Toleranz und Werte, die auch f�r den Islam wichtig seien. Der Papst propagiere mit seiner Reise den Frieden. Auch das Treffen zwischen Benedikt und dem jordanischen K�nig stehe f�r den interreligi�sen Dialog und das friedliche Zusammenleben von Christen und Moslems. In einem Artikel zum arabisch-israelischen Konflikt wendet sich ein islamischer Autor im selben Blatt direkt an den Papst: �Beten wir mit dir, dass diese Reise Fr�chte f�r alle Bewohner des Heiligen Landes haben m�ge, in spiritueller und in ziviler Hinsicht.“ Die Bedeutung des Papstbesuches f�r das christlich-islamische Verh�ltnis und die bilateralen Beziehungen zwischen Jordanien und dem Vatikan unterstrichen der Sprecher der lateinischen Kirche in Amman, Pater Rif’at Bader und der islamische Geschichtsgelehrte Al Majali in einem gemeinsamen Fernsehauftritt. (rv)

 

Heiliges Land erwartet Benedikt XVI. - Eindr�cke unsere Korrespondenten
Benedikt XVI. hat seine Nahost-Reise begonnen – es wird wohl die schwierigste seiner bisherigen Auslandsreisen, denn die Lage der V�lker, der Religionen, der Konfessionen ist im Heiligen Land ausgesprochen verwickelt. F�r das deutschsprachige Programm von Radio Vatikan begleitet Stefan von Kempis die Reise; er schildert seine ersten Eindr�cke.

Der Muezzin ruft zum Gebet �ber der drittheiligsten St�tte des Islam – dem Jerusalemer Tempelberg. Das Gel�nde, das auch dem Judentum und den Christen heilig ist, steht unter jordanischer Verwaltung; um das zu demonstrieren, hat der mittlerweile verstorbene K�nig Hussein erst in den neunziger Jahren die goldene Kuppel des Felsendoms neu decken lassen. Jetzt will der Papst Zugang erhalten zu dem heiligen Ort, auf dem einmal Salomos Tempel stand, wo Jesus betete und Mohammed angeblich in den Himmel auffuhr – und da muss er denn zuerst dem Haschemiten-K�nig in Jordanien seine Aufwartung machen; so hielten es schon seine Vorg�nger. Paul VI. wurde 1964 gar von K�nig Hussein von Amman aus bis an die Mauern von Jerusalem begleitet. Das war drei Jahre, bevor Jordanien die Kontrolle �ber die Westbank an Israel abtreten musste; doch die Schl�ssel zum Tempelberg, die liegen weiter in Amman. Ein Beispiel f�r die komplizierte Gemengelage des Orients, auf die Papst Benedikt trifft.

Das Heilige Land: ein Durcheinander von Grenzen, Mauern, zerstrittenen Riten, feindlichen Gruppen. Heiliges Land, ja – aber keines war so unfriedlich in den letzten hundert Jahren. �Schwer, sich an dieses Klima des Hasses zu gew�hnen“, sagt ein italienischer Priester, der – wie viele Kirchenleute – nur f�r ein paar Jahre hier ist, mit Studentenvisum jeweils f�r ein Jahr. Die Meinungen zum Papstbesuch gehen auch unter Christen vor Ort oft weit auseinander: �Da fahren wir gar nicht erst hin“, sagen einige, die Benedikt etwa �bel nehmen, dass er nicht auch in den pal�stinensischen Gazastreifen reist. Manche nicht-katholische Christen wirken sogar richtig missg�nstig: �Ihr Katholiken seid so reich und zieht mit dem Papstbesuch alle Aufmerksamkeit nur auf euch“, sagen sie. Andere sehen dagegen die Chance, dass die Christen in der Region wenigstens dieses eine Mal nach au�en einig und interessant wirken k�nnen. �Aber sprecht nicht nur von Israel in diesen Tagen des Papstbesuchs“, sagen sie zu uns Journalisten, �sprecht genauso ausf�hrlich auch von Jordanien.“ Denn das Heilige Land ist mehr als �nur“ Israel – auch darauf lenkt Benedikts Reiseroute den Blick. (rv)

 

 

09.05.09

Heilig-Land-Reise: 2. Tag

 

Papst Benedikt in Jordanien: Zweiter Tag im Schnelldurchlauf
Am zweiten Tag seiner Pilgerreise in Jordanien hat Papst Benedikt XVI. bedeutsame christliche und islamische St�tten besucht und eine mit Spannung erwartete Rede vor muslimischen Glaubensf�hrern und Gelehrten gehalten. Er pilgerte am Vormittag zun�chst auf den Berg Nebo und hielt in der dortigen byzantinischen Moses-Gedenkkirche inne. Auf dem 808 Meter hohen Berg mit Blick �ber das Jordantal befindet sich heute auch ein Franziskanerkloster. Anschlie�end fuhr der Papst nach Madaba, die heute f�nftgr��te Stadt Jordaniens. Neben einem Besuch des dortigen christlichen Viertels segnete er den Grundstein der geplanten Universit�t des Lateinischen Patriarchats. Diese erste katholische Universit�t von Jordanien wird voraussichtlich 3.000 Studenten aufnehmen k�nnen. Danach stand ein Besuch der K�nig-Hussein-Moschee auf dem Programm, des gr��ten muslimischen Gebetshauses Jordaniens. Der amtierende K�nig Abdullah II. lie� es ab dem Jahr 2003 f�r seinen Vater erbauen. Vor der Moschee traf Benedikt muslimische Religionsf�hrer, das Diplomatischen Korps und die Rektoren der jordanischen Universit�ten. Begr��t wurde er vom Prinzen Ghazi bin Muhammad bin Talal. Der Prinz war einer der Hauptinitiatoren des im Jahr 2007 von muslimischen Gelehrten verfassten offenen Briefes an den Papst und die christlichen Gemeinschaften, der sich - nach der Regensburger Rede Papst Benedikts - f�r Dialog, politischen und religi�sen Frieden in der Welt aussprach. Am Nachmittag feierte Benedikt XVI. die Vesper mit Priestern, Ordensleuten, Seminaristen und Vertretern der kirchlichen Bewegungen in der griechisch-melkitischen Kathedrale des Heiligen Georg. (rv)

Benedikt vor Moslems: �Gemeinsam gegen Religionsmissbrauch angehen“
Papst Benedikt XVI. hat in einer Rede vor Moslems vor einer �ideologischen Manipulierung der Religion“ gewarnt. Gegen diesen Missbrauch von Religion, der mitunter auch f�r politische Zwecke benutzt werde, sollten Christen und Moslems gemeinsam angehen, sagte Benedikt in Amman. In seiner Rede vor Vertretern des Islam und Diplomaten wandte er sich zudem gegen die Ausgrenzung religi�ser Minderheiten und rief zu Frieden und dem Schutz der Christen besonders im Irak auf. Vor der gr��ten Moschee Jordaniens, der K�nig-Hussein-Moschee in Amman, begr��te Prinz Ghazi bin Muhammad bin Talal den Gast aus Rom. Der Prinz war einer der Hauptinitiatoren des im Jahr 2007 von muslimischen Gelehrten verfassten offenen Briefes an den Papst und die christlichen Gemeinschaften. In diesem Schreiben sprachen sich die Islamgelehrten – nach der Regensburger Rede Papst Benedikts – f�r Dialog, politischen und religi�sen Frieden in der Welt aus. In seiner Ansprache �u�erte Papst Benedikt XVI. Sorge dar�ber, dass Religion heute zunehmend als trennendes Element wahrgenommen werde. Die gr��ere Gefahr sei aber, so Benedikt, die �ideologische Manipulierung der Religion“ - manchmal auch �zu politischen Zwecken“. Gegen diesen Missbrauch m�ssten Christen und Moslems gemeinsam angehen. Gemeinsame ethische Grundlage sei dabei die Menschenw�rde. Benedikt: �Gerade wegen der B�rde ihrer gemeinsamen Geschichte, die so oft von Missverst�ndnis gekennzeichnet war, m�ssen Muslime und Christen bestrebt sein, als Gl�ubige erkannt und anerkannt zu werden, die treu beten, die bem�ht sind, die Gebote des Allm�chtigen zu halten und ihnen gem�� zu leben, die barmherzig und mitf�hlend sind, die konsequent alles Wahre und Gute bezeugen, die stets den gemeinsamen Ursprung und die W�rde aller Menschen bedenken, die der H�hepunkt des g�ttlichen Sch�pfungsplans f�r die Welt und die Geschichte bleiben.“  Die beiden gro�en monotheistischen Religionen verst�nden die menschliche Vernunft beide als �Gabe Gottes“, so der Papst. Gemeinsame Herausforderung von Christen und Moslems sei nun, das Potential dieser menschlichen Eigenschaft durch �Glaube und Wahrheit zum Guten heranzubilden“. �Denn wenn die menschliche Vernunft dem�tig zul�sst, dass sie selber vom Glauben gel�utert wird, dann ist sie fern davon, geschw�cht zu werden; vielmehr wird sie gest�rkt, um der �berheblichkeit zu widerstehen und �ber ihre eigenen Grenzen hinauszugreifen. Auf diese Weise wird die menschliche Vernunft ermutigt, ihrem erhabenen Zweck zu folgen, der Menschheit zu dienen, wobei sie unser gemeinsames innerstes Streben zum Ausdruck bringt und den �ffentlichen Diskurs lieber ausweitet, als ihn zu manipulieren oder einzuschr�nken. Daher – weit davon entfernt, den Geist einzuengen – erweitert ein ernsthaftes Festhalten an der Religion den Horizont menschlichen Verstandes.“ Religion leiste in Jordanien bereits einen �konstruktiven Beitrag“ zu Erziehung und Kultur, so der Papst. Positive Bespiele daf�r seien das Rehabilitationszentrum �Regina Pacis“ sowie die Madaba-Universit�t f�r Muslime und Christen. Auch die Arbeit des �K�niglichen Instituts f�r Interreligi�se Studien und Islamisches Denken“ sowie die von muslimischen Gelehrten verfasste �Amman Message“ aus dem Jahr 2004 seien wichtige Schritte: �Solche Initiativen f�hren klar zu einer tieferen gegenseitigen Kenntnis und f�rdern eine zunehmende Achtung sowohl vor dem, was wir gemeinsam haben, als auch vor dem, was wir unterschiedlich sehen. Sie sollten daher Christen und Muslime dazu veranlassen, die wesentliche Beziehung zwischen Gott und seiner Welt noch gr�ndlicher zu erforschen, so dass wir miteinander bestrebt sein m�gen sicherzustellen, dass die Gesellschaft mit der g�ttlichen Ordnung in Harmonie mitschwingt.“ Abschlie�end gr��te Benedikt den anwesenden Patriarchen von Bagdad, Emmanuel III. Delly, und rief zu Frieden und den Schutz der Christen im Irak auf. Zusammen mit der Internationalen Gemeinschaft m�sse, so Benedikt, �alles, was m�glich ist“ f�r ein friedliches Zusammenleben der Religionen zu garantieren. In seiner Rede bekr�ftigte der Prinz Bin Talal die Notwendigkeit eines friedlichen Dialogs zwischen Muslimen und Christen. Das �positive Beispiel Jordanien“ m�sse jedoch auch in L�ndern gelten, in denen Muslimen in der Minderheit seien. Bin Talal: �Wir hoffen, dass der einmalige jordanische Geist der Harmonie zwischen den Religionen den gegenseitigen Respekt der Religionen f�rdert und der ganzen Welt ein Beispiel ist. Heiliger Vater, m�gen Sie dieses Beispiel auch in Regionen wie Mindanao oder bestimmte Teile des subsaharischen Afrika tragen, wo muslimische Minderheiten von christlichen Mehrheiten unterdr�ckt werden - ebenso wie in andere Weltgegenden, wo das Gegenteil der Fall ist.“ (rv)

Benedikt w�nscht Vers�hnung zwischen Christen und Juden
An einem Ort, der Christen wie Juden heilig ist – dem Berg Nebo – hat Papst Benedikt dazu aufgerufen, alle Hindernisse auf dem Weg der Vers�hnung zwischen Christen und Juden zu �berwinden. Ein �unzertrennbares Band“ verbindet die Kirche mit dem j�dischen Volk, sagte Benedikt XVI. auf dem Berg Nebo. Vor seiner Begegnung mit den muslimischen Gelehrten pilgerte das Kirchenoberhaupt am Samstagmorgen an diesen Ort, von dem Mose - der Tradition zufolge - zum ersten Mal das gelobte Land sah. Das Gedenken an Mose lade dazu ein, auch mit Glauben und Hoffnung in die Zukunft mit Gott zu blicken, so Papst Benedikt. �Auf den Spuren der Propheten, der Apostel und der Heiligen sind wir berufen, mit dem Herrn zu gehen, seine Sendung weiterzutragen, f�r die Frohbotschaft von Gottes allumfassender Liebe und von seinem Erbarmen Zeugnis zu geben. Wir haben den Auftrag, durch unsere N�chstenliebe, unseren Dienst an den Armen und unser Bem�hen, Sauerteig der Vers�hnung, der Vergebung und des Friedens in der Welt um uns zu sein, zum Kommen des Reiches Christi beizutragen.“ �Jeder von uns“, so der Papst, habe eine Berufung empfangen. In Treue zur dieser Berufung sollten die Christen helfen, die Wege des Herrn zu ebnen, so Benedikt. Abermals erinnerte der Papst an die Nahbeziehung der Kirche zum Judentum. �Die alte Tradition der Pilgerfahrt zu den heiligen St�tten erinnert uns auch an das unzertrennbare Band zwischen der Kirche mit dem j�dischen Volk. Von Anfang an hat die Kirche in diesen L�ndern in ihrer Liturgie der gro�en Gestalten der Patriarchen und Propheten gedacht, als Zeichen ihrer gro�en Wertsch�tzung f�r die Einheit der beiden Testamente. Unsere heutige Begegnung schenke uns eine neue Liebe zum Kanon der Heiligen Schrift und ein Verlangen, alle Hindernisse auf dem Weg der Vers�hnung zwischen Christen und Juden in gegenseitiger Achtung und Zusammenarbeit im Dienst des Friedens, zu dem uns das Wort Gottes ruft, zu �berwinden!“ (rv)

Der Berg Nebo: Bis heute ein heiliger Ort
Papst Benedikt besuchte an diesem Samstag die byzantinische Basilika der Moses-Gedenkkirche auf dem Berg Nebo. Von dem 808 Meter hohen Berg �berblickte Moses einst das Gelobte Land. Er geh�rt zu den wichtigsten heiligen St�tten �stlich des Jordan. Heute befindet sich auf dem Berg, am Grab von Moses, ein Franziskanerkloster. Zusammen mit der Taufstelle Jesu, die der Papst am Sonntag besuchen wird, ist der Berg Nebo eine der bedeutendsten heiligen St�tten �stlich des Jordans. Pater Claudio Bottini, Dekan der Fakult�t Biblische Studien und Arch�ologie in Jerusalem, im Gespr�ch mit Radio Vatikan: �Der Berg Nebo ist wirklich einer der eindr�cklichsten Orte. Nicht nur weil wir hier an Moses zur�ckdenken, wie er das Heilige Land, das Gelobte Land, betrachtet, das er nicht betreten kann. Sondern auch in Bezug auf die christliche, gut dokumentierte antike Tradition seit dem vierten, f�nften Jahrhundert: In dieser Zeit entstand auf dem Berg Nebo eine kl�sterliche Siedlung rund um die St�tte, die als das Grab von Moses erhalten und verehrt wurde.“ Mit seinem Besuch wolle der Papst auch an die Notwendigkeit des Glaubens erinnern. Bottini: �Ich denke, dass der Papst mit dem Besuch dieses Ortes an ein grundlegendes Ereignis der biblischen Geschichte erinnern will: Moses betrachtet von hier aus das Heilige Land, ohne es betreten zu k�nnen. Nach der biblischen Tradition und nach sp�teren Interpretationen hat dies mit seinem fehlenden Glauben zu tun. Das ist bedeutsam, denn es geht hier um das Versprechen, das Gott gibt, auf das der Mensch jedoch mit der Freiheit des eigenen Glaubens antworten soll. Und dann ist dieser Ort mit der Erinnerung an Ereignisse verkn�pft, von denen das Alte Testament erz�hlt, und wurde in j�ngerer Zeit wiederentdeckt: Im Jahr 1933 gelang es dem Franziskanerorden mit der Besiedlung des Berges Nebo, hier die christliche Tradition wieder aufleben zu lassen und eines der sch�nsten Heiligt�mer zu errichten.“ (rv)

Jordanien: Papst besucht zuk�nftige Universit�t von Madaba
Bildung ist ein wirksames Mittel des Friedens und Dialogs – das unterstrich Papst Benedikt am Samstag beim Besuch der geplanten Universit�t des Lateinischen Patriarchats in Madaba. Nach Durchquerung des christlichen Viertels segnete der Papst auf der Baustelle der Universit�t den Grundstein des zuk�nftigen Lehrstuhls. Bis zu 3.000 Studierende sollen hier eine Ausbildung erhalten. In seiner Rede dankte Benedikt dem lateinischen Patriarchen von Jerusalem Fouad Twal. Er w�rdigte den Einsatz des K�nigreichs Jordanien und der christlichen F�rderer f�r die Verbesserung des Bildungswesens im Land. Bildung bringe die Studenten mit ihrem eigenen kulturellen Erbe in Kontakt, die Universit�t sei �Ort des Dialogs“: �Das Ergebnis dieses Prozesses ist eine Universit�t, die nicht nur eine Plattform f�r die Festigung der Bindung an Wahrheit und an die Werte einer gegebenen Kultur, sondern einen Ort des Verst�ndnisses und des Dialogs darstellt. Indem sie ihr eigenes Erbe in sich aufnehmen, werden junge Jordanier und andere Studenten der Region zu einer tieferen Kenntnis der Errungenschaften der Menschheit gef�hrt, bereichert durch andere Standpunkte und in Verst�ndnis, Toleranz und Friede geformt.“ Der Glaube an Gott unterdr�cke nicht die Suche nach der Wahrheit, sondern ermutige sie, so der Papst. Erziehung bedeute Vertrauen in die �Gabe der Freiheit“. Doch dieses Vertrauen k�nne auch entt�uscht werden, wandte das Kirchenoberhaupt mit Blick auf religi�sen Fanatismus ein. Benedikt: �Selbstverst�ndlich kann die Religion, wie Wissenschaft und Technologie, wie Philosophie und alle Ausdrucksweisen unserer Suche nach der Wahrheit, verzerrt werden. Religion wird entstellt, wenn sie in den Dienst der Ignoranz oder des Vorurteils, der Geringsch�tzung, der Gewalt oder des Missbrauchs gedr�ngt wird. Hier sehen wir nicht nur eine Entstellung der Religion, sondern auch eine Korrumpierung der menschlichen Freiheit, eine Verengung und Blindheit des Denkens.“ Die �Aneignung und rechte Anwendung des Wissens“ k�nne durch einen �reifen Glauben“ geleitet werde, so Benedikt mit Bezug auf den Konzilstext des Zweiten Vatikanums Wissenschaft ohne �ethische Weisheit“ sei n�mlich orientierungslos: �Sie kann nicht alle Fragen �ber den Menschen und seine Existenz beantworten. In der Tat, die menschliche Person, ihr Platz und ihr Sinn im Universum lassen sich nicht in den Grenzen der Wissenschaft erfassen. �Die zu erstrebende Vollendung der Vernunftnatur der menschlichen Person ist die Weisheit, die den Geist des Menschen sanft zur Suche und Liebe des Wahren und Guten hinzieht‛? (Gaudium et spes, 15). Der Gebrauch wissenschaftlicher Kenntnisse ben�tigt das Orientierungslicht der ethischen Weisheit.“ Bereits der Eid des Hippokrates sowie die Allgemeine Erkl�rung der Menschenrechte von 1948 und die Genfer Konvention seien von dieser �ethischen Weisheit“ inspiriert gewesen, so Benedikt. Auch die zuk�nftige Universit�t in Madaba verbinde das �Streben nach Wahrheit mit der Suche nach dem Guten“. Einen besonderen Appell richtete Benedikt abschlie�end an die christlichen Studenten Jordaniens und der Nachbarregionen. Sie seien berufen, �Bauleute einer gerechten und friedlichen Gesellschaft zu sein“, die sich aus �Menschen mit verschiedenem religi�sen und ethnischen Hintergrund“ zusammensetze. (rv)

Benedikt w�rdigt Vielfalt der katholischen Ostkirchen
Einen ersten �kumenischen Akzent seiner Reise hat Papst Benedikt XVI. an diesem Samstag Nachmittag gesetzt. In der griechisch-melkitischen Sankt Georgs-Kathedrale feierte er die Vesper mit Oberh�uptern der im Orient pr�senten katholischen Kirchen – Maroniten, Syrer, Armenier und Chald�er -, mit Ordensleuten und Laien. Zu manchen Zeiten habe es zwischen der katholischen und den Ostkirchen �theologische Auseinandersetzungen“ oder auch Unterdr�ckung gegeben, andere Epochen aber waren �Perioden reicher kultureller Neubelebung, zu der die Christen des Ostens wesentlich beigetragen haben“, so der Papst. �Die Teilkirchen innerhalb der Weltkirche bezeugen die Dynamik ihrer irdischen Pilgerschaft und offenbaren allen Gl�ubigen einen Schatz an geistlichen, liturgischen und kirchlichen Traditionen, die auf Gottes umfassende G�te verweisen.“ Der Papst w�rdigte das apostolische Wirken der christlichen Gemeinden in Jordanien mit ihren Bildungsanstalten, Waisenh�usern, Alten- und Fl�chtlingsheimen, Kliniken und Kulturinitiativen. Diese Gegenwart in der Gesellschaft sei �ein wunderbares Zeichen der Hoffnung“, das �weit �ber die Grenzen unserer eigenen christlichen Gemeinden hinausreicht“. �So oft entdeckt ihr, dass die Familien anderer Religionen, mit denen ihr zusammenarbeitet und euren Dienst der universalen N�chstenliebe tut, Sorgen und N�te haben, die religi�se und kulturelle Grenzen �berschreiten.“ Besonders deutlich werde das in Bezug auf die Hoffnungen und Bestrebungen von Eltern f�r ihre Kinder.�Welche Eltern oder welcher Mensch guten Willens k�nnte nicht besorgt sein wegen der negativen, in unserer globalisierten Welt so sehr um sich greifenden Einfl�sse, einschlie�lich der destruktiven Elemente in der Unterhaltungsindustrie, welche die Unschuld und die Sensibilit�t der schwachen und jungen Menschen so gewissenlos ausnutzt? Doch wenn ihr eure Augen fest auf Christus richtet, auf das Licht, das alles �bel vertreibt, die verlorene Unschuld zur�ckgibt und irdischen Stolz erniedrigt, werdet ihr eine gro�artige Vision der Hoffnung aufrechterhalten f�r alle, denen ihr begegnet und denen ihr dient.“ Besonders die jungen jordanischen Christen rief der Papst dazu auf, ihren �weisen, wohl abgewogenen und respektvollen Beitrag zum �ffentlichen Leben des K�nigreiches“ zu leisten. (rv)

Jordanien/Heiliges Land: Katholische Kirche in Zahlen
In Jordanien und Israel inklusive der Pal�stinensergebiete leben die Katholiken heute als kleine Minderheit. Ihre Bildungseinrichtungen und Spit�ler allerdings haben eine gro�e Bedeutung f�r die gesamte Bev�lkerung. In Jordanien sind von den etwa 5.700.000 Einwohnern 1,9 Prozent katholisch. Es gibt insgesamt 65 Gemeinden mit 59 Di�zesanpriestern, 44 Ordenspriestern und einem st�ndigen Diakon. Damit kommt auf rund 1.000 Katholiken ein Priester. Vier Bisch�fe gibt es in Jordanien, und derzeit nur sieben Seminaristen. An kirchlichen Einrichtungen stehen fast 100 Kinderg�rten und Grundschulen sowie 26 weiterf�hrende Schulen offen, an denen 30.000 Jungen und M�dchen ausgebildet bzw. betreut werden. Au�erdem gibt es zwei katholische Krankenh�user, eine Ambulanz und drei Rehabilitationszentren. In Israel und den Pal�stinensergebieten sind von den gesamt 7.200.000 Einwohnern 1,8 Prozent katholisch. Es gibt insgesamt 78 Gemeinden mit 89 Di�zesanpriestern und 317 Ordenspriestern sowie f�nf st�ndige Diakone. Damit ist die �Priesterdichte“ in Israel bzw. den Pal�stinensergebieten deutlich h�her als in Jordanien: Auf einen katholischen Geistlichen kommen hier 320 Katholiken. Dar�ber hinaus gibt es elf Bisch�fe und 124 Seminaristen. Die katholische Kirche betreibt eine Vielzahl an Bildungseinrichtungen: 140 Grundschulen, 42 weiterf�hrende Schulen und zehn Hochschulen bzw. Universit�ten. An ihnen erhalten rund 45.000 Sch�ler bzw. Studierende eine Ausbildung. Au�erdem gibt es in Israel inklusive der Pal�stinensergebiete elf katholische Krankenh�user, zehn Ambulanzen und vier Rehabilitationszentren. (rv)

 

 

10.05.09

Heilig-Land-Reise: 3. Tag

Jordanien: Dritter Tag
Papst Benedikt XVI. hat den dritten Tag seiner Nahostreise mit einer Messe im Sportstadion von Amman begonnen. Die Kirche in Jordanien solle zur St�rkung der Frauen in der Gesellschaft beitragen, sagte der Papst vor rund 30.000 Gl�ubigen. Er ermutigte die Christen, die Pr�senz der Kirche im sich wandelnden Sozialgef�ge der Region aufrechtzuerhalten. Dabei rief er zu einem �kumenischen Miteinander und zur Offenheit gegen�ber Andersgl�ubigen auf. Am sp�ten Sonntagnachmittag besuchte der Papst Betanien. Der Ort liegt am �stlichen Jordanufer und wird seit fr�hchristlicher Zeit als Wirkungsst�tte Johannes des T�ufers verehrt. Laut Johannes-Evangelium wurde Jesus in �Betanien jenseits des Jordan“ getauft. Das Kirchenoberhaupt segnete dort die Grundsteine f�r die Kirchen der lateinischen und melkitischen Christen. Am Montag reist Benedikt XVI. nach Israel weiter, der zweiten Station seiner achtt�gigen Nahost-Reise. (rv)

Papst in Jordanien: �Rolle der Frau st�rken“                                                               Die Messfeier in Amman am Sonntagmorgen war die zahlenm��ig gr��te Veranstaltung des Papstes w�hrend seines Aufenthalts in Jordanien. Als Pilger komme er ins Heilige Land, hatte Benedikt XVI. mehrmals betont; an diesem Sonntag war er in der jordanischen Hauptstadt Pfarrer und Seelsorger. F�r 500 M�dchen und Jungen war die Messe ihre Feier zur ersten Heiligen Kommunion, mehrere Kinder irakischer Fl�chtlingsfamilien empfingen die Eucharistie aus den H�nden des Papstes. Arabische Elemente und klassische Musik erklangen im Gottesdienst. Katholiken aus Nachbarstaaten wie Libanon und Syrien waren angereist. W�hrend der Messe trugen Christen aus unterschiedlichen Landesteilen in traditionellen Gew�ndern Gaben zum Altar. Die Messfeier bringe die �reiche Vielfalt der katholischen Kirche im Heiligen Land zum Ausdruck“, sagte der Papst, der sich - so w�rtlich - �lange nach dieser Gelegenheit gesehnt“ habe. Er wolle die Christen der Region ermutigen, �in Treue zu den altehrw�rdigen Traditionen und zur ruhmreichen Geschichte des christlichen Zeugnisses, die bis in die Zeit der Apostel zur�ckreicht“, auszuharren. �Die hiesige katholische Gemeinde ist zutiefst ber�hrt von den Schwierigkeiten und der Unsicherheit, von denen alle Menschen im Nahen Osten betroffen sind. Ihr sollt niemals die gro�e W�rde vergessen, die eurem christlichen Erbe entspringt, und stets die liebevolle Solidarit�t all eurer Br�der und Schwestern in der Kirche auf der ganzen Welt sp�ren!“ Die Kirche Jordaniens feierte den so genannten �Gute-Hirten-Sonntag“ und erinnerte an die unterschiedlichen Formen der Nachfolge Jesu. Benedikt XVI. w�rtlich: �Jesus ,kennt uns’ – sogar noch tiefer als wir selbst uns kennen –, und er hat f�r jeden von uns einen Plan. Wir wissen auch, dass wir dort, wohin er uns ruft, Gl�ck und Erf�llung, ja unser wahres Selbst finden werden (vgl. Mt 10,39). Heute lade ich die vielen hier anwesenden jungen Menschen ein, dar�ber nachzudenken, wie der Herr euch ruft, ihm nachzufolgen und seine Kirche aufzubauen. Sei es im Priesteramt, im geweihten Leben oder im Sakrament der Ehe: Jesus braucht euch, damit die Menschen seine Stimme h�ren.“ Das Kirchenoberhaupt erinnerte auch an das �Jahr der Familie“ der jordanischen Katholiken, in dem die Rolle der Frau eine wichtige Rolle gespielt habe. Region und Gesellschaft verdankten viel dem karitativen Einsatz der Frauen und ihrem Engagement f�r �den Aufbau des Friedens“. �Bereits auf den allerersten Seiten der Bibel sehen wir, dass Mann und Frau als Abbild Gottes geschaffen und dazu bestimmt sind, einander zu erg�nzen als Verwalter der Gaben Gottes und Partner in der Weitergabe seines Geschenks des Lebens – sowohl des leiblichen als auch des geistlichen Lebens – an unsere Welt. Leider wurde diese gottgegebene W�rde und Rolle der Frau nicht immer hinreichend verstanden und geachtet. Die Kirche und die Gesellschaft als Ganze haben erkannt, wie dringend wir das brauchen, was der verstorbene Papst Johannes Paul II. das ,prophetische Charisma’ der Frauen nannte (vgl. Mulieris dignitatem, 29). Als Botinnen der Liebe, Lehrmeisterinnen der Barmherzigkeit und Erbauerinnen des Friedens bringen sie W�rme und Menschlichkeit in eine Welt, die den Wert einer Person nur allzu oft nach den kalten Ma�st�ben des Nutzens und des Profits bemisst. Dadurch, dass sie die Achtung der Frau �ffentlich bezeugt und die jedem Menschen innewohnende W�rde verteidigt, kann die Kirche im Heiligen Land einen wichtigen Beitrag leisten zur F�rderung einer Kultur wahrer Menschlichkeit und zum Aufbau einer Zivilisation der Liebe.“ Benedikt rief in seiner auf Englisch gehaltenen Predigt zur Zusammenarbeit der verschiedenen christlichen Konfessionen auf und verurteilte erneut jeden Missbrauch von Religion f�r Gewalt. Treue zu den christlichen Wurzeln verlange �eine besondere Art von Mut“: �Den Mut, neue Br�cken zu bauen, um eine fruchtbare Begegnung von Menschen verschiedener Religionen und Kulturen zu erm�glichen und dadurch das Gesellschaftsgef�ge zu bereichern.“ Wer sein Leben f�r andere �hingebe“, k�nne �Gesinnungen entgegenwirken, die es als gerechtfertigt betrachten, unschuldigen Menschen das Leben ,zu nehmen’, aus welchem Grund auch immer“. Auch am dritten Tag seiner Nahostreise wurde das Kirchenoberhaupt in dem mehrheitlich muslimischen Jordanien als willkommener Gast gefeiert: Kinder hielten Fotografien des K�nigs hoch und schwenkten gleichzeitig Vatikanfahnen. Und w�hrend Benedikt XVI. W�rdentr�ger, Politiker und ihre Familien segnete und auf dem Weg von der Altarinsel in Richtung Papamobil minutenlang in der Menschenmenge ausharrte, dirigierte der Chorleiter mit eine Flagge Jordaniens in der Rechten den arabisch-italienischen Sprechgesang: �Benedetto, Benvenuto in Giordania!“ (rv)
 

Papst an jordanische Christen: �F�rdert gegenseitiges Verst�ndnis“
Vergebung und Gro�mut – damit sollten Christen in Nahost ihren Beitrag zu Vers�hnung und Frieden leisten. Dazu forderte Papst Benedikt bei der Grundsteinsegnung zweier katholischer Kirchen in der jordanischen Ortschaft Betanien auf. Nach einem Besuch der arch�ologischen St�tte am �stlichen Jordanufer, die seit fr�hchristlicher Zeit als Wirkungs-Ort Johannes des T�ufers und Jesu verehrt wird, segnete der Papst an diesem Sonntagnachmittag die Grundsteine einer lateinischen und einer griechisch-melkitischen Kirche. Dabei betonte er, der Grundstein einer Kirche sei ein Symbol f�r Christus und damit auch f�r N�chstenliebe, Vers�hnung und Dialog: �F�rdert den Dialog und das gegenseitige Verst�ndnis in der Zivilgesellschaft, besonders wenn ihr eure legitimen Rechte einfordert. Im Nahen Osten, der gezeichnet ist von tragischem und ungerechtem Leiden, von Jahren der Gewalt und der ungel�sten Spannungen, sind die Christen dazu aufgerufen, angespornt vom Beispiel Jesu ihren Beitrag der Vers�hnung und des Friedens durch Vergebung und Gro�mut zu leisten.“ Teil an der feierlichen Grundsteinsegnung nahmen auch der Patriarch von Antiochien f�r die griechisch-melkitische Kirche, Gregorius III. Laham, der lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Fouad Twal, sowie zahlreiche Bisch�fe, Priester, Ordensleute und Gl�ubige beider Teilkirchen. Die neuen Sakralbauten entst�nden an einem aus biblischer Sicht denkw�rdigen Ort, so Benedikt: �Der Prophet Elia, der Tischbiter, stammte aus dieser Region, aus Gilead, nicht weit im Norden. Hier in der N�he, gegen�ber von Jericho, teilte sich das Wasser des Jordans vor Elija, der vom Herrn in einem Feuerwagen entr�ckt wurde (vgl. 2 K�n 2,9-14). Hier hat der Geist des Herrn Johannes, den Sohn des Zacharias, berufen, die Umkehr der Herzen zu predigen. Johannes derEvangelist legt in dieses Gebiet auch die Begegnung zwischen dem T�ufer und Jesus, der bei seiner Taufe durch den Geist Gottes, der wie eine Taube auf ihn herabstieg, �gesalbt“ und als Gottes geliebter Sohn bezeugt wurde (vgl. Joh 1,32; Mk 1,9-11).“ (rv)
 

Vatikansprecher: Zwischenbilanz �sehr positiv“
Am Montag Morgen verl�sst Benedikt XVI. Jordanien und fliegt weiter nach Israel. Die Bilanz dieser ersten Reiseetappe falle �notwendigerweise sehr positiv aus“, sagte Vatikansprecher Pater Federico Lombardi an diesem Sonntag gegen�ber Radio Vatikan: �Der Papst konnte alle vorgesehenen Programmpunkte mit gro�er Gelassenheit absolvieren und ist sehr warmherzig und freundschaftlich empfangen worden, sowohl seitens der staatlichen Autorit�ten und des K�nigspaares, als auch seitens der islamischen Welt und nat�rlich seitens der christlichen Gemeinden. Es erscheint mir weise, diese Reise sozusagen an einem Tor des Friedens begonnen zu haben. Mit Blick auf den ganzen Nahen Osten ist Jordanien derzeit ein grunds�tzlich friedliches Land, und so gestaltete sich meiner Meinung nach der Auftakt dieser Friedensreise besonders positiv.“ Der Besuch des Papstes in der Al-Hussein-Moschee, bereits der zweite Benedikts XVI. in einer Moschee, hinterlasse einen starken Eindruck, so der Vatikansprecher, der den Papst auch bei der so genannten Regensburger Rede und in Istanbul begleitet hatte: �Auf bestimmte Weise wird es immer normaler und nat�rlicher, dass ein Papst in freundschaftlicher Absicht eine islamische Gebetsst�tte betritt. Das ist ein Zeichen des Fortschritts der positiven Beziehungen zwischen Christen und Moslems im Lauf der vergangenen Jahre.“ Die Missverst�ndnisse die im Umfeld der Regensburger Rede und des umstrittenen Mohammed-Zitats von Benedikt XVI. entstanden waren, seien zwar schon seit l�ngerem ausger�umt und �berwunden, so Lombardi. Zahlreiche Klarstellungen habe es gegeben. �Doch wir wissen, dass es nach einem grundlegenden Missverst�ndnis eine Reihe von Schritten und viel Zeit braucht. Es ist also nicht verwunderlich, dass es weiterhin Hinweise auf diesen schwierigen Moment gibt. Doch wir haben seit damals auch positive Erfahrungen gemacht. Prinz Ghazi hat in seiner Ansprache auf Regensburg hingewiesen, aber klar gesagt, dass dieses Kapitel endg�ltig abgeschlossen und �berwunden ist. Au�erdem hat er den Papst als Nachfolger Petri gegr��t, was aus dem Mund eines ranghohen F�hrers der islamischen Welt ein sehr bedeutender Gru� ist.“ Welche Hoffnungen erf�llen den Papst und seine Mitarbeiter vor dem Weiterflug nach Israel? Der Vatikansprecher dazu: �Alle hoffen, dass die Ziele, die der Papst gesteckt und mehrmals benannt hat, auch erreicht werden k�nnen: dass die Reise wirklich eine Botschaft des Friedens und der Vers�hnung sein kann, dass sie den christlichen Gemeinden, die es schwer haben, Mut schenke, dass eine Botschaft der Hoffnung, des Vertrauens und der Liebe einen wirksamen Beitrag leisten kann, um die Lage in der ganzen Region zu verbessern.“ (rv)
 

Eindr�cke: Jerusalem vor der Ankunft Benedikts
Die Royal Jordanien bringt Papst Benedikt am Montag die 103 Kilometer von Amman nach Tel Aviv. Mit dem Hubschrauber geht es weiter nach Jerusalem, um die Mittagszeit wird er dort erwartet. Wie ist einen Tag vor seiner Ankunft der Stand der Vorbereitungen? Das wollten wir von unserem Kollegen vor Ort, Stefan von Kempis, wissen. (rv)
 

Benediktiner: �Besuch in Israel kommt zu fr�h“
Die Beobachter sind sich einig: Papst Benedikts Heilig-Land-Reise ist sein bisher schwierigster Auslandsbesuch – aus politischer wie religi�ser Sicht. Stefan von Kempis hat in Jerusalem mit dem Prior der Benediktinerabtei auf dem Berg Zion gesprochen. F�r Pater Jonas Trageser kommt der Papstbesuch zu fr�h: �Ich h�tte gew�nscht, dass er mit dem Besuch vielleicht noch ein wenig gewartet h�tte, denn es sind viele Dinge auf dem Weg, auch die Vertr�ge zwischen Israel und dem Vatikan. Der Besuch kommt jetzt dazwischen, und ich hoffe, dass uns das nicht einen Keil dazwischen treibt und die Verhandlungen dann wieder auf die lange Bank geschoben werden. Ich habe den Eindruck, dass der Papst jetzt von Israel f�r die Au�enwahrnehmung vereinnahmt wird; das ist ein Aufwind f�r den Tourismus und die Pilger. Ich habe den Eindruck, dass einiges inkludiert und vereinnahmt wird.“ F�r die Christen sei ein Papstbesuch nat�rlich immer mit Hoffnung verbunden, betont der Benediktiner.

�Ich hoffe, mit so viel Hoffnung, dass sie dann auch sagen, das gibt uns Kraft hier zu bleiben und hier auszuhalten, mit all den Spannungen und Konflikten, die es gab, gibt und geben wird.“ Im Vergleich zu einem eigenen Besuch im Oberrabbinat erscheint dem Katholiken die Zeit, die den pal�stinensischen Christen einger�umt wird, zu kurz. Aber Pater Jonas Trageser gibt zu bedenken: �Es geht bei dieser Israel-Visite auch darum, alles was im Vorfeld des Papstbesuchs gewesen ist, nennen wir die Karfreitags-F�rbitte, nennen wir all die Dinge, die das Verh�ltnis zwischen Juden- und Christentum, zwischen dem Vatikan und dem Oberrabbinat schwierig gemacht haben; da muss Klarheit geschaffen werden, die – auch wenn der Papst schon entsprechende �u�erungen gemacht hat – durch so eine pers�nliche Visite anders m�glich wird.“ (rv)

 

 

11.05.09

Heilig-Land-Reise: 4. Tag

 

Vierter Reisetag: Abschied aus Jordanien, Ankunft in Jerusalem
Papst Benedikt XVI. hat zum Auftakt seines Israel-Besuchs der sechs Millionen von den Nazis ermordeten Juden gedacht und zum entschlossenen Kampf gegen den Antisemitismus aufgerufen. Am vierten Tag seiner Nahostvisite hat das Kirchenoberhaupt an diesem Montagvormittag seinen dreit�gigen Jordanien-Besuch beendet und ist nach Israel weitergereist. Am Flughafen von Tel Aviv wurde der Papst von Israels Staatspr�sident Shimon Peres und Regierungschef Benjamin Netanjahu begr��t. Am Nachmittag absolvierte Benedikt XVI. einen H�flichkeitsbesuch am Sitz des Staatsoberhaupts im Westen Jerusalems, seine Ansprache dort verfolgten mehrere hundert Ehreng�ste aus Politik und Religion. H�hepunkt des ersten Besuchstages in Israel war die Visite des deutschen Papstes in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkst�tte Yad Vashem. Die Gedenkst�tte gilt als wichtigstes Mahnmal zum Gedenken der rund sechs Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten Juden. Nach dem Holocaust-Gedenken traf Benedikt mit Vertretern verschiedener Religionen zusammen. In seiner Abschiedsrede auf dem Flughafen von Amman hatte der Papst den �Geist der Offenheit“ gelobt, den er in Jordanien erlebt habe und der ein harmonisches Miteinander verschiedener Ethnien und Religionen im Land erm�gliche. Das �feste Fundament der religi�sen Toleranz“ erlaube es, miteinander in Frieden und in gegenseitiger Achtung zu leben. Am Dienstag wird das Oberhaupt der katholischen Kirche wie schon Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 die j�dische Klagemauer besuchen. Au�erdem stehen unter anderem der Besuch beim Jerusalemer Gro�mufti, im Oberrabbinat und im Abendmahlssaal auf dem Programm. Am Mittwoch wird der Papst in Bethlehem erwartet. (rv)

Yad Vashem: Papst gedenkt Holocaust-Opfer
Papst Benedikt XVI. hat in Jerusalem der von den Nationalsozialisten ermordeten Juden gedacht. Die Leiden der Opfer d�rften niemals geleugnet, heruntergespielt oder vergessen werden, sagte der Papst an diesem Montag in der Holocaust-Gedenkst�tte Yad Vashem. �Ich bin hierher gekommen, um in Stille vor diesem Denkmal innezuhalten, das errichtet wurde, um die Erinnerung an die Millionen Juden zu ehren, die in der entsetzlichen Trag�die der Shoah ermordet wurden.“ Der deutsche Papst sprach w�hrend seines Besuchs mit mehreren Holocaust-�berlebenden; einer von ihnen wird in Yad Vashem auch als �Gerechter unter den V�lkern“ geehrt. Die sechs Millionen Juden h�tten ihr Leben verloren, nicht aber ihren Namen, sagte Benedikt XVI. �M�gen die Namen dieser Opfer niemals verblassen! M�ge ihr Leiden niemals verleugnet, herabgesetzt oder vergessen werden! Und m�gen alle Personen guten Willens dar�ber wachen, vom menschlichen Herzen alles auszurotten, was zu �hnlichen Trag�dien wie dieser f�hren k�nnte!“ Die Namen der Opfer seien eingeschrieben in die Herzen ihrer Angeh�rigen, der �berlebenden Leidensgenossen und all jener, die sich gegen jede Wiederholung solcher Gr�ueltaten einsetzten. Zugleich seien die Namen �f�r immer verankert im Ged�chtnis des Allm�chtigen Gottes“. Benedikt entz�ndete eine Flamme zum Gedenken an die Ermordeten der Konzentrationslager und legte er einen Kranz nieder. Israels Staatspr�sident Schimon Peres und die Leiter der Gedenkst�tte, Avner Shalev und Rabbi Meir Lau, begleiteten den tief bewegten 82-j�hrigen Papst durch die �Halle der Erinnerung“ in Yad Vashem. �W�hrend wir hier in Stille stehen, hallt der Schrei der Opfer in unseren Herzen nach. Es ist ein Schrei, der sich gegen jeden Akt der Ungerechtigkeit und Gewalt erhebt. Es ist eine bleibende Anklage gegen das Vergie�en unschuldigen Blutes.“ Die katholische Kirche �empfindet tiefes Mitgef�hl f�r die Opfer, an die hier erinnert wird“, betonte der Papst. Auf dieselbe Weise stelle sie sich heute an die Seite derer, die wegen Rasse, Hautfarbe, ihrer Lebensbedingungen oder Religion verfolgt w�rden. �Als Bischof von Rom und Nachfolger des Apostels Petrus bekr�ftige ich wie meine Vorg�nger die Verpflichtung der Kirche, unerm�dlich zu beten und zu wirken, damit der Hass nie mehr in den Herzen der Menschen regiert“, so das Kirchenoberhaupt. (rv)

Ein deutscher Papst in Yad Vashem: Eindr�cke vom Holocaust-Memorial
Stefan von Kempis schickte uns vor dem Eintreffen des Papstes dort einen Bericht �ber den Ort, der f�r das Selbstverst�ndnis des Staates Israel steht wie sonst nur noch die Klagemauer und die Ruinen von Massada. (rv)

Yad Vashem: Mit welchen Holocaust-�berlebenden sprach der Papst?
Bei seinem Besuch der Holocaust-Gedenkst�tte Yad Vashem hat Papst Benedikt XVI. an diesem Montag auch �berlebende des Holocaust getroffen. Die Verantwortlichen der Israelischen Beh�rde haben vier Frauen und drei M�nner ausgew�hlt und dabei Wert gelegt auf ihre unterschiedlich verlaufene Geschichten. (rv)

Papst in Israel: Nein zu Antisemitismus, ja zu Zweistaatenl�sung
Bereits bei seiner ersten Rede in Israel hat Papst Benedikt XVI. bestimmte delikate Punkte im Friedensprozess angesprochen. So pl�dierte er f�r die Zweistaatenl�sung mit Pal�stina, erinnerte an die sechs Millionen Opfer des Holocaust, nannte Antisemitismus inakzeptabel, �wo immer er auftritt“, und mahnte ungehinderten Zugang zu den heiligen St�tten f�r Pilger aller Religionen an. Millionen von Pilgern auf der ganzen Welt betrachteten dieses Land als heilig, sagte Papst Benedikt nach seiner Ankunft auf dem internationalen Flughafen von Tel Aviv. Er selbst komme als Pilger, �wie so viele vor mir“, um an den heiligen St�tten zu beten, �ganz besonders f�r den Frieden – Frieden hier im Heiligen Land, und Frieden in der ganzen Welt“. Der Heilige Stuhl und Israel teilen viele Werte, sagte der Papst in seinem Gru�wort vor Staatspr�sident Shimon Peres und hochrangigen Politikern. Besonders unterstrich Benedikt hier den Einsatz �f�r den richtigen Stellenwert von Religion in der Gesellschaft“. Werde n�mlich �die religi�se Dimension der menschlichen Person verleugnet oder an den Rand gedr�ngt“, dann sei �die Basis f�r ein rechtes Verst�ndnis der unver�u�erlichen menschlichen Rechte in Gefahr.“ �Tragischerweise hat das j�dische Volk die entsetzlichen Folgen von Ideologien erfahren, welche die fundamentale W�rde der menschlichen Person verleugnen. Es ist recht und passend, dass ich w�hrend meines Aufenthaltes in Israel die Gelegenheit haben werde, das Andenken von sechs Millionen j�discher Opfer der Shoah zu ehren und daf�r zu beten, dass die Menschheit nie wieder ein Verbrechen solcher Gr��enordnung erleiden muss. Es ist traurig, dass Antisemitismus immer noch in vielen Teilen der Welt sein h�ssliches Haupt erhebt. Das ist vollkommen inakzeptabel. Jede Anstrengung muss unternommen werden, Antisemitismus wo immer er auftritt zu bek�mpfen, und den Respekt und die Wertsch�tzung zu f�rdern f�r jedes Volk, jeden Stamm, jede Sprache und Nation auf der Welt.“ Die gro�en monotheistischen Religionen – Christentum, Judentum, Islam – teilten eine besondere Verehrung speziell f�r Jerusalem, erinnerte der Papst. �Es ist meine ernste Hoffnung, dass alle Pilger die heiligen St�tten frei und ohne Einschr�nkung besuchen k�nnen, dass sie an religi�sen Zeremonien teilnehmen und f�r die Instandhaltung der Andachtsorte sorgen k�nnen.“ Auch wenn Jerusalem �Stadt des Friedens“ bedeute, sei es allzu evident, dass der Friede f�r die Bewohner des Heiligen Landes seit Jahrzehnten tragischerweise ausbleibe, so der Papst. Benedikt erneuerte an dieser Stelle das Ja des Heiligen Stuhles zu einer Zweistaatenl�sung: �Die Hoffnungen zahlreicher M�nner, Frauen und Kinder f�r eine sichere Zukunft h�ngt ab von Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Pal�stinensern. Vereint mit den Menschen guten Willens �berall auf der Welt, bitte ich gemeinsam mit allen Verantwortlichen, jeden m�glichen Weg auf der Suche nach einer gerechten L�sung f�r auftretende Schwierigkeiten zu pr�fen, sodass beide V�lker in Frieden in einer je eigenen Heimat leben k�nnen, innerhalb sicherer und international anerkannter Grenzen“. Benedikt war mit einer Maschine der �Royal Jordanian“ nach Tel Aviv gekommen. Auch in Israel tr�gt der Papst wie gewohnt sein goldenes Brustkreuz. Eine umfangreiche israelische Delegation begr��te mit milit�rischen Ehren das Kirchenoberhaupt am Flughafen, darunter Pr�sident Peres und Ministerpr�sident Benjamin Netanjahu. Auch Peres hob die Friedensmission des Papstes hervor: Seine �Reise im Dienst des Friedens“ solle dazu dienen, �die Saat der Toleranz zu streuen und den Fanatismus mitsamt seiner Wurzeln auszurei�en“. Israel habe Frieden mit seinen mehrheitlich muslimischen Nachbarn �gypten und Jordanien geschlossen und bem�he sich um eine umfassende regionale Friedensl�sung, so Peres. (rv)

Papst trifft Peres: �Einheit und Frieden leben!“
�Meine Pilgerreise zu den Heiligen St�tten steht im Zeichen des Gebets f�r Einheit und Frieden f�r den Nahen Osten und die ganze Menschheit.“ Das bekr�ftigte Papst Benedikt XVI. an diesem Montagnachmittag w�hrend seines H�flichkeitsbesuches bei Israels Staatspr�sident Shimon Peres. An dem feierlichen Empfang im Garten des Pr�sidentenpalais nahmen Vertreter aus Politik sowie j�dische und christliche Geistliche teil. Religionsf�hrer sollten jegliche Art von Trennung und Spaltungen vermeiden. Denn Einheit, Sicherheit, Gerechtigkeit und Frieden geh�rten untrennbar zusammen und seien vor allem ein �Geschenk Gottes“. In einer eher theologisch reflektierenden Ansprache wandte sich Benedikt an Vertreter aus Religion und Politik. Aufgabe der religi�sen F�hrer sei es, �vereint“ und �aus vollem Herzen“ nach Gott zu suchen. Dadurch k�nnten Religionen einen wichtigen Beitrag zu Frieden und sozialer Stabilit�t leisten. Besonders in einer Stadt wie Jerusalem, die seit Jahrhunderten verschiedene Glaubensrichtungen beheimate, seien Juden, Muslime und Christen �als Verehrer des einen Gottes“ aufgefordert, sich f�r ein friedliches Miteinander zu engagieren. Es g�be nur einen Weg zu Werten wie Gerechtigkeit, Einheit und Frieden, so der Appell des Papstes: �Praktiziert sie! Lebt sie!“. Deutliche Worte richtete er auch an die sozialen und politischen Akteure. W�rtlich sagte er: �Kein Individuum, keine Familie, Gemeinschaft oder Nation ist von der Pflicht ausgeschlossen, in Gerechtigkeit zu leben und sich f�r den Frieden einzusetzen. Und selbstverst�ndlich ist auch von den zivilen und politischen F�hrungspers�nlichkeiten zu erwarten, dass sie den Menschen, die sie gew�hlt haben, gerechte und umfangreiche Sicherheit garantieren.“ Diese Ziele seien Teil einer universalen Menschenw�rde. Den �wahren Interessen einer Nation“, so der Papst, sei daher immer gedient �durch das Streben nach Gerechtigkeit f�r alle“. (rv)

Interreligi�ses Treffen: �Unterschiede trennen nicht“
An diesem Montagabend hat Benedikt XVI. das �Notre Dame of Jerusalem Centre“ besucht und dort vor Verantwortlichen f�r den interreligi�sen Dialog gesprochen. Dabei betonte der Papst die Gemeinsamkeiten der Religionen. Die Unterschiede der Kulturen seien keine Hindernisse, sondern eine Herausforderung. �Glaube wird immer innerhalb einer bestimmten Kultur gelebt. Die Religionsgeschichte zeigt uns, dass eine Gemeinschaft w�chst, wenn sie sich Gott best�ndig ann�hert. Die gleiche Dynamik findet sich auch bei den Gl�ubigen der gro�en monotheistischen Traditionen. Verbunden mit der Stimme Gottes, Abraham gleich, antworten wir auf seinen Ruf und begeben uns auf die Suche nach der Erf�llung seines Heilsversprechens, in der Bem�hung, seinen Willen zu tun, w�hrend wir den Weg unserer Kultur gehen.“ Gemeinsam m�ssten sich die unterschiedlichen Religionen der Frage nach ihrem Dienst an den Menschen stellen. Auf diesem Gebiet leistete auch das P�pstliche Institut �Notre Dame of Jerusalem Centre“ einen gro�en Beitrag. Gerade in der komplexen Lebenswirklichkeit von heute m�ssten sich die Religionen als Orientierungshilfe f�r den Menschen erweisen. Benedikt w�rtlich: �Vor diesem Hintergrund, liebe Freunde, sehen wir die M�glichkeiten, welche die Einheit, nicht die Vereinheitlichung, bietet. Manchmal m�gen die Unterschiedenheiten uns im interreligi�sen Dialog wie Barrieren erscheinen, dennoch m�ssen sie nicht die Ehrfurcht und den Respekt f�r das Universelle, das Absolute und die Wahrheit �berschatten, welche die Gl�ubigen dazu animiert, miteinander ins Gespr�ch zu kommen.“ Das Pl�doyer des Papstes, der Hauptertrag seiner Rede? Religion ist nicht unvern�nftig – der gemeinsame Nenner der unterschiedlichen Religionen liegt in der Wahrheit, f�r die sie gemeinsam einzutreten h�tten: �Zusammen k�nnen wir bekennen, dass Gott existiert und erkannt werden kann, dass die Erde seine Sch�pfung ist und wir seine Gesch�pfe sind. Und das Gott alle Menschen dazu aufruft, seine Sch�pfung zu respektieren und anzuerkennen. Freunde, wenn wir an das Kriterium von Urteilskraft und Scharfsinn glauben, das seinem Ursprung nach g�ttlich und allen Menschen gegeben ist, dann d�rfen wir nicht m�de werden, dieses Kriterium in das Zivilleben hineinzutragen. Die Wahrheit sollte allen Menschen offenbar werden, sie dient allen Gliedern der Gesellschaft. Sie erhellt das Fundament von Moral und Ethik und hilft uns, unsere eigenen Beschr�nkungen hinter uns zu lassen und ist der Ausdruck f�r unsre tiefsten gemeinsamen Hoffnungen.“ (rv)

Lombardi: �Nicht vorgesehen“
Bei der Begegnung Papst Benedikts XVI. mit Religionsvertretern in Jerusalem ist es an diesem Montagabend zu Misst�nen gekommen. Einer der muslimischen Vertreter, Scheich Taisir Tamini, hatte auf Arabisch in scharfen Worten Israel angegriffen. Einige Vertreter des Judentums verlie�en daraufhin den Saal des P�pstlichen Instituts Notre Dame. �Die Rede des Scheichs war von den Organisatoren nicht vorgesehen“, erkl�rte Vatikansprecher P. Federico Lombardi im Anschluss. In einer Begegnung, die dem Dialog zwischen den Religionen gewidmet war, sei dies ein Beispiel der Dialogverweigerung gewesen. �Wir w�nschen uns, dass dieser Zwischenfall die Sendung des Papstes nicht belastet und auch dem interreligi�sen Dialog im Heiligen Land nicht schadet“, so Lombardi. “ In mehreren Reden auf dieser Reise habe der Papst betont, er komme mit der Mission, den Frieden und den Dialog zwischen den Religionen zu f�rdern. - Tamimi, der Chef des obersten Scharia-Gerichtes von Pal�stina, hatte bereits an gleicher Stelle im Jahr 2000 f�r einen Eklat gesorgt, als er beim Papstreffen eine polemische Rede gegen Israel hielt und dann unmittelbar die Konferenz verlie�. (rv)

Abschied von Jordanien: �Baut auf religi�se Toleranz“
Papst Benedikt XVI. hat an diesem Montagvormittag seinen dreit�gigen Jordanien-Besuch beendet und ist nach Israel weitergereist. Bei der Abschiedszeremonie auf dem Internationalen Flughafen von Amman dankte das Kirchenoberhaupt K�nig Abdullah II. und der jordanischen Bev�lkerung f�r ihre Gastfreundschaft und fand lobende Worte f�r den �Geist der Offenheit“, den er in Jordanien erlebt habe: �Dieser Geist der Offenheit hilft nicht nur den Mitgliedern verschiedener ethnischer Gemeinschaften in diesem Land, miteinander in Frieden und Eintracht zu leben, sondern hat auch zu den weitsichtigen politischen Initiativen Jordaniens zur F�rderung des Friedens im ganzen Nahen Osten beigetragen.“ In seiner Abschiedsrede lie� Benedikt XVI. noch einmal die einzelnen Etappen seiner Pilgerreise in Jordanien Revue passieren. Neben der Feier der Sonntagsmesse im International Stadium von Amman sei der Besuch in der Al-Hussein-Bin-Talal-Moschee und das dortige Treffen mit muslimischen Religionsf�hrern f�r ihn ein besonderer H�hepunkt gewesen. Dem jordanischen K�nig dankte der Papst besonders f�r seine aufgeschlossene Haltung gegen�ber den christlichen Gemeinden und w�rdigte sein Bem�hen um den interreligi�sen Dialog. Sein abschlie�ender Appell an alle Jordanier: Macht weiter so! �Ich m�chte alle Jordanier, seien sie Christen oder Muslime, ermutigen, auf dem festen Fundament der religi�sen Toleranz aufzubauen, das es den Mitgliedern verschiedener Gemeinschaften erlaubt, miteinander in Frieden und in gegenseitiger Achtung zu leben.“ Auch K�nig Abdullah betonte, es sei �lebenswichtig, dass wir mit Respekt den Dialog fortsetzen, den wir begonnen haben“. Christliche und muslimische Gl�ubige sollten aufeinander zugehen und den �moralischen Reichtum“ ihrer �berzeugungen teilen, so der K�nig, um gemeinsam eine bessere Welt zu schaffen. Im Hinblick auf die Situation der Pal�stinenser betonte er, nur eine Zwei-Staaten-L�sung verspreche dauerhaften Frieden. Dem Kirchenoberhaupt w�nschte Abdullah zum Abschied �bedeutungsvolle und erfolgreiche Begegnungen“ auf seinen folgenden Reiseetappen in Israel und den autonomen Pal�stinensergebieten. Mit einem herzlichen Gru� verabschiedete sich Benedikt XVI. von den Jordaniern: �Wenn ich mich nun verabschiede, dann m�chte ich Sie wissen lassen, dass ich das Volk des Haschemitischen K�nigreiches und alle, die in dieser Region leben, in meinem Herzen trage. Ich bete, dass Sie sich jetzt und f�r kommende Generationen des Friedens und des Wohlstands erfreuen k�nnen. Noch einmal vielen Dank. Gott segne Sie alle!“ Mit einer Maschine der jordanischen Airline Royal Jordanian ist der Papst gegen 9.40 Uhr mitteleurop�ischer Zeit nach Tel Aviv aufgebrochen. Dort wurde das 82-j�hrige Kirchenoberhaupt am Vormittag von Israels Staatspr�sident Shimon Peres und Regierungschef Benjamin Netanjahu auf dem Flughafen in Tel Aviv empfangen. H�hepunkt des ersten Besuchstages in Israel ist der Besuch von Benedikt XVI. in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkst�tte Yad Vashem. (rv)

Presseschau vom Montag: �Mission possible“?
Israelische Zeitungen machen heute auf Seite eins mit der Papstreise auf: Die Fotos zeigen in der Regel Arbeiter bei den letzten Vorbereitungen f�r den Empfang Benedikts. �Papst kommt zu historischem Besuch“, titelt �Ha’aretz“; die Unterzeile tr�umt von einem �Tourismus-Bonanza“. Etwas kritischer als die �Ha’aretz“ wirkt auf den ersten Blick die �Jerusalem Post“: Sie spricht zwar im Titel von einem �Besuch, der Epoche macht“, doch die Unterzeile konzentriert sich schon auf �Meinungsverschiedenheiten �ber Pius XII.“, die �einen Schatten auf den Trip werfen k�nnten“. Interessant die Anzeigen in den zwei gro�en israelischen Zeitungen: Die eine kommt von der �Anti-Diffamations-Liga“, die ganzseitig proklamiert: �Wir teilen die Ziele des Papstes, aus der Welt einen besseren Ort f�r Menschen aller Religionen und Rassen zu machen“. Die andere kommt von einer israelischen Friedensinitiative und hat den Titel �Mission possible“: Sie fordert Papst Benedikt dazu auf, das �Recht Israels auf Frieden in Sicherheit und mit klar festgelegten Grenzen“ zu erw�hnen. In den arabischen, also pal�stinensischen Zeitungen, taucht die Formulierung �Mission possible“ nicht auf, berichtet Stefan von Kempis. (rv)

Vatikansprecher: �Papst nimmt Anteil am Schmerz aller Opfer“
Der Papst halte es f�r seine Pflicht am Schmerz aller Anteil zu nehmen, die aufgrund des Nahost-Konflikts leiden. Das werde er auch in den n�chsten Tagen bei seinem Besuch in Bethlehem in den autonomen Pal�stinensergebieten tun, teilte Vatikansprecher Federico Lombardi an diesem Montagnachmittag in einem Pressekommuniqu� mit. Zuvor hatte der israelische Staatspr�sident Shimon Peres Papst Benedikt bei seinem Empfang im Pr�sidentenpalais die Familie eines entf�hrten israelischen Soldaten vorgestellt. Der 21-j�hrige Gilad Shalit war im Juli 2006 im Gazastreifen von der Hamas verschleppt worden. (rv)

 

 

12.05.09

Heilig-Land-Reise: 5. Tag

Heilig-Land-Reise: Zweiter Tag in Jerusalem
Begegnungen mit Juden und Muslimen stehen im Mittelpunkt des zweiten Besuchstages von Papst Benedikt XVI. in Israel. Am Morgen besichtigte das katholische Kirchenoberhaupt den muslimischen Felsendom in der Jerusalemer Altstadt. Dabei traf er auch mit Gro�mufti Mohammed Hussein zusammen. In seiner Ansprache rief das Oberhaupt der katholischen Kirche dazu auf, die Konflikte der Vergangenheit zu �berwinden. Die Religionen sollten statt dessen einen ehrlichen Dialog f�hren und so zum Aufbau einer friedlichen und gerechten Welt beitragen. F�r 10 Uhr Ortszeit stand der Besuch des Papstes an der j�dischen Klagemauer auf dem Programm. Der Papst verharrte allein und schweigend vor der wichtigsten religi�sen St�tte f�r die Juden. Zuvor hatte er der j�dischen Gebetstradition folgend einen Zettel mit seinem Wunsch an Gott in eine der Mauerfugen gelegt. Im Anschluss besuchte Benedikt XVI. die beiden israelischen Oberrabbiner Jona Metzger und Shlomo Amar und den Abendmahlssaal. Es folgte die Begegnung mit Bisch�fen und Ordensleuten und ein Besuch am Lateinischen Patriarchat von Jerusalem. Es betreut die rund 70.000 r�misch-katholischen Christen im Heiligen Land. Seine Jurisdiktion erstreckt sich �ber das Staatsgebiet von Israel, Jordanien, Zypern und die Pal�stinensischen Gebiete. Am Nachmittag feierte der Papst am Fu� des �lbergs seine erste Messe in Israel unter freiem Himmel und versicherte den bedr�ngten Christen im Heiligen Land die Solidarit�t der ganzen Kirche. �Im Heiligen Land ist Raum f�r alle!“, sagte Benedikt XVI. und rief die staatlichen Autorit�ten dazu auf, die Anwesenheit der Christen im Heiligen Land zu achten und zu unterst�tzen. Am Vorabend hatte der 82-J�hrige die Jerusalemer Gedenkst�tte Yad Vashem besucht und dort der Millionen Juden gedacht, die im Holocaust von den Nationalsozialisten ermordet wurden. In Anschluss traf er mit Vertretern der Religionsgemeinschaften im Land zusammen. (rv)

Papst betet in Stille an der Klagemauer
20 Minuten - �ein historischer Moment“: Benedikt XVI. hat an der Klagemauer in Jerusalem gebetet. Der Papst verharrte allein und schweigend vor der wichtigsten religi�sen St�tte f�r die Juden. Stefan von Kempis berichtet vom Besuch Benedikts XVI. an der Klagemauer: Kurz vor zehn Uhr Jerusalemer Zeit: das Gefolge des Papstes kommt �ber eine Br�cke vom Tempelberg direkt hinunter zur Klagemauer hinunter. Es ist hei� vor der �Western Wall“; der Platz, wo sonst Juden beten und singen, ist ger�umt und wirkt auf einmal sehr leer, �berall sieht man nur Journalisten und Sicherheitsbeamte. Kardinal Bertone und der New Yorker Rabbiner Schneier unterhalten sich angeregt; einige aus dem Papst-Gefolge wirken etwas nerv�s, alle tragen aus Respekt eine j�dische Kippa auf dem Kopf; zwischen den dicken Steinquadern aus der Zeit des Herodes ruht sich eine graue Taube aus. Benedikt kommt in einer schwarzen Limousine vorgefahren; er steigt aus, begr��t den Direktor und den Rabbiner dieses heiligen Orts, er l�chelt etwas verhalten, geht mit schnellen Schritten. Vor der Klagemauer sind zwei Stehpulte aufgebaut; der Rabbiner der Klagemauer, Shmuel Rabinovich, tr�gt mit lauter Stimme auf Hebr�isch einen Psalm vor. Dann ist Benedikt dran; er setzt sich die Lesebrille auf und f�ngt an, auf lateinisch zu lesen, seine Stimme ist leise, anfangs kaum zu verstehen. Der Papst hat sich f�r einen Psalm entschieden, dessen Kernsatz hei�t: �Erbittet f�r Jerusalem Frieden“. Als er geendet hat, h�rt man das Klicken der Lesebrille, als er sie aufs Pult zur�cklegt. Benedikt XVI. geht zur Klagemauer – es ist fast wie eine Heraufbeschw�rung dieses magischen Moments, als vor neun Jahren der kranke Johannes Paul diesen Weg ging. Der Papst schiebt einen gro�en, zusammengefalteten Gebetszettel zwischen die Quader; das gelingt nicht gleich. Dann verharrt er ein paar Minuten, mit gefalteten H�nden, bewegungslos. Kein Kniefall, keine demonstrative Geste. �ber seinem Kopf flattern zwei Schwalben; die Stille wird nur mal von den Rufen einiger Fotografen oder Sicherheitsbeamten unterbrochen. Der Papst dreht sich um, geht zur�ck, die H�nde immer noch gefaltet, und begr��t einige j�dische Rabbiner. Schneier ist da, ein Freund des Papstes, er spricht Benedikt auf deutsch an; ein paar Gespr�chsfetzen lassen sich verstehen, etwa: �dass wir weiterarbeiten“, und dann: �Ich bin mit Ihnen“. Die Atmosph�re, bisher etwas konzentriert-gedr�ckt, lockert sich auf, Schneier macht sogar einen Witz. �Ich bin der Oberrabbiner von Frankreich“, sagt einer der Anwesenden zu Benedikt; ein anderer �berreicht eine kleine Skulptur und ein dickes Buch �ber die Klagemauer, Titel: �Die Steine unseres Erbes ber�hren“. Zwanzig Minuten ungef�hr, dann ist die Visite Benedikts an der Klagemauer vor�ber. Ein historischer Moment, gewiss – auch wenn jede spektakul�re Geste unterblieben ist. Nur 24 Stunden sp�ter wird Benedikt wieder vor einer Mauer stehen – beim Besuch in Bethlehem n�mlich. Und das wird dann wirklich ein neues Bild sein, das es mit Johannes Paul noch nicht gegeben hat – denn die Mauer von Bethlehem, eine Klagemauer ganz anderer Art, steht erst seit ein paar Jahren. (rv)

Jerusalem: Papstansprache am Felsendom
Benedikt XVI. hat an diesem Dienstag den muslimischen Felsendom in der Jerusalemer Altstadt besucht. Dabei traf er mit Gro�mufti Mohammed Hussein zusammen. In seiner Ansprache rief das Oberhaupt der katholischen Kirche dazu auf, die Konflikte der Vergangenheit zu �berwinden. Die Religionen sollten statt dessen einen ehrlichen Dialog f�hren und so zum Aufbau einer friedlichen und gerechten Welt beitragen. Mufti Mohammed Hussein appellierte seinerseits an Benedikt, sich aktiv f�r �ein Ende der Aggression“ Israels gegen die Pal�stinenser einzusetzen. (rv)

Yad Vashem: Gemischtes Echo in Israel
Die Ansprache des Papstes in Yad Vashem st��t auf gemischtes Echo. Der Direktor der Gedenkst�tte, Avner Shalev, sprach unmittelbar nach dem Besuch des Kirchenoberhaupts von einem �wichtigen und positiven Besuch“ sowie �einem Schritt vorw�rts“. Die Ansprache habe gezeigt, dass sich der Papst intensiv mit dem Judentum besch�ftigt habe und sich daf�r interessiere. Allerdings h�tte er sich noch einmal eine Verurteilung des Holocaust wie am Vormittag am Flughafen erwartet, so Shalev. Zudem h�tte der Papst �etwas pers�nlicher“ auftreten und die T�ter benennen k�nnen. Insgesamt sei seine Meinung zu der Rede etwas gespalten. �hnlich �u�erte sich Rabbi Meir Lau. Im israelischen Fernsehen sprach er von einem positiven Aspekt, dass der Papst die Leugnung des Holocaust deutlich verurteilt habe. Der Rabbiner bedauerte jedoch, dass Benedikt XVI. nicht sein tiefes Mitgef�hl, sondern das der katholischen Kirche ausgesprochen habe. �Ich habe ein ,Es tut mir Leid, ich entschuldige mich’ vermisst“, so der Rabbiner. Er sprach vom Gef�hl einer verpassten Gelegenheit. Insgesamt sei es aber ein guter Tag gewesen. Besonders lobte Lau die Rede des Papstes bei dessen Ankunft. Das katholische Oberhaupt hatte sich am ersten Tag seines Besuches in Israel mit klaren Worten gegen das Leugnen oder Verharmlosen des Holocausts gewandt. �M�gen die Namen dieser Opfer niemals ausgel�scht werden! M�gen ihre Leiden niemals geleugnet, verharmlost oder vergessen werden!“ sagte Benedikt. Bereits am Flughafen in Tel Aviv verurteilte er jede Form von Antisemitismus, der �immer noch in vielen Teilen der Welt sein h�ssliches Haupt erhebt. (rv)

Lombardi weist Kritik an Yad-Vashem-Rede zur�ck
Vatikansprecher Pater Federico Lombardi hat die Kritik an der Rede des Papstes in Yad Vashem zur�ckgewiesen. Bereits vor dem Besuch habe Benedikt XVI. die Shoah und Antisemitismus mehrmals verurteilt. Seine besondere Situation als Deutscher sei in Auschwitz Thema gewesen. Nicht in jeder Ansprache k�nnten alle im Bezug auf die Shoah relevanten Themen wiederholt werden, so der Vatikansprecher vor Journalisten. Am Holocaust-Denkmal selbst habe Benedikt XVI. den Fokus auf das Gedenken an die Opfer gelegt. Unwahr seien hingegen Behauptungen, der Papst sei Mitglied der Hitler-Jugend gewesen. �hnliche Behauptungen wies der Vatikansprecher entschieden zur�ck. Auch m�sse er sich nicht als ehemaliger Wehrmachtssoldat f�r den Judenmord entschuldigen. Dass er gegen Kriegsende zusammen mit anderen Seminaristen als Flakhelfer eingezogen worden sei, beruhe nicht auf einer freien Entscheidung. Die Adressaten m�ssten bereit sein, �mit offenem Herzen zu h�ren“, sagte Lombardi im Gespr�ch mit unserem Korrespondenten Stefan von Kempis. Er hat ihn zun�chst nach seinem Eindruck des Papstbesuchs an der Klagemauer gefragt. Lombardi: �Das war ein tiefer Moment des Gebets f�r den Frieden. Der Psalm, den der Papst gew�hlt hat, ist ein Psalm der Pilgerschaft nach Jerusalem im Frieden – und der Wunsch f�r Jerusalem ist Frieden! Auch das Gebet auf dem Zettel, den der Papst in die Klagemauer gesteckt hat, ist ein Gebet f�r den Frieden- f�r Jerusalem als ,Stadt des Friedens f�r alle V�lker’. Diese Reise ist ganz klar eine Pilgerschaft f�r den Frieden – das haben wir auch an der Klagemauer erfahren.“ Es gab allerdings Unfrieden nach der Ansprache des Papstes in Yad Vashem – unter anderem beim Zentralrat der Juden in Deutschland. Was meinen Sie dazu? �Ich war ganz zufrieden mit der Ansprache des Papstes in Yad Vashem! Ich glaube, das Problem ist gar nicht so sehr die Rede des Papstes, sondern die Bereitschaft der H�rer, zu verstehen, was der Papst sagt. Wenn du schon im Kopf hast, was der andere sagen muss, dann bist du praktisch nie zufrieden mit seiner Rede! Aber wenn du bereit bist, das mit offenem Herzen zu h�ren, was der andere dir sagt, dann bist du immer zufrieden. Ich glaube, das ist eigentlich das Problem…“ (rv)

Verhaltene Reaktionen in israelischer Presse
Israels Zeitungen berichten ausf�hrlich �ber den ersten Tag des Papstbesuchs in ihrem Land; Fotos auf den Titelseiten zeigen Benedikt XVI. im Holocaust-Memorial von Yad Vashem. Doch die Reaktionen auf die Papstrede dort sind verhalten bis rundheraus negativ: Die �Ha’aretz“ titelt ��berlebende ver�rgert �ber Benedikts lauwarme Ansprache“. Der Artikel erw�hnt, dass der deutsche Papst in Hitler-Jugend und Wehrmacht war, das aber in Yad Vashem nicht einmal erw�hnt habe. Auch von den Holocaust-�berlebenden, die dem Papst nach seiner Rede kurz die Hand gaben, h�tten einige �gemischte Gef�hle“ ge�u�ert. Die �Ha’aretz“ bringt auf ihrer ersten Seite zwei Kommentare, die an Sch�rfe kaum zu �berbieten sind. Der erste tr�gt die �berschrift �Gleichg�ltigkeit und Banalit�t einer Rede“ und f�hrt aus, man h�tte vom Papst �einen intelligenteren Text erwarten d�rfen“. Vielleicht werde man �in 500 Jahren“ bei einer vatikanischen Archiv�ffnung verstehen, wie es zu einer �so gezwungen wirkenden Ansprache“ kommen konnte. Dabei sei doch eigentlich �nichts einfacher, als echten Horror auszudr�cken, wenn man vom Holocaust spricht“. �Wenn das nicht getan wird, dann, weil da jemand entschieden hat, das nicht zu tun. Keine Kirchenglocke w�re gesprungen, wenn der Papst etwas �ber christlichen Antisemitismus gesagt h�tte… Was er �ber den Holocaust sagte, klang zu kalkuliert, zu diplomatisch und professionell – er empfahl Mitgef�hl, als w�re das eine Art Aspirin.“ Ein weiterer Kommentar auf Seite eins ist etwas milder: �Er hat zu seinen eigenen Leuten gesprochen“, hei�t der Titel. Die Autorin meint, die Worte des Papstes h�tten �noch vor zehn Jahren als mutige Schritte angesehen werden k�nnen“. �Aber heute, nach diesem Vorg�nger, wirkt das wie too little, too late – zu wenig, zu sp�t.“ Erst auf Seite zwei geht die Zeitung auf andere Aspekte der Papstreise ein. Der Artikel zum interreligi�sen Treffen ist unaufgeregt; der Titel hei�t �Papst verl�sst Konferenz, als Moslem Israel des Mordes bezichtigt“. Wie andere israelische und �brigens auch pal�stinensische Medien interpretiert �Ha’aretz“ den Abbruch des interreligi�sen Treffens nach Tamimis Rede als Protest Benedikts gegen die Rede des Scheichs. Eine Karikatur auf Seite vier zeigt Verteidigungsminister Barak als Papst verkleidet, der entschlossen ein Weihrauchfass schwenkt; im Hintergrund stehen einige israelische Politiker in der Uniform der Schweizergarde. Im Vergleich zur �Ha’aretz“ wirkt die �Jerusalem Post“ viel gem��igter: Ihr Titel hei�t �Papst vermeidet knapp eine Entschuldigung in Yad Vashem“. Der Untertitel gibt Worte des Tel Aviver Oberrabbiners Meir Lau wieder: �Etwas hat gefehlt – wenn schon keine Entschuldigung, dann wenigstens ein Ausdruck des Bedauerns.“ Im Artikel hei�t es, die Papstrede sei zwar �mit Bibelzitaten gew�rzt, bezog sich aber nie auf die Nazis und auf alle Streitfragen, die mit dem Holocaust zusammenh�ngen“. Ein kleinerer Aufsatz auf Seite eins titelt dann: �Pal�stinensischer Geistlicher verdirbt p�pstlichen interreligi�sen Abend“, und sehr ausf�hrlich und positiv, mit zahlreichen Fotos, berichtet das Blatt dann auf der zweiten Seite von der Ankunftsrede Benedikts und seinem Treffen mit Pr�sident Shimon Peres. Ausf�hrlich wird dann auch an anderer Stelle das Versprechen des Papstes wiedergegeben, er werde sich f�r die Freilassung des entf�hrten israelischen Soldaten Gilad Shalit einsetzen. Ein kleiner Kommentar erw�hnt, dass das Papstflugzeug beim Abflug aus Jordanien mit der Flagge des Vatikans und Israels verziert war: �Das entsprach zwar dem Protokoll, war aber dennoch ein bemerkenswerter Anblick. Ein islamisches Flugzeug fliegt den katholischen Pontifex in den j�dischen Staat.“ Die �Post“ bringt ansonsten einen langen Aufsatz �ber einen britischen Holocaust-Forscher, der sich sehr kritisch zum derzeitigen Stand der katholisch-j�dischen Beziehungen �u�ert: �So wie die Juden versuchen, einen Zaun um die Tora zu ziehen, zieht der Papst anscheinend einen Zaun um die Kirche.“ Der Forscher beklagt, dass man mit Richard Williamson �einen Antisemiten in die Kirche wiederaufgenommen hat. Bei einem Priester, der eine Homo-Ehe schlie�t, h�tte man das nie gemacht.“ Das Massenblatt �Jedijot Achronot“ spricht von einer �Verpassten Chance des Papstes“. Benedikt habe nicht von �Ermordeten“, sondern nur von �Get�teten“ gesprochen. Im israelischen Radio und Fernsehen kommen �berlebende des Holocaust und Experten zu Wort, die sich verwundert oder entt�uscht �ber den Papst-Auftritt in Yad Vashem zeigen. Die pal�stinensischen Zeitungen berichten hingegen eher positiv �ber den ersten Tag Benedikts in Israel und Pal�stina. Dabei konzentrieren sie sich vor allem auf den �Eklat“ beim interreligi�sen Treffen im Notre-Dame-Zentrum. �Der Vatikan verurteilt die Blitz-Rede von Scheich Tamimi“, hei�t die Schlagzeile der arabischsprachigen �El-Quds“; der Moslemvertreter habe zum Dschihad aufgerufen und Jerusalem als �ewige Hauptstadt Pal�stinas“ bezeichnet, und zwar in �politischer, nationaler und spiritueller“ Hinsicht, schreibt das Blatt. �Israelischer �rger �ber die Worte Tamimis“ – das ist der Titel eines weiteren Aufsatzes; er gibt an, dass das Gro�rabbinat den Dialog mit dem Islam f�r eine Weile boykottieren werde. Auch das israelische Tourismusministerium habe in einer Stellungnahme die Brandrede des Scheichs als inakzeptabel bezeichnet; Tamimi habe dem Einsatz f�r Frieden einen B�rendienst erwiesen, indem er Angst und Hass zwischen Israelis und Pal�stinensern sowie zwischen Angeh�rigen der verschiedenen Religionen gesch�rt habe. Das Blatt hofft, dass sich der Papst am Dienstag bei seinem Besuch in Betlehem zum �Anwalt f�r Gerechtigkeit und Freiheit“ machen wird, und unterstreicht wie auch andere pal�stinensische Medien den Ruf Benedikts nach freiem Zutritt aller Gl�ubigen zu ihren Heiligen St�tten. �El-Quds“ berichtet aber auch �ber den Auftritt Benediks XVI. in Yad Vashem; der Artikel gibt die Kritik und Entt�uschung wieder, die Tel Avivs Oberrabbiner Meir Lau zur Rede des Papstes ge�u�ert hat. �Al-Ayam“ legt hingegen den Akzent darauf, dass Benedikt Antisemitismus verurteilt und Angeh�rige aller Religionen zum Dialog aufgerufen habe; das Blatt zitiert Teile aus der Rede Benedikts am Flughafen, um dann den Kommentar eines ultrarechten j�dischen Knesset-Abgeordneten wiederzugeben. Dieser ruft zum Boykott der Visite auf, weil der Papst den Seligsprechungsprozess von Pius XII. vorantreibe. Mehrere Schas-Politiker seien tats�chlich nicht zur Begegnung mit dem Papst im Pr�sidentenpalast gegangen. �Al-Hayat al-dschadida“ titelt: �Papst fordert gerechte L�sung f�r Schaffung eines Staates Pal�stina“. Der Artikel berichtet ausf�hrlich �ber die Schlie�ung eines pal�stinensischen Pressezentrums, das aus israelischer Sicht illegal er�ffnet worden war. Wenn man israelische und pal�stinensische Zeitungen nebeneinander h�lt, wirkt das manchmal wie Berichte aus zwei verschiedenen Welten. Oder von zwei verschiedenen Papstreisen. (rv)

 

 

13.05.09

Heilig-Land-Reise: 6. Tag

Papst in Bethlehem: �Mauern stehen nicht ewig“
�Es war ein wirklich ereignisreicher Tag“, sagte Benedikt XVI. am sp�ten Mittwochnachmittag bei seinem Abschied aus Bethlehem. Diesen sechsten Tag seiner Heilig-Land-Reise hatte er ganz den autonomen Pal�stinensergebieten gewidmet. Auf dem Platz vor der Geburtskirche in Bethlehem feierte Benedikt XVI. am Vormittag die Messe, �an dem Ort, an dem Jesus Christus, Licht der V�lker und Hoffnung der Welt, geboren wurde“. Er besuchte das Caritas Baby Hospital, ein Fl�chtlingscamp und stand zum zweiten Mal auf seiner Reise vor einer Mauer, einer Klagemauer f�r die Pal�stinenser. �Voller Qual habe ich auch die Situation der Fl�chtlinge gesehen, die - so wie die Heilige Familie - ihr Heim verlassen mussten. Und ich habe, an das Lager angrenzend und gro�e Teile Bethlehems �berschattend, die Mauer gesehen, die in euren Gebieten aufragt, Nachbarn trennt und Familien spaltet.“ Benedikt stand auch hier als deutscher Papst. �Auch wenn Mauern leicht errichtet werden k�nnen, wir wissen alle, dass sie nicht f�r ewig bestehen. Sie k�nnen niedergerissen werden. Doch zuerst m�ssen die Mauern eingerissen werden, die wir um unsere Herzen gezogen haben, die Barrieren, die wir gegen unsere Nachbarn errichtet haben.“ Deshalb, so der Papst, rufe er in seinen Abschiedsworten erneut zu einem Ende von Intoleranz und Ausgrenzung auf. So unl�sbar und festgefahren ein Konflikt auch zu sein scheint, �es gibt immer einen Grund zu hoffen, dass er gel�st wird, dass das langm�tige und beharrliche M�hen derer, die f�r Frieden und Vers�hnung arbeiten, am Ende Fr�chte tragen wird“. Baldm�glichst solle dies wahr werden, dr�ngte das Kirchenoberhaupt; das sei sein �dringendster Wunsch“ f�r das pal�stinensische Volk: �damit ihr endlich Frieden, Freiheit und Stabilit�t genie�en k�nnt, die ihr so lange entbehrt habt.“ Bei seiner Ankunft in Bethlehem hatte Benedikt die Pal�stinenser dazu aufgerufen, auf Gewaltakte jeder Art zu verzichten, gleichzeitig aber wie schon in Tel Aviv ihr Recht auf einen eigenen Staat unterstrichen - in friedlicher Nachbarschaft mit dem Israels. Beim Abschied versicherte der Papst seine Unterst�tzung f�r politische L�sungen des Nahostkonflikts. Er werde weiterhin jede M�glichkeit ergreifen, �die Beteiligten an den Friedensverhandlungen zum Hinarbeiten auf eine gerechte L�sung zu dr�ngen, die die legitimen Anspr�che Israels und der Pal�stinenser gleicherma�en respektiert“. Das Volk solle �mit Frieden“ gesegnet sein, sagte der Papst beim Abschied aus der Geburtsstadt Jesu; an den Gesang der Engel hatte er bei der Begr��ung erinnert: �Friede auf Erde, guter Wille unter den Menschen“. (rv)

Papst an Pal�stinenser: �Verzichtet auf Terrorakte!“
Bei seiner Ankunft in Bethlehem hat Papst Benedikt die Pal�stinenser dazu aufgerufen, auf Selbstmordattentate und andere Gewaltakte zu verzichten. Nur ein �Geist der Zusammenarbeit und des gegenseitigen Respekts“ k�nne ein gerechtes und friedliches Zusammenleben zwischen den V�lkern des Nahen Ostens schaffen, so Benedikt XVI. in seiner Rede vor Mahmud Abbas, dem Pr�sidenten der pal�stinensischen Autonomiebeh�rde. Der Papst unterstrich in der Geburtstadt Jesu aber auch neuerlich das Recht der Pal�stinenser auf einen eigenen Staat, so wie er es bereits bei seiner Ankunft in Israel getan hatte: �Der Heilige Stuhl unterst�tzt das Recht Ihres Volkes auf eine eigenst�ndige Heimat im Land seiner Vorfahren in Sicherheit und in Frieden mit seinen Nachbarn innerhalb von international anerkannten Grenzen.“ Pal�stinenserpr�sident Mahmud Abbas sagte, er w�nsche eine friedliche Koexistenz mit Israel, sparte aber in seiner arabisch gehaltenen Begr��ungsrede an den Papst nicht mit emotionalen T�nen. Jerusalem sei �der Apartheid-Mauer“ umgeben; �alle arabischen B�rger, Moslems wie Christen“, m�ssten �jede Form von Unterdr�ckung, Tyrannei und Landenteignung“ erleiden. Die �Zerst�rung von Wohnh�usern, hohe Steuern und andere Ma�nahmen“ w�rden auferlegt, um die �Annektierung des arabischen Jerusalem“ zu st�rken. Weiter bekr�ftigte Abbas, der mit der Fatah der gem��igteren der beiden Pal�stinenserparteien angeh�rt, den Anspruch der Pal�stinenser auf die Stadt: �Das arabische Jerusalem ist das Juwel in der Krone und wird die ewige Hauptstadt Pal�stinas bleiben“, versicherte Abbas dem Papst. Dieser stieg nicht direkt auf die Aussagen des Pal�stinenserpr�sidenten ein. Er sprach zwar ausdr�cklich von �legitimen Anspr�chen beider Seiten, der Israelis und der Pal�stinenser“, beschwor aber gleichzeitig beide Parteien, �alle Ressentiments und Spaltungen zu �berwinden, die der Vers�hnung noch im Weg stehen.“ �Ich bitte Sie alle, ich bitte Ihre Verantwortungstr�ger, einen erneuten verbindlichen Entschluss zu fassen, auf diese Ziele hinzuarbeiten. Insbesondere rufe ich die internationale Staatengemeinschaft dazu auf, ihren Einfluss zugunsten einer L�sung geltend zu machen.“ Benedikt zeigte Verst�ndnis f�r die Alltagsn�te der Pal�stinenser und nannte ganz konkret das Problem der eingeschr�nkten Bewegungsfreiheit durch die israelische Sperranlage. Die Pal�stinenser h�tten �wie alle anderen ein nat�rliches Recht, zu heiraten, Familien zu gr�nden und zu Arbeit, Ausbildung und Gesundheitsf�rsorge Zugang zu erhalten“. Besonders an die jungen Pal�stinenser gewandt, sagte der Papst: �Habt den Mut, jeder vielleicht von euch versp�rten Versuchung zu widerstehen, Gewalt anzuwenden oder terroristische Akte zu begehen“. Vielmehr sollten �der Verlust und die Zerst�rung“, die die jungen Pal�stinenser mit ansehen mussten, ihre Entschlossenheit erneuern, Frieden zu stiften und einen Beitrag zur Zukunft Pal�stinas zu leisten. (rv)

Papst an Christen in Bethlehem: �Bleibt hier und baut Br�cken des Dialogs!“
Christen in Nahost sollten sich f�r eine �Kultur des Friedens“ engagieren. Dazu hat Benedikt XVI. aufgerufen. Gleichzeitig lud er die Christen dazu ein, im Land zu bleiben und nicht auszuwandern. Mit rund 10.000 Menschen feierte der Papst an diesem Mittwochmorgen eine Messe auf dem Manger Square, dem Platz vor der Geburtskirche in Bethlehem. Auch der muslimische Pal�stinenserpr�sident Mahmud Abbas und der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, nahmen daran teil. �Seid eine Br�cke des Dialogs!“ – so der Appell Benedikt XVI. an die Christen im Heiligen Land. Durch konstruktive Zusammenarbeit sollten sie beim Aufbau einer Kultur des Friedens mitwirken. Das sei der einzige Weg aus der �gegenw�rtigen festgefahrenen Lage von Furcht und Angst“, so der Papst in einer Predigt auf dem Krippenplatz in der Mitte Bethlehems. Zur Papstmesse waren weit mehr Menschen gekommen als von den Veranstaltern vorgesehen – rund 10.000. Dicht gedr�ngt standen sie in der Morgensonne auf der Manger Square, dem Platz vor der Geburtskirche. Viele verfolgten den Gottesdienst von den angrenzenden Stra�en aus. Wegen der Sicherheitsvorkehrungen hatten viele von ihnen die Checkpoints an der Grenze von Israel in die Pal�stinensergebiete bereits am Vorabend oder in der Nacht zum Mittwoch passiert. In der Menge leuchteten Baseball-Kappen in den Vatikanfarben Wei� und Gelb. Neben pal�stinensischen Flaggen flatterten auch polnische, kroatische, spanische und sogar philippinische Fahnen im Wind. Auf der Altarb�hne sch�tzte ein Baldachin mit dem Stern von Bethlehem den Papst vor der hei�en Sonne. Bethlehem, der Geburtsort Jesu, sei f�r viele Menschen verbunden mit der �Frohbotschaft von Wiedergeburt, Erneuerung, Licht und Freiheit“, betonte der Papst. �Und doch scheint die gro�artige Verhei�ung hier, mitten unter uns, so fern von ihrer Verwirklichung zu sein!“ Christen seien daher aufgerufen, trotz aller Widrigkeiten im Heiligen Land zu bleiben. Ihre Ortskirchen sollten Werkst�tten des Dialogs, der Toleranz, der Solidarit�t und tatkr�ftigen Liebe sein, so Benedikt weiter. Daf�r sei eine Denkweise erforderlich, die auf Gerechtigkeit ausgerichtet sei sowie auf den Respekt vor den Pflichten und Rechten aller Menschen in Nahost: �Eure Heimat braucht nicht nur neue wirtschaftliche und politische Strukturen, sondern – und das ist das Wichtigste – sozusagen eine neue �spirituelle‘ Infrastruktur, die in der Lage ist, die Energien aller Menschen guten Willens im Dienst der Erziehung, der Entwicklung und der F�rderung des Gemeinwohls zu beleben. Ihr habt die menschlichen Ressourcen, um jene Kultur des Friedens und der gegenseitigen Achtung zu bauen, die eine bessere Zukunft f�r eure Kinder gew�hrleisten kann. Das ist die edle Aufgabe, die vor euch liegt. F�rchtet euch nicht!“ Christus habe ein Reich gebracht, dass die Welt ver�ndern k�nne, so der Papst weiter, weil es die Macht habe �die Herzen zu verwandeln“ und �jede Mauer der Trennung einzurei�en“ - Worte der Hoffnung, vor allem f�r die anwesenden Pilger aus dem kriegsersch�tterten Gazastreifen. An sie richtete der Papst einen speziellen Gru�: �Ich bitte euch, eure Familien und Gemeinden meiner innigen Verbundenheit zu versichern, meiner tiefen Trauer �ber die erlittenen Verluste und meines Gebetsbeistands f�r das gro�e Werk des Wiederaufbaus, das nun vor euch liegt.“ (rv)

Papst an Fl�chtlinge: Die Mauer muss weg
Papst Benedikt XVI. hat bei seinem Besuch im Fl�chtlingscamp �Aida“, das direkt an die israelische Sperranlage grenzt, an diesem Mittwochnachmittag die Mauer um die Pal�stinensergebiete verurteilt. Das acht Meter hohe Bollwerk aus Beton nannte er an diesem Mittwoch ein �krasses Mahnmal f�r die Pattsituation, in das die in welche die Beziehungen zwischen Israelis und Pal�stinensern geraten zu sein scheinen“. In dem Camp leben 5.000 der rund 1,3 Millionen Fl�chtlinge, die sich in den Pal�stinensergebieten aufhalten. Nach UNO-Sch�tzungen gibt es weltweit 4,6 Millionen pal�stinensische Fl�chtlinge. Mehr als die Worte der UNO-Beauftragten f�r die pal�stinensischen Fl�chtlinge und des Pal�stinenserpr�sidenten Mahmoud Abbas erz�hlte eine Tanz-Performance von dem, was Jungen und M�dchen, M�nner und Frauen im Lager direkt an der Mauer empfinden. Hauptanliegen des Papstes war es, seine Solidarit�t mit allen heimatlosen Pal�stinensern auszudr�cken. In seiner Ansprache hob der Papst das Engagement vieler kirchlicher Organisationen als eine Basis f�r die Fl�chtlingshilfe hervor. Zentral sei aber auch, was Eltern und Lehrer im Fl�chtlingscamp leisteten. �Einen besonderen Gru� richte ich an die Sch�ler und Lehrer in den Schulen. Durch Ihr Engagement im Bildungsbereich dr�cken Sie Hoffnung auf die Zukunft aus. Zu allen jungen Menschen hier sage ich: Bereitet euch mit neuem Eifer auf die Zeit vor, wenn ihr in den kommenden Jahren f�r die Angelegenheiten des pal�stinensischen Volkes verantwortlich sein werdet! Den Eltern kommt hier eine �u�erst wichtige Rolle zu, und so rufe ich alle Familien in diesem Lager auf: Achten Sie darauf, Ihre Kinder in ihrer Ausbildung zu unterst�tzen und ihre Begabungen zu f�rdern, damit es in der zuk�nftigen pal�stinensischen Gesellschaft nicht an qualifizierten Kr�ften f�r F�hrungspositionen fehlt.“ Das Fl�chtlingslager sei allerdings nur eine vor�bergehende L�sung. Viel wichtiger sei die Arbeit am Frieden. Dieser allein k�nne den Menschen ihre stabilen Lebensverh�ltnisse zur�ckgeben. �Wie sehr sehnen sich die Menschen in diesem Lager, in diesen Gebieten und in dieser ganzen Region nach Frieden! Sie leben jetzt unter unsicheren und schwierigen Bedingungen, mit begrenzten Besch�ftigungsm�glichkeiten. Es ist verst�ndlich, dass Sie sich oft frustriert f�hlen. Ihr legitimes Streben nach einem st�ndigen Zuhause, nach einem unabh�ngigen pal�stinensischen Staat, bleibt unerf�llt. Stattdessen sehen Sie sich – wie so viele in dieser Region und in der ganzen Welt – gefangen in einer Spirale der Gewalt, von Angriff und Gegenangriff, Vergeltung und fortw�hrender Zerst�rung. Die ganze Welt sehnt sich danach, dass diese Spirale durchbrochen werde, sehnt den Frieden herbei, der den st�ndigen K�mpfen ein Ende setzt.“ Was den Frieden verhindert? In den Augen des Papstes ist das die Pattsituation der Beziehungen zwischen Israelis und Pal�stinensern und – die Mauer. Diese gelte es unbedingt zu �berwinden, so der Papst: �Auf beiden Seiten der Mauer bedarf es gro�en Mutes, wenn es darum geht, Furcht und Misstrauen zu �berwinden sowie dem Trieb zu widerstehen, f�r Verlust und Beleidigung Vergeltung zu �ben. Es erfordert Gro�mut, nach Jahren des Kampfes Vers�hnung zu suchen. Aber die Geschichte hat gezeigt, dass es nur dann zum Frieden kommt, wenn die Konfliktparteien gewillt sind, ihren Groll zu �berwinden und auf gemeinsame Ziele hin zusammenzuarbeiten, indem jede die Interessen und die Besorgnisse der anderen ernst nimmt und sich bem�ht, eine Atmosph�re des Vertrauens zu schaffen.“ Hierzu leiste auch das Fl�chtlingscamp einen wichtigen Beitrag, so der Papst. Am Ende seiner Rede rief er dazu auf, das tief greifende Engagement f�r Frieden und Gewaltlosigkeit weiterzuf�hren. Der Frieden solle vor Ort �eine neue Bl�tezeit erleben“, so die Hoffnung des Papstes. (rv)

Zollitsch: �Papst zu Unrecht attackiert“
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hat eine positive Zwischenbilanz des bisherigen Besuchs von Papst Benedikt XVI. im Heiligen Land gezogen. �Der Heilige Vater hat deutlich gemacht, dass er f�r alle Menschen hierher gekommen ist. In Jordanien, Israel und den Pal�stinensischen Gebieten hat er sich sehr willkommen f�hlen d�rfen. Vor allem ist es ihm gelungen, die Ortschristen zu st�rken. Sie f�hlen sich durch seine Worte ermutigt, weiterhin am Aufbau der Zivilgesellschaft mitzuwirken. Die mahnenden Aussagen von Benedikt XVI. gegen den schleichenden Christenexodus kamen zu richtigen Zeit“, erkl�rte Erzbischof Zollitsch, der den Papst in Bethlehem begleitet, an diesem Mittwoch. Von einigen Medien werde er zu unrecht daf�r attackiert, w�hrend seiner Reise nicht eindeutig genug zu brisanten Themen wie der Judenverfolgung im Dritten Reich und der Piusbruderschaft Stellung zu beziehen. �Der Papst braucht nicht bei jeder Gelegenheit zu jeder Sache noch einmal erneut Stellung nehmen. Seine Haltung zu Bischof Williamson und zum Holocaust ist ganz klar. Das hat er sehr oft und sehr deutlich gesagt, und jetzt durch die Gesten und das, was er in Yad Vashem gesagt hat, noch einmal deutlich zum Ausdruck gebracht. Also ich pers�nlich halte es doch f�r eine �berforderung, dass er sich immer wieder f�r Dinge entschuldigt, f�r die die Kirche sich l�ngst entschuldigt hat.“ Er mache sich keine Illusionen dar�ber, dass der Papstbesuch eine radikale Wende der Nahost-Politik herbeif�hren werde, so Zollitsch. Und dennoch sieht er den Papst w�hrend seiner Reise als Br�ckenbauer – als Wegbereiter f�r den Frieden und eine Politik der Gerechtigkeit: �Er kann auch Br�cken bauen. Denn er hat bei Peres klar gesagt, um was es geht. Und wenn bei den Pal�stinensern wieder die Botschaft r�ber kommt, dass sie das Recht auf einen eigenen Staat, das Recht auf eine Zukunft und gesicherte Grenzen haben, damit ihnen ihr Lebensraum wirklich geh�rt, dann ist das eine Botschaft, die f�r die Pal�stinenser wichtig ist. Ich gehe nicht davon aus, dass jetzt ein gro�es Wunder geschieht und hier Friede wird. Aber es verlangt viele kleine Zeichen, viele Gesten. Und es wird wichtig sein, dass viele Menschen die Hoffnung auf Frieden nicht aufgeben. Denn, wenn wir diese Hoffnung aufgeben, dann ist hier das Chaos.“ (rv)

 

 

14.05.09

Heilig-Land-Reise: 7. Tag

 

Papst in Nazareth: �Heiligkeit der Familie“ sch�tzen
Papst Benedikt XVI. hat an diesem Donnerstag in Nazareth eine R�ckbesinnung auf die �Heiligkeit der Familie“ gefordert und Christen und Muslime zur Zusammenarbeit aufgerufen. Die Familie sei der �Grundstein“ jeder �wohlgeordneten und aufnahmebereiten Gesellschaft“. Daher habe der Staat die Pflicht, Familien in ihrer Erziehungsaufgabe zu unterst�tzen, sagte der Papst w�hrend einer Messe in der Heimatstadt Jesu im Norden Israels. Nazareth, der Ort der Verk�ndigung an Maria, erinnere zugleich an den unverzichtbaren Beitrag der Frau f�r die Gesellschaft. 45.000 Menschen, darunter Pilger aus aller Welt, waren zur Freiluftmesse am so genannten Berg des Absturzes gekommen. Der Name des Ortes geht auf die biblische Episode zur�ck, nach der eine aufgebrachte Menge Jesus den Abhang hinabst�rzen wollte. Die Kirchensprache Latein bestimmte Lieder und Gebete der Messe, daneben erklangen Griechisch, Arabisch und Englisch. Mit dem Papstbesuch endete feierlich das �Jahr der Familie“, das die Kirche im Heiligen Land ausgerufen hatte. Benedikt XVI. mahnte zur lebenslangen Treue zwischen Mann und Frau, �die das von Gott geschenkte Leben annehmen“. Die Familie sei au�erdem �Hauskirche“, Ort des Glaubens und des Gebets, Grundstein f�r Kirche und Gesellschaft. Der Staat wiederum habe die Pflicht, �die Familien in ihrer erzieherischen Sendung zu unterst�tzen, die Institution Familie und deren Rechte zu sch�tzen, und zu gew�hrleisten, dass alle Familien unter w�rdigen Bedingungen leben und gedeihen k�nnen“. Wie schon bei der ersten Freiluftmesse w�hrend seiner Nahost-Reise vergangenen Sonntag in Amman, rief der Papst auch bei dieser letzten Gro�veranstaltung zur Achtung der Frau auf. Nazareth, der biblische Ort der Verk�ndigung der Geburt Jesu an Maria, erinnere auch an die Pflicht, �die besondere Rolle der Frau und die ihr von Gott gegebene W�rde anzuerkennen und zu respektieren“. �Ganz gleich, ob sie nun als M�tter in Familien leben, als wichtiger Part im Arbeitsleben und in den gesellschaftlichen Einrichtungen oder in einer besonderen Berufung unserem Herrn durch die evangelischen R�te der Keuschheit, Armut und des Gehorsams folgen: die Frauen spielen stets eine unersetzliche Rolle dabei, jene ,Human�kologie’ (vgl. Centesimus annus, 39) zu schaffen, derer unsere Welt und dieses Land so dringend bed�rfen.“ Der Berg des Absturzes, erinnere schon Generationen von Pilgern daran, dass die Botschaft Jesu �manchmal eine Quelle des Widerspruchs und Konflikts war“, so Benedikt XVI. und beklagte zugleich die j�ngeren Spannungen zwischen Christen und Muslimen in Nazareth. Er bezog sich auf die Pl�ne islamischer Fundamentalisten, eine gro�e Moschee neben der Verk�ndigungsbasilika zu errichten. Die Auseinandersetzungen belasteten �ber Jahre das Verh�ltnis von Christen und Muslimen. Der Papst rief zur Zusammenarbeit auf: �Ich ersuche die Menschen guten Willens in beiden Gemeinden dringend, den bereits angerichteten Schaden wieder gutzumachen und in der Treue im Glauben an den einen Gott, den Vater der Menschheitsfamilie, Br�cken zu bauen und den Weg zu einem friedlichen Zusammenleben zu finden. M�gen wir alle der zerst�rerischen Macht von Hass und Vorurteil, die zuerst die Seelen der Menschen und dann ihre K�rper t�tet, eine klare Absage erteilen!“ (rv)

Papst spricht mit Netanjahu �ber Friedensprozess
Benedikt XVI. hat mit Israels Premierminister Benjamin Netanjahu �ber den Friedensprozesses im Nahen Osten gesprochen. Der Papst war am fr�hen Donnerstag Nachmittag im Franziskanerkonvent von Nazareth mit Netanjahu zu einer privaten Unterredung zusammengekommen. Bei dem rund 15-min�tigen Gespr�ch ging es nach Angaben von Vatikansprecher Pater Federico Lombardi um die M�glichkeiten einer Wiederbelebung des Friedensprozesses in Nahost. - Der rechtsorientierte Likud-Vorsitzende hatte nach einem Treffen mit dem �gyptischen Pr�sidenten Husni Mubarak diese Woche angek�ndigt, so rasch wie m�glich neue Friedensgespr�che mit den Pal�stinensern beginnen zu wollen. Er hoffe, dass dies �in den kommenden Wochen“ m�glich sei. Auf die Gr�ndung eines pal�stinensischen Staates wollte er sich nicht festlegen lassen. Nach der Begegnung zwischen dem Papst und dem seit M�rz regierenden Premier trafen sich die offiziellen Delegationen der israelischen Regierung und des Heiligen Stuhls. Laut Lombardi stand dabei das seit langem verhandelte Wirtschafts- und Finanzabkommen im Mittelpunkt. Auch die strittige Frage nach Reisegenehmigungen f�r katholische Geistliche in Israel sei zur Sprache gekommen. (rv)

Benedikt in Nazareth - Eindr�cke und Bilanz unseres Korrespondenten
Der erste, herausragende Eindruck dieses Tages war die Messe von Nazareth: Zehntausende von Menschen mit F�hnchen und in bunter Kleidung, ein gel�ster Papst, der in seinem Papamobil durch die Menge fuhr, winkte und strahlte, und ein prachtvolles und ganz neu eingerichtetes Gel�nde, das auch k�nftig f�r Pilger-Events genutzt werden soll. Stefan Kempis l�sst den siebten Tag der Papstreise Revue passieren: Es war die gr��te Messe dieser Reise �berhaupt, gr��er noch als die von Amman. Man hatte trotz der scharfen Sicherheitsma�nahmen den Eindruck: Jetzt ist der Papst wirklich bei den Katholiken des Heiligen Landes angekommen. Benedikt fand in seiner Predigt sehr deutliche Worte gegen Hass und gegen die Emigration von Christen – aber noch kraftvoller wirkte die Rede von Erzbischof Elias Chacour prangerte auch viel energischer als in diesen Tagen der Lateinische Patriarch Fouad Twal den Druck auf die Christen im Heiligen Land an. Das Treffen Benedikts mit Ministerpr�sident Netanjahu am Nachmittag war mit Erwartungen �berfrachtet, dauerte aber nur 15 Minuten; der Premier sprach englisch, der Papst italienisch. Wer die Bilder gesehen hat, wird nicht den Eindruck haben, dass das der Anfang einer wundervollen Freundschaft war… Beim interreligi�sen Dialog ist der Papst dann vor Ersch�pfung fast eingeschlafen, offen gesagt; aber als ein Rabbiner auf einmal ein Friedensgebet sang – das war offenbar nicht eingeplant -, da �nderte sich sp�rbar die Atmosph�re, der Papst und die Religionsf�hrer um ihn herum standen auf, fassten sich bei den H�nden, einige sangen mit: �Lord, give uns peace; Herr, gib uns Frieden.“ Endlich mal ein sch�ner, spontaner Moment – und eine kleine Sensation, denn keiner kann sich im Moment erinnern, dass Johannes Paul jemals auf eine solche Weise gemeinsam mit Moslems, Juden, Drusen und Christen anderer Konfessionen gemeinsam gebetet h�tte. Auch wenn das Papstprogramm danach noch weiterging – es ist dieses Bild, welches bleibt von diesem Tag in Nazareth, ja sogar von dieser Reise… zusammen mit den Bildern von Benedikt an der Klagemauer und an der Sperrmauer. (rv)

 

 

15.05.09

Heilig-Land-Reise: 8. Tag

Letzter Tag der Heilig-Land-Reise
An diesem Freitag, dem letzten Tag seiner Heilig-Land-Reise, hat Papst Benedikt XVI. den griechisch-orthodoxen Patriarchen, Theophilos III., und weitere F�hrer der christlichen Gemeinschaften im Heiligen Land getroffen. Damit steht der Abschluss der Reise noch einmal ganz im Zeichen der �kumene und des interreligi�sen Dialoges. Die Grabeskirche in Jerusalem war die letzte Gebetsstation der p�pstlichen Pilgerreise. Im Anschluss stand ein Besuch in der armenisch-apostolischen Patriarchalkirche St. Jakob und bei Patriarch Torkom Manoukian auf dem Programm. Die letzte von insgesamt 28 offiziellen Ansprachen hielt Papst Benedikt gegen 13 Uhr 30 w�hrend der Abschiedszeremonie am Flughafen von Tel Aviv. R�ckblickend auf seine insgesamt achtt�gige Nahost-Reise verurteilte das Kirchenoberhaupt erneut den Holocaust. Unter einem �gottlosen Regime, das eine Ideologie des Antisemitismus und des Hasses verbreitete“ seien Juden �brutal ausgetilgt worden“. Am Nachmittag ist das Kirchenoberhaupt nach Rom zur�ckgekehrt. An Bord einer Boeing 777 der israelischen Airline �El Al“ landete Papst Benedikt nach einem etwa dreist�ndigen Flug um 16.43 Uhr auf dem Flughafen Ciampino. (rv)

Papst beim Abschied: �Juden wurden brutal ausgetilgt“ - �Zwei-Staaten-L�sung darf kein Traum bleiben“
Benedikt XVI. hat zum Ende seiner insgesamt achtt�gigen Reise ins Heilige Land den Holocaust erneut scharf verurteilt. Unter einem �gottlosen Regime, das eine Ideologie des Antisemitismus und des Hasses verbreitete“ seien Juden �brutal ausgetilgt worden“, sagte der Papst an diesem Freitag w�hrend der Abschiedszeremonie am Flughafen von Tel Aviv. �Dieses entsetzliche Kapitel der Geschichte darf nie vergessen oder geleugnet werden!“ In der letzten von 28 offiziellen Ansprachen blickte Benedikt zur�ck auf seinen Aufenthalt in Israel und bezeichnete den Besuch in der Holocaust-Gedenkst�tte Yad Vashem als einen der �feierlichsten Augenblicke“. �Dort traf ich auch mit einigen �berlebenden zusammen. Diese tief bewegenden Begegnungen brachten mir meinen Besuch vor drei Jahren im Vernichtungslager Auschwitz in Erinnerung, wo so viele Juden – M�tter, V�ter, Eheleute, S�hne, T�chter, Br�der, Schwestern, Freunde – durch ein gottloses Regime, das eine Ideologie des Antisemitismus und des Hasses verbreitete, brutal ausgetilgt worden sind. Dieses entsetzliche Kapitel der Geschichte darf nie vergessen oder geleugnet werden!“ Im Gegenteil, so Benedikt mit Verweis auf den Olivenbaum, den er und Staatspr�sident Shimon Peres am Tag der Ankunft gemeinsam gepflanzt hatten,…

�...diese furchtbaren Erinnerungen sollten uns in der Entschiedenheit st�rken, enger zusammenzur�cken als Zweige des gleichen Olivenbaums, die von den gleichen Wurzeln gen�hrt werden und in br�derlicher Liebe geeint sind“. Er sei als Freund zu Besuch gekommen, betonte Benedikt XVI., �als Freund der Israelis“ ebenso wie �als Freund des pal�stinensischen Volkes“. �Ein Freund der Israelis und der Pal�stinenser kann nur traurig sein �ber die weiter bestehende Spannung zwischen Ihren beiden V�lkern. Ein Freund kann nur weinen angesichts des Leids und des Verlusts von Menschenleben, die beide V�lker in den vergangenen sechs Jahrzehnten erlitten haben.“ Aus Freundschaft appellierte der Papst �an alle Menschen dieser L�nder“: �Kein Blutvergie�en mehr! Keine K�mpfe mehr! Kein Terrorismus mehr! Kein Krieg mehr! Lasst uns stattdessen den Teufelskreis der Gewalt durchbrechen! Lasst bleibenden Frieden herrschen, der auf Gerechtigkeit gr�ndet, lasst echte Vers�hnung und Heilung walten. Es m�ge allgemein anerkannt werden, dass der Staat Israel das Recht hat, zu existieren und Frieden und Sicherheit innerhalb international vereinbarter Grenzen zu genie�en. Ebenso m�ge anerkannt werden, dass das pal�stinensische Volk ein Recht auf eine souver�ne, unabh�ngige Heimat, auf ein Leben in W�rde und auf Reisefreiheit hat. Die Zwei-Staaten-L�sung m�ge Wirklichkeit werden und nicht ein Traum bleiben. Von diesen L�ndern her soll sich der Frieden ausbreiten, sie sollen als ein �Licht f�r die V�lker“ (Jes 42,6) dienen und den vielen anderen Regionen, die unter Konflikten leiden, Hoffnung bringen.“ Den Besuch an der israelischen Sperrmauer bezeichnete Benedikt als einen �der traurigsten Anblicke w�hrend meines Besuchs“. Er habe dort f�r eine Zukunft �in Frieden und Eintracht“ und �gegenseitiger Achtung und Vertrauen zueinander“ gebetet. Vor milit�rischen Abordnungen am Flughafen von Tel Aviv, vor dem Friedensnobelpreistr�ger und Staatspr�sidenten Shimon Peres sowie dem rechtsgerichteten Ministerpr�sidenten Benjamin Netanjahu verzichtete das Kirchenoberhaupt bei aller Brisanz einmal mehr nicht auf politische Aussagen. Er wisse, wie schwierig es sei, Frieden und Gewaltverzicht im Nahen Osten zu erreichen. �Ich wei�, wie schwierig Ihre Aufgabe ist, genau wie jene der pal�stinensischen Autonomiebeh�rde. Ich versichere Sie jedoch meiner Gebete, und die Gebete der Katholiken in aller Welt begleiten Sie in Ihren weiteren Bem�hungen, einen gerechten und dauerhaften Frieden in dieser Region zu schaffen.“ (rv)

Israel nimmt Abschied: Peres dankt Papst
Israels Staatspr�sident Shimon Peres hat Papst Benedikt XVI. zum Abschied f�r dessen Friedensmission im Heiligen Land gedankt. Besonders wichtig sei gewesen, dass der Papst sich deutlich gegen jedes Vergessen und Leugnen des Holocaust sowie zum Kampf gegen Antisemitismus und jede Form der Ausgrenzung ausgesprochen habe. �Das hat unsere Herzen und unseren Verstand ber�hrt“, sagte Peres an diesem Freitag bei der Abschiedszeremonie am Flughafen von Tel Aviv. Benedikt habe einen �bedeutenden Beitrag f�r die Entstehung neuer Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan“ geleistet. Seine Pilgerreise sei ��berzeugender Beweis des dauerhaften Dialogs zwischen dem j�dischen Volk und Millionen Christgl�ubigen in aller Welt“. Peres unterstrich den Einsatz des Papstes f�r eine L�sung des Nahost-Konflikts, �f�r Frieden und Sicherheit zwischen uns und unseren Nachbarn“ und �ein Leben ohne Angst und Tr�nen“. Israel antworte darauf mit dem �aufrichtigen Wunsch nach Frieden: Frieden mit unseren Nachbarn, mit unseren entfernt wohnenden Feinden, Frieden mit allen“, so Peres, ohne einzelne Konfliktpunkte konkret zu benennen. Der Friedensnobelpreistr�ger mahnte zugleich vor Gewalt im Namen der Religion. Politische und religi�se F�hrer st�nden �heute vor der gro�en Herausforderung, Religion von Terrorismus zu trennen“. Der Glaube an �einen Gott des Lebens und des Respekts vor dem Leben“ sei allen gro�en monotheistischen Religionen gemeinsam und dr�nge dazu, jene �feige Fanatiker“ zu verurteilen, die mit dem Bild �eines Gottes, der Mord und Terror erlaube und sogar dazu ermuntere“ die Religion verf�lschen wollen. (rv)

Papst am leeren Grab Christi: �Mitten ins Herz getroffen“
Es war die letzte Gebetsstation seiner achtt�gigen Pilgerreise ins Heilige Land: Benedikt XVI. besuchte an diesem Freitagvormittag die Grabeskirche in Jerusalem. Er kam als Pilger, und sein Aufenthalt an jener Stelle, wo Jesus Christus – der �berlieferung nach - von den Toten auferstanden ist, sollte im Zeichen des Gebetes stehen. Stille Einkehr zu halten, war Papst Benedikt dabei schier nicht m�glich. Gedr�ngt voll war die Grabeskirche, zu viele Menschen, �berall Sicherheitspersonal und Medienleute. Dennoch schien der Papst sehr bewegt vom biblischen Ort der Auferstehung. Seine Worte in der Grabeskirche, die er als �eigenes Herz der Kirche“ betrachtete: �Wenn wir an diesem heiligen Ort stehen und dieses wundersame Ereignis bedenken, wie k�nnen wir da nicht �mitten ins Herz“ getroffen sein wie jene, die als erste die Predigt des Petrus am Pfingsttag h�rten? Hier ist Christus gestorben und auferstanden, und er stirbt nicht mehr. Das leere Grab spricht zu uns von Hoffnung, von der Hoffnung, die uns nicht zugrunde gehen l�sst, da sie die Gabe des lebendigen Geistes ist. Das ist die Botschaft, die ich euch heute, am Ende meiner Pilgerreise ins Heilige Land, hinterlassen m�chte. M�ge durch Gottes Gnade die Hoffnung in den Herzen aller Menschen, die in diesen L�ndern wohnen, stets neu aufsteigen! M�ge sie in euren Herzen wurzeln, in euren Familien und Gemeinschaften bleiben und in einem jeden von euch ein immer treueres Zeugnis f�r den Friedensf�rsten anregen!“ Friede und Vers�hnung – f�r diese stehe die Grabeskirche in eindeutiger Weise. Das sei mehr als alles andere der Wunsch des Papstes f�r die Menschen in Jerusalem und dem Heiligen Land. So k�nne die Grabeskirche als Hoffnungszeichen einer besseren Zukunft der Menschen stehen. Der Papst: �Mit diesen Worten der Ermutigung, liebe Freunde, beende ich meine Pilgerreise zu den heiligen St�tten unserer Erl�sung und Wiedergeburt in Christus. Ich bete, dass die Kirche im Heiligen Land stets neue Kraft aus der Betrachtung des leeren Grabes des Heilands sch�pfen m�ge. Sie ist gerufen, in diesem Grab all ihre Angst und Furcht zu begraben, um jeden Tag wieder aufzustehen und ihren Weg durch die Stra�en von Jerusalem, Galil�a und dar�ber hinaus fortzusetzen und dabei den Triumph der Vergebung Christi und die Verhei�ung neuen Lebens zu verk�nden. Als Christen wissen wir, dass der Friede, nach dem dieses von Streit zerrissene Land sich sehnt, einen Namen hat: Jesus Christus. �Er ist unser Friede“, der uns mit Gott in einem einzigen Leib durch das Kreuz vers�hnte und die Feindschaft beendete. In seine H�nde lasst uns dann vertrauensvoll all unsere Hoffnung f�r die Zukunft legen, genau wie er in der Stunde der Finsternis seinen Geist in die H�nde des Vaters legte.“ (rv)

P. Gemmingen: �Es ist gut, dass der Papst im Heiligen Land war“
Hat Papst Benedikt durch sein Pilgern im Heiligen Land einen Beitrag f�r Vers�hnung und Frieden zwischen Israelis und Pal�stinensern, f�r ein besseres Klima leisten k�nnen? Das war seine Zielsetzung. Ein Politikwissenschaftler sagte mir, in einigen Jahren kann man eine sichere Antwort geben – heute nicht. Es ist �u�erst t�richt, jetzt zu m�keln, der Papst h�tte in Yad Vashem ganz anders auftreten m�ssen. Der ehemalige Botschafter Israels in Deutschland, Avi Primor, meinte dazu, die meisten Israelis sehen dies wesentlich positiver als die Medien. Wir Medienweisen in Deutschland machen oft einen schlechten Eindruck, wenn wir sehr schmalspurig nur in unseren Schemata denken. Medienweise warten nicht nur auf Stichworte wie Schuld und Bekenntnis, sondern sehen - wie orientalische Weise - das Ganze eines Papstauftritts. Und da k�nnen viele sehr froh sein. Die Papstbotschaft war: kein Antisemitismus, keine Attentate, keine Mauern, zwei Staaten und vor allem Toleranz und Vers�hnungsbereitschaft. Der spirituelle Pilgerpapst war sehr politisch. Gerade auch, wenn er die Christen bat, im Land zu bleiben. Ich kann verstehen, wenn Holocaust�berlebende von einem deutschen Papst in Yad Vashem ein Schuldbekenntnis w�nschen. Benedikt w�rde antworten: Die Kirche hat Schuld bekannt, ich selbst habe in Auschwitz Schuld bekannt, man muss nicht immer wiederholen. Man muss nach vorne blicken und vor allem auch das Leid der heutigen Opfer bek�mpfen. Es ist gut, das der Papst im Heiligen Land gewesen ist. (rv)

 

 

16.05.09

Kardinal Kasper: �Ein neuer Aspekt, ein neuer Ton, eine neue Tiefe“

Kardinal Walter Kasper freut sich �ber den Erfolg der Pilgerreise Papst Benedikts ins Heilige Land. Gerade die Worte, die das Kirchenoberhaupt in Yad Vashem gefunden habe, seien �eine gro�e Rede“ gewesen, weil sie �einen neuen Aspekt, einen neuen Ton, eine neue Tiefe im Dialog“ brachten, so der Pr�sident des P�pstlichen Rates f�r die Einheit der Christen, in dessen Zust�ndigkeit auch der Dialog mit dem Judentum f�llt. Gudrun Sailer sprach mit Kardinal Kasper. �Was das �kumenische angeht, hat man die Fr�chte unserer Arbeit der letzten Jahrzehnte gesehen, denn diese positiven Begegnungen mit den Vertretern vor allem der orthodoxen Kirchen und der Armenier w�re nicht m�glich gewesen, wenn nicht vorher sehr viel getan worden w�re. Man hat ja gesehen, da ist etwas gewachsen, das ist nicht nur auf Papier von Dokumenten, sondern das sind Begegnungen und Begegnungen sind das Entscheidende beim �kumenischen Dialog. So gehe ich mit neuer Hoffnung in die Gespr�che mit den �stlichen Kirchen.“ In welcher Weise wird die Begegnung Papst Benedikts mit den j�dischen W�rdentr�gern in Israel die Beziehungen zwischen Kirche und j�discher Welt voranbringen? �Mit den Partnern, die wir bisher hatten, wird der Besuch den Dialog ganz sicher neu best�tigen und wird ihn auch neu befl�geln. Nat�rlich muss man jetzt auch diese negativen Stimmen, die es gegeben hat, in Betracht ziehen. Ich plane, das n�chste Mal mit den Freunden und Partnern dar�ber zu sprechen, wie man die Ergebnisse des Dialogs bekannter machen und die Basis verbreitern kann. Da ist sicher noch viel Arbeit notwendig, das hat man gesehen. Auf der anderen Seite war ich sehr erstaunt, wie viele Gespr�chsgruppen zwischen Juden und Christen es in Israel selber gibt. Das muss man noch mehr �ffentlich machen in Israel, dar�ber m�ssen wir jetzt reden.“ Manche Beobachter waren �berrascht, dass offensichtlich die geplante Seligsprechung von Papst Pius XII. �berhaupt nicht zur Sprache kam... �Nein, dar�ber ist nie gesprochen worden. Ich bin auch der Meinung, das ist eine innerkirchliche Frage und nicht eine Frage, die die Juden entscheiden k�nnen. Der Papst wird in n�chster Zeit sicher dar�ber entscheiden m�ssen. In dieser Hinsicht ist es, glaube ich, eine Aufgabe, dass vor allem die j�ngeren Ergebnisse der Forschung, und zwar von unabh�ngigen Historikern, in Israel noch mehr bekannt gemacht werden. Die sind zum Teil gar nicht bekannt, sondern sie sind immer noch auf dem Standpunkt von Rolf Hochhuth. Das ist von Historikern l�ngst �berholt, und die neuere Forschung ist immer mehr zugunsten von Papst Pius XII.. Auch da ist noch einiges zu tun, um das breiter bekannt zu machen in Israel.“ (rv)

 

 

17.05.09

D: Zollitsch zieht bei Radio Vatikan positive Bilanz der Papstreise

Eine positive Bilanz der Papstreise ins Heilige Land hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, gezogen. �Ich bin beeindruckt von der klaren Sprache des Heiligen Vaters“, sagte der Freiburger Erzbischof am Freitag im Gespr�ch mit Radio Vatikan. Der Papst habe w�hrend seiner insgesamt achtt�gigen Nahost-Reise �klare Zeichen gesetzt, dass die Religionen gemeinsam dem Frieden und der Verst�ndigung dienen sollen“, so Zollitsch weiter. W�rtlich: �Diese Botschaft haben viele verstanden, weil es eine Botschaft ist, nach der sich auch viele sehnen.“ Das Interview mit Erzbischof Zollitsch f�hrte Birgit Pottler. Die Heilig-Land-Reise Benedikts XVI. ist Geschichte; und sie wird auch als die Visite eines deutschen Papstes in die Analen eingehen. Welche Bilanz ziehen Sie, Herr Erzbischof, gerade auch als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz? �Ich bin beeindruckt von der klaren Sprache des Heiligen Vaters. Er hat bereits beim Empfang auf dem Flughafen in Tel Aviv klare Worte gesprochen, die zwei Staaten vertreten, das Lebensrecht Israels und dass Israel in geregelten klaren Grenzen leben darf, aber dass auch die Pal�stinenser das Recht auf einen eigenen Staat haben. Er hat dort auch klar Stellung genommen zum Holocaust, dass �ber sechs Millionen Juden umgekommen sind, hat auch von der �Fratze des B�sen“ gesprochen. Er hat - das wurde manchmal bem�ngelt - im Englischen das Wort �killed“ gebraucht, was im Deutschen �t�ten“ entspricht; aber im Deutschen ist das Verb �morden“ im Grunde nicht mehr gebr�uchlich, wohl sprechen wir von Mord. Das konnte ich in Gespr�chen vor Ort zum Teil auch klar stellen. Insofern war die Botschaft f�r mich �berzeugend.
Wichtig war dann nat�rlich auch, was er zum Dialog sagte, zum Dialog zwischen Juden und Pal�stinensern, zum Dialog zwischen den Religionen, zwischen Islam, Christen und Juden. Er hat klare Zeichen gesetzt, dass die Religionen gemeinsam dem Frieden und der Verst�ndigung dienen sollen, und diese Botschaft haben viele verstanden, weil es eine Botschaft ist, nach der sich auch viele sehnen.“

Ihre erste Bilanz f�llt also positiv aus?

�Ja sie f�llt positiv aus. Ich habe zun�chst nat�rlich auch innerlich gefiebert, wie Papst Benedikt in der schwierigen Situation sich zu Wort melden kann und wie das aufgenommen wird. Aber ich habe bei Menschen, die durchaus nachdenklich sind, im Heiligen Land oder auch in Pal�stina und Jordanien gesp�rt, das sie gemerkt haben: Dieser Papst hat eine Botschaft, er spricht eine klare Sprache, er versucht Br�cken zu bauen und versucht damit auch Perspektiven in die Zukunft zu zeigen.“ Die Ansprache in Yad Vashem wurde vom Zentralrat der Juden als �halbherzig“ kritisiert, dieser wartete auf eine erneute Distanzierung von Holocaust-Leugner Williamson. Israels Staatspr�sident hat darauf hingewiesen, die Worte am Flughafen und in der Gedenkst�tte m�ssten zusammen gelesen werden. Wie beurteilen Sie die Worte Benedikts zur Shoah? �Ich habe es auch so verstanden, dass das, was er am Flughafen sagte ein Teil der gesamten Reden ist und dass das, was er schon am Flughafen sagte, in Yad Vashem nicht zu wiederholt werden brauchte. Denn wenn er jedes Mal das Gleiche sagt, reagieren die Leute mit der Frage: Hat er denn nichts anderes, nichts Neues zu sagen? Ich habe in Israel erlebt, dass die Frage Williamson passee ist. Das ist nicht die Frage, die interessiert, denn die Stellung des Papstes zum Holocaust ist ganz klar, da gibt es gar keine Missverst�ndnisse und das muss man nicht endlos oft in Erinnerung rufen. Ich habe selbst in Yad Vashem Gespr�che gef�hrt, die Gedenkst�tte besucht und dort auch darauf hingewiesen, was es bedeutet, was der Papst im Bild des Namens aufgegriffen hat. Er sprach davon, dass keiner der Namen der Opfer vergessen werden darf, dass keiner der Namen, die wir gar nicht kennen, vergessen ist, weil alle in Gottes Hand eingeschrieben sind. Er hat eine sehr meditative, inhaltlich sehr gehaltvolle Rede gehalten. Ich pers�nlich bin ihm sehr dankbar f�r diese Rede, denn ich frage mich, wie oft man noch betonen muss, dass wir uns entschuldigen. Denn was allzu oft gesagt worden ist, verliert innerlich an Wert. Ich halte es f�r richtig, das bei entsprechenden Situationen auch zu sagen, aber nicht st�ndig zu wiederholen. Ich bin �berzeugt, der Papst hat es richtig gemacht. Bei vielen Gespr�chspartnern habe ich ausgesprochen gutes Verst�ndnis daf�r gefunden. Vielleicht sind wir Deutschen da ein wenig �bersensibel und meinen, er m�sse immer unbedingt das sagen, was wir gerade im Kopf haben…“ In Bethlehem haben Sie den Papst bei seinem Besuch im Caritas Baby Hospital pers�nlich begr��t. Von diesem Ereignis gab es leider keine Fernsehbilder - aber nach allem, was unsere Korrespondenten bisher berichtet haben, war gerade das ein sehr inniger Moment. K�nnen Sie die Kommentare auch seitens mancher Israelis, wonach es diesem Papst an Herzensw�rme fehle, widerlegen? �Es hat sich eindeutig gezeigt, dass dort, wo der Papst pers�nlich in Kontakt kommt, wo er die N�he des Menschen hat, dass er dort seine ganze Herzlichkeit und Freundlichkeit zum Ausdruck bringen kann. Das hat sich schon beim Gottesdienst am Morgen gezeigt, wo Christen ihm zujubelten. Man hat gesp�rt, wie der Papst auflebte, und es war geradezu phantastisch, wie er sich im Caritas Baby Hospital den einzelnen Kindern zuwandte, sie segnete, sich erkundigte, warum dieses Kind hier sei, und wir hatten tats�chlich M�he daf�r zu sorgen, dass das Programm weiterging, wir mussten ihn von den Kindern fast losrei�en. Er hat sich aber nicht nur der Kinder sondern auch der M�tter angenommen, hat sich mit den Pflegekr�ften unterhalten. Das war eine phantastische Begegnung, wo man sp�rte, da lebt der Papst auf, da wurde sein Herz warm und da konnte er das so deutlich zum Ausdruck bringen. Das ist das Sch�ne an Papst Benedikt, man entdeckt umso mehr seine N�he und seine W�rme, je pers�nlicher man mit ihm in Kontakt kommt. Er ist nun nicht der, der das nach Au�en gro� zur Schau stellt, aber er hat diese W�rme. Bethlehem war, m�chte ich sagen, vom Emotionalen her betrachtet, der H�hepunkt der Papstreise.“  Politisch betrachtet h�tte der Zeitpunkt dieser Reise delikater nicht sein k�nnen. Benedikt XVI. hat sich dennoch vor klaren Worten nicht gescheut: gegen Terrorakte der Pal�stinenser, gegen die Mauer der Israelis, f�r eine gerechte Zweistaatenl�sung. Welchen Einfluss haben diese Worte des Kirchenoberhaupts? Welchen Ertrag bringt diese Reise? �Die Botschaft wurde zur Kenntnis genommen - besonders dankbar von den Pal�stinensern. Ich hatte am Mittwochabend ein langes Gespr�ch mit Verantwortlichen, die klar sagten: �Ja, der Papst tritt daf�r ein, dass wir einen eigenen Staat haben, er tritt ein f�r die Rechte des pal�stinensischen Volkes, er hat auch ein Fl�chtlingslager besucht, sieht auch unsere Not und kennt sie.“ Die Botschaft, die aufgenommen wird ist eine Doppelte: Wir brauchen klare Staaten im Heiligen Land, Israel und Pal�stina. Wir brauchen aber auch das Gespr�ch der verschiedenen Religionen miteinander, das ist sehr wichtig. Sein Appell in Jordanien, aufeinander zuzugehen und miteinander zu sprechen ist auch von vielen Muslimen verstanden worden. Und mir sagten auch einige israelische Gespr�chspartner: �Es gibt keine Alternative zum Dialog, darauf hat der Papst hingewiesen. Nat�rlich wissen alle, er hat keine unmittelbar politische Macht, er ist eine moralische Autorit�t und man hofft, dass das, was er sagte, auch in den USA geh�rt wird, denn den eigentlichen Einfluss in diesem Raum haben nun einmal die USA.“ Und kirchlich? Konnten die Christen genug Hoffnung sch�pfen? Wie haben sie w�hrend Ihres Aufenthalts im Heiligen Land die Menschen erlebt? �F�r die Christen ist es eine sehr schwierige Situation, das muss man eindeutig sehen und es wandern auch immer mehr Christen ab. Aber ich habe es erlebt, mit einer Verantwortlichen im Baby Hospital, die mir dort sagte: �Ich tue alles, um meine Kinder gut auszubilden, und bis jetzt habe ich immer gesagt, ich will ihnen helfen, dass sie ins Ausland kommen. Aber nachdem ich jetzt den Papst erlebt habe, habe ich mich entschlossen: Ich werde alles tun, damit sie hier bleiben.“ Ich selbst habe auch erlebt, dass viele Pal�stinenser, die eine gewisse Zeit im Ausland sind, wenn sie eine Chance sehen, wieder Arbeit zu bekommen tats�chlich wieder in ihre Heimat zur�ckkommen. Darum ist es wichtig, dass wir die Menschen dort ermutigen, nicht nur auszuhalten, sondern auch bewusst sich einzubringen und bewusst die Zukunft dieses Landes mitzugestalten. Die Christen sind notwendig im Heiligen Land, damit auch dort, wo Jesus Christus geboren wurde, wo er gelebt hat, dieses christliche Zeugnis unmittelbar erlebt werden kann.“ (rv)

 

 

20.05.09

Die interreligi�sen Begegnungen mit Papst Benedikt XVI. in Israel werden im Nachhinein sehr unterschiedlich bewertet

Nach Ansicht des Direktors des j�dischen Elijah-Interfaith-Instituts, Alon Goschen-Gottstein, hat das gemeinsame Friedenslied der Religionsvertreter in Nazareth nach dem �missgl�ckten Treffen“ von Jerusalem vielen Menschen wieder Mut gemacht. Das Bild des Papstes, Hand in Hand mit Juden, Muslimen und Drusen singend, sei eine �starke Geste“ gewesen, sagte der Rabbiner am Montag im Interview der KNA. Vatikansprecher Pater Federico Lombardi hatte das Friedenslied des Rabbiners beim Treffen des Papstes mit Religionsf�hrern als �genialen Einfall“ bezeichnet. Der Vikar der hebr�ischsprachigen Gemeinde, David Neuhaus, bezeichnete die Idee eines gemeinsamen Friedensliedes hingegen als �sch�n“, aber nicht der Realit�t des interreligi�sen Dialogs im Heiligen Land entsprechend. Das Treffen in Nazareth sei vom israelischen Au�enministerium geplant worden, das auch die Redner ausgew�hlt habe. Die Jerusalemer Begegnung mit Vertretern, die die Religionsgemeinschaften selbst bestimmten, habe dagegen ein �authentisches Bild“ abgegeben: �Wir streiten, schreien uns an und reden hinterher hoffentlich wieder miteinander“, sagte der Jesuit, der f�r das Jerusalemer Treffen verantwortlich war: �Wir stehen hingegen selten Hand in Hand und singen Friedenslieder“. Die Realit�t im Heiligen Land sei �viel komplexer, als der erste Eindruck glauben machen“ wolle, betonte Neuhaus. In jedem Fall werde der Dialog zwischen den offiziellen Religionsvertretern weitergehen. – Im Jerusalemer Notre-Dame-Zentrum hatte der muslimische Vertreter, Scheich Taisir Al-Tamimi, entgegen den Planungen das Mikrofon ergriffen und auf Arabisch Israel harsch kritisiert. Drei Tage sp�ter in Nazareth stimmte Goschen-Gottstein nach der Ansprache des Papstes ein Friedenslied an und forderte die Versammelten zum Mitsingen auf. Danach habe er einen �Sturm der Zustimmung“ erfahren, so der Rabbiner. Bilder k�nnten manchmal Fakten schaffen; darum sei die Geste wichtig gewesen. (rv)

 

 

21.05.09

Irland: Ersch�ttert �ber Missbrauchs-Bericht

Kardinal Sean Brady, der irische Primas, ist ersch�ttert angesichts der gegen die Kirche erhobenen Missbrauchsvorw�rfe. Der detaillierte Bericht einer unabh�ngigen Untersuchungskommission, der am Mittwoch vorgelegt wurde, sei ein �besch�mender Katalog von Grausamkeiten“. Das erkl�rte Brady am Mittwoch in Maynoth. Zugleich bezeichnete der Kardinal das Papier als �willkommenen und wichtigen Schritt zur Aufkl�rung“, der den Opfern Gerechtigkeit verschaffe und �hnliche Vorf�lle in Zukunft verhindern helfe. Der in Dublin ver�ffentlichte Bericht besch�ftigt sich mit den erzieherischen Methoden in kirchlichen Kinderheimen des 20. Jahrhunderts, bis in die Achtziger Jahre hinein. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass k�rperliche und seelische Misshandlungen und Vernachl�ssigungen an der Tagesordnung gewesen seien. Auch seien Kinder, besonders in Einrichtungen f�r Jungen, sexuell missbraucht worden. Der Bericht der Untersuchungskommission hat rund 2.500 Seiten und befasst sich mit mehr als 100 Einrichtungen in Irland. Er ist das Ergebnis von neun Jahren Arbeit. �Insgesamt waren es 18 kirchliche Gemeinschaften, die die Verantwortung f�r Kinder in solchen Einrichtungen hatten; die Kommission hat sie genau unter die Lupe genommen“, sagt Schwester Mary Ann O`Connor vom irischen Verband der Ordensgemeinschaften. �Die Untersuchung ist sehr wichtig, weil sie uns zeigt, dass wir aus der Vergangenheit lernen m�ssen. Nur wenn wir diese Lektion lernen, k�nnen wir verletzlichen Menschen wirklich die Hilfe geben, die sie brauchen.“ Im fraglichen Zeitraum befanden sich rund 35.000 Kinder in der Obhut von kirchlichen Erziehungsheimen, Schulen und anderen Betreuungseinrichtungen. Mehr als 2.000 h�tten der Kommission von k�rperlichem und sexuellem Missbrauch berichtet. Viele der mutma�lichen T�ter seien bereits gestorben. Der Bericht spricht von einem Klima der Angst in den meisten der untersuchten Einrichtungen sowie von �bertriebenen und willk�rlichen Strafen. �Wir sollten nicht verdr�ngen, welcher Schmerz hier verursacht wurde; wir nehmen das absolut wahr und entschuldigen uns daf�r. Allerdings sollten wir auch nicht v�llig vergessen, in welchen Zeiten und in welcher Art von Gesellschaft wir lebten. Vor 30, 40, 50 Jahren war doch alles ziemlich anders, als es heute ist...“, so Schwester Mary Ann O`Connor. �Kurze und oberfl�chliche Kommentare w�ren jetzt nicht angemessen, angesichts des Leidens der Opfer“, meint Dublins Erzbischof, Diarmuid Martin. �Solche systematischen Missbr�uche, die �ber Jahrzehnte angehalten haben, sind furchtbar und absto�end, wenn man in den f�nf B�nden des neuen Berichts dar�ber liest. Ich bewundere, mit welchem Mut die Opfer ihre Geschichten erz�hlt haben. Auch ich rufe - wie die Kommission - alle betroffenen kirchlichen Gemeinschaften zu einer Zeit der Pr�fung auf. Sie sollen untersuchen, unter welchen Umst�nden es m�glich war, dass sie sich derart von ihrem Gr�ndungscharisma entfernen konnten.“ Derweil hat der neue Londoner Erzbischof Vincent Gerard Nichols mit �u�erungen zum Bericht �ber Kindesmissbrauch in Irland eine Debatte entfacht. Die Kontroverse �berschattete seine Amtseinf�hrung als Nachfolger von Kardinal Cormac Murphy-O'Connor (76) an diesem Donnerstag. Im britischen Fernsehsender ITV hatte Nichols am Mittwoch den T�tern �Mut“ bescheinigt, weil sie sich ihrer Vergangenheit gestellt h�tten. Zwar denke er zuerst an die Missbrauchsopfer. An zweiter Stelle denke er aber auch an die Geistlichen und Mitglieder religi�ser Gemeinschaften, �die sich Tatsachen aus ihrer Vergangenheit stellen m�ssen, die sie instinktiv und ganz verst�ndlich lieber vergessen m�chten.“ Der Missbrauchsbericht d�rfte die vielen guten Dinge in den Hintergrund treten lassen, die diese Menschen ebenfalls getan h�tten, so der Vorsitzende der Bischofskonferenz. Kinderschutzverb�nde in Gro�britannien reagierten entr�stet auf die Aussagen von Nichols. (rv)

 

 

22.05.09

Vatikan/Italien: Papstbesuch bei Benedikt

 

Benedikt XVI. begibt sich auf die Spuren seines Namenspatrons, des Heiligen Benedikt von Nursia. Am kommenden Sonntag besucht der Papst die mittelitalienische Stadt Cassino und die nahe gelegene Benediktiner-Abtei Montecassino. Am Vormittag feiert er Gottesdienst auf dem gr��ten Platz der 33.000-Einwohner Stadt, der nach der Visite seinen Namen tragen wird. Am Nachmittag wird Benedikt in der au�erhalb der Stadt auf rund 600 Meter liegenden Abtei die Vesper beten. Dazu reisen rund 500 Vertreter aller Benediktiner-Zweige an. �Der heilige Benedikt ist ein fundamentaler Bezugspunkt f�r die Einheit Europas und ein starker Hinweis auf die Unverzichtbarkeit der christlichen Wurzeln seiner Kultur und Zivilisation.” Das sagte Joseph Ratzinger, der sich kurz zuvor den Namen Benedikt gegeben hatte, in seiner ersten gro�en Audienz. �Ich bitte ihn, uns zu helfen, dass Christus in unserem Leben zentral bleibt. Er stehe in unserem Denken und Tun immer an erster Stelle!“  Montecassino gilt als Wiege des abendl�ndischen M�nchtums, Benedikt von Nursia gr�ndete die Abtei 529. Im Februar 1944 wurde sie durch einen massiven Bombenangriff der Alliierten fast v�llig zerst�rt, Das Grab des M�nchsvaters hat in der Krypta der Basilika den Bombenangriff �berstanden. Die wieder aufgebaute Basilika weihte Papst Paul VI. 1964 und rief Benedikt zum Patron Europas aus; sein Apostolisches Schreiben dazu trug den Namen �Pacis nuntius“ - Friedensbote. Bei K�mpfen um das festungs�hnliche Kloster zwischen der deutschen Wehrmacht und den auf Rom vorr�ckenden Alliierten kamen im Lauf von vier Monaten im Fr�hjahr 1944 mehr als 70.000 Soldaten ums Leben. Benedikt XVI. wird am Sonntag der Gefallenen gedenken und den nahe gelegenen polnischen Soldatenfriedhof besuchen. (rv)

 

 

28.05.09

Deutschland: Piusbruderschaft plant Priesterweihen

Die vom Vatikan nicht anerkannte Piusbruderschaft wird Ende Juni in Zaitzkofen bei Regensburg je drei M�nner zu Priestern bzw. Diakonen weihen. Das geht aus dem aktuellen Rundbrief des Priesterseminars der traditionalistischen Bruderschaft hervor, die den Termin auf Anfrage von Radio Vatikan an diesem Donnerstag best�tigte. Der spanische Pius-Bischof Alfonso de Galarreta soll die Weihen vornehmen. Er geh�rt zu jenen vier Bisch�fen, die Erzbischof Marcel Lefebvre 1988 gegen den Willen des Papstes geweiht hatte. Laut katholischem Kirchenrecht sind den Bisch�fen der Piusbruderschaft Weihehandlungen verboten, trotz der Aufhebung ihrer Exkommunikation durch Papst Benedikt XVI. Ende Januar. Die Bisch�fe haben derzeit keine Befugnis, ein Amt in der Kirche auszu�ben. Im Rundbrief der Priesterbruderschaft hei�t es dazu, dass von einem �generellen Weihestopp“ in den bisherigen Verhandlungen mit dem Heiligen Stuhl �nie die Rede“ gewesen sei. Das Bistum Regensburg warte noch auf Handlungsanweisungen aus Rom, best�tigte Bistumssprecher Jakob Sch�tz gegen�ber Radio Vatikan. Von den Weihen am 27. Juni war im Bistum zum Zeitpunkt der Anfrage noch nichts bekannt. Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig M�ller hatte mehrfach erkl�rt, er erwarte von den Traditionalistenbisch�fen, dass sie unerlaubte Weihen unterlassen, bis ihr kirchenrechtlicher Status gekl�rt sei. Noch vor zwei Monaten Wochen hatte die Priesterbruderschaft St. Pius X. eine - unerlaubte – Subdiakonatsweihe offenbar auf Bitten Papst Benedikts von Zaitzkofen nach Econe in der Schweiz verlegt. (rv)

 

 

30.05.09

Vatikan: Papst best�tigt Tschechien-Besuch

Papst Benedikt XVI. wird 26. bis 28. September die Tschechische Republik besuchen. Das best�tigte der vatikanische Pressesaal im Anschluss an eine Audienz des Papsts f�r den tschechischen Staatspr�sident Vaclav Klaus am Samstag. Weiter wurde mitgeteilt, dass Benedikt XVI. Prag, Brno (Br�nn) und Stara Boleslav (Altbunzlau) besuchen wird. Es ist die dreizehnte Auslandsreise des Papstes. Zu dem Besuch haben ihn laut Vatikan Klaus und die Tschechische Bischofskonferenz eingeladen. Benedikt XVI. empfing den Staatspr�sidenten und dessen Ehefrau Livia am Samstagvormittag in Privataudienz. V�clav Klaus sei erfreut �ber die Best�tigung des Papstbesuches, so die Medienmitteilung aus dem Vatikan. Bei ihrem Treffen er�rterten der Papst und Pr�sident Klaus die Situation seines Landes sowie die Beziehung zwischen Staat und Kirche. Weiter unterhielten sich der Papst und Pr�sident Klaus �ber die Zukunft Europas und die Bedeutung des Christentums f�r den europ�ischen Kontinent. Die Beziehung zwischen der katholischen Kirche und dem tschechischen Staat ist gegenw�rtig von einem Streit um die R�ckgabe f�r die Enteignungen w�hrend der kommunistischen �ra gepr�gt. Eine Staat-Kirche-Kommission hatte sich Anfang 2008 auf ein Entsch�digungsmodell verst�ndigt, das unter anderem finanzielle Leistungen als Ausgleich f�r den beschlagnahmten Grundbesitz vorsieht. 59 Prozent der Tschechen geh�ren nach einem Zensus von 2001 keiner Religionsgemeinschaft an. Das Land z�hlt damit zu den s�kularisiertesten Staaten des ehemaligen Ostblocks. Klaus traf anschlie�end auch mit Kardinalstaatssekret�r Tarcisio Bertone und mit dem vatikanischen Au�enminister Erzbischof Dominique Mamberti zusammen. (rv)

 

 

 

nach oben > >

 

 

6/2009

 

 

01.06.09

Polen: Fall der Berliner Mauer-Ende des Eisernen Vorhanges

Nicht der Fall der Berliner Mauer, sondern die Botschaft Papst Johannes Pauls II. in Gnesen vom Juni 1979 hat den Prozess angeregt, der zum Ende des Eisernen Vorhanges f�hrte. Das sagt der Krakauer Kardinal Stanislaw Dziwisz, langj�hriger Privatsekret�r des polnischen Papstes, in einem aktuellen Interview mit der polnischen katholischen Nachrichtenagentur von Warschau. In Gnesen habe der Papst die spirituelle Einheit des christlichen Europa beschworen, das aus zwei gro�en Traditionen – der �stlichen und der westlichen - bestanden habe. Johannes Paul habe in der Frage der Einheit Europas keine Zugest�ndnisse machen wollen. �Er war �berzeugt, dass es nicht die richtige Stra�e der Entwicklung war, den Menschen seiner Rechte zu berauben“, so Dziwisz. Johannes Paul habe �brigens alle seine Reden f�r seine Polenreise von 2. bis 10. Juni 1979 pers�nlich geschrieben, das Staatssekretariat habe in diesem Fall blo� die Zitate �berpr�ft. (rv)

 

 

02.06.09

Die Kirche hat einen neuen Gro�p�nitentiar

Es ist der italienische Erzbischof Fortunato Baldelli, bisher Nuntius in Frankreich. Er folgt in seinem neuen Amt dem amerikanischen Kardinal Francis Stafford, der wegen des Erreichens der Altersgrenze sein R�cktrittsgesuch beim Papst eingereicht hatte. (rv)

 

 

05.06.09

Der Papsturlaub ist amtlich: Benedikt XVI. wird am Montag, 13. Juli nach Les Combes di Introd im Aostatal reisen

 

Bis Mittwoch, 29. Juli, h�lt er sich in dem Alpen-Chalet auf, das schon f�r Johannes Paul II. eingerichtet worden war. Einzige �ffentliche Termine in dieser Zeit sind die sonnt�glichen Angelusgebete am 19. Juli in dem Ort Romano Canavese und am 26. Juli vor dem Chalet in Les Combes. Alle Audienzen, auch die Generalaudienzen am 15., 22. und 29. Juli entfallen. Nach der Urlaubszeit im Aostatal wird Benedikt XVI. in die P�pstliche Sommerresidenz in Castelgandolfo �bersiedeln. Dort wird er w�hrend der Sommermonate den Angelus beten; die Generalaudienzen werden am 5. August wieder aufgenommen und finden weiter in Rom statt. (rv)

 

 

09.06.09

Bischof Algermissen �ber Piusbr�der: �Jetzt ist der Vatikan am Zug“

Nach Provokationen der Piusbruderschaft in den vergangenen Tagen soll der Vatikan ein klares Wort sprechen. Darauf hoffen nun die deutschen Bisch�fe. So w�re es dem Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen sehr wichtig, dass der Papst sehe, wie die Gruppe auf sein gro�z�giges Entgegenkommen reagiere. Der Fuldaer Bischof wies darauf hin, dass er den Nuntius in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude P�risset, und den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, per Brief ausf�hrlich �ber das Vorgehen der Bruderschaft und deren �Bruch des Kirchenrechts“ informiert habe. Gegen�ber Radio Vatikan erkl�rte Bischof Algermissen:

�Die Piusbruderschaft muss ohne Wenn und Aber das ganze Zweite Vatikanische Konzil rundum annehmen sowie die Lehre der P�pste von Johannes XXIII. bis Benedikt XVI. Wenn das nicht der Fall ist, gibt es schlicht keine Einheit. Ich habe in den vergangenen Tagen mehrmals gesagt, dass es f�r mich das Schlimmste ist, wenn ich einsehen muss, dass die Piusbr�der die Einheit gar nicht w�nschen und diese Wunde in der Kirche weiter entz�ndet bleibt und weiter schw�rt.“

Die Piusbr�der seien �berheblich, so Algermissen weiter.

�Das ist bei der Predigt am letzten Sonntag zu h�ren gewesen. So hat Pater Franz Schmidberger – wie man mir referiert hat – gesagt, dass die katholische Kirche, also unsere Kirche, sich zu ihnen bekehren m�sse. Das ist f�r mich der Gipfel der Arroganz und Ignoranz. Es zeigt auch, dass sie im Konkreten nicht dem�tig sind oder einen Weg der Aufarbeitung gehen.“

Die Piusbr�der hatten am Wochenende Algermissen eingeladen, bei ihnen eine Messe zu besuchen. Der Bischof dazu:

�Ich brauche nicht von ihnen eingeladen zu werden. Ich kann n�mlich die lateinische Messe jeden Morgen in meiner Privatkapelle zelebrieren. Abgesehen davon ist an jedem Sonntag in einer Pfarrkirche in Fulda um 11.15 Uhr eine solche Messe im au�erordentlichen Ritus, und das seit Jahren. Deshalb nehme ich die Einladung von Pater Schmidberger nicht an, die meiner Meinung nach von S�ffisanz strotzt.“

Die f�r Ende Juni geplanten Priesterweihen seien �ein Affront gegen die Einheit der Kirche“. Das erkl�rte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, am Dienstag im Deutschlandfunk. Auch Zollitsch w�nscht sich, dass der Vatikan auf diese Provokation eine klare Antwort formuliere. Die Debatte habe innerhalb der katholischen Kirche und dar�ber hinaus viele Menschen verunsichert.

Dem Papst allein bleibe es vorbehalten, wie er mit der Priesterbruderschaft verfahren werde, sollte es tats�chlich zu den Weihen kommen. Das erkl�rte ein Sprecher des Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig M�ller. M�gliche Sanktionsma�nahme w�re etwa die erneute Exkommunikation des weihenden Bischofs. Bereits im Fr�hjahr hatte sich M�ller mit einem Schreiben an den Vatikan gewandt und um eine schriftliche Anweisung gebeten, wie er mit dem Priesterseminar der Bruderschaft, das auf dem Gebiet der Di�zese Regensburg liegt, verfahren soll. Bisher sei keine Antwort eingegangen. (rv)

 

 

11.06.09

Deutschland: Bischof Bode zum Streit mit den Piusbr�dern

Solange nicht klar ist, ob die Piusbruderschaft zu allen Teilen des kirchlichen Lehramtes steht, ist es f�r sie �nicht gut, Priester zu weihen“. Das sagte im Gespr�ch mit dem K�lner domradio der Osnabr�cker Bischof Franz-Josef Bode. Er war Festprediger beim Fuldaer Bonifatiusfest am vergangenen Sonntag – am selben Tag weihte die vom Vatikan nicht voll anerkannte Priesterbruderschaft eine Kapelle in unmittelbarer Nachbarschaft. Bode bewertet das Verhalten der traditionalistischen Gruppe als �ziemlich provokativ“: �Es geht ja erstmal darum, dass – nachdem der Papst die H�nde weit ausgebreitet hat – auch gekl�rt werden muss, wie denn wirklich die Vers�hnung zustande zu bringen ist. Und ob wirklich die Piusbr�der zum Konzil - zu allen Teilen des Konzils - stehen. Solange das nicht gekl�rt ist, ist es nicht gut, Priester zu weihen. Diese Kapelleneinweihung ist keine riesige Geschichte - aber sie war nun genau zum gleichen Zeitpunkt wie das Bonifatiusfest in Fulda. Einen Steinwurf weit vom Dom entfernt. Ich wei� nicht, ob es nicht doch eine bewusste Geschichte gewesen ist... Und das, meine ich, sollte man vermeiden, wenn man auf der einen Seite Vers�hnung sucht – und auf der anderen doch solche provokanten Akte aufeinander setzt.“ Die Piusbruderschaft plant, Ende Juni 21 M�nner zu Priestern zu weihen, drei davon in Zaitzkofen in der N�he von Regensburg. Eine Genehmigung des Vatikans dazu liegt nicht vor. Bischof Bode w�nscht sich eine grunds�tzliche Erkl�rung des Heiligen Stuhles: �Ich hoffe, dass einige Dinge gekl�rt werden, wie es auch kirchenrechtlich darum geht, wenn nun die Priesterweihen stattfinden. Was bedeutet das f�r eine Wieder-Exkommunikation? Oder auch die weitere inhaltliche Gestaltung der Gespr�che? Denn ich habe den Eindruck, dass erstmal die Hand ausgestreckt ist - und damit ist sicherlich ein gro�es Entgegenkommen verbunden. Jetzt muss in die Einzelheiten eingestiegen werden. Es ist ein gro�er Vorteil, dass das nun bei der Glaubenskongregation liegt, und soweit ich die wichtigsten Vertreter dort kenne, wird das auch einen guten Weg nehmen.“ (rv)

 

 

12.06.09

Zu Recherchearbeiten �ber Pius XII. hat Kardinalstaatssekret�r Bertone aufgerufen

Nur strenges Dokumentenstudium k�nne das wahre Gesicht des Pacelli-Papstes enth�llen. Der zweite Mann im Vatikan appellierte an die Forschung, das bereits freigegebene Archivmaterial aus seiner Zeit als Nuntius in M�nchen und Berlin sowie als Kardinalstaatssekret�r zu untersuchen. Alle Stellen, die �ber weitere Dokumente und Akten verf�gten, sollten dieses Material den Wissenschaftlern baldm�glichst zur Verf�gung stellen. Der Vatikan habe bereits die Archive f�r den Zeitraum 1930 bis 1939 ge�ffnet, unterstrich Bertone. Eugenio Pacelli sei ja 1930 von Papst Pius XI. zum Kardinalstaatssekret�r ernannt worden - damit sei f�r die Forschung reichhaltiges Material aus neun Jahren an der Seite eines Papstes zug�nglich, der als �gro�er Papst“ gegen Nazismus und Faschismus gilt. Nach Aussagen Bertones hat bislang jedoch noch kein Historiker von j�discher Seite diese Archive konsultiert. - Bei einer Buchvorstellung in Rom best�tigte Bertone auch, dass der Vatikan die �ffnung seiner Archive f�r die Kriegsjahre 1939 bis 1945 vorbereite. Doch das brauche �viel Zeit“. Der vom Chefredakteur der Vatikanzeitung �L’Osservatore Romano“ auf Italienisch herausgegebene Sammelband �Zur Verteidigung von Pius XII.“ enth�lt im wesentlichen Artikel der Vatikanzeitung zu diesem Thema. Giovanni Maria Vian will damit einen �Beitrag zur geschichtlichen Wahrheit �ber Pius XII.“ leisten, schreibt er im Vorwort. Die �schwarze Legende �ber Pius XII.“ erschwere noch immer eine sachliche historische Debatte. Das Buch enth�lt unter anderem Texte von Kardinalsstaatssekret�r Tarcisio Bertone und der Vatikanerzbisch�fe Rino Fisichella und Gianfranco Ravasi sowie einen Beitrag des Historikers und Sant’Egidio-Gr�nders Andrea Riccardi. Au�erdem hat Vian Artikel aus dem Osservatore Romano und eine Betrachtung von Benedikt XVI ausgew�hlt. (rv)

 

 

15.06.09

Papst Benedikt XVI. hat einen neuen Arzt

 

Patrizio Polisca wird somit Nachfolger von Renato Buzzonetti (siehe Bild), der bereits pers�nlicher Arzt von Johannes Paul II. gewesen war. Polisca wird gleichzeitig auch Vizedirektor des vatikanischen Gesundheitsdienstes. Benedikt XVI. ernannte den 85-j�hrigen Renato Buzzonetti zum �emeritierten P�pstlichen Chefarzt“. Polisca ist Herzspezialist und betreut seit 1993 die Angestellten und Mitarbeiter im Vatikan medizinisch. Bereits in den vergangenen Jahren hat Polisca die p�pstlichen Auslandsreisen zusammen mit Buzzonetti begleitet. Noch bei der Heilig-Land-Reise Mitte Mai geh�rte Buzzonetti zum offiziellen Gefolge des Papstes. Er begleitete Benedikt XVI. wie bereits seit 1978 dessen Vorg�nger Johannes Paul II. auf allen Stationen. Damit geh�rte er zu den dienst�ltesten leitenden Funktionstr�gern im Vatikan. – Im Juni 2005 hatte Buzzonetti offiziell sein Amt als Chef des vatikanischen Gesundheitsdienstes an Giovanni Rocchi abgegeben. Auch danach behielt Benedikt XVI. den �Dottore“ aber f�r vier weitere Jahre als seinen offiziellen Leibarzt. (rv)

 

 

17.06.09

Vatikan: �Priesterweihen der Piusbr�der sind unerlaubt“

Priesterweihen bei den Piusbr�dern sind aus katholischer Sicht weiterhin unerlaubt. Das schreibt der vatikanische Pressesaal an diesem Mittwoch in einem Statement. Auch wenn den vier Lefebvre-Bisch�fen die Exkommunikation genommen wurde, bedeute das keineswegs, dass die Bruderschaft eine kanonische Stellung innerhalb der katholischen Kirche habe, so die Note weiter. Solange die Bruderschaft keinen ordentlichen Status in der katholischen Kirche besitze, seien ihre Mitglieder nicht berechtigt, irgendeinen Dienst in der Kirche auszu�ben, so die vatikanische Stellungnahme. Der Vatikan verwies dabei auf den Brief von Papst Benedikt XVI. an die Bisch�fe vom 10. M�rz. Darin werde die Kl�rung von Lehrfragen als Voraussetzung f�r eine kirchenrechtliche Anerkennung der Gemeinschaft benannt. Die Umstrukturierung der vatikanischen Kommission �Ecclesia Dei“ stehe laut der Stellungnahme in n�chster Zeit bevor. Diese war bisher f�r die Piusbruderschaft zust�ndig gewesen. Erst nach der Festlegung des neuen Status dieser Kommission k�nne es einen Dialog mit den Verantwortlichen der Piusbruderschaft geben. Inhalt der k�nftigen Gespr�che sei �die gew�nschte Kl�rung der lehrm��igen und nachfolgend auch der disziplin�ren Fragen, die v�llig offen sind“, so der Vatikan. – Die Priesterbruderschaft St. Pius X. gab k�rzlich bekannt, dass sie am 27. Juni in Zaitzkofen die Priesterweihe durchf�hren will. (rv)

 

 

20.06.09

Verz�gerungen bei der Seligsprechung von Papst Pius XII.

Der Vatikan hat Medienberichte zur�ckgewiesen, wonach Druck seitens j�discher Organisationen eine Seligsprechung von Papst Pius XII. verz�gere. Solche �u�erungen seien �ungerechtfertigt und unangemessen“, erkl�rte Vatikansprecher, Federico Lombardi. Der Jesuitenpater erkl�rte dazu, es sei allein Sache des Papstes, �ber einen solchen Schritt zu entscheiden. Man m�sse Benedikts Entscheidungszeiten respektieren. – Der deutsche Jesuitenpater Peter Gumpel hatte bei einer Konferenz in Rom erkl�rt, Papst Benedikt XVI. habe sich von Warnungen beeindrucken lassen, dass die Beziehungen zur j�dischen Welt Schaden n�hmen, wenn er Pius seligspreche. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa zitierte Gumpel mit den Worten, j�dische Vertreter h�tten Benedikt gesagt, dass die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und den Juden dauerhaft besch�digt w�rden, wenn Pius seliggesprochen werde. Auch der r�mische Oberrabbiner Riccardo Di Segni wies die �u�erungen Gumpels zur�ck. Die Frage einer Seligsprechung Pius' sei ein inneres Problem der Kirche, zitierte Ansa Di Segni. Es handele sich um eine komplexe Angelegenheit, die die Kirche selbst spalte. (rv)

 

 

27.06.09

Piusbruderschaft hat drei neue Priester – Fellay sieht dennoch �deutliche Ann�herung“ an Rom

Gegen den erkl�rten Willen Papst Benedikts und des Ortsbischofs Gerhard Ludwig M�ller hat die traditionalistische Gruppe im bayerischen Zaitzkofen an diesem Samstag ihre angek�ndigten Priesterweihen durchgef�hrt. Der spanische Pius-Bischof Alfonso de Galarreta legte je einem Schweizer, einem Polen und einem Schweden die H�nde auf. Zwei weitere M�nner empfingen die Diakonweihe. Galarreta ist – so wie die drei �brigen Bisch�fe der Piusbruderschaft - nach wie vor als Priester suspendiert und daher nach dem Kirchenrecht nicht dazu befugt, Sakramente zu spenden.
Nach Angaben der Piusbr�der waren zu der viereinhalbst�ndigen Weihezeremonie 1.200 Menschen gekommen, darunter viele Familien. Der Generalobere der Bruderschaft, Bernard Fellay, erkl�rte nach der Zeremonie vor Journalisten, der Vatikan habe die Weihen �nicht verboten“. Er sehe seit dem Jahr 2000 eine deutliche Ann�hrung an Rom. Diese sei seit der Wahl Papst Benedikts vor vier Jahren noch sp�rbarer geworden. In Fragen der Disziplin, der Moral und der Liturgie f�hle man sich dem Papst sehr nahe. Die Differenzen seien �eher theologischer Art“. Er gehe davon aus, dass es nach den Sommerferien weitere Gespr�che mit dem Vatikan geben werde, sagte Fellay. Der Papst versuche das Konzil zu retten und behaupte aus diesem Grund, es gebe durch das Zweite Vatikanum keinen Bruch in der Tradition der Kirche.
Der Heilige Stuhl hat sich nicht neuerlich zu den Weihen ge�u�ert. Doch bereits vor zwei Wochen hatte Vatikansprecher Federico Lombardi daran erinnert, dass die Weihen der Piusbruderschaft illegal sind. Diese Tatsache unterstrich auch der Regensburger Bischof M�ller in einem Interview mit dem �Deutschlandfunk“ am Samstagmorgen. Die Lefebvrianer stellten sich mit diesem Akt gegen die Autorit�t des Papstes und zeigten, dass sie nicht zur katholischen Kirche geh�rten. Dieses Handeln sei �kirchensch�dlich“ und zeuge von einer Diskrepanz, so M�ller weiter. Die Gemeinschaft h�tte sich schlie�lich vor der Aufhebung der Exkommunikation der Lefebvre-Bisch�fe zur Autorit�t des Papstes bekannt, erinnerte der Ortsbischof. (rv)

 

 

29.06.09

Vatikan: Papst, das Paulusgrab ist echt

 

Zum Abschluss des Paulusjahres hat Papst Benedikt XVI. eine arch�ologische Sensation bekannt gegeben: Das Grab des V�lkerapostels in der r�mischen Basilika Sankt Paul vor den Mauern enth�lt vermutlich tats�chlich die Knochen des Paulus. Zu Beginn seiner Predigt beim Vespergottesdienst in der Basilika sagte der Papst:
�Der Sarkophag, der unter diesem Papstaltar ruht, wurde k�rzlich einer wissenschaftlichen Analyse unterzogen. Er war in all den Jahrhunderten nie ge�ffnet worden. Am Sarkophag wurde ein kleines Loch angebracht, um eine spezielle Sonde einzuf�hren. In seinem Inneren fanden sich unter anderem Knochenfragmente, die mit der C-14-Methode untersucht wurden, und zwar von Fachleuten, die nichts von der Herkunft dieser Fundst�cke wussten. Sie stellten fest, dass die Knochenteile von einer Person stammen, die zwischen dem ersten und dem zweiten Jahrhundert gelebt hat.“ In dem Sarkophag entdeckten die Arch�ologen neben den Knochen auch einige K�rner Weihrauch, �Eiwei�- und Kalksubstanzen“ und einige textile Reste, so ein kostbares St�ck purpurfarbenen Leinenstoffs mit Goldbesatz und ein blaues Gewebe mit Leinenfasern, berichtete der Papst. �Das scheint die einhellige und unwidersprochene Tradition zu best�tigen, dass es sich hier um die sterblichen �berreste des Apostels Paulus handelt. All das erf�llt unsere Seele mit tiefer Emotion.“ Mit dieser einzigartigen Verk�ndigung wissenschaftlicher Befunde reagierte Papst Benedikt auf die �u�erungen kritischer Forscher, die nicht an die Echtheit des Paulusgrabes glauben. Au�er Zweifel steht, dass Christen das Grab bereits im ersten Jahrhundert verehrten. Der Sarkophag selbst stammt aus der Zeit um 390. Er soll nun nach dem sensationellen Fund ge�ffnet werden, sagte am Montag Kardinal Andrea Cordero Lanza di Montezemolo, der als Erzpriester f�r die Basilika zust�ndig ist. �Der Heilige Vater wird uns dies sp�ter gestatten, es wird aber eine lange und heikle Arbeit werden, denn es gilt, auch kleinste Sch�den zu vermeiden“, zitiert die r�mische Zeitung �La Repubblica“ am Montag den italienischen Kardinal. Von den Stoff- und Knochenresten im Sarkophag habe er pers�nlich �seit eineinhalb Jahren gewusst, aber es oblag allein dem Papst, das zu verk�nden“.
Diesen Wissensstand hatte der Erzpriester der Basilika Sankt Paul vor den Mauern bis zuletzt erfolgreich verschleiert. Erst am vergangenen Freitag hatte er den Journalisten berichtet, dass die Einf�hrung einer Sonde in den Paulus-Sarkophag an dessen dicken W�nden gescheitert sei. Die Forschungsarbeiten an dem Grab begannen 2002 unter der Leitung vatikanischer Arch�ologen. (rv)

 

 

 

Vatikan: Paulus-Darstellung entdeckt

Arch�ologen des Vatikans haben in Rom die bisher angeblich �lteste Darstellung des Apostels Paulus entdeckt. Es handelt sich um ein rundes Fresko mit Goldverzierungen in der Katakombe der Heiligen Thekla. Das schreibt die Vatikanzeitung �L’Osservatore Romano“ (Samstag). Die Darstellung stammt aus dem sp�ten 4. Jahrhundert. Die Thekla-Katakombe liegt an der Via Ostiense und damit in der N�he des Ortes, an dem Paulus den M�rtyrertod erlitt. Erzbischof Gianfranco Ravasi, der Pr�sident des P�pstlichen Kulturrates, sprach angesichts des Fundes von einem au�ergew�hnlichen Ereignis, das ein �sprechender Beweis des Christentums“ der ersten Jahrhunderte sei. Die 63 Katakomben in und rund Rom geh�ren zum Vatikan. (rv)

 

 

30.06.09

Vatikan: Paulus-Knochen sollen nicht f�r alle zug�nglich sein

Die Sensation kam genau zum Abschluss des Paulus-Gedenkjahrs: Das Paulus-Grab in Rom enth�lt wohl tats�chlich die sterblichen �berreste des Apostels, wie erstmals wissenschaftliche Untersuchungen ergaben. Das sagte der Papst bei der Vesper in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern am Sonntag (wir berichteten). Doch die Knochen sollen nicht f�r alle Besucher zug�nglich werden, erkl�rt gegen�ber Radio Vatikan der Erzpriester der Sankt-Paul-Basilika, Kardinal Andrea Cordero Lanza di Montezemolo. �Wir haben ein mikroskopisch kleines Loch gemacht, um die Untersuchungssonde einf�hren zu k�nnen. Es ist aber nicht m�glich, allen den Blick durch dieses Loch zu erm�glichen. Wir haben vor etwa einem Jahr eine Wand zum Grab entfernt. Sie stammte aus dem f�nften Jahrhundert. Nun kann man eine Seite des Paulus-Sarkophags sehen. Das haben wir bereits vor dem Paulusjahr gemacht, damit alle Pilger vor seinem Grab beten konnten.“ Die f�r den Vatikan t�tigen Wissenschaftler wussten nach Angaben des Papstes nicht, welche bedeutsamen Knochenreste ihnen zur Untersuchung anvertraut worden seien. Die Identit�t dieser unabh�ngigen Spezialisten solle geheim gehalten werden, sagt der Hausherr der Paulus-Basilika. (rv)

 

 

 

nach oben > >

 

 

7/2009

 

 

01.07.09

Sozialenzyklika des Papstes: �Ein weiterer gro�er Beitrag von Papst Benedikt XVI.“

Mit Spannung wird sie erwartet: Die Sozial-Enzyklika von Papst Benedikt XVI. �Caritas in veritate“. Wie der vatikanische Pressesaal an diesem Mittwoch bekannt gab, wird das p�pstliche Lehrschreiben am kommenden Dienstag erscheinen. In der Enzyklika geht es unter anderem um einen �nachhaltigen Fortschritt“, der vom �Respekt der menschlichen W�rde und der wahren Bed�rfnisse aller“ zeugen soll. So viel hatte Benedikt beim Angelus-Gebet auf dem Petersplatz am vergangenen Sonntag schon verraten. Die Enzyklika k�nne der gemeinn�tzigen Arbeit der Kirchen als Anregung dienen, meint der New Yorker Kardinal Edward Egan. Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise fand in den Vereinigten Staaten ihren Ursprung. Im Gespr�ch mit Radio Vatikan sagte Kardinal Egan: �In der Erzdi�zese von New York gibt es die gr��te katholische Caritas der Nation. Unser Budget umfasst �ber eine halbe Milliarde Dollar im Jahr. Wir glauben an die Wohlfahrt. Deshalb werden wir die Enzyklika des Heiligen Vaters sehr aufmerksam lesen. Wir werden nicht nur Menschen helfen, die leiden, sondern allen Menschen, die in Not sind. Ich pers�nlich freue mich darauf, die Enzyklika zu studieren, und wir werden alle froh sein, sie zu haben. Sie wird ein weiterer gro�er Beitrag von Papst Benedikt XVI. sein.“ Vier Fachleute, darunter ein Deutscher, werden das p�pstliche Lehrschreiben am kommenden Dienstag bei einer Pressekonferenz im Vatikan vorstellen: Kurienkardinal Paul Josef Cordes, Pr�sident des P�pstlichen Caritas-Rates �Cor Unum“, Kardinal Renato Raffaele Martino, Pr�sident des P�pstlichen Rates f�r Gerechtigkeit und Frieden sowie der Sekret�r desselben Rates, Giampaolo Crepaldi, und der in Bologna lehrende Wirtschaftswissenschaftler Stefano Zamagni, der am p�pstlichen Friedensrat als Konsultor wirkt. F�r �Caritas in veritate“ gilt eine Sperrfrist f�r Dienstag, 7. Juli, zw�lf Uhr. Akkreditierten Journalisten steht das Schreiben ab neun Uhr desselben Tages zur Verf�gung, und zwar in sechs Sprachen, darunter Deutsch. (rv)

 

 

03.07.09

Vatikan: Tschechienreise best�tigt

Papst Benedikt XVI. besucht vom 26. bis 28. September die Tschechische Republik. Der Vatikan hat die Reise an diesem Freitag best�tigt und das Programm ver�ffentlicht. Im Mittelpunkt der dreizehnten Auslandsreise des deutschen Papstes stehen die Hauptstadt Prag, Br�nn und Stara Boleslav (Altbunzlau). W�hrend des rund 54 Stunden dauernden Aufenthalts sind elf �ffentliche Ansprachen geplant. Benedikt XVI. trifft am Samstag, 26. September, in Prag ein, wird sich mit dem Pr�sidenten treffen und eine Rede vor Politikern und Diplomaten halten. Im ber�hmten St.-Veits-Dom wird der Papst am Abend mit Priestern und Ordensleuten die Vesper beten. Auf dem Flughafen von Br�nn feiert der Papst am Sonntagvormittag die Messe, am Nachmittag sind in Prag eine �kumenische Begegnung sowie eine Ansprache an Vertreter der Wissenschaft geplant. In Altbunzlau zelebriert der Papst am Montag die Messe zu Ehren des Landespatrons Wenzel. Anschlie�end ist die – f�r Reisen Benedikts XVI. inzwischen obligatorische – Begegnung mit Jugendlichen vorgesehen. Letzter Programmpunkt zur�ck in Prag ist ein Mittagessen mit den Bisch�fen Tschechiens. Am sp�ten Nachmittag verl�sst das Kirchenoberhaupt die Tschechische Republik, am Abend des 28. September wird er in Rom zur�ck erwartet. (rv)

 

 

03.07.09

Personalentscheidungen im Vatikan

Der Initiator des soeben zu Ende gegangen Paulusjahrs und langj�hriger Vatikan-Diplomat, Kardinal Andrea Cordero Lanza di Montezemolo, tritt aus Altersgr�nden von seinem Amt als Erzpriester der Basilika Sankt Paul vor den Mauern zur�ck. Der 84-J�hrige war seit 2005 der Papstgesandte in Sankt Paul, 2007 hatte Benedikt XVI. ihn in den Kardinalsstand erhoben. Bereits 1959 war der geb�rtige Turiner in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls eingetreten. Nach Jahren als Sekret�r des vatikanischen Menschenrechtsrates �Justitia et Pax“ wurde er 1977 zum Bischof geweiht und zum Pro-Nuntius in Papua Neuguinea ernannt. Zwischen 1980 und 1986 war er Papst-Botschafter in Nicaragua und in Honduras, bevor er als Apostolischer Delegat nach Jerusalem wechselte. Dort arbeitete er am vatikanisch-israelischen Grundlagenvertrag von 1993 mit und wurde 1994 erster Nuntius in Israel. 1998 schlie�lich trat er seine letzte diplomatische Position auf dem wichtigsten Botschafter-Posten des Heiligen Stuhls, dem in Italien, an. 2001 reichte er mit Erreichen der Altersgrenze seinen R�cktritt ein. Montezemolos Nachfolge in der Basilika Sankt Paul tritt Erzbischof Francesco Monterisi an. Der 75-j�hrige war bisher Sekret�r der Bischofskongregation. Dort folgt ihm Bischof Manuel Monteiro de Castro, Nuntius in Spanien und Andorra. (rv)

 

 

04.07.09

Kardinal Castrill�n Hoyos scheidet aus dem Kuriendienst aus

Kurienkardinal Dario Castrill�n Hoyos feiert an diesem Samstag seinen 80. Geburtstag. Castrill�n Hoyos ist Chef der Vatikan-Beh�rde �Ecclesia Dei“ zur Auss�hnung mit den Traditionalisten und ehemaliger Pr�fekt der Kleruskongregation. Der Kolumbianer, der durch seine Leitung gegen�ber vier Lefebvre-Bisch�fen in eine Kontroverse geraten war, scheidet mit Erreichen der Altersgrenze aus dem Kuriendienst und aus dem Kreis der Papstw�hler aus. Damit d�rfen bei einem m�glichen Konklave 113 der aktuell 186 Kardin�le �ber ein k�nftiges Kirchenoberhaupt abstimmen. (rv)

 

 

04.07.09

Defizit der Weltkirchenverwaltung und des Vatikanstaates

Die Weltkirchenverwaltung des Heiligen Stuhles hat 2008 einen Haushaltsdefizit von rund einer Million Euro hinnehmen m�ssen. Er legte an diesem Samstag seine Jahresbilanz vor. Die weltweite Finanzkrise habe die Jahresrechnung stark gepr�gt. Das stellte der Kardinalsrat fest, der sich um die Wirtschaftsfragen k�mmert. Die entsprechenden Kardin�le pr�ften vom Mittwoch bis Freitag die Jahresrechnung. Geleitet wurden die Sitzungen von Kardinalstaatssekret�r Tarcisio Betone. Aus Deutschland war der K�lner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, anwesend. Noch schlechter sieht es f�r den Vatikanstaat aus. Dieser muss im Jahr 2008 einen Verlust von rund 15 Millionen Euro hinnehmen. Laut Bilanz ist das Minus auf Investitionen f�r Telefon- und Internetstrukturen zur�ckzuf�hren. Au�erdem investierte die Vatikanstadt 2008 in die Restaurierung der Cappella Paolina und die Basilika Sankt Paul vor den Mauern, sowie in die Restaurierung der Vatikan-Bibliothek. Der Peterspfennig – im wesentlichen Spenden von Gl�ubigen rund um den Erdball – brachte dem Vatikan fast 76 Millionen US-Dollar, die gr��ten Teil aus den USA, Italien und Deutschland stammen. (rv)

 

 

07.07.09

Die neue Enzyklika - Eine Einf�hrung von Pater von Gemmingen

Das lang erwartete dritte Rundschreiben von Papst Benedikt �ber soziale Fragen steht unter dem Titel �Caritas in veritate“. Dies bedeutet: Es geht zwar um die Liebe, um N�chstenliebe, aber keine nur gem�tvolle oder gar blinde, sondern um erleuchtete Liebe, das hei�t Gerechtigkeit und Wahrheit. Der Papst spricht damit nicht nur Katholiken an, sondern alle denkbereiten Menschen guten Willens. Daher hei�t es im Titel weiter ��ber die ganzheitliche Entwicklung des Menschen in der Liebe und in der Wahrheit.“
Die Enzyklika wird absichtlich am Vorabend des G8-Gipfels in L' Aquila ver�ffentlicht. Das ist gewollt. Der Papst will gleichsam als Vordenker den Pragmatikern sagen, warum die Weltwirtschaft ins Trudeln kam. Er sagt: Wenn wir den Menschen nur als Produktions- und Konsum-Maschine ansehen, geht die Geschichte daneben. Menschen wollen mehr als Essen und Trinken, sie suchen auch Respekt, Gerechtigkeit, Frieden. Wenn wir unser Menschenbild korrigieren, dann wird der Marktplatz der Welt wieder funktionieren. Nur wenn wir Ja zum Leben und zum Menschen sagen, bringen wir die �kologie des Menschen in Ordnung und unsere Umwelt. Egoistische Menschen machen Markt und Umwelt kaputt. Am Gemeinwohl orientierte Menschen bringen auch die Welt in Ordnung.
Der Papst glaubt an die Vernunft des Menschen und zitiert dazu weder Kant noch Hegel, weder Karl Marx noch Ludwig Erhard, er zitiert ausschlie�lichSozialschreiben seiner Vorg�nger Johannes XXIII. mit �Pacem in terris“, Paul VI. mit �Populorum progressio“, und vor allem mehrere Schreiben von Johannes Paul II. Nun geht es um Caritas aber nicht als Gef�hl oder Wohlt�tigkeit, sondern als Gerechtigkeit in voller Wahrheit. Es geht um die Wahrheit des Menschen. Caritas in veritate. (rv)

Zur Enzyklia “CARITAS IN VERITATE” > >

 

 

08.07.09

Papst ernennt neuen Verantwortlichen f�r Dialog mit Piusbr�dern

Benedikt XVI. gibt den Verhandlungen zwischen dem Vatikan und der traditionalistischen �Priesterbruderschaft St. Pius X.“ einen neuen Rahmen. Am Mittwoch ernannte er Kardinal William Levada zum neuen Leiter der Dialog-Kommission �Ecclesia Dei“; gleichzeitig band er diese Kommission mit einem so genannten �Motu Proprio“ an die Glaubenskongregation, die von Levada gef�hrt wird. Das bedeutet eine personelle und in gewisser Weise auch inhaltliche Neuordnung des Gespr�chs mit den Piusbr�dern.

Kardinal Hoyos nicht mehr Pr�sident
Kardinal Dario Castrillon Hoyos ist nicht l�nger Pr�sident der Kommission �Ecclesia Dei“; ein Vatikan-Statement vermerkt, der Papst habe sich bei dem 80-j�hrigen Kardinal f�r dessen Arbeit mit einem handschriftlichen Brief bedankt. Hoyos war eine Schl�sselfigur in der Debatte dieses Fr�hjahrs gewesen, als der Papst die Exkommunikation gegen vier Bisch�fe der Pius-Bruderschaft aufgehoben hatte. Viele warfen dem kolumbianischen Kardinal vor, den Piusbr�dern gegen�ber zu nachgiebig zu sein. Im Namen des Papstes habe sich das Vatikanische Staatssekretariat auch bei dem luxemburgischen Priester Camille Perl bedankt, der lange Jahre zur �Ecclesia Dei“ geh�rt hat. Jetzt liegen die Gespr�che mit den Lefebvre-Anh�ngern also in der Hand des US-Kardinals Levada, Pr�fekt der Glaubenskongregation. Sekret�r der Kommission �Ecclesia Dei“ wird der italienische Priester Guido Pozzo von der Internationalen Theologen-Kommission des Heiligen Stuhles.

Motu Proprio: �Ecclesiae Unitatem“
Ebenfalls an diesem Mittwoch machte der Vatikan ein �Motu Proprio“, also einen Entschluss des Papstes vom 2. Juli, �ffentlich. Der Text tr�gt den Titel �Ecclesiae Unitatem“, also �Die Einheit der Kirche“. Er bekr�ftigt zun�chst die Sorge des Papstes um eben diese Einheit; dann erinnert Benedikt daran, dass die Bischofsweihen, die Erzbischof Marcel Lefebvre 1988 vollzogen habe, �unerlaubt“ gewesen seien. Dass er, der Papst, im Sommer 2007 die alte Form der Messfeier wieder aufgewertet habe, sei von dem Wunsch diktiert gewesen, �alles zu tun, damit die, die wirklich die Einheit w�nschen, in ihr bleiben beziehungsweise zu ihr zur�ckkehren k�nnen“. Benedikt w�rtlich: �Im gleichen Geist und mit der gleichen Absicht, jeden Bruch und jede Spaltung in der Kirche zu �berwinden und eine Wunde zu heilen, die in der Kirche immer schmerzhafter f�hlbar ist, habe ich auch die Exkommunikation gegen die vier Bisch�fe aufgehoben, die Erzbischof Lefebvre unerlaubt geweiht hat. Damit wollte ich ein Hindernis beseitigen, das das �ffnen einer T�r zum Dialog erschweren konnte, und damit die Bisch�fe und die Piusbruderschaft einladen, den Weg zur vollen Gemeinschaft mit der Kirche wiederzufinden.“

Zum Motu Proprio “ECCLESI� UNITATEM” > >

Papst �ber Pius-Br�der: �Vorerst kein kanonischer Status“
Noch einmal pr�zisiert der Papst: �Die Lehr-Fragen bleiben, und solange sie nicht gekl�rt sind, hat die Bruderschaft keinen kanonischen Status in der Kirche und k�nnen ihre Diener keinen Dienst auf legitime Weise leisten.“ Dieser Satz gilt offensichtlich auch den unerlaubten Priesterweihen, die die Piusbr�der am letzten Wochenende vollzogen haben.

Da ja �die Probleme, die jetzt mit der Bruderschaft behandelt werden m�ssen, vor allem doktrineller Natur sind“, erkl�rt Papst Benedikt anschlie�end, dass er die Gespr�chskommission �Ecclesia Dei“ �eng an die Glaubenskongregation anbindet“. Dem dient vor allem die Tatsache, dass k�nftig der Pr�fekt der Glaubenskongregation gleichzeitig Pr�sident der �Ecclesia Dei“ ist. Der Papst erl�sst in dem �Motu Proprio“ einige weitere Detail-Verf�gungen und betont zum Schluss seine �v�terliche Sorge �ber die Pius-Bruderschaft, damit sie die volle Kirchengemeinschaft wiederfindet“. Und er l�dt alle �dringend“ dazu ein, f�r die Einheit der Christen zu beten.

Kardinal Levada dankt
Kardinal Levada hat dem Papst in einer Erkl�rung f�r das �Motu Proprio“ gedankt. Seine Kongregation werde sich im Gespr�ch mit den Piusbr�dern engagieren; er freue sich �ber das Vertrauen, das der Papst seiner fr�heren Arbeitsstelle entgegenbringe. Der jetzige Papst Benedikt war n�mlich bis zu seiner Wahl ungef�hr ein Vierteljahrhundert lang selbst Pr�fekt der Vatikanischen Glaubenskongregation. (rv)

 

 

08.07.09

Vielf�ltige Reaktionen auf Sozial-Enzyklika

Aus aller Welt treffen in diesen Stunden Reaktionen auf die Sozial-Enzyklika von Papst Benedikt ein. Die US-Bisch�fe sehen in dem Text, der am Dienstag ver�ffentlicht wurde, �eine Herausforderung an Unternehmen, Regierungen, Gewerkschaften und einzelne, ihre wirtschaftlichen Verantwortlichkeiten neu zu ordnen“. Benedikt verweigere sich dem ��blichen Rechts-Links-Lagerdenken“ und fordere eine �neue Art, zu denken und zu handeln“, sagt der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Francis George.

Die franz�sischen Bisch�fe lesen �Caritas in veritate“ als eine deutliche �Botschaft der Hoffnung“. �Die Menschheit hat die Aufgabe und auch die Mittel, um die Welt, in der wir leben, zu beherrschen“, so bringt es Kardinal Andr� Vingt-Trois von Paris auf den Punkt. �Die Menschen sind nicht einer Fatalit�t ausgeliefert, sondern k�nnen diese Welt ver�ndern und in den menschlichen Beziehungen Gerechtigkeit und Liebe voranbringen.“

Katholische Verb�nde f�r Entwicklungshilfe loben die Enzyklika als �starkes Signal“, dass �Wirtschaft sich nicht von moralischen und politischen Rahmenbedingungen losl�sen darf“. Das schreibt der Dachverband der Organisationen, kurz CIDSE. �Profit ohne Moral, nur aufs Einzelinteresse gerichtet, hat zu furchtbaren Folgen gef�hrt.“

Die Katholische Sozialakademie �sterreichs in Wien w�rdigt die positive Grundstimmung der Enzyklika. Das Lehrschreiben bedeute auch �eine wichtige Best�tigung zivilgesellschaftlichen und ortskirchlichen Engagements“. Professoren der Hochschule f�r Philosophie der Jesuiten in M�nchen w�rdigen ein �wichtiges Dokument“ zur Globalisierung, sehen allerdings �thematische L�cken“. Die Enzyklika gehe zwar auf die Umweltzerst�rung oder die Energieproblematik ein, erw�hne den Klimawandel aber nur in einem Nebensatz. Dabei sei dieser f�r die Verbindung von Entwicklung und Gerechtigkeit doch von zentraler Bedeutung. Auch die Frage der �Gender-Gerechtigkeit“ komme in dem Papier nur indirekt vor: Dabei sei es entwicklungspolitisch sehr wichtig, die Rolle der Frauen zu st�rken.

In Berlin sprach CDU-Generalsekret�r Ronald Pofalla von einem �sehr guten und wichtigen Beitrag in der Debatte �ber die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise“. Als weltumspannende Institution mit gro�er moralischer Autorit�t sei das Wort der Kirche �hierbei von gro�em Gewicht“. Er w�nsche sich �eine breite Diskussion �ber die Enzyklika“.

Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek Zeul (SPD) nennt die Sozialenzyklika �wichtig und bedeutungsvoll“. Sie sei dankbar f�r das Schreiben, das die zentralen Anliegen der Entwicklungspolitik aufnehme. Der Aufbau weise den Text als �entwicklungspolitische Enzyklika“ aus, die entscheidend zur Globalisierungs- und Gerechtigkeitsdebatte beitrage. Sie freue sich �ber diesen �entwicklungspolitischen Weckruf im Interesse der Menschen dieser Welt“.

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter , spricht von einem wegweisenden Dokument. Als Christ und Wirtschaftswissenschaftler freue ihn besonders �die �u�erst scharfsichtige und informierte Charakterisierung der Globalisierung“, sagte Walter in einem Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur am Mittwoch. Anstatt diesen Prozess �wie andere zu verteufeln und sich in einer Einstellung a la 'Zugbr�cke hoch' zu verbarrikadieren“, rufe der Papst zu einer aktiven Teilnahme auf. Er entwickele die katholische Soziallehre weiter, indem er die Prinzipien der Subsidiarit�t und Solidarit�t etwa auf die Ausrichtung der Entwicklungshilfe �bertrage, so Walter. Der Ruf nach einer �ethischen Erneuerung des Finanzwesens“ und einer Reform der Vereinten Nationen unterstreiche zudem den Anspruch der Kirche, auch weltliche Belange mitzugestalten. (rv)

Kardinal Kasper: Enzyklika als R�ckendeckung f�r Hilfswerke
Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper erhofft sich von der Sozialenzyklika des Papstes R�ckendeckung f�r katholische Hilfswerke. Das sagte er uns an diesem Mittwoch in Rom. Kasper war vor seiner Berufung an den Vatikanischen Einheitsrat deutscher �Weltkirchen-Bischof“.

�Die deutsche Kirche tut sehr viel f�r die so genannte Dritte Welt: Misereor, Missio, Adveniat, Renovabis... Daf�r muss man sehr dankbar sein – f�r die Gro�herzigkeit der deutschen Katholiken. Ich hoffe, dass diese Enzyklika ein weiterer Ansto� ist, in diesem Einsatz der Solidarit�t f�r die Dritte Welt fortzufahren!“ Ansonsten gibt Kardinal Kasper zu erkennen, dass die Enzyklika aus seiner Sicht genau im richtigen Moment kommt: �Die Weltsituation ist schwierig geworden, vor allem im �konomischen und im finanziellen Bereich; da ist es wichtig, dass der Papst darauf hinweist, dass die �konomie nicht nur eine empirische Sache ist, eine Sache des Profits, sondern eine humane und damit eine ethische Dimension hat. Er appelliert an die Verantwortung aller und betont vor allem das Gemeinwohl: Man kann nicht nur auf den individuellen Profit schauen, man muss auch die Verantwortung vor der eigenen Gemeinschaft sehen, vor dem eigenen Volk und heutzutage immer mehr auch vor der Weltgemeinschaft! Wichtig ist vor allem die Betonung der armen V�lker – und der Hilfe f�r die armen V�lker. Da braucht es auch eine gewisse globale Steuerung der Wirtschaft von ethischen Prinzipien aus; ich denke, das ist in der Enzyklika sehr gut zum Ausdruck gekommen.“ (rv)

 

 

09.07.09

Deutschland/Vatikan: M�ller, �Gespr�che mit Piusbr�dern im richtigen Fahrwasser“

Die Gespr�che zwischen Vatikan und Piusbruderschaft sind nun �im richtigen Fahrwasser“. So kommentiert der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig M�ller die ��bersiedlung“ der Kommission �Ecclesia Dei“ an die Glaubenskongregation. M�ller geh�rt als Dogmatiker selbst der Glaubenskongregation an. In seinem Bistum liegt der Sitz des deutschen Distrikts der �Priesterbruderschaft St. Pius X.“ Diese hat sich bisher noch nicht �ffentlich zur Neuordnung der Gespr�che durch Papst Benedikt XVI. ge�u�ert. M�ller erwartet, dass die Gespr�che des Vatikans mit den traditionalistischen Piusbr�dern rasch abgeschlossen werden. �Die Sachlage ist klar, deshalb sollte das dieses Jahr �ber die B�hne gehen, damit endlich das �rgernis der Abspaltung aus der Welt geschafft wird“, sagte M�ller der Katholischen Nachrichten-Agentur am Mittwoch in Regensburg.

Keine Bisch�fe von vatikanischer Seite
Von vatikanischer Seite aus n�hmen an den Gespr�chen keine Bisch�fe teil. Es m�sse der Eindruck vermieden werden, dass die kirchenleitenden Organe beider Seiten zusammenk�men. Schlie�lich handle es sich nicht um einen �kumenischen Dialog, unterstrich der �kumene-Verantwortliche der deutschen Bisch�fe. Die Piusbruderschaft sei keine Kirche. �Sie muss sich vor dem Lehramt rechtfertigen, nicht umgekehrt.“ Es gehe auch nicht darum, Teile des Zweiten Vatikanischen Konzils zur�ckzunehmen oder neu zu interpretieren, um irgendwelche Kompromissformeln zu finden. Es handle sich eher �um theologischen Nachhilfeunterricht“, so M�ller w�rtlich. Der Bischof sagte, er habe in den Schriften der Lefebvrianer �nichts gefunden, was die Kirche aus den Angeln heben w�rde“. Deren Ablehnung des Konzils und seiner zentralen Aussagen zu �kumene und Religionsfreiheit beruhe auf Verwechslungen, Missverst�ndnissen und Dialogverweigerung. Die Traditionalisten h�tten sich �im neuscholastischen Denken der 1950er Jahre eingebunkert“. Sie m�ssten nun Anschluss an die aktuelle Theologie finden. Hielten sie an ihren irrigen Auffassungen fest, g�be es keinen Platz f�r sie in der katholischen Kirche, so M�ller.

Neuer Rahmen
Benedikt XVI. hat am Mittwoch den Verhandlungen zwischen Heiligem Stuhl und Piusbruderschaft einen neuen Rahmen gegeben. In einem pers�nlichen Erlass (�Motu proprio“) ernannte er Kardinal William Levada zum neuen Leiter der Dialog-Kommission �Ecclesia Dei“; gleichzeitig band er diese Kommission an die Glaubenskongregation, die Levada leitet. �Ecclesia Dei“ ist am Vatikan f�r die Auss�hnung mit traditionalistischen Gruppen zust�ndig. Bisher war die Kommission direkt dem Papst unterstellt. Der bisherige Pr�sident von �Ecclesia Dei“, Kardinal Dario Castrillon Hoyos (80), scheidet aus dem Amt, ebenso wie sein Vize Camille Perl (70). Der luxemburgische Geistliche hatte der Kommission seit ihrer Gr�ndung 1988 angeh�rt. Neuer Sekret�r von �Ecclesia Dei“ ist Guido Pozzo. Der aus Triest stammende Priester, der von der Internationalen Theologischen Kommission des Heiligen Stuhles kommt, gilt als prononcierter Verteidiger und Interpret des Zweiten Vatikanischen Konzils. Die neue Struktur soll nicht nur personell einen Neuanfang signalisieren, sondern auch die Aufgabenstellung kl�ren. Denn in erster Linie geht es im Kontakt mit der �Priesterbruderschaft St. Pius X.“ um Glaubensfragen: Um das Lehramt der Kirche, um die Lehre des Konzils und der P�pste, insbesondere um die strittigen Fragen von �kumene, Religionsfreiheit und interreligi�sem Dialog. Diese Themen will der Papst k�nftig dort behandelt wissen, wo seine zust�ndigen Experten sitzen: in der Glaubenskongregation. Alle Fragen, die sich in den jetzt aufzunehmenden Gespr�chen mit dem Chef der Piusbr�der, Bernard Fellay, ergeben, k�nnen Levada und Pozzo unmittelbar in die Mittwochssitzung der Glaubenskongregation einbringen. Levada, der als einer der wenigen Vatikanminister jede Woche einen fixen Termin beim Papst hat, kann mit diesem auf kurzem Weg das Thema weiter behandeln. Immerhin hatte Kurienkardinal Joseph Ratzinger 1988 im direkten Gespr�ch mit dem Gr�nder der Piusbruderschaft, Erzbischof Marcel Lefebvre (1905-91), den Bruch zu vermeiden versucht - vergeblich. Wie sehr er als Papst diese Wunde heilen m�chte, hat er mehrfach durch Gesten und Entgegenkommen gezeigt, etwa durch die breitere Wiederzulassung des alten Tridentinischen Messritus. (rv)

 

 

13.07.09

Vatikan/Italien: Papst beginnt Erholungsurlaub im Aosta-Tal

 

Papst Benedikt hat an diesem Montag seinen zweiw�chigen Urlaub in den norditalienischen Alpen begonnen. Bis zum 29. Juli wird sich der Papst im Ferienort Les Combes im Aostatal erholen. Am Vormittag startete Benedikt an Bord einer Alitalia-Maschine vom r�mischen Flughafen Ciampino nach Turin. Vom dortigen Flughafen Caselle ging es f�r den Papst per Helikopter weiter nach Les Combes, wo er gegen 12.30 Uhr unter gro�en Sicherheitsvorkehrungen landete. Dort wurde der Papst vom Bischof der Di�zese Aosta, Giuseppe Anfossi, sowie von einigen Lokalpolitikern feierlich in Empfang genommen. Bei guter Bergluft und angenehmeren Temperaturen fernab der r�mischen Julihitze will sich der Papst von den Anstrengungen der letzten Monate erholen. Im kirchlichen G�stehaus von Les Combes verbrachte er bereits 2005 und 2006 seine Ferien. Auch sein Vorg�nger Papst Johannes Paul II. hatte dort schon Urlaub gemacht. Zum Abschied aus Rom hatte der Papst beim sonnt�glichen Angelus alle Gl�ubigen dazu eingeladen, ihn w�hrend seines Urlaubs im Gebet zu begleiten. �Das Gebet kennt keine Distanzen und Trennungen. Wo auch immer wir sind, es vereint uns in Herz und Seele.“ Seit Jahresbeginn hatte Benedikt ein intensives Arbeitsprogramm absolviert, darunter seine Reisen nach Kamerun, Angola und ins Heilige Land. Hinzu kamen Belastungsproben wie der Disput rund um die Piusbr�der nach der R�cknahme der Exkommunikation gegen die vier Lefebvre-Bisch�fe. Die n�chsten vierzehn Tage will Benedikt vor allem in Ruhe und Gebet zubringen. Audienzen und �ffentliche Termine sind w�hrend des Urlaubs im Aosta-Tal abgesagt. Nur an den beiden Sonntagen will der Papst mit den Gl�ubigen der Umgebung das Mittagsgebet sprechen. Diese freuten sich �ber den neuerlichen Besuch des Papstes in ihrem Heimatort, wie der B�rgermeister von Les Combes, Osvaldo Naudin, bereits im Vorfeld betonte. �Wir werden alles daf�r tun, damit der Papst w�hrend seines Aufenthaltes die Erholung und Zur�ckgezogenheit zum Gebet findet, die er sich w�nscht“, so Naudin. Und auch der Pr�sident der Region, Augusto Rollandin unterstrich: �Das Aosta-Tal empf�ngt den Papst mit gro�er Zuneigung, Diskretion und Respekt vor seinem Wunsch, sich inmitten unserer Berge zu erholen.“ (rv)

 

 

14.07.09

Vatikan/Frankreich: �Niemals“

Die Piusbruderschaft wird im Gespr�ch mit dem Vatikan niemals die Hand zu Kompromissen ausstrecken. Das sagte der Traditionalisten-Bischof Bernard Tissier de Mallerais (Bild li.) in einem Interview mit der franz�sischen Wochenzeitung �La Vie“ (Paris). Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sei der Katholizismus zu einer �neuen Religion“ geworden, kritisiert Tissier de Mallerais. Er ist einer der vier Bisch�fe der Piusbruderschaft, deren Exkommunikation Papst Benedikt XVI. im Januar aufgehoben hat. Nach Angaben von Tissier de Mallerais hat die Bruderschaft eine Kommission aus zehn theologisch geschulten Priestern zusammengestellt, die nun die Gespr�che mit der Glaubenskongregation f�hren soll. Es handle sich dabei um Theologen, die im schweizerischen Ec�ne studiert h�tten oder Professoren in Priesterseminaren seien. Zu Fortschritten in den Gespr�chen mit dem Vatikan werde es nur kommen, wenn Rom �seine Sichtweisen �berdenkt und die Irrt�mer anerkennt, in welche die Kirche durch das Konzil gef�hrt worden ist“, sagte Tissier de Mallerais. Weiter: �Nie werden wir Kompromisse unterschreiben.“ Die Gespr�che m�ssen seines Erachtens in einem wachsenden Grad der Schwierigkeiten voranschreiten und einen Punkt nach dem anderen kl�ren. Am Einfachsten sei es, mit der Liturgie zu beginnen, denn da k�nne man bereits die �M�ngel im neuen Ritus der Priesterweihe“ aufzeigen. Spreche man von der neuen Messe, so komme darin eine neue Theologie und damit eine �neue Religion“ zum Ausdruck. Anschlie�end m�sse es um die Themenbereiche �kumene und Religionsfreiheit gehen. Dies seien schwerwiegendere Fragen, weil sie mit dem Glauben verkn�pft seien. Die Frage der Kollegialit�t der Bisch�fe k�nne erst zuletzt behandelt werden, weil es die schwierigste sei. Bischof Bernard Tissier de Mallerais hat eine Biografie �ber Erzbischof Marcel Lefebvre geschrieben, den Gr�nder der �Priesterbruderschaft St. Pius X.“ Unter den vier Bisch�fen der Gruppe gilt Tissier als der �intellektuelle Hardliner“, wie �La Vie“ schreibt. In einem Interview nach der Aufhebung der Exkommunikation hatte er bereits erkl�rt: �Wir �ndern unsere Positionen nicht, sondern wir haben die Absicht, Rom zu bekehren, das hei�t, Rom zu unseren Positionen zu f�hren.“ Papst Benedikt XVI. will den Dialog mit der Piusbruderschaft fortsetzen und sie zur Einheit mit der katholischen Kirche zur�ckf�hren. Mit einem verbindlichen p�pstlichen Erlass, einem �Motu proprio“, hat er am 8. Juli die seit langem erwarteten neuen Strukturen f�r den Dialog Roms mit den Traditionalisten festgelegt. Das Dokument tr�gt nach seinen Anfangsworten den Titel �Ecclesiae unitatem“ (Die Einheit der Kirche). In dem Dokument bindet der Papst die bisher weitgehend eigenst�ndige Kommission �Ecclesia Die“, die seit 1988 f�r den Dialog mit r�ckkehrwilligen Lefebvrianern zust�ndig ist, unmittelbar an die vatikanische Glaubenskongregation. Die Leitung der Kurienbeh�rde wechselte nach dem Willen des Papstes komplett. Zum neuen Pr�sidenten der Kommission machte er den Pr�fekten der Glaubenskongregation, Kardinal William Joseph Levada.

 

 

19.07.09

Papst Benedikt in Gips

Der Papst ist wohlauf: Heute Nacht ist er in seinem Zimmer in Les Combes ausgeglitten und gest�rzt. Dabei zog er sich einen �leichten Bruch“ am rechten Handgelenk zu, wie aus einem medizinischen Bulletin des Vatikans hervorgeht. Benedikt habe aber heute Morgen wie gewohnt die Heilige Messe gefeiert und sei nach dem Fr�hst�ck ins Krankenhaus in Aosta gefahren worden. Die �rzte legten ihm eine Schiene an, um das Handgelenk zu stabilisieren. Der Papst war in Begleitung seines Sekret�rs Georg G�nswein, als er sich zu Fu� zur Ersten Hilfe begab, berichteten Nachrichtenagenturen. Ihnen zufolge hat Benedikts Leibarzt den Papst sofort nach dem ungl�cklichen n�chtlichen Sturz untersucht. In der Klinik h�tten die �rzte neben den R�ntgenaufnahmen f�r das Handgelenk auch eine allgemeine Untersuchung gemacht und bei der Gelegenheit festgestellt, dass der Papst bei bester Gesundheit ist, hie� es in Agenturberichten. - Benedikt XVI. verbringt derzeit zwei Urlaubswochen in Les Combes im Aostatal. Eigentlich wollte er dabei auch am zweiten Teil seines Jesusbuches arbeiten – da der Papst mit der Hand schreibt und Rechtsh�nder ist, wird er sich nun ganz aufs Diktieren verlegen m�ssen. (rv)

 

 

18.07.09

Vatikan/Italien: Papst wohlauf, Angelusgebet findet statt

Papst Benedikt hat sich gut erholt und ist wohlauf. Das sagt der Vatikansprecher, Pater Federico Lombardi. An diesem Samstagmorgen hat er die Heilige Messe zelebriert und gefr�hst�ckt. Er �lerne“ nun mit dem Gips am rechten Handgelenk zu leben, so Lombardi. Vor allem sei es f�r Benedikt schlimm, dass er vorl�ufig nicht mit der Hand schreiben k�nne, was er w�hrend dieser Urlaubstage unbedingt machen wollte. Das Programm f�r die n�chsten Tage wurde best�tigt. Nach dem chirurgischen Eingriff an seinem rechten Handgelenk hat der Papst am Freitagnachmittag die Klinik in Aosta wieder verlassen. Wie in den Medien zu sehen war, l�chelte das Kirchenoberhaupt dabei und winkte mit der linken Hand einigen Schaulustigen zu.

Papst besucht Bertones Familie

Unterdessen bereitet sich die Gemeinde Romano Canavese in der Region Piemont auf das Angelusgebet an diesem Sonntag vor. 10.000 Gl�ubige werden zum Gebet mit dem Papst erwartet. Von Seiten des Vatikans wurde dessen Teilnahme am gemeinsamen Gebet trotz der Verletzung best�tigt. F�r Sonntag offiziell vorgesehen ist ein dreist�ndiger Aufenthalt des Papstes in Romano Canavese, dem Heimatort des vatikanischen Kardinalstaatssekret�rs Tarcisio Bertone. Nach dem Angelusgebet um 12 Uhr ist ein gemeinsames Mittagessen mit der Familie von Kardinal Bertone in deren Haus geplant.

Viele Genesungsschreiben

Am Unfall des Papstes wird in reger Anteil genommen. Eine baldige Genesung w�nscht der italienische Staatspr�sident Giorgio Napolitano; der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Erzbischof Robert Zollitsch hofft, dass Benedikts Urlaub �von diesem kleinen Unfall nicht beeintr�chtigt“ werde. Katholiken in aller Welt geben ihrem Mitgef�hl und ihren Genesungsw�nschen in eigens daf�r eingerichteten Internetportalen Ausdruck und schlie�en den Papst in ihre Gebete ein. (rv)

 

 

18.07.09

Papst trauert um den am Freitag verstorbenen Kardinal Jean Margeot

Der fr�here Erzbischof von Port Louis auf Mauritius ist am Freitag im Alter von 93 Jahren gestorben. Er war der viert�lteste Kardinal der Weltkirche. In einem Beileidstelegramm an die Ortskirche w�rdigte der Papst den Einsatz des Verstorbenen f�r den Schutz und die F�rderung der Familie. Margeots Bistum Port Louis erlebte unter seiner Leitung von 1969 bis 1993 eine Zeit des Wachstums, die sich in der Zahl der Priester und Gl�ubigen manifestierte. Besonders engagierte sich Margeot im Kampf gegen Drogen. Mit Margeots Tod z�hlt das Kardinalskollegium noch 185 Mitglieder. Von ihnen sind 114 (Anm. von VH 113) j�nger als 80 Jahre und d�rften somit an einer Papstwahl teilnehmen. �ltester Kardinal ist der aus Alt�tting stammende Benediktiner Paul Augustin Mayer mit 98. (rv)

 

 

19.07.09

Der Vatikan will die eigene arch�ologische Forschung aufwerten

Das best�tigte der Pr�sident des P�pstlichen Kulturrats dem �Osservatore Romano“. Ziel sei, die P�pstliche Kommission f�r Christliche Arch�ologie strukturell anderen Vatikanbeh�rden anzugleichen, sagte Erzbischof Gianfranco Ravasi gegen�ber der Vatikanzeitung (Sonntagsausgabe). Am Samstag hatte Papst Benedikt XVI. den bisherigen Sekret�r der vatikanischen Kommission f�r Christliche Arch�ologie, den in Rom lehrenden Professor Fabrizio Bisconti (53), zum arch�ologischen Superintendenten der Katakomben ernannt. Gleichzeitig berief er den bisherigen Untersekret�r der Kleruskongregation, den Theologen und Erziehungswissenschaftler Giovanni Carru (64), zum Kommissionssekret�rs. Der fachfremde Carru habe die Aufgabe, die Arch�ologieabteilung weitm�glichst einer vatikanischen Beh�rde anzugleichen, begr�ndete Ravasi diese Entscheidung. Der neue Katakomben-Verantwortliche Bisconti sei hingegen �auf internationaler Ebene eine Figur unumstrittener Bedeutung“. Der Vatikan werde seine Arbeit in der Katakombenforschung ausweiten und �nicht auf Rom begrenzen“, betonte der Kulturminister. Ravasi nannte Neapel und Sizilien, wo er �gro�e Entdeckungen“ erwarte. (rv)

 

 

26.07.09

Italien: Genesung des Papstes macht gute Fortschritte

Gut eine Woche nach seinem Unfall ist Papst Benedikt XVI. auf einem guten Weg zur Genesung. Eine Kontrolluntersuchung der gebrochenen rechten Hand am Samstag habe �beste Resultate“ erbracht, teilte Vatikansprecher Federico Lombardi bei einem Briefing mit. Der Heilungsverlauf sei gut und entspreche den Erwartungen. Zu der halbst�ndigen Visite hatten sich die drei behandelnden �rzte aus der Klinik von Aosta sowie ein Spezialist aus Rom in das Alpendomizil des Papstes in Les Combes begeben. An der Untersuchung nahmen auch der Leibarzt des Papstes und ein weiterer Vatikan-Mediziner teil. F�r die R�ntgenkontrolle der Bruchstelle war eigens ein mobiles R�ntgenger�t aus Aosta in das Chalet auf 1.300 Meter H�he gebracht worden. Der r�mische Orthop�die-Chefarzt Vincenzo Sessa wurde zu der Untersuchung hinzugezogen, weil er nach dem Urlaub des Papstes dessen Weiterbehandlung �bernimmt. Am Mittwoch verl�sst Benedikt XVI. das Aostatal und begibt sich an seinen Sommersitz Castel Gandolfo s�dlich von Rom. (rv)

 

 

27.07.09

Italien: Aram�ischer Satz auf Turiner Grabtuch

Papst Benedikt XVI. reist n�chstes Fr�hjahr nach Turin, um das Turiner Grabtuch zu sehen. Die Reliquie wird dort zur Verehrung durch die Gl�ubigen ausgestellt sein. Der Turiner Kardinal Severino Poletto hat an diesem Sonntag mit dem Papst in Aosta zu Mittag gegessen und bei der Gelegenheit die Einladung erneuert; Benedikt plane fix zu kommen, ein genauer Termin stehe aber noch nicht fest, sagte Vatikansprecher P. Federico Lombardi. Vor kurzem hat ein franz�sischer Forscher, Thierry Castex, auf dem Turiner Grabtuch aram�ische Schriftzeichen entdeckt, die auf die Zeit Christi zur�ckgehen sollen. Dies w�rde die These erh�rten, dass die Reliquie echt ist. Dazu die Historikerin Barbara Frale vom Vatikanischen Geheimarchiv, deren zweites Buch �ber das Turiner Grabtuch im Herbst erscheint: �Die Entdeckung des Schriftzugs auf dem Grabtuch in hebr�ischen Lettern hat gro�es Aufsehen erregt. Wahrscheinlich handelt es sich um aram�ische Sprache. Ich muss aber sagen, es ist nicht das erste Mal, dass jemand aram�ische Schrift auf dem Tuch entdeckt. Der erste war ein Mail�nder Lateinprofessor 1978, der zweite ein Hebr�isch-Forscher aus Messina 1989. Er kam zu dem Schluss, da stehe ,Der K�nig der Juden’ – das w�re genau die Anklage, mit der Jesus an Pilatus ausgeliefert wurde. Die Schrift, die Castex nun entdeckt hat, besagt w�rtlich: ,gefunden’. Daneben steht ein anderes Wort, das noch bestimmt werden muss; insgesamt k�nnte die Schrift dann aussagen: ,Warum gefunden’ oder ,wir haben gefunden’. Das Interessante ist nun, dass dieser Satz in Verbindung gebracht werden kann mit einem Passus aus dem Lukasevangelium. Dort hei�t es: ,Wir haben diesen Mann gefunden, der unser Volk verf�hrt, es davon abh�lt, dem Kaiser Steuern zu zahlen, und behauptet, er sei der Messias und K�nig’.“ Die Forschung m�sse noch Licht in die Frage bringen, auf welche Weise genau die Schrift auf das Grabtuch gelangt ist, so Frale.�Da es sich aber um einen prozessierten und zum Tod verurteilten Mann handelt, besteht kein Zweifel daran, dass irgendeine Zuweisung auf dem Leichnam angebracht werden musste. Der hebr�ischen Tradition der Zeit zufolge, war der gesamte K�rper mit dem Tuch umh�llt, war also unkenntlich – wenn nicht durch eine Aufschrift auf dem Tuch.“ (rv)

 

 

30.07.09

Papst Benedikt XVI. wird am 6. September Viterbo besuchen

Auftakt der Visite ist die Besichtigung des historischen Palasts der P�pste mit dem legend�ren Konklave-Saal. Der Vatikan gab das Programm der eint�gigen inneritalienischen Reise an diesem Donnerstag bekannt. Die B�rger von Viterbo werden verschiedentlich als �Erfinder“ des Konklave bezeichnet, weil sie nach dem Tod von Clemens IV. 1268 und einem fast dreij�hrigen Tauziehen um die Nachfolge schlie�lich die Kardin�le einsperrten, um eine Entscheidung zu erzwingen. Benedikt XVI. wird bei seinem Besuch in Viterbo eine Messe unter freiem Himmel feiern. Au�erdem ist ein Gebet beim Marienheiligtum �Madonna della Quercia“ vorgesehen. Nachmittags reist der Papst weiter in das knapp 30 Kilometer entfernte Bagnoregio, um am Grab des heiligen Kirchenlehrers Bonaventura (1221-74) zu beten. Der aus diesem Ort stammende Philosoph und Theologe z�hlt zu den gr��ten Gelehrten des Mittelalters. (rv)

 

 

31.07.09

November: CD mit Ges�ngen und Gebeten von Papst Benedikt XVI.

Das in Italien anerkannte katholische Medienhaus San Paolo realisiert das Projekt gemeinsam mit der traditionsreichen Plattenfirma �Geffen UK/Universal“. Das britische Label ver�ffentlichte an diesem Freitag eine entsprechende Pressemitteilung. Arbeitstitel der Platte ist �Alma Mater“, zu h�ren sind Litaneien und Mariengebete in verschiedenen Sprachen. Radio Vatikan stellte auf Anfrage von San Paolo dazu Mitschnitte aus Papstsansprachen und Gottesdiensten zur Verf�gung, best�tigte Vatikansprecher Pater Federico Lombardi. Es handle sich um insgesamt weniger als zehn Minuten Papststimme aus Archivaufnahmen, so Lombardi, der auch Intendant von Radio Vatikan ist. Der Papst habe mit der Plattenfirma niemals direkt kommuniziert. Ein �hnliches Projekt sei auch mit der Stimme von Papst Johannes Paul II. unter dem Titel �Abba Pater“ produziert worden. Die Marien-CD mit der Stimme Benedikts bietet neben Mitschnitten liturgischer Ges�nge zeitgen�ssische klassische Musik, eingespielt vom Londoner Royal Philharmonic Orchestra. Der Erl�s aus dem Verkauf werde f�r Musikunterricht f�r arme Kinder bereitgestellt, erkl�rte Geffen UK. Das Label hat unter anderem die Bands Guns N’Roses und Tokio Hotel unter Vertrag. (rv)

 

 

 

nach oben > >

 

 

8/2009

 

 

01.08.09

Ukraine/�sterreich: Brisantes Dokument

Der sowjetische Diktator Stalin pers�nlich lie� die griechisch-katholische Kirche in der Ukraine nach dem Zweiten Weltkrieg verbieten und liquidieren. Das zeigt ein der �Kathpress“ exklusiv vorliegendes Dokument, das direkt aus dem Geheimarchiv der Parteif�hrung im Kreml stammt und der griechisch-katholischen Kirchenf�hrung zugespielt wurde. Eine Kopie des brisanten Dokuments besitzt Franz Hummer, Mitarbeiter bei �Kathpress“ und Fachmann f�r Ostkirchen. Damit seien letzte Zweifel beseitigt, dass Stalin und der damalige ukrainische KP-Chef Nikita Chruschtschow pers�nlich die Liquidierung der �unierten“ Kirche steuerten und befahlen. Fachleute waren bereits seit geraumer Zeit davon �berzeugt, dass es derartige Regieanweisungen gegeben haben muss, bisher gab es auf Grund der mangelhaften Aktenlage aber keinen schl�ssigen Beweis. Erst 1991 kehrte das damalige Oberhaupt der Kirche, Kardinal Myroslav Lubatchiwskij, aus dem Exil in die Heimat zur�ck. Etwa 5,5 Millionen Ukrainer geh�ren heute der unierten Kirche an. Das neugefundene Dokument hat auch Auswirkungen auf die Gegenwart, sagt Franz Hummer. Denn die griechisch-katholische Kirche dr�ngt seit langem auf die offizielle Anerkennung als ehemals verfolgte Kirche. Dies w�rde auch eine R�ckgabe ihres verlorenen Eigentums erleichtern. Auch im polnisch gebliebenen Teil des ukrainischen Siedlungsgebietes wurde die griechisch-katholische Kirche vernichtet. Bereits im September 1944 war zwischen der UdSSR und der polnischen kommunistischen Regierung ein Vertrag �ber den �Bev�lkerungsaustausch“ im ganzen Grenzgebiet unterzeichnet worden. Gerade aus Polen sei das Interesse an dem Dokument sehr gro�, sagt uns der Ostkirchenfachmann Hummer. (rv)

 

 

03.08.09

Pakistan: Christen lebendig verbrannt – Papst fordert Religionsfreiheit

Horrormeldungen aus der Provinz Punjab: Islamische Fundamentalisten haben acht Christen, darunter ein Kind und vier Frauen, get�tet; sechs der Opfer verbrannten bei lebendigem Leib, die zwei anderen starben durch Sch�sse. Bei den Auseinandersetzungen in Gojra wurden Dutzende von Menschen verletzt, viele von ihnen schwer. Ein christlicher Junge hatte angeblich den Koran beleidigt; doch dieser Vorwurf ist falsch, sagt der pakistanische Minister f�r Minderheiten, der Katholik Shahbaz Bhatti, der auch der Polizei vorwirft, die kleine christliche Gemeinschaft nicht hinreichend gesch�tzt zu haben. Die T�ter geh�ren nach Angaben des Ministers zu einer verbotenen Sunniten-Gruppe. Der w�tende Mob hat Dutzende H�user zerst�rt und zwei Kirchen in Flammen aufgehen lassen. Die Zahl der Todesopfer schwankt in den bisherigen Berichten von Nachrichtenagenturen zwischen sechs und neun. �Mindestens 3.000 Moslems, die von ihren Mullahs aufgehetzt worden waren, haben das christliche Viertel der Stadt, in dem etwa zwei- bis dreitausend Christen leben, angegriffen.“ Das berichtet Pater Bernardo Cervellera von der P�pstlichen Missions-Nachrichtenagentur Asianews. �Einige Christen wurden in ihren H�usern blockiert und sind dort lebendig verbrannt, darunter ein zweij�hriges Kind. Mindestens f�nfzig H�user sind zerst�rt.“ In ganz Pakistan bleiben von diesem Montag an christliche Schulen und Bildungseinrichtungen geschlossen – zum Zeichen der Trauer und des Protestes. F�r den August ist das ein trauriger Auftakt – denn der Vatikan erinnert daran, dass ausgerechnet in diesem Monat die verfolgten und diskriminierten Christen das Gebetsanliegen des Papstes sind. Papst Benedikt XVI. ist �tief betr�bt“ �ber die antichristliche Gewalt von Pakistan. In einem Beileidstelegramm, das an diesem Montag bekannt wurde, spricht er von einem �hirnlosen Angriff“ und verspricht sein Gebet f�r die Opfer. Benedikt bittet aber auch den Bischof von Faisalabad, Joseph Coutts, den Christen in Pakistan eine Botschaft zu �berbringen: �Sie sollen sich nicht entmutigen lassen in ihren Bem�hungen, eine vertrauens- und respektvolle Gesellschaft aufzubauen. Im Namen Gottes: M�gen alle auf Gewalt verzichten, die soviel Leid mit sich bringt, und den Weg des Friedens einschlagen!“ �In Pakistan kann man de facto verhaftet und auch zum Tod verurteilt werden, wenn man der Blasphemie angeklagt wird; dazu reichen ein oder zwei Ankl�ger, Beweise werden gar nicht gebraucht. Das macht das Gesetz zu einem sehr einfachen Werkzeug f�r alle, die Rache suchen. Meist wird es gegen Christen oder auch Hindus angewandt, um sich ihr Land unter den Nagel zu rei�en, oder aus Rachsucht.. Die Christen bitten seit Jahren um die Abschaffung des Gesetzes – oder darum, dass es klarer gefasst wird.“ Christen sind laut Sch�tzungen die am meisten verfolgte Gruppe weltweit; etwa 200 Millionen Christen werden rund um die Erde verfolgt. �Vor allem, wenn wir nach Asien schauen“, sagt Missions-Experte Cervellera: �Dort haben mindestens 35 Staaten die Religionsfreiheit eingeschr�nkt. Das reicht vom Verbot, sich zu seinem Glauben zu bekennen, bis zum Verbot, auch nur eine Kapelle, ein religi�ses Bild, ein Kreuz zu haben. In den islamischen L�ndern ist die Verfolgung oft etwas st�rker – auch weil Christen dort als Vertreter der westlichen Welt wahrgenommen werden. In anderen Teilen Asiens hingegen – etwa in Indien – kommt es zu der Verfolgung auch deshalb, weil dort die Christen f�r die Menschenrechte eintreten und zu einer sozialen Revolution f�r die Unber�hrbaren beitragen.“ Das pakistanische Fernsehen gibt an, es sei gegen mindestens achthundert Moslems Anzeige wegen der blutigen Vorg�nge in Punjab erhoben worden. Die Polizei habe schon etwa hundert Verd�chtige verhaftet. �Wir wollen, dass die Regierung alle diese Verbrecher vor Gericht stellt“, fordert Bischof Sadiq Daniel gegen�ber der Nachrichtenagentur AP. Der Ministerpr�sident der Punjab-Provinz, Shahbaz Sharif, hat den Familien der christlichen Todesopfer eine Entsch�digung von je 4.000 Euro in Aussicht gestellt. Armee und Sicherheitskr�fte patrouillieren an diesem Montag durch Gojra. Die Stadt liegt in der Region Faisalabad, in der es zahlreiche Hardliner-Koranschulen gibt. (rv)

 

 

08.08.09

Kardinal Claudio Hummes ist an diesem Samstag 75 Jahre alt geworden

Der fr�here Erzbischof der brasilianischen Metropole Sao Paolo leitet im Vatikan die Kleruskongregation; er ist derzeit Hauptverantwortlicher f�r das vom Papst ausgerufene Priesterjahr. Hummes hat deutsche Vorfahren und wird von vielen, die ihn kennen, als �Gentleman“ gesch�tzt. Bekannt ist der Franziskaner auch f�r seine Freundschaft mit dem jetzigen brasilianischen Pr�sidenten Inacio Lula da Silva; die beiden kennen sich seit den Zeiten der Milit�rdiktatur in Brasilien. Vor der Papstwahl von 2005 galt Hummes bei einigen als m�glicher Kandidat f�r den Stuhl Petri. Mit seinen 75 Jahren erreicht der Kardinal die Altersgrenze und mu� dem Papst laut Kirchenrecht seinen R�cktritt anbieten. Nach der gegenw�rtigen Praxis d�rfte Benedikt XVI. ihn jedoch noch einige Jahre in seinem Amt belassen. (rv)

 

 

12.08.09

Indien: Keine EU-Visa f�r Christenverfolger

Die T�ter, die vor einem Jahr die Christen in Orissa verfolgt haben, sollten keine Einreisevisa f�r Europa erhalten. Das fordert der Menschenrechtsexperte des katholischen Hilfswerkes �Missio“, Otmar Oehring, im Gespr�ch mit Radio Vatikan. Mit �ngsten blicken Gl�ubige in Orissa auch ein Jahr nach der Gewaltwelle in ihre Zukunft. Zwar wurde in den vergangenen Monaten einiges unternommen, um die Lage der Christen zu verbessern, doch gebe es noch viel zu tun, sagt uns Oehring. �Die katholische Kirche in Indien hat sich nat�rlich um die Christen bem�ht. Sie hat das so gut wie m�glich gemacht. Wahrscheinlich w�re mehr Beistand f�r die Menschen in Orissa und vor allem im Distrikt Kandhamal m�glich gewesen. Die Menschen in diesem Distrikt haben diese Solidarit�t der Kirche Indiens gro�teils erst mit gro�er Verz�gerung erfahren. Ein Problem f�r die Zukunft ist, dass es im Grunde genommen keine Klarheit gibt – auch nicht in Indien – wie man mit dieser Geschichte umgehen soll. Daher muss man die Kirche in Indien unterst�tzen, damit sie die Situation weiter anprangert und sie im Ausland daf�r wirbt, dass gegen�ber den verantwortlichen Politikern das notwendige getan wird.“ Menschenrechtsexperte Oehring hat in den vergangenen Wochen Indien besucht und sich �ber die Situation der Christen in Orissa informiert. �Die Christen in Orissa und insbesondere im Distrikt Kandhamal leben nach wie vor in Angst und Schrecken. 50.000 Christen waren unmittelbar betroffen von den Ausschreitungen und weitere 50.000 Christen sind anschlie�end in Lagern untergekommen oder sind direkt aus dem Bundesstaat geflohen. Diejenigen, die zur�ckgeblieben sind, haben fast ein Jahr in zum Teil unmenschlichen Verh�ltnissen in Zeltlagern verbracht. Sie sind vom Staat anfangs nur mit gro�er Versp�tung mit Nahrungsmitteln versorgt worden.“ Die damalige Regionalregierung sah den Gewaltakten der rechtsradikalen und hindunationalistischen T�ter zu, ohne einzugreifen. (rv)

 

 

17.08.09

Vatikan: Parolin wird Chavez Paroli bieten

Der italienische Kurienmitarbeiter Pietro Parolin (Bild li.) wechselt aus dem Vatikan nach Venezuela und wird dort Nuntius. Bisher war er stellvertretender vatikanischer Au�enminister. Nun wird er in dem lateinamerikanischen Land die derzeitig schwierigen Beziehungen der Kirche mit dem venezolanischen Pr�sidenten Hugo Chavez verbessern. Pietro Parolin wird im Vatikan f�r seine diplomatischen F�higkeiten sehr gesch�tzt. Deshalb hat ihn wohl der Papst f�r die heikle Vatikan-Vertretung in Caracas gew�hlt. Vor seinem Amtsantritt erh�lt er noch die Bischofsweihe. Mit scharfer Kritik hatten vor wenigen Wochen Kirchenvertreter auf die j�ngste Einschr�nkung der Medienfreiheit in Venezuela reagiert. Der venezolanische Pr�sident Hugo Chavez hatte mehr als 30 privaten Rundfunkstationen des Landes die Lizenz entzogen und die Sender damit de facto abgeschaltet. In den Beziehungen zwischen dem �Caudillo“ und der katholischen Kirche herrscht aber seit Jahren ein schlechtes Verh�ltnis. Papst Benedikt XVI. hat als Nachfolger Parolins im Staatssekretariat den 43-j�hrigen Genueser Ettore Balestrero ernannt. Er arbeitete bereits in den Nuntiaturen in Korea, in der Mongolei und in den Niederlanden. Parolin war sieben Jahre lang in Nuntiaturen t�tig. Balestrero hatte den Heiligen Stuhl bei zahlreichen internationalen Treffen offiziell vertreten. Insbesondere hatte er sich in den vergangenen Jahren mit Europa und der Pr�senz der Kirche in der s�kularisierten europ�ischen Gesellschaft befasst. Als neuer stellvertretender Au�enminister des Heiligen Stuhls wird Balestrero sich u.a. mit den Beziehungen des Vatikans zur Volksrepublik China, zu Vietnam und dem Nahen Osten auseinandersetzen. (rv)

 

 

21.08.09

Vatikan: Gipsverband abgenommen

F�nf Wochen nach seinem Unfall im Aostatal wurde Papst Benedikt an diesem Freitagmorgen in Castel Gandolfo sein Gipsverband abgenommen. Der p�pstliche Leibarzt Patrizio Polisca teilte mit, dass die R�ntgenaufnahmen eine optimale Heilung des Bruchs am rechten Handgelenk zeigten. Der Papst habe umgehend mit einem Rehabilitationsprogramm begonnen, um die volle Funktionsf�higkeit von Hand und Arm zur�ckzuerlangen. Diese ist notwendig f�r Benedikts Lebens- und Arbeitsrhythmus, da er seine Texte grunds�tzlich handschriftlich entwirft. (rv)

 

nach oben > >

 

 

9/2009

 

 

01.09.09

Benedikt XVI.: �Fortf�hrung des Dialogs mit Orthodoxen ist wichtig“

Zur�ck im vertrauten Vatikan: Die Generalaudienz an diesem Mittwoch fand in der Audienzhalle Paolo VI statt. Der Papst verlie� dazu seine Sommerresidenz Castelgandolfo. Den G�sten einer katholisch-orthodoxen Konferenz �ber Benedikts Lieblingsheiligen Augustinus legte er ans Herz, den Dialog zwischen beiden Konfessionen anhand dieses Heiligen fortzuf�hren. Der Papst hoffe, dass der Weg der vollen Einheit zwischen Katholiken und Orthodoxen damit gest�rkt werde. Vor mehreren Tausend Besuchern und Pilgern aus aller Welt setzte Benedikt XVI. seine Katechesenreihe �ber bedeutende Kirchenfiguren fort. Diesmal ging es um den heiligen Abt Odo von Cluny. Er z�hle zu den gro�en M�nchsgestalten des Mittelalters. Dazu der Papst:

�Mehrere Male besuchte Odo Rom und die umliegenden Kl�ster. Hier erkrankte er auch und starb schlie�lich am 18. November 942 in Tours, der Stadt seines Schutzheiligen Martin. Odo war eine geistliche F�hrungsgestalt nicht nur f�r die M�nche, sondern auch f�r die Gl�ubigen seiner Zeit. Ein Anliegen war ihm unter anderem die w�rdige Feier der Eucharistie, in der das Heil der Welt geschenkt wird und Christus wirklich mit Leib und Blut gegenw�rtig ist. Odo rief die Menschen zu einem Leben in Demut, in der Freiheit von den weltlichen Dingen und in der Liebe zu den ewigen G�tern auf. Dabei vertraute er auf die g�ttliche Barmherzigkeit, die auf unsere Umkehr wartet. So bezeichnete er Christus als 'amator hominum', der die Menschen liebt und f�r sie ihre Lasten tr�gt, und nannte Maria vertrauensvoll 'mater misericordiae', Mutter der Barmherzigkeit.“ (rv)

 

 

03.09.09

Benedikt XVI. besucht �Stadt der P�pste“

Es muss schon etwas Besonderes sein, wenn ein in der Welt schon weit gereister Papst beschlie�t, einen nur wenigen Italienkennern bekannten Ort in Italien zu besuchen. An diesem Sonntag ist es so weit: Papst Benedikt XVI. reist nach Viterbo und Bagnoregio. Die beiden St�dtchen, rund eineinhalb Stunden n�rdlich von Rom gelegen, haben eine intensive religi�se Vergangenheit – und Gegenwart. In Viterbo fand im 13. Jahrhundert das l�ngste Konklave der Kirchengeschichte statt. Und jedes Jahr am 4. September feiert eine der spektakul�rsten katholischen Prozessionen Italiens die Heilige Rosa. In Bagnoregio hingegen wird die einzige Reliquie des Heiligen Bonaventura aufbewahrt.

Mit dem Helikopter nach Viterbo
Sonntagmorgen startet der Papst von seiner Sommerresidenz Castelgandolfo aus mit dem Helikopter nach Viterbo. Erster Programmpunkt: Der Besuch des historischen Palastes der P�pste. Benedikt wird einen Blick auf den legend�ren Konklave-Saal werfen, in dem die Kardin�le 1268 nach exakt 1005 Tagen Sedisvakanz einen neuen Papst bestimmten. Das gelang aber nur, weil die mutigen B�rger von Viterbo die zerstrittenen Kirchenf�rsten zuvor in dem besagten Saal einsperrten.

Santa Rosa und die Einwohner Viterbos
Gleich im Anschluss an die Besichtigung feiert Benedikt XVI. mit Zehntausenden Gl�ubigen einen Gottesdienst unter freiem Himmel. Danach wird der Papst an der Gedenkst�tte der Heiligen Rosa von Viterbo beten. Der Organisator dieser Papstvisite, der Priester Flavio Valeri:  �Die Einwohner von Viterbo haben f�r die Heilige Rosa eine gro�e Zuneigung. Am 4. September – also zwei Tage vor dem Papstbesuch – gedenkt die Stadt der �berf�hrung des K�rpers der Heiligen ins Kloster der Klarissinnen, wo er heute noch verehrt wird. Am 3. September um 21 Uhr beginnt die Prozession, bei der 100 M�nner diesen hohen Turm, die so genannte �Maschine der Heiligen Rosa’, auf ihren Schultern durch die Stadt tragen. Diese Stele ist 30 Meter hoch und f�nf Tonnen schwer.“ Die Heilige Rosa hatte 1685 die erste �ffentliche M�dchenschule der Apenninenhalbinsel gegr�ndet. Nach dem Mittagessen besucht Papst Benedikt das Heiligtum der �Madonna della Quercia“. �Die Muttergottes von der Eiche ist ein Andachtsbild, das auf einen Dachziegel gemalt ist. Es hing immer schon an einer Eiche, daher der Name. Die Bewohner Viterbos verehren diese Madonna sehr, auch wegen der Wunder, die sie gewirkt haben soll. Im Lauf der Jahrhunderte ist dann dieses gro�e Heiligtum rund um das Bild entstanden. Noch heute ist es Pilgerziel, besonders am 2. Sonntag im September, wenn die Menschen in Viterbo den Pakt der Liebe zwischen ihrer Stadt und der Madonna erneuern.“ Um 17 Uhr bringt der Hubschrauber den Papst nach Bagnoregio. Dort besucht Benedikt privat die Nikolaus-Kathedrale, wo er die einzige heute erhaltene Reliquie des Heiligen Bonaventura verehrt – es handelt sich um den Arm des Kirchenlehrers. 1957 hatte sich der junge Joseph Ratzinger mit einer Arbeit �ber �Die Geschichtstheologie des Heiligen Bonaventura“ habilitiert. Pater Pietro Messa, Bonaventura-Forscher an der P�pstlichen Universit�t Antonianum: �Bonaventura sagt, dass Jesus Christus wirklich der Mittelpunkt der Geschichte ist; er ist der einzige Meister. Diese Zentralit�t Christi in der Lesart der Dreifaltigkeit – das ist das wichtigste an Bonaventura. Und Joseph Ratzinger hat das in seiner Theologie stark rezipiert, denken wir nur an sein Buch �Jesus von Nazareth’“. Nach dem stillen Gebet an der Bonaventura-Reliquie ist eine Begegnung mit den Bewohnern von Bagnoregio vorgesehen. Am Abend kehrt der Papst nach Castelgandolfo zur�ck. (rv)

 

 

03.09.09

Griechischer Forscher findet Teil einer alten Bibelhandschrift

Ein griechischer Forscher hat im Katharinenkloster im �gyptischen Sinai offenbar den Teil einer alten Bibelhandschrift gefunden. Das Fragment des ber�hmten �Codex Sinaiticus“ tauchte im Einband eines Buches aus dem 18. Jahrhundert auf. Der �Codex Sinaiticus“ stammt aus dem vierten Jahrhundert und ist eines der wichtigsten B�cher der Geschichte; die Handschrift ist das umfangreichste Buch, das aus der Antike �berliefert ist, und enth�lt auf Griechisch den vollst�ndigen Text des Neuen Testaments sowie etwa die H�lfte des Alten Testaments. Teile der Pergament-Handschrift, die aus dem Katharinenkloster stammt, werden heute u.a. in Petersburg, London und Leipzig aufbewahrt; eine digitalisierte Ausgabe ist seit kurzem auch im Internet zug�nglich. Das neu gefundene Fragment gibt den Vers 10 aus dem ersten Kapitel des Buches Josua wieder. Jetzt wollen die M�nche des Katharinenklosters und Forscher alle B�cher in ihrer Bibliothek, die im 18. Jahrhundert eingebunden wurden, genauer unter die Lupe nehmen. (rv)

 

 

08.09.09

Philippinen: Rebellen hinter Priestermord?

Die Hintergr�nde des Mordes an einem katholischen Priester auf den Philippinen sind weiterhin unklar. Unbekannte hatten den 48-j�hrigen Cecilio Lucero am Sonntag in der Region Nord Samar in einen Hinterhalt gelockt und get�tet. Der philippinische Priester leitete das Menschenrechtsb�ro der Di�zese Catarman auf der Insel Samar. Nach Angaben der Kirche war er das j�ngste Opfer einer Mordserie an Menschenrechtsaktivisten in der Di�zese. Viele seien nun in der philippinischen Krisenregion mutlos, sagt gegen�ber Radio Vatikan der PIME-Missionar Sebastiano D�Ambra. �Ich wei�, dass Lucero ein sehr engagierter Priester war, der sich f�r die Menschenrechte einsetzte. In seiner Di�zese gibt es die so genannten �Bewaffnete Kommunisten-Bewegung“. Das sind Rebellen, die keine Menschenrechte respektieren. Ich glaube, dass diese Rebellen hinter dem Mord stecken. Das w�re im �brigen auch nicht das erste Mal, das so etwas geschieht. Vor einigen Jahren wurde bereits ein Priester von diesen Rebellen get�tet, weil er sich f�r die Menschrechte einsetzte. Samar ist eine gef�hrliche Gegend.“ In den vergangenen Monaten gab es 18 Morde an Politikern und Journalisten in der Region Nord Samar. Der ermordete Priester war der Bruder eines Parlamentsabgeordneten. Pater D�Ambrosio: �Nichtsdestotrotz wollte Cecilio Lucero bei den Menschen sein und ihnen mit Liebe begegnen. Auch ich habe mit einigen Problemen zu k�mpfen. In der Region, wo ich t�tig bin, gibt es Schwierigkeiten mit den Minenbesitzern. Wichtig ist, dass man eine innere Ruhe bewahrt und weitermacht. Viele Freunde stehen uns bei und unterst�tzen uns zumindest moralisch. Wenn mir dann jemand sagt, ich soll aufpassen, dann antworte ich ihm, dass wir alle in den H�nden Gottes sind.“ (rv)

 

 

10.09.09

Vatikan: �Kirche sucht Dialog mit K�nstlern“

Die katholische Kirche will ihre Beziehung zur zeitgen�ssischen Kunst verst�rken. Das sagte an diesem Donnerstag der vatikanische Kultur-Verantwortliche, Erzbischof Gianfranco Ravasi. Zusammen mit dem Direktor der Vatikanischen Museen, Antonio Paolucci, stellte Ravasi das geplante Treffen des Papstes mit K�nstlern vor. Diese Zusammenkunft ist f�r den 21. November in der Sixtinischen Kapelle geplant. Ravasi erhofft sich von der Begegnung die Wiederaufnahme des Dialogs zwischen Kirche und Kunst. "Benedikt XVI. ist bewusst, welche Distanz mittlerweile zwischen Glauben beziehungsweise Transzendenz und der Kunst entstanden ist. Kunst und Kirche haben n�mlich in den vergangenen Jahrzehnten nicht mehr so oft zusammengearbeitet. Deshalb will nun der Papst ein solches Treffen unbedingt durchf�hren. Damit will er eine neue fruchtbare Allianz kn�pfen, die sich auf den Brief von Ostern 1999 bezieht. Damals hatte Johannes Paul II. eine Schrift an die K�nstler geschrieben, um seine Bewunderung zu bekunden und nach einer m�glichen Zusammenarbeit zwischen Kunst und Kirche zu fragen.“ Erzbischof Ravasi r�umte ein, dass heute ein �bestimmter schlechter Geschmack“ bei Kirchenbauten eine Tatsache sei. Umso mehr sei die ��sthetische Bildung“ in Seminaren und Pfarren notwendig. Deshalb beschr�nke sich der Dialog mit der Kunst nicht nur auf das K�nstler-Treffen. Auch die Jugend solle miteinbezogen werden, so Ravasi. �Deshalb glaube ich, dass der Religionsunterricht so wichtig ist. Dieser darf aber nicht einfach auf ein Katechismus-Schema reduziert werden. Gerade der Religionsunterricht ist eine Investition in die Zukunft. Dabei soll auch �ber Kultur gesprochen werden. Neben Kunst z�hlt auch Philosophie dazu. Denken wir beispielsweise an Pascal und seine Beziehung zum Katholizismus. Das hatte bedeutsame Auswirkungen auf die Wissenschaft und Philosophie. �hnliches gilt f�r gl�ubige K�nstler. Das darf in der Schulbildung heute nicht vergessen werden.“ (rv)

 

 

11.09.09

Vor der Papstreise: �Benedikt ist der Richtige“

Vor 20 Jahren, am 10. September hat Ungarn die Grenzen zum Westen ge�ffnet. Am 30. September verk�ndete der damalige deutsche Au�enminister Hans-Dietrich Genscher in der deutschen Vertretung in Prag 4000 Menschen ihre Ausreisebewilligung. Grenz�ffnungen, die schlie�lich zum Fall des Eisernen Vorhangs f�hrten. Papst Benedikt XVI. wird bei seinem Besuch in der Tschechischen Republik Ende dieses Monats an die Ereignisse vom Herbst 1989 erinnern. Politik und Gesellschaft h�tten gro�es Interesse an der Visite des Kirchenoberhaupts vom 26. bis 28. September, berichtet gegen�ber Radio Vatikan der tschechische Botschafter beim Heiligen Stuhl, Pavel Vosalik. Doch Neugier auf den Papst reiche nicht, um seine Botschaft f�r das Land und seine Probleme 20 Jahre nach Ende des Kommunismus wirklich zu verstehen. Ganzheitliche, umfassende Bildung stellt der Diplomat dabei ganz nach oben auf die Agenda. Der Besuch Benedikts XVI. sei gleichzeitig eine gute Gelegenheit, die Rolle der Weltkirche und ihre Bedeutung wieder neu bewusst zu machen, so Vosalik. �Das ist ein Punkt, den wir in unsere allt�gliche Bildung in Europa aufnehmen m�ssen. Wir sollten den Papst und den Heiligen Stuhl als wesentlichen Teil der europ�ischen Kultur und der europ�ischen Geschichte sehen, unabh�ngig davon, ob man Mitglied der katholischen Kirche ist oder nicht. Wir sollten schlicht sehen, dass die katholische Kirche fast zweitausend Jahre Geschichte mit der Geschichte und der Kultur Europas teilt.“ (rv)

 

 

15.09.09

Kardinalstaatssekret�r: Den Glauben nicht an die gerade vorherrschende Mode anzupassen“

Kardinalstaatssekret�r Tarcisio Bertone ruft dazu auf, �den Glauben nicht an die gerade vorherrschende Mode anzupassen“. Das sagte er am Dienstag bei einer Messe mit unl�ngst geweihten Bisch�fen. Treue zum Glauben habe �nichts Steriles oder Statisches, sondern ist kreativ“, so die Nummer zwei des Vatikans w�rtlich. Bisch�fe m�ssten heute vor allem �glaubw�rdige Zeugen“ sein; solches �Zeugnis des Lebens“ f�r Jesus sei �die erste Bedingung f�r den Aufbau des Volkes Gottes“. (rv)

 

 

16.09.09

Vatikan: Dialog mit Pius-Br�dern im Oktober

Die Gespr�che zwischen dem Vatikan und der schismatisch orientierten �Pius-Bruderschaft“ beginnen in der zweiten Oktoberh�lfte. Das best�tigt Papst-Sprecher Federico Lombardi . Vor Journalisten nannte der Jesuitenpater auch die Namen von drei Experten, die von Vatikan-Seite aus an den heiklen Debatten teilnehmen werden.

Drei Berater
Es sind drei Berater der Glaubenskongregation, die der Vatikan f�r den Dialog �ber theologische Streitpunkte mit den Pius-Br�dern benennt. Unter ihnen ist auch ein Deutscher, n�mlich der Jesuit Karl Josef
Becker . Der 81-J�hrige war lange Professor an der P�pstlichen Universit�t Gregoriana. Zweiter Mann im Vatikan-Boot ist der Schweizer Dominikaner Charles Morerod ; der 47-J�hrige ist seit April Generalsekret�r der Internationalen Theologenkommission. Diese Kommission ist genauso bei der vatikanischen Glaubenskongregation angesiedelt, wie es seit neuestem auch die Gespr�che mit den Traditionalisten von der Pius-Bruderschaft sind. Der dritte Vatikan-Mann f�r diesen Dialog ist schlie�lich der Generalvikar des Opus Dei, Fernando Ocariz . Der 64-j�hrige Spanier soll einer der Autoren der Erkl�rung �Dominus Jesus“ sein, die im Jahr 2000 das katholische Kirchenverst�ndnis erl�uterte.

Auf das Konzil konzentriert
Die Verhandlungen mit den Pius-Br�dern werden sich wohl vor allem auf das Zweite Vatikanische Konzil konzentrieren; Grundaussagen dieses Konzils werden von den Anh�ngern des verstorbenen schismatischen Erzbischofs Marcel Lefebvre relativiert. Der Heilige Stuhl wird – das zumindest hat der Wiener Kardinal Christoph
Sch�nborn angek�ndigt – in den Gespr�chen eine sehr klare Sprache f�hren. Und darauf hinweisen, was f�r ihn nicht verhandelbar ist: N�mlich der Dialog mit den Juden und anderen Religionen und Konfessionen sowie die Religionsfreiheit. (rv)

 

 

21.09.09

Vatikan: Papstbesuch und R�ckgabe von Kirchenbesitz

Papst Benedikt XVI. wird auf seiner Tschechien-Reise keine Anspr�che auf eine R�ckgabe des gesamten Kirchenbesitzes stellen. Das erkl�rte Vatikansprecher Pater Federico Lombardi im Vorfeld der Papstreise in die Tschechische Republik vom 26. bis 28. September. Forderungen des Papstes im Bezug auf die im Kommunismus verstaatlichten Kircheng�ter seien nicht zu erwarten. Prim�res Interesse der Kirche sei, ihr Seelsorgeamt in Tschechien aus�ben zu k�nnen und f�r den Erhalt christlicher Werte einzutreten, so Lombardi. (rv)

 

 

23.09.09

Schweden: Neuer �rger um Williamson

 

�Der Fall Williamson droht wieder zu explodieren.“ Das behauptet die italienische Tageszeitung �il Giornale“. Das schwedische Fernsehen wolle den Streit um den Traditionalistenbischof Richard Williamson, der den Holocaust leugnet, an diesem Mittwochabend wieder aufgreifen. Dabei wollten die Fernsehautoren den Papst direkt angreifen: Er habe entgegen seinen Angaben durchaus von Williamsons Holocaust-Leugnung gewusst, noch bevor er die Exkommunikation gegen Williamson aufhob. Der Sender �SVT“ behauptet nach Angaben von �il Giornale“, der Bischof von Stockholm habe den Nuntius des Papstes in Schweden rechtzeitig �ber Williamsons skandal�se �u�erungen informiert. Auch ein wichtiger Kurienkardinal sei noch vor der Entscheidung des Papstes, die Exkommunikation aufzuheben, dar�ber im Bild gewesen, dass Williamson den Holocaust leugne. Das schwedische Fernsehen hatte schon das entscheidende Interview mit Williamson aufgezeichnet, aber erst kurz vor der Entscheidung im Vatikan ver�ffentlicht; jetzt greift es offenbar Benedikt selbst an. Die Zeitung �Giornale“, die davon berichtet, geh�rt �brigens der Familie des italienischen Ministerpr�sidenten Silvio Berlusconi und hat in den letzten Wochen durch Kampagnen gegen einen bekannten katholischen Journalisten (�Fall Boffo“) und gegen den italienischen Parlamentspr�sidenten (�Fall Fini“) eher unr�hmlich von sich reden gemacht. In einem Brief an Bisch�fe vom 10. M�rz hatte Papst Benedikt klargestellt, dass er von der Leugnung des Holocausts durch Williamson erst nach seiner Entscheidung zu dessen Exkommunikation erfahren hatte. Im Vatikan ist man �u�erst ungl�cklich �ber die neue Entwicklung. �Den Fall Williamson wieder anzuheizen, kann nur grundlos neue Verwirrung stiften“, meint Papst-Sprecher Federico Lombardi. Der Papst habe doch in seinem Brief vom 10. M�rz alles deutlich gekl�rt, so der Jesuit. (rv)

 

 

25.09.09

Tschechien: Vor dem Papstbesuch

Am Samstagvormittag ist es soweit: Papst Benedikt XVI. bricht zu seiner dreizehnten Pastoralreise auf. Diesmal geht es in die Tschechische Republik. Auf welche gesellschaftliche und kirchliche Situation der Papst dort treffen wird. Wir haben dar�ber mit unserer Kollegin Antje Dechert gesprochen, die diese Papstreise in Prag f�r uns mitverfolgen wird:

�Man merkt, dass die katholische Kirche in Tschechien in einer Minderheitensituation ist. Von den rund 10,5 Millionen Tschechen fast 60 Prozent konfessionslos. Nur etwas mehr als ein Viertel der Bev�lkerung ist katholisch und das merkt man. Wer an diesem Freitag durch die Prager Altstadt flaniert findet kaum Anzeichen eines bevorstehenden Papstbesuchs. Hier und da sieht man kleine Pilgergr�ppchen mit Baseballkappen in den Vatikanfarben wei�-gelb, die kommen meistens aus Deutschland oder Italien. Die tschechische Bev�lkerung scheint nicht viel Aufhebens um den Papstbesuch zu machen. Dennoch ist es nicht so, als w�re eine ablehnende Haltung zu sp�ren, aber viele Prager gehen zumindest heute noch ihrem gewohnten Alltag nach. Das Bild �ndert sich, wenn man sich an die Orte begibt, die der Papst besuchen wird. Dort sind viele Freiwillige aus ganz Tschechien emsig mit den Vorbereitungen besch�ftigt…“

Die Stimmung ist also eher unaufgeregt. Was ist denn trotzdem das Spannende an diesem Papstbesuch in der Tschechischen Republik?

�Das Spannende dieses Tschechienbesuchs ist nat�rlich der Zeitpunkt. Benedikt kommt im Gedenkjahr an den Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa vor genau 20 Jahren. In Berlin fiel im November 1989 die Mauer, w�hrend hier in Tschechien die so genannte samtene Revolution stattfand und 40 Jahre sozialistischer Diktatur beendete. Dass ein deutscher Papst zu einem so historischen Datum nach Tschechien reist, hat schon Symbolcharakter. Benedikt wird hier viele Kirchenvertreter treffen, die w�hrend des Kommunismus verfolgt wurden. Auch ist zu erwarten, dass er das Thema �Wende“ in einer seiner Reden ansprechen wird. Schon im Vorfeld hat der Vatikan betont, dass es Benedikt darum geht, ein Zeichen f�r das weitere Zusammenwachsen von Ost- und Westeuropa zu setzen, indem er zur Besinnung auf die gemeinsamen christlichen Wurzeln aufruft. Eine Gelegenheit w�re zum Beispiel das Treffen mit den hiesigen Politikern und Diplomaten am Samstagnachmittag in der Prager Burg. Zu diesem Anlass ist auch der ehemalige Pr�sident V�clav Havel eingeladen, ob er allerdings kommen wird steht noch nicht fest.“ (rv)

 

 

25.09.09

Sta atssekretariat best�tigt die Visite Papst Benedikts in Portugal

Benedikt freue sich auf diese Pastoralreise, hei�t es in einem Schreiben des Staatssekretariats an die portugiesische Bischofskonferenz und an die Regierung in Lissabon. Der Papst wird voraussichtlich am 13. Mai 2010 in Fatima einen Gottesdienst zelebrieren. An jenem Tag wird die erste Marienerscheinung gefeiert. Papst Benedikt w�re das f�nfte katholische Kirchenoberhaupt, der den Marienwallfahrtsort besucht. Als Kardinal pilgerte Benedikt bereits 1996 nach Fatima. (rv)

 

 

26.09.09

Papstbesuch in Tschechien: 1. Tag

Tschechische Republik: Benedikts 13. Auslandsreise gestartet – �Fall der Berliner Mauer als historischer Scheidepunkt“

Papst Benedikt XVI. hat seine dreit�gige Reise in die Tschechische Republik begonnen. Der Papst flog am Samstagmorgen vom r�mischen Flughafen Ciampino Richtung Prag. Der Abflug verz�gerte sich wegen einer kurzen au�erplanm��igen Begegnung mit Silvio Berlusconi um 25 Minuten. In der tschechischen Hauptstadt wurde Benedikt XVI. von Staatspr�sident Vaclav Klaus, dem Prager Kardinal Miloslav Vlk und vom Vorsitzenden der Tschechischen Bischofskonferenz, Jan Graubner, begr��t. (rv)

Christliches Erbe

In seiner Begr��ungsrede erinnerte der Papst daran, dass die tschechische Kultur sehr tief vom Christentum gepr�gt sei. Auch f�gte Benedikt an, dass die gesamte europ�ische Kultur eine tiefe christliche Pr�gung habe. W�rtlich sagte er: �Im Laufe seiner ganzen Geschichte ist dieses Gebiet im Herzen des Kontinents, im Schnittpunkt zwischen Norden und S�den, Osten und Westen ein Treffpunkt f�r verschiedene V�lker, Traditionen und Kulturen geworden. Unbestreitbar hat dies gelegentlich zu Spannungen gef�hrt, die sich aber auf lange Sicht als eine fruchtbare Begegnung erwiesen haben. Daraus ergibt sich die wichtige Rolle der tschechischen Lande in der Geistes-, Kultur- und Religionsgeschichte Europas – zuweilen als Kriegsschauplatz, aber h�ufiger als Br�cke.“ Auch erinnerte der Papst daran, dass in den n�chsten Monaten der 20. Gedenktag der so genannten �Samtenen Revolution“ begangen wird,�die f�r dieses Land eine Zeit au�ergew�hnlicher Bedr�ngnis, eine Zeit strenger Kontrolle des Gedankenaustauschs und kultureller Einfl�sse zum Gl�ck friedlich beendete.“ Dazu f�gte der Papst an: �Ich verbinde mich mit Ihnen und Ihren Nachbarn im Dank f�r Ihre Befreiung von jenen Unterdr�ckungsregimes. Der Fall der Berliner Mauer stellte einen Scheidepunkt in der Weltgeschichte dar, und er war es um so mehr f�r die L�nder Mittel- und Osteuropas, da sie bef�higt wurden, ihren rechtm��igen Platz als unabh�ngige Akteure im Konzert der Nationen einzunehmen. (rv)

Tschechische Republik: Benedikt XVI. verurteilt Gewalt gegen Kinder

Erste Etappe des Papstes nach der Begr��ungszeremonie auf dem Prager Flughafen war die Kirche Santa Maria de Victoria in der Prager Altstadt. Die Barockkirche auf der Prager Kleinseite beherbergt die in aller Welt verehrte Kind-Jesu-Statue, das Prager Jesulein. Vor dem �Prager Kindl“ feierte der Papst zusammen zahlreichen Kindern und ihren Familien eine Andacht. Nicht Politikern, Diplomaten oder Klerus widmete der Papst seine erste Reise-Etappe in Prag, sondern den Kleinsten, den Kindern des Landes. Zusammen mit ihren Familien waren sie aus ganz Tschechien in die Hauptstadt gekommen. Vielen von ihnen reichte Benedikt beim Betreten der Kirche sichtlich ger�hrt die H�nde und segnete sie, bevor er zum Gebet vor der blumengeschm�ckten Statue des Prager Jesuleins niederkniete. �Kinder sind die Zukunft und die Hoffnung der Menschheit“, betonte er anschlie�end in seinen Gru�worten und rief dazu auf, die W�rde und Rechte jedes Kindes zu achten: �Wie viele Kinder werden hingegen nicht geliebt, nicht angenommen und nicht geachtet! Wie viele sind Opfer der Gewalt und jeder Art von Ausbeutung durch skrupellose Menschen! Den Kleinen m�ge jene Achtung und jene Aufmerksamkeit zukommen, die ihnen geb�hrt.“ (rv)

Tschechische Republik: Presseschau vom 26. September 2009

Die liberale Tageszeitung �Prazsky denik“ ging auf den schweren Stand ein, den die katholische Kirche in der Tschechischen Republik hat, und sprach Benedikt XVI. direkt an: �Heiliger Vater, Sie werden es mit uns nicht leicht haben.“ Vor 20 Jahren, nach der �Wende“, seien die Kirchen voll gewesen: �Da schien es, dass aus unseren rund vier Millionen getauften Katholiken auch gute Gl�ubige werden“. Inzwischen sei die Freiheit eingekehrt. Doch, so das liberale Blatt weiter, �wie manche von uns mit dieser Freiheit umgehen, werden Sie bei Ihrem Gottesdienst in Br�nn erleben, wo Ihre Gegner Kondome verteilen wollen. Provozieren k�nnen wir. Andere Meinungen tolerieren weniger.“ Ironisch-selbstkritisch f�gte der Kommentator hinzu: �Wir gehen sonntags schon lange lieber in den Supermarkt als in die Kirche. So beten Sie, Heiliger Vater, bitte wenigstens an unserer Stelle.“ Die konservative �Lidove noviny“ zeigt auf dem Titel ein gro�es Bild des Papstes. Im Leitartikel wird Benedikt XVI. als ein kontroverser Papst pr�sentiert. Dabei zieht das Blatt in einem Kommentar einen Vergleich zu Johannes Paul II.: Mit diesem �verbinden sich Gef�hl, Einf�hlungsverm�gen, Entschuldigungen f�r die S�nden der Kirche und die �kumene“. Mit Benedikt XVI. w�rden nach Ansicht des Blattes eher �Vernunft, Rationalit�t, wissenschaftliche Polemik und die Verteidigung der Wahrheit“ assoziiert. Johannes Paul II. sei applaudiert worden, Papst Benedikt rufe Widerspruch hervor. �Doch ist das ein Fehler?" fragt der Kommentar abschlie�end. Kritische T�ne kommen vor allem von der ex-kommunistischen, linken Tageszeitung �Pravo“. Eine neue Botschaft werde Benedikt nach Ansicht des Blattes nicht mit nach Tschechien bringen: �In Prag, Br�nn oder Altbunzlau werden wir sicher Kritik an den sozialen Folgen der derzeitigen Wirtschaftskrise h�ren.“ Auch hie� es in dem �Pravo“-Kommentar : �Wahrscheinlich h�ren wir, dass die Armut nicht aus dem Mangel an Ressourcen herr�hrt, sondern aus der Unvollkommenheit der Gesellschaft.“ (rv)

Auf dem Flug Richtung Prag erinnerte der Papst den mitreisenden Journalisten an den Freiheitsbegriff

Benedikt XVI. rief dabei die mittel- und osteurop�ischen Staaten auf, die Grundidee der Freiheit, so wie sie w�hrend der Wende von 1989 verk�ndet wurde, nicht untergehen zu lassen. 20 Jahre danach gelte es, an diese Erinnerungen anzukn�pfen. Das Stichwort �Freiheit“ m�sse mit neuem Inhalt gef�llt werden. Auf dem Flug von Rom nach Prag erinnerte der Papst am Samstagvormittag an einen Satz des fr�heren Dissidenten und Staatspr�sidenten Vaclav Havel, der gesagt hatte: �Das Fundament der Diktatur ist die L�ge.“ Daraus folge, dass Freiheit ohne Bezug zur Wahrheit nicht gelingen k�nne, so Benedikt XVI. Freiheit k�nne nicht Beliebigkeit und Z�gellosigkeit sein; vielmehr sei sie innerlich verbunden mit der Wahrheit, der Liebe und der Solidarit�t. Derzeit sei die Freiheit oft eine Idee ohne Inhalt. Wenn man sie nicht mit Werten f�lle, werde sie zugrunde gerichtet. Das sei die Botschaft der einstigen Reforml�nder in Mittel- und Osteuropa, die es jetzt zu aktualisieren gelte. (rv)

Papst Benedikt XVI. hat dem tschechischen Pr�sidenten ein Mosaikbild geschenkt

Auf dem Kunstwerk ist der tschechische Nationalheilige Wenzel dargestellt. Das Bild war in dem alten Petersdom bei einem Seitenaltar angebracht. Dieser Altar wurde beim Neubau von Sankt Peter zerst�rt. (rv)

 

 

27.09.09

Papstbesuch in Tschechien: 2. Tag

Br�nn, �kumene und Akademiker

Papst Benedikt XVI. hat die Katholiken in Tschechien erneut zu einem entschlossenen Eintreten f�r ihren Glauben aufgerufen. Das Kirchenoberhaupt erinnerte auch am zweiten Tag seines Pastoralbesuchs an die M�rtyrer vergangener Jahrhunderte, legte aber den Schwerpunkt auf die aktuellen Herausforderungen der Gesellschaft. Am Sonntagmorgen feierte Papst Benedikt XVI. eine Messe unter freiem Himmel im m�hrischen Br�nn (Brno). Dazu versammelten sich rund 150.000 Menschen. Es war die gr��te religi�se Zusammenkunft in der Geschichte der Tschechischen Republik. Am Nachmittag begegnete das katholische Kirchenoberhaupt Vertretern des �kumenischen Rats der Kirchen in Tschechien. Eingeladen hat dazu der Erzbischof von Prag, Kardinal Miloslav Vlk. In der Prager Karlsburg stand anschlie�end eine Rede Papst Benedikts XVI. vor Hochschullehrern und Studierenden auf dem Programm.Am Samstag hatte Benedikt XVI. zum Auftakt seines Besuches die Tschechen aufgerufen, nach der �berwindung des Kommunismus vor 20 Jahren zu ihren christlichen Wurzeln zur�ckzufinden. Die Kirche verlange keine Privilegien, wolle aber frei wirken k�nnen, betonte Papst Benedikt XVI. am Samstagabend im Prager Veitsdom.F�r den dritten und letzten Tag der Tschechienreise sind am Montag ein Gottesdienst in Altbunzlau geplant. Au�erdem wird der Papst eine besondere Botschaft an die Jugend des Landes richten. Am fr�hen Montagabend wird Benedikt XVI. in Rom zur�ckerwartet. (rv)

Messe in Br�nn: Gesellschaft ohne Gott �sinnlos“

Papst Benedikt XVI. hat die Katholiken in Tschechien erneut zu einem entschlossenen Eintreten f�r ihren Glauben aufgerufen. Viele Formen der Armut entst�nden aus Isolation und der Ablehnung Gottes, sagte der Papst am Vormittag bei einem Gottesdienst im m�hrischen Br�nn (Brno). Zu der Messe unter freiem Himmel in der katholisch gepr�gten Region hatten sich rund 150.000 Menschen versammelt. Es war die gr��te religi�se Zusammenkunft in der Geschichte der Tschechischen Republik. Zahlreiche Pilger aus der Slowakei, aus Ungarn und Polen sowie aus �sterreich und Deutschland waren angereist. �Die Erfahrung der Geschichte zeigt, zu welcher Sinnlosigkeit der Mensch gelangt, wenn er Gott von seinem Entscheidungs- und Handlungshorizont ausschlie�t“, sagte Papst Benedikt in der Predigt. Die Erfahrung zeige auch, dass es �nicht einfach“ sei, eine Gesellschaft aufzubauen, die sich an den Werten des Guten, der Gerechtigkeit und der Br�derlichkeit orientiert, �weil der Mensch frei ist und seine Freiheit br�chig bleibt“.

Radikale Herausforderungen, �von �beln befreien, die den Geist bedr�cken“
Die derzeitige kulturelle Situation in Tschechien stelle eine �radikale Herausforderung f�r den Glauben und folglich f�r die Hoffnung“ dar, so der Papst weiter. Er zitierte Passagen aus seiner zweiten Enzyklika und kritisierte die Verdr�ngung von Religion ins Privatleben, w�hrend �im �ffentlichen Leben sich das Vertrauen in den wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt behauptet“ habe. Dieser Prozess sei zweideutig: �Die technischen Entwicklungen und die Verbesserung der sozialen Strukturen sind wichtig und gewiss notwendig, doch reichen sie nicht aus, das moralische Wohl der Gesellschaft zu gew�hrleisten (vgl. Spe salvi, 24). Der Mensch muss von den materiellen Unterdr�ckungen befreit werden, aber er muss – und zwar tiefer – von den �beln erl�st werden, die den Geist bedr�cken.“ (rv)

Gemeinsam an christliche Wurzeln erinnern

Keine �kumenische Nabelschau, sondern der Aufruf an alle Konfessionen, die christlichen Wurzeln Europas in Erinnerung zu rufen: Das ist die Quintessenz der Ansprache Benedikts XVI. bei einem �kumenischen Treffen. Am Sonntagnachmittag war der Papst mit Vertretern des �kumenischen Rats der Kirchen in Tschechien zusammengetroffen. Eingeladen hatte dazu der Erzbischof von Prag, Kardinal Miloslav Vlk.

Heilsbotschaft als Ma�
Gerade nach dem Fall des Kommunismus h�tten Christen sich mit Menschen guten Willens zusammengetan, um ein gerechtere Gesellschaft aufzubauen, so der Papst. Dennoch gebe es neue Versuche, den Einfluss des Christentums auf das �ffentliche Leben zur�ckzudr�ngen �…zuweilen unter dem Vorwand, dass seine Lehre sch�dlich sei f�r das Wohl der Gesellschaft. Dieses Ph�nomen gibt uns zu denken.“ Schl�sselbegriff dessen, was das Christentum zu bieten habe, sei das Heil. Es bezeichne etwas Grundlegendes und Universales �ber die Sehnsucht des Menschen nach Wohlergehen. An der Heilsbotschaft des Evangeliums m�ssten die Christen immer neu Ma� nehmen.

Evangelium keine Ideologie
Gerade weil das Evangelium keine Ideologie ist, beabsichtige es nicht, die entstehenden sozial-politischen Gegebenheiten in ein starres Schema zu pressen. Vielmehr stehe es �ber den Ver�nderungen dieser Welt und werfe in jeder Zeitepoche neues Licht auf die W�rde der menschlichen Person. (rv)

Korrespondentensicht: �Nicht nur Ablehnung“

Der Empfang des Papstes auf den Stra�en in Prag war am Samstag eher verhalten. Nat�rlich, k�nnten wir Beobachter jetzt sagen, nur rund 30 Prozent der Tschechen sind katholisch und das kommunistische Regime hat wohl ganze Arbeit geleistet. In Br�nn wurde rund um den Gottesdienst dagegen getanzt und gefeiert. Bestimmten da die Pilger aus den Nachbarl�ndern das Bild oder ist der Unterschied zwischen Hauptstadt und Land so gro�? K�nnte es auch sein, dass ein Gro�teil der Bev�lkerung Jubel und Fahnenschmuck zu lange von oben verordnet bekommen hat? (rv)

Schweizer Botschafter in Tschechien: �Papstbesuch spricht alle an“

Eine positive Zwischenbilanz der Papstvisite in Tschechien hat der Schweizer Botschafter beim Heiligen Stuhl und in der Tschechischen Republik, Jean-Fran�oise Kammer, gezogen. Allein die Tatsache, dass der Papst dem stark s�kular gepr�gten Land einen Besuch abstatte, sei bereits ein Erfolg, meinte der Botschafter im Interview mit unserer Prag-Korrespondentin Antje Dechert. Das gelte nicht nur f�r die katholische Kirche:�Gerade auch nicht gl�ubige Menschen haben w�hrend des Papstbesuchs die M�glichkeit, sich mit den christlichen Wurzeln des Landes auseinanderzusetzen und diese besser kennenzulernen“, so Kammer. Der Diplomat war beim Treffen Benedikts XVI. mit hohen Politikern des Landes und dem diplomatischen Corps im Spanischen Saal der Prager Burg dabei. �Der Papst wird hier offiziell voll wahrgenommen“, sagte Kammer. Als bedeutsam wertete er, dass der Papst seinen Besuch auch in den Rahmen des Gedenkens an die �Wende“ vor 20 Jahren gestellt habe. �Der pastorale Besuch hat auch eine politische Dimension, die alle anspricht“, so Kammer. Zur noch offenen Frage eines Konkordates zwischen Vatikan und der Tschechischen Republik stellte Kammer fest, �dass diese Frage mit vielen geschichtlichen Elementen verbunden ist“. Deshalb werde das Abkommen von politischer Seite noch weiter gepr�ft. (rv)

 

 

28.09.09

Papstbesuch in Tschechien: 3. Tag

Abschied in Prag: Papst sagt Tschechen �Ahoj“ und zitiert Kafka

Papst Benedikt XVI. hat sich mit einer Ansprache am Flughafen in Prag f�r die Gastfreundschaft der Tschechen bedankt. Er erinnerte erneut an die Befreiung des Landes �von der atheistischen Unterdr�ckung“ und fasste die H�hepunkte der Reise zusammen. Der tschechische Pr�sident Vaclav Klaus zeigte sich sehr zufrieden mit dem Papstbesuch. Benedikt sei �berzeugend gewesen, sagte Klaus vor Journalisten. (rv)

Papst feiert Messe in Altbunzlau

Am letzten Tag seiner Tschechien-Reise ist Papst Benedikt XVI. in den Wallfahrtsort Altbunzlau (Star� Boleslav) nahe Prag gereist. Dort stand am Vormittag eine Messe zum Gedenken an den Nationalheiligen Wenzel auf dem Programm. Vor dem Gottesdienst auf einem Freigel�nde besuchte der Papst die Wenzelskirche und verehrte die dort ausgestellten Reliquien des ersten b�hmischen K�nigs. Anschlie�end begr��te er in der Kirche einige alte und kranke Priester. F�r die tschechische Kirche ist der Gedenktag des heiligen Wenzel am 28. September mit einer traditionellen Wallfahrt nach Altbunzlau verbunden. (rv)

Mit �Gottesfurcht“ zu gerechter Welt

50.000 Menschen waren gekommen, darunter viele aus �sterreich, Deutschland, der Slowakei oder Polen. Manche hatten schon die Nacht auf freiem Feld verbracht. Der Papst predigte �ber den heiligen Wenzel, nannte ihn �ein Vorbild der Heiligkeit f�r alle“ – und stellte dann ein paar ernste Fragen: �Ist in unseren Tagen die Heiligkeit noch aktuell? Ist das nicht vielmehr ein wenig attraktives und unwichtiges Thema? Sucht man heute nicht eher den Erfolg und das Ansehen bei den Menschen? Aber wie lange bleibt der irdische Erfolg bestehen und was ist er wert?“ Benedikt erinnert an die Zeit, die vor genau zwanzig Jahren zu Ende ging: an das kommunistische Regime �ber Osteuropa.�Das vergangene Jahrhundert hat – und euer Land war Zeuge dieser Ereignisse – nicht wenige Machthaber fallen sehen, die scheinbar fast unerreichbare H�hen erklommen hatten. Pl�tzlich standen sie ohne ihre Macht da. Wer Gott geleugnet hat und ihn weiter leugnet und deshalb auch den Menschen nicht achtet, scheint ein leichtes Leben zu haben und materiellen Erfolg zu erzielen. Aber es gen�gt, an der Oberfl�che zu kratzen, um festzustellen, dass in diesen Menschen Traurigkeit und Unzufriedenheit herrscht. Nur wer im Herzen die heilige ,Gottesfurcht’ bewahrt, hat auch Vertrauen in den Menschen und setzt sein Leben f�r den Aufbau einer gerechten und br�derlichen Welt ein.“ (rv)

Papst an Jugendliche: �Mit Euch f�hle ich mich jung!“

�Ihr seid die Hoffnung der Kirche!“ Mit diesen Worten hat sich Papst Benedikt bei einer Messfeier am Fest des Heiligen Wenzels nahe der tschechischen Ortschaft Altbunzlau (Stara Boleslav) an die Jugend des Landes gewandt. Mehr als zehntausend Jugendliche nahmen an dem Gottesdienst teil. �Mit Euch f�hlt sich auch der Papst jung!“ sagte Benedikt und dankte den jungen Menschen f�r ihr Kommen, das, so der Papst w�rtlich, �mich die Begeisterung und die Gro�z�gigkeit sp�ren l�sst, welche die Jugendlichen auszeichnen“. Der Papst die Jugendlichen auf, Christus nachzufolgen und �verantwortungsbewusst“ die Grundlagen f�r ihre Zukunft zu legen. In jedem Jugendlichen gebe es �ein Streben nach Gl�ck“. Dieses werde aber von der heutigen Konsumgesellschaft oft �auf falsche und entfremdende“ Weise ausgenutzt, kritisierte der Papst. �In eurem Alter trifft man n�mlich die ersten gro�en Entscheidungen, die ein Leben zum Guten oder zum B�sen hin ausrichten k�nnen. Leider lassen sich nicht wenige von euren Altersgenossen durch illusorische Trugbilder von k�nstlichen Paradiesen verlocken und finden sich dann in trauriger Einsamkeit wieder. Es gibt aber auch viele Jugendliche, die (…) die Lehre in die Tat umsetzen wollen, um ihrem Leben einen vollen Sinn zu geben.“ Die Sehnsucht junger Menschen nach Gl�ck m�sse ernst genommen werden und erfordere eine umfassende Antwort, so Benedikt XVI. Gott habe jedem eine besondere Sendung in Kirche und Gesellschaft anvertraut, so Benedikt weiter. Das k�nnten Ehe und Familie, aber auch die Berufung zum Priester sein.(rv)

Altbunzlau: Dank an deutschsprachige Besucher

Den Gottesdienst im Wallfahrtsort Altbunzlau haben auch mehrere zehntausend Pilger und Besucher aus den deutschsprachigen L�ndern besucht. Am Ende des Festgottesdienstes wandte sich Benedikt XVI. an die zahlreichen G�ste aus Deutschland und �sterreich.(rv)

R�ckblick auf Sonntagabend: Flammendes Pl�doyer f�r akademische Freiheit

Vor der universit�ren Elite Tschechiens hat Papst Benedikt XVI. ein Pl�doyer f�r die akademische Freiheit gehalten. Nach dem �Sieg des menschlichen Geistes“ �ber eine totalit�re Ideologie d�rfe die Forschung jetzt nicht Beute eines Relativismus werden, der Vernunft und Wahrheit voneinander abkoppele, warnte Benedikt XVI. in einer Rede vor rund 500 Vertretern des akademischen Lebens am Sonntag in der Prager Burg. Eingeladen hatte der Rektor der traditionsreichen Karlsuniversit�t, Vaclav Hampl. Die Zeit der Eingriffe von Seiten des politischen Totalitarismus sei vorbei so Benedikt. Allerdings sei zu beklagen, dass auf der ganzen Welt die akademische Forschung subtil dazu gezwungen werden, sich dem Druck ideologischer Interessensgruppen und der Verlockung kurzzeitiger utilitaristischer Ziele zu beugen. �Was wird passieren, wenn unsere Kultur nur auf Modethemen mit geringem Bezug zu einer echten historischen intellektuellen Tradition beziehungsweise auf den am lautesten beworbenen oder am besten finanzierten Ansichten gr�ndet? Was wird passieren, wenn sie sich in ihrer Angst, einen radikalen S�kularismus zu bewahren, von ihren Leben spendenden Wurzeln abschneidet? Unsere Gesellschaften werden nicht vern�nftiger, toleranter oder flexibler werden, sondern br�chiger und weniger aufnahmef�hig, und es wird ihnen immer schwerer fallen zu erkennen, was wahr, edel und gut ist.“ (rv)

Lombardis Abschlussbilanz: �Papst wollte Botschaft der Hoffnung vermitteln“

Zum Abschluss der Papstreise in die Tschechische Republik hat unsere Korrespondentin vor Ort, Antje Dechert, den Vatikansprecher, Pater Federico Lombardi, um eine Bilanz gebeten. Das Leitmotiv der Reise war seiner Ansicht nach �Hoffnung“. Die jungen Menschen h�tten am Montagmorgen gezeigt, �dass sie diese Botschaft gut verstanden haben“. Der Papst habe nicht von den politischen Aspekten der europ�ischen Einheit gesprochen, sondern den Akzent auf die gemeinsamen Werte und christlichen Wurzeln gelegt, so Lombardi. �Der Papst sagt: Wenn man nicht einen gemeinsamen Willen demonstriert, die Wahrheit zu suchen, kann der Weg f�r die Bildung einer Gemeinschaft von V�lkern nicht sehr weit gehen. Deshalb hat er die Tiefe der christlichen europ�ischen Kultur betont. Er hat in der Tschechischen Republik besonders Europa als Haus bezeichnet. Ein gemeinsames Heim, das wirklich ein Ort der gemeinsamen Werte, Traditionen und Hoffnungen ist, das ist die Hauptbotschaft des Papstes. Diese Botschaft der Hoffnung ist nicht nur f�r die katholische Kirche und die Jugendlichen wichtig, sondern auch f�r alle V�lker Europas.“ (rv)

Lombardi: �Papst zufrieden mit Verlauf der Reise“

Bereits am Sonntagabend hat Vatikansprecher Pater Federico Lombardi vor Journalisten in Prag im Namen des Papstes eine positive Zwischenbilanz gezogen. Der Papst sei �wohlauf“ und mit dem Verlauf der Tschechien-Reise sehr zufrieden. Besonders gefallen habe ihm die Messfeier in Br�nn (Brno). �Der Papst ist ein gro�er Pastor und war daher sehr erfreut angesichts der Teilnahme so vieler Leute“, sagte Lombardi gegen�ber Radio Vatikan. Besonders beeindruckt habe Benedikt XVI. auch die Rede des Rektors der Karlsuniversit�t. Beim dem Treffen mit der universit�ren Elite des Lande habe das gemeinsame Interesse an �Inhalten“ im Vordergrund gestanden, betonte Lombardi. Der innere Zusammenhang zwischen Wahrheit und Freiheit st�nde im Zentrum der Botschaft, die der Papst im Gedenkjahr an die �samtene Revolution“ von 1989 den Tschechen n�her bringen wolle. Die Suche der Freiheit nach Wahrheit sei der �Refrain“ der Papstreden der vergangenen Tage, erkl�rte der Vatikansprecher. (rv)

 

 

29.09.09

Tschechien: Medien bilanzieren positiv

Selbst die betont s�kularen Medien der tschechischen Republik ziehen eine positive Bilanz des Papstbesuches in ihrem Land. Unsere Korrespondentin Antje Dechert: �Alle gro�en tschechischen Tageszeitungen machen heute mit Berichten �ber die Papstreise auf. Nachdem in den ersten Tagen der Reise sehr kritisch �ber den Papst und seine Pastoralvisite geschrieben wurde, stehen jetzt doch die Inhalte der Reden Benedikts im Vordergrund. Es geht nicht mehr nur um etwa das Verkehrschaos, das die hohen Sicherheitsvorkehrungen ausgel�st hatten, sondern die Zeitungen reflektieren �ber die Bedeutung des Papstbesuchs f�r die Tschechische Republik und die Kirche dort; der Papstbesuch habe die guten Beziehungen zwischen Staat und Kirche best�tigt, so die Zeitungen. Positiv bewertet wird auch, dass der Papst zum Beispiel in der Konkordatsfrage keine aggressiven Anspr�che gestellt hat. Die Berichterstattung spiegelt also insgesamt eine positive Meinung wieder. Und emblematisch ist vielleicht der Titel einer liberalen Zeitung - "Papst hat Vaclav Klaus gefallen“, die n�chterne, aber dann doch im Endeffekt eher positive Einstellung.“ Im Jahr 20 nach dem Mauerfall besuchte Papst Benedikt nicht Deutschland, sondern die Tschechische Republik. Aber er ging in seinen Ansprachen stets auf die gesamteurop�ische Bedeutung der Wende ein und zeigte auch Pr�fsteine f�r ein geeintes Europa. �Europa ist nicht nur ein Kontinent, sondern ein Zuhause, das hat er in seiner Rede an die Politiker gesagt und dabei gefordert, dass die geistigen und geistlichen Wurzeln ganz Europa gemeinsam sind auch in Zukunft Leitlinien sein m�ssen, um nach zwanzig Jahren Mauerfall die damals gewonnene Freiheit weiterhin zu garantieren. Freiheit, so hat Benedikt an mehreren Stellen gesagt, darf nicht missbraucht werden oder in einen leeren Konsumismus oder Hedonismus abdriften, sondern muss dem Gemeinwohl dienen. Von daher hat dieser Besuch hier in Tschechien doch auch eine gesamteurop�ische Dimension.“ (rv)

 

nach oben > >

 

 

10/2009

 

 

01.10.09

Der Papst reist im n�chsten Juni nach Zypern

Das k�ndigte der Pr�sident des griechischen Inselteils, Demetris Christofias, am Donnerstag an. Jerusalems Lateinischer Patriarch, der auch f�r Zyperns Katholiken zust�ndig ist, hat die Nachricht best�tigt. (rv)

 

 

01.10.09

I m Vatikan: Nachdenken �ber Menschenhandel

 

Der Vatikan besch�ftigt sich in diesen Tagen in einem internationalen Kongress mit Seelsorge an Menschen unterwegs. In diese Kategorie fallen beispielsweise Fl�chtlinge, Obdachlose und Opfer von Menschenhandel. Aus Deutschland hat der P�pstliche Migrantenrat, der die Tagung ausrichtet, Schwester Lea Ackermann eingeladen. Sie setzt sich mit ihrer Organisation �Solwodi“ f�r Frauen und Kinder ein, die durch Menschenhandel als Zwangsprostituierte missbraucht werden. Schwester Lea beobachtet eine wachsende Sensibilit�t f�r das Thema, gerade unter Ordensfrauen. �In Italien zum Beispiel ist es gelungen, dass die Ordensschwestern sehr stark zusammenarbeiten und auch Frauen und Kinder aufnehmen in ihre H�user. In Deutschland arbeiten bei Solwodi 47 Sozialarbeiterinnen und Psychologinnen mit diesen Zwangsprostituierten, davon sind 17 Ordensfrauen aus 13 verschiedenen Gemeinschaften. Also die Ordensfrauen haben schon ein sehr waches Auge f�r die unmenschliche Ausbeutung von Frauen und Kindern.“ Fast 25 Jahre ist Schwester Lea schon im Einsatz f�r Opfer von Frauen- und Menschenhandel. Sie gilt als Pionierin f�r die Verteidigung der Menschenrechte zwangsprostituierter Frauen und Kinder. �Als ich vor 25 Jahren auf dieses Problem aufmerksam gemacht wurde durch den Kontakt mit Frauen in der Prostitution in Kenia, sagte mir eine 16-j�hrige: Ich bin doch nicht jung, ich habe schon ein dreij�hriges Baby, aber kuck mal, da hinten das M�dchen ist erst 14 und die hat gestern ein Kind zur Welt gebracht und es in der Toilette ertr�nkt... Damit will ich nicht dieses M�dchen an den Pranger stellen, sondern: In welche Situationen kommen diese Kinder. Ein M�dchen von 14 ist ein Kind! Das hat mich damals auf die Palme gebracht und ich habe gedacht: Die Touristen, die sich eine Weltreise leisten k�nnen, kommen in diese L�nder und nutzen diese Armut und das Elend aus und kaufen sich billiges Vergn�gen zu Lasten von Frauen und Kindern.“ Schwester Lea bef�rwortet sehr, dass sich der Vatikan mit dem Thema Zwangsprostitution besch�ftigt. Ihre Organisation ist auch in verschiedenen afrikanischen L�ndern aktiv. Mit Blick auf die bevorstehende Bischofssynode �ber Afrika w�rde sich die deutsche Ordensfrau w�nschen, dass die Anliegen von Frauen auf dem schwarzen Kontinent mehr Beachtung finden. �Es sind eigentlich die Frauen, die Afrika bis jetzt am Leben gehalten haben. Sie sorgen f�r die Ern�hrung, sie sorgen f�r die Familie. Sie setzen sich ganz ein. Aber andererseits – Entscheidungen treffen nur die F�hrungsgruppen, und da sind sehr wenige Frauen drin. �hnliches gilt f�r die Kirche. Auch dort kommen Frauen sehr wenig zu Wort. Es w�re mein Wunsch, dass Anliegen der Frauen zur Sprache kommen und Gruppen gebildet werden, damit Frauen das sagen k�nnen, was ihnen gro�e Sorgen macht.“ (rv)

 

 

02.10.09

Synode: 400 Teilnehmer, 3 Sonderg�ste, 3 Sprachen

Rund 400 Personen werden ab Sonntag im Vatikan an der internationalen Sondersynode zu Afrika teilnehmen. Erzbischof Nikola Eterovic, Generalsekret�r der Synode, hat an diesem Freitag vor Journalisten letzte Details zum Ablauf der Bischofsversammlung bekannt gegeben. Gudrun Sailer berichtet.

Papst t�glich dabei

Papst Benedikt wird, wie schon bei der Bibelsynode im Herbst vergangenen Jahres, nahezu t�glich an den Sitzungen teilnehmen. 244 Synodenv�ter werden in der Aula anwesend sein, die meisten von ihnen Bisch�fe. 79 von ihnen sind Synodenv�ter kraft ihres Amtes, 129 wurden gew�hlt und 36 direkt vom Papst benannt. Fast 200 der Synodenv�ter stammen aus Afrika. Benedikt XVI. verf�gte, dass alle 25 Dikasterienleiter der Kurie als Synodenv�ter an der Versammlung teilnehmen, au�erdem alle 14 afrikanischen Kardin�le und alle Vorsitzenden der nationalen und regionalen Bischofskonferenzen. Der Vatikan legte bei der Vorbereitung �berdies Wert darauf, dass von jedem der 53 L�nder Afrikas mindestens ein Bischof zur Synode kommt, f�hrte Eterovic aus.

H�rer und Experten

Neben dem Kreis der Synodenv�ter nehmen zwei weitere Gruppen an den Beratungen teil: die H�rer und die Experten. Die Gruppe der H�rer besteht aus 49 Personen, davon 20 Frauen, von den 29 Experten sind zehn Frauen. Assistenten, �bersetzer und Techniker vervollst�ndigen die Teilnehmerliste. Papst Benedikt hat drei Sonderg�ste eingeladen, die sich an je einem bestimmten Tag in die Beratungen einschalten: Seine Heiligkeit Abune Paulos, Patriarch der �thiopischen Orthodoxen Tewahedo Kirche, der 40 Millionen Gl�ubige angeh�ren. Weiters Rudolf Adada, den ehemaligen Leiter der UNAMID-Mission in Darfur, sowie Jacques Diouf, Generaldirektor der UN-Weltern�hrungsorganisation FAO. Diouf, �brigens der erste muslimische Sondergast eine Bischofssynode, wird am 12. Oktober �ber Nahrungsmittelsicherheit in Afrika sprechen.

�Freie Diskussion“

Die Afrika-Synode wird die dritte mit einer t�glichen so genannten �freien Diskussion“ sein. Allerdings zeigte die Erfahrung der beiden vorangegangenen Synoden, dass die meisten Redner das Forum nutzen, um eine weitere Ansprache zu halten; zu einem echten Gedankenaustausch kam es in der Vergangenheit nur selten. Wie oft Papst Benedikt das Wort ergreifen wird, liegt an ihm selbst; bei der Bibelsynode war er in erster Linie als aufmerksam Zuh�render anwesend.

Offizielle Sprachen

Drei offizielle Sprachen werden die Afrikasynode beherrschen: Franz�sisch, Englisch und Portugiesisch, alternativ k�nnen die Reden auf Italienisch gehalten werden. Ort der Versammlung ist die so genannte Synodenaula im Obergeschoss der vatikanischen Audienzhalle. Den Auftakt der Bischofsversammlung bildet am kommenden Sonntag ein Papstgottesdienst in St. Peter; zu Ende geht die Synode mit einer Messe am 25. Oktober. (rv)

 

 

05.10.09

Kardinal Turkson: �Afrika, ein Kontinent der Chancen“

Afrika ist �ein Kontinent der Chancen“, auch f�r die Kirche. Das betonte Kardinal Peter Turkson aus Cape Coast in Ghana in seiner Start-Ansprache der Sondersynode f�r Afrika. Turkson ist Generalrelator und fungiert als Berichterstatter. Zwar sei das Bild, das Afrika biete, immer noch sehr durchwachsen. �Auf der einen Seite die Erfolge der Evangelisierung und das Wachstum der Ortskirchen, auf der anderen Seite das Elend und die �bel des Kontinents. Hier der Mut und Pioniergeist der Missionare, dort der mangelnde Einsatz der Kirchenleute, das Aufkommen synkretistischer Tendenzen, das Wachstum der Sekten, die Politisierung des Islams uns seine Intoleranz gegen�ber Kritikern. Hier das Aufbl�hen von Demokratien und immer mehr kulturell-soziales, wirtschaftliches oder politisches Bewusstsein – dort despotische Regime, Korruption und ein alarmierender Anstieg der Armut.“ Wenn heute von einer �bl�henden Kirche in Afrika“ gesprochen werde, vergesse man zu leicht den Umstand, �dass sie in weiten Teilen n�rdlich des �quators so gut wie gar nicht existiert. Ihr au�erordentliches Wachstum betrifft vor allem die L�nder s�dlich der Sahara.“ Der Kardinal aus Ghana wies auch auf den �radikalen Zusammenhang zwischen Regierungsf�hrung und Wirtschaft“ hin: �Eine schlechte Regierung f�hrt zu einer schlechten Wirtschaft. Das erkl�rt das Paradox der Armut eines Kontinents, der einer der an Potential reichsten der Welt ist“, so der afrikanische Purpurtr�ger. Er kam aber in seiner Analyse doch zu einem halbwegs positiven Res�mee: �Auch wenn der Kontinent und die Kirche auf ihm noch nicht aus allen Schwierigkeiten heraus sind, k�nnen sie sich doch �ber eine Reihe von Erfolgen freuen und damit beginnen, Vorurteile �ber Konflikte, Katastrophen und Korruption zur�ckzuweisen. Von den 48 afrikanischen Staaten s�dlich der Sahara sind derzeit nur vier im Krieg, und mindestens zwei davon wegen ausl�ndischer Einmischung. Man muss schon sehen, dass es weniger Kriege in Afrika gibt als in Asien. Immer mehr Kriegsh�ndler und Kriegsverbrecher werden gerichtlich belangt, etwa Charles Taylor aus Liberia. Afrika wird von den Medien schon zu lange aller Dinge angeklagt, die die Menschheit verabscheut – es ist Zeit, die Route zu �ndern und liebevoll die Wahrheit �ber Afrika zu sagen!“ Die Christen wollten f�r Afrika �Salz und Licht“ sein – �als Diener der Vers�hnung, Gerechtigkeit und des Friedens“. Afrikas Kirche solle eine �authentische Familie Gottes werden“, so Kardinal Turkson. Die Bischofssynode bringt �ber 200 Kirchenleute aus ganz Afrika mit der r�mischen Kurie zusammen. Insgesamt nehmen an die 400 Menschen an der Versammlung teil. Sie dauert bis zum 25. Oktober und steht unter dem Motto: �Die Kirche in Afrika im Dienst von Vers�hnung, Gerechtigkeit und Frieden“. Eine erste Afrikasynode hat 1994 stattgefunden. (rv)

Synode: Erste Eindr�cke
In der Synodenaula verfolgt f�r unser Programm Gudrun Sailer die Synode mit. Stefan Kempis fragte sie nach ihren Eindr�cken nach diesem ersten Synoden-Vormittag: �Der erste Vormittag war sicher bunter als alles, was jetzt folgen wird. Ein gro�er spiritueller und theologischer Auftakt durch Papst Benedikt, dann Organisatorisches vom Synoden-Generalsekret�r Erzbischof Eterovic und ein Einf�hrungsvortrag vom so genannten Generalrelator, Kardinal Peter Turkson aus Ghana. Am ersten Tag muss man sich immer noch ein wenig einfinden in eine solche gro�e Versammlung, einige Synodenv�ter kamen unp�nktlich, hatten den r�mischen Verkehr untersch�tzt – die meisten kommen eben auch von weit her und aus g�nzlich anderen Lebensrealit�ten. Es ist wirklich ein besonderer und besonders lebendiger Ausschnitt Weltkirche, der sich hier im Vatikan versammelt.“ (rv)

 

 

06.10.09

Synodenv�ter: �Betonung von Rassenunterschieden ist unchristlich“

Die �Alltagsarbeit“ der dreiw�chigen Afrikasynode hat an diesem Dienstag im Vatikan begonnen. Gudrun Sailer hat die Diskussionsbeitr�ge verfolgt: Erster der rund 15 Redner vom Vormittag war ein Gast, n�mlich Abuna Paulos, Patriarch der �thiopischen orthodoxen Tewahedo Kirche. Angesichts schwieriger werdender Lebensumst�nde in Afrika rief der Patriarch im Vatikan die christlichen Kirchen dazu auf, gemeinsam eine �christliche Intelligenz der Liebe“ zu pflegen. An konkreten Herausforderungen nannte er die wachsende Gefahr durch Terrorismus, gewissenlose Ausbeutung der Rohstoffe durch Nicht-Afrikaner, Abwanderung, Kindersoldaten und Aids; afrikanische HIV-Infizierte m�ssten dieselben Therapien wie Europ�er erhalten, so der Patriarch. Papst Benedikt rief in einer kurzen Dankesrede an den Gast die Kirche dazu auf, an einer integeren und solidarischen Gesellschaft mit zu bauen.

"M�rderische Verbrechen“
Kardinal Angelo Sodano sprach in einem interessanten Vortrag �ber die zunehmende Betonung von Rassenunterschieden in Afrika – �eine antichristliche Vorstellung“, wie der Dekan des Kardinalskollegiums hervorhob. Die Liebe zur eigenen Nation sei zwar etwas Edles und habe sich in einem christlichen Ambiente herausgebildet. Auf Abwegen f�hre die �berbetonung der eigenen Nation bzw. Rasse aber zu m�rderischen Verbrechen wie dem Genozid von Ruanda. Dabei wurden 1994 aufgrund hervorgehobener Rassenunterschiede 800.000 Menschen ermordet. Europa habe in Bezug auf das Rassendenken seine Lehren aus der Geschichte gezogen. Heute n�herten sich die Nationen in Europa einander immer mehr an, �und das mit der Unterst�tzung der �rtlichen Bischofskonferenzen und auch des Heiligen Stuhles“, so Sodano, der 16 Jahre lang als Kardinalstaatssekret�r wirkte.

�Auch uns selbst anklagen“
�Kriege und Konflikte s�en eine Kultur der Gewalt und zerst�ren das moralische Gewebe unserer Gesellschaften“, bekundete auch Kardinal Polycarp Pengo von Tansania. Leider seien auch Kleriker nicht immer davor gefeit. �In dieser Synode m�ssen wir den Mut haben, auch uns selbst anzuklagen, wenn es um Machtmissbrauch und die Rolle von Autorit�t und Ethnozentrismus geht.“ Ein Synodenvater aus Kamerun fragte sich, warum die Bantu im S�den seines Landes eine so klare und wirksame Technik der Vers�hnung im Fall von Streitf�llen h�tten, hingegen die Katholiken in seinen Kirchen mitunter nicht einmal den Friedensgru� austauschen wollten: Die Familienbande des Christentums m�ssten doch st�rker sein als jede Stammestradition, gab der Bischof zu bedenken. �hnliches war von einem s�dafrikanischen Bischof zu h�ren: Die Rassentrennung bestehe unterschwellig auch in der Kirche fort, schwarze und wei�e Katholiken gingen etwa nicht gemeinsam auf Wallfahrt, wei�e Seminaristen f�hlten sich nicht im Frieden mit schwarzen. Das Res�mee des Bischofs: �Die Prinzipien der Demokratie sind noch immer nicht bis zu den Wurzeln durchgesickert.“

�Gottlose Politik“
Ganz auf Bildung als probates Mittel zur Vers�hnung in Afrika setzte ein Synodenvater aus Uganda. Er sprach �ber Entwicklungen in der Politik. Keiner solle sich �ber bestimmte afrikanische Machthaber t�uschen, sie seien blo� �mildere Diktatoren“ als die Generation von Diktatoren vor ihnen. �In den meisten L�ndern Afrikas ist die Politik, die wir erfahren, eine gottlose Politik. Diese Form von F�hrung ist ein Brutkasten f�r Konflikte“. Dagegen sei kein anderes Kraut gewachsen als Bildung und Erziehung zu Werten. Der Synodenvater regte an, grundlegende demokratische Prinzipien – wie sie in der Soziallehre der Kirche zu finden seien - im Unterricht festzuschreiben. (rv)

 

 

07.10.09

Synode: �Vers�hnung ist mehr als Wiedergutmachung“

Am dritten Tag der Afrika-Synode im Vatikan haben sich die rund 300 Bisch�fe, Experten und H�rer erstmals in Sprach- und Sachgruppen zur�ckgezogen. In Zirkeln von 20 bis 30 Teilnehmern berieten sie �ber anstehende Fragen aus dem Themenkreis Vers�hnung, Gerechtigkeit und Friede – so lautet der Titel der Synode. �ber Vers�hnung nach der s�dafrikanischen Rassentrennungspolitik der Apartheid, die 1994 offiziell ein Ende fand, hat unsere Synoden-Berichterstatterin Gudrun Sailer mit dem Bischof Michael W�stenberg gesprochen. Er stammt aus der Di�zese Hildesheim und leitet seit knapp zwei Jahren die s�dafrikanische Di�zese Aliwal. �Ich denke, es war ein sehr wichtiger Prozess, den wir da hatten. Ein Prozess, der die Augen ge�ffnet hat, aber auch viele Fragen offen gelassen hat. Wenn wir nun in der Synode das Thema Vers�hnung behandeln, muss das wahrscheinlich tiefer greifen. Und es stellt sich auch die Frage, was wir als Kirche hier tun k�nnen, wenn es um die Entwicklung einer Spiritualit�t von Vers�hnung geht. Es geht nicht nur darum, Sch�den wieder gut zu machen – auch das ist wichtig – sondern es geht auch darum, Grundhaltungen einzu�ben. Und da haben wir, denke ich, noch �berall einen weiten Weg von uns, bis wir dahin kommen.“ Einer der afrikanischen Bisch�fe hat das am Dienstag auch bei der Synode angemerkt. Er sagte, im S�den seines Landes habe der Stamm der Bantu eine klare und wirksame Technik der Vers�hnung im Fall von Streitf�llen, anders als die Katholiken in seinen Kirchen, die mitunter nicht einmal den Friedensgru� austauschen wollten... �F�r mich ist die Frage, der ich begegne mit Blick auf Kultur, manchmal auch: Was ist die leitende Idee oder die vorw�rts treibende Kraft? Ist es das, was als kulturelles Erbe da ist, oder ist es unser Glaube? Welche Rolle spielt unser Glaube wirklich, und wie tief sind wir darin verankert? Ich denke, da sind gro�e Herausforderungen f�r uns im Blick auf die menschliche Formung. Denn ich habe den Eindruck, Katechese, oder was immer wir tun, ist noch sehr an der Oberfl�che – wahrscheinlich ebenso wie mit vielem auch in Europa. Vielleicht muss auch �berhaupt erst das Interesse geweckt werden, sich mit der Spiritualit�t der Vers�hnung auseinanderzusetzen, um dann Gesellschaft beeinflussen zu k�nnen. Es stimmt, als Bisch�fe haben wir zwar in der Kirche eine Rolle – aber wir k�nnen nicht alles beeinflussen. Da h�ngen wir wesentlich von der Zusammenarbeit mit den vielen Menschen ab, die Kirchenmitglieder sind und kompetent in ihren Aufgaben. Und wenn sie kompetent in ihrem Glauben sind, vielleicht auch in der Soziallehre, die ja nicht gerade sehr verbreitet ist im Bewusstsein der Gl�ubigen, wenn da etwas gesch�he, k�nnten wir wohl eine sehr kraftvolle Organisation sein, um Gesellschaft zu beeinflussen, insbesondere auch Prozesse, die Vers�hnung bewirken k�nnen.“ (rv)

Bisch�fe aus Tschad: �Pl�nderung von Bodensch�tzen zu Lasten Afrikas“

Trotz seiner reichen Rohstoffe und seines Potentials bleibt Afrika auch heute der Kontinent, in dem Vernachl�ssigung, Krieg und Krankheit allt�gliche Situationen sind und die Armut dramatische Formen annimmt. Das haben zwei Bisch�fe aus dem Tschad bei der �Generalkongregation“; also der Plenarversammlung der Synode beklagt. Sie legten den Synodenv�tern einen Text zur Abstimmung vor, in dem von wildem Rohstoffabbau zu Lasten ihres Landes und seiner Einwohner die Rede ist. W�hrend der Tschad zu den zehn �rmsten L�ndern der Welt z�hlte, riefen seine Bodensch�tze die Begehrlichkeiten von konkurrierenden Weltm�chten wie Frankreich, die USA und j�ngst auch China hervor. Besonders in Bezug auf Erd�l sei eine Art geheime Pl�nderung im Gang. �Bis heute scheint niemand in der Regierung bis hin zu lokalen Stellen zu wissen, wie viele Barrel �l jeden Tag aus dem Boden von Kome geholt werden“, so die beiden Synodenv�ter. Parallel dazu seien die Bewohner Komes �von der Armut ins Elend“ abgeglitten. �Wem geh�ren Afrikas Ressourcen?“, fragen sie. Die afrikanischen Bisch�fe �oder der Heilige Vater pers�nlich“ sollten in der Frage der Nutzung von Bodensch�tzen durch multinationale Konzerne eingreifen. In dieselbe Kerbe schlug ein Bischof aus Nigeria, einem der gr��ten erd�lexportierenden L�nder Afrikas. Gro�konzerne und besonders China beuteten die Rohstoffe des Kontinentes in einer noch nie da gewesenen Weise aus, so der Synodenvater in Anwesenheit von Papst Benedikt. Er wies auch auf die zunehmende Umweltverschmutzung in bestimmten afrikanischen Regionen hin und regte eine ��kologische Konversion“ an. (rv)

Ein Bischof aus der Demokratischen Republik Kongo

musste indes �berraschend abreisen, weil abermals Christen seiner Di�zese Opfer von Anschl�gen geworden waren. Die Kirche sei f�r viele ver�ngstigte, gedem�tigte, missbrauchte und zum Schweigen gebrachte Menschen in seinem Land die einzige Unterst�tzung, so der Bischof Dienstagabend, als er in der freien Diskussion das Wort ergriff. Aus der Demokratischen Republik Kongo sind zw�lf Bisch�fe zur Synode geladen. Das rapide Anwachsen der Kirche in Afrika hat nach Worten des vatikanischen ��kumene-Ministers“ Kardinal Walter Kasper die Fragmentierung unter den Christen verst�rkt. Neben der historischen Trennung infolge der Missionierung durch unterschiedliche Kirchen gebe es auch neue Spaltungen insbesondere durch charismatische Bewegungen, Freikirchen und Sekten, sagte Kasper vor der Afrika-Synode. Die katholische Kirche m�sse den Kontakt mit diesen Gruppen verst�rken. Indessen hat der vatikanische Pressesaal den genauen Wortlaut der Aussage von Kardinal