1/2006

 

 

04.01.06:

Papst kondoliert den Opfern in Bad Reichenhall

Papst Benedikt ist betroffen �ber die Katastrophe in Bad Reichenhall. Beim Einsturz des Daches einer Eissporthalle sind viele Menschen verletzt worden; die Rettungskr�fte haben bisher 13 Todesopfer geborgen. Hier sind die Kerns�tze aus dem Papst-Telegramm an Kardinal Friedrich Wetter von M�nchen, in dessen Bistum der Ungl�cksort Bad Reichenhall liegt: "Papst Benedikt XVI. gedenkt der bei diesem tragischen Unfall zu Tode gekommenen Menschen, vor allem der Kinder, in seinem Gebet und bittet den Herrn um rasche Hilfe und Rettung f�r die noch Versch�tteten. Den Angeh�rigen der Opfer versichert Seine Heiligkeit seine betende Anteilnahme. Der Allm�chtige Gott schenke Ihnen in der Stunde des Schmerzes und der Trauer Kraft und Trost aus dem Glauben. Der Heilige Vater betet auch f�r die Verletzten, denen er Zuversicht und baldige Genesung w�nscht. Ihnen allen sowie den Einsatzkr�ften und Helfern erteilt Papst Benedikt XVI. den Apostolischen Segen. Angelo Kardinal Sodano - Staatssekret�r Seiner Heiligkeit." (rv)

 

 

09.01.06:

Papst mahnt zu mehr Friedenseinsatz

 

Papst Benedikt XVI. hat heute die bisher politischste Ansprache seit seinem Amtsantritt im vergangenen April gehalten. Bei der Neujahrsaudienz f�r die beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomaten mahnte er zu verst�rktem Einsatz f�r den Frieden. Vor dem Hintergrund der Lage im Nahen Osten sagte er: "Der israelische Staat muss dort nach den Regeln des V�lkerrechts friedlich existieren k�nnen. Das pal�stinensische Volk muss dort ebenfalls seine demokratischen Institutionen f�r eine freie Zukunft entwickeln k�nnen."
Besonders besorgt �u�erte Benedikt sich �ber den internationalen Terrorismus, der sich mittlerweile weltweit ausgebreitet habe "Der Terrorismus richtet sich ohne Unterscheidung gegen unschuldige Menschen und versetzt ganze V�lker durch Erpressung in Panik, um die politisch Verantwortlichen zur Erf�llung ihrer Ziele zu zwingen. Nichts kann diese kriminelle Aktivit�t rechtfertigen, die um so verurteilenswerter ist, als sie sich hinter dem Schutzschild der Religion verbirgt. Dabei erniedrigt sie die Wahrheit Gottes auf das Niveau ihrer eigenen Blindheit und Perversion."
Um einen Zusammensto� der Kulturen zu vermeiden, m�ssten die europ�ische und die arabische Kultur einander wieder wie in der Vergangenheit durch gegenseitigen Austausch bereichern, forderte der Papst: "Deshalb m�ssen heute vor allem die Hindernisse abgeschafft werden, die den Zugang der Presse und der modernen Kommunikationsmitteln zu Informationen verhindern, und es muss der Austausch zwischen den humanistischen Disziplinen der Universit�ten der verschiedenen Kulturregionen gef�rdert werden."
Besonderes Interesse widmete Benedikt bei seiner Begegnung mit den Diplomaten neueren Entwicklungen des internationalen Rechts, die seinen Worten zufolge zunehmend Wert auf den Schutz der individuellen Freiheit nicht nur auf internationaler Ebene legen. "Denn im Schutz der Menschenrechte kommt den Rechten und der Freiheit im Innern eines jeden Staates eine Vorrangstellung zu, sowohl im �ffentlichen wie im privaten Leben, in den wirtschaftlichen wie in den politischen, kulturellen und religi�sen Beziehungen." Die Religionsfreiheit sei in zahlreichen L�ndern aber bedroht, beklagte der Papst, auch in solchen mit Jahrhunderte alter Kultur. Der Heilige Stuhl fordere Religionsfreiheit nicht nur f�r die katholische Kirche weltweit, sondern f�r alle Gl�ubigen.
Neben Freiheit nannte Benedikt Wahrheit als einen Grundpfeiler auf dem Weg zum Frieden. Konfliktpartner m�ssten deshalb auch eigene Fehler eingestehen. F�r die den Papst bedeutet das konkret: "Die katholische Kirche verurteilt Fehler, die ein Teil ihrer Mitglieder und ihrer Institutionen in der Vergangenheit begingen. Sie hat nicht gez�gert, daf�r um Vergebung zu bitten. Das erfordert der Einsatz f�r die Wahrheit." (rv)

 

 

09.01.06:

Heiliger Stuhl zur�ckhaltend �ber Freilassung Agcas

 

Der Papstattent�ter Mehmet Ali Agca wird voraussichtlich noch in diesem Monat aus der Haft in der T�rkei entlassen. Der Vatikan reagierte zur�ckhaltend auf die international mit gro�er Aufmerksamkeit aufgenommene Ank�ndigung."Der Heilige Stuhl hat die Nachricht aus den Nachrichtenagenturen erfahren", erkl�rte Vatikansprecher Joaqu�n Navarro-Valls lapidar. Da es sich um ein juristisches Problem handle, �berlasse der Heilige Stuhl alle entsprechenden Entscheidungen den betroffenen Gerichten. Positiv �u�erte sich der italienische Kardinal Ersilio Tonini. Papst Johannes Paul II., der Agcas Attentat am 13. Mai 1981 �berlebt hatte, h�tte sich gefreut, glaubt der ehemalige Erzbischof von Ravenna. Kritisch �u�erte sich dagegen Kardinal Achille Silvestrini, der damalige vatikanische "Au�enminister". Er erinnerte an die Angaben des Attent�ters zur so genannten "bulgarischen Spur", die er sp�ter zur�ckgezogen habe. Auch habe Agca nie Reue f�r den Anschlag gezeigt Agca war wegen des Attentats auf Papst Johannes Paul II. in Italien zu lebenslanger Haft verurteilt und im Jahr 2000 mit Zustimmung des Vatikans begnadigt worden. Johannes Paul II. hatte ihm zuvor �ffentlich vergeben und ihn im Gef�ngnis besucht. Nach seiner Entlassung war Agca in die T�rkei �berstellt worden, wo er seither wegen des Mordes an einem Journalisten im Jahr 1979 und anderer Vergehen inhaftiert ist. Papst Benedikt XVI. plant f�r kommenden November eine Reise in die T�rkei. (rv)

 

 

21.01.06:

Schweizergarde wird 500

Morgen beginnen im Vatikan die Feierlichkeiten zu einem besonderen Jubil�um: 500 Jahre Schweizergarde. Am 22. Januar 1506 kamen die ersten 150 Soldaten aus der Schweiz, um dem damaligen Papst Julius II. Treue zu schw�ren und ihn fortan zu besch�tzen. Noch heute wacht die Garde �ber die Sicherheit des Papstes. Sie ist eine Leibgarde und nicht zur Verteidigung des Staatsterritoriums bestellt. Ihre bunte historische Uniform macht die Gardisten zum Blickfang f�r Vatikan-Touristen und beliebten Fotomotiv. Wer in eine dieser Uniformen schl�pfen will, muss katholisch sein, unter 30 und unverheiratet. Zur Motivation der Rekruten erkl�rt der Kaplan der Schweizer Garde, Alois Jehle:
"Wer dazu bereit ist, das Leben des Papstes zu verteidigen, der muss auch dazu bereit sein, dessen Ideale zu verteidigen. Das hei�t: zu diesem Beruf geh�rt auch, einen Glaubensweg zu gehen. Wir haben eine sehr intensive Vorbereitung in der Rekrutenschule, dann bieten wir geistliche Vortr�ge bei den Milit�r�bungen an und laden die Gardisten zu Pilgerfahrten ein. Die Motivation der jungen Leute, wenn sie zu uns kommen, ist unterschiedlich. Nicht alle sagen, sie w�rden gerne eintreten, um der Kirche zu dienen. Aber sie sind bereit zu h�ren und in einen Austausch zu treten. Insofern muss ich bei der Rekrutierung schauen, ob sie den Papst lieben!"
Zum Auftakt des Jubil�umsjahres feiert morgen Kardinalstaatssekret�r Angelo Sodano einen Gottesdienst in der Sixtinischen Kapelle. Radio Vatikan �bertr�gt live. (rv)

 

 

22.01.06:

Kardinal Taofinu�u verstorben

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Kardinal Pio Taofinuu, langj�hriger Erzbischof von Samoa-Apia und der erste Kardinal aus Polynesien, ist am Donnerstag mit 82 Jahren in seiner Bischofsstadt gestorben. Die Beisetzung findet am n�chsten Samstag in der Kathedrale von Apia statt. Papst Benedikt dr�ckte dem Erzbistum sein Beileid aus. Kardinal Taofinuu sei ein "herausragender Zeuge der Wahrheit und der Liebe zum Evangelium" gewesen. Taofinuu wurde 1923 in West-Samoa geboren und leitete das Erzbistum seit 1968. F�nf Jahre sp�ter ernannte Paul VI. ihn zum Kardinal. 2002 trat er aus Altersgr�nden zur�ck. - Nach dem Tod des Pazifik-Kardinals z�hlt das Kardinalskollegium noch 178 Mitglieder. Teilnahmeberechtigt am n�chsten Konklave w�ren derzeit 111 Kardin�le. (rv)

 

 

22.01.06:

500 Jahre Schweizergarde

Die P�pstliche Schweizergarde hat ihr 500. Gr�ndungsjubil�um mit einer feierlichen Messe in der Sixtinischen Kapelle des Petersdoms begangen Gleichzeitig zelebrierte der Schweizer Kardinal Georges-Marie Cottier in der Kathedrale von Fribourg zusammen mit 500 ehemaligen Gardisten eine Festmesse. Im Auftrag des Papstes dankte Kardinalstaatssekret�r Angelo Sodano in der Sixtinischen Kapelle der p�pstlichen Schutztruppe und rief sie auf, ihren Dienst "tapfer und treu" f�r Papst und Kirche fortzusetzen, gegebenenfalls unter Einsatz des eigenen Lebens. An der Messe in der Papstkapelle unter den Fresken von Michelangelo nahmen die 110 aktiven Gardisten sowie deren Angeh�rige, der Vorsitzende der Schweizer Bischofskonferenz, Am�d�e Grab und Vertreter des Diplomatischen Corps teil.
Sodano erinnerte in seiner Predigt an den 22. Januar 1506, als die ersten 150 von Papst Julius II. gerufenen Schweizer Soldaten in Rom eintrafen. Sie erhielten sofort den p�pstlichen Segen und �bernahmen den Schutz des Kirchenoberhauptes und seiner Residenz. Sodano zitierte in seiner Predigt vor den Schweizergardisten in der Sixtinischen Kapelle den Z�richer Reformator Theologen Huldrych Zwingli, �der sich in jenem Jahr noch nicht von der katholischen Kirche entfernt hatte: �Die Schweizer sehen den traurigen Zustand der Kirche Gottes, die Mutter der Christenheit, und halten es f�r schlimm und gef�hrlich, wenn jeder Tyrann ungestraft nach seiner Raubgier die gemeinsame Mutter der Christenheit anfallen d�rfte’“
Papst Benedikt XVI. dr�ckte beim anschlie�enden Angelusgebet seine Wertsch�tzung f�r die Mitglieder des vatikanischen Heers aus und erteilte ihnen seinen Segen. Auf Deutsch sagte er: �Von Herzen gr��e ich die Pilger aus den L�ndern deutscher Sprache. Mein ganz besonderer Gru� gilt heute den Schweizergardisten, die an diesem Sonntag den Auftakt zu den Feierlichkeiten anl��lich des 500-Jahr-Jubil�ums der P�pstlichen Garde begehen. Dieses Jubil�um best�rke und ermutige euch in eurem Dienst f�r den Nachfolger Petri. – Jesus Christus verk�ndet uns das Reich Gottes. Als seine J�nger wollen wir bereitwillig am Kommen dieses Reiches mitarbeiten. Euch allen w�nsche ich einen gesegneten Sonntag!“
(rv)

 

 

23.01.06:

Papst erkl�rt Enzyklika

Papst Benedikt XVI. hat heute vor Teilnehmern an einem Caritas-Kongress im Vatikan die Zielsetzungen seiner am Mittwoch erscheinenden ersten Enzyklika erl�utert. Ausgehend von einem heute vielfach missverst�ndlich gebrauchten Begriff von Liebe wolle er in dem Lehrschreiben mit dem Titel "Deus caritas est" (Gott ist Liebe) an die urspr�ngliche christliche Bedeutung des Wortes erinnern: "Das Wort �Liebe' ist heute so verbraucht, abgenutzt und missbraucht, dass man fast f�rchtet, es auszusprechen. Wir m�ssen es reinigen und ihm wieder seinen urspr�nglichen Glanz verleihen. Auf den ersten Blick k�nnte die Enzyklika den Eindruck erwecken, dass sie in zwei lose Bl�cke auseinander f�llt: einen ersten theoretischen �ber das Wesen der Liebe und einen zweiten �ber kirchliche Barmherzigkeit, �ber karitative Organisationen. Mich hat aber gerade die Einheit der beiden Themen interessiert, die nur dann richtig zu begreifen sind, wenn sie als ein einziges gesehen werden." (rv)

 

 

 

Was ist eine Enzyklika?

 

Am Mittwoch kommt sie also - die erste Enzyklika von Benedikt XVI. "Deus Caritas est" wird sie hei�en und aus zwei Teilen bestehen. Doch was ist eine Enzyklika denn nun eigentlich genau?
Enzykliken sind p�pstliche Lehrschreiben, die in verbindlicher Weise Stellung nehmen zu grundlegenden theologischen, pastoralen und gesellschaftlich relevanten Fragen. Der Begriff kommt vom griechischen "enkyklios" und bedeutet "im Kreis laufend." Enzykliken wenden sich also in der Regel an die ganze Kirche, meist an die Bisch�fe. Seit 1959 oft auch an die Geistlichen, die Gl�ubigen und sogar "an alle Menschen guten Willens" (so zuerst Papst Johannes XXIII. im Jahre 1963 in seiner Friedensenzyklika "Pacem in terris"). Meistens entspricht der Name der Enzyklika den ersten zwei bis drei Worten des Textes, die den Inhalt der Enzyklika anklingen lassen.
Enzykliken sind schon im 4. Jahrhundert als kirchliches Rundschreiben belegt. Aber erst seit Benedikt dem XIV. (Mitte des 18. Jahrhunderts) haben sie sich immer mehr zu einem Instrument der Leitung in der Kirche entwickelt. Die Texte sind Ausdruck der obersten Lehrgewalt des Papstes, und wollen - so eine Definition Pius XII. - ein "Urteil �ber bislang umstrittene Fragen aussprechen …die der freien Er�rterung der Theologen entzogen" sind. Trotzdem sind sie nicht im eigentlichen Sinne unfehlbar. Da sie Antworten auf Fragen der Zeit geben, entwickelt sich die p�pstliche Lehrverk�ndigung auch weiter, wie man zum Beispiel an den sieben gro�en Sozialenzykliken ablesen kann, angefangen bei Rerum novarum Leos XIII. im Jahre 1891 bis zur Enzyklika von Johannes Paul. II "Centesimus annus" aus dem Jahr 1991.
Ber�hmtheit hat die 1937 in deutscher Sprache ver�ffentlichte Enzyklika "Mit brennender Sorge" erlangt, mit der sich Papst Pius XI. gegen die nationalsozialistische Ideologie wendete. Papst Johannes Paul II. hat w�hrend seiner 24j�hrigen Amtszeit 14 Enzykliken verfasst. Seine letzte Enzyklika aus dem Jahre 2003 tr�gt den Titel "Ecclesia de Eucharistia". Auch wenn Enzykliken keine Regierungserkl�rungen sind, so ist die erste Enzyklika eines Pontifikats oft programmatischen Inhalts. (rv)

 

 

25.01.06:

1. Enzyklika von Papst Benedikt XVI.

Die Enzyklika: "Gott ist Liebe" - Kerns�tze
Erster Teil: Die Liebe Gottes und die Liebe der Menschen
"Wir haben der Liebe geglaubt": So kann der Christ den Grundentscheid seines Lebens ausdr�cken. In einer Welt, in der mit dem Namen Gottes bisweilen die Rache oder gar die Pflicht zu Hass und Gewalt verbunden sind, ist dies eine Botschaft von hoher Aktualit�t und von ganz praktischer Bedeutung.
Das Wort "Liebe" ist heute zu einem der meist gebrauchten und auch missbrauchten W�rter geworden. Der Mensch wird dann ganz er selbst, wenn Leib und Seele zu innerer Einheit finden. Nur so kann Liebe - Eros - zu ihrer wahren Gr��e reifen...
Die Verherrlichung des Leibes, die wir heute erleben, ist tr�gerisch. Der zum "Sex" degradierte Eros wird zur Ware, zur blo�en "Sache"; man kann ihn kaufen und verkaufen, ja, der Mensch selbst wird dabei zur Ware. Demgegen�ber hat der christliche Glaube immer den Menschen als das zweieinige Wesen angesehen, in dem Geist und Materie ineinander greifen und beide gerade so einen neuen Adel erfahren.
Liebe wird nun Sorge um den anderen und f�r den anderen. Sie will nicht mehr sich selbst..., sie will das Gute f�r den Geliebten. Liebe zielt auf Ewigkeit. Ja, Liebe ist "Ekstase", aber Ekstase als st�ndiger Weg aus dem in sich verschlossenen Ich zur Freigabe des Ich und so zur Selbstfindung, ja, zur Findung Gottes.
Die leidenschaftliche Liebe Gottes zum Menschen ist so gro�, dass sie Gott gegen sich selbst wendet. Gott..., dieser sch�pferische Ursprung aller Dinge ... ist zugleich ein Liebender mit der ganzen Leidenschaft wirklicher Liebe.
Die auf einer ausschlie�lichen und endg�ltigen Liebe beruhende Ehe wird zur Darstellung des Verh�ltnisses Gottes zu seinem Volk und umgekehrt...
Gottes- und N�chstenliebe. Beide geh�ren so zusammen, dass die Behauptung der Gottesliebe zur L�ge wird, wenn der Mensch sich dem N�chsten verschlie�t oder gar ihn hasst.
(N�chstenliebe) besteht ... darin, dass ich auch den Mitmenschen, den ich zun�chst gar nicht mag oder nicht einmal kenne, von Gott her liebe. Das ist nur m�glich aus der inneren Begegnung mit Gott heraus. Die Heiligen - denken wir zum Beispiel an die sel. Theresa von Kalkutta - haben ihre Liebesf�higkeit dem N�chsten gegen�ber immer neu aus ihrer Begegnung mit dem eucharistischen Herrn gesch�pft.
Der zweite Teil: Die Liebest�tigkeit der Kirche
Der Liebesdienst ist f�r die Kirche nicht eine Art Wohlfahrtsaktivit�t, die man auch anderen �berlassen k�nnte, sondern er geh�rt zu ihrem Wesen. Die Armen, hei�t es, br�uchten nicht Liebeswerke, sondern Gerechtigkeit. Der Marxismus hatte die Weltrevolution und deren Vorbereitung als das Allheilmittel f�r die soziale Problematik vorgestellt... Dieser Traum ist zerronnen. In der schwierigen Situation, in der wir heute gerade auch durch die Globalisierung der Wirtschaft stehen, ist die Soziallehre der Kirche zu einer grundlegenden Wegweisung geworden. Das Erbauen einer gerechten Gesellschafts- und Staatsordnung, durch die jedem das Seine wird, ist eine grundlegende Aufgabe, der sich jede Generation neu stellen muss. Da es sich um eine politische Aufgabe handelt, kann dies nicht der unmittelbare Auftrag der Kirche sein.... Aber die Kirche kann und darf im Ringen um Gerechtigkeit auch nicht abseits bleiben.
Liebe - Caritas - wird immer n�tig sein, auch in der gerechtesten Gesellschaft. Es gibt keine gerechte Staatsordnung, die den Dienst der Liebe �berfl�ssig machen k�nnte. Wer die Liebe abschaffen will, ist dabei, den Menschen als Menschen abzuschaffen.
Praktizierte N�chstenliebe darf nicht Mittel f�r das sein, was man heute als Proselytismus bezeichnet. Der Christ wei�, wann es Zeit ist, von Gott zu reden, und wann es recht ist, von ihm zu schweigen und nur einfach die Liebe reden zu lassen.
Was die Mitarbeiter betrifft, die praktisch das Werk der N�chstenliebe in der Kirche tun...: Sie d�rfen sich nicht nach den Ideologien der Weltverbesserung richten, sondern m�ssen sich vom Glauben f�hren lassen. Der lebendige Kontakt mit Christus ist die entscheidende Hilfe, um auf dem rechten Weg zu bleiben: weder in menschenverachtenden Hochmut zu verfallen, noch sich der Resignation anheimzugeben...
Die Fr�mmigkeit schw�cht nicht den Kampf gegen die Armut oder sogar das Elend des N�chsten. Die selige Theresa von Kalkutta ist ein sehr offenkundiges Beispiel daf�r... Es ist Zeit, angesichts des Aktivismus und des drohenden S�kularismus vieler in der karitativen Arbeit besch�ftigter Christen die Bedeutung des Gebetes erneut zu bekr�ftigen.
Die Liebe ist m�glich, und wir k�nnen sie tun, weil wir nach Gottes Bild geschaffen sind."

Was der Papst selbst k�rzlich zu seiner Enzyklika sagte
Heute hat der Papst seine erste Enzyklika ver�ffentlicht. Kardinal Renato Raffaele Martino und Erzbischof William Joseph Levada sowie der deutsche Erzbischof Paul Josef Cordes stellten sie im Pressesaal des Heiligen Stuhls vor. Benedikt XVI. erkl�rte bereits k�rzlich w�hrend einer Generalaudienz im Vatikan den Tausenden von Pilgern und Touristen den Sinn seines ersten Lehrschreibens "Deus Caritas est", zu deutsch: Gott ist Liebe. Zwar sei es bei der Redaktion des Textes zu einigen Verz�gerungen gekommen, so Papst Ratzinger, er halte es allerdings f�r ein Geschenk, dass "der Text genau an dem Tag fertig sein wird, an dem wir um die Einheit der Christen beten" - n�mlich am Festtag der Bekehrung des hl. Paulus. Im einzelnen sagte der Papst folgendes: "Am 25. Januar wird endlich meine erste Enzyklika ver�ffentlicht, mit dem ja schon bekannten Titel Deus Caritas est, Gott ist Liebe. Es ist kein direkt �kumenisches Thema, aber dieser �kumenische Rahmen und Hintergrund ist nat�rlich schon da, denn Gottes und unsere Liebe ist die Bedingung f�r die Einheit der Christen, die Bedingung auch f�r den Frieden in der Welt.
In der Enzyklika w�rde ich gern den Begriff Liebe in seinen verschiedenen Dimensionen zeigen. Heute scheint die Liebe, von der man so spricht, sehr weit von der christlichen Vorstellung der Caritas entfernt. Ich will zeigen, dass es da um eine einzige Bewegung geht, aber mit verschiedenen Dimensionen. Der Eros, dieses Geschenk der Liebe zwischen Mann und Frau, kommt aus der gleichen Quelle der G�te des Sch�pfers - wie auch die M�glichkeit der Liebe, die um des anderen will auf sich selbst verzichtet. Dass der Eros sich in Agape verwandelt, wenn man sich wirklich liebt und einer nicht mehr nur sich selbst sucht und seine Befriedigung, sondern vor allem das Wohl des anderen. Dass dieser Eros sich in Caritas verwandelt, auf einem Weg der L�uterung und Vertiefung, und sich zu einer Familie hin �ffnet, auch zur Familie der Gesellschaft, auch zur Familie der Kirche und der Menschheit.
Und ich will auch zeigen, dass der so pers�nliche Akt der Liebe, der von Gott kommt - Gott, der ein einziger Akt der Liebe ist -, sich auch als kirchlicher Akt zeigen muss. Auch was die Organisation betrifft. Wenn es wirklich stimmt, dass die Kirche Ausdruck der Liebe Gottes ist, die er f�r seine menschliche Kreatur hegt, dann muss es auch stimmen, dass der fundamentale Akt des Glaubens, der die Kirche schafft und vereint und der die Hoffnung auf ewiges Leben gibt und auf die Pr�senz Gottes in der Welt - dass dieser Akt des Glaubens also einen kirchlichen Akt begr�ndet. Die Kirche als Kirche, als Gemeinschaft, als Institution muss lieben, und die so genannte Caritas ist nicht nur eine Organisation wie andere auch, sondern notwendiger Ausdruck des tiefen Aktes pers�nlicher Liebe, die Gott in unser Herz gepflanzt hat und die diesen Akt, der Gott ist, widerspiegelt und uns zum Abbild Gottes macht.
Also - bis der Text fertig war, �bersetzt usw., ist etwas Zeit vergangen. Jetzt schlie�lich scheint es mir auch ein Zeichen der Vorsehung, dass genau am Tag, an dem wir um die Einheit der Christen bitten, der Text fertig sein wird. Ich hoffe, er kann unser christliches Leben erleuchten und ihm helfen." (rv)
Papst Benedikt erz�hlt selbst vor ein paar Tagen von Enzyklika
"Das Wort �Liebe' ist heute so verbraucht, abgenutzt und missbraucht, dass man fast f�rchtet, es auszusprechen. Wir m�ssen es reinigen und ihm wieder seinen urspr�nglichen Glanz verleihen. Auf den ersten Blick k�nnte die Enzyklika den Eindruck erwecken, dass sie in zwei lose Bl�cke auseinander f�llt: einen ersten theoretischen �ber das Wesen der Liebe und einen zweiten �ber kirchliche Barmherzigkeit, �ber karitative Organisationen. Mich hat aber gerade die Einheit der beiden Themen interessiert, die nur dann richtig zu begreifen sind, wenn sie als ein einziges gesehen werden." (rv)
 Enzyklika auch gegen Leibfeindlichkeit
Die Enzyklika "Deus caritas est" weist dem Eros wieder einen positiven Platz im christlichen Denken zu. Das denkt Kurienerzbischof Paul Josef Cordes, Leiter des P�pstlichen Rates "Cor Unum", der an einem Teil des Lehrschreibens mitgearbeitet hat. "Der Eros wird bejaht. Der Papst schreibt, der Eros ist Teil der menschlichen Natur und hat in sich selbst viele gute Kr�fte. Ich bin davon �berzeugt dass diese Enzyklika vielen Menschen helfen kann, ja zu sagen zu ihren Sehns�chten, auch zu denen, die den Eros betreffen - wobei man nicht vergessen darf, dass es nicht nur darum geht, den Eros zu bewahren, sondern dann auch die andere Seite der Medaille, die Agape, die Hingabe, immer wieder sich von Gott schenken lassen muss."
Dass Papst Benedikt XVI. seine erste Enzyklika - f�r viele �berraschend - ausgerechnet dem Thema christliche N�chstenliebe gewidmet hat, deutet Cordes auch als Zeichen der �ffnung an Kirchenferne. "Es ist sicher auch ein Wort �ber die Grenzen der Kirche hinaus. Es ist so, dass manche Leute an Kirche vor allem diese Seite - die Wohlt�tigkeit - wahrnehmen. Insofern ist Caritas ein Anker, um Leute auf Kirche aufmerksam zu machen und um Menschen zur Kirche, das hei�t zu Christus, zur�ckzuf�hren." (rv)
Erzbischof Paul Josef Cordes sagte uns �ber den Text schon fr�her: "Es gibt einen Trend im Helfen heute, diese letzten Wurzeln der Liebe zu vergessen. Gegen diesen Trend richtet sich die Enzyklika, bzw. das positive Ziel ist, dass die Enzyklika uns neu aufmerksam macht, ein Christ wird im letzten nur den N�chsten lieben k�nnen, wenn er in einer Gottesbeziehung steht, wenn diese Gottesbeziehung sich immer auch in der N�chstenliebe vertieft. Eine Frau wie Mutter Teresa hat uns das allen vor Augen gef�hrt und sie hat uns auch vor Augen gef�hrt, wie hungrig die Menschen heute nach Hilfe und nach Liebe sind." (rv)
Bei der Generalaudienz sprach der Papst kurz �ber die Enzyklika
"Die Lekt�re meiner Enzyklika st�rke euren Glauben, helfe euch, Gott immer mehr zu lieben und Werke der N�chstenliebe zu vollbringen." Das sagte Papst Benedikt XVI. heute in der Generalaudienz, wenn auch nur in den Gr��en an die polnischen Pilger. Die Katechese blieb von der Ver�ffentlichung seines ersten Lehrschreibens v�llig unber�hrt. Benedikt erinnerte an die heute zu Ende gehende Gebetswoche zur Einheit der Christen und meditierte �ber den Psalmvers "Ein neues Lied will ich, o Gott, dir singen". Auf Deutsch sagte er: "Die begl�ckende Neuheit zeigt sich f�r den Psalmisten im Sieg �ber die Feinde, in gesund heranwachsenden Kindern und im Wohlergehen der Stadt. Der tiefere Grund dieser wichtigen G�ter kommt im letzten Vers zum Ausdruck: 'Gl�cklich das Volk, dessen Gott der Herr ist!' (V. 15).
Auch wir sind eingeladen, unser Leben ganz auf Gott auszurichten, ihn als unseren wahren Herrn anzuerkennen und so die heilbringende Kraft der Gnade Christi zu erfahren. Seine Liebe soll alles durchdringen und das Leben der Kirche und der Gesellschaft erneuern. Der heilige Augustinus ruft uns dazu in Erinnerung: 'Glaube nicht, dass die Gnade vom Gesetz kommt; denn in Wirklichkeit k�nnen wir nur mit der Kraft der Gnade das Gesetz erf�llen. [...] Die Erf�llung des Gesetzes ist die Liebe'.
Mit diesen Gedanken hei�e ich euch, liebe Pilger und Besucher aus den L�ndern deutscher Sprache, herzlich willkommen. Mit besonderer Freude begr��e ich die Dechanten und die Mitarbeiter der Bisch�flichen Kurie der Di�zese Gurk-Klagenfurt in Begleitung ihres Bischofs sowie die Pilgergruppe der Hauptabteilung 'Seelsorge' im K�lner Generalvikariat. Das heutige Fest der Bekehrung des heiligen Paulus sei euch allen ein Ansporn, in das 'neue Lied' der J�nger Christi einzustimmen und Gott f�r die guten Gaben zu danken, die wir aus seiner G�te und Liebe empfangen haben. Euch allen w�nsche ich von Herzen einen gesegneten Tag!" (rv )
Enzyklika: Erste Reaktionen positiv
Bisch�fe, Theologen und Verb�nde aus der ganzen katholischen Welt reagieren positiv auf die Enzyklika. Es sei ein deutliches Signal, meint Wiens Kardinal Christoph Sch�nborn, dass der Papst in seinem ersten Lehrschreiben nicht etwa einzelne Moral- oder Lehrfragen behandelt, sondern auf "grundpositive" Weise festh�lt, dass die Liebe im Christentum zentral ist. Der Wiener Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner spricht von einer "Kurzfassung des Innersten des Christentums".
Kardinal Karl Lehmann, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, findet den ersten Teil des Textes "ziemlich anspruchsvoll"; er glaubt aber, "dass der Papst (insgesamt) angesichts der Situation in der Welt und im Blick auf die Chance des christlichen Glaubens ins Schwarze trifft." Der Pr�sident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, h�lt die Enzyklika f�r wichtig, weil heutzutage viele Menschen mutlos seien und Angst vor der Zukunft h�tten. Als zukunftsweisend und ermutigend w�rdigt der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard F�rst die Enzyklika. Besonders gef�llt ihm, dass der Papst auf theologische und dennoch jedermann verst�ndliche Weise in das Zentrum des christlichen Glaubens vordringe. Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch spricht von einem "deutlichen Ermutigungs- und Motivationsschreiben".
Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken nennt den Text einen "bewegenden Aufruf zur Mitmenschlichkeit" und "ein kraftvolles Pl�doyer f�r die Gerechtigkeit als oberstem Ziel politischen Handelns". "Gilt Gottes Liebe auch in der Kirche?" fragt die Bewegung "Wir sind Kirche" mit kritischem Unterton. Der umstrittene Schweizer Theologe Hans K�ng nennt die Enzyklika "respektabel, solide und differenziert", das deutsche Magazin "Der Spiegel" nennt sie auf seiner Internetseite "dogmatisch, aber nicht k�rperfeindlich". (rv)
Kurzer Steckbrief der neuen Enzyklika
Sie ist nicht das erwartete gro�e Regierungsprogramm des neuen Papstes; stattdessen eine �berraschende, stellenweise fast intime Meditation �ber die Liebe in all ihren Formen "Deus Caritas est" - hier ist ein kurzer Steckbrief.
In der deutschen Fassung bleibt sie unter 40 DIN-A-4-Seiten - und hat zwei deutlich verschiedene Teile. Der erste Teil hei�t: "Die Einheit der Liebe in Sch�pfung und Heilsgeschichte." Er tr�gt ganz die Handschrift des Denker-Papstes Benedikt; hier werden Nietzsche und Descartes zitiert, Vergil und Plato. Der zweite Teil hei�t: "Caritas - das Liebestun der Kirche als einer Gemeinschaft der Liebe". Das sind praktischere Fragen, aber nicht ohne Theologie, mit h�ufigen Zitaten aus fr�heren vatikanischen Texten. Sch�nes Detail: Mutter Teresa von Kalkutta wird in beiden Teilen mehrmals erw�hnt, als Vorbild der N�chstenliebe. Kernsatz der Enzyklika: "Die Liebe ist m�glich, und wir k�nnen sie tun, weil wir nach Gottes Bild geschaffen sind." Die Enzyklika, die sich laut Titel-Unterzeile "an alle Christgl�ubigen" richtet, endet wie zu Zeiten Johannes Pauls mit einem Gebet an Maria. (rv)
Kardinal Kasper: "Enzyklika ist auch �kumenisch"
Die Ver�ffentlichung der ersten Enzyklika Benedikts XVI. f�llt zusammen mit dem Abschluss der Gebetswoche f�r die Einheit der Christen. Kein Zufall, sagt auch der Pr�sident des P�pstlichen Einheitsrates, Kardinal Walter Kasper: "Ich denke, das ist schon gewollt. Ich habe mit dem Papst zwar nicht dar�ber gesprochen, aber es ist gewollt und ich bin sehr gl�cklich dar�ber, dass er das in diesem Kontext tut. Das ist ein wichtiges Zeichen, ein Signal in dem Sinn: 'Ich nehme die �kumene ernst. Die ist mir so wichtig, dass ich sogar meine erste Enzyklika', die ja meistens eine thematische und programmatische Enzyklika f�r ein neues Pontifikat ist, 'dass ich die in der Woche f�r die Einheit der Christen ver�ffentliche. Das hei�t, ich f�hle mich da besonders verantwortlich daf�r."
Das Thema der Enzyklika passt au�erdem hervorragend ins Konzept - "Gott ist Liebe": "Die volle Einheit der Christen, die wir anstreben und f�r die wir beten und arbeiten, ist eine Einheit in der Wahrheit und in der Liebe. Insofern hat diese Enzyklika auch eine gro�e Bedeutung f�r die Zukunft der �kumene."
Der Papst hat �kumene von Anfang an gro� geschrieben, betont der Chef-�kumeniker des Vatikans. Kontinuit�t zu seinem Vorg�nger ist ihm auch hier wichtig: "Es ist sicher f�r uns eine ganz gro�e Freude, dass der neue Papst die �bung von Johannes Paul II. wieder aufgenommen hat, pers�nlich den Abschluss der Gebetswoche in St. Paul vor den Mauern zu feiern. Das zeigt deutlich, er hat sich das Thema nicht nur auf die Fahnen geschrieben, sondern er tut auch sein M�glichstes durch seine pers�nliche Pr�senz, durch viele Empf�nge, die er auch f�r Vertreter der evangelischen Kirchen im letzten Jahr, in den ersten Monaten seines Pontifikates gemacht hat." (rv)

 

 

28.01.06:

Papst betont Unaufl�slichkeit der Ehe

Vers�hnen ist besser als annullieren - das sagte in Bezug auf die Ehe Papst Benedikt XVI. zum Auftakt des neuen Gerichtsjahres der Rota Romana. "Die pastorale Sensibilit�t sollte versuchen, der Nichtigkeit einer Ehe vorzubeugen, indem sie die Zulassung zur Ehe vorab besser pr�ft. Au�erdem sollte sie darauf dr�ngen, dass die Eheleute ihre eventuellen Schwierigkeiten l�sen und den Weg der Vers�hnung finden. Dieselbe pastorale Sensibilit�t gegen�ber den wirklichen Sorgen der Betroffenen allerdings verlangt von uns, im Gerichtsverfahren die Wahrheit zu sch�tzen."
Ein Verfahren zur Erkl�rung der Ehe-Nichtigkeit habe n�mlich zum Ziel, die Wahrheit �ber das Bestehen oder Nicht-Bestehen einer Ehe herauszufinden, erinnerte der Papst. "Sein Ziel ist es also nicht, den Gl�ubigen unn�tz das Leben zu erschweren und erst recht nicht, ihren Streit zu versch�rfen. Es geht einzig darum, der Wahrheit einen Dienst zu erweisen."
Deshalb warnte Benedikt die Richter der Rota Romana davor, im Prozess allzu sehr zu Seelsorgern zu werden. "Es kann tats�chlich vorkommen, dass die seelsorgliche N�chstenliebe manchmal von Haltungen der Gef�lligkeit befleckt ist. Diese Haltungen k�nnen pastoral scheinen, doch in Wahrheit entsprechen sie weder dem Wohl der Menschen noch dem der Kirche. Der Grundsatz der Unaufl�slichkeit der Ehe geh�rt zum christlichen Mysterium. Heute m�ssen wir leider feststellen, dass diese Wahrheit im Gewissen der Christen und der Menschen guten Willens mitunter verdunkelt ist." ( rv)

 

 

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2/2006

 

 

03.02.06

Vollkommener Ablass

 

Laut einer Meldung des Vatican Information Service (VIS) gew�hrt der Papst allen zum kommenden 11. Februar, die an Feiern des kirchlichen Welttags der Kranken teilnehmen, einen so genannten vollkommenen Ablass. Das geht aus einem Dekret der P�pstlichen P�nitentiarie hervor, das heute ver�ffentlicht wurde. Danach hat der Papst am 2. Januar �ber diesen Ablass entschieden. Der vollkommene Ablass gilt unter den �blichen Bedingungen allen, die "am 11. Februar in der Kathedrale von Adelaide" in Australien, wo die zentralen Feiern stattfinden, "oder an einem anderen Ort an einem Gottesdienst zum Weltkrankentag teilnehmen."                  Unser Stichwort: Ablass
F�r den neuen Papst ein tiefer Griff in den "Schatz der Kirche", den Heilige und gro�e Christen im Lauf der Jahrhunderte aufgeh�uft haben. Ablass bedeute nicht: Jeder f�r sich, sondern: Sich einklinken und teilhaben am "�berschuss des Guten". Der Papst leugnet nicht die Gefahr von Missbr�uchen, weist aber darauf hin, dass der Ablass den Fragen und Anliegen der "einfachen und dem�tig glaubenden Menschen" entgegenkommt, und findet es unfair, "wenn zuletzt nur noch die Missbr�uche in Erinnerung bleiben".
Am Beispiel des so genannten "Portiuncula"-Ablasses aus der Zeit des hl Franz von Assisi im 13. Jahrhundert zeigt er, dass der Ablass eine "Verinnerlichung des Bu�gedankens" bedeutet, und lobt seinen "sinnlichen Ausdruck", der sich etwa in einer Wallfahrt zeigt. "Hier ist ein Urempfinden der Menschheit im Spiel, das sich... die ganze Menschheitsgeschichte hindurch vielf�ltigen Ausdruck geschaffen hat." Der Ablass bedeute, sich im Gebet "hineinfallen zu lassen in die Gemeinschaft der Heiligen"; im geistlichen Bereich gebe es nun mal "kein Privateigentum", sondern da geh�re "allen alles". "Alles kommt von Christus her, aber weil wir zu ihm geh�ren, wird auch das Unsere zum Seinigen und erh�lt heilende Kraft." Genau das sei mit dem Begriff "Schatz der Kirche" gemeint. In den ersten Monaten seiner Amtszeit als Papst hat Benedikt XVI. drei Abl�sse gew�hrt. (rv )

 

 

04.02.06

Karikatur-Kontroverse: Der Vatikan schaltet sich ein

Der weltweite Streit um die Mohammed-Karikaturen hat an Sch�rfe zugenommen. So gab es immer wieder hasserf�llte Reaktionen in der islamischen Welt - inklusive Mord- und Terrordrohungen. In Gaza etwa griffen militante Pal�stinenser das deutsche Kulturzentrum und das B�ro der EU-Kommission an. Auf der anderen Seite gab es viele Stimmen, die davor warnten sich dem Druck "mittelalterlicher Gesellschaften" zu beugen. Kirchenleute forderten mehr Respekt f�r die religi�sen Gef�hle Gl�ubiger. Heute bezog auch der Heilige Stuhl Stellung zu der erhitzen Kontroverse. Das Recht auf Meinungsfreiheit k�nne nicht das Recht darauf einschlie�en, religi�se Gef�hle Gl�ubiger zu verletzen - ganz gleich, welcher Religion diese angeh�rten, hei�t es in dem Kommunique. Und weiter w�rtlich:
"Das menschliche Zusammenleben erfordert zudem ein Klima gegenseitigen Respekts, um den Frieden unter den Menschen und den Nationen zu f�rdern. Dar�ber hinaus zeugt jede Form erbitterter Kritik oder des L�cherlichmachens der Anderen von einem Mangel menschlicher Sensibilit�t. In manchen F�llen kann daraus unzul�ssige Provokation werden. Die Geschichte lehrt, dass das nicht der Weg ist, der die Wunden der V�lker heilt."
Gleichzeitig warnt der Heilige Stuhl davor, �ffentliche Institutionen f�r die Beleidigungen durch einzelne Personen oder Presseorgane verantwortlich zu machen.
"Daher sind gewaltsame Protesthandlungen ebenso bedauerlich. Um auf eine Beleidigung zu reagieren, kommt man nicht ohne den wahren Geist jeder Religion aus. Reale oder verbale Intoleranz, von welcher Seite auch immer sie kommt, als Tat oder als Reaktion darauf, stellt immer eine Gefahr f�r den Frieden dar." (rv)

Vatikan-Stellungsnahme zum Karikaturstreit: "Zusammenleben erfordert wechselseitigen Respekt"

In einer heute Morgen im Vatikan verbreiteten Erkl�rung hat nun auch der Heilige Stuhl Stellung bezogen zum Streit um die Karikaturen Mohammeds. Hier ist die Erkl�rung im Wortlaut:
1. Das Recht auf die Freiheit des Denkens und der Meinungs�u�erung, wie es in der Erkl�rung der Menschenrechte festgeschrieben steht, kann nicht das Recht darauf einschlie�en, das religi�se Gef�hl der Gl�ubigen zu beleidigen. Dieses Prinzip gilt selbstverst�ndlich in Bezug auf jede Religion.
2. Das menschliche Zusammenleben erfordert zudem ein Klima gegenseitigen Respekts, um den Frieden unter den Menschen und den Nationen zu f�rdern. Dar�ber hinaus zeugt jede Form erbitterter Kritik oder des L�cherlichmachens der Anderen von einem Mangel menschlicher Sensibilit�t. In manchen F�llen kann daraus unzul�ssige Provokation werden. Die Geschichte lehrt, dass das nicht der Weg ist, der die Wunden der V�lker heilt.
3. Gleichzeitig muss gesagt werden, dass f�r die Beleidigungen durch einzelne Personen oder durch ein Presseorgan nicht die �ffentlichen Institutionen des betreffenden Landes verantwortlich gemacht werden k�nnen, deren Verantwortliche sich gem�� ihrer jeweiligen Gesetzgebung einschalten k�nnen und gegebenfalls m�ssen. Daher sind gewaltsame Protesthandlungen ebenso bedauerlich. Um auf eine Beleidgung zu reagieren, kommt man nicht ohne den wahren Geist jeder Religion aus. Reale oder verbale Intoleranz, von welcher Seite auch immer sie kommt, als Tat oder als Reaktion darauf, stellt immer eine Gefahr f�r den Frieden dar. (rv)

 

 

05.02.06

Fitzgerald zu Mohammed-Karikaturen

 

Ganz wichtig ist jetzt, den Konflikt nicht zu einem wirklichen Zusammensto� der Kulturen ausarten zulassen. Erzbischof Michael Fitzgerald ist der Fachmann des Papstes f�r den interreligi�sen Dialog. Wir haben ihn um einen Kommentar gebeten. "Ich denke, wir m�ssen verstehen, wie stark religi�ses Empfinden ist, und wie sehr Moslems auf der ganzen Welt sich beleidigt f�hlen von diesen Karikaturen, die keinen Respekt zeigen f�r das, was sie f�r heilig halten. Wir d�rfen den Respekt, den die Moslems f�r ihren Propheten Mohammed haben, nicht herabsetzen. Es gibt eine Tendenz, diese Art von Publikation unter Berufung auf die Religions- und die Meinungsfreiheit zu rechtfertigen. Doch Religions- und Meinungsfreiheit haben ihre Grenzen. Das muss mit Vorsicht ausge�bt werden. Es ist nicht richtig, andere zu provozieren." (rv)

 

 

09.02.06

Papst f�hrt in die T�rkei

Papst Benedikt XVI. wird Ende November in die T�rkei reisen. Das hat Vatikan-Sprecher Joaqu�n Navarro-Valls heute best�tigt. In einer knappen Mitteilung des Vatikanischen Pressesaals heisst es, der t�rkische Pr�sident Ahmet Necdet Sezer habe Benedikt vom 28. bis zum 30. November zu einem Staatsbesuch in sein Land eingeladen.
Der Papst habe die Einladung angenommen; die Modalit�ten des Besuches w�rden jetzt abgekl�rt. Das ganze Statement hat gerade mal drei Zeilen, und doch ist es ein Durchbruch - denn noch im letzten Jahr hatten die Herren in Ankara dem neuen Papst Reisepl�ne nach Istanbul durchkreuzt. Eigentlich hatte Benedikt XVI. n�mlich schon letzten Herbst am orthodoxen Andreasfest teilnehmen wollen, am Sitz des orthodoxen Patriarchen Bartholomaios I. Aber die Regierung legte dem Papst einen Stein in den Weg. Viele Beobachter glaubten damals, dass Ankara sich an Benedikt r�chen wolle. Schlie�lich war der zu seinen Zeiten als Vatikan-Kardinal ein deutlicher Kritiker eines m�glichen EU-Beitritts der T�rkei gewesen.
Dem Papst liegt viel an einer T�rkeireise - es geht ihm darum, die einheimischen Christen zu st�rken, denen die Regierung das Leben schwermacht. Dass letzten Sonntag erstmals seit Jahrzehnten ein katholischer Priester in der T�rkei erschossen wurde, macht eine p�pstliche Visite jetzt noch dringender. Erst gestern hatte Benedikt bei seiner Generalaudienz enth�llt, dass ihn der mittlerweile ermordete Priester zu einem Besuch in seiner t�rkischen Pfarrei eingeladen hatte. (rv)

 

 

11.02.06

Radio Vatikan feiert seinen 75. Geburtstag

 

Radio Vatikan ist zusammen mit der BBC der �lteste Sender der Welt. Morgen feiern wir unseren 75. Geburtstag. Am 12. Februar 1931 ging die Stimme des Papstes erstmals in den �ther. Pius XI. sagte: �H�rt ihr V�lker, das, was ich zu sagen habe: die Erde h�re die Worte aus meinem Mund. H�rt, ihr fernen V�lker…. Heute, im Februar 2006, sendet Radio Vatikan Programme in rund 45 Sprachen. 400 Angestellte arbeiten im Sender. Das ist ein Zehntel der gesamten Vatikan-Belegschaft. Der Sender ist, salopp gesagt, der gr��te Staatsfunk der Welt: er hat so viele Angestellte, wie der Staat Einwohner hat. P. Federico Lombardi, der Leiter von Radio Vatikan. �In diesem Geb�ude arbeiten Menschen aus 60 Nationen. Unsere Stimmen sind der Spiegel des Reichtums und der Verschiedenheit der Kirche auf der Welt. Damit entspricht Radio Vatikan dem Auftrag der Kirche, zu allen V�lkern und Nationen zu sprechen. In �berwiegendem Ma�e bietet Radio Vatikan in allen seinen Sprachen heute ein Informationsprogramm. Italienische H�rer sch�tzen das besonders: in der hiesigen Medienlandschaft, die von Berlusconi-freundlicher Berichterstattung auf allen Kan�len dominiert wird, gilt ausgerechnet der Papstsender als zuverl�ssigste, als unparteiische Informationsquelle. Dieses erfreuliche Image gilt weltweit, sagt Pater Lombardi. �Das sagen mir oft im Gespr�ch H�rer unserer Programme, etwa aus Afrika oder aus L�ndern, in denen Spannungen und Kriege herrschen. Man h�rt, Radio Vatikan bem�ht sich, �ber den Parteien zu stehen, um dem Wohl der menschlichen Person zu dienen. Die Programme wahren immer eine Perspektive des Friedens und der Gerechtigkeit. Nicht dem Interesse von wem auch immer zu gehorchen - das ist f�r uns fundamental. Und es ist Folge der evangelischen Inspiration, die uns beseelt. (rv)

 

 

19.02.06:

Camillo Kardinal Ruini ist 75 Jahre alt

Papst Benedikt XVI. hat Kardinal Ruini als Vorsitzenden der Italienischen Bischofskonferenz best�tigt. Ruini hat mit dem heutigen Tag das 75ste Lebensjahr und kirchenrechtlich das vorgeschriebene R�cktrittsalter erreicht. Ruinis R�cktritt wurde von Papst Benedikt abgelehnt. In Italien wird der Vorsitzende der Bischofskonferenz nicht von den Bisch�fen sondern direkt vom Papst ernannt. Kardinal Ruini ist seit 1991 Vorsitzender der Konferenz. Die Best�tigung im Amt des Vorsitzenden durch den Papst muss nicht zwangsl�ufig f�r eine erneute f�nfj�hrige Amtsperiode gelten. Kardinal Ruini ist gleichzeitig Generalvikar von Rom.

 

 

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3/2006

 

 

02.03.06

Kardinal Agr� ist 80 Jahre alt

Bernard Kardinal Agr� ist heute 80 Jahre alt geworden. Der Erzbischof von Abidjan (Elfenbeink�ste) verliert somit sein aktives Wahlrecht in einem k�nftigen Konklave. Kardinal Agr� leitet seit 1994 die Di�zese und ist Mitglied verschiedener vatikanischer Dikasterien und Kommissionen in Rom. Unter Ber�cksichtigung der durch Papst Benedikt XVI. am 22.02.06 bekanntgegebenen neuen 15 Kardin�le zeigt die Statistik des Heiligen Kollegiums derzeit folgende Zahlen:

  • Kardin�le mit Wahlrecht:             121 Kardin�le
  • Kardin�le ohne Wahlrecht:            72 Kardin�le
  • Gesamtzahl des Hl. Kollegiums:   193 Kardin�le

 

 

04.03.06

Beteiligung von Frauen an kirchlichen Leitungsaufgaben f�r denkbar

Priestern der Di�zese Rom antwortete das Kirchenoberhaupt auf die diesbez�gliche �u�erung eines jungen Kaplans, es sei eine berechtigte Frage, ob man Frauen nicht auch im Leitungsdienst der Kirche mehr Raum und mehr verantwortliche Positionen bieten k�nne. Die Kirche habe einen gro�e Dankschuld gegen�ber den Frauen. Benedikt verwies auf die Beispiele der Heiligen Hildegard von Bingen, Katharina von Siena, Theresa von Avila und der Seligen Mutter Teresa. Auch wenn diese Frauen auf einer charismatischen und nicht auf einer F�hrungsebene wirkten, handele es sich um eine echte und tiefe Teilnahme an der Leitung der Kirche. Diese sei undenkbar ohne den entschiedenen und manchmal auch sehr sichtbaren Beitrag der Frauen, etwa als Hildegard die Bisch�fe ihrer Zeit kritisierte oder Katharina von Siena die R�ckkehr des Papstes nach Rom erlangte. Zu Recht habe der Kaplan von einem Wunsch nach mehr Sichtbarkeit von Frauen in der Kirchenleitung gesprochen. Zwar habe Christus die Priesterweihe bekanntlich M�nnern vorbehalten, doch ein Nachdenken �ber mehr Raum f�r Frauen in der Kirche sei m�glich. (rv)

 

 

11.03.06

Papst reformiert Kurie

Papst Benedikt XVI. hat heute eine lange erwartete Kurienreform gestartet. Am Ende der einw�chigen Fasten-Exerzitien gab der Vatikan heute die Zusammenlegung mehrerer p�pstlicher R�te bekannt. Demnach werden "vorl�ufig" der Rat f�r die Migrantenpastoral und der Rat f�r Gerechtigkeit und Frieden ein und denselben Pr�sidenten haben: den italienischen Kardinal Renato Raffaele Martino, der bisher bereits den Rat f�r Gerechtigkeit und Frieden leitete. Gleichzeitig nahm Benedikt den altersbedingten R�cktritt des Pr�sidenten des Rates f�r Migrantenpastoral, des Japaners Stephen Fumio Hamao, an.
Die zweite Zusammenlegung betrifft den Rat f�r den interreligi�sen Dialog und den Kulturrat, im Sinn eines "intensiveren Dialoges mit Kulturschaffenden und Exponenten der verschiedenen Religionen", wie es in der Mitteilung hei�t. Pr�sident des Rates f�r den interreligi�sen Dialog wird der franz�sische Kardinal Paul Poupard, der bisher bereits den Kulturrat leitet. Den britischen Erzbischof Michael Fitzgerald hatte Papst Benedikt vor kurzem von der Spitze des Rates f�r den interreligi�sen Dialog abberufen und als Nuntius in �gypten eingesetzt. Auch diese Zusammenlegung ist laut der Vatikanmitteilung "vorl�ufig". (rv)

 

 

23.03.06

Radio Vatikan �bertr�gt live

Sowohl das Konsistorium am Freitag, als auch die Messe mit Papst Benedikt XVI. und den neuen Kardin�len am Samstag werden von Radio Vatikan live und mit deutschem Kommentar �bertragen.

Das Konsistorium beginnt am Freitag um 10.20. Sie k�nnen es �ber Kurzwelle 7.225 kHz, �ber Mittelwelle 1.661 kHz und �ber Internet verfolgen.

Die Papstmesse am Samstag wird ebenfalls ab 10.20 �ber dieselben Frequenzen sowie �ber das Internet (rv )

 

 

23.03.06

Kardin�le beraten

 

Im Vatikan hat Papst Benedikt XVI. heute die Kardin�le zu einem Tag des Gebets und des Nachdenkens um sich geschart. In der vatikanischen Synodenaula begannen heute Morgen um 9 Uhr die Beratungen, die einen Tag vor dem ersten Konsistorium des neuen Papstes stattfinden. Morgen wird Benedikt auf dem Petersplatz 15 verdienten Kirchenm�nnern aus aller Welt den roten Kardinalshut aufsetzen.
Die Gespr�che heute im Vatikan wurden von einem lateinischen Gebet, gesprochen vom Papst, sowie von einem Gru�wort von Kardinaldekan Angelo Sodano eingeleitet. Sodano beteuerte, die Kardin�le seien zur Teilhabe an der Leitung der Weltkirche bereit, so wie das Kirchenrecht sie ihnen zugestehe:

"Wir, die wir hier versammelt sind, haben die Pflicht, unsere Mission fortzusetzen, die uns im Codex Iuris Canonicus aufgetragen wurde. Die Kirche erwartet von uns, dass wir ihr zu einer besseren Zeit verhelfen. Aus diesem Grund hat uns Seine Heiligkeit jetzt zusammengerufen. Viele von uns arbeiten eng mit Ihnen zusammen, in den verschiedenen Dikasterien der R�mischen Kurie. Alle von uns sind sich der Aufgabe bewusst, die sie als Kardin�le haben: den Papst zu unterst�tzen und auf seinen Ruf zu h�ren, wenn er uns wie heute versammelt, um �ber Fragen von gr��ter Wichtigkeit zu beraten. Und jeder von uns muss sich durch sein Amt t�glich um die universale Kirche k�mmern."

Um welche Themen genau es bei dem Treffen hinter verschlossenen T�ren gehen wird, ist nicht bekannt. Mehrere Kardin�le meinten in Kurz-Interviews vor der Begegnung, sie erwarteten eine offene Diskussion �ber wichtige Herausforderungen, die sich der Kirche heute stellen.
Au�er dem Konsistorium von morgen plant der Papst f�r Samstag eine Messe mit den neuen Purpurtr�gern und ein Mittagessen mit allen Kardin�len. Dieses soll nach Angaben der Nachrichtenagentur ansa im Vorraum der vatikanischen Audienzhalle stattfinden.(rv )

 

 

24.03.06

Kardinal Connell ist 80 Jahre alt

Desmond Kardinal Connell ist heute 80 Jahre alt. Der Erzbischof von Dublin (Irland) verliert mit seinem heutigen Geburtstag sein aktives Wahlrecht in einem k�nftigen Konklave. Mit dem heutigen Tag kreiert Papst Benedikt XVI. 15 neue Kardin�le und somit zeigt die Statistik des Kardinalskollegiums folgende Zahlen:

  • Kardin�le mit Wahlrecht:              120 Kardin�le
  • Kardin�le ohne Wahlrecht:             73 Kardin�le
  • Gesamtzahl des Hl. Kollegiums:   193 Kardin�le

 

 

24.03.06

Benedikt erhebt f�nfzehn Kirchenm�nner in den Kardinalsstand

 

Papst Benedikt XVI. hat heute im Rahmen einer feierlichen Zeremonie auf dem Petersplatz f�nfzehn Kirchenm�nnern die Kardinalsw�rde verliehen. Bei seinem ersten Konsistorium erhob Benedikt unter anderem seinen Nachfolger an der Spitze der Glaubenskongregation, William Levada, in den Kardinalsstand; au�erdem den ehemaligen Privatsekret�r Johannes Pauls II. und heutigen Erzbischof von Krakau, Stanislaw Dziwisz, sowie den Bischof von Hongkong, Joseph Zen. Zen ist der erste Kardinal seit Jahrzehnten, der in Festland-China residiert; zu seiner Erhebung waren heute viele Chinesen auf den Petersplatz gekommen.
In seiner Predigt erinnerte Benedikt an die Bedeutung des Kardinalskollegiums als "eine Art Senat", der dem Papst zur Seite steht und ihn ber�t. Die Berufung der neuen Kardin�le stehe ganz im Zeichen der "Caritas", so der Papst weiter. Die neuen Purpurtr�ger seien dazu berufen, leidenschaftlich Christus, seine Kirche und die ganze Menschheit zu lieben. Weiter bat Benedikt die neuen Kardin�le, ihn beim Einsatz f�r die Einheit der Christen und f�r Arme und Benachteiligte zu unterst�tzen. Mit ihrem Engagement sollten sie der Welt Ans�tze zu einer "Zivilisation der Liebe" bieten. Das Purpur der Kardinalsgew�nder solle in diesem Sinn die christliche N�chstenliebe symbolisieren. Rund 15.000 Gl�ubige und Pilger verfolgten das Konsistorium auf dem Peterslatz.
Jedem der f�nfzehn neuen Purpurtr�ger setzte der Papst pers�nlich ein rotes Kardinalsbirett auf; au�erdem �berreichte er ihnen ihre Ernennungsurkunde und wies ihnen in Rom eine so genannte "Titelkirche" oder "Diakonie" zu. Die neuen Kardin�le sprachen gemeinsam das Glaubensbekenntnis, danach schworen sie dem Papst und seinen k�nftigen Nachfolgern die Treue. Zu herzlichen Szenen kam es, als neue und alte Kardin�le sich gegenseitig begr��ten; besonders der neue Kardinal Dziwisz von Krakau, der die letzten neun Konsistorien als Papst-Sekret�r miterlebt hat, wechselte mit jedem Kardinal ein paar Worte. Dziwisz erh�lt mit "Santa Maria" an der r�mischen Piazza del Popolo �brigens eine besonders ber�hmte r�mische Titelkirche.
Lesen Sie hier einige Kerns�tze aus Benedikts Predigt:
"Auch wenn sich das Kardinalskollegium im Lauf der Jahrhunderte in vielerlei Hinsicht gewandelt hat, so ist doch die Substanz und die grundlegenden Natur dieses wichtigen Kirchenorganismus gleich geblieben. Seine alten Wurzeln, seine geschichtliche Entwicklung und seine heutige Zusammensetzung machen es wirklich zu einer Art "Senat", der dazu berufen ist, eng mit dem Nachfolger Petri zusammenzuarbeiten und ihm bei der Bew�ltigung seines apostolischen Amtes zur Seite zu stehen."
"Liebe Br�der, ich m�chte den Sinn eurer neuen Berufung mit dem Wort zusammenfassen, das ich auch ins Zentrum meiner ersten Enzyklika gestellt habe: Caritas. Die Caritas steht auch im Zusammenhang mit der Farbe des Kardinalsgewandes: Das Purpur, das ihr tragt, sei immer Ausdruck der Caritas Christi und erwecke in euch eine leidenschaftliche Liebe zu Christus, zu seiner Kirche und der Menschheit! Ihr habt jetzt ein weiteres Motiv, die gleichen Gef�hle neu zu leben, die den Sohn Gottes dazu brachten, sein Blut f�r die Vergebung der S�nden aller Menschen zu vergie�en."
"Ich z�hle auf euch, liebe Br�der Kardin�le, auf euren Einsatz daf�r, dass sich das Prinzip der Caritas, der N�chstenliebe weiter verbreitet und die Kirche auf allen Stufen ihrer Hierarchie mit neuem Leben erf�llt, in allen Gemeinschaften und Orden, in allen spirituellen, apostolischen und sozialen Initiativen."
"Ich z�hle auf euch, damit die Kirche durch die Wertsch�tzung der Kleinen und Armen der Welt eindr�cklich die Verk�ndigung und die Herausforderung einer Zivilisation der Liebe bieten kann! All das sehe ich in dem Purpur symbolisiert, das euch nun verliehen wurde. M�ge es wahrhaft ein Symbol der gl�henden christlichen Liebe sein die eure Existenz durchdringt." (rv)

 

 

24.03.06

Titelkirchen und Daikonien der neuen Kardin�le

Hier werden die Titelkirchen und Diakonien der 15 neuen Kardin�le bekanntgegeben:

1. Kard. WILLIAM JOSEPH LEVADA:  S. Maria in Domnica
2. Kard. FRANC ROD�:  S. Francesco Saverio alla Garbatella
3. Kard. AGOSTINO VALLINI:  S. Pier Damiani ai Monti di San Paolo
4. Kard. JORGE LIBERATO UROSA SAVINO:  Santa Maria ai Monti
5. Kard. GAUDENCIO B. ROSALES:  Ss.Nome di Maria a Via Latina
6. Kard. JEAN-PIERRE RICARD:  S. Agostino
7. Kard. ANTONIO CA�IZARES LLOVERA:  S. Pancrazio
8. Kard. NICHOLAS CHEONG JINSUK:  S. Maria Immacolata di Lourdes a                  Boccea
9. Kard. SEAN PATRICK O’MALLEY, O.F.M. Cap.:  S. Maria della Vittoria
10. Kard. STANISŁLAW DZIWISZ:  S. Maria del Popolo
11. Kard. CARLO CAFFARRA:   S. Giovanni Battista dei Fiorentini
12. Kard. JOSEPH ZEN ZE-KIUN, S.D.B.:   S. Maria Madre del Redentore a Tor             Bella Monaca
13. Kard. ANDREA CORDERO LANZA DI MONTEZEMOLO:  S. Maria in Portico
14. Kard. PETER POREKU DERY:  S. Elena fuori Porta Prenestina
15. Kard. ALBERT VANHOYE, S.I.:  S. Maria della Mercede e Sant’Adriano a Villa        Albani

 

 

25.03.06

Kardin�le erhalten Ring

Papst Benedikt XVI. hat den neuen Kardin�len heute die Ringe �berreicht. Zur ersten gemeinsamen Messe auf dem Petersplatz waren wieder mehrere zehntausend Gl�ubige vor allem aus den Heimatl�ndern der Purpurtr�ger gekommen. Fahnen und Bilder der 15 Kirchenm�nner schm�ckten den Platz. Der Papst erinnerte die Kardin�le an ihre besondere Berufung innerhalb der Kirche und an das Hochfest Maria Verk�ndigung. Nicht von ungef�hr k�me die Termin�berschneidung, Maria habe der Kirche und damit auch ihren Amtstr�gern viel zu sagen: "In der Menschwerdung des Sohnes k�nnen wir die Anf�nge der Kirche erkennen. Aus ihr folgt alles andere. Jede geschichtliche Gestalt der Kirche und jede Institution muss sich auf diese origin�re Quelle zur�ckbesinnen, auf Christus, fleischgewordenes Wort Gottes. … Doch wenn wir die Menschwerdung des Sohnes feiern, kommen wir nicht umhin, auch die Mutter zu ehren. An sie erging der Ruf des Engels. Sie h�rte ihn und antworte aus tiefstem Herzen: "Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie Du es gesagt hast." In diesem Augenblick begann das ewige Wort sein Dasein als Mensch in der Zeit. … Von Generation zu Generation bleibt das Staunen vor diesem unfassbaren Geheimnis. … Wie sehr kann dieses Geheimnis unser Leben als Diener der Kirche erleuchten. Vor allem euch, liebe neue Kardin�le. Es kann euch St�tze sein bei Eurem Dienst als herausragender �Senat' des Nachfolgers Petri."
Das marianische Prinzip sei f�r die Kirche noch "fundamentaler und grundlegender" als das Petrusamt, sagte der Papst und berief sich einmal mehr auf seinen "geliebten Vorg�nger" Johannes Paul II. Er habe die Kraft f�r seinen Dienst aus der Verehrung Mariens als "Mutter und K�nigin der Kirche" gezogen.
Nach der Predigt �bergab der Papst den neuen Kardin�len die Ringe. Wie bei einer Hochzeitsfeier steckte er den 15 M�nnern den Ring an und betonte: Hier zeigt sich die Verbindung zwischen dem Dienst Petri und dem Mariens: "Der Ring ist immer ein Hochzeitssymbol. Ihr habt bereits am Tag Eurer Bischofsweihe einen Ring erhalten, Ausdruck der Treue und des W�chteramts der Kirche, die Braut Christi ist. Der Ring, den Ihr heute erhaltet ist das Proprium der Kardinalsw�rde Er soll diesen Auftrag bekr�ftigen und verst�rken. Den Ring zu erhalten bedeutet f�r Euch, erneut �Ja' zu sagen. Ihr wendet euch dem Herrn zu, der Euch erw�hlt und eingesetzt hat, und seiner heiligen Kirche, der ihr mit Liebe dienen sollt."
Es sei das Ziel seines Pontifikats, so Benedikt, eine "Gemeinschaft der Liebe" aufzubauen. "Wer liebt, vergisst sich selbst und stellt sich in den Dienst des N�chsten. Das ist das Urbild der Kirche. Jede kirchliche Gemeinschaft ist wie die Mutter Christi gerufen, mit voller Bereitschaft, das Geheimnis Gottes zu empfangen und es auf den Stra�en der Liebe zu verbreiten."
Erneut betonte der Papst seine enge Beziehung zum Kardinalskollegium: "Um dieses Ziel zu verfolgen, ist mir eure geistliche und t�tige N�he gro�e Hilfe und Trost. Daf�r danke ich Euch und lade Euch alle ein, immer mehr vor seelsorgerlicher Liebe zu brennen, um der ganzen Kirche zu helfen, die Liebe Christi in der Welt erstrahlen zu lassen."
Nach dem Gottesdienst a�en der Papst und die Kardin�le gemeinsam zu Mittag. Das erste Konsistorium von Benedikt XVI. ist damit zu Ende. Die Zahl der wahlberechtigten Kardin�le bei einem n�chsten Konklave liegt damit bei 120. (rv)

 

 

27.03.06

Pius XII. wollte keine schweigenden Bisch�fe

Papst Pius XII. und die Judenfrage. Ein Thema, das die Gem�ter immer noch erhitzt - bestimmt zu Recht. Warum schwieg der Pacelli-Papst in der �ffentlichkeit zu Hitlers Verfolgungen? Die Akten aus der Zeit seines Pontifikates sind noch unter Verschluss Aber: Pacelli war zw�lf Jahre lang, von 1917 bis 1929, p�pstlicher Nuntius in Deutschland gewesen - erst in M�nchen, dann in Berlin. Und diese Unterlagen hat der Vatikan vor drei Jahren f�r die Forschung freigegeben. Seither versucht der renommierte deutsche Zeithistoriker Hubert Wolf herauszufinden, welche Pr�gungen Pacelli in seinen deutschen Jahren erfuhr, die f�r sein sp�teres Handeln als Papst ausschlaggebend sein w�rden. Gudrun Sailer sprach mit dem Historiker �ber seine neuesten Erkenntnisse. "Ein wichtiger Punkt dieser neuen Quellen ist, dass man Pacelli in seiner Eigenschaft als Nuntius kennenlernt, und ihn nicht immer nur als Papst sieht. Der zweite Punkt ist, das was in den 12 Jahren grundgelegt wird, das hat eine Wirkungsgeschichte w�hrend des 2. Weltkriegs."
Eugenio Pacelli, Karrierediplomat der r�mischen Kurie: "das beste Pferd im Stall des diplomatischen Korps", sagt der Kirchengeschichtler Hubert Wolf. An die 15 Jahre lang war Pacelli schon im Staatssekretariat. "Jetzt kriegt er einen gro�en diplomatischen Auftrag, und der hei�t Deutschland. Weil das die schwierigiste Situation ist. Man hat den besten Mann hingeschickt. Und er ist selbstbewusst und sehr kompetent. Aber er ist nat�rlich kein Deutscher, nicht an einer deutschen Universit�t ausgebildet, er hat nicht in T�bingen studiert."
Der sp�ter Papst, schlussfolgert Wolf, "hatte Sympathie f�r Deutschland. Aber er versteht manches von deutschen Eigenarten nur schwer."
Genau diese kulturelle Differenz sollte sich als gr��te Herausforderung an den wachen Geist Pacelli erweisen. "Es wird sehr deutlich in der Schlussrelation, also die Summe seiner 12-j�hrigen T�tigkeit, die er 1929 zieht. Da beurteilt er die deutschen Bisch�fe, die an Staatsfakult�ten ausgebildet sind, eher skeptisch, weil sie diesen modernen Wissenschaftsgeist in sich hineingezogen haben, "Staatsbisch�fe" sind. W�hrend er als Idealtyp des Bischofs den in Rom an der Gregoriana ausgebildeten Bischof sieht. Und er hat �berhaupt kein Verst�ndnis f�r deutsche Universit�tstheologie, die bleibt ihm v�llig fremd. Dass sich deutsche Universit�tstheologie im Kontext anderer F�cher bewegt und Theologie sich in der Auseinandersetzung mit Wissenschaften statuiert, das bleibt ihm fremd. Das, was Deutschland ausmacht, die Humboldtsche Universit�t, ist f�r den R�mer Pacelli ein Buch mit sieben Siegeln. Die deutsche Universit�tsausbildung der Priester f�hrt f�r ihn immer zur Kritiksucht, Kritik am Lehramt undsoweiter."
Man kann das auch verstehen, f�gt Wolf hinzu. Pacelli war im Vatikan an der Seite seines Mentors, des Kardinalstaatssekret�rs Pietro Gasparri, damit befasst gewesen, den Codex Iuris Canonici zu erarbeiten, das neue kirchliche Gesetzbuch. "Und das ist f�r ihn die Norm - so geht's. Er denkt stark juristisch. Das ist die Norm, so sieht Kirche aus, und so hat sich eben auch deutsche Kirche anzupassen. Und was er machen muss, sind Kompromisse."
Pacellis Skepsis gegen�ber deutscher Theologie zeigt sich am deutlichsten bei den Bischofsernennungen, die ein Nuntius kraft seines Amtes f�r den Papst vorbereitet. Systematisch bef�rdert er in Rom oder zumindest bei den Jesuiten ausgebildete Kandidaten. Und - das geht aus den Nuntiaturakten hervor - Pacelli bevorzugt keineswegs schweigende Jasager auf dem Bischofsstuhl, sondern Leute, die politisch Klartext reden k�nnen. So wie Konrad von Preysing, den er erfolgreich als Oberhirten von Eichst�tt vorschl�gt. "Preysing ist das Beispiel, wo er einen auf den Bischofsstuhl setzt, von dem er �berzeugt ist, dass er - anders als Bertram - nicht als Staatsbischof agieren wird, Eingabepolitik machen wird, den Frieden mit dem Staat suchen wird, sondern dass der den Konflikt wagt."
Pacellis Sympathie als Nuntius, das geht aus den Unterlagen klar hervor, gilt nicht denen, "die dem F�hrer zum Geburtstag gratulieren, sondern den Bisch�fen, die die �ffentlichkeit instrumentalisieren, die an die �ffentlichkeit gehen. Und das war das Programm von Preysing."
An Preysing sollte der Pacelli-Papst Pius XII. im Kriegsjahr 1941 einen denkw�rdigen Brief schreiben. Ein Schl�sseldokument. Der Papst erkl�rt, wie sehr die drei Predigten des M�nsteraner Bischofs von Galen ihm "Trost und Genugtuung" spendeten. Galen hatte von der Kanzel seines Doms herab einen Frontalangriff auf das Regime Hitler gestartet. So einer wie Galen, das war ein Bischof nach Pius` Geschmack, glaubt Hubert Wolf. "Er sagt: die zust�ndigen Hirten in Deutschland sollen nicht so wie Bertram schweigen, sondern die sollen reden. Deshalb lobt er Preysing, deshalb lobt er Galen. "Auch uns ist es ein gro�er Trost, dass dt Bisch�fe mannhaft reden. Nur Wir! Wir w�rden es selber gerne tun! Aber Uns legt Unser Amt auf, dass wir es nicht k�nnen."
Mehrere Tausend Nuntiaturberichte aus Deutschland hat der Diplomat Pacelli in den Vatikan geschickt. Die Berliner Nuntiatur war ein zentraler Umschlageplatz f�r Weltpolitik, und Pacelli hatte eine Art Drehscheibenfunktion. Er schickte Informationen �ber Russland, die Pal�stinafrage, den Judenstaat. Hoch aufschlussreiches Material, das Hobert Wolf und sein Team noch nicht einmal zur G�nze gesichtet haben. Und in K�rze wartet auf die internationale Gemeinschaft der Zeithistoriker eine weitere vatikanische Archiv�ffnung. "Der Papst hat ja angek�ndigt, dass entweder im September oder sp�testens zum neuen Jahr das gesamte Pontifikat von Pius XI., also von 1922 bis 1939, ge�ffnet wird. Das hei�t nicht nur die bisher zug�nglichen vier Serien, Berliner Nuntiatur, M�nchner Nuntiatur, und die entsprechende Gegen�berlieferung vom Staatssekretariat, sondern alles. Und damit werden wir aufschluss erhalten �ber die internen Diskussionen in der Kongregation f�r die au�erordentlichen Angelegenheiten, �ber den Anschluss �sterreichs, die Sudetenfrage, den spanischen B�rgerkrieg, und vor allem �ber Italien, Kirche und Faschismus. Das ist ein gro�es Thema, und das werden wir komplett haben. Damit kriegen wir nochmal ein anderes Bild." (rv)

 

 

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4/2006

 

 

01.04.05

Seligsprechungsverfahren auf gutem Weg (1. Todestag von Papst Johannes Paul II.)

Einen gro�en Andrang zum Grab von Papst Johannes Paul II. in den Grotten unter dem Petersdom registrieren die Vatikan-Beh�rden in diesen Stunden. Am morgigen Sonntag j�hrt sich der Todestag des polnischen Papstes zum ersten Mal. Nur sechs Wochen nach seinem Ableben k�ndigte damals sein Nachfolger Benedikt XVI. die Aufnahme des Seligsprechungsverfahrens an. Feierlich eingeleitet wurde es vergangenen Juni. Heute befindet sich die Causa auf einem guten Weg - allerdings ist ihr Ende nicht abzusehen. Das sagte uns der Postulator des Seligsprechungsverfahrens, der polnische Priester Slawomir Oder. "Es w�re zu gewagt, �ber einen Abschluss der Causa zu spekulieren. Die Zahl der Zeugen ist sehr hoch, und wir m�ssen ihre Einvernahme mit dem Zeitplan des Tribunals abstimmen. Das erlaubt es zum jetzigen Zeitpunkt nicht, Voraussagen zu machen."
Parallel zur Befragung der Zeugen arbeitet die historische Kommission der Causa an einer Dokumentation �ber den verstorbenen Papst. Den dritten Strang des Verfahrens bildet die Untersuchung eines m�glichen Wunders. Dazu sind Sachverst�ndige nun nach Frankreich gereist, best�tigt der Postulator. "Es handelt sich um den Fall einer jungen Ordensfrau, die seit mehreren Jahren an Parkinson litt. Die ganze Ordensgemeinschaft betete um Heilung f�r die Schwester und bat dabei Johannes Paul um F�rsprache. Genau zwei Monate nach dem Tod des Papstes sind die Symptome der Krankheit sofort und vollst�ndig verschwunden."
Slawomir Oder hat sein B�ro im Lateranpalast, dem Bischofssitz des Papstes in Rom. Selig- und Heiligsprechungsverfahren gehen immer vom Heimatbistum der betreffenden Person aus. F�r Causen von P�psten ist in einem ersten Schritt grunds�tzlich die Di�zese Rom verantwortlich. In Krakau tagt indes heute zum letzten Mal das Tribunal, das im Seligsprechungsverfahren f�r Johannes Paul polnische Zeugen befragt hat. Zum Auftakt der feierlichen Veranstaltung steht um 17 Uhr in der Kathedrale im Wawel eine Messe zum Amtsantritt von Kardinal Stanislaw Dziwisz auf dem Programm. Die 29. und letzte Sitzung des Tribunals ist wie die erste �ffentlich. Die Mitglieder des Tribunals, die unter dem Vorsitz von Bischof Tadeusz Pieronek arbeiteten, setzen ihre Unterschriften auf die letzte Seite der Akte. Dann wird der dicke Aktenordner geschlossen und versiegelt. Die Zahl der geh�rten Zeugen und der Inhalt der Aussagen bleiben geheim. Zwei Kopien der Akte gehen an den f�r den Prozess in Rom zust�ndigen Priester Slawomir Oder. (rv)

 

 

03.04.06:

Gebetsvigil f�r Johannes Paul II. mit 80.000 Teilnehmern

 

�ber 80.000 Gl�ubige haben sich gestern Abend auf dem Petersplatz versammelt, um Johannes Pauls II. zu gedenken. Um 21.37 Uhr, genau ein Jahr nach dem Tod des Papstes, wandte sich sein Nachfolger, Benedikt XVI. an die betenden Pilger, die ein Meer aus Kerzen entz�ndet hatten. In seiner live per Videoschaltung nach Krakau �bertragenen Ansprache begr��te er, dass die lange Krankheit seines Vorg�ngers in der breiten �ffentlichkeit mehr Sensibilit�t f�r Leiden geschaffen habe: �Seine mit Mut angegangene Krankheit hat alle aufmerksamer f�r den menschlichen Schmerz gemacht. Sie hat dem Leiden W�rde und Wert verliehen, indem sie zeigte, dass der Wert des Menschen nicht nur auf seiner Effizienz und seiner Erscheinung beruht, sondern auf seiner Person, weil er von Gott geschaffen und geliebt ist. Weil er sich Gott durch das Gebet und in der Liebe f�r Wahrheit und Sch�nheit immer mehr angen�hert hat, konnte unser geliebter Papst zum Gef�hrten f�r jeden von uns werden und mit Autorit�t auch zu jenen sprechen, die dem christlichen Glauben fern sind. (rv)

 

 

05.04.06

"Johannes Paul war guter Patient”

 

Johannes Paul II., dessen Todestag sich am Sonntag zum ersten Mal j�hrte, sei ein guter Papst, aber ein schlechter Patient gewesen, hie� es immer. Ein ungeduldiger Kranker, mit der Tendenz, sich allzu schnell wieder an die Arbeit zu machen, statt zu ruhen. Sein langj�hriger Leibarzt Renato Buzzonetti r�ckt diese Bild nun zurecht. Im Gespr�ch mit Radio Vatikan sagte er: "Johannes Paul war ein guter Patient. Er lie� sich bereitwillig untersuchen, sagte genau, was ihn wo schmerzte. �berhaupt war er ein h�chst aufmerksamer Beobachter seiner gr��eren und kleineren Leiden. Denn er wollte schnell gesund werden und dem Arzt helfen, einen Ausweg aus dem Geflecht seiner Krankheiten zu finden. Wie alle Patienten mochte Johannes Paul keine Injektionen. Aber der Rest der Behandlungen, auch wenn sie eigentlich schwerer zu ertragen waren als Injektionen, nahm er in Gelassenheit an, selbst den Luftr�hrenschnitt. Er bat mich, ihm zu erkl�ren, was dabei geschieht, und nach einigen Minuten des Nachdenkens und der Stille stimmte er zu." Viele Jahre arbeitete Renato Buzzonetti im Dienst Johannes Pauls. Dabei lernte er auch pers�nlich viel von Karol Wojtyla. "Vor allem, ein besserer Arzt zu sein. Das hei�t, mich daran zu erinnern, dass jeder Kranke dieselben Rechte und Privilegien wie ein Papst hat. Vor den Augen des Arztes sind alle Kranken, auch die �rmsten und die Vergessensten, Kinder Gottes. Die Essenz ist, dass der Arzt dem Menschen dient - das ist es, was ich gelernt habe." (rv)

 

 

05.04.06

Die spanischen Bisch�fe best�tigen, dass Papst Benedikt XVI. am V. Welttreffen der Familien Anfang Juli in Valencia teilnehmen wird.

In einer Botschaft bekr�ftigen sie den zentralen Stellenwert der Familie f�r Kirche und Gesellschaft. Das "Evangelium von der Familie" zu verk�nden, die auf der Ehe zwischen Mann und Frau basiere, sei heute dringender als je zuvor; es gebe Kr�fte in Spanien, die versuchten, das Wesen der Ehe zu entstellen. Der Papst werde am 8. Juli abends ein Fest der Familien leiten und am 9. in der Fr�he die Schlussmesse feiern. (rv)

 

 

09.04.06

Beim Papstgottesdienst �bergeben deutsche Jugendliche das Weltjugendtagskreuz an australische junge Erwachsene

Papst Benedikt XVI. hat heute die Karwoche er�ffnet. Mit der traditionellen Segnung der Palm- und Olivenzweige begann der Papst den Gottesdienst zum Palmsonntag. H�hepunkt der Feier: die �bergabe des Weltjugendtagskreuzes an den Gastgeber des n�chsten internationalen Weltjugendtags, das Erzbistum Sydney. 50.000 waren es, mindestens, die zum Petersplatz zogen, mit Zweigen in den H�nden, mit Olivenzweigen, mit Palmwedeln, 20 Zentimeter lang oder meterhoch. Entlang der Via della Conciliazione zwischen Engelsburg und Vatikan verteilten die Pfadfinder kleine Buschen Olivenzweige. Mit den Spenden, die sie daf�r bekommen, bestreiten sie einen Teil ihrer Aktionen. Familien verkauften dagegen kunstvoll gefaltete Kronen und Kreuze. Eine s�ditalienische Tradition, bei der die Bl�tter eines einzigen Palmzweigs mehrfach ineinander gewoben werden. Die Kardin�le, die Konzelebranten und der Papst tragen solche Prachtst�cke dann �ber den Petersplatz. "Liebe Br�der und Schwestern, liebe Jugendliche hier auf dem Platz und in der ganzen Welt, mit dieser gottesdienstlichen Feier beginnen wir die Karwoche, um die Passion, das Sterben und die Auferstehung Jesu Christi mitzuerleben."
Am Obelisk, mitten im weiten Rund der Kolonnaden beginnt Benedikt mit dem Gottesdienst. Immer wieder gelten seine Worte in den folgenden mehr als zwei Stunden den Jugendlichen, die zum 21. Weltjugendtag nach Rom gekommen waren. Benedikts Appell: "Liebe Jugendlichen, nur im H�ren auf das Wort Gottes k�nnt ihr lernen, Christus zu lieben. Nur in ihm erkennt ihr, was Wahrheit und Freiheit ist, Nur wenn ihr an seinem Ostern teilhabt, gebt ihr eurem Leben Sinn und Hoffnung."
Benedikt segnet die Oliven- und Palmzweige, und erkl�rt ihren tieferen, keineswegs volkst�mlichen Sinn: "Mischen wir uns unter das Gefolge Jesu. Die Olivenzweige sind Zeichen des messianischen Friedens; die Palmzweige, Zeichen des Martyriums, der Hingabe an Gott und die Menschen. Mit ihnen jubeln wir jetzt Jesus, dem Messias, zu und bezeugen unsere Teilhabe am �sterlichen Geheimnis, das wir feiern."
Vom Obelisk aus setzte sich langsam eine Prozession in Bewegung, ganz am Ende der Papst selbst. Ihm voraus zogen rund 150 Diakone, Priester und Kardin�le, unter ihnen der K�lner Kardinal Joachim Meisner und der Kardinal von Sydney, George Pell. Au�erdem: fast 400 Jugendliche aus verschiedenen Kontinenten, aus Rom, aus Sydney und aus K�ln. Die tragen das Kreuz der Weltjugendtag ein letztes Mal �ber den Platz hoch zur Basilika. Dreimeter-Meter-achzig ist es lang, einsf�nfundsiebzig breit. Zwei schlichte Holzbalken, 40 Kilogramm schwer. Die Palmzweige der Pilger wehen im Wind, immer mehr kommen dazu. Ihr Gesang ist der seit Jahrhunderten der Gleiche: "Hosanna. Lob, Ruhm und Ehre sei Dir."
Dann die Passion. Die Musik von Marco Frisina, dem Musikdirektor des Laterans. Die Passion, den Einzug in Jerusalem und den Weltjugendtag brachte Benedikt dann in der Predigt auf einen Nenner. "Seit 20 Jahren ist der Palmsonntag auf besondere Weise der Tag der Jugend geworden - dank Johannes Paul II. Es ist der Tag, an dem Jugendliche auf der ganzen Welt Christus begegnen. Sie wollen ihn in ihre St�dte und D�rfer hinein begleiten, bis er mitten unter uns ist und seinen Frieden in der Welt einsetzen kann."
Der Papst predigte biblisch. Die Ereignisse zwischen Jerusalem und Golgota k�nne nur verstehen, wer die Propheten gelesen hat. Charakteristisch f�r den messianischen K�nig sind laut Altem Testament Armut, Frieden und Universalit�t. "Alle drei…sind zusammengefasst im Symbol des Kreuzes. Deshalb steht aus gutem Grund das Kreuz im Mittelpunkt der Weltjugendtage Es gab eine Zeit, und sie ist noch nicht ganz vorbei, da wurde das Christentum wegen des Kreuzes abgelehnt. Man sagte, das Kreuz bedeute Opfer, Verneinung des Lebens. … Der Palmsonntag dagegen sagt uns, dass das Kreuz der wahre Baum des Lebens ist Das Leben finden wir nicht, wenn wir es beherrschen wollen, sondern wenn wir es schenken."
Der Messias ist ein Friedensf�rst, der die Waffen und Heerscharen zerst�rt. "Die neue Waffe, die Jesus uns in die Hand gibt, ist das Kreuz. Zeichen der Vers�hnung, der Liebe, die st�rker ist als der Tod. Bei jedem Kreuzzeichen m�ssen wir uns daran erinnern, dass man Ungerechtigkeit nicht mit einer anderen Ungerechtigkeit erwidern darf, Gewalt nicht mit Gegengewalt. Denken wir daran, dass wir das B�se nur mit dem Guten besiegen k�nnen, und niemals, wenn wir B�ses mit B�sem vergelten."
Deutliche Worte, wenige Wochen nach dem Karikaturenstreit, dem Priestermord in der T�rkei und angesichts anhaltender Terrorwellen im Nahen und Mittleren Osten oder in Asien.
Am Ende des Gottesdienstes dann das Angelusgebet. Der Papst gr��t in sieben Sprachen, immer wieder vor allem die Jugendlichen und erinnert an den Weltjugendtag. Auf deutsch sagte er: "Von Herzen gr��e ich alle deutschsprachigen Pilger, besonders Euch, liebe Jugendliche, die ihr hier seid, um gemeinsam mit Kardinal Meisner, dem Erzbischof von K�ln, das Weltjugendtagskreuz und die Ikone der Gottesmutter euren australischen Freunden zu �bergeben. Diese beiden Symbole der Weltjugendtage sollen auf ihrem Weg durch L�nder und Kontinente eine Spur der Gnade hinterlassen, um m�glichst vielen Menschen den Sinn ihres Lebens finden zu helfen. Euch allen gebe und erhalte der Heilige Geist einen festen und lebendigen Glauben; er schenke euch Freude im Zeugnis f�r die Liebe Christi vor allen Menschen. Der Herr segne euch!"
Die Jugendlichen aus K�ln nehmen das Kreuz auf, Kardinal Meisner k�sst es noch einmal und winkt ihm dann fast wehm�tig hinterher, w�hrend die Gruppe sich langsam in Bewegung setzt und schlie�lich nach wenigen Metern das Kreuz Zentimeter f�r Zentimeter in die H�nde der Australier gibt. Afrika wird die n�chste Station des Kreuzes sein. Im Juli 2008 soll es in Sydney ankommen. Zum n�chsten Weltjugendtag im Zeichen des Kreuzes. Und in dem steht auch die kommende Karwoche. (rv)

Sydneys Kardinal Pell: "Welt blickt auf uns
Der Weltjugendtag von K�ln ist zu Ende, der von Sydney kann beginnen. Und w�hrend der eine Kardinal dem Kreuz hinterher winkt, sagt der andere schon "Herzlich Willkommen. Welcome in Australia!". Sydneys Erzbischof George Pell sagte direkt im Anschluss an die feierliche Zeremonie auf dem Petersplatz im Gespr�ch bei Radio Vatikan: "Das ist ein sehr bedeutender Augenblick f�r uns. Wie einer unserer Bisch�fe sagte - eine neue Seite der Heilsgeschichte ist geschrieben. F�r uns bedeutet das auch, dass - je mehr wir uns auf das Jahr 2008 zu bewegen - die Augen der katholischen Welt auf eine sehr kleine und weit entfernt liegende Kirche gerichtet sein werden. F�r uns ist das eine beachtliche Ehre, die uns ohne Zweifel auch eine Menge Arbeit und Aufregung bringen wird." Allein wegen der geographischen Lage wolle er vor allem Menschen aus Asien einladen, betonte Pell. Der Weg sei einfach k�rzer. (rv)

 

 

15.04.06

Papst Benedikt betet erstmals den Kreuzweg am Kolosseum

Mit dem traditionellen Kreuzweg des Papstes am Kolosseum haben die Osterfeierlichkeiten in Rom einen ersten H�hepunkt erreicht. Erstmals in seinem Pontifikat f�hrte Benedikt XVI. gestern Abend die Prozession beim Kolosseum an, um gemeinsam mit tausenden Menschen des Leidens und Sterbens Jesu vor zu gedenken. Bei der ersten und bei der letzten der 14 Station trug Benedikt selbst das Kreuz. Bei den �brigen f�hrten Kardinalvikar Camillo Ruini, eine r�mische Familie, ein Priesterseminarist aus den USA, Ordensleute und Jugendliche aus verschiedenen Weltteilen die Prozession an.
Die von Sprechern vorgetragenen Meditationstexte erinnerten an leidende und gedem�tigte Menschen der modernen Zeit, beklagten aber auch Missst�nde der heutigen Gesellschaft: "Wir haben das Empfinden f�r die S�nde verloren! Mit heimt�ckischer Propaganda verbreitet sich heute eine t�richte Apologie des Schlechten, ein absurder Kult Satans, ein unsinniger Wille zur �bertretung, eine verlogene und haltlose Freiheit, welche die Laune, das Laster und den Egoismus verherrlicht und sie als Errungenschaften der Zivilisation hinstellt"
Bei der f�nften Station "Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen" versetzte die Meditation des Generalvikars des Papstes f�r die Vatikanstadt, Angelo Comastri das Geschehen direkt in die heutige Zeit: "Du erinnerst uns daran, dass Christus auf uns wartet auf der Stra�e, auf dem Treppenabsatz, im Krankenhaus, im Gef�ngnis …in den Randzonen unserer St�dte. Der Wohlstand l�sst uns unmenschlich werden, die Vergn�gung ist zur Entfremdung, zur Droge geworden; und der monotone Werbespot dieser Gesellschaft ist die Einladung, im Egoismus zu sterben."
Die Meditation zur siebenten Station "Christus f�llt zum zweiten Mal unter dem Kreuz" gei�elte heutige Angriffe auf die Familie: "Es scheint, als gebe es heute eine Art Anti-Genesis, einen Gegen-Entwurf, einen diabolischen Hochmut, der die Familie abschaffen will. Der Mensch m�chte die Familie neu erfinden, die Grammatik des Lebens selbst, von Gott so ersonnen und gewollt, m�chte er ver�ndern. Doch sich an Gottes Stelle zu setzen, ohne Gott zu sein, ist die d�mmste Arroganz, ist das gef�hrlichste Abenteuer."
Unz�hlige Fackeln und Kerzen erleuchteten das Kolosseum und die Umgegung. Mehr als 60 Sendeanstalten �bertrugen die n�chtliche Zeremonie in 42 L�nder. Am Schluss forderte der Papst die Gl�ubigen auf, en Kreuzweg nicht nur als historisches Ereignis zu sehen, sondern ihn auf sich selbst zu beziehen. "Beim Kreuzweg k�nnen wir nicht nur Zuschauer sein. Wir k�nnen nicht neutral sein. Pilatus, der skeptische Intellektuelle, hat versucht, neutral zu sein, aber auf diese Weise hat er gegen die Justiz Position bezogen, f�r den Konformismus seiner Karriere. Im Spiegel des Kreuzes m�ssen wir die Leiden der Menschen von heute erkennen. Wir haben das Leiden von verlassenen, misshandelten Kindern gesehen, die Bedrohung der Familie, die Spaltung der Welt in den Hochmut der Reichen, die Lazarus vor ihrer T�r nicht sehen, und das Elend der vielen, die Hunger und Durst leiden Aber wir haben auch Stationen des Trosts gesehen. Wir haben die mutige Frau gesehen, die vor dem Herrn steht und keine Angst hat, ihre Solidarit�t mit dem Leidenden zu zeigen. Wir haben Simon von Cyrene gesehen, einen Afrikaner, der mit Jesus das Kreuz tr�gt." (rv)

 

 

17.04.06

500 Jahre Petersdom

 

Papst erinnert an 500 Jahre Petersdom
Der Petersdom feiert morgen seinen 500. Geburtstag. Daran erinnerte Papst Benedikt XVI. heute Mittag in Castel Gandolfo beim Regina Coeli, jenem Gebet, das in der Osterzeit den Angelus ersetzt. "Vor 500 Jahren, genau am 18. April 1506, legte Papst Julius II. den Grundstein f�r die neue Basilika von Sankt Peter, die alle Welt wegen der eindrucksvollen Harmonie ihrer Formen bewundert. Ich m�chte mit Dankbarkeit der P�pste gedenken, die dieses au�ergew�hnliche Bauwerk �ber dem Grab des Apostels Petrus erm�glichten. Mit Bewunderung denke ich an die K�nstler, die mit ihrem Genius dazu beitrugen, sie zu errichten und auszuschm�cken."
Benedikt dankte dem Personal der Fabbrica di San Pietro, der Bauh�tte von Sankt Peter, f�r ihre "vortreffliche Arbeit der Erhaltung und Rettung eines so einzigartigen Meisterwerkes der Kunst und des Glaubens."
"M�ge der gl�ckliche Umstand des 500. Geburtstags in allen Katholiken den Wunsch entfachen, "lebendige Steine" f�r die Errichtung der heiligen Kirche zu sein, in der sich durch gelebte N�chstenliebe das Licht Christi spiegelt." (rv )

Petersdom, gr��te Kirche der Christenheit
Der Petersdom ist das steingewordene Abbild eines Auftrags: "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen", sagte Jesus laut dem Evangelisten Matth�us (Mt 16, 18-19) zu seinem J�nger. So erhebt sich die Kuppel der gr��ten Kirche der Christenheit �ber dem Grab des Apostelf�rsten Petrus, das rund elf Meter unter dem Boden der heutigen Basilika ruht, erkl�rt Pietro Zander, Arch�ologe der Bauh�tte von Sankt Peter. "Wir befinden uns hier genau unter dem Mittelschiff. Dort hinten sehen Sie die Reste einer kleinen Mauer, die �bers�t ist mit lateinischen Graffiti. Die Menschen ritzten hier ihre F�rbitten an den Heiligen Petrus ein. Diese Inschriften stammen aus dem 3. bis 4. Jahrhundert, sie beweisen, wie stark der Kult am Grab des Apostels damals war. Im Inneren k�nnen Sie einen Plexiglasbeh�lter erkennen. Darin sind die Reliquien aufbewahrt, die nach Ansicht der katholischen Kirche vom Heiligen Petrus stammen."
Vermutlich im Jahr 67 erlitt Petrus wenige Schritte von hier, auf dem Zirkus des Nero, das Martyrium. Als Verbrecher starb er, so wie 37 Jahre zuvor sein Meister in Jerusalem, genagelt ans Kreuz. Kirche und Arch�ologie begannen sich erst im 20. Jahrhundert f�r das historische Petrusgrab zu interessieren. Anfang der 40er Jahre, w�hrend in Europa der Krieg tobte, lie� Pius XII. unter der Basilika nach der Ruhest�tte des ersten Papstes graben.
Der Ort der Grundsteinlegung f�r Neu-Sankt Peter ist historisch verb�rgt: Es ist das Fundament eines der vier m�chtigen Pfeiler, die die Kuppel tragen. Schwester Theresa, die Leiterin des Generalarchivs der Bauh�tte von Sankt Peter: "Wir haben diesen Brief von Papst Julius vom 18. April 1506, den er an das K�nigspaar von England schickt und erz�hlt: Heute habe ich den Grundstein f�r die neue Basilika gelegt. Das ist unser �ltestes Dokument. Und Kurienleute haben die Zeremonie genau beschrieben. Da war ein Graben ausgehoben worden, und der Papst, so alt wie energisch, stieg im Beisein seines Hofstaates auf einer Leiter hinab, legte einige M�nzen zu dem Stein und kam wieder hoch."
Wegen Geldmangels kamen die Arbeiten am Petersdom immer wieder zum Stillstand. Insgesamt lebten die P�pste 120 Jahre lang neben einer Baustelle. 1626 weihte Urban VIII. die gr��te Kirche der Christenheit ein. (rv)

 

 

19.04.06

Generalaudienz am Tag des erstj�hrigen Amtsjubil�ums

"Wie schnell die Zeit vergeht...", das sagte heute Papst Benedikt XVI bei der Generalaudienz vor �ber 50.000 Pilgern auf dem Petersplatz. Heute vor genau einem Jahr war Kardinal Ratzinger zum Papst gew�hlt worden. In f�r ihn v�llig unerwarteter Weise h�tten ihn die Kardin�le zum Nachfolger des geliebten und betrauerten gro�en Papst Johannes Paul II. gew�hlt. Er erinnere sich mit Bewegung an den ersten Eindruck, als er zum ersten Mal auf die Loggia getreten sei. Er bewahre diese Erinnerung im Geist und im Herzen!Der Papst dankte den Gl�ubigen f�r ihr Gebet Die Gl�ubigen sollten weiter f�r ihn beten, damit er ein g�tiger und entschlossener Hirte seiner Kirche sein k�nne. In seiner Katechese legte Benedikt XVI. die Ostergeschehnisse aus und erinnerte an den Auftrag der Kirche, die Osterbotschaft auf der ganzen Welt zu verk�nden!
Auf deutsch sagte der Papst: Liebe Br�der und Schwestern! Seit einem Jahr darf ich der Kirche Gottes als Nachfolger des heiligen Apostels Petrus dienen. Wenn sich heute meine Wahl durch die im Konklave versammelten Kardin�le bereits einmal j�hrt – wie schnell die Zeit vergeht! –, wei� ich sehr gut, da� ich das mir anvertraute Amt niemals alleine, sondern nur mit der Hilfe Gottes und unter dem Schutz Seiner Heiligen tragen konnte und kann. Und dabei, liebe Freunde, ist mir eure N�he, die sich in so vielen Formen manifestiert, und euer Gebet, das ihr mir t�glich schenkt, eine unerl��liche St�tze! Daf�r danke ich euch von ganzem Herzen.
Im Evangelium h�ren wir von der Berufung des Petrus zum Hirten des neuen Volkes Gottes. Wer h�tte gedacht, welch gro�es Werk sich im Laufe der Jahrhunderte aus der kleinen Schar der Apostel entwickelt hat. Die J�nger haben wirklich den Auftrag Christi erf�llt und seine Frohbotschaft �bis an die Grenzen der Erde“ getragen; und sie bleiben auch heute dieser Sendung treu! Dabei sind sie selbst ganz getragen vom zentralen Geheimnis des christlichen Glaubens: der �sterlichen Botschaft vom Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi, der das B�se und den Tod endg�ltig besiegt hat. Wir Christen wissen, da� uns die allj�hrliche Osterfeier hin�berf�hrt zu jenem ewigen Fest, das jede menschliche Zeit �bersteigt.

Mit herzlicher �sterlicher Freude gr��e ich die zahlreichen Pilger und Besucher aus den L�ndern deutscher Sprache, es sind immer sehr viele, daher kann ich immer nur eine zuf�llige Auswahl nennen, besonders die Teilnehmer der Jugenddi�zesanwallfahrt Regensburg, die Bundespolizeiseelsorge in Bayern, die Di�zesanr�te aus Rottenburg-Stuttgart mit ihrem Bischof und die vielen anderen gr��eren und kleineren Gruppen. Die Freude des auferstandenen Herrn Jesus Christus erf�lle eure Herzen und mache euer Leben hell. Euch allen w�nsche ich einen gl�cklichen und gesegneten Tag!
(rv )

 

 

25.04.06

Barragan best�tigt Studie zu Aids und Kondomgebrauch

Der  p�pstliche Rat f�r die Krankenpastoral arbeitet an einem Handbuch zur Seelsorge  f�r Menschen, die an Aids leiden oder mit dem HI-Virus infiziert sind. Das hat  der Pr�sident des Rates, der mexikanische Kurienkardinal Javier Lozano Barragan,  heute gegen�ber Radio Vatikan best�tigt. "Wir sind dabei, eine Handreichung  f�r die Pastoral an Aidskranken zu erarbeiten Das ist sehr schwierig, aber wir  sind dabei. M�glicherweise werden wir die Arbeiten daran im Laufe dieses Jahres  abschlie�en k�nnen."
Sein Dikasterium arbeite an einer umfangreichen  Studie, die auch den Gebrauch von Kondomen thematisiere. "Es gibt viele  Handreichungen, aber diese muss eine sein, die einen universalen Anspruch hat.  Sie ist also ein wenig diffizil, aber wir arbeiten daran. Die katholische Kirche  h�lt die Enthaltsamkeit f�r das wichtigste Verh�tungsmittel. So kann absolut  nichts geschehen; in ehelicher Treue kann absolut nichts geschehen. Wenn wir  aber ein Paar vor uns haben, in dem nur ein Partner HIV-positiv ist, beginnt das  Problem. Was sollen wir tun? Genau dazu erarbeiten wir eine Studie, sowohl  wissenschaftlich als auch fachlich und moralisch, sehr  grundlegend."
Doch, darauf legt der vatikanische Gesundheitsminister  wert, sein Rat hat keine Entscheidungen zu f�llen. Er und seine Mitarbeiter  f�hrten aus, was der Papst entscheide. "Diese Studie muss nat�rlich dem Papst  vorgelegt werden, auf den hier in der R�mischen Kurie �blichen und notwendigen  Wegen. Er wird dann in seiner Weisheit und mit dem Beistand des Heiligen Geistes  eine Entscheidung treffen Er wird uns sagen, ob etwas unternommen wird oder  nicht. Und wenn ja, in welche Richtung. Wir f�hren nur aus, was der Papst uns  sagt. Was er sagen wird, wird die Haltung der Kirche sein."
Ob diese  Studie auch im Auftrag des Papstes durchgef�hrt werde, sagte Barragan nicht.  (rv)

 

 

27.04.06

Ein Ferientag f�r den Papst

Bayerns Sch�ler d�rfen sich wegen des Besuchs von Papst Benedikt XVI. auf l�ngere Sommerferien freuen. Das Land verschob den Unterrichtsbeginn nach der Sommerpause um einen Tag auf den 13. September, wie das Kultusministeriums gestern in M�nchen mitteilte. Damit k�nnten junge Menschen aus ganz Bayern an dem herausragenden Ereignis teilnehmen. Der Papst wird am 12. September Regensburg besuchen und dort einen Festgottesdienst feiern, zu dem mehr als 300.000 Menschen erwartet werden.
(rv)

 

 

27.04.06

Polen: Programm der Papstreise

Der Vatikan hat das offizielle Programm der Pastoralreise Papst Benedikts nach Polen bekannt gegeben. Demnach wird das Kirchenoberhaupt am Donnerstag, den 25. Mai um 11 Uhr in der Hauptstadt Warschau eintreffen und nach einer Rede an den Klerus einen H�flichkeitsbesuch beim Pr�sidenten der Republik absolvieren. In der evangelischen Dreifaltigkeitskirche kommt es am Abend zu einem �kumenischen Treffen mit anschlie�endem Gru� des Papstes. Freitag Vormittag um 10 Uhr 30 feiert Benedikt auf dem Warschauer Pilsudski-Platz eine Heilige Messe. Danach verabschiedet er sich von der Nuntiatur, in der er untergebracht sein wird. Um 16 Uhr bricht er im Hubschrauber nach Tschenstochau auf, wo er das von seinem Vorg�nger Johannes Paul II. verehrte Marienheiligtum besucht und vor Ordensleuten und Seminaristen eine Rede h�lt. Danach bringt der Hubschrauber den Papst nach Krakau, der Bischofsstadt Johannes Pauls. Dort ist Benedikt Gast von Erzbischof Kardinal Stanislaw Dziwisz.
Samstag fr�h stimmt sich Benedikt mit einer privaten Messe in der Kapelle des Erzbisch�flichen Palais auf die Begegnungen mit Erinnerungsorten des polnischen Papstes ein. Um 10 Uhr 30 trifft er mit dem Auto in Wadowice ein, dem Geburtsort seines Vorg�ngers. Nach einem Besuch der Basilika der unbefleckten Empf�ngnis und des Geburtshauses Johannes Pauls, das heute ein Museum ist, trifft Benedikt mit der Bev�lkerung zusammen und h�lt eine Rede. Auf dem R�ckweg nach Krakau besucht er zwei weitere nahe gelegene Heiligt�mer, n�mlich jenes der Madonna von Kalwaria und jenes der g�ttlichen Barmherzigkeit in Lagiewniki. Am Abend um 18 Uhr besucht er die Kathedrale auf dem Wawel, um danach auf dem Festgel�nde im Park Blonie mit Jugendlichen zusammen zu treffen.
Am selben Ort feiert er Sonntag Vormittag auch die Heilige Messe mit anschlie�endem Regina Coeli. Am Nachmittag um 17 Uhr besucht der deutsche Papst das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz. Er wird im Gedenken an die Opfer des Lagers ein Gebet sprechen und danach das Wort an die Anwesenden richten. Von Auschwitz bringt ihn der Wagen direkt auf den Flughafen von Krakau. Der R�ckflug nach Rom ist f�r 20 Uhr vorgesehen.
Das nun ver�ffentliche Programm der Papstreise nach Polen birgt keine �berraschungen. Zahlreiche Details des Besuches waren bereits �ber verschiedenste Kan�le an die �ffentlichkeit gelangt (rv)

 

 

29.04.06

Aids bleibt ein dr�ngendes Problem in Afrika

Die vom Papst eingeleitete Studie �ber den Gebrauch des Kondoms durch Eheleute hat viele Schlagzeilen gemacht. Mancher Beobachter wollte darin eine moraltheologische "Kehrtwende" des Vatikans �ber den Gebrauch des Verh�tungsmittels angedeutet sehen. Der p�pstliche Gesundheitsminister Javier Lozano Barrag�n tritt dieser Meinung entgegen und hat die Fertigstellung der Studie f�r Ende des Jahres in Aussicht gestellt. Ihr Ergebnis und ihre Konsequenzen, wie auch immer sie aussehen werden, d�rften vor allem Menschen in Afrika betreffen. Die L�nder des Kontinents sind am st�rksten von Aids betroffen. Wir haben mit Bischof Thomas Mensah von Obuasi gesprochen, einer Di�zese im S�den von Ghana. In Mensahs Bistum leben etwa eine halbe Millionen Menschen mit Aids. "Auf dem Land liegt die Zahl h�her, weil die Ignoranz und der Analphabetismus dort gr��er sind. Oft beachten sie nicht die Programme, die Aids in Schach halten sollen. Eines der schlimmsten Probleme ist die Stigmatisierung: Menschen mit Aids scheuen sich meist, offen nach Hilfe zu fragen."
Die in der Kultur Ghanas nach wie vor verbreitete Vielehe tut ihr �briges. Die Folge: 200.000 Kinder sind so genannte Aids-Weisen. Die Kirche unterh�lt viele Krankenh�user und Sozialstationen, auch arbeitet die Kirche mit dem Staat zusammen. Ziel ist es, die Aids-Kranken zu erreichen, damit sie sich behandeln lassen, bevor die Krankheit ausbricht: "Ja, wir ermutigen sie dazu, aber das f�hrt nicht immer gleich zum gew�nschten Erfolg. Im Moment haben wir drei Modellregionen, in denen Projekte laufen. Drei Bist�mer arbeiten wirklich v�llig bereitwillig mit, wir predigen auch immer wieder zu diesem Thema und sagen den Leuten, sie sollen keine Angst haben, sondern sich melden, damit man sie behandeln kann, aber das bleibt bislang alles auf dem Level der Behandlung, nicht der Pr�vention eines Ausbruchs der Krankheit, die wir eigentlich wollen. Wir wollen wirklich eine Pr�vention, indem wir die Infizierten richtig gut mit Medikamenten behandeln… aber leider haben wir dazu nicht die Mittel." (rv)

 

 

29.04.06

W�hrend des Pontifikates von Johannes Paul II ist die Zahl der Katholiken weltweit um 45 % gestiegen.

Das geht aus der Pr�sentation der Jahresstatistik der Kirche f�r das Jahr 2004 hervor, die der Vatikan heute ver�ffentlichte. Demnach betrug die absolute Zahl der Katholiken 2004 auf der ganzen Welt 1,098 Milliarden. Gegen�ber dem Beginn des Wojtyla-Pontifikates ist das ein Plus von 342 Millionen. Allerdings blieb die Zunahme der Gl�ubigen hinter dem allgemeinem Bev�lkerungswachstum zur�ck: Im fraglichen Zeitraum hat sich die Weltbev�lkerung auf 6,4 Milliarden verdreifacht. Heute sind gut 17 % aller Menschen Katholiken, wobei sich starke Unterschiede je nach Kontinent ergeben. Europa ist derzeit zu 39,5 % katholisch, das ist ein Prozentpunkt weniger als 1978. In absoluten Zahlen verzeichnet der "alte Kontinent" heute 280 Millionen Katholiken. In Afrika hat sich die Zahl der Gl�ubigen w�hrend des Pontifikates von Johannes Paul etwa verdreifacht - auf 149 Millionen. Auf dem amerikanischen Kontinent nahm die Zahl der Katholiken im selben Zeitraum um 50 % zu, in Asien um 80 %. Diese Wachstumszahlen sind in gro�en Z�gen deckungsgleich mit der demografischen Entwicklung. In Amerika sind heute 62 % der Einwohner katholisch, in Asien drei Prozent. (rv)

 

 

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5/2006

 

 

01.05.06

Bischofsweihe gegen Willen des Papstes

Gegen den Willen des Vatikans hat die "Patriotische Vereinigung" von regimetreuen Katholiken einen Bischof geweiht. Die britische BBC meldet, Ma Yingling sei gestern zum Oberhirten des s�dchinesischen Kunming geweiht worden, obwohl der Kardinal von Hongkong eine Verschiebung dieses Weiheaktes gefordert hatte. Nach Medienberichten hat der Vatikan den Bischofs-Kandidaten abgelehnt; jetzt droht eine Verschlechterung im Verh�ltnis zwischen dem Vatikan und China. Der italienische Ordensmann Bernardo Cervellera ist China- und Asienfachmann; er sagte uns vor der umstrittenen Bischofsweihe: "Ich habe weiterhin nicht den Eindruck, dass China an wirklicher Religionsfreiheit gelegen ist. Das Regime betont zwar in der Theorie immer wieder Prinzipien wie Religionsfreiheit oder auch das Recht auf freie Meinungs�u�erung; de facto aber achtet es darauf, dass alles von der Partei kontrolliert wird und von den so genannten Patriotischen Vereinigungen: Wer in Privath�usern predigt oder eine Messe feiert, wird sofort ins Gef�ngnis gesteckt, und es gibt immer noch Bisch�fe, die einfach verschwunden sind. Die L�cke also zwischen dem, was sie sagen, und dem, was sie tun, ist immer noch erheblich." (rv)

 

 

02.05.06

Italien: Papst besuchte Marienheiligtum

 

Zu Beginn des Marienmonats Mai hat Papst Benedikt XVI. den r�mischen Wallfahrtsort "Divino Amore" besucht und der Opfer des Erdrutsches auf Ischia und der Anschl�ge im Irak gedacht. Das Heiligtum ist der "Muttergottes von der G�ttlichen Liebe" geweiht, liegt im S�den, au�erhalb der Stadt, nahe der antiken Via Appia und ist wohl das beliebteste Pilgerziel der R�mer.
Mehrere Tausend Menschen begr��ten Benedikt, der mit dem Hubschrauber aus dem rund 15 Kilometer entfernten Vatikan gekommen war. Auf den Tag genau 27 Jahre nach dem ersten Besuch Johannes Pauls II. in Divino Amore, der damals den 1. Marienmonat seines Pontifikats hier begann. Auch Benedikt liegt die Marienverehrung am Herzen:

"Br�der und Schwestern, an diesem 1. Mai, dem Monat, der in der Volksfr�mmigkeit der Mutter des Herrn gewidmet ist, bin ich als Pilger zu diesem Heiligtum der "Mutter der G�ttlichen Liebe" gekommen, um gemeinsam mit euch, vor dem Bild der Gottesmutter, die auch unsere Mutter ist, den Rosenkranz zu beten und die freudenreichen Geheimnisse zu meditieren. Der F�rsprache der Heiligen Maria vertrauen wir die Di�zese Rom an, die ganze Kirche und jeden einzelnen von uns."

Das Heiligtum geht auf eine Marienerscheinung aus dem Jahr 1740 zur�ck. Als Rom im Zweiten Weltkrieg von deutschen Truppen besetzt war, rief Pius XII. zum Bittgebet vor dem Gnadenbild auf. Wenige Stunden sp�ter begann die Wehrmacht ihren kampflosen Abzug. Daran erinnerte Benedikt in seiner Ansprache am Ende des Gebets:
"Richten wir all unser Streben darauf, das Gel�bde zu erf�llen, das die R�mer am 4. Juni 1944 abgelegt haben, als sie zur Madonna der G�ttlichen Liebe flehten, dass diese Stadt von den Schrecken des Krieges verschont bliebe. Sie wurden erh�rt. In dem Gel�bde versprachen sie, ihren Lebenswandel zu �ndern und moralisch zu verbessern. Sie wollten ihn dem Leben Jesu �hnlicher machen. Auch heute braucht es eine st�rkere Ausrichtung auf Gott, die Bekehrung zum Gott der Liebe, damit die Wlet von Kriegen und Terrorismus befreit werde. Wir betrauern die Opfer, wie die vergangenen Donnerstag in Nassiriya im Irak gefallenen Soldaten. Wir vertrauen sie der m�tterlichen F�rsprache Mariens an, der K�nigin des Friedens. Liebe Br�der und Schwestern, an diesem Heiligtum der Madonna der G�ttlichen Liebe erneuere ich die Aufforderung, die ich in der Enzyklika "Deus caritas est" formuliert habe: Verwirklichen wir die Liebe Gottes und lassen so das Licht Gottes in der Welt aufstrahlen." (rv)

 

 

02.05.06

Vatikan: Programm f�r 500 Jahre Schweizer Garde

Sie ist die "kleinste Armee" der Welt. Die Schweizergarde. 110 Mann stark und von Au�enstehenden oft nur als Operettenarmee bel�chelt. Doch die kleine Truppe hat modernste Waffen, ist im Nahkampf ausgebildet und sorgt f�r die Sicherheit des Papstes. Am 21. Januar 1506 trafen die ersten S�ldner in Rom ein. Morgen beginnen die gro�en Feierlichkeiten zum 500. Jubil�um der Garde.
Auftakt ist ein Konzert des Heeresmusikcorps morgen Abend in der Audienzhalle. Am Donnerstag werden die Teilnehmer des Ged�chtnismarsches in der Ewigen Stadt erwartet. Insgesamt 870 Menschen wollten Etappen der historischen Router der S�ldner von Bellinzona bis Rom nachgehen, 75 hatten sich die ganzen 723 Kilometer vorgenommen. Die aktiven Gardisten und eine Abordung der italienischen Armee werden sie um 15.00 Uhr an der Piazza del Popolo, am traditionellen Stadttor f�r die Menschen aus dem Norden, empfangen und auf der letzten Etappe bis zum Petersplatz begleiten. Am Abend dann wieder ein Konzert, diesmal geistliche Musik mit dem Heeresmusikcorps und 250 S�ngerknaben aus Olten: Arthur Honeggers Oratorium "Nikolaus von der Flue" in der Kirche Sant Ignazio.
F�r Freitag ist ein Ehemaligentreffen der Schweizer geplant, eingeladen sind auch Familien und Freunde. Am Abend l�dt die Garde dann zur offiziellen Feierstunde in die Audienzhalle ein, mit dabei der Schweizer Bundespr�sident Moritz Leuenberger. Ch�re und Orchester aus Luzern und Freiburg bringen geistliche Werke von Theo Flury, Benediktiner in Einsiedeln, zu Geh�r.
Abschluss und H�hepunkt der Feierlichkeiten - die Vereidigung am Samstag, 6. Mai. Der 6. Mai ist der Jahrestag des "Sacco di Roma", der Pl�nderung Roms durch spanische und deutsche Landsknechte. 1527 starben hier 147 Gardisten. Traditionell legen die Soldaten an diesem Tag ihren Eid auf den Papst ab. Um 9.30 Uhr feiert Papst Benedikt XVI. im Petersdom die Messe, um 16.30 Uhr beginnt die Vereidigung. Erstmals auf dem Petersplatz, nicht im Damasushof des Apostolischen Palastes. Ein Feuerwerk in den Gardefarben beschlie�t den Feiertag.
Nach dem Angelus am Sonntag gibt die Swiss Army Concert Band noch ein Platzkonzert.

Radio Vatikan begleitet die Feierlichkeiten und �bertr�gt die H�hepunkt live und mit deutschem Kommentar. Auf Kurzwelle 7.135 mHz und im Internet �ber Audiokanal 3 empfangen Sie die Konzert am 3. und 5. Mai, die Papstmesse am Samstag und die Vereidigung.  (rv)

 

 

02.05.06

Ra�l Francisco Kardinal Primatesta verstorben

Kardinal Primatesta , der Alt-Erzbischof von C�rdoba, ist am 01.05.2006 im Alter von 87 Jahren gestorben. Er war 33 Jahre Bischof von C�rdoba und Mitglied in den Vorbereitungskommissionen des II. Vatikanischen Konzils. Primatesta wurde am 25.10.1942 zum Priester geweiht und von Papst Paul VI. am 05.03.1973 in den Kardinalsstand erhoben. Er war Kardinalpriester von Beata Maria Vergine Addolorata a Piazza Buenos Aires.

 

 

03.05.06

Zweite Vatikan-Website soll im Herbst 2006 starten

Eine zweite Vatikan-Website soll im Herbst 2006 starten und durch interaktive Elemente einen Beitrag zur Evangelisierung und zur Einheit der Gl�ubigen leisten. Das gab Chef-Webmasterin Schwester Judith Zoebelein bekannt. Die Homepage werde E-Learning-Programme enthalten, News-Updates und ebenso Bereiche f�r Familien, Jugendliche und Pfarren, sagte sie laut der j�ngsten Ausgabe des Magazins "Business Week". Die 57-j�hrige Leiterin der vatikanischen Internet-Abteilung erkl�rte: "Die Menschen werden einander begegnen und miteinander online arbeiten k�nnen. Dann gehen sie zur�ck und nutzen das, was sie gelernt haben, in ihren eigenen Gemeinschaften." Zoebelein startete mit einer Handvoll Kollegen im Jahr 1995 die vatikanische Webseite. Der Papst ruft Europa dazu auf, sich auf das Erbe seiner Werte zu besinnen. Das steht in seiner Botschaft an ein Treffen zum Thema Europa, das derzeit in Wien katholische und russisch-orthodoxe Spitzenvertreter zusammenbringt. Die V�lker in Europa stellten sich in diesen Monaten berechtigte Fragen nach dem Sinn des Lebens, dem Wert der Freiheit und der Zukunft Europas, so der Papst in dem von Kardinalstaatssekret�r Angelo Sodano unterzeichneten Brief. Benedikt XVI. dr�ngt die Teilnehmer der Konferenz, Lehren aus den "negativen Erfahrungen der Vergangenheit zu ziehen", und beklagt eine "schwindlerregende spirituelle Leere" in Europa. Kardinal Christoph Sch�nborn betonte heute bei der Er�ffnung der gemeinsamen Tagung des P�pstlichen Kultur-Rates und des Au�enamtes des Moskauer Patriarchats, dass Wien sich seiner Br�ckenfunktion zwischen Ost und West bewusst sei. Schon das Wien der Donaumonarchie sei Zentrum eines durch den katholischen Glauben seines Herrscherhauses gepr�gten Reiches gewesen, das aber offen f�r die gro�e Vielfalt der verschiedenen V�lker, Sprachen, Kulturen und Religionen seiner V�lker war. In einer gewissen Weise sei hier vorgeformt gewesen, was heute in Europa wieder zu realisieren versucht werde. ( rv)

 

 

04.05.06

Schwere Verletzung der Religionsfreiheit

Der Vatikan reagiert mit einer ernsten Mahnung auf zwei Bischofsweihen in China, die in den letzten Tagen gegen den Willen des Papstes durchgef�hrt worden sind. Ein Statement des vatikanischen Pressesaals spricht von einer "schwerwiegenden Verletzung der Religionsfreiheit" und einer "Verletzung der kirchlichen Einheit", �ber die der Papst "zutiefst ungehalten" sei. Die Weihen stellten ein Hindernis f�r den Dialog dar, so das Statement weiter.
Die Erkl�rung von Benedikts Pressesprecher Joaquin Navarro Valls spricht auch von "starkem Druck und Drohungen" gegen Bisch�fe und Priester, damit sie an solchen illegalen Bischofsweihen teilnehmen. Dieser Druck gehe von "Einrichtungen aus, die nicht zur Kirche geh�ren", das zielt wom�glich auf das Pekinger Regime und seine "Patriotische Vereinigung" zur Kontrolle der Katholiken Chinas. Das Kirchenrecht sehe f�r solche Weihehandlungen ohne vatikanische Genehmigung "schwere kanonische Strafen" vor, so das Statement weiter. Der angegebene Canon 1382 des Codex Iuris Canonici benennt konkret: "Ein Bischof, der jemanden ohne p�pstlichen Auftrag zum Bischof weiht, und ebenso, wer von ihm die Weihe empf�ngt, zieht sich die dem Apostolischen Stuhl vorbehaltene Exkommunikation als Tatstrafe zu."
Der Vatikan beklagt "das schwere Los der katholischen Kirche in China" und l�sst erkennen, dass er eigentlich "glaubte und hoffte, dass solche beklagenswerten Akte jetzt doch der Vergangenheit" angeh�rten. Er warnt vor weiteren illegalen Bischofsweihen und gibt zu erkennen, er sei weiter an einem "ehrlichen und konstruktiven Dialog mit den kompetenten chinesischen Autorit�ten interessiert".
Die Nachrichtenagentur "Asia-News" berichtet derweil, der Bischof, der illegal im s�dchinesischen Wuhu geweiht wurde, habe kurz vorher noch einen pers�nlichen Appell des Papstes erhalten, auf die Weihe zu verzichten. Hinter den illegalen Weiheakten, von denen angeblich noch etwa zwanzig weitere bevorstehen sollen, steht nach Asia-News-Angaben Antonius Liu Bainian, der Vizepr�sident der so genannten "Patriotischen Vereinigung". (rv)

 

 

05.05.06

R�cktrittsgesuch von Kardinal Agr�

Am 02.05.06 nahm Papst Benedikt XVI. das R�cktrittsgesuch von Bernard Kardinal Agr� von seinem Pastoralamt in der Erzdi�zese Abidjan (Elfenbeink�ste) gem�� Can. 401, �1 des CIC an. Kardinal Agr� ist 1926 geboren und wurde am 02. M�rz diesen Jahres 80 Jahre alt.

 

 

05.05.06

Vatikan kritisiert Bischofsweihen

Die illegalen Bischofsweihen bleiben weiterhin Brennpunkt in der kirchlichen Diskussion. Die Beziehung zwischen dem Vatikan und China sind gespannt. Immer mehr kristallisiert sich heraus, dass die patriotische Vereinigung, die um eine Stellung innerhalb Chinas k�mpft, gro�en Druck auf die dortigen Bisch�fe aus�bt. Dies sagte auch der Pressesprecher des heiligen Stuhls Joaquin Navarro Valls gegen�ber Radio Vatikan. "Nach unseren Informationen waren die Bisch�fe starkem Druck und Drohungen von Kr�ften au�erhalb der Kirche ausgesetzt, damit sie an der Bischofsweihen teilnehmen. Sie sind ohne p�pstliche Zustimmung geschehen und daher illegal und dar�ber hinaus auch noch gegen das Gewissen vieler Bisch�fe. Einige Bisch�fe haben sich dem Druck widersetzt, w�hrend andere sich der Tatsache unter gro�er innerer Qual ergeben haben."
Die gro�e Entt�uschung des Papstes sei auch ein Zeugnis f�r die ernsthaften Bem�hungen zwischen dem heiligen Stuhl und China in den letzten Jahren: "Daher der Schmerz und die Ernsthaftigkeit mit der der Vatikan diese Sache behandelt. Wenn es wirklich stimmt, dass bald weitere illegale Bischofsweihen unter diesen Umst�nden stattfinden sollen, muss der heilige Stuhl die Notwendigkeit des Respekts der Freiheit der Kirche und der Autonomie seiner Institutionen von jeder �u�erlicher Einmischung erneut bekr�ftigen. Wir w�nschen uns daher, dass sich solche gewaltsamen Zw�nge nicht wiederholen, denn das k�nnen wir nicht akzeptieren. Der heilige Stuhl hat bei unterschiedlichen Gelegenheiten seine Bereitschaft zu einem ehrlichen und konstruktiven Dialog mit den chinesischen Autorit�ten bekr�ftigt, um L�sungen zu finden, die die berechtigten W�nsche beider Seiten zufrieden stellen."
Der Bischof von Hongkong, Kardinal Joseph Zen, hat unterdessen gegen�ber italienischen Medien erneut seine Kritik an den Weihen bekr�ftigt. Er sei f�r eine "harte Linie gegen die Einmischungen aus Peking", um nicht jede Glaubw�rdigkeit zu verlieren. Er zweifle am Willen Pekings, einen aufrichtigen und transparenten Dialog zu f�hren. Das Problem liege aber wohl vor allem bei der Patriotischen Vereinigung, weniger bei der Regierung. Der Vatikan m�sse jetzt auf offizieller Ebene verhandeln. (rv)

 

 

05.05.06

Schweizergarde

500 Jahre Schweizergarde - heute Abend kommt es zum gro�en Festakt in der vatikanischen Audienzhalle. Im Jahr 1506 lie� der Renaissancepapst Julius II. die ersten Schweizer S�ldner zu seinem pers�nlichen Schutz in den Vatikan kommen. Die Eidgenossen hatten den Ruf besonders unerschrockener Krieger. Was ist heute das, was man den "Geist" der Garde nennen k�nnte? Das fragten wir deren Kommandant Elmar M�der. "Einerseits ist es sicher die Spiritualit�t, die nach wie vor beim Schweizer Gardisten da ist, wie vor f�nfhundert Jahren. Der Dienst f�r die Kirche, f�r den Papst, das ist das zentrale Element unseres Dienstes. Die Kameradschaft ist auch ein wesentliches Element dieses Geistes: Junge M�nner, die hier zusammen kommen und gute Junggesellenjahre miteinander erleben wollen, und auch einen wesentlichen Schritt in ihrer Pers�nlichkeitsentwicklung machen."
Vor 25 Jahren - am 13. Mai 1981 - kam es zu dem schrecklichen Anschlag auf Johannes Paul II. mitten auf dem Petersplatz. Ein Alptraum f�r seinen pers�nlichen Sicherheitsdienst. Kein Schweizer Gardist der Welt h�tte dieses Attentat verhindern k�nnen. Nun f�hrt Papst Benedikt wieder im offenen Jeep bei der Generalaudienz. Ein Sicherheitsrisiko?
"Also Angst habe ich keine. Ich sch�tze pers�nlich das Risiko f�r den Heiligen Vater zur Zeit als sehr gering ein. Ich denke nicht, dass jemand politisch oder religi�s motiviert etwas unternehmen wollte. Wir k�nnen ja auch den Papst nicht hinter Panzerglas stellen, denn er ist kein Ausstellungsobjekt, sondern der Stellvertreter Christi, und er muss mit den Menschen in Kontakt kommen, um sein Amt aus�ben zu k�nnen. Da muss die Sicherheit gewisse Konzessionen machen. Wir sind nat�rlich auch immer darauf bedacht, dem Image des Papstes keinen Schaden zuzuf�gen. Wenn wir intervenieren m�ssen, m�ssen wir uns das vielleicht sogar noch mehr �berlegen als bei anderen Staatsoberh�uptern, was wir wann tun k�nnen. Das ist eine Wanderung auf Messers Schneide."
Unterdessen gehen die Feierlichkeiten zum 500 Jahr-Jubil�um der Schweizergarde in Rom weiter. Heute steht ein Festakt in der Audienzhalle auf dem Programm. Der Schweizer Bundespr�sident Moritz Leuenberger wird ein Gru�wort sprechen, und zwei Kompositionen des Schweizer Benediktiners und Komponisten Pater Theo Flury werden aufgef�hrt: das "Te Deum" und das "Carmen saeculare", eine Meditation �ber die g�ttliche und menschliche Liebe. Am Nachmittag treffen sich ehemaligen Schweizergardisten mit ihren Familien und Angeh�rigen in der N�he des Vatikans. (rv)

 

 

10.05.06

Die  Kirche wird ihre Position zum Gebrauch von Kondomen in der Aids-Pr�vention nicht  �ndern

Das sagte Kardinal Alfonso Lopez Trujillo, der Pr�sident des P�pstlichen Familienrates, jetzt nach Angaben der "Catholic News Agency". In einem Radiointerview erkl�rte Kardinal Trujillo, der Vatikan "halte unver�ndert an der Lehre �ber Kondome fest". Entgegen vielen Medienspekulationen meinte er, Papst Benedikt XVI. habe keine Studien �ber ein neues Verbot in Sachen Kondomgebrauch in Auftrag gegeben. "Als Dikasterium haben wir keine Anweisungen, eine Studie �ber etwas Neues in Hinblick auf Kondome durchzuf�hren", betonte Trujillo. Der Leiter des P�pstlichen Krankenrates, Kardinal Javier Lozano Barragan, hatte von einer Studie seines Rates gesprochen, die derzeit zusammen mit Medizinern erstellt werde. (rv)

 

 

11.05.06

Vatikan kommentiert Menschenrechtsrat

Der neue UNO-Menschenrechtsrat soll alles besser machen als die viel gescholtene Menschenrechtskommission. Doch kaum gegr�ndet, zieht das neue UNO-Gremium Kritik auf sich. Zielscheibe ist die Wahl der Gr�ndungsmitglieder: Neben Deutschland k�nnten auch L�nder wie Iran, Kuba, Saudi-Arabien und Tunesien �ber die Menschenrechte wachen. Der Kritik schlie�t sich auch Erzbischof Silvano Maria Tomasi an, st�ndiger Beobachter des Heiligen Stuhles bei der UNO in Genf: "Eine gro�e �nderung gegen�ber der Menschenrechtskommission scheint mir das nicht zu sein. Denn wir haben mehr oder weniger dieselben Teilnehmerstaaten, inklusive einiger, die unter vielen Gesichtspunkten gewiss keine Vorbilder f�r den Schutz der Menschenrechte darstellen - von China bis Saudi Arabien. Und dennoch wurden sie mit einer beachtlichen Anzahl von Stimmen gew�hlt. Es war interessant zu sehen, wie die Vollversammlung der UNO die meisten Stimmen an afrikanische und asiatische Staaten vergeben hat, die dann Mitglieder wurden, und im Verh�ltnis dazu wenige Stimmen f�r europ�ische L�nder abfielen. Vielleicht in Hinweis, dass die welt sich nach S�den verlagert."
Eine andere Bemerkung des Vatikan-Mannes bei den Vereinten Nationen bezieht sich auf die Abwesenheit der Vereinigten Staaten, die nicht unter den Kandidaten f�r die Wahl zum Menschenrechtsrat waren. "Diese Abwesenheit k�nnte politische Folgen f�r das Funktionieren des Rates haben, der formal seine Arbeit am 19. Juni aufnimmt. Neu ist die dauerhafte �berzahl im Rat sich aus afrikanischen und asiatischen Mitgliederstaaten zusammensetzt. Das k�nnte die T�r zu neuen und sehr interessanten Entwicklungen �ffnen." (rv)

 

 

12.05.06

Papst w�rdigt "die Anima"

Papst Benedikt XVI. hat die deutsche Nationalstiftung Santa Maria dell`Anima in Rom zu deren 600. Gr�ndungstag in einer Audienz gew�rdigt. "Das Institut war und ist Heimst�tte deutschsprachiger Katholiken in Rom", so der Papst gegen�ber dem Rektor und einer Delegation der Stiftung. "Santa Maria dell`Anima gibt den Katholiken aus den L�ndern deutscher Zunge die M�glichkeit, in der eigenen Sprache zu beten, zu singen und die heiligen Sakramente der Kirche zu empfangen. Die Priester und alle Verantlade ich dazu ein, dem sakramentalen Leben in der Anima-Gemeinde stets den Vorrang vor allen anderen T�tigkeiten zu geben. Wenn der Herr im Mittelpunkt Eures pfarrlichen Lebens steht, werdet Ihr immer mehr zu einer apostolischen und missionarischen Gemeinde, die auf ihre Umgebung und vor allem auf die vielen Besucher dieser Kirche ausstrahlt."
In freier Rede f�gte Papst Benedikt eine Reihe von pers�nlichen Erinnerungen an die "Anima" ein, wie die Nationalstiftung unter den Katholiken deutscher Sprache in Rom gemeinhin hei�t. "Kardinal Frings, obwohl er Rheinl�nder war, liebte an der Anima, wie er sich ausdr�ckte, die �sterreichische Atmosph�re, die er als etwas Heiteres, Gelassenes empfand, und so durfte ich mit ihm im Oktober 1962 in der Anima Quartier beziehen und alle vier Konzilsperioden dort erleben. Schon der lauschige Eingang mit dem W�sserchen, das da sprudelt, der Stille und dem Blick auf die Kirche war etwas Bewegendes. Dann hat mir gerade gefallen, wie verwinkelt die G�nge sind, wie viel Geschichte da spricht, wie viel Herzlichkeit da ist, wie viel Menschlichkeit. Die deutsche Bischofskonferenz hat unten im Bibliotheksraum w�chentlich ihre Tagungen gehalten, sodass die wesentlichen Konzilsentscheidungen der deutschen Bischofskonferenz in jenem Raum gereift sind."
Besonders die Kirche der "Anima", sagte Benedikt den Mitarbeitern der Nationalstiftung, war ihm zu jenen Zeiten ein Zuhause; "wo damals noch jeden Morgen rund um die Alt�re herum die einzelnen Anwesenden zelebrierten und sich auch um irgendeine Art von Ministranten ein wenig raufen mussten, wenn man es so ausdr�cken darf, aber doch in dem heiligen Frieden des Gotteshauses und des Geheimnisses, das wir gefeiert haben. Und der Blick auf das Grab Hadrian VI. hat uns ja sp�ren lassen, wie schwere Zeiten es in der Kirche geben kann und wie Gott sie doch durch alle hindurch f�hrt."
Papst Innozenz VII. hatte die Stiftung Santa Maria dell`Anima mit seiner Bulle "Piae postulatio" 1406 gegr�ndet. Zum Jubil�um finden ein feierlicher Gottesdienst und Ende Mai ein zweit�giger Kongress zur Geschichte der "Anima" statt. (rv)

 

 

12.05.06

"Das Sakrileg" von Dan Brown.

Buch und Film �Sakrileg“ von Dan Brown sind ein mehr oder weniger gutes M�rchen. Mit Geschichte haben sie nichts zu tun. Jeder Historiker kann viele Fehler entdecken. Wir gehen hier einigen nach.
1. In Sakrileg“ wird behauptet, Jesus sei mit Maria Magdalena verheiratet gewesen, und sie h�tten ein Kind gehabt.
Das ist reine Phantasie, reine Erfindung. In der Bibel und in anderen Quellen des Altertums weist nichts darauf hin. Jesus wird nat�rlich durch diese Behauptung f�r manche �interessanter“, aber mit Historie hat das nichts zu tun. Im Gegenteil: die historischen Quellen gehen davon aus, dass Jesus unverheiratet war – wie auch die Mitglieder der Sekte der Essener. Es war auch zu Jesu Zeit, wo normalerweise alle verheiratet sein mussten, nicht ungew�hnlich, dass geistbegabte und religi�s suchende Menschen unverheiratet blieben. Die Behauptung, Jesus sei verheiratet gewesen, ist eine freie Erfindung. Auch kirchen- und bibelkritische Wissenschaftler haben dies nie ernsthaft behauptet.

2. �Sakrileg“ behauptet, Kaiser Konstantin habe ums Jahr 320 die urspr�nglichen Quellen �ber Jesus vernichten und dann umschreiben lassen. Vorher sei Jesus immer nur als au�ergew�hnlicher Mensch dargestellt, nie aber als Gott bezeichnet worden. Konstantin habe ihn verg�ttlichen lassen.

Diese These wird durch die heute immer noch kontrollierbaren alten Quellen widerlegt. Handschriften und anderen Quellen, die wir kennen, stammen aus der Zeit v o r Kaiser Konstantin. Sie werden best�tigt durch neuste Papyrusfunde. Die Fachwelt verschiedenster Konfessionen wei�, dass die Evangelien zwischen dem Jahr 60 und 110 geschrieben wurden. Die Behauptung Dan Browns, die Evangelien, die wir heute lesen, seien erst unter Kaiser Konstantin verfasst worden, kann von keinem Wissenschaftler ernst genommen werden.

3. �Sakrileg“ behauptet, die katholische Kirche habe in den ersten Jahrhunderten alles Weibliche unterdr�ckt. Vor allem das �g�ttlich Weibliche“ sei bek�mpft worden. Vorher habe es den �heidnisch matriarchalischen Mutterkult“ gegeben, der dann vor allem durch Kaiser Konstantin zum �patriarchalischen Christentum“ geworden sei.

Das ist eine Erfindung: Seit Jahren stellen die Fachleute verschiedenster Konfessionen fest, dass Jesus und die Bibel die Frauen im Vergleich zu ihrer Umwelt unglaublich aufgewertet haben. Jesus zeigte keinerlei Angst vor dem Weiblichen, nahm die Frauen im Vergleich zu seiner Umwelt ernst, lie� sich auf sie ein. In den Evangelien wurden die Frauen insgesamt aufgewertet. Dar�ber ist sich die Fachwelt aller Konfessionen einig. Bis zum Entstehen des Christentums mussten Frauen in der Regel heiraten, das Christentum gab ihnen die Freiheit, auf die Ehe um des Himmelreiches zu verzichten, was viele Frauen mit Freuden und freiwillig taten.

4. �Sakrileg“ sagt, das Opus Dei sei ein �Orden“ oder eine �Sekte“, deren Mitglieder Ordensgew�nder tragen.

Das ist nachpr�fbar falsch. Das Opus Dei ist weder ein Orden noch eine Sekte, denn in Orden leben �Ordensleute“ (z.B. Benediktiner, Franziskaner, Dominikaner, Jesuiten). Die meisten Mitglieder des Opus Dei aber sind Laien, Christen, die nicht in Ordensh�usern oder Kl�stern leben, die ohne Ordensgewand in verschiedensten b�rgerlichen Berufen arbeiten. Die meisten Ordensm�nner sind Priester, die meisten Ordensfrauen tragen eine Ordenstracht, woran sie erkannt werden k�nnen. Unter �Sekte“ versteht man eine Gruppe, die sich von einer religi�sen Gemeinschaft abgespalten hat, das Opus Dei hat sich nicht abgespalten, sondern wei� sich im Gegenteil ganz im Herzen der katholischen Kirche.

5. �Sakrileg“ klagt die katholische Kirche an, f�r Millionen von Hexenverbrennungen verantwortlich zu sein.

Das ist sehr �bertrieben: Die allermeisten Hexenverbrennungen wurden nicht von kirchlichen, sondern von weltlichen Gerichten angeordnet. Auf das Konto der evangelischen Kirche gehen etwa gleich viele Verbrennungen wie auf das Konto der katholischen Kirche. �Sakrileg“ behauptet, es seien 5 Millionen �Hexen“ verbrannt worden, richtig ist: etwa 20.000 bis 50.000. (Auch das ist ein Verbrechen). In mehrheitlich �katholischen Staaten“ gab es keine oder nur sehr wenige Hexenprozesse, z.B. Italien, Spanien und Irland.


Weitere kleinere Fehler von Dan Brown
6. �Sakrileg“ behauptet, �tausende von J�ngern“ h�tten das Leben Jesu aufgeschrieben.
Es waren vielleicht zwei Dutzend. Jesus hatte gar nicht tausende von J�ngern. Wie viele von ihnen lesen und schreiben konnten, ist wohl auch nicht ganz klar.

7. �Sakrileg“ behauptet, die Schriftrollen vom Toten Meer geh�ren zu den �fr�hesten christlichen Dokumenten“
Die Schriftrollen sind keine christlichen Dokumente, sondern j�dische aus der Zeit zwischen 300 und 100 vor Christus.

8. �Sakrileg“ unterstellt, dass der Vatikan die Schriftrollen vom Toten Meer oder Qumranrollen unter Verschluss hielt und verbarg.
Richtig ist, dass die israelische Antikenverwaltung sie verwahrt hat und verwahrt, fr�her die jordanische. Der Vatikan hat damit �berhaupt nichts zu tun.

9. �Sakrileg“ behauptet, dass die apokryphen �Evangelien“ �lter sind als die Evangelien der Bibel. Apokryphe Texte sind Schriften �ber Jesus und die Apostel, die von der Kirche in den ersten Jahrhunderten nicht in die Bibel aufgenommen wurden.
Richtig ist, dass die apokryphen Schriften meist j�nger sind als die Evangelien der Bibel.

10. �Sakrileg“ behauptet, j�dische Rabbiner m�ssten verheiratet sein, daher sei Jesus verheiratet gewesen.
Richtig ist, dass z. B. die M�nche der Essener zur Zeit Jesu nicht verheiratet waren ebenso wie andere besondere religi�se Pers�nlichkeiten. Normale Rabbiner waren verheiratet. Jesus war ein �normaler Rabbiner“, denn alle fragten sich, woher er sein Wissen habe.

11. Sakrileg“ behauptet, die Kirche habe vor allem Kr�utersammlerinnen und Naturliebhaberinnen verfolgt.
Das ist falsch. Jeder Historiker wei�, dass gerade in Kl�stern wundervolle Kr�uterg�rten entstanden, dass die �Kr�utermedizin“ hoch im Kurs war.

12. �Sakrileg“ behauptet, Leonardo da Vinci habe �hunderte von lukrativen Auftragswerken f�r den Vatikan“ gemalt.
Leonardo hat nur 17 Bilder gemalt.

13. �Sakrileg“ behauptet, der heilige Gral – ein Kelch – sei eines der wichtigsten Reliquien der Christen gewesen.
Die wichtigsten Reliquien im Lauf der Geschichte waren das Kreuz Christi (oder Teile vom Kreuz), die vermuteten Gebeine des heiligen Jakobus in Santiago de Compostela, das �Schwei�tuch der Veronika“. Der �heilige Gral“ ist eine mythologische Figur, die historisch sehr umstritten ist.

Woher der Erfolg von �Sakrileg“?
Menschen, die heute B�cher lesen, interessieren sich f�r drei Bereiche, die das Buch meisterhaft aufgreift:
* Geschichte: es gibt einen Boom von B�chern �ber geschichtliche Themen.
* Religion: Der Einfluss der Kirchen schwindet, die Menschen suchen aber nach Religion. Daher boomt auch der religi�se Markt.
P. Eberhard v. Gemmingen SJ
�Sakrileg“ ist nicht nur ein Thriller, es ist vor allem ein M�rchen. Wenn es nicht den Anspruch der historischen Wahrheit erheben w�rde, k�nnte man l�cheln. Aber das Buch n�tzt die Leichtgl�ubigkeit und Unkenntnis von Millionen aus und greift verbreitete Kirchenkritik und Skepsis gegen Gro�organisationen auf. Wer sich in der Literatur auskennt, wei�, dass er von vielen anderen Autoren abgeschrieben und neu komponiert hat. In ein paar Jahren wird niemand mehr von Dan Brown sprechen – w�hrend immer noch von Dante, Shakespeare, Moliere und Goethe gesprochen wird. Lassen wir gelassen Dan Brown an uns vorbeiziehen. Man muss das Buch nicht lesen und den Film nicht sehen.
* Verschw�rung: Obwohl die Welt durch die Medien so durchsichtig wird, w�chst der Verdacht, es gebe viele Verschw�rungen. (rv)

 

 

13.05.06

Papst-Attentat vor 25 Jahren

 

Auf dem Petersplatz ist heute Morgen ein wei�er Gedenkstein eingesetzt worden. Die Marmorplatte, 40 x 40 Zentimeter gro�, erinnert ab sofort an das Attentat auf Papst Johannes Paul II. am 13. Mai 1981, also vor genau 25 Jahren. Die Platte zeigt das Datum sowie das Wappen des polnischen Papstes, das M unter dem Kreuz. Sie ersetzt den roten Pflasterstein kurz vor der Einfahrt in den linken Kolonnadenbogen. Dieser war so klein, dass er bisher nur Eingeweihten als Erinnerungsst�tze dienen konnte.
Zum Jahrestag des Attentats organisierte das r�mische Pilgerwerk einen nationalen Wallfahrtstag zu Ehren Johannes Pauls und der Madonna von Fatima. Am 13. Mai 1917 erschien die Jungfrau den drei Hirtenkindern von Fatima erstmals, und Johannes Paul II. hatte sein �berleben stets auf die Hilfe der Gottesmutter von Fatima zur�ckgef�hrt. Eine der beiden Kugeln, die den Papst an Magen und Hand trafen, lie� er in die Krone der Statue einarbeiten. 1982, auf den Tag ein Jahr nach dem Attentat, besuchte Johannes Paul den portugiesischen Wallfahrtsort:
�Ich bin heute hierher gekommen, gerade weil am selben Tag des vergangenen Jahres auf dem Petersplatz in Rom das Attentat auf den Papst geschehen ist, ein Ereignis, das auf geheimnisvolle Weise zusammentraf mit dem Jahrestag der ersten Erscheinung von Fatima. Diese beiden Daten sind derart zusammengetroffen, dass ich glaube, darin einen besondern Ruf zu diesem Besuch heute und hier zu erkennen. Uns so bin ich nun hier. Ich bin gekommen, um der g�ttlichen Vorsehung an diesem Ort zu danken, den die Gottesmutter in so auffallender Weise erw�hlt zu haben scheint.“
Pilgerwerkschef Liberio Andreatta sagt zur Fatima-Verehrung des polnischen Papstes:
�Die Madonna von Fatima hat den Hirten aufgetragen, das Rosenkranzgebet immer wieder zu wiederholen. Johannes Paul sagte, der Rosenkranz ist das Brevier der Christen. Vor allem ist er unsere Waffe, mit der wir uns gegen die Gefahren f�r den Glauben wehren k�nnen.“
Vor 25 Jahren hielt die Welt den Atem an, die Bilder vom Papst der schmerzverzerrt im offenen Wagen zusammenbricht gingen wie ein Lauffeuer um die Welt. Die Italiener, die wie viele vom "Verbrechen des Jahrhunderts" sprechen, veranstalteten heute ein show-�hnliches Programm in der vatikanischen Audienzhalle. Im Beisein von Vertretern aus Staat und Gesellschaft ging es um Aspekte des Pilgerns und des katholischen Lebens. Am Nachmittag traf die Marienstatue aus dem portugiesischen Wallfahrtsort in Rom ein.
�Den Pilgern bleibt vor allem die Erinnerung an einen Papst, der sein ganzes Leben Maria gewidmet hatte. Dieses �Totus tuus’, �ganz dein’, galt f�r sein geistiges Leben, aber er hat es vor allem in dieser Hingabe an Maria zum Ausdruck gebracht, in dieser Dankbarkeit, gegen�ber der Madonna von Fatima, der Muttergottes, die f�r ihn wirklich wie eine Mutter war.“
Zuletzt war die Statue im Heiligen Jahr 2000 aus dem portugiesischen Pilgerort nach Rom gebracht worden. In feierlicher Prozession brachten zehntausende Menschen sie von der Engelsburg zum Petersplatz. Am fr�hen Abend steht eine Messfeier mit Kardinalvikar Camillo Ruini auf dem Programm. Und dann, Liberio Andreatta?
�Wir veranstalten eine gro�e Gedenkfeier zu Ehren Johannes Pauls II., mit Fahnenschwingern auf dem Petersplatz, mit der Kapelle der r�mischen Stadtwache und am Ende wird der Himmel voll sein mit blauen und gelben Luftballons – zu Ehren Johannes Pauls II.“
F�r die Pilger heute also kein Trauer- sondern ein Freudentag. Der Attent�ter Mehmet Ali Agca wurde im Jahre 2000 begnadigt. In der T�rkei nahm man ihn wegen des Mordes an einem Journalisten im Jahr 1979 wieder in Haft. Im Januar dieses Jahres kam Agca f�r kurze Zeit frei. Kurz darauf entschied ein Berufungsgericht, Agca m�sse wenigstens bis zum Jahre 2014 im Gef�ngnis bleiben. Immer wieder gibt es Ger�chte und Berichte, das Attentat auf den Papst aus Polen sei von Sowjet-Geheimdiensten gesteuert gewesen. Aufgekl�rt wurde es nie.
Johannes Paul II. hatte seinem Attent�ter sofort vergeben. Nur vier Tage nach dem Anschlag wandte er sich in einer Radiobotschaft an die Welt au�erhalb der Gemelliklinik. Seine Stimme schwach, seine Botschaft keine zehn Zeilen lang:
�Liebe Br�der und Schwestern, ich wei�, dass ihr in diesen Tagen und speziell in dieser Stunde mit mir verbunden seid. Ich danke euch bewegt f�r eure Gebete und segne euch alle. Ich bin besonders den beiden Personen nahe, die mit mir verletzt wurden. Ich bete f�r den Bruder, der auf mich geschossen hat. Ich habe ihm aufrichtig vergeben. Vereint mit Christus, Hoherpriester und Opferlamm, opfere ich meine Leiden auf f�r die Kirche und f�r die Welt. Dir, Maria, wiederhole ich: Ich bin ganz dein.“ (rv)

 

 

13.05.06

Bayern beim Papst

Heimat ist mehr als ein geographischer Begriff. Das sagte Papst Benedikt XVI. heute vor einer farbenfrohen Delegation aus seiner Heimat Bayern: Der Bund der bayerischen Gebirgssch�tzen, angef�hrt vom M�nchner Erzbischof Kardinal Friedrich Wetter, war am Vormittag zu Gast im Apostolischen Palast.
Es ist zwar nicht mehr Eure Aufgabe, wie in vergangenen Jahrhunderten das Land mit der Waffe in der Hand gegen �u�ere Feinde zu verteidigen - Gott sei Dank, sagte der Papst den Gebirgssch�tzen. Doch heute drohten Gefahren, die vielleicht sogar noch ernster sind, weil man sie h�ufig gar nicht als solche erkennt.
Nach zwei Weltkriegen gibt es viele Menschen, die gleichsam entwurzelt sind, die nie erfahren haben, was Heimat bedeutet, wie sehr ein Beheimatet-Sein dem Menschen innere Sicherheit verleihen kann, weil es eben mehr ist als ein rein geographisches Faktum. F�r uns beinhaltet es zugleich eine Verwurzelung im christlichen Glauben, der Bayern und ganz Europa zutiefst gepr�gt hat und der unserem Leben seinen eigentlichen, in allen Wirnissen best�ndigen und verl�sslichen Sinn verleiht.
Dieser Glaube habe sich in Bayern wie auch in anderen Regionen spezielle Ausdrucksformen geschaffen:
"Von der barocken Pracht unserer Kirchen, die wir so lieben, bis zum bescheidenen Wegkreuz zwischen den Feldern, das wie eine innere Wegweisung dasteht. Von den feierlichen Fronleichnamsprozessionen bis zu kleinen Pilgerg�ngen zu den zahlreichen Wallfahrtsorten, von der gro�en Kirchenmusik, die uns teuer ist, bis zum alpenl�ndischen Volkslied…. Die bayerische Volkskultur macht in ihren mannigfaltigen Ausdruckformen die tiefe, unzerst�rbare Freude sichtbar, die Jesus Christus uns schenken wollte, als er sagte: 'Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben, und es in F�lle haben' (Joh 10, 10). (rv)

 

 

13.05.06

Der Papst kommt nach Spanien

Das hat Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls nun offiziell best�tigt. Anlass der Reise am 8. und 9. Juli des Jahres ist das f�nfte Weltfamilientreffen, das in Valencia stattfindet. Die Veranstalter erwarten 4.000 Bisch�fe und zehntausende Gl�ubige. (rv)

 

 

14.05.06

Papst sieht wichtigen Beitrag Bulgariens f�r Europa

Papst Benedikt XVI. hofft, dass durch den bevorstehenden EU-Beitritt Bulgariens Europa neuen �spirituellen Elan“ gewinne. Gerade junge Menschen br�uchten spirituelle und moralische Werte, damit Europa nicht nur ein gro�er Marktplatz von im �berfluss vorhandenen G�tern werde, sagte der Papst beim Antrittsbesuch des neuen bulgarischen Botschafters beim Heiligen Stuhl, Valentin Bozhilov. Durch die Slawenapostel Cyrill und Methodius habe der christliche Glaube im 9. Jahrhundert Menschen anderer Sprachen und Kulturen erreicht. So seien sie ein Vorbild f�r den Dialog der Kulturen geworden. Ganz Europa k�nne Zeuge und Botschafter des notwendigen Dialogs zwischen den Kulturen und Religionen f�r die Welt werden, meinte Benedikt XVI. gegen�ber dem Botschafter. Europa m�sse sich f�r eine �gerechte Verteilung der G�ter auf der Welt, f�r eine wirkliche Entwicklung Afrikas und f�r die Korrektur des ungerechten Ungleichgewichts zwischen Nord und S�d“ einsetzen. Denn dieses f�hre immer wieder zu Spannungen und gef�hrde den Frieden.
Am Dienstag wird in Br�ssel eine Entscheidung �ber den Zeitpunkt des EU-Beitritt von Bulgarien und Rum�nien erwartet. Eine Empfehlung, beide Staaten schon zum 1. Januar 2007 als Vollmitglied aufzunehmen, gilt als unwahrscheinlich. F�r eine Verschiebung um ein Jahr gibt es aber keine Mehrheit. Bulgarien wird vorgeworfen, es habe bislang nicht genug gegen Korruption, organisierte Kriminalit�t und Menschenhandel unternommen.
(rv)

 

 

17.05.06

Papst freut sich auf Polenreise

Papst Benedikt XVI. freut sich auf seine zweite Auslandsreise, die ihn n�chste Woche in die Heimat seines Vorg�ngers, also nach Polen f�hrt. Bei der Generalaudienz heute auf dem Petersplatz sagte der Papst in einem Gru�wort in polnischer Sprache: "Dier Besuch in Polen wird das Motto haben: Bleibt stark im Glauben. Ich bitte euch und die Kirche in Polen schon heute, daf�r zu beten, dass wir uns in diesen Tagen durch Gottes Gnade gegenseitig im Zeugnis des Glaubens best�rken k�nnen. Dabei m�ge uns der Diener Gottes, Johannes Paul II., begleiten."
Von Donnerstag bis Sonntag will der Papst in Polen Orte des Wirkens seines Vorg�ngers besuchen. Au�erdem wird er auch auf dem Gel�nde des fr�heren Konzentrationslagers Auschwitz beten. (rv)

 

 

19.05.06

Zur Premiere einer Fiktion

Skandale sind gut f�r die Publicity – doch schlechte Filme haben noch kaum einem Festival gen�tzt. Die Filmfestspiele von Cannes er�ffneten gestern mit �Sakrileg - The Da Vinci Code“. Schon die professionellen Kinokritiker hatte kein gutes Haar an der umstrittenen Roman-Verfilmung gelassen, nun ist er auch bei der Publikumspremiere durchgefallen. Die Reaktionen aus Kirchenkreisen auf das Werk schwanken von Boykottaufrufen bis h�chster Gelassenheit. Gegen�ber Radio Vatikan �u�erte sich nun Angelo Amato, der Sekret�r und damit �Zweite Mann“ der Glaubenskongregation, so:

�Es ist einfach so, dass man heute ungestraft vom Papst schlecht reden kann. Das geschieht zum Beispiel gerade in Deutschland in dem Zeichentrickfilm �Popetown“. Man kann auch die Geschichte des Christentums verf�lschen ohne den kleinsten Respekt f�r geschichtliche Ethik - von religi�sem Respekt will ich gar nicht erst reden. Alles, was in Da Vinci Code steht, scheint wirklich ohne reale Grundlage zu sein. Deshalb ist es wirklich eine Verleumdung der Kirche, die darauf ausgelegt ist, die Kirche in Misskredit zu bringen.“

Eine offizielle Verurteilung des Romans bzw. des Films des Vatikans wird es dennoch nicht geben, glaubt Amato.

�Meiner Ansicht nach verdient es das Buch nicht. Denn es verzichtet auf jede geschichtliche und biblische Grundlage. Immerhin sollten die christlichen Gemeinschaften ihre Stimme erheben und die Wahrheit von den D�chern schreien, wie das Evangelium es ausdr�ckt. So ist der L�ge entgegenzutreten, die leider jedes Mittel der medialen �berredungskunst nutzt, um diesen Massenkonsens zu erreichen. (rv)

 

 

19.05.06

Verbot f�r den Gr�nder der “Legion�re Christi”

Der Gr�nder der Legion�re Christi, der Priester Marcial Maciel Dellogado, darf in Zukunft nicht mehr �ffentlich auftreten, sondern soll "ein Leben des Gebetes und der Bu�e" f�hren. Das hat die vatikanische Glaubenskongregation heute bekannt gegeben. Sie reagiert damit auf den wiederholten Vorwurf, der 85-j�hrige Mexikaner habe sich fr�her an jungen M�nnern vergangen. Der Vatikan verzichte wegen Maciels vorger�cktem Alter auf einen kirchenrechtlichen Prozess und bitte den Angeklagten gleichzeitig, kein �ffentliches Amt mehr wahrzunehmen, hie� es in einer Mitteilung des vatikanischen Pressesaals. Seit 1998 seien in der Glaubenskongregation Klagen gegen den Gr�nder der Legion�re Christi eingegangen. Die Kurienbeh�rde habe den Fall eindringlich gepr�ft und dem Papst vorgelegt. Marcial Maciel hatte sich 2005 aus der Leitung der katholischen Bewegung zur�ckgezogen. Den Legion�ren Christi geh�ren 500 Priester, 2.500 Seminaristen und 65.000 Laien an. Au�erdem betreiben sie zw�lf Universit�ten, darunter eine in Rom. (rv)

 

 

21.05.06

Neuer Pr�fekt der Kongregation f�r die Evangelisierung der V�lker

Papst  Benedikt der XVI. hat heute den Erzbischof von Bombay, Kardinal Ivan Dias, zum  neuen Pr�fekten der Kongregation f�r die Evangelisierung der V�lker  ernannt. Er l�st Kardinal Crescenzio Sepe ab, der als Erzbischof nach Neapel geht. Dias  ist 1936 geboren und stand lange Jahre im diplomatischen Dienst des Heiligen  Stuhls, unter anderem auch in den schwierigen Jahren von 1991 bis 1997 in  Albanien. 1996 wurde er zum Erzbischof von Bombay ernannt und 2001 von Papst  Johannes Paul II zum Kardinal kreiert. Die "Missionskongregation" gilt als  wichtiges Dikasterium, da ihr in den Missionsgebieten der Erde die unmittelbare  Aufsicht �ber die kirchlichen Strukturen zukommt. (rv)

 

 

22.05.06

Papst in Polen: Zahlen, Daten, Fakten

Es ist die erste Auslandsreise, die der neue Papst selbst beschlossen hat, denn der Weltjugendtag von K�ln, an dem Benedikt XVI. letzten Sommer teilnahm, war ja noch von seinem kurz zuvor verstorbenen Vorg�nger Johannes Paul II. auf den Weg gebracht worden. Mit dieser Reise will Benedikt Gott und der polnischen Kirche f�r das Geschenk eines Johannes Paul II. danken und damit das Pontifikat seines Vorg�ngers gewisserma�en zu Ende f�hren.
Der Start in Warschau bedeutet nicht, dass Benedikt XVI. sich an das Procedere seines Vorg�ngers halten will, gro�e Reisen immer in der Hauptstadt zu beginnen. Stattdessen wollte Benedikt auf dem fr�heren Heldenplatz, jetzt Pilsudskiplatz in Warschau die Messe feiern, wie Johannes Paul II. es an Pfingsten 1979 bei seiner ersten Reise als neugew�hlter Papst noch zur Zeit des kommunistischen Regimes getan hatte.

Das Motto der Reise hei�t: "Steht fest im Glauben" (1 Kor 16,13).
Programm:
Donnerstag, 25. Mai
8.40 Uhr: Flug von Roma-Ciampino nach Warschau. Entfernung: 1.320 km; Flugzeit: 2h 20.
11.00 Uhr: Ankunft auf dem Flughafen Warschau/Okecie. Ansprache des Pr�sidenten Lech Kaczynski. Ansprache des Papstes.
11.45 Uhr: Fahrt zur Kathedrale von Warschau.
12.30 Uhr: In der Kathedrale Treffen mit dem Klerus. Gru�wort von Kardinal Jozef Glemp, Ansprache des Papstes.
13.30 Uhr: Mittagspause im Palais des Erzbischofs von Warschau, anschl. Fahrt zur Nuntiatur.
17.30 Uhr: H�flichkeitsbesuch beim Pr�sidenten in dessen Palais. Keine Ansprachen.
19.00 Uhr: �kumenische Begegnung in der Lutherischen Dreifaltigkeitskirche von Warschau. Gru�wort des Pr�sidenten des Polnischen Kirchenrates, des orth. Erzbischofs Jeremia. Ansprache des Papstes.
Freitag, 26. Mai
9.30 Uhr: Messfeier auf dem Pilsudski-Platz in Warschau. Gru�wort von Kardinal Glemp, Predigt des Papstes.
15.45 Uhr: Abflug von Warschau.
17.15 Uhr: Ankunft im Marienwallfahrtsort Tschenstochau. Entfernung von Warschau: 200 km.
17.30 Uhr: Besuch im Kloster auf dem Schwarzen Berg (Jasna Gora)
18.00 Uhr: Treffen mit Ordensleuten, Seminaristen und Bewegungen in der Basilika von Jasna Gora. Gru�wort von Erzbischof Stanislaw Nowak. Ansprache des Papstes.
19.15 Uhr: Weiterflug nach Krakau. Entfernung von Tschenstochau: 100 km.
20.00 Uhr: Ankunft in Krakau, Weiterfahrt und �bernachtung im Erzbisch�flichen Palais.
Samstag, 27. Mai
9.30 Uhr: Fahrt in den Geburtsort Johannes Pauls II., Wadowice. Entfernung von Krakau: 59 km.
10.30 Uhr: Ankunft in Wadowice und Besuch in der Basilika.
10.45 Uhr: Besuch im Geburtshaus von Johannes Paul II.
11.00 Uhr: Treffen mit der Bev�lkerung auf dem Rynek-Platz. Gru�wort von Kardinal Stanislaw Dziwisz. Ansprache des Papstes.
11.30 Uhr: Weiterfahrt in den Wallfahrtsort Kalwaria Zebrzydowska. Entfernung von Wadowice: 13 km.
12.00 Uhr: Ankunft in Kalwaria. Besuch der Marienkirche.
12.15 Uhr: Weiterfahrt nach Krakau. Entfernung von Kalwaria: 46 km. Zwischenstopp an der neuen Kirche der G�ttlichen Barmherzigkeit von Lagiewniki (dort kurzes Gebet um 13.00 Uhr).
13.45 Uhr: Ankunft in Krakau, Mittagspause.
18.00 Uhr: Besuch der Kathedrale auf dem Wawel, der historischen K�nigsburg Polens.
18.45 Uhr: Treffen mit polnischen Jugendlichen im Krakauer Blonie-Park. Gru�wort von Kardinal Stanislaw Dziwisz. Predigt des Papstes. Segnung des Grundsteins eines "Johannes-Paul-II.-Zentrums".
Sonntag, 28. Mai
9.45 Uhr: Messfeier und Regina-Coeli-Gebet im Blonie-Park von Krakau. Gru�wort von Kardinal Stanislaw Dziwisz. Predigt des Papstes.
12.15 Uhr bis 15.45 Uhr: Im Erzbisch�flichen Palais von Krakau.
16.00 Uhr: Fahrt nach Auschwitz. Entfernung von Krakau: 60 km.
17.00 Uhr: Ankunft auf dem Gel�nde des fr�heren KZ Auschwitz. Begegnung mit einigen �berlebenden, Gebet in der Todeszelle in Block 11.
17.15 Uhr: Besuch im Dialog- und Gebetzentrum von Auschwitz.
17.30 Uhr: Gebet im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Friedensgebet des Papstes auf deutsch; Ansprache des Papstes auf italienisch.
18.30 Uhr: Fahrt von Auschwitz-Birkenau zum Flughafen von Krakau. Entfernung: 52 km.
19.15 Uhr: Abschieds-Zeremonie auf dem Flughafen von Krakau. Ansprache des Pr�sidenten, Ansprache des Papstes.
20.00 Uhr: Abflug nach Rom. Entfernung von Krakau: 1.304 km. Flugzeit: 1h 50.
21.50 Uhr: Ankunft in Rom-Ciampino, Weiterfahrt in den Vatikan. ( rv)

 

 

25.05.06

Papst in Warschau

Papst Benedikt XVI. ist auf dem Warschauer Flughafen eingetroffen. Kurz nach elf Uhr setzte der Airbus mit dem Papst an Bord auf dem Rollfeld auf. Benedikt XVI. kam l�chelnd die Gangway hinunter, verzichtete aber auf den von seinem Vorg�nger her gewohnten Bodenku�. Nach einem H�ndedruck mit Pr�sident Lech Kaczynskyi wechselte der Papst ein paar Worte mit dem Warschauer Primas, Kardinal Joseph Glemp. Danach wurden die vatikanische und die polnische Hymne intoniert. Benedikt verneigte sich vor der Fahne des Gastlandes und sagte auf polnisch: "Danke, Soldaten."
Kaczynski erkl�rte in seiner Ansprache: "Wir haben, Heiliger Vater, vom Anfang Ihres Pontifikats an auf Sie gewartet." Er sei stolz, dass Polen gewissermassen Ziel der ersten Auslandsreise Benedikts sei, und danke daf�r, wie der Papst die Arbeit seines Vorg�ngers, "des gr��ten Sohns der polnischen Erde", fortsetze. Polens Traditionen gr�ndeten auf dem katholischen Glauben: "Polnisch sein, das hei�t auch Pluralismus und nicht geistige Enge." Der Pr�sident, der als EU-kritisch gilt, erw�hnte die Mitgliedschaft seines Landes in der EU, betonte aber, Polen wolle die Zukunft des B�ndnisses aus christlichem Geist mitgestalten.
An den Papst gewandt, r�hmte der Pr�sident "den gr��ten Theologen der Gegenwart". "Zu den Polen kommt ein Hirte aus Deutschland - das ist ein Wink Gottes, denn Polen und Deutsche sind sich sehr nahe, oft getrennt durch die Geschichte, doch die Gegenwart gibt uns das beste Zeichen einer Zusammenarbeit zwischen einem Polen und einem Deutschen." Vers�hnung zwischen beiden V�lkern k�nne im Geist des katholischen Glaubens gelingen.
Der Pr�sident erinnerte daran, dass Johannes Paul II. 1979 in Warschau ausgerufen habe: "Komm Heiliger Geist und erneuere das Angesicht dieser Erde!" Damit habe er seiner Nation zu einem moralischen Neuanfang verholfen. Die Polen seien durch Papstreisen "immer besser" geworden; er hoffe, das sei auch diesmal der Fall. Er erw�hnte auch den f�r Sonntag geplanten Besuch des Papstes in Auschwitz und sprach von einem "Zeichen f�r Vers�hnung und Frieden".

Benedikt XVI. begann seine Begr��ungsansprache in polnischer Sprache, wof�r es von den Zuh�rern Beifall gab. Anschlie�end verlasen der Papst und ein polnischer Kleriker die weiteren Teile der Rede im Wechsel - der Kleriker auf polnisch, Benedikt hingegen in italienischer Sprache. Anschlie�end stellte der Ministerpr�sident ihm das neue polnische Kabinett vor, und Kardinal Glemp pr�sentierte die Mitglieder der polnischen Bischofskonferenz.

Tausende von Menschen bereiteten dem Papst auf dem Flughafen einen warmen Empfang. Benedikt wirkte anfangs etwas gespannt, nach einer Weile dann aber lockerer und sehr herzlich. Zum Schlu� der Zeremonie gr��te Benedikt einige Zuschauer jenseits der Absperrungen bei einem kleinen "Bad in der Menge". Dann fuhr er im Papamobil, begleitet von Kardinal Glemp und seinem Sekret�r Mons. G�nswein, in die Innenstadt. Mittags traf er sich in der Johanneskathedrale in der Warschauer Innenstadt mit etwa 1.000 Klerikern.

Der Papst war heute Morgen kurz vor neun Uhr vom r�mischen Flughafen Ciampinoaufgebrochen. Es ist die zweite Auslandsreise von Papst Benedikt XVI. (rv )

 

 

 

Erste Rede des Papstes. Die Kerns�tze.

 

Ich freue mich, heute auf dem Boden der Polnischen Republik unter euch zu sein. So sehr habe ich mir diesen Besuch im Land und bei diesem Volk gew�nscht, aus dem mein geliebter Vorg�nger Johannes Paul II. kam. Ich bin gekommen, um den Spuren seines Lebens zu folgen, von seiner Kindheit bis zu seiner Abreise zum denkw�rdigen Konklave von 1978.
Unser gemeinsamer Weg hat zum Motto: "Bleibt stark im Glauben". Daran erinnere ich von Anfang an, um zu betonen, dass es sich nicht einfach um eine sentimentale Reise handelt, obwohl auch dieser Aspekt mit hineinspielt, sondern um einen Weg des Glaubens, der zur Mission geh�rt, die der Herr mir �ber den Apostel Petrus anvertraut hat.
Ich gr��e den Herrn Pr�sidenten ... und gr��e auch die Vertreter der orthodoxen, der evangelischen und der anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften. Das Gleiche tue ich auch mit Blick auf die j�dische Gemeinschaft und die Anh�nger des Islam. Schlie�lich gr��e ich die ganze Kirche in Polen: die Priester, die geweihten Personen, die Alumnen der Seminare, alle Gl�ubigen und vor allem die Kranken, die Jugendlichen und die Kinder. Begleitet mich in Gedanken und im Gebet, damit diese Reise f�r uns alle fruchtbar wird und unseren Glauben vertieft und st�rkt.
Ich wollte mich in zwei St�dten aufhalten, die Johannes Pau II. so am Herzen lagen: in der Hauptstadt Warschau und in seinem Erzbischofssitz Krakau. Ich will auch nicht fehlen, wenn Jugendliche sich (in Krakau) zu einer Gebetsvigil versammeln. Ich werde gern bei ihnen sein und hoffe, ein Zeugnis von ihrem jungen und kr�ftigen Glauben zu erleben. Am Sonntag werden wir uns auf der Blonie-Wiese treffen, um die Messe zum Dank f�r das Pontifikat meines geliebten Vorg�ngers zu feiern, zum Dank auch f�r den Glauben, in dem er immer sein Wort und das Beispiel seines Lebens gest�rkt hat. Und schlie�lich werde ich nach Auschwitz fahren; dort hoffe ich vor allem �berlebende des Nazi-Terrors zu treffen, die aus mehreren Nationen kommen, die die tragische Unterdr�ckung erlebt haben. Wir werden alle zusammen darum beten, dass die Wunden des letzten Jahrhunderts heilen durch die Medizin, die der gute Gott uns zeigt, wenn er uns zum gegenseitigen Verzeihen aufruft, und die er uns im Geheimnis seiner Barmherzigkeit anbietet.
"Bleibt stark im Glauben" - das ist das Motto dieser Apostolischen Reise. F�r alle, die nicht die Gnade des Glaubens haben, aber den guten Willen im Herzen, sei mein Besuch eine Zeit der Br�derlichkeit, des Wohlwollens und der Hoffnung. Diese ewigen Werte der Menschheit sind ein solides Fundament, um eine bessere Welt zu bauen, in der jeder materiellen Wohlstand und spirituelles Gl�ck finden kann. Das w�nsche ich dem ganzen polnischen Volk. (rv)

 

 

26.05.06

Papst in Polen: Alles auf einen Blick.

Auf dem Warschauer Pilsudzyki-Platz hat der Papst heute die Messe gefeiert. Dabei erinnerte er an seinen Vorg�nger Johannes Paul, der hier Ende der siebziger Jahre die Freiheitsbewegung in Polen in Gang brachte, die dann zum Sturz des Kommunismus f�hrte. Benedikt XVI. warnte vor Relativismus und rief aus: "Bleibt stark im Glauben, und gebt ihn an eure Kinder weiter!" Am Freitagabend besuchte der Heilige Vater den Marienwallfahrtsort Tschenstochau mit seinem ber�hmten Bildnis der Schwarzen Madonna, der K�nigin Polens. Dort traf er Ordensleute, Seminaristen und Vertreter neuer geistlicher Gruppen.
Papstmesse in Warschau: Benedikt warnt vor Relativismus
Es war der erste emotionale H�hepunkt dieser Papstreise: Benedikt XVI. feierte die Messe im Zentrum von Warschau. Der Pilsudski-Platz, der auch als Siegesplatz bekannt ist, hat f�r die Polen eine ganz besondere Bedeutung. Am 2. Juni 1979 rief hier der neugew�hlte polnische Papst Johannes Paul II. mitten im kommunistischen System aus: "Herr, sende aus deinen Geist und erneuere das Antlitz der Erde - dieser Erde!" Hier fanden auch - w�hrend des Kriegsrechts 1981 - die Beisetzungsfeiern f�r den so genannten Primas des Millenniums, Kardinal Wyszynski, statt.
Der gesamte Platz war voller Regenschirme; dicht gedr�ngt standen mehr als 10.000 Menschen zusammen und hielten dem Regen stand. Unter den G�sten waren auch Pr�sident Lech Kacynski und seine Frau, Politiker, vierzig Kardin�le und Bisch�fe aus dem Ausland. Thema der Messfeier war der Heilige Geist; immer wieder, wenn Benedikt XVI. ein paar Worte auf polnisch sagte, brandete Beifall auf. In einer F�rbitte in der Sprache des Nachbarlands Wei�ru�land wurden auch politische T�ne angeschlagen und der Respekt vor der W�rde jedes einzelnen Menschen angemahnt. Wei�ru�land ist eine Diktatur, in der zahlreiche Dissidenten in Haft sind oder schikaniert werden.
Am Ende des Gottesdienstes segnete der Papst das Marienbild der "Madonna Tribunalska"; polnische Parlamentarier w�nschen sich eine Erhebung der "Maria Tribunalska" zur Patronin der Abgeordneten.
Predigt des Papstes in Warschau: Die Kerns�tze.
"In der Geschichte der Kirche haben die Apostel das Wort Christi gepredigt und sich bem�ht, es ihren Nachfolgern unver�ndert weiterzugeben. Viele Prediger des Evangeliums haben aus Treue zur Wahrheit des Wortes Christi das eigene Leben gegeben. Und so ist aus der Sorge um die Wahrheit die Tradition der Kirche entstanden. So wie in den vergangenen Jahrhunderten gibt es auch heute Personen und Kreise, die, diese jahrhundertealte Tradition vernachl�ssigend, das Wort Christi verf�lschen und jene Wahrheiten des Evangeliums entfernen m�chten, die sie als unbequem f�r den modernen Menschen erkennen. Man versucht den Eindruck zu erwecken, alles sei relativ: auch die Wahrheiten des Glaubens sollen von der historischen Situation und der Bewertung durch den Menschen abh�ngen. Doch die Kirche kann den Geist der Wahrheit nicht zum Verstummen bringen. Die Nachfolger der Apostel sind, gemeinsam mit dem Papst, f�r die Wahrheiten des Evangeliums verantwortlich, und auch alle Christen sind dazu berufen, diese Wahrheit zu teilen, indem sie die die Zeichen im Glauben annehmen.
Was bedeutet es, Christus zu lieben? Es bedeutet, sich ihm auch in der Stunde der Pr�fung anzuvertrauen, ihm selbst auf dem Kreuzweg treu zu folgen. Die Liebe zu Christus verwirklicht sich durch die innere Vereinigung, durch Gebet, Lobpreisung, Dank und Reue. Nicht fehlen kann ein aufmerksames H�ren der Eingebungen, die der Herr durch sein Wort ausl�st, durch die Menschen, die wir treffen, durch Situationen des t�glichen Lebens. Ihn zu lieben bedeutet, mit ihm im Gespr�ch zu bleiben, um seinen Willen zu erkennen und ihn bereitwillig umzusetzen.
Doch den eigenen Glauben als Liebesbeziehung mit Christus zu leben, bedeutet auch die Bereitschaft, auf alles zu verzichten, was die Verneinung seiner Liebe darstellt.
Bleibt stark im Glauben, gebt ihn an eure Kinder weiter, bezeugt die Gnade, die ihr in eurer Geschichte in so �berreichem Ma� durch den Heiligen Geist erfahren habt. In euren Herzen m�ge niemals die Liebe zu Christus und zu seiner Kirche fehlen."
Papstmesse in Warschau: Das Gru�wort von Kardinal Glemp.
Der Primas Joseph Glemp erw�hnte in seinem Gru�wort, dass Warschau drei neue Br�cken �ber die Weichsel brauchte - und dass aus seiner Sicht drei geistliche Br�cken dringend repariert werden m��ten. Die erste sei die Br�cke zwischen Himmel und Erde sowie zwischen Leib und Seele. Diese Br�cke sei beispielsweise durch den Atheismus des kommunistischen Systems stark ersch�ttert worden. Heute, so Glemp, "leben wir in einem freien und demokratischen System." Da glaubten Pragmatiker, sie h�tten es nicht n�tig, �ber die Br�cke, die zum Himmel f�hrt, zu gehen, "weil sie auf der anderen Seite nichts Besonderes erwarten". Die zweite Br�cke, die eine �berholung brauche, sei die zwischen Gegenwart und Zukunft: Die Kirche d�rfe bei der Weitergabe des Glaubens an kommende Generationen nicht versagen. Und als letzte und scheinbar einfachste nannte der Primas die Br�cke von einem Menschen zum anderen. Die Distanzen zwischen den Menschen seien allerdings nur vermeintlich einfach zu �berwinden, auf dem Weg gebe es zahlreiche Hindernisse und Leerstellen, die �berwunden werden m�ssten.
Papst trifft Pr�sident Kaczynski
Am Donnerstag ist Benedikt in Warschau eingetroffen. Am Abend seines ersten Reisetags hat er dem neuen Pr�sidenten Lech Kaczynski einen H�flichkeitsbesuch abgestattet.
Kaszynski hat praktisch sein Leben in Warschau verbracht: Wurde hier kurz nach dem Krieg geboren, lehrte hier an der Kardinal-Wyszinsky-Universit�t bis zu seiner Wahl ins h�chste Staatsamt. Lech Kaszynski und sein Zwillingsbruder, die heute die polnische Politik fast als Familienbetrieb f�hren, traten in ihrer Kindheit in einem Fernsehfilm als komische Figuren auf. In den siebziger und achtziger Jahren aber geh�rten sie zur demokratischen Opposition und geh�rten zur Untergrund-F�hrung der Gewerkschaft Solidarnosc um Lech Walesa. Lech Kaszynski ist seit 1990 Abgeordneter; 2002 wurde er Oberb�rgermeister von Warschau. In dieser Zeit machte er durch Reparationsforderungen an Deutschland wegen der Zerst�rung Warschaus im zweiten Weltkrieg von sich reden. Pr�sident wurde er im Dezember letzten Jahres. Er ist verheiratet, hat eine Tochter und eine Enkelin.
�kumenische Begegnung: Papst beruft sich auf Augsburger Erkl�rung zur Rechtfertigungs-Lehre
Ebenfalls am Donnerstag Abend hat der Papst an einer �kumenischen Begegnung in der Lutherischen Dreifaltigkeitskirche von Warschau teilgenommen - nicht unbedingt eine Selbstverst�ndlichkeit in einem Land, in dem 96 Prozent der Einwohner katholisch sind. Hier sind die Kerns�tze aus der Ansprache des Papstes.
"Liebe Br�der und Schwestern in Christus,
uns vereint heute der Wunsch einander zu treffen, um im gemeinsamen Gebet unserem Herrn Jesus Christus Ruhm und Ehre zu erweisen. Zusammen mit euch danke ich f�r das Geschenk dieses Treffens. Ich sehe darin eine der Etappen auf dem Weg, meinen festen Vorsatz vom Beginn meines Pontifikates Wirklichkeit werden zu lassen: naemlich die Wiederherstellung der vollen und sichtbaren Einheit zwischen den Christen als eine Priorit�t meines Amtes anzusehen.
Die Botschaft Christi muss jeden Menschen auf der Erde erreichen, dank des Bem�hens jener, die an ihn glauben und berufen sind zu bezeugen, dass er vom Vater geschickt ist. Wir m�ssen also, wenn wir das Evangelium verk�nden, vom Wunsch beseelt sein, gegenseitige Beziehungen von aufrichtiger N�chstenliebe zu pflegen, sodass alle sehen, dass der Vater den Sohn sandte und seine Kirche sowie jeden von uns liebt. Die Aufgabe der Sch�ler Christi, die Aufgabe eines jeden von uns ist es also, einer solchen Einheit zuzustreben, sodass wir als Christen das sichtbare Zeichen seines Heilsbotschaft werden, die an jedes menschliche Wesen gerichtet ist.
Gott hat uns viele Schritte hin zum gegenseitigen Verst�ndnis und zur Ann�herung tun lassen. Erlauben Sie mir, Ihnen einige �kumenische Ereignisse vor Augen zu f�hren, die in jener Zeit auf der Welt stattgefunden haben: Das Erscheinen der Enzyklika "Ut Unum sint"; der Abschluss der "Gemeinsamen Erkl�rung �ber die Rechtfertigungslehre" in Augsburg; das Treffen anl�sslich des Grossen Jubil�ums des Jahres 2000 und das �kumenische Gedenken der Glaubenszeugen des 20. Jahrhunderts; die Wiederaufnahme des katholisch-orthodoxen Dialogs auf Weltebene; die Beerdigung von Johannes Paul II. unter Teilnahme fast aller Kirchen und kirchlicher Gemeinschaften.
Wir sehen viele Fortschritte in der �kumene, und dennoch erwarten wir Weiteres. Erlauben Sie mir heute auf zwei Fragen detaillierter einzugehen. Die erste betrifft den Dienst der N�chstenliebe der Kirchen. Viele Br�der erwarten von uns die Gabe der Liebe, des Vertrauens, der spirituellen und konkreten materiellen Hilfe. Trotz aller Differenzen, die auf der Ebene des interkonfessionellen Dialogs �berwunden werden m�ssen, scheint es legitim, das karitative Bem�hen der �kumenischen Gemeinschaft der Sch�ler Christi auf der Suche nach voller Einheit zuzuordnen. Wir alle k�nnen am Einsatz zugunsten der Bed�rftigen mitarbeiten und dabei jenes Netz gegenseitiger Beziehungen nutzen, das Frucht des Dialogs zwischen uns und des gemeinsamen Handelns ist.
Die zweite Frage, die ich anschneiden m�chte, betrifft das Ehe- und Familienleben. Immer h�ufiger entscheiden sich junge Menschen verschiedener Traditionen, Religionen und Konfessionen, miteinander eine Familie zu gr�nden. Gelegentlich ist dies f�r diese Menschen selbst und f�r ihre Angeh�rigen eine schwierige Entscheidung, die verschiedene Gefahren bez�glich des Glaubens und der Schaffung einer Familienordnung mit sich bringt. Dennoch kann diese Entscheidung Anlass sein, ein praktisches Laboratoriums der Einheit zu schaffen. Daf�r sind gegenseitiges Wohlwollen n�tig, Verst�ndnis und Reife im Glauben beider Partner, aber auch der Gemeinschaften, aus denen sie stammen. Ich w�nsche allen, dass in dieser heiklen Frage das gegenseitige Vertrauen zwischen den Kirchen und die Zusammenarbeit w�chst, die die Rechte und Pflichten der Eheleute respektiert."
Besuch in Tschenstochau
Im Moment, in dem wir diesen Newsletter erstellen, besucht Benedikt XVI. Tschenstochau: Um 17.30 Uhr ist er am wichtigsten Wallfahrtsort Mitteleuropas eingetroffen. Hier, wo Johannes Paul II. unz�hlige Male seit seiner Jugend als Pilger war, will der deutsche Papt Ordensleute treffen, Priesteramts-Kandidaten und Vertreter geistlicher Bewegungen und Gemeinschaften. Es ist der geistliche Nabel Polens, hier schl�gt sein christliches Herz.
Jasna Gora, Heller Berg, 200 km von Krakau entfernt. Auf der Spitze ein Kloster aus dem 14. Jahrhundert, weithin erkennbar mit dem h�chsten Turm Polens. Innen: das geheimnisvolle Gem�lde der Schwarzen Madonna, dem viele Wunder zugeschrieben werden, zum Beispiel die Rettung Polens vor der schwedischen Invasion des 17. Jahrhunderts. Bei den polnischen Teilungen oder im dunklen 20. Jahrhundert hielt dieser Ort ideell das bedrohte Polen zusammen. Johannes Paul II. vertraute hier sein Pontifikat Maria an. Die goldene Krone der Schwarzen Madonna wurde vom sterbenden Johannes Paul geweiht, einen Tag vor seinem Tod. Pilgerziel: An die vier Millionen Menschen auch aus umliegenden L�ndern kommen pro Jahr nach Tschenstochau. (rv)

 

 

29.05.06

Der Papst in Polen - was bleibt?

 

Vier Tage reiste Benedikt XVI. durch Polen. F�r die deutschsprachige Abteilung von Radio Vatikan war Gudrun Sailer vor Ort. Wir haben sie nach dem Besuch in Auschwitz nach ihren Eindr�cken gefragt:
"Es war, als w�rde der Papst eine zweite Reise machen und nicht blo� die letzte Station seiner Polen-Visite absolvieren. Bis zu diesem Nachmittag war ganz Polen Freude und Jubel, ein neugierig-wohlwollendes Kennenlernen mit bestem Ausgang. Auschwitz war das, was es sein musste: Sehr, sehr still. Sehr ber�hrend. Die Rede war die einzige, die der Papst nicht nur selbst geschrieben, sondern auch ganz selbst vorgetragen hat, auf italienisch allerdings. Benedikt kam als deutscher Papst, und er hat auf Deutsch ein Friedensgebet gesprochen, in der Sprache der T�ter. Diese Polenreise w�re unvollst�ndig gewesen ohne eine Geste dieser Tragweite. Und wie ein Zeichen des Himmels war das Wetter w�hrend des Besuchs im ehemaligen Vernichtungslager: zu Beginn Wolken, dann regnete es kurz. Als der Papst in Birkenau eintraf, zeichnete sich ein Regenbogen ab. Und am Ende schien die Abendsonne."
Benedikts zweite Auslandsreise ist zu Ende: Man hatte den Eindruck, sie sei zweigeteilt gewesen. Ist es Papst Benedikt im ersten Teil der Reise gegl�ckt, die Polen f�r sich einzunehmen?
"Ich habe den Eindruck, die Vorbehalte gegen den deutschen Papst waren von Anfang an eher von bestimmten Zeitungen herbeigeschrieben als wirklich in den Herzen der Menschen vorhanden. Die allermeisten Polen haben in Benedikt immer den Wunsch-Papst Johannes Pauls gesehen. Er war 20 Jahre lang einer der engsten Mitarbeiter des Wojtyla-Papstes, viele sprachen auch von einer Seelenverwandtschaft. Die Neugier auf diesen 'Neuen' war gro�, und es war von Anfang eine wohlwollende Neugier. Die Polen haben Ratzinger aufgenommen als einen der ihren, besonders in und um Krakau, der Bischofsstadt Wojtylas. Begeisterte Sprechch�re riefen auf Deutsch: Wir lieben Dich. Andere w�nschten ihm mit dem polnischen Geburtstagslied 'stolaat' - also: hundert Jahre - ein langes Leben. Ganz und gar: Es IST dem deutschen Papst gegl�ckt, die Polen f�r sich einzunehmen."
Papst Benedikt XVI. ist zur�ck im Vatikan. Die Reise Geschichte. Was bleibt?
"Zum einen die W�rme und Begeisterung, mit der die Polen den deutschen Papst als Nachfolger "Ihres" Papstes angenommen haben. Zum anderen Auschwitz. Am Ende hatte man als Beobachter ja fast den Eindruck, es seien zwei getrennte Reisen gewesen. Der erste Teil war ein sehr freudiges Kennen lernen, auf beiden Seiten, mit Hymnen und Sprechch�ren, der zweite Teil ein zuerst v�llig stummes Ausmessen von Entsetzen, bevor der Papst das Friedensgebet auf Deutsch sprach und dann in dieser langen Rede um die Gnade der Vers�hnung bat. Diese Abfolge, diese doppelte Reise - das ist was bleibt."
Wenn man Benedikts Reden und Homilien an die Polen genau geh�rt hat, waren die Kernaussagen ja durchaus kompromisslos. Es war ein Aufruf, fest und stark zur Kirche zu stehen und den Papst als einzige Autorit�t anzuerkennen. Hat das die Polen nicht abgeschreckt?
"Im Gegenteil. Polen ist auf der Suche nach neuer Orientierung in einer Welt - einer europ�ischen Welt - die aus den Fugen zu geraten droht. Da waren klare Worte sehr willkommen. Das zeigt auch das Verhalten der Pilger. Manche haben gro�e Opfer auf sich genommen, um den deutschen Papst zu h�ren, haben zweit�gige Wallfahrten zu Fu� unternommen oder, so wie hunderttausende Jugendliche, nachts bei str�mendem Regen auf der Krakauer Bluonie-Wiese ausgeharrt."
Es war eine Reise auf den Spuren des Vorg�ngers JPII. Viele Polen h�tten sich gew�nscht, dass Benedikt ihn im Zug der Reise selig spricht. Warum hat er das nicht getan?
"Wohl weil der das Kirchenrecht nicht so ohne weiteres au�er Kraft setzen wollte. Das hat er zwar getan, als er die Er�ffnung des Seligsprechungsverfahrens wenige Wochen nach dem Tod Johannes Pauls ank�ndigte, obwohl nach Kirchenrecht f�nf Jahre verstreichen m�ssten. Aber zu einer Seligsprechung sollten bestimmte Parameter sauberer und gr�ndlicher Ermittlungsarbeit doch eingehalten werden. Es war �brigens niemand anderer als Stanislaw Dziwisz, Erzbischof von Krakau und langj�hriger Sekret�r Johannes Pauls, der die sofortige Seligsprechung in Polen ins Spiel gebracht hat. Dziwisz stand genau hinter Papst Benedikt, als der im Wallfahrtsort Kalwaria sich nochmals zu den Gl�ubigen umgewendet und erkl�rt hat, auch er bete f�r die baldige Seligsprechung Johannes Pauls. Eine elegante Art verstehen zu geben, dass mit einer Seligsprechung w�hrend des Polenbesuchs nicht zu rechnen ist."
Benedikt reist weniger als sein Vorg�nger. Dennoch hat der Vatikan weitere Auslandsreisen bereits best�tigt. Wo zieht es den Papst in diesem Jahr noch hin?
"Im Juli geht es nach Spanien - zurzeit ein echtes Sorgenkind des Vatikans, trotz der m�chtigen katholischen Vergangenheit. Benedikt wird dort zum 5. Welttreffen der Familien am 7. und 8. Juli nach Valencia reisen. Im September besucht er die bayerische Heimat. 9. bis 14. September, Stationen sind M�nchen, Alt�tting, Markte am Inn, Regensburg und Freising. Ende November steht dem Papst eine politisch wichtige Reise bevor: in die T�rkei. Zum Andreasfest wird er den �kumenischen Patriarchen Bartholomaios in Istanbul besuchen. Und n�chstes Jahr im September kommt Benedikt in den �sterreichischen Marienwallfahrtsort Mariazell. Es stimmt, Benedikt reist weniger als sein Vorg�nger, der statistisch viermal im Jahr im Ausland unterwegs war. Aber in diesem Jahr werden es auch vier Reisen sein." (rv )
 

 

 

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6/2006

 

 

02.06.06

Vatikan: Strategien gegen Korruption

Das Ph�nomen Korruption ist weltweit im Anstieg begriffen. Davor warnt der p�pstliche "Friedensminister" Kardinal Renato Raffaele Martino. Der Pr�sident des p�pstlichen Rates f�r Gerechtigkeit und Frieden hat aus diesem Anlass zu einer internationalen Konferenz zum Thema Korruption und ihrer Beseitigung gebeten, die heute im Vatikan begonnen hat. Unter den hochrangigen Sprechern sind Weltbankpr�sident Paul Wolfowitz und Antonio Maria Costa, der Leiter des UNO-B�ros f�r Drogen- und Verbrechensbek�mpfung.
Kardinal Renato Raffaele Martino: "Die Korruption wirkt sich heute immer st�rker auf die Individuen, aber auch auf die Nationen und die Gesellschaft an sich aus. Sie alle beraubt die Korruption eines Gutes, das f�r das reibungslose Funktionieren der Wirtschaft und der Politik unverzichtbar ist: Das Gut der Legalit�t. Unser Treffen hat zum Ziel, Strategien und Wege zu erkennen, wie die Praxis und die Kultur der Korruption durch die Praxis und die Kultur der Legalit�t ersetzt werden kann."
Dies sei dringend geboten angesichts der Ausma�e, die das Ph�nomen Korruption heute angenommen habe, so Kardinal Martino. "Die Korruption unterminiert heute die politische und soziale Entwicklung von Menschen und V�lkern, und sie betrifft gleicherma�en reiche wie arme Nationen, entwickelte und Entwicklungsl�nder, totalit�re und demokratische Staaten. Dort, wo an der Wurzel die Rolle der demokratischen Institutionen verbogen wird, f�hrt das unweigerlich zu einer Kultur der Illegalit�t, mit tragischen Folgen f�r das Leben, besonders f�r das der Armen."
Die internationale Konferenz "Korruption bek�mpfen" dauert bis morgen. Tagungsort ist der Sitz des P�pstlichen Rates f�r Gerechtigkeit und Frieden. (rv)

 

 

03.06.06

 Neuen Chef der vatikanischen Gendarmerie ernannt

 

Papst Benedikt der XVI. hat einen neuen Chef der vatikanischen Gendarmerie ernannt.
Domenico Giani folgt Camillo Cibin nach, der nach 58 Jahren Dienst nun in den Ruhestand tritt. Ein gro�er athletischer Mann, im blauen Anzug und wei�en Haaren und immer in der N�he des Papstes, um ihn zu sch�tzen: das war Camillo Cibin, der mittlerweile fast achtzigj�hrige Leiter der Vatikanischen Gendarmerie. Es war Cibin, der beim Papstattentat am 13. Mai 1981 Ali Agca fasste, wie Photoaufnahmen beweisen. Auch rettete Cibin den Papst, als 1982 in Fatima ein verwirrter Lefebvrianer mit einem Messer auf Johannes Paul II. losging. Dank der schnellen Reflexe des Gendarmen wurde der Papst nur leicht verletzt und eine Trag�die konnte verhindert werden Seine Diskretion ist sprichw�rtlich, und so hat er niemals ein Interview gegeben und �ber diese Ereignisse gesprochen. Cibin fuhr bei allen Auslandreisen mit, aber auch wenn Papst Johannes Paul II. zum Urlaub ins Aosta-Tal fuhr, war er dabei und wanderte mit ihm Anfang der achtziger Jahre weite Strecken durch die Berge. Papst Johannes Paul war ihm Zeit seines Lebens dankbar, und vielleicht war das der Grund, weswegen er ihn nicht bei Erreichen der vatikanischen Altersgrenze von 75 Jahren in seinem Amt belie�. Papst Benedikt best�tigte zu Beginn seines Pontifikats f�r en Jahr. Nachfolger wird der 44j�hrige Domenico Giani, der bisher Stellvertreter von Cibin war. Die vatikanische Gendarmerie ist die Polizei des Vatikanstaats und - neben der Schweizer Garde - f�r alle Sicherheitsbelange im Kirchenstaat zust�ndig. 131 M�nner geh�ren zur vatikanischen Gendarmerie (rv)

 

 

07.06.06

Vatikan: Papst wird Ehrenb�rger von Alt�tting

Papst Benedikt XVI. ist Ehrenb�rger von Alt�tting. Im Anschluss an die Generalaudienz �berreichte ihm der B�rgermeister des oberbayerischen Wallfahrtsortes die Urkunde. Als Geschenk erhielt Benedikt einen symbolischen Stadtschl�ssel Der Alt�ttinger Stadtrat hatte im Dezember vergangen Jahres beschlossen, den Papst die Ehrenb�rgerw�rde zu verleihen. Der ber�hmte Marienwallfahrtsort mit dem Gnadenbild der Schwarzen Madonna ist Benedikt seit fr�hester Kindheit sehr wichtig. Der Papst dankte mit warmen Worten:
"Ich kann in diesem Augenblick nur von ganzem Herzen Dank oder auf bayerisch �Vergelt's Gott' sagen. Diese Auszeichnung, Ehrenb�rger der Stadt Alt�tting zu sein, ber�hrt wirklich mein Herz, und ich muss einfach sagen, ich freue mich dar�ber. Sie, Herr B�rgermeister, haben es ja schon gesagt, dass Alt�tting in meine fr�hesten Kindheitserinnerungen hineinverwoben ist und dass es einfach zum ganzen Gef�ge meiner Lebenserinnerungen geh�rt. Von diesen fr�hen Erinnerungen ist die erste bewusste, die ich aufz�hlen k�nnte, die Heiligsprechung vom Bruder Konrad. Vielleicht erw�hne ich gerade auch, dass unser Vater, der immerhin schon 68 Jahre alt war, als mein Bruder und ich vom Krieg heil heimgekommen waren, zu Fu� den weiten Weg von Traunstein nach Alt�tting gegangen ist, um der Gottesmutter zu danken, dass seine beiden Buben wieder heim gekommen waren, zu deren Schutz er sie ihr anvertraut hatte. Und so geht das Geflecht der Erinnerungen weiter, dann hin zum Papstbesuch 1980, unvergesslich - als ich Johannes Paul II. durch die Gnadenkapelle und auch den Umgang geleiten durfte und er das katholische Herz Bayerns sp�rte und sp�rte, da ist wirklicher Glaube zuhause, da ist die Mutter Gottes, und die Menschen lieben sie und kommen zu ihr.
Ich habe dann vor wenigen Jahren eine Regensburger Fu�pilgerschaft auf ihrem letzten St�ck begleiten k�nnen. Da ist es mir so wirklich ins Herz gedrungen, was eine derartige Pilgerschaft bedeutet: N�mlich, dass es nicht ein Gehen mit den F��en, sondern ein Gehen mit dem Herzen ist, nicht ein �u�erer, sondern ein innerer Weg, dass das uns oft so unzug�ngliche Bu�sakrament sich pl�tzlich wie eine Gnade �ffnet, wie ein Geschenk, indem so vieles von einem ab f�llt und wieder ein neuer Beginn da ist, dass inmitten der Anstrengungen und der wirklichen M�hsal dieses Gehens dann doch am Schluss die gro�e Freude steht, bei der Mutter der Gnaden angekommen zu sein und ihr in dem stillen Heiligtum zu begegnen; wie auch dann in dem gro�en Gottesdienst in der Basilika und auf dem Platz, in der Freude, dass man sich dann miteinander aussprechen kann, miteinander essen, miteinander plaudern und singen kann, die Freude, die ja Folge der Grundfreude ist, die sich aus diesem neuen Anfang und aus dieser wunderbaren Begegnung ergeben hat.
Ich bin dankbar, dass Alt�tting dieses jahrhundertealte Erbe h�tet, damit es lebendig bleibt, damit es immer wieder und immer neu der gleiche und doch der immer neue Ort der Begegnung mit der Mutter des Herrn und zu der Erneuerung unseres Lebens ist. Ich danke dem Stadtrat von Herzen f�r dieses Vertrauen, das Sie mir geschenkt haben.
Durch diese Ehrenb�rgerschaft geh�re ich nun ja auf eine ganz besondere Weise zu Alt�tting. Die bayerischen Kurf�rsten haben nach ihrem Tod ihr Herz dort hinterlegen lassen. Ich wei�, dass auf diese Weise mein Herz noch deutlicher bei der Mutter Gottes ist, und dass sie auf mich herunter schauen und mir auf meinem Pilgerweg helfen wird. Ihnen allen ganz herzlichen Dank. Ich w�nsche ihnen allen eine gesegnete und frohe Zeit in Rom. Vor allen Dingen auch Dank f�r die Vorbereitungen f�r den Herbst. So kann ich nur sagen, ein frohes Wiedersehen in Alt�tting im September." (rv)

 

 

10.06.06

Kardinal Bertone: Warum Fu�ball wichtig ist.

Der Erzbischof von Genua, Kardinal Tarcisio Bertone, ist ein ausgesprochener Fu�ballfan: �Ich liebe Fu�ball“ bekennt der Kardinal, der jahrelang mit dem damaligen Kardinal Joseph Ratzinger in der Kongregation f�r die Glaubenslehre zusammengearbeitet hat. Zum Auftakt der Fu�ball-WM machte Kardinal Bertone noch einmal deutlich, warum diesem Sport viel Aufmerksamkeit geb�hrt:

�Fu�ball geh�rt zu den Traditionen unserer Gesellschaft, insbesondere bei den Jugendlichen in jedem Land. Und dies f�rdert wichtige Bed�rfnisse: Diese spiegeln sich im t�glichen Leben, in der sportlichen Kraft auch in der Solidarit�t, dem gesunden Konkurrenzkampf – ich w�rde auch sagen in der Vers�hnung wieder. Denn es kann ein Moment der friedlichen Konfrontation zwischen den Staaten werden – auch zwischen Staaten, die sich in politischer Hinsicht stark unterscheiden und auf anderen Gebieten Konflikte miteinander austragen m�ssen. Ich glaube, der Regisseur dieses gro�en Spiels ist Gott, der uns die die F�higkeit gibt, unser Potenzial und unsere Talente einzubringen – aber immer mit Respekt vor den anderen und dem Einverst�ndnis �ber die gleichen objektiven Bedingungen, der Solidarit�t und der Freundschaft

Die wichtigsten Werte, die beim Fu�ball vermittelt w�rden, sind laut Kardinal Bertone

�in erster Linie die menschliche F�higkeit, sich mit anderen Mitspielern auseinanderzusetzen, mit Vertretern anderer Nationen, Vertreter eines anderen kulturellen, politischen und sozialen Systems und f�r das Finale eines gesunden Wettkampf. Fu�ball hilft aber auch, die menschlichen Kr�fte zu aktivieren, insbesondere das eigene Selbstbewusstsein, die aufrichtige Beziehung zu den anderen, die Solidarit�t.“ (rv)

 

 

12.06.06

Vatikan: Papstprogramm f�r Spanien

Das Programm f�r die bevorstehende Papstreise nach Valencia in Spanien ist heute vom Vatikan ver�ffentlicht worden. Danach wird der Papst am Samstag, dem 8. Juli, um 9.30 Uhr Rom in Richtung Valencia verlassen, wo er um 11.30 Uhr eintreffen soll. Bei der Begr��ungszeremonie auf dem Flughafen wird er eine Ansprache halten. Anschlie�end f�hrt er zur Kathedrale von Valencia, wo er sich um 13 Uhr mit den spanischen Bisch�fen trifft, um anschlie�end auf dem Platz an der Kathedrale den Angelus zu beten. Zu Fu� geht er von dort zum Essen im Erzbisch�flichen Palais der Stadt. Um 17.15 ist dann in der Innenstadt ein Treffen mit der k�niglichen Familie geplant. Im Anschluss daran trifft Benedikt den spanischen Regierungschef Jos� Luis Rodr�guez Zapatero. Abends um 21 Uhr leitet Benedikt XVI. dann eine Festbegegnung zum Welttreffen der Familien, die etwa zwei Stunden dauern wird.
Am Sonntag will der Papst um 9.30 Uhr eine Messe zum Abschluss des Treffens der Familien halten. Um 13.30 Uhr verl�sst er dann Valencia per Flugzeug in Richtung Rom, wo er um 15.30 Uhr eintreffen soll. (rv)

 

 

16.06.06

Kardinal Martino gegen Verhaftung Asylsuchender

In Rom haben sich gestern mehr als hundert Nichtregierungsorganisationen aus 36 L�ndern zusammengeschlossen, um der Verwahrung von Asylsuchenden in Haftanstalten entgegenzutreten. Um Migranten abzuschrecken, greifen westliche L�nder immer �fter auf diese Ma�nahme zur�ck, obwohl sie ethisch und moralisch fragw�rdig ist. Der Heilige Stuhl unterst�tzt das Anliegen der "Internationale Koalition gegen die Verhaftung von Immigranten und Fl�chtlingen". Kardinal Renato Raffaele Martino, der Pr�sident des p�pstlichen f�r Gerechtigkeit und Frieden, erkl�rt warum: "Der vors�tzliche Entzug der Freiheit vergiftet die menschliche Gesellschaft und sch�digt letztlich auch diejenigen, die ihn verh�ngen - nicht blo� die, die ihn erleiden. Es ist moralisch falsch, zu inakzeptablen Mitteln zu greifen. Und zwar auch dann, wenn das Ziel der Schutz des so genannten Gemeinwohls ist."
Am Rande der Vorstellung der Initiative �u�erte sich Martino auch �ber das US-Gefangenenlager Guantanamo. Internationaler Druck k�nne dazu f�hren, dass die Bush-Regierung die Menschenrechte in dem Lager mehr respektiere, so der p�pstliche Friedensminister. Nach drei Selbstmordf�llen von Insassen war von neuem die Forderung laut geworden, die USA sollten Guantanamo schlie�en. (rv)

 

 

16.06.06

Superior der Legion�re Christi beim Papst

Papst Benedikt XVI. hat heute den Superior der Legion�re Christi empfangen, P. Alvaro Corcuera Martinez del Rio. �ber den Inhalt des Gespr�ches wurde zun�chst nichts bekannt. Mitte Mai hatte der Vatikan den Gr�nder der Legion�re, den Mexikaner Marcial Maciel, dazu aufgefordert, ein Leben des Gebets und der Bu�e zu f�hren und nicht mehr �ffentlich in Erscheinung zu treten. Er reagierte damit auf wiederholte Vorw�rfe, Maciel habe sich fr�her an jungen M�nnern vergangen. (rv)

 

 

16.06.06

Neuer Kaplan der p�pstlichen Schweizergarde

Der Freiburger Priester Alain de Raemy wird neuer Kaplan der p�pstlichen Schweizergarde. Das Bistum Lausanne-Genf-Freiburg teilte die Ernennung durch Papst Benedikt XVI. heute mit. Der Kaplan wird sein neues Amt im September antreten. Er folgt auf Alois Jehle, der eine neue Aufgabe in der Glaubenskongregation wahrnimmt. Der Bischof von Lausanne-Genf-Freiburg, Bernard Genoud, hat dem Wunsch Roms entsprochen, einen Priester seiner Di�zese f�r die Arbeit bei der Schweizergarde freizustellen. Er tue dies "aus dem Gedanken des Teilens heraus", schreibt das Bistum. Die Mitglieder der Garde und ihre Familien k�nnten auf eine solide geistliche Begleitung und Unterst�tzung durch einen Priester z�hlen, der mit den Bed�rfnissen der Jugend von heute vertraut sei. Alain de Raemy ist 47 Jahre alt und wurde als Sohn Schweizer Eltern in Barcelona geboren. Die Priesterweihe empfing er 1986. (rv)

 

 

21.06.06

Papst ist Ehrenb�rger von Regensburg

Papst Benedikt XVI. ist Ehrenb�rger von Regensburg. Im Anschluss an die Generalaudienz �berreichte eine eigens angereiste Delegation aus der Universit�tsstadt in der Oberpfalz die Urkunde. Der Besuch aus der Heimat bedeutete ihm viel: "F�r mich ist es in diesem Augenblick schwer Worte zu finden. Alles was ich sagen m�chte ist in dem Wort 'Danke' zusammengefasst."
Joseph Ratzinger war von 1969 bis 1977 Professor f�r Dogmatik und Dogmengeschichte an der Universit�t Regensburg. Sein Bruder Georg wohnt in der Regensburger Innenstadt und er selbst besitzt ein Haus im Vorort Pentling. Hier sind seine Eltern und die Schwester begraben. Mit der Stadt ist er also seit langem eng verbunden. "Nun geh�re ich auch zu ihren B�rgern, ehrenhalber, und bin dadurch, wie Sie sagen, auf Lebenszeit und �ber das Leben hinaus dieser besonderen Stadt zugeh�rig; eine alte und doch eine ganz junge Stadt voll junger Menschen und voll junger Dynamik und Lebenskraft. Ich habe dieses Miteinander, das Regensburg wie mir scheint auszeichnet, von tiefen Wurzeln in der Geschichte und von lebendiger Dynamik in die Zukunft hinein, zuerst in der besonderen Weise erfahren, die mir dadurch gegeben wurde, dass ich seit vierundsechzig immer wieder Gast bei meinem Bruder bei den Domspatzen sein durfte. Ein Chor, der der �lteste durchgehend bestehende Knabenchor der Welt ist und der doch immer wieder neu aus ganz jungen Menschen besteht, der davon lebt, dass er seine Kontinuit�t nicht verliert und dass er doch immer wieder neu beginnt, mit jungen Menschen sich neu inspiriert und neue Wege findet. Diese F�higkeit auch in dunklen Zeiten und in Tiefpunkten durchzuhalten und weiter zu gehen scheint mir doch das besonders Auszeichnende dieser Stadt zu sein."
Drei Gr�nde haben ihn 1969 dazu veranlasst, nach Regensburg zu gehen: "Zum einen war der ideologische Wirbel in einer so kleinen Stadt wie T�bingen, wo man sagt, dass die Universit�t zugleich das Stadttheater ersetze, besonders wuchtig und der inneren Harmonie die man f�r die Arbeit braucht nicht besonders zutr�glich. Aber ein rein negativer Grund wegzugehen h�tte nicht gen�gt. Es hat mich auch fasziniert am Werden einer jungen Universit�t teilzunehmen, nachdem ich an drei gro�en, alten Universit�ten - Bonn, M�nster, T�bingen - gelehrt hatte, mitzutun eine neue Universit�t aufzubauen. Und dann kam nat�rlich dazu, dass mein Bruder in Regensburg wohnte und es mir in so fern schon ein Daheim geworden war. Es war dann in der Tat etwas Sch�nes und mitunter Aufregendes, diese Universit�t, in der es ja auch die ideologischen Wirrnisse, die ganzen Situationen besonderer Art des Umbruchs nach 1968 gab, ein wenig aufzubauen. Wir fingen mit einem Sammelgeb�ude an und allm�hlich wuchs dann der Universit�tscampus. Am Anfang stand die Universit�t nicht nur als ein verlorener Betonbau �u�erlich etwas in der Peripherie der Stadt, auch f�r die Stadt selber war die Universit�t noch etwas Fremdes. Sie wuchs, und inzwischen sind Stadt und Universit�t wirklich zueinander gewachsen und befruchten sich gegenseitig. Die Universit�t hat eine neue Dynamik, Jugendlichkeit, Ideen in die Stadt gebracht, und umgekehrt tut es der Universit�t - den Professoren wie den Studenten - wohl, in einer Stadt zu leben in der gro�e Geschichte sp�rbar wird und in der sichtbar wird, dass die Denunzierungen der Geschichte, als sei dies alles nur dunkel gewesen, nicht wahr sind. Wer den Dom in seiner ganzen Gr��e sieht, den l�chelnden Engel, die Mutter Gottes, die Gestalten in ihr, wer all die anderen gro�en Kirchen und Bauten dieser Stadt sieht, der sieht, dass - wie immer - auch in den vergangenen Zeiten Dunkles und Gro�es miteinander verbunden waren, dass die Geschichte auch heute uns zu belehren hat, dass wir Geschichte nicht verlieren d�rfen, sie verlieren w�rden, wenn wir sie vergessen, sie verlieren w�rden, wenn wir stagnieren wollten."
Benedikt hob au�erdem den �kumenischen Charakter Regensburgs hervor. In der ehemals protestantischen Reichsstadt mit der �berwiegend katholischen Bev�lkerung war ein friedliches Miteinander "m�glich und n�tig". Auch die j�dische Gemeinde habe trotz der "dunklen Zeiten" hier ihren Platz gehabt.
Der Abschied von der Delegation war dann kurz und schmerzlos. Schlie�lich gibt es schon bei der Papst-Reise im September ein Wiedersehen: "Herzlichen Dank f�r alles. Ich freue mich auf Regensburg. Auf Wiedersehen in der Stadt an der Donau."
Regensburg ist die zweite Stadt aus der Heimat des Papstes, die eine Ehrenb�rgerurkunde nach Rom bringt. Bereits Anfang Juni hat der Papst die Ehrenb�rgerw�rde des Wallfahrtsortes Alt�tting erhalten. (rv)

 

 

22.06.06

Neuer Kardinalstaatssekret�r und neuer Pr�sident des Governatorato

Die Kurienreform unter Papst Benedikt schreitet voran. Das Kirchenoberhaupt hat heute den Genueser Erzbischof Kardinal Tarcisio Bertone (71) zum Kardinalstaatssekret�r ernannt. Gleichzeitig nahm der Papst den R�cktritt des bisherigen Amtsinhabers Angelo Sodano (78) an. Stichtag der Amts�bergabe ist der 15. September 2006. Am selben Tag wird eine weitere Abl�se erfolgen: Der bisherige Au�enminister des Heiligen Stuhles, Erzbischof Giovanni Lajolo (71), �bernimmt dann die Agenden des vatikanischen Governatorats als dessen Pr�sident. Papst Benedikt nahm heute den R�cktritt des bisherigen Governatorats-Chefs Kardinal Edmund Casimir Szoka (78) an.
Der Kardinalstaatssekret�r ist das wichtigste Amt des Heiligen Stuhles nach dem des Papstes. Mit Bertone tritt erstmals seit langem ein Kirchenmann an die Spitze des Staatssekretariats, der nicht aus dem diplomatischen Dienst stammt. Kardinal Bertone, ein Salesianer Don Boscos, war von 1995 bis 2002 Sekret�r der vatikanischen Glaubenskongregation und damit der engste Mitarbeiter des damaligen Pr�fekten Kardinal Joseph Ratzinger. Der Norditaliener, der am 2. Dezember 1934 in Romano Canavese geboren wurde, gilt als hervorragender Kirchenrechtler, als kompromissloser Verfechter des Lebensschutzes sowie als diplomatisch geschickt. F�r den Vatikan bereitete er etwa die R�ckkehr des abtr�nnigen Bischofs Emmanuel Milingo nach Rom vor. Im Auftrag Papst Johannes Paul II. k�mmerte er sich um die Ver�ffentlichung des dritten Geheimnisses von Fatima.
Als Oberhirte Genuas machte Bertone immer wieder durch sachkundige Kommentare von sich reden. Im Streit um die Mohammed-Karikaturen rief er zur M��igung auf und warte vor neuen Kreuzz�gen. Allerdings riet er auch zum Boykott des inzwischen verfilmten Bestsellers Sakrileg. Als die Italiener �ber eine Liberalisierung des italienischen Bioethik-Gesetzes abstimmen sollten, empfahl der Genueser Erzbischof den Katholiken zivilen Ungehorsam. Bei Radio Vatikan war Bertone regelm��ig auf Sendung: Oft kommentierte der sportbegeisterte Kirchenmann montags Fu�ball-Events vom Wochenende.
Erzbischof Giovanni Lajolo war bis zu seiner Berufung in den Vatikan ins Amt des "Au�enministers" p�pstlicher Nuntius in Deutschland; er gilt als guter Kenner und Freund der deutschen Kirche. (rv)
Steckbrief: Kardinal Bertone
Wer ist der k�nftige Kardinalstaatssekret�r des Vatikans? Tarcisio Bertone wurde im Dezember 1934 in einem Dorf in der Provinz Turin geboren; er ist das f�nfte von acht Kindern. Mit 16 Jahren trat er in den Salesianer-Orden ein, studierte dann Philosophie und Theologie in Turin und Rom und erwarb einen Doktor im Kanonischen Recht. Priester wurde er 1960.
Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil arbeitete er an der r�mischen Salesianer-Hochschule - zun�chst als Professor f�r Moraltheologie, dann als Professor f�r Kanonisches und V�lkerrecht. Dabei arbeitete er auch an der neuen Ausgabe des Kirchenrechts mit. Ende der achtziger Jahre machte ihn Papst Johannes Paul II. zum Erzbischof von Vercelli.
1995 kam Bertone dann aber nach Rom zur�ck, und zwar als Sekret�r der damals von Kardinal Joseph Ratzinger geleiteten Glaubenskongregation. Sieben Jahre lang war Bertone der engste Mitarbeiter des deutschen Kardinals, dann machte ihn Johannes Paul im Jahr 2003 zum Erzbischof von Genua. An dem Konklave, aus dem Joseph Ratzinger letztes Jahr als Papst hervorging, nahm Bertone als Kardinal teil. Nach drei Jahren in Genua ist der hagere Norditaliener k�nftig im Staatssekretariat von neuem Joseph Ratzingers - Benedikts - engster Mitarbeiter. (rv)

 

 

27.06.06

Papst gew�hrt vollkommenen Ablass

Zum kommenden Weltfamilientreffen in Valencia gew�hrt der Papst einen so genannten vollkommenen Ablass. Die P�pstlichen P�nitentiarie ver�ffentlichte heute ein entsprechendes Dekret. Der Ablass gilt, unter den �blichen Bedingungen, allen, die an den Veranstaltungen und religi�sen Feiern des Treffens sowie am Abschlussgottesdienst teilnehmen. Die "zeitlichen S�ndenstrafen" werden auch allen erlassen, die zwar nicht nach Valencia reisen k�nnen, aber im Geist mit den Gl�ubigen dort verbunden sind und in der Familie vereint beten. Laut Dekret hat Benedikt XVI. am Hochfest Fronleichnam �ber diesen Ablass zum ihm so wichtigen Familientreffen entschieden. (rv )

 

 

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7/2006

 

 

07.07.06

Flaggen f�r Benedikt, Pfiffe f�r Zapatero

"Viva el Papa". Valencia hat sich fein gemacht f�r Benedikt XVI., der morgen in der spanischen K�stenstadt eintrifft. Wei�-gelbe Vatikanfahnen vom Flughafen bis zum Messezentrum, meterlange Willkommensfahnen entlang dem vor 50 Jahren trocken gelegten Flussbett, das sich mit Parkanlagen durch die ganze Stadt zieht.
Vor allem die Privath�user, die Wohngebiete strahlen in wei� und gelb - kein Wunder bei rund 96 Prozent Katholiken in der Mittelmeerstadt. Doch es ist eine stille Freude. Zwar ist die offiziell festgelegte dreit�gige Trauer nach dem U-Bahn-Ungl�ck zu Ende, aber die Fahnen wehen noch auf Halbmast, schwarze B�nder und Schleifen werfen einen Schatten auf Balkone und Pl�tze. Die Spanier erwarten sich Trost, ermutigende Worte des Papstes in ihrer Trauer um die 41 Unfallopfer. Trost, den ihnen Jos� Luis Rodr�guez Zapatero nicht geben kann. Den Ministerpr�sidenten hatten sie bei der offiziellen Trauerfeier vergangenen Dienstag ausgepfiffen. Derart, dass er der Papstmesse am Sonntag fern bleiben will. Daran kann wohl auch die Aufforderung von Valencias Erzbischof August�n Garc�a-Gasco Vicente, den Gottesdienst nicht f�r Kritik am Regierungschef zu missbrauchen, nichts �ndern. Nach Valencia reisen wird Zapatero am Samstag dennoch. Auf dem Programm steht am fr�hen Abend ein Besuch bei Benedikt XVI. im Erzbisch�flichen Palais. Der seinerseits stattet zuvor dem spanischen K�nigspaar einen H�flichkeitsbesuch ab.
Valencia hat 2 P�pste hervorgebracht. Vor 24 Jahren war Johannes Paul II. zum letzten Mal hier, bei seiner ersten von f�nf Spanienreisen. Entsprechend gro� sind die Erwartungen. In der futuristischen "Stadt der K�nste und Wissenschaften" wird seit Wochen an der Altarinsel gebaut, mehr als eine Million Menschen sollen kommen und mit Benedikt feiern. Valencia selbst hat rund 800.000 Einwohner. (rv)

Spanien: Kardinal Hummes - Absoluter Wert ist Fortschritt
30 Kardin�le aus aller Welt halten sich derzeit zum Familientreffen in Valencia auf. Zur Abschlussmesse am Sonntag werden es doppelt so viele sein. Einer von ihnen ist der Erzbischof des brasilianischen Sao Paolo, Kardinal Claudio Hummes. So zahlreich die Teilnehmer des Kongresses, so unterschiedlich ist die Situation der Familie in den verschiedenen L�ndern und Gesellschaften. Doch deshalb nur relativ zu argumentieren, sei kein Fortschritt, sagt Hummes. "Wenn wir wirklich aus dem Relativismus herauskommen m�chten, dann muss man sagen, dass es grundlegende Prinzipien gibt, die f�r alle gelten. In dieser Hinsicht hat die Kirche immer eine Wahrheit und auch eine Ethik vorzustellen. Es ist f�r die Menschen und f�r die Zivilisation ein Fortschritt, das immer noch einmal zu wiederholen, dass es eine Wahrheit gibt, einen Wert gibt, ein Gut gibt, das absolut ist Ich meine, dass die Kirche verantwortlich ist daf�r, das immer zu wiederholen f�r die Menschheit und auch f�r die Geschichte."
Relativismus kann daher auch eher ein R�ckschritt sein, so Hummes: "Weil die Wahrheit zu suchen, ist etwas was menschlich ist, was zur Menschenw�rde geh�rt: Die Wahrheit suchen und die Wahrheit lieben."
Als Familienexperte der Brasilianischen Bischofskonferenz hat Claudio Hummes 1997 das 2. Weltfamilientreffen in Rio de Janeiro vorbereitet Seitdem ist vieles anders, nicht nur der Papst: "Die Familie ist heute schw�cher als sie war. Dann die Entwicklung der Biowissenschaften. Die Kirche muss nat�rlich auch mit der Geschichte weitergehen und immer neue Antworten finden auf neue Fragen."
Nat�rlich antworte die Kirche immer aus dem Geist des Evangeliums, so Hummes. Doch Antworten auf Fragen, die niemand mehr stellt, h�lfen nicht weiter. (rv)
 

Der spanische Ministerpr�sident Jose Luis Zapatero wird nicht am Abschlussgottesdienst des Weltfamilientreffens mit Papst Benedikt XVI. teilnehmen. Berichten der Zeitung "La Razon" zufolge wird Zapatero den Papst zu einem Gespr�ch treffen, er werde jedoch nicht zu der Messe gehen, schrieb die Zeitung (rv)
 

 

 

08.07.06

Papst in Valencia - ein �berblick

Papst Benedikt XVI. ist heute um 11.30 Uhr auf dem Flughafen von Valencia eingetroffen, um am H�hepunkt des 5. katholischen Weltfamilientreffens teilzunehmen. Auf dem Flughafen hat das spanische K�nigspaar den Gast aus Rom empfangen. Schon hier erinnerte er an die "zentrale Rolle, die die auf der Ehe aufbauende Familie f�r die Kirche und die Gesellschaft hat. Sie ist eine nach dem Plan Gottes unersetzliche Institution."
Vom Flughafen aus fuhr Benedikt im Papamobil zun�chst zur U-Bahn-Station "Jesus", wo sich am Montag die folgenschwere Katastrophe mit 42 Toten ereignet hatte. Dort hat der Papst mit Feuerwehrleuten und Angeh�rigen der Rettungsmannschaften gebetet. Anschlie�end fuhr Benedikt zur Kathedrale. Dort erwarteten ihn in der "Kapelle des Heiligen Gral" alle spanischen Bisch�fe. Beim "Heiligen Gral" handelt es sich nach der Tradition um jenen Kelch, den Jesus beim Letzten Abendmahl in Jerusalem ben�tzt haben soll.
Im Anschluss an den Besuch in der Kathedrale begab sich der Papst zu Fu� zur nahe gelegenen Basilika der "Virgen de los Desamparados", wo ihn ein Blumenteppich aus zehntausenden Nelken und Levkojen erwartet. Die "Jungfrau der Verlassenen" ist die Patronin von Valencia. In der Basilika betete Benedikt XVI. mit den Angeh�rigen der Opfer der U-Bahn-Katastrophe. Danach war eine Botschaft des Papstes an die spanischen Bisch�fe vorgesehen. Vom Vorplatz der Kirche aus sprach Benedikt um 13.30 das Angelus-Gebet mit Seminaristen aus ganz Spanien und deren Familienangeh�rigen.
Abends um 21 Uhr folgt eine festlich gestaltete Begegnung mit den Teilnehmern des Weltfamilientreffens. Am Ende der Begegnung wird der Papst das Wort ergreifen.
Indessen hat der spanische Ministerpr�sident Jose Luis Zapatero �berraschend seine Teilnahme am Abschlussgottesdienst des Weltfamilientreffens mit Papst Benedikt am Sonntag abgesagt. Vermutlich ist der Grund, dass er hier in Valencia schon verschiedentlich von den Menschen ausgepfiffen wurde.

K�nig Juan-Carlos auf dem Flughafen
In seiner Ansprache auf dem Flughafen von Valencia erinnerte K�nig Juan Carlos I. zun�chst an das Metro-Ungl�ck, das zu Wochenbeginn in Valencia �ber 40 Todesopfer forderte. "Ihre Anwesenheit wird ein Trost f�r die Angeh�rigen sein", so der K�nig. Juan Carlos erinnerte an die fr�heren Besuche des damaligen Kardinals Joseph Ratzinger in Spanien und w�rdigte die Beziehungen zwischen Kirche und Staat im Land. Er erinnerte auch an die "gro�e universelle Statur" des verstorbenen Johannes Paul II., der "ein gro�er Freund Spaniens" gewesen sei, und an die 500-Jahr-Feiern des aus Spanien kommenden Heiligen Franz Xaver, eines Mitgr�nders des Jesuitenordens.
Juan Carlos sprach auch von einem "fruchtbaren Modernisierungsprozess", den sein Land in den letzten Jahrzehnten erlebe. Es sei "ein modernes, dynamisches, aber auch solidarisches Land; eine alte und gro�e Nation, plural und diversifiziert, seinen Traditionen treu, unerm�dlich im Einsatz f�r Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit." Er zitierte zustimmend die gro�e Aufmerksamkeit der Kirche f�r die Familien "als Kern des Lebens, der Weitergabe von Werten und der menschlichen Bildung". Valencia sei in diesen Tagen eine "Welthauptstadt christlicher Familien."
Juan Carlos erw�hnte auch, wie wichtig der Beitrag aller "im Kampf gegen Gewalt, Hunger, Armut, Ungerechtigkeit, Menschenrechtsverletzungen und Freiheitsberaubungen" sei. An den Papst gewandt, sagte der K�nig abschlie�end: "Wir kennen Ihren unerm�dlichen Eifer im Hirtendienst, wir kennen Sie als Mann des Gebets und des Intellekts." "Danke, dass Sie hier sind."

Die Papstansprache auf dem Flughafen
In seiner kurzen Ansprache auf spanisch meinte der Papst, er sei in das Land gekommen, um beim V. Welttreffen der Familien daran zu erinnern, wie wichtig die Weitergabe des Glaubens in der Familie sei. "Ich will die zentrale Rolle hervorheben, die die auf der Ehe aufbauende Familie f�r die Kirche und die Gesellschaft hat. Sie ist eine nach dem Plan Gottes unersetzliche Institution; die Kirche kann nicht anders, als ihren fundamentalen Wert zu verk�nden und zu f�rdern, damit er immer mit Verantwortung und Freude gelebt wird."
Es sei "mit gro�er Emotion", dass er heute das "edle Spanien" besuche, an das er viele "sch�ne Erinnerungen von fr�heren Reisen her" habe. Er sei aber auch dem "Schmerz der Familien nahe, die ihre Lieben beweinen, und allen Verletzten", sagte der Papst mit Blick auf das k�rzliche Metro-Ungl�ck von Valencia.
Wie schon Juan Carlos erinnerte Benedikt ebenfalls an seinen Vorg�nger Johannes Paul II., der sich noch vor seinem Tod f�r Valencia als Schauplatz des kirchlichen Familientreffens entschieden hatte. Er sei, so Benedikt w�rtlich, "von der gleichen Hirtensorge bewegt" wie Johannes Paul.

Begr��ungen auf dem Flughafen und Fahrt in die Stadt
Nach der Ansprache begr��te Papst Benedikt zahlreiche Pers�nlichkeiten aus Spaniens Kirche und Gesellschaft; dabei kam es auch zu einem kurzen Handschlag mit Ministerpr�sident Joseluis Zapatero.
Im Flughafengeb�ude von Valencia hat sich der Papst kurz mit dem spanischen K�nig und dessen Frau unterhalten. Einzelheiten der Unterredung wurden nicht bekannt. Dann brach Benedikt im Papamobil in die Innenstadt von Valencia auf. Dabei winkten ihm von beiden Seiten der Autobahn aus unter Valencias sommerlicher Hitze Tausende von Menschen zu, viele mit F�chern in der Hand; an einer Stelle warfen Spanier Papierschnipsel oder Bl�tenbl�tter in den vatikanischen Farben Gelb-Wei� von einer Autobahnbr�cke auf den Konvoi des Papstes hinunter.
Gegen 12.45 Uhr traf der Papst am Ort des Metro-Ungl�cks vom Wochenbeginn ein; dort wurde er vom spanischen Kronprinzenpaar Felipe und Letizia begr��t. Papst Benedikt legte vor dem Eingang der Metrostation "Jesus" einen Kranz nieder, sprach ein kurzes Gebet und erteilte seinen Segen. Au�erdem gr��te er kurz Angeh�rige von Opfern des Metro-Ungl�cks sowie einige �berlebende.

Begegnung mit Priester, Ordensleuten, Bisch�fen und Priesterseminaristen
Anschlie�end besuchte Benedikt die Kathedrale von Valencia, einen beeindruckenden gotischen Bau, der sich auf den Resten einer romanischen Vorg�ngerkirche und einer Moschee erhebt. Dort verweilte er einen Moment vor einem Kelch, der nach der Tradition von Christus beim Letzten Abendmahl verwendet wurde und seit dem Sp�tmittelalter in Valencia aufbewahrt wird. In der Kathedrale traf der Papst etwa 1.500 Priestern und Ordensleuten sowie mit der spanischen Bischofskonferenz, deren Pr�sident, ein baskischer Bischof, vom Papst unter dem Beifall der anderen Oberhirten umarmt wurde. Benedikt XVI. schenkte den spanischen Bisch�fen einen Kelch, hielt aber keine Rede, sondern verwies kurz darauf, dass er ihnen einen Brief geschrieben habe, den er ihnen �bergebe. Darin dr�ngt er die Katholiken Spaniens, sich "nicht ins Private abdr�ngen zu lassen. Nach der kurzen, aber herzlichen Begegnung mit den Bisch�fen ging der Papst in die nahe gelegene barocke Basilika, um vor der h�lzernen, mittelalterlichen Statue "Unserer Lieben Frau der Verlassenen" zu beten, die die Patronin Valencias ist. In einem kurzen Gebetstext sagte er, er vertraue die Opfer des Metro-Ungl�cks Maria an.
Auf dem Vorplatz von Kathedrale und Basilika traf der Papst Priesteramtskandidaten und deren Familien aus ganz Spanien - insgesamt mehr als 3.000 Personen. "Willkommen bei Ihnen zu Hause, willkommen in Valencia, willkommen in Spanien!" rief ihm der Erzbischof von Valencia, Agustin Garcia-Gasco Vicente, zu. "Wir haben eine sehr intensive Woche hinter uns, auch was das Metro-Ungl�ck betrifft", so der Erzbischof. "Aber wir stehen zusammen als eine Familie. Die Toten und Verletzten - das ist unsere Familie!"
Die Ortskirche von Valencia habe sich sehr intensiv auf den Papstbesuch und das kirchliche Welttreffen der Familien vorbereitet. Garcia-Gasco Vicente erinnerte an die christlichen Wurzeln Valencias; die Gl�ubigen st�nden in Treue zu Gott, von dem Benedikt in seiner ersten Enzyklika betont habe, dass er die Liebe ist.
Papst Benedikt XVI. betete in seiner Ansprache um Berufungen zum Priestertum. Vor Seminaristen sagte er auf dem Vorplatz der Kathedrale beim Angelusgebet, "der Herr der Ernte m�ge Arbeiter in seinen Weinberg schicken" (Mt 9, 38). Die Ortskirche des Erzbistums Valencia sei "sehr alt und bl�hend", so der Papst; er bitte "Unsere Liebe Frau der Verlassenen", den Glauben der Bewohner Valencias zu st�rken und "alle ihre Kinder mit Hoffnung zu erf�llen". "Die Liebe, die gegenseitige Hingabe und die Treue der Eltern sowie der Zusammenhalt in der Familie" seien ein fruchtbares Umfeld, um den Ruf Gottes zu h�ren und die Berufung zum Priestertum anzunehmen. Der Papst w�rtlich: "Lebt eure Jahre der Vorbereitung im Seminar intensiv, mit Hilfe und Unterscheidungsverm�gen eurer Ausbilder und mit dem v�lligen Vertrauen der Apostel, die Jesus so bereitwillig gefolgt sind."

Spanien: Kardinal Sterzinsky, "Gleichklang der Herzen"
60 Kardin�le wollen morgen Vormittag mit dem Papst die Messe zelebrieren, 30 waren bereits beim Pastoraltheologischen Kongress zuvor. Nur einer kommt aus dem deutschsprachigen Raum: der Erzbischof von Berlin, der auch Familienbischof ist, Kardinal Georg Sterzinsky. Doch er f�hlt sich keineswegs einsam: "Eine sehr fr�hliche Atmosph�re, ein guter Zusammenhalt, sehr viele Nationen, mehrere Sprachen…das macht gar nichts aus, da gibt es einen Gleichklang im Empfinden, einen Gleichklang der Herzen, etwas geschwollen gesagt."
F�r den Familienbischof der Deutschen Bischofskonferenz war die Reise nach Spanien nahezu eine Pflichtveranstaltung. Der Kongress hat ihm noch einmal best�tigt: Kirche beginnt in der Familie. "Das Anliegen war die Familie als der Ort, an dem der Glaube einge�bt, der Glaube weitergegeben wird. Das kam in jeder �u�erung vor. Die waren ja vorher nicht aufeinander abgestimmt, aber man merkte, ob Laien sprachen, Priester, Seelsorger, alle hatten das gleiche Anliegen: Was die Gemeinde tun kann, was in der Schule erg�nzt wird, was �bergemeindlich gelebt wird, ist alles nur eine Unterst�tzung dessen, was in der Familie begonnen hat. Deshalb m�ssen vor allem Eltern vor allem motiviert und in Stand gesetzt werden, den Kindern den Glauben vorzuleben."
Die sozialen, die soziologischen aber vor allem die stetig wachsenden Fragen zur Bioethik spielten eine gro�e Rolle. Sterzinsky sagt, auch auf diese Herausforderungen hat die Kirche die ewig gleiche Antwort: "Das ist das Typische an der Kirche und das Charakteristische, dass sie die alte Antwort gibt: Schutz des Menschen. Und es gibt �berhaupt keinen Grund ein Menschenleben zu riskieren, auch nicht Forschungswille. Selbst wenn der Forschungswille noch ethisch motiviert ist: Ein Menschenleben darf nicht Preis sein f�r irgendeine wissenschaftliche Untersuchung."
Und mit Blick auf die nun doch aufkeimende Reisefreude Benedikts XVI. und all die Vorbereitungen in Valencia ist Sterzinsky froh, dass er nicht aus Bayern kommt. "Ich musste den Besuch des Papstes vor zehn Jahren in Berlin organisieren, daher wei� ich, wie m�hsam das ist. Jetzt kommt er nach Bayern, da sind wir Bisch�fe aus den nordischen Di�zesen eingeladen, aber nicht mit der Vorbereitung befasst, und das wird sicherlich auch ganz anders sein."

Spanien: Familien hoffen auf Wunder
Der Zentralmarkt ist eines der bekanntesten Geb�ude Valencias. Ein Jugendstilbau mit einer Verkaufsfl�che von mehr als 8.000 Quadratmetern. Ganz so gro� ist die Halle auf dem Messegel�nde in Valencia nun nicht gerade, aber die Waren und Informationen auf dem "Markt der M�glichkeiten" sind mindestens so vielf�ltig wie die Waren im Zentralmarkt. Kirchliche Bewegungen und Institutionen stellen sich hier vor, auch das P�pstliche Institut Johannes Paul II. f�r Studien �ber Ehe und Familie. Ein Bericht von Birgit Pottler:
Hier gibt's weder Rioja noch Paella, und dennoch stehen die Menschen Schlange und fragen nach Informationen. F�r Elisa Nonez ist es kein Problem, mit den Menschen ins Gespr�ch zu kommen. "Es ist leicht, denn es geht ja hier um die Familie. Wir sind Familien, und jetzt kommen hier die Leute an und fragen uns, was wir f�r die Familien machen."
Sie selbst hat am P�pstlichen Institut studiert. Doch nicht nur sie, sondern ihre ganze Familie, Mann und zwei Kinder. "Das ist ein Studium, das man Kindern zusammen macht. Eltern und Kinder. Alle zusammen."
Das Institut "Johannes Paul II." ist an der r�mischen Lateran-Universit�t angesiedelt. Im ersten Jahr wird hier zwanzig Stunden pro Woche studiert. Es gibt philosophische, theologische und empirische Grundlagen und Vorlesungen zur Themen wie "Psychologie der menschlichen Sexualit�t und der famili�ren Beziehungen", "Der Embryo", "Johannes Pauls Katechese �ber den K�rper" aber auch zur Nat�rlichen Familienplanung. Nach dem ersten Studienjahr folgt ein zweites Jahr im Fernstudium zur ehelichen Spiritualit�t, Erziehungsfragen, aber auch Beziehungsproblemen. "Das ist ja das wichtigste Thema des Lebens �berhaupt: unsere Ehe, unsere Familie. Und man bereitet sich f�r die Arbeit so viel vor und f�r das wichtigste �berhaupt so wenig. Das ist etwas ganz wichtiges f�r unsere Familie. Wir sind sehr gewachsen, als Mensch und als Familie."
Das Familienmodell der katholischen Kirche ist nicht gerade das der spanischen Regierung. Die Verbindung zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren ist hier in Spanien der Ehe zwischen Mann und Frau rechtlich voll und ganz gleichgestellt. Und auch wenn nur zwei der rund 42 Millionen Spanier nicht katholisch sind, das liberale Gesellschaftsmodell findet durchaus Anklang. Elisa Nonez: "Wir sehen, wir haben eine Mission und wir erleben in diesem Sinn gerade schwierige Zeiten. Aber die Familie ist die Grundlage der Gesellschaft und wird das immer sein. Es ist egal, wenn man dagegen jetzt vorgehen m�chte, das kann man einfach nicht �ndern. Das merkt man ohnehin so schnell in den Menschen, wenn die Familie nicht das ist, was sie sein muss."
Und was ist in ihren Augen die richtige Familie? Wo gibt es die?
"Eben da wo man dich liebt f�r das, was du bist. Heutzutage haben die Menschen so viele Probleme mit sich selbst. Oft ist das so, weil es keine Familie gab, eine Familie, wo man geliebt wird, f�r das was man ist."
Dass der scheinbar unbeugsame Ministerpr�sident Zapatero den Papst in seiner Residenz in Valencia besucht, sieht die unerschrockene Familienfrau eher locker: "Eine Konversion kann immer kommen. Das ist vielleicht ein Wunder, aber f�r Gott ist nichts unm�glich." (rv)

Spanien: "Gott nicht ins Private dr�ngen lassen"
Papst Benedikt XVI. hat nach seiner Ankunft in Valencia den Bisch�fen des Landes einen pers�nlichen Brief �berreicht. Nach dem Gebet in der Kathedrale unterzeichnete er das Schreiben pers�nlich. Wir dokumentieren zun�chst Kerns�tze sowie in Folge den Wortlaut des Briefes in deutscher �bersetzung:

Kerns�tze aus dem Papstbrief an die Bisch�fe
"Ihr wisst, dass ich die Geschehnisse in der Kirche Eures Landes aus der N�he und mit gro�em Interesse verfolge, ein Land, das tiefe christliche Wurzeln hat, und das berufen ist, den Glauben zu bezeugen.
Ich kenne Euren Einsatz in der Pastoral und will Euch Mut machen in einer Zeit der raschen S�kularisierung, die bisweilen sogar das Leben in den christlichen Gemeinden ber�hrt. Verk�ndet weiterhin, dass es die Wahrheit des Menschen bedroht und die Zukunft der Kultur und der Gesellschaft belastet, sich von Gott abzuwenden und so zu handeln, als ob er nicht existiere, oder den Glauben ins rein Private zur�ckzudr�ngen. In Wirklichkeit ist der Blick auf den lebendigen Gott eine Verhei�ung f�r eine neue Menschheit.
Bewegt von Eurem pastoralen Eifer und vom Geist der gemeinsamen Verk�ndigung des Evangeliums, habt ihr das christliche Gewissen Eurer Gl�ubigen auf verschiedene Aspekte gelenkt, mit denen sie konfrontiert sind und die in einigen Gelegenheiten das kirchliche Leben und den Glauben der einfachen Gl�ubigen st�ren. Ihr habt auch die Eucharistie als Hauptthema Eures Pastoralplans gew�hlt, um "das christliche Leben von seinem Herz her neu zu beleben". Mit Sicherheit wird in der Eucharistie der "zentrale Akt der Verwandlung" Wirklichkeit, der f�hig ist, die Welt wirklich zu erneuern.
Ich bete f�r Euch, ich bete f�r Spanien. (rv)

 

 

11.07.06

Benedikt XVI. hat den R�cktritt von Vatikansprecher Joaqu�n Navarro-Valls angenommen

 

Zum Nachfolger des 69-J�hrigen ernannte er den Generaldirektor von Radio Vatikan, Federico Lombardi. Benedikt dankte Navarro-Valls f�r sein langj�hriges Engagement. Der Spanier leitete 22 Jahre lang den Pressesaal des Heiligen Stuhls. Er hatte den Papst aus Altersgr�nden gebeten, einen Nachfolger zu ernennen. Lombardi beh�lt seine Funktion bei Radio Vatikan und beim vatikanischen Fernsehzentrum CTV bei. Lombardi betonte nach seiner Ernennung, er habe sich in seiner jahrelangen T�tigkeit f�r vatikanische Medien daf�r eingesetzt, dass "die Aktivit�ten des Heiligen Vaters und die Wirklichkeit der Kirche auf objektive und ad�quate Weise bekannt und verstanden werden". Der neue Vatikansprecher geh�rt dem Jesuitenorden an, dem die Leitung von Radio Vatikan anvertraut ist. Der 63-j�hrige Norditaliener aus Saluzzo bei Turin studierte Philosophie in Norditalien und Theologie an der Jesuitenhochschule St. Georgen in Frankfurt am Main. Lombardi wurde 1991 zum Programmdirektor von Radio Vatikan ernannt, zu dessen Generaldirektor er 2005 aufstieg. Seit 2001 leitet er gleichzeitig das vatikanische Fernsehzentrum CTV. (rv)

 

 

13.07.06

Milingo kehrt zur Moon-Sekte zur�ck

Erzbischof Emmanuel Milingo hat seine Beziehungen zur Moon-Sekte reaktiviert und ist an die Seite seiner Ehefrau zur�ckgekehrt. Das hat der sambische Erzbischof bei einer Pressekonferenz in Washington bekannt gegeben. Gemeinsam mit anderen ehemaligen katholischen Geistlichen trat er dabei f�r die Aufhebung des Z�libats ein. "Es gibt keine wichtigere Heilung als die Vers�hnung von 150.000 verheirateten Priestern mit der katholischen Kirche", zitieren Medien den ehemaligen Oberhirten von Lusaka. In einer Stellungnahme des vatikanischen Pressesaales hei�t es, der Heilige Stuhl habe "noch keine genaue Kenntnis �ber den Zweck der Reise Erzbischof Emmanuel Milingos in die Vereinigten Staaten erhalten". Sollten sich die ihm zugeschriebenen �u�erungen �ber den priesterlichen Z�libat als wahr erweisen, seien sie "nur zu bedauern", da die Haltung der Kirche diesbez�glich bekannt sei. Im Mai 2001 hatte der Erzbischof in katholischen Kreisen einen Skandal ausgel�st, als er in einer Massentrauung der Moon-Sekte in New York die Koreanerin Maria Sung heiratete. Papst Johannes Paul II. hatte Milingo nach Rom zur�ckgeholt, ihm allerdings ein Schweigegebot auferlegt. Als Aufenthaltsort wies er ihm die Kleinstadt Zagarolo wenige Kilometer von Rom entfernt zu. Dort wirkte Milingo als Exorzist und zog t�glich zahlreiche Pilger an. Vor mehreren Wochen hatte der 76-j�hrige seinen Aufenthaltsort verlassen und war nicht mehr auffindbar gewesen. (rv)

 

 

14.07.06

Angel Kardinal Suquia Goicoechea verstorben

Am 13.07.2006 ist der emeritierte Erzbischof von Madrid, Angel Kardinal Suquia Goicoechea im Alter von 89 Jahren verstorben. Kardinal Suquia Goicochea war am 02.10.1916 in Zaldavia (Spanien) geboren und wurde am 07.07.1940 zum Priester geweiht. Von 1966-1969 war er Bischof von Almeria, von 1969-1973 Bischof von M�laga, 1973 wurde er Erzbischof von Santiago de Compostela und 1983 von Madrid. Papst Johannes Paul II. erhob ihn 1985 zum Kardinal mit der Titelkirche “Gran Madre di Dio”.

 

 

21.07.06

Libanon: Patriarch, Vatikan-Diplomatie ist erw�nscht

Papst Benedikt XVI. m�ge einen Sondergesandten in den Nahen Osten schicken, um im Libanon-Krieg einen Waffenstillstand zu verhandeln. Diesen Vorschlag richtete der melkitische Patriarch von Antiochien, Gregorius III., an das Kirchenoberhaupt. Gestern Abend erreichten wir den Patriarch der mit Rom unierten Ostkirche im syrischen Damaskus. "Wir m�chten gerne sehen, dass der Heilige Vater pr�sent unter uns ist durch einen Gesandten. Die Lage ist sehr sehr gef�hrlich. Deshalb habe ich eben heute einen Brief an den Heiligen Vater und an Sodano geschrieben um Hilfe, ob der Vatikan, wie es immer der Fall war, eine Initiative f�r Frieden starten kann. Damals, als Bethlehem belagert war, hat man Kardinal Roger Etchegaray geschickt, mit der Bitte, dass er auch an Ort und Stelle etwas tut. Wir sind dankbar f�r den Heiligen Vater, seine Liebe f�r die Menschen im Libanon und im Heiligen Land und seine Suche nach Gerechtigkeit f�r alle Menschen, ob Juden, Christen oder Moslems."
In dem Schreiben, das der Patriarch erw�hnt, bittet er den Papst, sich bei der UNO, den USA und der EU noch dringender f�r einen sofortigen Waffenstillstand im Libanon einzusetzen. Der "gemarterte Libanon", der "aus allen Gliedern blutet und eine offene Wunde geworden ist", k�nne diese "Pr�fung nicht l�nger ertragen", so der Patriarch der melkitisch-katholischen Kirche, der Benedikt gleichzeitig f�r seine bisherigen Friedensmahnungen dankte. Wenn der Krieg sich fortsetze, werde er auch Syrien erreichen, "und dies w�rde zu einer noch tragischeren Gei�elung f�hren", schreibt der Patriarch aus der syrischen Hauptstadt Damaskus. Wie er in einem weiteren, an Kardinalstaatssekret�r Angelo Sodano gerichteten Brief betont, sch�tzten arabische L�nder die Stellungnahmen des Papstes und des Heiligen Stuhles sehr. Er habe be�ngstigende Appelle von libanesischen Christen erhalten, die ihn, Gregorius, darum gebeten h�tten, beim Heiligen Stuhl zu intervenieren. Die Bewohner mehrerer St�dte und Orte im S�dlibanon und in Bekaa, viele von ihnen Christen, seien "buchst�blich belagert" von Israels Bomben, ohne M�glichkeit zu fl�chten oder ihre Verletzten zu versorgen. (rv)

 

 

23.07.06

Papst fordert Waffenstillstand im Nahostkonflikt

Papst Benedikt XVI. hat die Konfliktpartner im Nahen Osten dringend zu einem Waffenstillstand aufgefordert. Beim Angelusgebet in Les Combes im Aostatal ermahnte er Israelis, Pal�stinenser und Libanesen ebenso wie die internationale Gemeinschaft, sich um die Wiederaufnahme von Verhandlungen zu bem�hen. �Ich erneuere dringend meinen Appell an alle Beteiligten, damit sie umgehend die Waffen niederlegen und die Lieferung von Hilfsg�tern erm�glichen. Mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft m�ssen Wege f�r einen Verhandlungsbeginn gesucht werden. Dabei betone ich noch einmal das Recht der Libanesen auf Integrit�t und Souver�nit�t ihres Landes, das Recht der Israelis, in Frieden in ihrem Staat zu leben und das Recht der Pal�stinenser auf eine freie und souver�ne Heimat. Ich stehe vor allem den wehrlosen Zivilbev�lkerungen nah, die zu Unrecht von einem Konflikt betroffen sind, in dem sie ein allein Opfer sind: Sowohl denen in Galil�a, die zum Leben in Fl�chtlingsunterk�nften gezwungen sind, wie den vielen Libanesen, die ein weiteres Mal die Zerst�rung ihres Landes erleben, alles haben verlassen und anderswo Unterschlupf suchen m�ssen. Ich bete darum, dass der Wunsch der gro�en Mehrheit der Bev�lkerungen nach Frieden so bald wie m�glich verwirklicht wird. Nur mit Mut zum Dialog wird ein gerechter und dauerhafter Frieden errichtet. Auf Deutsch sagte der Papst im Anschluss an das Angelus-Gebet: "Von Herzen gr��e ich alle Br�der und Schwestern deutscher Sprache. Heute ist auch der Gedenktag der heiligen Birgitta von Schweden, die zu den Patronen Europas z�hlt. Diese vorbildliche Ehefrau und Mutter pilgerte noch als Witwe zu den heiligen St�tten des Christentums. Ihre gl�ubige Lebenshaltung m�ge uns inspirieren, in den Menschen und Kulturen, denen wir begegnen, die Handschrift des g�ttlichen Sch�pfers zu lesen. Euch allen einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!" (rv)

 

 

28.07.06

Vatikan: Papst kehrt aus dem Urlaub zur�ck

Der Papst kehrt aus dem Urlaub zur�ck. Die letzten Stunden im gr�nen Aosta-Tal n�hern sich dem Ende. Um 17.00 wird er in den Flieger von Air Vall�e steigen. Vom r�mischen Flughafen Ciampino aus geht es per Auto in die p�pstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo. Der Bischof von Aosta, Giuseppe Anfossi, hatte die Gelegenheit, den Papst w�hrend seines Urlaubs n�her kennen zu lernen. Er erz�hlte in einem Interview mit Radio Vatikan, was er an Papst Benedikt ganz besonders sch�tzt: "Die pers�nlichen Qualit�ten des Papstes. Seine Art im zwischenmenschlichen Umgang. Wenn er dich gr��t, dann schaut er dir wirklich ins Gesicht. Er hat manchmal die Gelegenheit gehabt, Familien mit ihren Kindern zu treffen. Dann ist er stehen geblieben, hat die Initiative ergriffen und die Kinder begr��t. Diese menschlichen Aspekte machen ihn so besonders, seine Ernsthaftigkeit, auch seine Bescheidenheit. Denn hier zeigt sie sich tats�chlich."
W�hrend seines Urlaubs hat Benedikt immer wieder seine Anteilnahme und seine Bem�hungen um Frieden im Krieg zwischen Israel und der Hisbollah demonstriert. Der Nahost-Konflikt dominierte die Urlaubstage des Papstes in Les Combes, glaubt der Bischof. "Tatsache ist, dass er sich zwar erholen sollte, sich aber von diesen Sorgen nicht zu l�sen vermochte. Es war so, wie wir es im Evangelium vergangenen Sonntag h�rten: Jesus hat Mitleid mit der Menge, aber er sagt zu den Aposteln, gehen wir einen Moment an einen einsamen Ort. Er lehrt, dass die Erholung und die Ruhepausen, in denen man seinen Glauben vertiefen kann, mit den Sorgen eines Hirten vereinbar sind - wenn schwerwiegende Sorgen das ganze Leben des Gl�ubigen bestimmen." (rv)

 

 

31.07.06

Jesuiten-General: Tatkr�ftiger Einsatz

Interview mit dem Generaloberen des Jesuitenordens, Pater Peter-Hans Kolvenbach aus Anlass des Festes des Heiligen Ignatius am 31. Juli 2006 im Jubil�umsjahr der Jesuiten 450 Jahre nach dem Tod des Ordensgr�nders.
P. Eberhard v. Gemmingen: Welches sind die Schwerpunkte der Arbeit der Jesuiten heute, welche Akzente setzt der Orden heute?
P. General Kolvenbach: Nat�rlich, in den 450 Jahren seit dem Tod des Ignatius hat sich die Welt sehr ver�ndert, doch die grundlegenden menschlichen Probleme und Bed�rfnisse sind die gleichen geblieben. So ist es nicht verwunderlich, dass die Gesellschaft Jesu heute in �hnlichen Bereichen engagiert ist wie zu Zeiten des Ignatius. Sein Eifer, den Menschen zu helfen, hatte Ignatius zum Aufbau eines Erziehungsapostolats gef�hrt, das bis heute zu den wichtigsten Feldern unseres Einsatzes geh�rt. Aber auch die Sensibilit�t f�r die sozialen Probleme und sein tatkr�ftiger Einsatz f�r die Armen und Ausgegrenzten bedeuten einen Auftrag und eine bleibende Herausforderung der Gesellschaft Jesu. Wir sollen noch immer suchen, wie wir die Liebe Gottes glaubhaft durch unseren Einsatz f�r Gerechtigkeit bezeugen k�nnen. Die Missionst�tigkeit, f�r die Franz Xaver nach Indien aufbrach, gilt auch heute als weites Arbeitsfeld, in dem der Orden seine Sendung zu erf�llen sucht. Und gemessen an der Zahl der Jesuiten, die in den Missionsl�ndern t�tig sind, ist die Gesellschaft Jesu der gr��te Missionsorden.
P. Eberhard v. Gemmingen: In welchen L�ndern dieser Erde geht es den Jesuiten relativ am besten - im Nachwuchs und �berhaupt im geistlichen Wachstum?
P. General Kolvenbach: An einem Festtag, wie dem unseres Ordensgr�nders, ist es sicher angebracht, nicht nur auf Zahlen zu schauen, sondern vielmehr jede einzelne Berufung als ein Geschenk Gottes zu betrachten.
Heutzutage gibt es in der Gesellschaft Jesu noch immer 897 Novizen. Und wir sind sehr dankbar daf�r. Aber die Nachwuchszahlen in den einzelnen L�ndern h�ngen von vielen Faktoren ab, die teils religi�ser Natur sind, teils aber auch auf gesellschaftliche Gegebenheiten zur�ckzuf�hren sind.
Eine �beralterte Gesellschaft mit wenig Jugendlichen wird weniger Berufungen hervorbringen als eine, deren Durchschnittsalter unter 30 Jahren liegt. Gro�r�umig gesehen weisen die indischen und afrikanischen Provinzen im Vergleich mit anderen Assistenzen h�here Nachwuchszahlen auf. Besonders gibt es viele Berufungen in Indonesien, auf den Philippinen und in Korea und in den letzten Jahren vor allem auch in Vietnam.
In Europa ist die Nachwuchssituation sicher in Portugal am besten, gefolgt von den beiden polnischen Provinzen.
P Eberhard v. Gemmingen: Gibt es Akzente, die die Jesuiten in diesem Jubil�umsjahr gesetzt haben?
P. General Kolvenbach: Die von den einzelnen Provinzen gesetzten Akzente sind sehr mannigfaltig Pilgerfahrten und Bildungsveranstaltungen, Vortr�ge zu Geschichte und Spiritualit�t der Gesellschaft, Konzerte mit Musik aus den ehemaligen Jesuitenreduktionen, Ausstellungen und Exerzitien auf den Spuren des Ignatius, Publikationen und Gottesdienste, aber auch Sportveranstaltungen f�r unsere Alumnen wie hier in Italien.
Neben solchen Aktivit�ten nach au�en geht es in einem Jubil�umsjahr jedoch vor allem auch um die innere Erneuerung der Jesuiten und der ganzen ignatianischen Familie.
Diesem Anliegen dienen beispielsweise die Kongresse zu den Exerzitien und zu den Konstitutionen, gemeinsam gemachte Exerzitien und Einkehrtage Nicht unerw�hnt bleiben soll der Gottesdienst am 22. April in St Peter, als wir das Jubil�um mit dem Heiligen Vater gefeiert haben. (rv)

 

 

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8/2006

 

 

02.08.06

Johannes Kardinal Willebrands verstorben

Kardinal Johannes Willebrands ist tot. Der fr�here Leiter des p�pstlichen Rates f�r die Einheit der Christen starb im Alter von fast 97 Jahren im Franziskanerkloster Denekamp. Das Erzbistum Utrecht gab jetzt den Tod des �ltesten Kardinals der Kirche bekannt. Willebrands, der aus Bovenkarspel im Bistum Haarlem kam, war einer der Pioniere bei der Ann�herung zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche. Priester seit 1934, engagierte er sich in den Niederlanden schon fr�h f�r �kumenische Belange. 1960 machte ihn Papst Johannes XXIII. zum Sekret�r des neugegr�ndeten Einheits-Sekretariats unter dem deutschen Kardinal Augustin Bea. W�hrend des Konzils arbeitete er an den Dokumenten zu �kumene, Religionsfreiheit und nichtchristlichen Religionen mit. Bischof wurde er 1964, Kardinal und Pr�sident des p�pstlichen Einheits-Sekretariats dann f�nf Jahre sp�ter unter Paul VI. Von 1975 bis 1983 war Willebrands auch Erzbischof von Utrecht, ohne aber seinen r�mischen Einheits-Posten aufzugeben. Zeitweise amtierte er auch als Pr�sident der niederl�ndischen Bischofskonferenz und als Camerlengo des Kardinalskollegiums. Im Dezember 1989 ging er in den Ruhestand.
Kaum einer hat wie Willebrands die �kumenische Arbeit der katholischen Kirche gepr�gt. (rv)

 

 

14.08.06

Agostino Kardinal Cacciavilan verliert sein Wahlrecht

Kardinal Cacciavilan ist heute 80 Jahre alt geworden und verliert somit sein aktives Wahlrecht in einem k�nftigen Konklave. Mit seinem Geburtstag sinkt die Gesamt- zahl der Wahlberechtigten unter die 120.

  • Kardin�le mit Wahlrecht:          119 Kardin�le
  • Kardin�le ohne Wahlrecht:         71 Kardin�le
  • Gesamtzah des Kollegiums:       190 Kardin�le

 

 

26.08.06

Papst pilgert zum Volto Santo

Weltpremiere f�r eine Reliquie: In sechs Tagen besucht zum ersten Mal ein Papst das Dorf Manoppello in den italienischen Abruzzen, um dort das so genannte �Volto Santo, zu deutsch: Heiliges Antlitz, zu sehen. Dabei handelt es sich um einen feinen Schleier, auf dem das Gesicht Jesu Christi zu sehen sein soll. Die Tuchreliquie kam 1506 nach Manoppello und wird in der Kapuzinerkirche �Santuario del Volto Santo in einem doppelseitig verglasten Reliquiar ausgestellt Bruder Emiliano �ber die Bedeutung des Besuchs von Papst Benedikt XVI. in Manoppello:
�Benedikt XVI. wird der erste Papst der Geschichte sein, der zu uns kommt. Das hei�t, es handelt sich um eine Pilgerreise, so wie f�r die vielen Menschen, die uns besuchen, um nicht so sehr das Antlitz zu sehen, sondern von diesem Antlitz gesehen zu werden, das an den Auferstandenen erinnert.
In seinem j�ngsten Interview in Castel Gandolfo sagte der Papst gegen�ber Radio Vatikan und mehreren deutschen Medien: Wir m�ssen den Gott mit einem menschlichen Antlitz wieder entdecken. Dabei kann die Reliquie von Manoppello helfen, glaubt Bruder Emiliano.
�Wir alle suchen einen m�chtigen Gott, der die Probleme unseres Lebens l�st. Doch im Volto Santo von Manoppello tritt uns ein zerbrechlicher Gott gegen�ber, der gelitten hat, der Blut und Tr�nen vergossen hat, der Momente der Freude erlebt hat - wie jeder von uns. Es scheint merkw�rdig: in unserem Zeitalter der Bilder zeigt sich der Herr durch ein Gesicht, durch ein Bild. Ein Bild, das nicht so sehr Antworten gibt als vielmehr Fragen in uns aufwirft, die unseren Glauben und unser Leben herausfordern. (rv)

 

 

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9/2006

 

 

01.09.06

Forte, Papstbesuch ist kein Echtheitszertifikat

Mit gro�er Begeisterung ist Papst Benedikt XVI. heute Morgen im Wallfahrtsort Manoppello empfangen worden. Sein Appell an alle Gl�ubigen: �Sucht stets das Antlitz Christi! Kurz vor zehn Uhr landete der Hubschrauber aus Castelgandolfo im Abruzzenst�dtchen. Tausende Gl�ubige bereiteten ihm einen begeisterten Empfang. Auf den rund 300 Metern Fu�weg zur Kirche nahm der Papst ein Bad in der Menge. Der zust�ndige Bischof von Chieti-Vasto, Bruno Forte, und Vertreter der Bezirksregierung begleiteten ihn. Benedikt war sichtlich ger�hrt �ber diesen �so herzlichen Empfang. �Ich sehe die Kirche als eine gro�e Familie. Wo der Vater ist, vereint sich die Familie mit gro�er Freude. F�r mich ist das ein Zeichen lebendigen Glaubens, ein Zeichen der Freude, die der Glaube in uns erweckt. Der Papst betete still vor dem so genannten �Volto Santo, der Reliquie, die als Schwei�tuch der Veronika verehrt wird. Benedikt bezeichnete seinen Besuch als �private Pilgerreise, auf die Debatte um die Echtheit des Tuches ging er nicht ein. Das Gebet des Papstes d�rfe nicht als Echtheitszertifikat interpretiert werden, sagte Bischof Forte sp�ter. �Das wollte und konnte es nicht sein, zitiert ihn die Nachrichtenagentur ANSA.
Doch Bruno Forte war bewegt, dankte aus ganzem Herzen pers�nlich und im Namen seiner Gl�ubigen, die, so h�tte der Papst selbst es sp�ren k�nnen, �ihn ganz besonders lieben: �Danke, dass Sie uns helfen, unter dieses barmherzige Antlitz all unser Sehnen zu tragen, angefangen mit dem nach Frieden, f�r den wir in diesen Monaten so viel gebetet haben - von Ihnen gef�hrt und ermutigt. In der Kirche traf Benedikt nur die offiziellen Vertreter aus Kirche, Politik und Kapuziner. Der Orden betreut den Wallfahrtsort und bewacht sozusagen das �Heilige Antlitz. Einzige Frau: Die deutsche Trappistin Blandina Schl�mer, Ikonenmalerin und Entdeckerin des Schleiers von Manoppello.
Der Papst gr��te sie besonders, die Menschen, die sich zum Priester- und Ordensleben berufen f�hlten: �Personen, die ich gerne als in Christus verliebt bezeichne, von ihm angezogen und darauf aus, die eigene Existenz zu einer st�ndigen Suche nach seinem Heiligen Angesicht werden zu lassen. Christusnachfolge ist das Thema der kurzen Ansprache, keine historisch-wissenschaftlichen Diskurse: �Ja, liebe Br�der und Schwestern, wer �Gott sehen' will, muss Christus kennen und sich von seinem Geist durchleuchten lassen, der die Gl�ubigen �zur vollkommenen Wahrheit' f�hrt (vgl. Joh 16,13). Wer Jesus begegnet, wer sich von ihm anziehen l�sst und bereit ist, ihm bis zur Aufgabe des Lebens zu folgen, erf�hrt am eigenen Leib, so wie Er am Kreuz, dass nur �das Weizenkorn, das in die Erde f�llt und stirbt, reiche Frucht bringt' (vgl. Joh 12,24).
Alle Gl�ubigen forderte der Papst zu dieser Nachfolge auf. Nur so k�nne das Antlitz Christi gefunden werden:
�Um das Antlitz des Herrn in den Mitmenschen und den Ereignissen des Alltags zu erkennen, braucht es �unschuldige H�nde und reine Herzen'. Unschuldige H�nde, also ein Dasein, das von der Wahrheit der Liebe erleuchtet ist, die die Gleichg�ltigkeit besiegt, den Zweifel, L�ge und Egoismus. Au�erdem braucht es reine Herzen, Herzen, die von der Sch�nheit Gottes geraubt wurden, wie es die kleine Teresa von Lisieux in ihrem Gebet zum Heiligen Antlitz sagt. Herzen, die das Siegel des Angesichts Christi tragen. Alle sind berufen, einige haben besondere Aufgaben:
�Liebe Priester, habt keine Angst, auch die euch anvertrauten Gl�ubigen, anzustecken und zu verzaubern. Ihr Seminaristen, die ihr euch darauf vorbereitet, das christliche Volk in Verantwortung zu leiten, lasst euch von nichts anderem verlocken als von Jesus und dem Verlangen, seiner Kirche zu dienen. Ebenso m�chte ich euch Ordensm�nnern und -frauen sagen, dass all euer Handeln ein sichtbarer Widerschein der G�te und Barmherzigkeit Gottes sein soll. Und schlie�lich ein Verweis auf die Hilfe der Gottesmutter, die in den Abruzzen in zahlreichen Kapellen verehrt wird: �Die Mutter des Sch�pfers helfe uns, zur Achtung der Natur, dem gro�en Geschenk Gottes, das wir in der zauberhaften Bergwelt, die uns umgibt, bewundern k�nnen. Dieses Geschenk ist aber immer st�rker den Gefahren der Umweltzerst�rung ausgesetzt und muss deshalb verteidigt und gesch�tzt werden. Die Dringlichkeit dieses Anliegens wird durch den Gedenk- und Gebetstag zur Wahrung der Sch�pfung, hervorgehoben, den die Kirche in Italien gerade heute begeht.
Zahlreiche Geschenke nimmt Benedikt aus Manoppello mit nach Hause. K�stlichkeiten aus der Region und einen Spendenumschlag, eine Reproduktion des Tuches, zwischen zwei Glasscheiben im Silberrahmen und eine Ikone gem�� dem Volto Santo - gemalt von Sr. Blandina. Ins G�stebuch der Wallfahrtskirche schrieb der Papst: �Der Herr helfe euch, sein Antlitz immer besser zu erkennen, und so den Vater zu sehen! Er gr��te �in der Gebetsgemeinschaft nach der gemeinsamen Suche nach seinem Antlitz. Im Anschluss besuchte Benedikt den Konvent der Kapuziner, die das Heiligtum betreuen. Dort war auch eine Begegnung mit dem Experten P. Heinrich Pfeiffer und Schwester Blandina geplant. Am fr�hen Nachmittag kehrte er nach Castel Gandolfo zur�ck, um seine ehemaligen Sch�ler vom �Ratzinger-Sch�lerkreis zu empfangen. ( rv )

 

 

03.09.06

Papst: Freue mich auf Bayern

Papst Benedikt XVI. freut sich auf seine Reise in die bayerische Heimat, die er am n�chsten Wochenende antritt. Das sagte er heute beim Angelusgebet im Hof seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo. Ich freue mich auf das Wiedersehen mit vielen Landsleuten in der n�chsten Woche in Bayern!, rief er den Pilgern aus dem deutschen Sprachraum zu.
In seinem italienischen Redetext w�rdigte Benedikt seinen Vorg�nger im Papstamt, den heiligen Gregor den Gro�en, weil er sich als Diener der Diener Christi verstanden habe. Diese Einstellung mache Gregor nicht nur f�r die Hirten der Kirche, sondern auch f�r Politiker zum Vorbild. Priester sollten, so f�hrte der Papst weiter aus, die Balance zwischen Kontemplation und Aktion halten.
Auf deutsch sagte der Papst u.a.: Wer Gottes Willen erf�llen m�chte, darf sich nicht auf �u�eres Tun beschr�nken. Gott fragt nach dem Herzen des Menschen. �ffnen wir dem Herrn unser Inneres; er macht es rein und stark und schenkt uns das wahre Leben. (rv)

 

 

03.09.06

Bertone, Vertrauen zur UNO

Der k�nftige Kardinalstaatssekret�r des Vatikans, Kardinal Tarcisio Bertone, hat Vertrauen zur UNO. Der Vatikan unterst�tze die Rolle der Vereinten Nationen als Friedensschafferin, meinte er in einem Gespr�ch mit der italienischen Tageszeitung La Repubblica. Die UNO stehe immer an vorderster Front f�r die Werte des friedlichen Zusammenlebens und der Vermittlung. Bertone zeigt damit, dass er in Sachen UNO auf einer Linie mit dem scheidenden Kardinalstaatssekret�r Angelo Sodano liegt. Bertone, der am 15. September seine neue Aufgabe im Vatikan �bernimmt, zeigte au�erdem gro�es Vertrauen zur UNO-Friedensmission im S�dlibanon, die von Italien gef�hrt wird.
Der 71-j�hrige Kardinal betonte aber auch die Rolle der Kirche als Vermittlerin zwischen streitenden Parteien. Die Kirche spricht mit jedem, auch mit Diktatoren, meinte er w�rtlich. (rv)

 

 

04.09.06

Programm der Apostolischen Reise von Papst Benedikt XVI. in seine Heimat

Samstag, 9. September

Ciampino (Rom)

13.45

Abflug vom Flughafen Rom/Ciampino nach M�nchen

DEUTSCHLAND

M�nchen

15.30

Ankunft auf dem Internationalen Flughafen "Franz Joseph Strauss". Begr��ungszeremonie - Ansprache des Papstes

16.15

Fahrt vom Flughafen zum Seminar Georgianum

17.00

Ankunft am Seminar Georgianum auf dem Prof. Huber-Platz

17.10

Fahrt im Auto vom Georgianum zum Marienplatz

17.30

Gebet vor der Mariens�ule auf dem Marienplatz - Gebet und Gru�worte des Papstes

18.15

Fahrt im Auto vom Marienplatz zur Residenz auf dem Max-Joseph-Platz

18.30

H�flichkeitsbesuch beim Bundespr�sidenten in der Residenz auf dem Max-Joseph-Platz

19.15

Treffen mit der Bundeskanzlerin in der Residenz auf dem Max-Joseph-Platz

19.45

Treffen mit dem bayerischen Ministerpr�sidenten in der Residenz auf dem Max-Joseph-Platz

20.15

Fahrt im Auto von der Residenz auf dem Max-Joseph-Platz zum Erzbisch�flichen Palais

20.30

Ankunft im Erzbisch�flichen Palais

Sonntag, 10. September

8.45

Fahrt im Auto vom Erzbisch�flichen Palais zur Neuen Messe

9.30

Ankunft auf dem Gel�nde vor der Neuen Messe in M�nchen. Begr��ung der Gl�ubigen bei der Fahrt im offenen Wagen

9.45

Ankunft in der Sakristei auf der Neuen Messe

10.00

Hl. Messe auf dem Gel�nde vor der Neuen Messe -Predigt des Papstes

 

Angelus auf dem Gel�nde vor der Neuen Messe - Gru�worte des Papstes

12.15

R�ckkehr zur Sakristei

12.30

Fahrt im Auto von der Neuen Messe zum Erzbisch�flichen Palais

13.00

Ankunft im Erzbisch�flichen Palais. Mittagessen mit dem Papstgefolge und den Kardin�len

17.15

Fahrt im Auto vom Erzbisch�flichen Palais zur Kathedrale von M�nchen

17.30

Feier der Vesper in der Kathedrale von M�nchen. -Predigt des Papstes

19.00

Fahrt im Auto von der Kathedrale zum Erzbisch�flichen Palais

19.15

Ankunft im Erzbisch�flichen Palais

Montag, 11. September

7.50

Abschied vom Erzbisch�flichen Palais

8.00

Fahrt im Auto vom Erzbisch�flichen Palais zum Hubschrauberlandeplatz der Bayern-Kaserne M�nchen

8.15

Ankunft auf dem Hubschrauberlandeplatz

8.20

Abflug vom Hubschrauberlandeplatz M�nchen nach Alt�tting

Alt�tting

9.20

Ankunft auf dem Hubschrauberlandeplatz Alt�tting

9.30

Fahrt im Auto vom Flugplatz zum Heiligtum Alt�tting

9.45

Besuch der Gnadenkapelle im Heiligtum Alt�tting

10.00

Fahrt im Auto vom Heiligtum zur Sakristei in Alt�tting

10.15

Ankunft in der im Pfarrhaus eingerichteten Sakristei

10.30

Hl. Messe auf dem Platz vor dem Heiligtum  -Predigt des Papstes

12.30

Prozession des Allerheiligsten, begleitet von der Madonnenstatue, vom Platz vor dem Heiligtum zur neuen Anbetungskapelle bei der Stiftspfarrkirche St. Philippus und St. Jakobus

12.45

Einweihung der Anbetungskapelle

13.15

Gang von der Sakristei bei der Anbetungskapelle zum Kloster St. Magdalena

13.30

Ankunft im Kloster St. Magdalena

16.30

Fahrt im Auto vom Kloster St. Magdalena zur Basilika von Alt�tting.

17.00

Marianische Vesper mit den Ordensleuten und Seminaristen Bayerns in der Basilika St. Anna  -Predigt des Papstes

18.15

Fahrt im Auto von der Basilika St. Anna in Alt�tting nach Marktl am Inn

Marktl am Inn

18.45

Ankunft in Marktl am Inn
Besuch der Pfarrgemeindekirche St. Oswald

19.00

Fahrt im Auto von der Kirche zum Flugplatz von Marktl am Inn

19.15

Ankunft auf dem Flugplatz von Marktl am Inn

19.20

Abflug von Marktl am Inn nach Regensburg

Regensburg

20.20

Ankunft auf dem Flugplatz der Nibelungenkaserne in Regensburg

20.30

Fahrt im Auto von der Nibelungenkaserne zum Priesterseminar St. Wolfgang

20.45

Ankunft im Seminar

Dienstag, 12. September

9.15

Fahrt im Auto vom Priesterseminar St. Wolfgang zum Islinger Feld

9.30

Ankunft auf dem Islinger Feld. Fahrt mit dem offenen Wagen zur Begr��ung der Gl�ubigen

9.45

Ankunft in der Sakristei hinter dem Altar auf dem Islinger Feld

10.00

Hl. Messe auf dem Islinger Feld -Predigt des Papstes

12.15

R�ckkehr zur Sakristei hinter dem Altar auf dem Islinger Feld

12.30

Fahrt im Auto vom Islinger Feld zum Seminar St. Wolfgang

12.45

Ankunft im Seminar St. Wolfgang
Mittagessen mit dem Papstgefolge

16.45

Fahrt im Auto vom Seminar St. Wolfgang zur Universit�t von Regensburg

17.00

Treffen mit den Vertretern der Wissenschaft in der Aula Magna der Universit�t Regensburg -Ansprache des Papstes

18.00

Fahrt im Auto von der Universit�t zum Dom von Regensburg

18.15

Ankunft im Dom von Regensburg. Prozession von der Kirche St. Ulrich zum Dom

18.30

�kumenische Vesper im Dom von Regensburg- Predigt des Papstes

19.30

Fahrt im Auto vom Dom zum Priesterseminar St. Wolfgang

19.45

Ankunft im Seminar St. Wolfgang

Mittwoch, 13. September

Privates Programm des Papstes

7.30

Hl. Messe, Fr�hst�ck und privater Aufenthalt im Seminar St. Wolfgang

11.00

Einweihung der neuen Orgel in der Alten Kapelle -Gebet und Gru�worte des Papstes

11.45

Besuch im Haus von Msgr. Georg Ratzinger in Regensburg. Mittagessen und Ruhepause

15.00

Fahrt im Auto vom Haus von Msgr. Georg Ratzinger zum Friedhof Ziegetzdorf

Ziegetzdorf

15.30

Besuch des Friedhofes von Ziegetzdorf und der Josefskirche

Pentling

16.30

Privater Aufenthalt im Haus in Pentling. Abendessen

19.30

Fahrt im Auto von Pentling zum Seminar St. Wolfgang in Regensburg

Regensburg

20.00

Ankunft im Seminar St. Wolfgang

Donnerstag, 14. September

7.30

Privatmesse im Seminar St. Wolfgang

9.00

Abschied vom Seminar St. Wolfgang

9.15

Fahrt im Auto vom Seminar zum Flugplatz der Nibelungenkaserne in Regensburg

9.30

Ankunft auf dem Flugplatz der Nibelungenkaserne

9.40

Abflug von Regensburg nach Freising

Freising

10.30

Ankunft in der Von-Stein-Kaserne in Freising

 

Fahrt im Auto vom Flugplatz zur Kathedrale von Freising

10.40

Ankunft im Dom von Freising

10.45

Begegnung mit den Priestern und st�ndigen Diakonen Bayerns im Dom St. Maria und St. Korbinian -Ansprache des Papstes

11.45

Fahrt im Auto vom Dom zum Internationalen Flughafen "Franz Joseph Strauss" in M�nchen

M�nchen

12.15

Ankunft auf dem Internationalen Flughafen "Franz Joseph Strauss".

 

Abschiedszeremonie auf dem Flughafen "Franz Joseph Strauss" -Ansprache des Papstes

12.45

Abflug von M�nchen nach Rom

ITALIEN

Ciampino (Rom)

14.30

Ankunft auf dem Flughafen Ciampino (Rom)

 

 

07.09.06

Kardinal-Staatssekret�r Sodano

Der scheidende Kardinal-Staatssekret�r Angelo Sodano sieht sich im R�ckblick auf seine T�tigkeit als Spitzenpolitiker des Vatikan zugleich auch als geistlichen Hirten. Ihm sei es darum gegangen, "den christlichen Sauerteig in das Leben der Nationen zu bringen", schreibt der Chefdiplomat in einem heute pr�sentieren Sammelband �ber seinen fast 16-j�hrigen Dienst als "Nummer Zwei" in der Hierarchie der katholischen Kirche. Zur Abl�se zwischen dem scheidenden und dem kommenden Kardinalstaatssekret�r, dem bisherigen Genueser Oberhirten Tarcisio Bertone, richtet der Vatikan am 15. September eine Zusammenkunft in der p�pstlichen Sommerresidenz Castelgandolfo aus. ( rv )

 

 

07.09.06

Ein Brief des Papstes nach Bayern

Papst Benedikt XVI. hat sich in einer pers�nlichen Botschaft an die Menschen gewandt, die ihn bei seinem Besuch vom 9. bis 14. September in seiner bayerischen Heimat begr��en und mit ihm Gottesdienst feiern werden. "Ich freue mich auf die Begegnung mit den Menschen in Bayern", hei�t es in einem Brief des Papstes, der handschriftlich an die "Lieben Leser der M�nchener Kirchenzeitung" gerichtet ist, aber allen Menschen gilt, die entlang der Stra�en ihn begr��en, auf �ffentlichen Pl�tzen und in Kirchen mit ihm beten und die Eucharistie feiern werden. Er wisse sich mit den Menschen verbunden und danke ihnen, dass sie daf�r "die M�hsal der Pilgerschaft und viele Stunden geduldigen Wartens auf sich nehmen". Die mit "Euer Papst Benedikt XVI." am 15. August 2006 unterzeichnete Botschaft des Papstes hat folgenden Wortlaut:
Liebe Leser der M�nchener Kirchenzeitung!
Endlich kann ich der herzlichen Einladung zu einem Besuch in meiner bayerischen Heimat folgen. Ich freue mich auf die Begegnung mit den Menschen in Bayern, mit Orten meiner Kindheit und Jugend, meiner Studien und meines Wirkens als Lehrer der Theologie und als Erzbischof von M�nchen und Freising.
Mir ist in den r�mischen Jahren und noch einmal verst�rkt nach meiner Wahl zum Nachfolger Petri soviel Zuwendung gerade aus Bayern zuteil geworden, die ich nun dankbar und von ganzem Herzen erwidern m�chte. Die Zusammengeh�rigkeit mit den Menschen in der Heimat, das mir von so vielen immer wieder vertrauensvoll zugesicherte Gebet ist mir in meiner Verantwortung f�r die gro�e katholische Weltkirche eine wichtige St�tze.
So freue ich mich auf die vielen Menschen, die entlang der Stra�en mich begr��en wollen, die mit mir auf Pl�tzen und in ehrw�rdigen Kirchen beten und das Geheimnis der heiligen Eucharistie feiern werden. Ich wei� mich ihnen verbunden und danke ihnen, dass sie daf�r die M�hsal der Pilgerschaft und viele Stunden geduldigen Wartens auf sich nehmen.
Die Bisch�fe der von meinem Besuch ber�hrten bayerischen Bist�mer haben ein Wort aus der Predigt bei meiner Amtseinf�hrung zum Motto f�r die Tage der Begegnung mit mir gew�hlt: Wer glaubt, ist nicht allein! Wir werden uns im gemeinsamen Glauben begegnen und als Gemeinschaft der Glaubenden erfahren. Diese Gemeinschaft reicht weit hinein in die Jahrhunderte zu vielen Generationen, die im Geist des Evangeliums das bayerische Volk und seine Kultur christlich gepr�gt haben. Diese Gemeinschaft umfasst ebenso die Menschen der Gegenwart, damit ein manchmal m�des Christentum eine pfingstliche Stunde erleben und wieder Mut f�r einen neuen Aufbruch fassen kann.
Ich m�chte von Herzen w�nschen, dass mein Besuch in der Heimat die Freude am Christentum neu wecken und vor allem die Zuversicht st�rken kann, dass die Gemeinschaft der Kirche in die Verantwortung hineingekommen ist, f�r alle eine menschliche Zukunft zu gestalten. Damit verbinde ich auch die Hoffnung, dass wieder mehr junge Menschen die Zweifel an der Zukunftsf�higkeit der Kirche �berwinden und sich f�r die Berufung zum priesterlichen Dienst wie auch zum Dienst als Ordensfrau oder Ordensmann entscheiden k�nnen.
Lassen wir uns in diesen Tagen meines Besuches in Bayern und in der nachfolgenden Zeit von dem tragenden Bewusstsein erf�llen, dass die Kirche nicht von uns und unseren Leistungen her lebt, sondern dass sie allein von der Liebe Christi gehalten wird, auf die wir immer neu vertrauen d�rfen.
Euer Papst Benedikt XVI.
Castel Gandolfo, 15. 8. 2006" (rv )

 

 

09.09.06

Informationen zum 1. Tag des Papstbesuchs in Bayern

Benedikt XVI. beginnt Reise durch Bayern
Er ist wieder zu Hause: Papst Benedikt XVI. ist in Bayern angekommen. Heute Nachmittag wurde er auf dem M�nchener Flughafen willkommen gehei�en. Der Papst will in den n�chsten Tagen M�nchen, Alt�tting, seinen Geburtsort Marktl, Regensburg und Freising besuchen. Sein Ziel: Noch einmal die Orte und Menschen sehen, die ihn gepr�gt haben.
Ankunft auf dem Flughafen
Papst Benedikt XVI. ist in M�nchen eingetroffen. Etwas vor der geplanten Zeit von 15.30 Uhr setzte die Alitalia-Maschine auf dem Franz-Joseph-Strau�-Flughafen der bayerischen Metropole auf.
Bei strahlendem Sonnenschein warteten mehrere tausend Menschen, darunter zahlreiche Bisch�fe. Am Fu� der Gangway wurde Benedikt von Bundespr�sident Horst K�hler, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpr�sident Edmund Stoiber begr��t; das Ehepaar Stoiber scherzte mit dem hohen Gast aus Rom einen Moment lang �ber das strahlend sch�ne Sommerwetter, das den Papst in seiner Heimat begr��te, dann intonierten Bundeswehrsoldaten die vatikanische und die deutsche Hymne - sowie das Lied "Gott mit dir, du Land der Bayern".
An das milit�rische Zeremoniell schloss sich die Vorstellung der Politiker durch Bundespr�sident K�hler und Ministerpr�sident Stoiber an. Kardinal Friedrich Wetter stellte dem Papst die kirchlichen W�rdentr�ger vor. Es waren auch Vertreter der orthodoxen und protestantischen Kirche anwesend.
Ein sch�nes Bild: Ein Bub und Madl in Tracht �berreichten dem Papst einen traditionellen Kr�uterstrau�.
K�hler: "Hoffe auf �kumenischen Fortschritt"
Horst K�hler begr��te Papst Benedikt mit den Worten "Willkommen in der Heimat! Wir freuen uns sehr, dass Sie wieder bei uns sind." Die zweite Visite des Papstes in seiner Heimat bedeute ein Bekenntnis zu seiner Herkunft. K�hler warb eindringlich f�r mehr Fortschritte im Gespr�ch der Kirchen untereinander. Zwar lie�en sich 500 Jahre unterschiedlicher theologischer und glaubenspraktischer Entwicklung nicht mit einem Federstrich beenden, und er wisse ja auch, dass in den letzten f�nfzig Jahren schon viel f�r eine Ann�herung der Kirchen erreicht worden sei. "Ich darf aber als evangelischer Christ meine Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass diese �kumenische Entwicklung weitergeht, vor allem in gegenseitigem Respekt und in Anerkennung der tiefen und wesentlichen Gemeinsamkeiten."
Der Papst habe immer wieder sich gegen den Missbrauch von Religion gewehrt, die jede religi�se �berzeugung in Misskredit bringe, so K�hler weiter. "Ich hoffe sehr, dass Ihre Botschaft immer mehr offene Ohren findet und in den Herzen und K�pfen Raum gewinnt - �berall auf der Welt. Wir m�chten, dass dieser Planet Erde, diese Eine Welt, f�r uns alle eine gute Heimat sein kann, wo immer wir leben."Erste Ansprache des Papstes
In seiner Ansprache dankte der Papst f�r die herzliche Begr��ung. Er sei tief bewegten Herzens nun wieder auf deutschem und bayrischen Boden. Viele Erinnerungen w�rden wach: "In diesem Augenblick steigen in meinem Innern viele Erinnerungen an die in M�nchen und Regensburg verbrachten Jahre auf - Erinnerungen an Menschen und Ereignisse, die tiefe Spuren in mir hinterlassen haben. Im Bewusstsein all dessen, was ich empfangen habe, bin ich hier vor allem, um meine herzliche Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, die ich allen gegen�ber empfinde, die zur Formung meiner Pers�nlichkeit beigetragen haben. Doch ich bin hier auch als Nachfolger des Apostels Petrus, um die tiefen Bindungen zwischen dem R�mischen Bischofssitz und der Kirche in unserer Heimat erneut zu bekr�ftigen und zu best�tigen. Es sind Bindungen, die in ihrer jahrhundertelangen Geschichte stets lebendig erhalten wurden durch die Treue zu den Werten des christlichen Glaubens, derer sich gerade die bayerischen Lande besonders r�hmen d�rfen. ... Der heutige gesellschaftliche Kontext ist in vieler Hinsicht verschieden von dem der Vergangenheit. Trotzdem denke ich, dass uns alle die Hoffnung verbindet, die kommenden Generationen m�gen dem geistigen Erbe treu bleiben, das durch alle Krisen der Geschichte hindurch standgehalten hat. ... Mein Wunsch ist es, dass alle meine Landsleute in Bayern und in Deutschland insgesamt sich aktiv an der Weitergabe der grundlegenden Werte des christlichen Glaubens an die B�rger von morgen zu beteiligen.
Dar�ber hinaus m�chte ich nun einen sehr herzlichen Gru� an alle Einwohner Bayerns und ganz Deutschlands richten. Dabei denke ich nicht nur an die katholischen Gl�ubigen, denen mein Besuch in erster Linie gilt, sondern auch an die Mitglieder der anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, besonders an die evangelischen und die orthodoxen Christen. Schlie�lich gr��e ich die Angeh�rigen anderer Religionen sowie auch alle Menschen guten Willens, denen der Friede und die Ruhe des Landes ein Herzensanliegen sind. ... Allen Anwesenden ein herzliches "Gr�� Gott!"
Papst: Gebet an der Mariens�ule
Unter Polizeischutz wurde Papst Benedikt in die M�nchener Innstadt begleitet, wo ihn bereits Tausende mit wei�-gelben F�hnchen winkend erwarteten. Angekommen im Priesterseminar, dem Herzoglichen Georgianum, stieg Papst Benedikt in das Papamobil um. Gemeinsam mit Kardinal Wetter fuhr er dann durch die Ludwigsstra�e, die Theatinerstra�e und Weinstra�e bis zum Marienplatz. Dort waren die Menschen sichtlich begeistert, als der Papst im Papamobil angefahren kam - mit weiten Gesten begr��te er die Pilger, die hier bereits seit Stunden auf ihn warteten. An der Mariens�ule angekommen war die Menge kaum noch zu halten - Benedetto-Rufe schallten aus einem blau-wei� und wei�-gelben Fahnenmeer. Das Blasorchester M�nchen-Perlach spielte Papst Benedikt zur Ankunft einen bayrischen Marsch.
Papst Benedikt begab sich auf das blumengeschm�ckte Podium an der Mariens�ule. Das p�pstliche Wappen sowie das Wappen der bayrischen Landeshauptstadt zierten als Blumenteppich das Ambiente. Dann richteten Edmund Stoiber und Kardinal Wetter ein Wort des Gru�es an den Papst.
Ansprache von Edmund Stoiber: die Kerns�tze
F�r die Menschen in unserem Land und f�r mich pers�nlich geht heute ein Herzenswunsch in Erf�llung: Unser deutscher Papst kehrt in seine bayerische Heimat zur�ck. Wir alle sind tief bewegt,�bergl�cklich und dankbar, diesen historischen und einmaligen Augenblick miterleben zu d�rfen.
Vor fast 25 Jahren lie�en wir Sie nur schweren Herzens nach Rom ziehen. Auch wenn Sie damals den M�nchner Bischofsstuhl gegen den Vorsitz der Glaubenskongregation eingetauscht haben und Rom Ihre zweite Heimat wurde: Sie haben trotzdem nie einen Hehl daraus gemacht, dass Sie im Herzen immer ein Bayer geblieben sind. Wie sehr sich die Menschen hier in Bayern �ber Ihren Heimat- und Pastoralbesuch freuen, l�sst sich nur schwer in Worte fassen. Der Jubel der vielen Tausenden von Gl�ubigen, die bei Ihrer Fahrt durch M�nchen die Stra�en ges�umt haben und hier auf dem Marienplatz versammelt sind, ist ein sichtbarer Ausdruck dieser Begeisterung. Sie zeigt Ihnen aber auch: Die christlichen Wurzeln in Bayern sind stark und kraftvoll. In unserer s�kularen Welt erf�llt es mich mit Freude und Hoffnung zu sehen, wie lebendig der Glaube ist und wie viele Menschen, gerade auch junge, ihr Leben aus einer religi�sen Verwurzelung heraus gestalten.
Sie sagen es und wir sp�ren es: Die bayerische Heimat hat Sie gepr�gt. Doch Sie haben in Ihrer Heimat auch sichtbare Spuren hinterlassen als Seelsorger, geistlicher Oberhirte und renommierter Theologe. Sie haben mahnend Ihre Stimme erhoben, wenn christliche Grundwerte und Menschenw�rde dem Zeitgeist zu unterliegen drohten. Wir alle sind Ihnen zutiefst dankbar, dass Sie das christliche Gesicht Bayerns entscheidend mitgestaltet haben.
Als Papst gilt Ihr Denken und Handeln nun der ganzen Welt. Es ber�hrt uns aber zutiefst in unserer Seele, wenn das Oberhaupt der R�misch-Katholischen Kirche sagt: "Mein Herz schl�gt bayerisch."
Papst an der Mariens�ule: die Kernpunkte in seinem offiziellen Redetext
Es ist f�r mich sehr bewegend, wieder auf diesem wundersch�nen Platz zu F��en der Mariens�ule zu stehen an einem Ort, der bereits zweimal Zeuge entscheidender Wendepunkte in meinem Leben war. Hier nahmen mich vor fast drei�ig Jahren die Gl�ubigen mit Herzlichkeit und Freude als ihren neuen Erzbischof auf: Damals begann ich meinen Dienst mit einem Gebet zur Muttergottes. Hier verabschiedete ich mich von meinem Bistum, als ich f�nf Jahre sp�ter vom Papst nach Rom berufen wurde, und richtete noch einmal ein Gebet an die Patrona Bavariae, um "meine" Stadt und meine Heimat ihrem Schutz anzuvertrauen. Heute stehe ich nun wieder hier diesmal als Nachfolger des heiligen Petrus. ... Einen besonderen Gru� m�chte ich an die Priester richten, besonders an diejenigen, mit denen ich als Priester und als Bischof in meinem Heimatbistum M�nchen und Freising zusammengearbeitet habe. Und schlie�lich gr��e ich mit tiefer Zuneigung Euch alle, liebe Landsleute und Freunde, die Ihr Euch auf diesem Platz versammelt habt, um mir Eure Verbundenheit zu bezeugen! ... Und so stehe ich also wieder zu F��en der Mariens�ule, um die F�rsprache und den Segen der Muttergottes zu erflehen, diesmal aber nicht nur f�r die Stadt M�nchen und f�r Bayern, sondern f�r die Kirche der ganzen Welt und f�r alle Menschen guten Willens.
Das Gebet des Papstes an der Mariens�ule - der volle Text
Heilige Mutter des Herrn, unsere Vorfahren haben in bedr�ngter Zeit dein Bild hier im Herzen der Stadt M�nchen aufgestellt, um dir Stadt und Land anzuvertrauen. Dir wollten sie auf den Wegen des Alltags immer wieder begegnen und von dir das rechte Menschsein lernen; von dir lernen, wie wir Gott finden und wie wir so zueinander kommen k�nnen. Sie haben dir Krone und Zepter, die damaligen Symbole der Herrschaft �ber das Land gegeben, weil sie wu�ten, da� dann die Macht und die Herrschaft in den rechten H�nden sind in den H�nden der Mutter.
Dein Sohn hat seinen J�ngern kurz vor der Stunde des Abschieds gesagt: Wer unter euch gro� sein will, der sei euer Bedienter, und wer unter euch der erste sein m�chte, der sei aller Knecht (Mk 10, 43f). Du hast in der entscheidenden Stunde deines Lebens gesagt: Siehe, ich bin die Magd des Herrn (Lk 1, 38) und hast dein ganzes Leben als Dienst gelebt. Du tust es weiter die Jahrhunderte der Geschichte hindurch: Wie du einst f�r die Brautleute in Kana leise und diskret eingetreten bist, so tust du es immer: Alle Sorgen der Menschen nimmst du auf dich und tr�gst sie vor den Herrn, vor deinen Sohn. Deine Macht ist die G�te. Deine Macht ist das Dienen.
Lehre uns, die Gro�en und die Kleinen, die Herrschenden und die Dienenden, auf solche Weise unsere Verantwortung zu leben. Hilf uns, die Kraft des Vers�hnens und das Vergeben zu finden. Hilf uns, geduldig und dem�tig zu werden, aber auch frei und mutig, wie du es in der Stunde des Kreuzes gewesen bist. Du tr�gst Jesus auf deinen Armen, das segnende Kind, das doch der Herr der Welt ist. So bist du, den Segnenden tragend, selbst zum Segen geworden. Segne uns und diese Stadt und dieses Land. Zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes Bitte f�r uns S�nder, jetzt und in der Stunde unseres Todes Amen.
Kardinal Wetter: "Hoffe auf Tiefenwirkung"
Vom Flughafen aus fuhr der Papst gleich in die Innenstadt. Dort will er mitten im Herzen M�nchens an der Mariens�ule beten. Begr��t wird der Papst vor dem Rathaus von Stoiber; auch die Bayernhymne soll noch einmal intoniert werden. Der Nachmittag geh�rt dann Begegnungen mit Politikern in der Residenz.
Von 1977 bis 1982 war der jetzige Papst Erzbischof von M�nchen und Freising. Voller Vorfreude auf ihn ist sein Nachfolger in diesem Amt, Kardinal Friedrich Wetter. "Das ist eine besondere Sache, dass der Papst in seine Heimat kommt. Ein einmaliges Ereignis - man sieht das auch an der gro�en Zahl der Medienleute, die sich angesprochen und herausgefordert wissen. Der Papst kommt als Bote des Glaubens und Nachfolger Petri, und seine erste Aufgabe besteht darin, das Evangelium zu verk�nden. ... Er ist der oberste Lehrer der Kirche, aber auch ein geistiger F�hrer der Menschheit. Ich bin in den letzten Tagen sehr oft angefragt worden: Was erwarten Sie sich vom Papstbesuch? Nat�rlich werden wir keine Massenbekehrungen erleben, aber ich erwarte, dass die Menschen die Botschaft des Papstes so aufnehmen, dass sie eine Tiefenwirkung in ihnen hat."
Unser Kommentar zur Bayernreise
Ja nat�rlich -Nostalgie ist mit im Spiel. Noch mal die Orte und Menschen sehen, die Joseph Ratzinger zu dem gemacht haben, der er heute ist. Dankbarkeit also, und dann nat�rlich der Wunsch - wie der Papst es selbst sagt -, von hier aus seinem weltkirchlichen Auftrag gerecht zu werden. Was hei�t das? Das hei�t, dass die Reise gar nicht in erster Linie Deutschland gilt. Vielmehr will der Papst der Welt und der Weltkirche zeigen, wo er herkommt. Die FAZ formuliert: "So wie die fr�heren Bundeskanzler ihr Hamburger Reihenhaus oder Oggersheim den Gro�en dieser Welt zeigten, f�hrt Benedikt sein Daheim vor." Die Welt seiner Kindheit war, wie er in einer autobiografischen Skizze einmal notierte, "in einer festen Symbiose mit dem Glauben der Kirche zusammengef�gt". Am konkreten Beispiel also will Papst Benedikt vorf�hren, dass Glaube und Kirche keine abstrakten Gr��en sind, zu denen man allenfalls sonntags ein Lippenbekenntnis abgibt - sondern dass sie ins Leben der Menschen hineingeh�ren. Je selbstverst�ndlicher, desto besser. (Stefan v. Kempis)
Das weitere Programm des Papstes
Erste Station: M�nchen. Hier wird der Papst morgen fr�h eine gro�e Messe feiern. Die von Radio Vatikan auch live mit deutschem Kommentar �bertragen wird: auf KW 7175 kHz sowie �ber Partnerradios. Am Montag - es ist �brigens der 11 September - besucht der Papst den Marienwallfahrtsort Alt�tting, und seinen Geburtsort Marktl. Anschlie�end f�hrt er f�r zwei Tage nach Regensburg, wo er in den siebziger Jahren Professor war; der �ltere Bruder des Papstes lebt heute noch dort. Am Donnerstag will Benedikt dann im Dom von Freising beten, wo er in den f�nfziger Jahren zum Priester geweiht wurde - dann kehrt er nach Rom zur�ck.

Das sagt der Papst selbst zur Bayernreise
"Der Grund des Besuchs war eigentlich eben doch wirklich der, dass ich noch einmal die Orte, die Menschen sehen wollte, wo ich gro� geworden bin, die mich gepr�gt und mein Leben geformt haben, und diesen Menschen danken wollte. Und dann nat�rlich auch eine Botschaft ausrichten, die �ber das eigene Land hinausgeht, wie es meinem Auftrag entspricht. Die Themen habe ich mir ganz schlicht von den liturgischen Daten vorgeben lassen. Das Grundthema ist eigentlich, dass wir Gott wieder entdecken m�ssen und nicht irgendeinen Gott, sondern den Gott mit einem menschlichen Antlitz, denn wenn wir Jesus Christus sehen, sehen wir Gott. Dass wir von daher dann die Wege zueinander finden m�ssen in der Familie, zwischen den Generationen; und dann zwischen den Kulturen, den V�lkern, und die Wege der Vers�hnung und des friedlichen Miteinanders in dieser Welt. Die Wege, die nach vorn f�hren, finden wir nicht, wenn wir nicht sozusagen Licht von oben haben." (Quelle: Interview des Papstes mit RV, 5.8.06)
"Pfadfinder als Kardin�le"
Benedikt XVI. ist in Deutschland. Der deutsche Papst landete am Nachmittag auf dem M�nchner Franz-Josef-Strau�-Flughafen. Begr��t von tausenden Pilgern, geladenen G�sten aus den Orten seiner Kindheit und den Spitzen aus Staat und Kirche. Birgit Pottler ist f�r uns vor Ort, sie hat Vorbereitungen und Ankunft beobachtet: "M�nchen leuchtet" ist einer der Werbeslogans f�r die "heimliche Hauptstadt Deutschlands". Heute stimmt er. Genauer gesagt: M�nchen strahlt. Alles ist blitz und blank, noch ein bisschen mehr als sonst. Einziger Wehrmutstropfen - wenn man das �berhaupt sagen kann - der Himmel ist nicht bayerisch, nicht wei�-blau. Sicherheitstechnisch ist an alles gedacht; die Wege wurden in Originalgeschwindigkeit abgefahren, inklusive Papamobil und Gefolge. Pfadfinder schl�pften dabei in die Rolle der Kardin�le. Entlang der kompletten Strecke gilt Schirm-, Fahrrad- und sogar Klappstuhlverbot."
Der Papst hat in den vergangenen Wochen oft betont, wie sehr ihm die Reise in die Heimat am Herzen liegt. Kann man denn schon sagen, wie sein Besuch in Deutschland aufgenommen wird?
"Nat�rlich liegt das Hauptgewicht auf Bayern. Die Reise in die Heimat ist "vorweggenommenes Sterben" schreibt die S�ddeutsche Zeitung. Papst Benedikt selbst sagte im Flugzeug den Journalisten, er wisse nicht, wie viele Jahre im Gott noch schenke. Es scheint, als h�tte Deutschland Verst�ndnis f�r den Bayernbesuch. Bundespr�sident K�hler sagte am Flughafen, "Heimat ist mehr als nur ein Ort", sondern ist das Zusammenspiel von Gef�hlen, Erinnerungen, Musik, Brauchtum… Auch das ist wohl ein Zeichen, dass die Bayernreise deutschlandweit Anerkennung findet. Was sicher auch am menschlichen, pers�nlichen Auftreten des Papstes liegt. Ohne Zweifel hat aber M�nchen den am wenigsten bayerischen Charakter der Reise. Zum einen, weil der Papst hier Bundespr�sident und Kanzlerin trifft, zum anderen ist M�nchen eine internationale Stadt mit Touristen und Zugereisten, die in Medienbetrieben und internationalen Firmen arbeiten; und das Alltagsleben ist auch hier eher s�kular gepr�gt. In Alt�tting, Regensburg und vor allem in Marktl wird der Papst dann wirklich als heimgekehrter Bayer empfangen werden."
Die Reisestationen des Papstes sind eng mit seinem Lebensweg verbunden. Auf jedes Detail wurde wert gelegt: "Nur f�nf Jahre war er hier Erzbischof, doch er studierte in M�nchen, war er hier Kaplan und Aushilfsseelsorger. Marienplatz und Mariens�ule sind f�r ihn die erste Adresse. Sie ist weltweit die �lteste ihrer Art, 1638 errichtet. Die Mariens�ule ist das Herz M�nchens, ist der metrische Nullpunkt Bayerns; von hier aus werden alle Entfernungen gemessen. Hier betete Johannes Paul II., hier betete Joseph Ratzinger zu Beginn und zum Ende seiner M�nchner Bischofszeit. Die Mariens�ule ist Ausdruck der bayerischen Marienfr�mmigkeit, des altbayerischen Glaubenslebens �berhaupt. Bei aller �ffentlichkeit - das Gebet hier ist f�r den Bayern Joseph Ratzinger etwas zutiefst pers�nliches. Und gleichzeitig wird er, so wie schon der Erbauer Kurf�rst Maximilian, das Volk, die Menschen dem Schutz der Gottesmutter anvertrauen, also wirklich als geistliches Oberhaupt auftreten." ( rv )

 

 

10.09.06

Informationen zum 2. Tag des Papstbesuches in Bayern

Papst in M�nchen: Macht die Ohren auf f�r Gott!
Papst Benedikt XVI. hat in M�nchen zu mehr Sensibilit�t f�r andere Kulturen aufgerufen und vor glaubensleerem Aktionismus gewarnt. Die Messe auf dem Gel�nde der Neuen Messe in M�nchen-Riem ist einer der H�hepunkte der sechst�gigen Reise. Birgit Pottler fasst zusammen:
�Macht die Ohren auf f�r Gott! So kurz wie schwer ist diese Quintessenz der pr�gnantesten Predigt seiner Amtszeit. Papst Benedikt, der sich sonst vielmehr als sein Vorg�nger an die Lesungen des Sonntags h�lt, richtete im ersten Gottesdienst klare Worte an seine deutsche Kirche. �Die katholische Kirche in Deutschland ist gro�artig durch ihre sozialen Aktivit�ten, durch ihre Bereitschaft zu helfen, wo immer es Not tut, so der Papst. Aber er warnte vor blindem Aktionismus: �Offenbar herrscht da doch bei manchen die Meinung, … die Dinge mit Gott oder gar mit dem katholischen Glauben, die seien doch eher partikul�r und nicht gar so wichtig.
Benedikt berichtete von den Gespr�chen und Erfahrungen der Bisch�fe aus Afrika und Asien, die ihm auch den Dank f�r alle Hilfe der deutschen Kirche aufgetragen h�tten. Jede Silbe, jedes Komma sa�. Aber der erhobene Zeigefinger des Glaubensh�ters, der in seinem Heimatland so kritisiert war, der fehlte. Es schien, als wolle er Gl�ubige wie W�rdentr�ger beim Ohr packen und sagen, kommt mit, ich habe euch etwas zu sagen.
�Das Evangelium l�dt uns ein, wieder zu erkennen, dass es bei uns ein Defizit in unserer Wahrnehmungsf�higkeit gibt - einen Mangel, den wir zun�chst gar nicht als solchen sp�ren, weil ja alles andere sich durch seine Dringlichkeit und Einsichtigkeit empfiehlt; weil ja scheinbar alles normal weitergeht, auch wenn wir keine Ohren und Augen mehr f�r Gott haben und ohne ihn leben.
Doch da sa� nicht der Professor am Katheder; da erz�hlte ein Mann auf dem Hintergrund seiner Erfahrungen:
�Das Soziale und das Evangelium sind nicht zu trennen. Wo wir den Menschen nur Kenntnisse bringen, Fertigkeiten, technisches K�nnen und Ger�t, bringen wir zu wenig. Dann treten die Techniken der Gewalt ganz schnell in den Vordergrund und die F�higkeit zum Zerst�ren, zum T�ten wird zur obersten F�higkeit, um Macht zu erlangen, die dann irgendwann einmal das Recht bringen soll und es doch nicht bringen kann: Man geht so nur immer weiter fort von der Vers�hnung, vom gemeinsamen Einsatz f�r Gerechtigkeit und Liebe. Die Ma�st�be, nach denen Technik in den Dienst des Rechts und der Liebe tritt, gehen verloren, aber auf diese Ma�st�be kommt alles an.
Diese Ma�st�be seien nicht nur Theorien, sondern br�chten Verstand und Tun auf den rechten Weg, so der Papst, bevor er fortfuhr mit seinem Verweis auf andere L�nder:
�Die V�lker Afrikas und Asiens bewundern zwar unsere technischen Leistungen und unsere Wissenschaft, aber sie erschrecken zugleich vor einer Art von Vern�nftigkeit, die Gott total aus dem Blickfeld des Menschen ausgrenzt und dies f�r die h�chste Art von Vernunft ansieht, die man auch ihren Kulturen aufdr�ngen will. Nicht im christlichen Glauben sehen sie die eigentliche Bedrohung ihrer Identit�t, sondern in der Verachtung Gottes und in dem Zynismus, der die Verspottung des Heiligen als Freiheitsrecht ansieht und Nutzen f�r zuk�nftige Erfolge der Forschung zum letzten ethischen Ma�stab erhebt. Liebe Freunde! Dieser Zynismus ist nicht die Art von Toleranz und kultureller Offenheit, auf die die V�lker warten und die wir alle w�nschen.
Zuallererst brauche es Ehrfurcht vor Gott. Doch in der westlichen Welt, das betonte Benedikt ausdr�cklich, m�sse daf�r zun�chst der Glaube wieder erwachen, m�sse Gott in der Gesellschaft wieder pr�sent werden.
�Wir dr�ngen diesen Glauben niemandem auf: Diese Art von Proselytismus ist dem Christlichen zuwider. Der Glaube kann nur in Freiheit geschehen. Aber die Freiheit der Menschen rufen wir an, sich f�r Gott aufzutun; ihn zu suchen; ihm Geh�r zu schenken. Wir, die wir hier sind, bitten den Herrn von ganzem Herzen, dass er wieder sein Ephata zu uns sagt; dass er unsere Schwerh�rigkeit f�r Gott, f�r sein Wirken und sein Wort heilt, uns sehend und h�rend macht. Wir bitten ihn, dass er uns hilft, wieder das Wort des Gebetes zu finden, zu dem er uns in der Liturgie einl�dt; dessen ABC er uns im Vaterunser geschenkt hat.
Es gab Applaus, nicht jubelnd, nicht lang anhaltend, weder von Bisch�fen noch von Gl�ubigen. Es war dieses bed�chtige, �berlegende, zustimmende Kopfnicken das �ber das Messegel�nde ging. �berhaupt blieben Jubelch�re w�hrend des Gottesdienstes aus. Vielleicht auch eine Mentalit�tsfrage. Die Menschen feierten - trotz Bannerabordnungen, Trachtengruppen und Gebirgssch�tzen - kein Volksfest, sondern Gottesdienst; die Konzentration war mit H�nden zu greifen. Und alles stand ganz im Zeichen des �ltesten lebensgro�en Holzkreuzes der Welt aus dem 50-Seelen-Dorf Enghausen. Ende des 9. Jahrhunderts soll es entstanden sein, das brachten erst j�ngste Restaurierungsarbeiten zum Vorschein. Mehr als 250.000 Gl�ubige waren versammelt und zwar aus 12 europ�ischen L�ndern, 300 Ehreng�ste aus Kirche und Politik, darunter Bundespr�sident Horst K�hler und Ministerpr�sident Edmund Stoiber, rund 70 Bisch�fe und Kardin�le. Keinen anderen Gottesdienst gab es in M�nchen zeitgleich zur Papstmesse, auf Gro�leinw�nden wurde sie in die ganze Region �bertragen.
Um vier Uhr morgens waren die ersten Pilger gekommen, vor allem Jugendliche, die die ganze Nacht durch gewacht hatten. Mit dem Angelus um sechs Uhr begann das Vorprogramm zur Messe, gestaltet von Pfarreien M�nchens, mit Rosenkranzgebet und Morgenlob. Eingel�utet von der Benedikt-Glocke aus Traunstein, ein Geschenk der B�rger an den Papst, der sie wiederum dem Studienseminar Traunstein, seinem Studienseminar, anvertraut hat. Dort wird sie zum Abflug des Papstes am Donnerstag das erste Mal voll erklingen. Es war buchst�blich eine Volksmesse, kein eigens f�r den Papst komponiertes Werk, sondern Liedgut, das die Menschen hier von Kindheit an auswendig k�nnen. Tribut an die Weltkirche: das Credo in Latein. Nur passend also zum Abschluss der Wettersegen, das uralte Gebet f�r die Menschen, ihre Arbeit, die Ernte und das ganze Land. Aus dem bayerischen Mund des Papstes fast ein Segen Urbi et Orbi. Angelusgebet: Gott als Zentrum der Wirklichkeit
Beim sonnt�glichen Angelus-Gebet, das traditionell auch von Radio Vatikan in alle Welt �bertragen wird, sagte der Papst, �Gott als Zentrum der Wirklichkeit und als Zentrum unseres eigenen Lebens zu sehen sei sowohl f�r das Leben des Einzelnen, wie auch f�r das entspannte, friedliche Zusammenleben aller Menschen notwendig. Als Vorbild daf�r stehe die Haltung der Gottesmutter Maria, die ihr Herz f�r Gott und f�r die Menschen ge�ffnet habe. Von den ersten fr�hchristlichen Jahrhunderten an werde daher Maria in jeder Not und Bedr�ngnis um ihre Hilfe und F�rsprache bei Gott gebeten. Dies gelte besonders auch f�r Bayern, das vor 390 Jahren dem Schutz der Gottesmutter anvertraut worden sei. Der Papst erw�hnte in diesem Zusammenhang ausdr�cklich auch den altbayerischen Marienwallfahrtsort Alt�tting, den er morgen, Montag, besuchen wird.
Der Papst und die Libertas Bavariae - ein Gespr�ch
Die Papstreise hatte mit der Messe in M�nchen ihren ersten H�hepunkt. Dort hatten seit den fr�hen Morgenstunden die Gl�ubigen ausgeharrt und auch Stunden nach Ende des Gottesdienstes ist noch nichts von Chaos beim An- oder Abtransport der viertel Million Menschen zu h�ren. Alle sind gl�cklich. Oder? Unsere Korrespondentin Birgit Pottler:
�Den vielleicht gr��ten Beitrag zur guten Stimmung dieser Tage leistet das Wetter, wie es denn hier in Bayern sch�ner im September nicht sein k�nnte. Das Regencape in der Pilgertasche ist bislang v�llig unn�tig. Die Sonne taucht diese Reise in ein strahlendes Licht, das auch auf dem Gesicht des Papstes wiederstrahlt. Es ist das innige L�cheln des Papstes, das begeistert. Er ist so �berw�ltigt und bewegt und gleichzeitig gel�st, wie bislang nie gesehen. Das gleiche gilt �brigens f�r die Menschen in seinem engsten Umfeld. Benedikt wird nicht m�de, die ,bayerische Gastfreundschaft' zu loben und alle Vorbereitungen f�r diese Reise
Stichwort Gastfreundschaft. Wie wird der Papst denn empfangen?
�Benedikts L�cheln trifft auf entsprechendes Echo zum Beispiel in der Presse. Die FAZ am Sonntag titelt mit einem Zitat von Kardinal Lehmann: ,Der Papst ist zuerst Mensch'. Die ,Welt am Sonntag' schreibt vom ,bewegtem Herz' mit dem der Papst in seine Heimat zur�ckkommt Gleichzeitig erinnern aber beide Bl�tter auch an Werteverlust und Krise der Kirche in Deutschland. Die FAZ lobt es als Vorzug bayerischer Lebensweise, von vehement verteidigten Positionen auch einmal abr�cken zu k�nnen. So erkl�rt sie den Jubel und die Freude �ber den Heimatbesuch des Menschen Joseph Ratzinger, bei aller fr�heren Kritik am Theologen. Mit der Predigt heute hat der Papst heute au�erdem gezeigt, dass er Bescheid wei�, was in Deutschland vor sich geht. Seine Worte waren die einer Pastoralreise, nicht die eines Heimaturlaubs. Bei allem Jubel: Die ,Libertas Bavariae' hei�t auch: Leben und leben lassen. Nat�rlich gibt es hier auch kritische Stimmen zum Beispiel wegen der hohen Kosten des Papstbesuch, bei weitem nicht nur von Kirchengegnern, aber die werden den anderen die Freude an diesem Besuch mit Sicherheit nicht verdrie�en.
Wie geht es jetzt weiter? Was erwartet den Papst und die M�nchner heute noch?
�Nach der Messe heute Morgen hat sich der Papst erst einmal zum Mittagessen ins Erzbisch�fliche Palais zur�ckgezogen. Ganz Deutschland wei� inzwischen wohl auch, dass es dort Tafelspitz und Apfelstrudel gab. Um 17 Uhr 30 wird Benedikt XVI. dann die Frauenkirche, also den M�nchner Dom, besuchen und dort die Vesper beten. Das gro�e Thema wird die Weitergabe des Glaubens sein, und in seiner ehemaligen Bischofskirche trifft der Papst auf Kommunionkinder, Religionslehrer, pastorale Mitarbeiter, Verantwortliche der Jugendverb�nde und ehrenamtliche M�nner und Frauen des Erzbistums. 2.500 Menschen sind in den Dom geladen. Nat�rlich sind die rund 600 Meter zwischen Residenz und Frauenkirche auch wieder eine gute Gelegenheit, f�r Papst wie gl�ubige M�nchner, einander so richtig nahe zu kommen. Wir d�rfen uns wohl schon jetzt auf �hnlich emotionsgeladene Bilder wie gestern Abend freuen. Der Papst hatte am Schluss ja sogar die Fenster des Papamobils ge�ffnet.
Papst vom Balkon: Vergelts Gott f�r den Empfang
Spontan hat Papst Benedikt heute Nachmittag einige hundert wartende Menschen vor dem Erzbisch�flichen Palais in der M�nchener Kardinal-Faulhaber-Strasse vom Balkon aus gegr��t. Hier lesen Sie, was der Papst dabei sagte: Liebe Freunde, jedes Jahr bin ich beim Beginn des Oktoberfestes auf diesem Balkon gestanden. Jetzt freue ich mich, dass ich heute noch einmal hier stehen darf, dass so viele Menschen mich begr��en, dass ich mich richtig zu Hause f�hlen darf und von einer solchen Herzlichkeit umgeben bin. Ich sag einfach nur ein �Vergelt's Gott und danke Euch! Wir danken dem lieben Gott f�r den sch�nen weiss-blauen Himmel, den er uns schenkt. Ich danke jetzt schon der Musik, die mich schon bei meiner Ankunft begr��t hat. Ein herzliches �Vergelt's Gott Euch allen, noch einen sch�nen Sonntag und eine gesegnete Zeit. Dankesch�n! Herzlichen Dank Euch allen. Wir geben Euch zusammen noch den Segen als Zeichen unserer inneren Verbundenheit und als Ausdruck aller guten W�nsche f�r die kommenden Zeiten. Es segne euch der Allm�chtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen. Sch�nen Sonntag, gute Zeit, Vergelt's Gott!
Gebet zur Gottesmutter an der M�nchner Mariens�ule
Gestern Abend hatte Papst Benedikt den ersten gro�en �ffentlichen Auftritt seines Bayern-Besuches. An der M�nchner Mariens�ule begr��te er zun�chst die Menschenschar und sprach dann ein Gebet. In seinen Gru�worten erz�hlte der Papst eine Parabel: die in M�nchen allseits bekannte Geschichte vom B�r des Korbinian, der dem Heiligen als Lasttier diente.
Das Gebet des Papstes an der Mariens�ule
Heilige Mutter des Herrn, unsere Vorfahren haben in bedr�ngter Zeit dein Bild hier im Herzen der Stadt M�nchen aufgestellt, um dir Stadt und Land anzuvertrauen. Dir wollten sie auf den Wegen des Alltags immer wieder begegnen und von dir das rechte Menschsein lernen; von dir lernen, wie wir Gott finden und wie wir so zueinander kommen k�nnen. Sie haben dir Krone und Zepter, die damaligen Symbole der Herrschaft �ber das Land gegeben, weil sie wussten, dass dann die Macht und die Herrschaft in den rechten H�nden sind - in den H�nden der Mutter.
Dein Sohn hat seinen J�ngern kurz vor der Stunde des Abschieds gesagt: Wer unter euch gro� sein will, der sei euer Bedienter, und wer unter euch der erste sein m�chte, der sei aller Knecht (Mk 10, 43f). Du hast in der entscheidenden Stunde deines Lebens gesagt: Siehe, ich bin die Magd des Herrn (Lk 1, 38) und hast dein ganzes Leben als Dienst gelebt. Du tust es weiter die Jahrhunderte der Geschichte hindurch: Wie du einst f�r die Brautleute in Kana leise und diskret eingetreten bist, so tust du es immer: Alle Sorgen der Menschen nimmst du auf dich und tr�gst sie vor den Herrn, vor deinen Sohn. Deine Macht ist die G�te. Deine Macht ist das Dienen.
Lehre uns, die Gro�en und die Kleinen, die Herrschenden und die Dienenden, auf solche Weise unsere Verantwortung zu leben. Hilf uns, die Kraft des Vers�hnens und das Vergeben zu finden. Hilf uns, geduldig und dem�tig zu werden, aber auch frei und mutig, wie du es in der Stunde des Kreuzes gewesen bist. Du tr�gst Jesus auf deinen Armen, das segnende Kind, das doch der Herr der Welt ist. So bist du, den Segnenden tragend, selbst zum Segen geworden. Segne uns und diese Stadt und dieses Land. Zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes Bitte f�r uns S�nder, jetzt und in der Stunde unseres Todes Amen.
Augsburgs Bischof Walter Mixa ist selig
Gestern Mittag war Benedetto Ratzinger in M�nchen gelandet und hatte auf dem Marienplatz gebetet. Die M�nchener nahmen ihn mit offenen Armen auf - das hat den Augsburger Bischof Walter Mixa sehr beeindruckt.
Ich bin pers�nlich sehr gl�cklich, dass der Heilige Vater einen so frohen und herzlichen und zugleich noblen Empfang hier in M�nchen erfahren hat. Das hat schon auf dem Flughafen begonnen mit den verschiedenen Abteilungen auch der Streitkr�fte, die zahlreich anwesend waren, was mich als Milit�rbischof sehr gefreut hat. Dann auch die Sch�tzen vom Tegernsee-Gebiet, die Trachtengruppen - also diese Herzlichkeit, aber nicht billig, sondern mit einer ehrlichen und echten Noblesse, eine echte christliche Kultur. Dann auch hier auf dem Marienplatz hat es mich sehr beeindruckt, wie der Heilige Vater mit diesem Bild vom B�ren des Korbinian so anschaulich gesprochen hat, dass das jedes Kind und jeder Jugendliche verstanden hat; nicht theologische H�hefl�ge, sondern ganz aus dem menschlichen Herzen heraus. Er hat so gesprochen, dass die Menschen verstehen, worum es ihm geht, und er auf diese Weise hat er sicher viele Sympathie gewonnen, und die Menschen werden auch f�r ihn beten. Da kann ich wirklich sagen, das war f�r mich jetzt schon ein Fest des Glaubens, auch nach dem Motto: Wer glaubt, ist nie allein.
Auch die evangelische Kirche freut sich
Bundespr�sident K�hler w�nscht sich einen �kumenischen Fortschritt in Deutschland, Papst Benedikt XVI. hat bei seinen ersten Worten auf dem Flughafen ausdr�cklich die Mitglieder der anderen Konfessionen und Religionsgemeinschaften begr��t. Elisabeth Dieckmann ist Gesch�ftsf�hrerin des Katholikenrats der Erzdi�zese M�nchen und Freising, war zuvor aber Gesch�ftsf�hrerin der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Deutschland. Sie betont:
�Der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich hat schon gesagt, dass auch die evangelische Kirche sich dar�ber freut, dass der Papst kommt und dass man auch die Rolle des Papstes besonders wenn es um den Einsatz f�r ethische Fragen geht, sehr zu sch�tzen wei�. In den kommenden Tagen wird nat�rlich die Aufmerksamkeit auf die katholische Kirche gerichtet sein, aber die evangelische Kirche ist ja zu vielen Ereignissen im Rahmen des Papstbesuches eingeladen. Au�erhalb dieser sechs Tage gibt es nat�rlich vieles an �kumenischer Arbeit in Bayern, was man sehr sch�tzen kann; was nicht hei�t, dass man nicht auch die �kumenische Arbeit in Bayern noch intensivieren k�nnte.
Bilanz des ersten Tages
Mit Benedikt XIV. in Bayern: Die Pastoralreise hat begonnen und das erfolgreich. Eine Bilanz des ersten Tages von Birgit Pottler.
Der Papst ist zur�ck in Bayern. Das verk�ndeten die Glocken der Landeshauptstadt, als die Papstmaschine aus Rom bayerischen Boden ber�hrte. Seine Freude �ber den Heimatbesuch war ihm ins Gesicht geschrieben, er war bewegt, eben wie einer, der nach langer Zeit nach Hause kommt. Und dass er ein Bayer ist, daraus hatte er nie ein Hehl gemacht. Also nur folgerichtig, dass er es in seiner konsequenten Art auch jetzt nicht tut. Es war dann aber Benedikt selbst, der gesamtdeutsche Themen ansprach. Noch im Flugzeug sagte er den mitgereisten Journalisten: Der deutsche Katholizismus ist nicht m�de. Seine ersten Worte bei der Willkommenszeremonie betonten das �kumenische Miteinander im Land der Reformation. Mit Bundespr�sident und Kanzlerin er�rterte er sp�ter die Situation in Deutschland, Fragen des interreligi�sen Dialogs und die Wertediskussion in Europa.
Sein Gebet an der Mariens�ule war fast eine Katechismusstunde f�r ganz Deutschland. Die �lteste Mariens�ule der Welt ist metrischer Nullpunkt Bayerns und Sinnbild altbayerischer Marienfr�mmigkeit, einer, die Maria immer als Zugangsweg zu Christus sieht. Sie nie �berh�ht. Das hat der Papst selbst heute deutlich gemacht. So pers�nlich ihm dieses Anliegen war, er wollte hier als Papst handeln und die Weltkirche, die Menschen in der Welt der Mutter Gottes empfehlen. Begleitet wurde der Papst wo er ging von wei�blauen und gelbwei�en Fahnen und �Benedetto-Rufen. 72.000 Menschen - so die offiziellen Zahlen - hatten italienisch gelernt. Ein gro�artiger Tag. Das sagte auch Kanzlerin Merkel nach ihrem Vier-Augen-Gespr�ch. Keine Frage, die Bayern tun alles f�r Ihren Papst. Aber Bayern, um wieder die Kanzlerin zu zitieren, ist kein ganz unwichtiger Teil Deutschlands. ( rv )

 

 

11.09.06

Informationen zum 3. Tag des Papstbesuchs in Bayern

Papst beim Gottesdienst in Alt�tting
Papst Benedikt XVI. hat mit 60.000 Gl�ubigen Gottesdienst in Alt�tting gefeiert. Bei strahlendem Sonnenschein begr��te ihn der Passauer Bischof Wilhelm Schraml. Er betonte die Verbundenheit der Alt�ttinger mit "ihrem" Papst. Jeden Tag werde im Heiligtum f�r ihn der Rosenkranz gebetet. Ein sichtlich ger�hrter Papst dankte den Gl�ubigen mit einem herzlichen "vergelts Gott".
Papst Benedikt betonte in seiner Predigt das gemeinsame "Ja" der Gottesmutter Maria und Jesu zum Willen des Vaters. Maria und Jesus geh�ren unzertrennlich zusammen. Maria sei die betende Kirche in Person. Sie bete in der Mitte aller Heiligen f�r uns. Den eigenen Willen in Gottes Willen �bergehen zu lassen in aller Demut ist das Wichtigste und wahrhaft Gute, was wir von ihr lernen k�nnen. Jesu hebe Maria als Frau und Mutter f�r die Menschheit hervor. Jesus nehme in diesem Evangelium durch die Symbole von Wein und Wasser seine letzte Stunde vorweg. Er zeige das g�ttliche Hochzeitsfest, zu dem der Vater den Sohn einladen werde und bei dem Jesus uns seine Liebe bis zum �u�ersten durch die Gabe seines Leibes schenke.
"Zu einer Kirche tritt dein Volk zusammen, in einem Glauben lass uns dich erkennen" schallte es zur Gabenbereitung. Neben den eucharistischen Gaben von Brot und Wein �berbrachten die Sieger eines Sch�lermalwettbewerbs zur Papstreise ihre Bilder, Jugendlichen ein Modell des Jugendkreuzes des Bistums Passau und Menschen mit Behinderungen Produkte ihrer Arbeit aus den Ruperti-Werkst�tten in Alt�tting. Zudem �bergaben ein Pilgerf�hrer dem Papst einen Pilgerstab und zwei Vertreter der Marianischen M�nnerkongregation eine Miniaturfigur von Papst Johannes Paul II.
Mit anhaltendem Applaus dankten die Alt�ttinger und die versammelten Pilger zum Ende des Gottesdienstes "ihrem" Papst f�r seine Anwesenheit. In Anschluss an den Gottesdienst begann eine Prozession mit dem Allerheiligsten in die neue Anbetungskapelle. In der erst vor wenigen Tagen eingeweihten Kapelle war Papst Benedikt der erste, der das Allerheiligste anbetete.

Der Papst im Herzen Bayerns - ein Bericht
Nach zwei Tagen in seiner Studien- und Bischofsstadt M�nchen ist Papst Benedikt XVI. heute in das "Traumland seiner Kindheit" gereist. 60.000 Menschen erwarteten ihn im oberbayerischen Alt�tting, das bereits zum Bistum Passau geh�rt. In seiner Predigt erinnerte der Papst daran, dass Maria die Menschen zu Christus f�hre.
Alt�tting ist an Pilgerstr�me gewohnt. 90 Kilometer s�d�stlich von M�nchen liegt es und nimmt pro Jahr mehr als eine Million Menschen auf. P�pste waren auch schon hier: Einer im 15. Jahrhundert und Johannes Paul II. 1980. Doch der 11. September 2006 wird in die Geschichte eingehen - schlie�lich kommt der Ehrenb�rger dieser Stadt nach Hause.
Um zwei Uhr nachts waren die ersten Menschen gekommen, kurz nach acht sind bereits knapp 40.000 auf dem Kapellplatz. 20.000 weitere s�umen die umliegenden Stra�en. Der kleine Ort hatte sich verf�nffacht.
Der Weg des Papstes geht direkt in die Gnadenkapelle. Wie die Pilger seit 500 Jahren zieht auch er zur Schwarzen Madonna, der Mutter Gottes mit Kind aus Lindenholz, die vom Ru� der Kerzen dunkel geworden ist Alt�tting ist einer der f�nf gro�en Marienwallfahrtsorte Europas, neben Lourdes, Fatima, Loreto und Tschenstochau. Berichte von zwei Heilungswundern aus dem Jahr 1489 begr�ndeten die Wallfahrt. Die Herrscher des Hauses Wittelsbach lie�en hier ihre Herzen beisetzen, auch deshalb tr�gt Alt�tting den Beinamen "Herz Bayerns". Der Papst selbst nennt es gar "eines der Herzen Europas". Alleine betet er vor dem Gnadenbild, bevor es zur Altarinsel drau�en auf dem Platz getragen wird.
Dann beginnt der Gottesdienst. Die Predigt des Papstes ist eine Katechese �ber Marienverehrung. Der Glaube muss wieder erwachen, sagte er am Sonntag. Am Montag unterwies der Hirte seine Sch�fchen im Glauben. Maria und Jesus geh�rten untrennbar zusammen, so der Papst, und erinnerte an das Magnificat: "Meine Seele macht Gott gro�. Gott gro� machen, das hei�t ihm Raum geben in der Welt, im eigenen Leben, ihn einlassen in unsere Zeit und unser Tun - das ist das tiefste Wesen rechten Betens. Wo Gott gro� wird, da wird der Mensch nicht klein: Da wird auch der Mensch gro�, und da wird die Welt hell."
Benedikt XVI. pilgerte von Kindheit an nach Alt�tting. Wohl auch deshalb war eines der zahlreichen Geschenke f�r ihn sp�ter ein Pilgerstab. Der Papst wurde mit bayerischer Marienfr�mmigkeit gro�, sie pr�gte auch seine Predigt: "Zu dieser Mutter pilgern die Menschen seit Generationen hier nach Alt�tting. Ihr vertrauen wir unsere Sorgen, N�te und Bedr�ngnisse an. … So lehrt sie uns beten: Nicht unseren Willen und unsere W�nsche Gott gegen�ber durchsetzen wollen, sondern ihm �berlassen, was er tun wird. Von Maria lernen wir die helfende G�te, aber auch die Demut und die Gro�z�gigkeit, Gottes Willen anzunehmen und ihm zu glauben, dass seine Antwort das Gute f�r uns ist."
Maria sei die betende Kirche in Person. Und: "Maria und Jesus geh�ren zusammen. Mit ihr wollen wir im Gespr�ch mit dem Herrn bleiben und so ihn besser empfangen lernen. Heilige Mutter Gottes, bitte f�r uns, wie du in Kana f�r die Brautleute gebeten hast. F�hre uns zu Jesus - immer von neuem. Amen."
Vor allem die internationale Presse hatte sich ein Wort zu den Anschl�gen vom 11. September erwartet, einen neuerlichen Appell des Papstes f�r Frieden und gegen Terror. Er selbst f�gte seinen Worten der vergangenen Wochen und Monate nichts hinzu. Es waren die Gl�ubigen auf dem Platz, die in den F�rbitten stellvertretend f�r die ganze Kirche an das Drama erinnerten.
Der Papst feierte Eucharistie. Nicht mehr und nicht weniger. Der Gottesdienst entsprach seiner Vorstellung von Liturgie. Nicht schn�rkellos, aber pur.
Nach dem Segen die die Prozession zur neuen Anbetungskapelle in der ehemaligen Schatzkammer der Stifts- und Pfarrkirche. Der Papst selbst trug das Allerheiligste einmal �ber den ganzen Platz und setzte es auf einem Originalstein der M�nchner Mariens�ule, die im II. Weltkrieg zerst�rt worden war, aus. Die Schwarze Madonna fand seitlich einen Platz.
Die Freude des Papstes, wieder zu Hause zu sein, zieht sich durch diese Tage wie ein roter Faden, ohne jedoch die Gottesdienste zu �berlasten. Nur und erst als die gotischen Mauern der Anbetungskapelle den Papst am Morgen in Alt�tting von der Menge drau�en kurz trennten, war sie wirklich h�rbar.
Als erster Beter in der Anbetungskapelle kniete er still nieder, allein mit sich und seinem Gott; dass er �ber Fernsehbilder weltweit beobachtet wurde, schien ihm kaum bewusst. Und w�hrend die Menge drau�en schon das abschlie�ende Marienlied sang, kniete der Papst noch immer. Zweimal forderte Erzbischof Marini ihn zum Gehen auf, der Papst sagte "Nein", verharrte im Gebet, wischte Tr�nen vom Gesicht.
Minutenlang dauerte dann der Benedetto-Chor, er hallte wieder auf dem halbrunden Platz mit den f�nf Kirchen und klang wirklich wie aus einem Mund. Der eigens f�r die Messe zusammengestellte Chor mit S�ngern aus dem ganzen Bistum Passau darf sich wohl r�hmen, Komponist einer neuen �berstimme zu sein.
Die neue Alt�ttinger Anbetungskapelle
Die Di�zese Passau hat eigens f�r den Papstbesuch eine Anbetungskapelle in der ehemaligen Schatzkammer der Stifts- und Pfarrkirche neu gestaltet. Besonderes Detail: Das Allerheiligste wird auf einem Originalstein der M�nchner Mariens�ule, die im II. Weltkrieg zerst�rt worden war, ausgesetzt. Bernhard Kirchgessner, Domvikar in Passau, erkl�rt: "Wenn der Heilige Vater als erster hierher kommen wird, um hier Anbetung zu halten, wird der Prozession die Gnadenmadonna voran gehen, das war sein Wunsch, und so wird deutlich, dass Maria uns zu Christus hinf�hrt, dass Maria - das ist auch wichtig f�r unser �kumenisches Gespr�ch - niemals ein Hinderungsgrund sein kann, niemals Christus verstellen will, sondern im Gegenteil den Weg f�r ihn frei macht."
Die Idee zur Anbetungskapelle hatte der Passauer Bischof Wilhelm Schraml. Gestaltet und umgesetzt wurde sie in enger Absprache mit dem Papst. Kirchgessner zeichnet f�r die Liturgie, f�r die Altarinsel und die Gew�nder am heutigen Tag verantwortlich: "Da gehen wir auch ganz auf seine Theologie ein, dass Liturgie schlicht sein soll, aber w�rdig, und dass Liturgie stets kosmische Liturgie sein soll, damit deutlich wird: Der Tod Jesu Christi ist das, was f�r uns diese Welt zusammenh�lt. Und das feiern wir am Montag in der Liturgie und darauf freuen wir uns jetzt unb�ndig."
Bischof Hofmann, wirklicher "Auftrieb im Glauben"
Seit drei Tagen weilt Papst Benedikt in Deutschland, in seiner Heimat Bayern. Wir haben mit dem Bischof von W�rzburg, Friedhelm Hofmann �ber seine Eindr�cke gesprochen: "So wie der Himmel wei�-blau bayrisch in der sch�nsten Formation war, so waren auch die beiden Tage. Die Anteilnahme der Menschen zeigte sich in einer ungeheuren Gr��enordnung. Die Herzlichkeit, dieses Miteinander hat wirklich einen inneren Auftrieb zum Glauben gegeben."
Wir waren bei der Messfeier mit dabei und haben bemerkt, dass viele Jugendliche aus K�ln da waren, noch angesteckt vom Weltjugendtag. Haben Sie das auch beobachten k�nnen?
"Jawohl und man merkt auch immer, in Gespr�chen mit anderen, dass der Weltjugendtag im Vergleich sehr beliebt war und immer wieder betont wurde: Im vorigen Jahr haben wir ja schon miteinander dieses gro�e Glaubenserlebnis gehabt und jetzt sehen wir schon wieder, dass die Jugendlichen zu diesem Treffen dazu kommen."
Sie werden jetzt die ganze weitere Woche den Papst begleiten?
"Richtig: Ich werde den Papst begleiten d�rfen - bis zum Donnerstag, dann werden wir ihn in Freising verabschieden."
P�pstliche Mittagsruhe bei den Kapuzinern
F�nf Kirchen scharen sich rund um den Kapellplatz in Alt�tting. Eine ist die Klosterkirche St. Magdalena. Die Kapuziner im angrenzenden Konvent sind f�r die Wallfahrtsseelsorge verantwortlich, k�mmern sich um die Pilger. Nicht anders heute. Auf eigenen Wunsch zog sich auch Papst Benedikt XVI. nach zur Mittagpause in das Kloster zur�ck. Kapuziner-Vikar Bruder Marinus erz�hlt: "Viele Alt�ttinger, auch viele Kapuziner kennen ihn pers�nlich, freuen sich, sch�tzen ihn als guten Prediger. Und es ist �blich, dass der Papst nicht in ein Hotel geht, sondern in ein Kloster, und wir sind hier am Ort das einzige M�nnerkloster."
St. Magdalena hat eine lange Geschichte. Vor den Kapuzinern waren Jesuiten, Malteser und auch Redemptoristen hier. Der Papst hat hier bayerische Klosterk�che genossen, die Klosterkirche besucht und sich mit den Br�dern fotografieren lassen. Die �blichen Gesch�fte des Klosters ruhten. Es ist mehr als nur ein besonderer Tag, betont der Vertreter des Hausoberen: "Wir als Gemeinschaft oder auch bei der Marianischen M�nnerkongregation und viele in Alt�tting sind nicht darauf aus, einen Rummel zu erleben, sondern wir sehen, da geht etwas weiter, �ber diesen Tag hinaus. Es geht ja nicht um die Person des Papstes, der wie ein Star herumgetragen wird, und alle sich darum rei�en, sondern um seine Botschaft. Er verk�ndet den Glauben, und wir werden das, was er als Botschaft bringt, weiter tragen, diesen Schwung und diese Begeisterung. Ich denke, wir werden das nicht an diesem Tag abschlie�en, sondern Wochen und Monate davon noch zehren."
Papst in Bayern: Die Presseschau
Das Interesse am Bayernbesuch des Papstes ist auch am dritten Tag ungebrochen. Nationale wie lokale Presse berichten durchweg positiv. Sogar die linksorientierte Frankfurter Rundschau widmet dem Papstbesuch in Bayern zwei Seiten. Die S�ddeutsche Zeitung gar zus�tzlich einen sechsseitigen Sonderteil. Die Leitartikel erinnern an das Bekenntnis zur �kumene vom Samstag und zitieren aus der Predigt: "Papst tadelt Gottlosigkeit des Westens" die Frankfurter Rundschau; "Papst vermisst festen Glauben der Kirche" die S�ddeutsche Zeitung, "Der Papst r�gt, Schwerh�rigkeit gegen�ber Gott'" die Frankfurter Allgemeine. Doch - das zeigt die SZ beispielhaft - es gibt keine Generalkritik am Papstbesuch. Vom gef�rchteten "Panzerkardinal" ist nirgends die Rede. Im Gegenteil: Die SZ sagt mit den Worten des fr�heren ZdK-Vorsitzenden Hans Maier, dies sei "kein Angriff auf den deutschen Katholizismus" und betont, dass auch die evangelische Kirche und die kritische Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" zufrieden seien mit den �u�erungen zur �kumene.
Der Innenteil der SZ widmet sich dem Glaubensfest der vergangen zwei Tage, bemerkt das disziplinierte Verhalten der Pilger, den Kontrast zum letzten Papst-Besuch 1980 und die "heitere Fr�mmigkeit". Und weiter: "Die Messe in Riem ist tats�chlich Gottesdienst und kein Event". In Erinnerung an den Engel Aloisius der Volksliteratur schreibt die Lokalredaktion die Geschichte "Die M�nchner im Himmel".
Bei der M�nchner TZ liegt gar ganz "M�nchen im Himmel", auf dem Titel bringt sie ein ganzseitiges Papstfoto mit dem Papstzitat "Mein Herz schl�gt bayerisch". Und �hnlich wie in der M�nchner Abendzeitung �berwiegen hier Fotos von allen Programmpunkten der M�nchner Tage. Die BILD spricht von einer halben Million Menschen, die "Tr�nen der R�hrung" "unseres Papstes" sahen, und bietet ein zweiseitiges Papstposter. Der M�nchner Merkur schreibt mit Hinblick auf die Predigt von der "sanften Mahnung" des Papstes und druckt zahlreiche Stimmen aus der Bev�lkerung ab. Einzige Kritik: zu viel Aufwand und Umsatzeinbu�en f�r die M�nchner Gesch�fte. ( rv)

 

 

12.09.06

Informationen zum 4. Tag des Papstbesuchs in Bayern

 

Papst in Regensburg: Wissenschaft erkl�rt nicht alles
Papst Benedikt XVI. wendet sich gegen die Behauptung, die Naturwissenschaft k�nne den letzten Ursprung und Sinn der Welt erkl�ren. Bei der Messe vor rund 300.000 Gl�ubigen in Regensburg legte der Papst die Grundlagen des christlichen Glaubens dar
Es war eine klar strukturierte Predigt, theologisch und inhaltlich dicht, aber in klarer Sprache. Denn, so Benedikt XVI: "Der Glaube ist einfach. Und der Glaube ist Liebe, weil Gottes Liebe uns anstecken will."
Der Papst erkl�rte diesen Glauben schlicht entlang des Apostolischen Glaubensbekenntnisses. Das sei keine "Summe von S�tzen", keine B�cher aus dem Mittelalter, keine Theorie. Grundlage sei die Taufe, hier begegneten einander Gott und Mensch: "Gott beugt sich �ber uns Menschen im Geheimnis der Taufe; er geht uns entgegen und f�hrt uns so auch zueinander. Denn Taufe bedeutet, dass Jesus Christus uns sozusagen als seine Geschwister und damit als Kinder in die Familie Gottes selber adoptiert. So macht er uns damit alle zu einer gro�en Familie in der weltweiten Gemeinschaft der Kirche. Ja, wer glaubt, ist nie allein."
Der Papst lancierte mit dieser Predigt keinen Appell, sondern lieferte theologische Information. Nicht ohne auf aktuelle Fragen und Probleme der modernen s�kularen Gesellschaft einzugehen: "Seit der Aufkl�rung arbeitet wenigstens ein Teil der Wissenschaft emsig daran, eine Welterkl�rung zu finden, in der Gott �berfl�ssig wird."
Das Verh�ltnis von Theologie und Naturwissenschaft war Thema, die Bewertung der Evolutionstheorie, eine Debatte, die den Papst seit langem und intensiv besch�ftigt. Seine Erkenntnis: "Die Sache mit dem Menschen geht nicht auf ohne Gott, und die Sache mit der Welt, dem ganzen weiten Universum, geht nicht auf ohne ihn. … Wir Christen sagen: Ich glaube an Gott, den Sch�pfer des Himmels und der Erde - an den Sch�pfer Geist. Wir glauben, dass das ewige Wort, die Vernunft am Anfang steht und nicht die Unvernunft. Mit diesem Glauben brauchen wir uns nicht zu verstecken, mit ihm brauchen wir nicht zu f�rchten, uns auf einem Holzweg zu bewegen."
Im Gegenteil, den Glauben m�sse man weiter tragen. Damit war der Papst beim n�chsten Punkt. An welchen Gott glauben wir? Seine Antwort: An einen Gott, der ein menschliches Gesicht angenommen hat. "Heute, wo wir die Pathologien und die lebensgef�hrlichen Erkrankungen der Religion und der Vernunft sehen, die Zerst�rungen des Gottesbildes durch Hass und Fanatismus, ist es wichtig, klar zu sagen, welchem Gott wir glauben und zu diesem menschlichen Antlitz Gottes zu stehen. Erst das erl�st uns von der Gottesangst, aus der letztlich der moderne Atheismus geboren wurde. Erst dieser Gott erl�st uns von der Weltangst und von der Furcht vor der Leere des eigenen Daseins."
"Der richten wird, die Lebenden und die Toten.": Der Papst f�hrt fort in seiner Auslegung des Glaubensbekenntnisses. Und fragt, stellvertretend f�r unz�hlige Katechismussch�ler: "Gericht - wird uns da nicht doch wieder Angst gemacht?"
Er gibt selbst die Antwort: "Der Glaube will uns nicht angst machen, wohl aber zur Verantwortung rufen. Wir d�rfen unser Leben nicht verschleudern, nicht missbrauchen, nicht f�r uns selber nehmen; Unrecht darf uns nicht gleichg�ltig lassen, wir d�rfen nicht seine Mitl�ufer oder sogar Mitt�ter werden. Wir m�ssen unsere Sendung in der Geschichte wahrnehmen und versuchen, dieser unserer Sendung zu entsprechen."
Erst hier, ganz am Ende, kommt der Appell. Nach der Erkl�rung kommt die Schlussfolgerung. Nach dem Indikativ der Imperativ. Wie sagte der Kapuzinervikar im Magdalenenkloster von Alt�tting: "Der Papst schreibt nichts vor, sondern versucht, etwas zu zeigen."
Regensburg: Ein frohes Glaubensfest
Das Islinger Feld war bis vor kurzem noch ein Acker, zwischen den D�rfern Ober- und Unterisling gelegen, daher der Name. Regensburg selbst mit seinen 140.000 Einwohnern hatte keinen Platz und so entschied man sich f�r die Freifl�che an der Autobahn. 300 Hektar ist sie gro�, 300.000 Menschen waren gekommen, f�r jeden sozusagen ein Quadratmeter Fl�che. Seit Juli wurde hier an der Altarinsel gebaut, heute Vormittag waren bis zu 6.000 Helfer im Einsatz, 24 Unfallhilfsstellen waren aufgebaut und 26 Sanit�tsstationen. Der Papst war von all dem Einsatz ganz �berw�ltigt: "Ich hatte mir gar nicht vorstellen k�nnen und wei� es auch jetzt nur im gro�en Allgemeinen, wieviel Kleinarbeit dazu geh�rte, dass wir alle jetzt so beieinander sein k�nnen. Es ist mir zu Herzen gegangen zu h�ren, wie viele Menschen … zusammengearbeitet haben, um Haus und Garten bei mir sch�n zu machen. Auch da kann ich nur ganz besch�mt "Vergelt's Gott" sagen…"
Der Papstaltar, die 40 Lautsprechert�rme und 10 Gro�bildleinw�nde sind die einzige Hightechware weit und breit. Wohin das Auge der Gl�ubigen schaut: Gepflegtes Ackerland, am Horizont die Domt�rme von Regensburg. Es ist anders als noch auf dem modernen Messegel�nde in M�nchen, erst Recht als im barocken Alt�tting. Die Oberpfalz ist n�chterner, vielleicht auch noch ein bisschen bodenst�ndiger. Land und Leute hatten sich fein gemacht, hier war der Papst wirklich Gast. Dass Bischof Gerhard Ludwig M�ller das Credo einleitete und nicht der Oberhirte selbst, verst�rkte diesen Eindruck noch. 15.000 Ministranten aus dem ganzen Freistaat sorgten f�r fr�hliche Stimmung, schlie�lich waren f�r den Papstbesuch eigens die Ferien verl�ngert worden.
Das Organisationssystem ging auf: Das gef�rchtete Verkehrschaos, das den K�lnern vor einem Jahr die Freude vermiest hatte, blieb aus Die meisten Pilger waren mit Reisebussen gekommen, viele mit Fahrr�dern, die �ffentlichen Verkehrsmittel waren nicht ausgelastet, dabei z�hlte die Bahn schon 130.000 Fahrg�ste. Allein 700 Busse parkten auf der seit Mitternacht gesperrten Autobahn.
Die Di�zese Regensburg hatte unterdessen alles, was f�r ihr kirchliches Leben wichtig ist, auf das Feld gebracht. Die Regensburger Domspatzen sangen, neben dem Altar stand das Kreuz aus der Schottenkirche, mit Heiligenreliquien und Partikel vom Kreuz Christi; unter dem Altartisch lag der Schrein des Bistumspatrons Wolfgang - entsprechend fr�hchristlicher Tradition, an den Gr�bern der Glaubenszeugen Gottesdienst zu feiern. Der Altartisch selbst wird k�nftig in der Pfarrkirche von Pentling stehen.
Die Kirche begeht am 12. September das Fest Maria Namen. Der Papst erinnerte mehrmals daran, war es doch der Namenstag von Mutter und Schwester. Kinder mit kleinen Blumenstr�u�en in der Hand zogen gegen Ende des Gottesdienstes zum 500 Jahre alten Bild der Schutzmantelmadonna, das aus der Dominikanerkirche geholt worden war. Benedikt der XVI. folgte ihnen und betete still.
Die Pilger in Regensburg boten das gleiche Bild wie die M�nchner, es war eine feiernde Gemeinde. Fr�hlich und voller Erwartung vorher, dann still und gesammelt, und danach freudestrahlend und gl�cklich. Jubel entbrannte erst nach dem Segen - bis zum Te Deum.

Ausblick: Was steht noch auf dem Programm des Papstes?
Im Anschluss an die Vorlesung an der Universit�t gilt es dann, der Theologie einen �kumenischen Aspekt zu geben. Der Papst hat bereits bei der Ankunft vom �kumenischen Miteinander gesprochen, bei der �kumenischen Vesper im Dom wird er daran gemessen werden. Eingeladen sind die Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) in Bayern, sowie Vertreter der Juden und der Orthodoxen in Bayern. Neben Di�zesanbischof M�ller nehmen der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Johannes Friedrich, der griechisch-orthodoxe Metropolit von Deutschland, Augoustinos Labardakis, sowie Vertreter der j�dischen Gemeinde daran teil. Anschlie�end f�hrt Papst Benedikt XVI. mit dem Papamobil durch die Regensburger Innenstadt zum Priesterseminar, um dort seinen Bruder zu treffen und die Nacht zu verbringen.
Morgen ist der private Tag des Papstes. Unterbrochen einzig von einer Orgelweihe in der Alten Kapelle in Regensburg. Doch diese Orgel ist ihm gewidmet und der Musikgenuss ist f�r ihn mit Sicherheit ein wenig Erholung. Bei seinem Bruder wird er zu Mittag essen, mit ihm das Familiengrab besuchen, und dann ganz privat ein paar Stunden in seinem Haus in Pentling verbringen. Die n�chste Ansprache des Papstes gibt es erst am Donnerstag im Dom von Freising.
Was berichten deutsche Zeitungen?
Die deutsche Presse ist reich an Papst-Fotos und -berichten, aber arm an Kommentaren. Negative fehlen v�llig. Neben den feiernden Pilgern nimmt der Gesundheitszustand des Papstes breiten Raum ein. Doch w�hrend die italienische Presse Herzalarm ausrief, zitiert die M�nchner Abendzeitung den Malteserarzt in Papstn�he und spricht von "einem kleinen medizinischen Wunder". Der Gesundheitszustand sei erstaunlich.
Die Frankfurter Allgemeine widmet dem strengen Protokoll und straffen Programm die zweite Seite. Die "M�hsal der Pilgerschaft" h�tte der Papst "in �berreichem Ma�e" auf sich genommen. Auf der Titelseite referiert die FAZ die Predigt eines "erfreuten und gl�cklichen" Papstes in Alt�tting. Im Feuilleton geh�rt eine Spalte der M�nchner Predigt vom Sonntag. Der Titel: "Schwerh�rig. Die Afrikaner kommen: Wie uns der Papst missioniert."
Die S�ddeutsche Zeitung hat auf dem Titel nur noch das Papstwappen mit dem Verweis auf den Innenseiten. Die �berschrift: "Papst beklagt Priestermangel". Der sechsseitige Sonderteil ist voll mit Fotos aus Alt�tting im Zeichen des Leitartikels "Schwelgen im Alt�ttinger Gef�hl". Matthias Dobrinski merkt an, was vor Ort viele Journalisten besch�ftigte, aber nur wenige sich zu sagen trauten: "Der Papst h�tte zum Beispiel auch �ber starke Frauen reden k�nnen. Oder, dem Jahrestag entsprechend, vom 11. September 2001." Ein kleiner Kommentar unter vielen anderen.
Alt�tting: "Werdet Priester und Ordensleute!"
Gestern nachmittag hat Papst Benedikt XVI. eine Vesper in der Marien-Basilika mit Ordensleuten und Seminaristen aus Bayern gefeiert. Die Vesper hatte ganz marianischen Charakter. In seiner Predigt ermutigte er dazu Gottes Berufung zu h�ren und ihr treu zu bleiben. "Wir wissen, der Herr sucht Arbeiter f�r seine Ernte. Er selber hat es gesagt: "Die Ernte ist gro�, aber der Arbeiter sind wenige. Bittet daher den Herrn der Ernte, Arbeiter f�r seine Ernte auszusenden" (Mt 9, 37f). Dazu haben wir uns hier versammelt, diese Bitte zum Herrn der Ernte hinaufzuschicken. Ja, die Ernte Gottes ist gro� und wartet auf Arbeiter - in der sogenannten dritten Welt, in Lateinamerika, in Afrika, in Asien warten die Menschen auf Boten, die ihnen das Evangelium des Friedens, die Botschaft von dem menschgewordenen Gott bringen. Und auch im sogenannten Westen, bei uns in Deutschland wie auch in den Weiten Ru�lands gilt, dass die Ernte gro� sein k�nnte.
Aber es fehlten die Menschen, die bereit seien, sich zu Gottes Erntearbeiter zu machen. "Herr, schau die Not dieser unserer Stunde an, die Boten des Evangeliums braucht, Zeugen f�r dich, Wegweiser zum "Leben in F�lle"! Sieh die Welt und la� dich auch jetzt vom Mitleid ersch�ttern! Sieh die Welt an und schicke Arbeiter! Mit dieser Bitte klopfen wir an der T�r Gottes an; aber mit dieser Bitte klopft dann der Herr auch an unser eigenes Herz. Herr, willst du mich? Ist es nicht zu gro� f�r mich? Bin ich nicht zu klein dazu? F�rchte dich nicht, hat der Engel zu Maria gesagt. F�rchte dich nicht, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, sagt er durch den Propheten Jesaja zu uns (43, 1) - zu einem jeden von uns."
F�r die Priester und Ordensleute, seien die t�gliche Messe, das Stundegebet und die Anbetung wichtige Kraftquellen f�r ihren Dienst. Am Ende seiner Ansprache erinnerte der Papst auch an Bruder Konrad von Parzham. Dieser habe als dem�tiger Pfortenbruder immer dem Tabernakel im Blick gehabt, was ihm die Kraft zu seinem schweren Amt gegeben habe. Am Ende der Feier legte Benedikt XVI. seinen ehemaligen Kardinalsring der Gottesmutter von Alt�tting zu F��en. Als Dank und zugleich als Bitte um ihren Schutz, so wie es Tausende Pilger immer wieder tun, um der Gottesmutter von Alt�tting zu danken. ( rv )

 

 

13.09.06

Informationen zum 5. Tag des Papstbesuchs in Bayern

F�nfter Tag der Papstreise durch Bayern
Nach vier anstrengenden Tagen voll Gottesdiensten, Vortr�gen und Begegnungen verbringt Papst Benedikt XVI. den f�nften Tag seiner Bayernreise sehr privat mit seinen Bruder Georg.
Die Weihe der neuen "Benedikt-Orgel" in der Alten Kapelle in der Altstadt von Regensburg war der einzige �ffentliche Termin des Papstes. Benedikt betonte in seiner Ansprache die Rolle von Musik und Gesang im Gottesdienst. Zum Mittagessen ging es dann in das Haus des Bruders. Am Nachmittag beteten die Br�der am Grab ihrer Eltern und ihrer Schwester im Stadtteil Ziegetsdorf ; danach wollten sie ganz privat einige Stunden in dem Haus verbringen, das sich der Theologieprofessor Joseph Ratzinger in den siebziger Jahren am Stadtrand von Regensburg gebaut hat und das dem Papst bis heute geh�rt.
Seit Montag h�lt sich Papst Benedikt in Regensburg auf - seine vorletzte Station in Bayern. Regensburg hatte Papst Benedikt stets als seine "wahre Heimat" bezeichnet. Hier lehrte er acht Jahre lang als Theologieprofessor. Morgen wird der letzte Tag seiner Reise sein. Papst Benedikt XVI. wird sich noch in Freising mit Priestern treffen, ehe er sich am M�nchener Flughafen verabschiedet und nach Rom zur�ckfliegt.
Orgelweihe in Regensburg
Festlich wurde Papst Benedikt heute Morgen in der so genannten "Alten Kappelle" empfangen. Sichtlich erfreut: sein Bruder, der fr�here Leiter der Regensburger Domspatzen und Vollblutmusiker Georg Ratzinger. Er ging seinem Bruder am Eingang der Kirche entgegen. Auch durch Vermittlung von Georg Ratzinger wurde es m�glich, endlich die marode Orgel aus den siebziger Jahren durch eine neue der Schweizer Firma Mathis zu ersetzen. Eigentlich war das Geld ausgegangen bei der Restaurierung der im Rokoko-Stil umgestalteten romanischen Basilika. Doch die Peter-Kaiser-Stiftung aus Liechtenstein war eingesprungen und hatte die Kosten f�r die neue Orgel von �ber 700.000 Euro komplett �bernommen - unter der Bedingung, dass das Instrument "Papst-Benedikt-Orgel" hei�t. Nur so war es m�glich, die Orgel in einer Rekordzeit von nur einem Jahr zu erbauen.
In einem Wortgottesdienst weihte der Papst das Instrument ein. In seiner Ansprache erinnerte er an die gro�e und bis heute lebendige kirchenmusikalische Tradition in der "Alten Kapelle". Musik und Gesang, so Benedikt, seien selbst dem Vollzug der Liturgie zugeh�rig: "Feierliche Kirchenmusik mit Chor, Orgel, Orchester und Volksgesang ist keine die Liturgie umrahmende und versch�nende Zutat, sondern eine wichtige Weise t�tiger Teilnahme am gottesdienstlichen Geschehen."
Dann kam der Papst auf die Orgel zu sprechen, die in der westlichen Tradition einen Ehrenplatz unter den Instrumenten in der Liturgie einnimmt: "Die Orgel wird seit alters und zu Recht als die K�nigin der Instrumente bezeichnet, weil sie alle T�ne der Sch�pfung aufnimmt und die F�lle des menschlichen Empfindens zum Schwingen bringt. Die vielf�ltigen M�glichkeiten der Orgel m�gen uns irgendwie an die Unbegrenztheit und Herrlichkeit Gottes erinnern."
In einer Orgel m�ssten, so der Papst, viele Pfeifen und Register eine Einheit bilden: "Klemmt es hier oder dort, ist eine Pfeife verstimmt, dann ist dies zun�chst vielleicht nur f�r ein ge�btes Ohr vernehmbar. Sind mehrere Pfeifen nicht mehr richtig gestimmt, gibt es Disharmonien, und es wird unertr�glich. Auch die Pfeifen dieser Orgel sind Temperaturschwankungen und Erm�dungseinfl�ssen ausgesetzt."
Das sei ein Bild f�r die Gemeinschaft der Kirche, sagte Benedikt XVI.: "Wie in der Orgel eine berufene Hand immer wieder die Disharmonien zum rechten Klang vereinen muss, so m�ssen wir auch in der Kirche in der Vielfalt der Gaben und der Charismen immer neu durch die Gemeinschaft des Glaubens den Einklang im Lob Gottes und in der geschwisterlichen Liebe finden."
Die gro�en Komponisten h�tten mit ihrer Musik letztlich Gott verherrlichen wollen. Endlich erklang die Orgel zum ersten Mal unter den H�nden des Stiftsorganisten Professor Norbert D�chtel: Er spielte die ber�hmte Toccata von Johann Sebastian Bach in d-moll.
Der prachtvolle Rokoko-Prospekt konnte erhalten werden, nur das Innenleben der Orgel ist neu. F�r die Regensburger ist diese Orgel ein Verm�chtnis, das bleibt und hoffentlich nun noch viele Jahrhunderte das Lob Gottes zum Klingen bringt.

�kumenische Vesper im Dom von Regensburg
Christen aller Konfessionen m�ssen sich in der modernen Gesellschaft gemeinsam f�r die Werte des Lebens einsetzen. Das betonte Benedikt XVI. bei einer �kumenischen Vesper in Regensburg. Die Vesper in Regensburg begann am Abend mit einer Prozession, einem gemeinsamen Pilgerzug aus der Stationskirche St. Ulrich hin�ber in den Dom. Es war ein Zeichen f�r die gemeinsame Pilgerschaft und ein Zeichen, wie wichtig dem Papst diese �kumenische Begegnung war: "Dies ist eine Stunde der Dankbarkeit daf�r, dass wir so miteinander beten d�rfen und aus der Zuwendung zum Herrn zugleich miteinander eins werden."
Papst Benedikt XVI. gilt als Europapapst. Die christlichen Wurzeln Europas sind hier in Regensburg, wo er - wie er selbst sagt - "wirklich daheim" ist, buchst�blich in Stein gemei�elt. Das �lteste Zeugnis christlichen Glaubens im Bistum ist ein Grabstein, um 400 errichtet. Die Di�zese ist ann�hernd 1270 Jahre alt. Hier w�teten Reformation und Gegenreformation. Die Juden wurden 1519 vertrieben, anstelle der Synagoge eine Wallfahrtskirche gebaut, ihr Name "Zur Sch�nen Maria". Durch die Nationalsozialisten wurde sp�ter Domprediger Maier hingerichtet. Regensburg hat �kumenische wie interreligi�se Geschichte.
Entsprechend die G�steliste, besetzt aus Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (AcK) in Bayern sowie Repr�sentanten der Juden in Bayern. Der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich, Metropolit Augustinos und Bischof Gerhard Ludwig M�ller als Vertreter der gr��ten Mitgliedskirchen lasen Psalmen und Lesung.
Der Papst unterstrich auch in dieser Ansprache das Glaubensleben. Sein �kumenisches Credo: "Damit die Welt glaube", m�ssen wir eins sein: Der Ernst dieses Auftrags muss unseren Dialog beseelen."
Bereits bei der Ankunft in M�nchen vier Tage zuvor hatte er sich f�r das �kumenische Miteinander ausgesprochen. Daran w�rde er jetzt gemessen werden. Er unterstrich daher selbst erst einmal positive Beispiele: Die Wiederaufnahme des theologischen Dialogs mit der Orthodoxie und die Unterschrift der Methodisten unter die Gemeinsame Erkl�rung zur Rechtfertigungslehre. Bei allem Willen zum Miteinander und aller Absage an Streit: Der Grundsatz des Papstes bleibt: keine falschen Kompromisse. "Wer Gott ist, wissen wir durch Jesus Christus: den einzigen, der Gott ist. In die Ber�hrung mit Gott kommen wir durch ihn. In der Zeit der multireligi�sen Begegnungen sind wir leicht versucht, dieses zentrale Bekenntnis etwas abzuschw�chen oder gar zu verstecken. Aber damit dienen wir der Begegnung nicht und nicht dem Dialog. Damit machen wir Gott nur unzug�nglicher, f�r die anderen und f�r uns selbst. Es ist wichtig, dass wir unser Gottesbild ganz und nicht nur fragmentiert zur Sprache bringen."
Das hatte Benedikt schon in der ersten Predigt an die Kardin�le am Tag nach seiner Wahl betont. Es ist auch die Linie des P�pstlichen Einheitsrats unter Kardinal Walter Kasper. Wer mit den anderen sprechen will, muss sich zun�chst seiner eigenen Position bewusst sein. Aber alle Christen k�nne man, so der Papst an einem Bekenntnis erkennen: Gott ist in Jesus Mensch geworden. "In diesem gemeinsamen Bekenntnis und in dieser gemeinsamen Aufgabe gibt es keine Trennung zwischen uns." Im Gegenteil, so der Papst: Der gemeinsame Grund m�sse immer st�rker werden. Eine zweite Aufgabe nennt der Papst, wohl anspielend auf das gemeinsame soziale Engagement, den Einsatz f�r das Leben in allen Phasen, die Verbreitung christlicher Werte aber im Spiegel der bisherigen Predigten und Ansprachen bei dieser Reise wohl auch auf den Dialog der Religionen und Kulturen: "In einer Welt voller Verwirrung m�ssen wir wieder Zeugnis geben von den Ma�st�ben, die Leben zu Leben machen. Dieser gro�en gemeinsamen Aufgabe aller Glaubenden m�ssen wir uns mit gro�er Entschiedenheit stellen: Es ist die Verantwortung der Christen in dieser Stunde…"

Papst-Vorlesung an der Uni Regensburg - ein Gespr�ch mit P. Lombardi SJ
Gestern Nachmittag hat Papst Benedikt an seiner alten Universit�t eine Vorlesung �ber Glauben und Vernunft gehalten. Die Rede war eine intellektuell stark verdichtete theologische Vorlesung. Wir fragten P. Federico Lombardi SJ, Direktor des Vatikanischen Pressesaals und von Radio Vatikan, nach den Hauptpunkten.
"Sicher, der Papst hat eine echte akademische Vorlesung gehalten, aber es ist eben die akademische Vorlesung eines Papstes - und da wiederum eines Theologen, der Papst ist. Benedikt hat mutig und deutlich die Harmonie zwischen Glauben und Vernunft erkl�rt. Mehr noch: Es ging um die gegenseitige Notwendigkeit des Glaubens und der Vernunft f�reinander, besonders in Bezug auf das Wohl der Menschheit heute, und zwar in dem Sinn, dass eine auf die Kriterien der Naturwissenschaft oder des Positivismus reduzierte Vernunft nicht auf die gro�en Bed�rfnisse des Menschen von heute antworten kann: das "Woher kommen wir?", "Wohin gehen wir?", wie man die Macht der Technik beherrschen kann, die in unseren H�nden st�ndig w�chst. Es ist also ein weites Konzept der Vernunft vonn�ten - und darin auch der Beitrag des Glaubens; der Dialog zwischen Glauben und Vernunft hat also einen wesentlichen Platz."
- Mit einem Zitat �ber Christentum und Islam des byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaeologus hat der Papst unterstrichen, dass Gewalt der Natur Gottes und der Seele zuwiderl�uft. K�nnen wir diesen Punkt vertiefen?
"Ich w�rde sagen, dass dies sicherlich ein wichtiger Ausgangspunkt seiner Rede ist, aber nicht ihr Ziel. Das Problem von Religion und Gewalt ist in gewisser Weise ein Beispiel. Davon ausgehend, zeigt der Papst die Notwendigkeit des Verstandes sowohl f�r die richtige Entwicklung der Theologie als auch f�r eine richtige Vorstellung von Gott. Aber es ist nicht Ziel dieses Vortrags, das Thema der gewaltt�tigen Verwendung der Religion zu behandeln. Das Beispiel dient dazu, eine Abhandlung zu entwickeln, die viel weiter zu sehen ist, n�mlich eben jene �ber die Beziehung zwischen Glauben und Vernunft, die Bedeutung der Theologie, die W�rde der Theologie als Wissenschaft, ihres Rechts und ihrer Notwendigkeit in der "universitas" des Wissens."
- In diesem Zusammenhang hat er auch vom Dialog zwischen Kulturen und Religionen gesprochen. In welchem Sinne?
"Der Papst stellt deutlich heraus, wie gerade diese weitere Idee der Vernunft, die auch die religi�se Dimension der Beziehung zu Gott und der �berlieferung des Glaubens beinhaltet, wichtig daf�r ist, uns f�r die Begegnung, den Dialog mit anderen Kulturen und Religionen f�hig zu machen. Hingegen ist eine Kultur, die die religi�se Dimension der W�rde des Wissens marginalisiert, unf�hig, anderen gro�en Kulturen zu begegnen, in denen die religi�se Dimension wesentlich ist.
Kann man sagen, dass die letzte Einladung Benedikts XVI. jene war, sich der Weite der Religion zu �ffnen, das hei�t, den Mut dazu zu haben?
Ja, der Mut zur Weite der Religion, darum geht es sicherlich. Die Religion darf in keiner Weise auf mathematisch-naturwissenschaftliche oder experimentelle Kriterien reduziert werden: Diese sind sicherlich existentiell, aber sie erlauben doch nicht, die Weite der gesamten Realit�t, die gesamte Realit�t des Menschen, zu erkennen - eben jene Realit�t im weiten Sinn. Man muss unter "Vernunft" auch das methodische Reflektieren verstehen, das sich tiefgehend und ernsthaft mit den gro�en Fragen des Menschen auseinandersetzt, eben jenes: Woher kommt er, wohin geht er und was ist seine Beziehung zu Gott?"
- Man hat als Zuschauer ein gro�es Interesse der Wissenschaftler im Auditorium bemerken k�nnen, vielleicht sogar eine gro�e Anerkennung. Ist dieser Eindruck richtig?
"Sicherlich. Das war auch ein Beweis der gro�en intellektuellen und kulturellen Gabe des Papstes, der sich hier als eine Pers�nlichkeit auf h�chstem kulturellen Niveau pr�sentiert hat. Und er hat gezeigt, dass er auch sehr schwierige Themen mit einer gro�en Klarheit und F�higkeit zur Synthese angehen kann. Mit dieser Vorlesung lie� er wirklich die Geschichte der Beziehung von Glaube und Vernunft Revue passieren: Vom Alten Testament zur Beziehung zwischen griechischer Rationalit�t und biblischer Kultur; genauso wieder im Alten Testament die griechische �bersetzung der Septuaginta; und dann die Behandlung des Neuen Testaments. Dann sind wir mit ihm in einem gewissen Sinn durch die Theologiegeschichte gegangen: von den V�tern der Reformation �ber Kant bis in die Moderne. Der Papst hat uns also in wenigen Minuten einen �berblick �ber die Kulturgeschichte und die Kulturgeschichte der Theologie geben k�nnen und sie dann auch noch in die aktuelle Situation �bersetzt. Und das hat er mit sehr konkreten Hinweisen getan, so zum Beispiel auf die christlichen Wurzeln Europas, auf die europ�ische Kultur und auf die Sendung, die die europ�ische Kultur weiterhin erf�llen sollte."
Deutschland: Die Presse und der Dialog
Die deutschen Fernsehprogramme sprachen nach dem ersten Tag in Regensburg vor allem von der �kumenischen Vesper, die Vorlesung in der Universit�t wird auf den Satz reduziert:: "Der Papst hat zum Dialog der Kulturen aufgerufen." F�r das ZDF-Morgenmagazin geh�rt der Privattag des Papstes schon nahezu in den Szene-Teil; nach den Nachrichten gibt es das gar Vorhersagen f�rs "Papstwetter".
Warum wird der Universit�tsvortrag so wenig beachtet? Die M�nchner Abendzeitung fasst das Problem in Worte: Es seine Vorlesung �ber "Glaube, Vernunft und Universit�t" gewesen, "die selbst f�r Theologen nicht leicht zu verstehen war".
Demnach haben die �berregionalen Zeitungen wohl gute Theologen. W�hrend sich italienische wie franz�sische Presse auf eine "Islamkritik" des Papstes einschie�en, liegt in Deutschland der Schwerpunkt auf dem Dialog der Kulturen. Die Frankfurter Allgemeine widmet sich auf sechs Seiten dem Tag in Regensburg, druckt die Papst-Vorlesung in voller L�nge. Der Leitartikel: "Der Papst warnt den Westen vor einem Scheitern im Dialog der Kulturen". Der Papst habe "die theologische Summe seines Lebens" gezogen, schreibt Daniel Deckers. Es ging "um die Grundfragen des christlichen Glaubens", "um das Verh�ltnis von menschlicher Vernunft und g�ttlicher Offenbarung". Nur einen Absatz widmet Deckers dem Thema "Heiliger Krieg". Mit dem Verweis auf das Verh�ltnis der Religionen zur Gewalt, ziehe Benedikt "eine Trennlinie, die klare nicht ausfallen kann". Die Zusammenfassung: "Eine Vernunft, … die Religion in den Bereich der Subkulturen abdr�ngt, ist unf�hig zum Dialog."
Die S�ddeutsche Zeitung widmet dem Papstbesuch erneut Titelbild und sechsseitigen Innenteil. Deutschland erlebe ein "Kirchenvolksfest"; dass weniger Menschen als gedacht k�men, sei ein R�tsel, liege aber wohl an der fl�chendeckenden Berichterstattung des Bayerischen Fernsehens und den Verkehrs- und Panikwarnungen von Polizei und Organisatoren. Den Auftritt des Papstes in der Universit�t nennt Matthias Drobinski eine "der besten Zusammenfassungen dessen, was der Gelehrte Joseph Ratzinger zum Verh�ltnis von Glaube und Vernunft gesagt hat". Der Papst h�tte einen "tiefen Einblick in sein Denken" gegeben. Kein Wort von Islamkritik.
F�r die Regensburger Mittelbayerische - �brigens die Zeitung, die der Papst liest - war die Papstrede eine "Sternstunde f�r die Universit�t".
Zur �kumenischen Vesper �u�ern sich die Zeitungen knapper. Die S�ddeutsche schreibt von "vagen Signalen" des Papstes und einer "christlichen �bungsstunde". Klare Kritik in der Augsburger Allgemeinen: Ein Kommentar in der Zeitung aus der Stadt von Religionsfrieden und Rechtfertigungserkl�rung vermisst "konkrete Schritte": Die Situation der Kirchen scheine festgefahren. Benedikt XVI. wisse darum, sehe Handlungsbedarf aber zun�chst bei den Gl�ubigen, nicht bei der Amtskirche. Ein Kommentar, der nicht zu den positiven Stimmen aus der bayerischen evangelischen Landeskirche passt.
Papst in Bayern - ein Gespr�ch mit P. Eberhard v. Gemmingen
Unser Redaktionsleiter Pater Eberhard von Gemmingen hat den Papst nicht nur bei seiner Reise begleitet, sondern hat f�r viele deutsche Medien die Papstreise kommentiert. Pater Eberhard von Gemmingen, wenn Sie die Reise nochmal Revue passieren lassen - was war ihr pers�nlicher H�hepunkt?
"Der gr��te H�hepunkt f�r mich pers�nlich war seine Rede in der Regensburger Universit�t, wo er vor allem etwas zum Dialog mit den Muslimen gesagt hat. Das Entscheidende ist, dass er sagt: "Gott kann nicht mit Waffengewalt seine Botschaften an die Menschen oder seine Religionen voranbringen, sondern Gott ist f�r die Christen der Logos - eigentlich f�r jeden denkenden Menschen - und deswegen muss Religion mit Argumenten, �ber das Hirn und �ber das Gef�hl, das Herz verbreitet werden, und nicht mit Waffen. Er hat das dann weit ausgef�hrt, ich sag das nur mit kurzen Worten, aber dies ist eigentlich der Text, der morgen und in den n�chsten Wochen in allen Zeitungen stehen sollte, denn das ist eine konkrete Aussage zum Dialog mit dem Islam und mit allen Religionen und auch eine Herausforderung f�r die Christen, wie sie ihre Religion verstehen sollen und k�nnen. Das Entscheidende ist: F�r den Papst geh�ren Glauben und Vernunft zusammen."
- Nun sollte die Reise nach Deutschland auch den katholischen Glauben st�rken. Ist von diesem Fr�hling schon etwas zu sp�ren?
"Ja - die Atmosph�re rund um den Papst in Alt�tting und Regensburg etc. ist gro�artig - gar keine Frage - aber vielleicht muss man auch kritisch r�ckfragen, sind das f�nf Prozent der Bev�lkerung, oder zehn, oder drei�ig? Wie oberfl�chlich oder tiefgr�ndig gehrt das? All dies muss sich erst im Laufe der Jahre zeigen. Ob wirklich von diesem Besuch etwas oder gar viel ausgeht, ob die Samenk�rner, die der Papst ausgestreut hat durch seine Predigten, bei den Menschen aufgehen und ob sich die Menschen sozialer und liebevoller verhalten... Wir m�ssen n�chtern und wachsam sein - bei Jesus ging das ja auch nicht so Hauruck-Verfahren, sondern das hat ja auch sehr viele Jahrhunderte gebraucht, bis seine Botschaft sich ein bisschen ausgebreitet hat." ( rv )

 

 

14.09.06

Informationen zum 6. und letzten Tag des Papstbesuchs in Bayern

Sechster und letzter Reisetag - Flughafen: Der Abschied
In einer bewegenden Zeremonie hat Papst Benedikt XVI. zu Mittag von seiner bayerischen Heimat Abschied genommen.
"Allen ein herzliches `Vergelt`s Gott` und `Auf Wiedersehen`, so Gott will!", rief er seinen Landsleuten auf dem M�nchner Flughafen zu. Sonnenschein begleitet Papst Benedikt in seiner Heimat - das betonte auch Edmund Stoiber in seinem Abschiedsgru�: "Denn seit Sie hier sind, strahlt die Sonne mit den Menschen in Bayern um die Wette. Sie haben mit Ihrem Heimatbesuch Hunderttausende von Gl�ubigen in unserem Land unvergessliche Erlebnisse geschenkt. Sie sind der Papst unserer Herzen geworden."
Papst Benedikt erwiderte die freundliche Verabschiedung des bayrischen Ministerpr�sidenten, bedankte sich bei allen Helfern die seinen Besuch erm�glicht hatten, bevor er auf die Sozialenzyklika seines Vorg�ngers Bezug nahm: "Ich unterstreiche das bei diesem Anlass, weil gerade heute, am 14. September, der 25. Jahrestag der Ver�ffentlichung der Enzyklika Laborem exercens ist, in der der gro�e Papst Johannes Paul II. die Arbeit als eine "fundamentale Dimension menschlicher Existenz auf Erden" bezeichnet (Nr. 4) und daran erinnert hat, dass "die erste Grundlage f�r den Wert der Arbeit der Mensch selbst ist" (Nr.6). Sie ist darum "ein Gut f�r den Menschen", merkte er an, "weil er durch die Arbeit nicht nur die Natur umwandelt und seinen Bed�rfnissen anpasst, sondern auch sich selbst als Mensch verwirklicht, ja gewisserma�en mehr Mensch wird" (Nr. 9). Auf der Basis dieser Grundintuition gab der Papst in der Enzyklika einige Orientierungen, die bis heute aktuell sind."
Die Enzyklika, die "prophetischen Wert" besitze, lege er auch den B�rgern seiner Heimat ans Herz, so Papst Benedikt: "weil ich sicher bin, dass seine praktische Anwendung auch f�r die heutige gesellschaftliche Situation Deutschlands von gro�em Nutzen sein kann."
Danach verabschiedete sich Papst Benedikt von den Menschen, die ihn w�hrend seiner Reise begleitet hatte, sch�ttelte vielen pers�nlich die H�nde und nahm die Blumenstr�u�e der Kinder freudig entgegen. W�hrend ein Knabenchor den Andachtsjodler sang, stieg der Papst winkend in den Airbus der Lufthansa "Regensburg".
Freising: Der Papst in seiner Weihekirche
Es gab wohl keinen Freisinger, der nicht auf den Beinen war, an diesem Abschlusstag der Papstreise. Die Schulen blieben geschlossen, die 48.000 Einwohner, allein 6.000 davon Studenten begr��ten den Papst auf den Stra�en, sammelten gar Autogramme. Die Priester und st�ndigen Diakone h�rten in der Weihekirche des Papstes, wie er den Dienst des Seelsorgers und Priesters versteht. Der Papst sprach frei, ohne Manuskript.
Die Bischofsstadt Freising hat eine Tradition von mehr als 1.300 Jahren Sie beginnt im fr�hen 8. Jahrhundert mit dem Wanderbischof Korbinian, bis 1802 residierten hier auf dem Domberg die Bisch�fe und F�rstbisch�fe. Der Freisinger Mohr aus dem Wappen des Papstes ihr ehemaliges Herrschaftszeichen. Ganz nebenbei: Der Dom ist die �lteste Marienkirche Bayerns. Zur�ck zum Papstwappen: Der bepackte B�r der Legende ist hier sowohl Ausdruck seiner Dienstbereitschaft als auch der Verbundenheit mit seinem Weihebistum.
"Dieses ist im Programm die letzte Begegnung vor meiner Abreise aus meinem geliebten Bayern, und ich bin sehr froh, dass sie mit Euch, liebe Priester und Diakone, den lebendigen und erw�hlten Steinen der Kirche, stattfindet." Der junge Joseph Ratzinger hat von 1946 bis 1954 in Freising Theologie studiert, bevor Kardinal D�pfner sp�ter das Priesterseminar nach M�nchen verlegte. Im Freisinger Kapitel der Autobiographie beschreibt Benedikt selbst den Schl�ssel zu seinem priesterlichen Wirken: Nach dem Krieg zweifelte niemand, so der heutige Papst, "dass die Kirche der Ort unserer Hoffnungen war. Sie war trotz mancher menschlicher Schwachheiten der Gegenpol zu der zerst�rerischen Ideologie der braunen Machthaber gewesen." Die Stimmung im Freisinger Seminar sei gepr�gt gewesen von "Dankbarkeit und Wille zum Aufbruch, zum Handeln in der Kirche und f�r die Welt". Dieser Wille stand dem Papst ins Gesicht geschrieben. Und deswegen wollte er hier nicht seine vorbereitete Ansprache halten.
Der Appell des Papstes war klar: "Die Ernte ist gro� und wartet in allen Generationen auf Arbeiter. Gott braucht Menschen. Er braucht solche, die sagen, ja ich bin bereit!"
Doch auch hier wieder die Warnung: Aktionismus hilft nicht. "Das will sagen, wir k�nnen Berufungen nicht einfach machen. Wir k�nnen nicht einfach Leute rekrutieren. … Wir sind gefordert, dass wir Beten, …, dass wir an seinem Herzen r�tteln, tu es doch, r�ttle die Menschen auf…" Das Beten sei vor allem die Aufgabe des Seelsorgers, aus dem Gebet erwachse Gemeinschaft: "Als betende Menschen kommen wir zu den anderen, ziehen sie in unser Gebet und so in die Gemeinschaft mit Gott hinein."
"Die Lasten sind schwerer geworden", sagte der Papst mit Anspielung auf die Zusammenlegung von Pfarreien und den Herausforderungen der modernen Welt. Doch die Aufgabe, Zeugnis in der Welt zu geben, sei nicht geringer geworden. Im Gegenteil. Der Papst, selbst �bersch�umend vor Eifer, betont: "Es muss das Miteinander von Eifer und Demut, der Anerkennung der eigenen Grenzen, geben. … Dieser Eifer, damit er uns nicht zerst�rt, muss sich mit der Demut der Annahme unserer Grenzen verbinden. … So vieles m�sste getan werden, doch so muss ich lernen, das zu tun, was ich kann und das andere den Mitarbeitern �berlassen."
Der Papst war in Freising als junger Student und Priester, sp�ter als Erzbischof und jetzt als Papst. Auf diesem Dreischritt werden seine Worte verst�ndlich: "Du gibst, …, ich �berlasse es Dir Herr, dass Du das andere tust. … Und er wird mir auch Mitarbeiter schenken." Der Papst sprach als Priester zu Priestern. Ohne auch nur noch einen Blick auf das gereichte Manuskript zu werfen, richtete er zutiefst pers�nliche Worte an seine "Mitarbeiter im Weinberg": Gottesdienst betend feiern, das Stundengebet t�glich beten, gab der Papst als Aufgabe mit. "Wir selber als betende Menschen beten aber stellvertretend f�r die anderen, und tun damit einen pastoralen Dienst ersten Grades. Das ist kein R�ckzug ins Private."
Und hier schloss sich der Kreis zur ersten Predigt im Erzbistum M�nchen und Freising. Zu Beginn der Reise hatte Benedikt XVI. bereits den scheinbaren Aktivismus in der deutschen Kirche kritisiert. Hatte er dort unter freiem Himmel noch f�r alle Gl�ubigen gesprochen, st�rkte er heute in der Bischofskirche am Schrein des Bistumspatrons den Seelsorgern den R�cken.

Lehmann, "�kumenischer R�ckenwind"
Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, hatte im Vorfeld des Besuchs stets f�r Verst�ndnis an der Heimatsehnsucht geworben. Direkt nach Ende des Besuchs galt sein Dank den bayerischen Di�zesen: "Das ist ein Dienst an unserem Land. Ich denke, es war auch ein wichtiges Zeichen, das der Papst seine Herkunft und seine Liebe zu diesem Land unterstreicht."
In einer globalen Welt sei das durchaus bedenkenswert, so Lehmann. Seine Bilanz fasste Lehmann in drei Punkte: "Ich fand es sehr gegl�ckt, wie er die W�rde seines Amtes, seiner Person, mit einem sehr einfachen, gescheiten Auftreten verbunden hat. Zweitens: Ich habe den Eindruck gehabt, dass vom Anfang bis zum Schluss ein roter Faden durchging. Auf der einen Seite: Die Schwerh�rigkeit des Menschen im Blick auf Gott �berwinden, da hat er ja durchaus ein kritisches Wort an uns alle gerichtet. Das dritte: Ich fand es besonders wohltuend und anschaulich, wie gerade auch eine bereinigte Volksfr�mmigkeit, wie sie hier in Bayern ganz besonders zu Hause ist, �berall die Menschen angesprochen hat und das der Papst sich dazu bekennt."
Man wisse, dass solche Ereignisse nicht k�nstlich verl�ngert werden k�nnen, aber es "gebe Anst��e", so Lehmann. Er sei �berzeugt, dass der Besuch ein wichtiger, gro�er Beitrag zum Wohl des Landes sei. Und, nicht zu vergessen: "Wir haben jetzt �kumenischen R�ckenwind."
Wetter, "keine Massenbekehrungen"
Der M�nchner Kardinal Friedrich Wetter erinnerte bei der abschlie�enden Pressekonferenz nach Abflug der Papstmaschine an "bewegende Tage, erf�llt von gro�er Freude": "Die Begeisterung war von Anfang an da und man hat gemerkt, dass der Besuch des Papstes in den Herzen der Menschen angekommen war. Man hat auch gemerkt, dass der Papst sich von der ersten Minute an zu Hause gef�hlt hat."
Die gro�e Begeisterung der Bev�lkerung zeige auch die gro�e Akzeptanz des Papst-Amtes: "Der Papst hat uns bei seinen Begegnungen gezeigt, dass er den Menschen nahe sein will. Er h�tte das gerne noch viel mehr getan. … Sehr beeindruckend war die Vesper im Dom mit den Kommunionkindern, diese Unbeschwertheit der Kinder… Die Kirche lebt, und sie ist jung. Das haben wir hier wieder erlebt. Vielleicht haben manche gestaunt, dass sie so jung ist."
Ausdr�cklich dankte Wetter allen, die an der Organisation beteiligt waren, und dem Staat. Ausdr�cklich nannte er auch die Medien, durch sie h�tte die Bayernreise des Papstes weltweite Bedeutung erhalten. "Wir leben vom Ja, nicht vom Nein. Das ist eine durchgehende Perspektive, die sich bei seinen Predigten gezeigt hat. In den Mittelpunkt stellt er die Gottesfrage, weil er besorgt ist um unsere Zukunft in einer s�kularen Welt. Unser Glaube, mit dem wir Gott in unser Leben hereinlassen, hat eine soziale Dimension. … Die Inhalte, die der Papst gesagt hat, sind keine spezifisch bayerischen Probleme, das sind Fragen, die weltweit gelten."
Das Motto der Konferenz: "Wovon das Herz voll ist, l�uft das Herz �ber." Kardinal Wetter war von der letzten Begegnung in Freising besonders beeindruckt: "Es war doch eine sehr nette Art, wir sind sicher, dass die Verbundenheit, die der Heilige Vater mit uns und unserem Land gezeigt hat, die bleibt. Sein Wappen zeigt es uns: Der Freisinger Mohr ist ein R�mer geworden."
Was bleibt von diesem Besuch? Kardinal Wetter blieb realistisch: "Es wird keine Massenbekehrungen geben, aber wenn wir auf die gro�e Beteiligung blicken, dann hat dieser Besuch eine Tiefenwirkung, die nicht morgen und �bermorgen wieder vorbei ist. Ich erwarte mir also eine Verlebendigung und eine Ermutigung zu einem glaubw�rdigen Christuszeugnis."
Stoiber, "Papstbesuch hat etwas ver�ndert"
"Der Besuch des deutschen Papstes in seiner Heimat hat alle Erwartungen noch weit �bertroffen." Davon ist der bayerische Ministerpr�sident Edmund Stoiber �berzeugt. Wenige Minuten nach Abflug zog auch Stoiber gemeinsam mit den Bisch�fen vor der Presse Bilanz. "Sein Besuch wir eine nachhaltige Wirkung auf das gesellschaftliche und religi�se Leben in ganz Deutschland haben. … Der Besuch des Papstes hat f�r den Zusammenhalt unserer Gesellschaft enorme Bedeutung. Der Besuch des Papstes hat etwas ver�ndert in unserem Land."
Stoiber war "tief beeindruckt"; dass der Papst zum Abschied die Bayernhymne zitiert hatte - das r�hrte ihn. Der Papst, so der bekennende Katholik, verbinde Heimatliebe mit einer universalen Botschaft f�r alle Menschen: "Ich verstehe diese Botschaft des Papstes so, dass er uns sagen will: Auch der moderne Mensch soll in seinem Leben und in seinem Herzen Platz f�r Gott lassen. Wir sollen uns in Deutschland und Europa wieder st�rker zu unseren christlichen Werten und christlichen Wurzeln bekennen und sie weitergeben an die j�ngere Generation. Der Papst zeigt uns, dass das Materielle und der technische Fortschritt alleine noch zu keinem erf�llten Leben f�hren."
Das Land Bayern, so betonte Stoiber, ist von den christlichen Grunds�tzen gepr�gt und hat ein besonderes Verh�ltnis zur Kirche. Die Frage nach den Kosten des Papstbesuches k�nne ihn nur verwundern, es sei eine f�r den Staat "zu vernachl�ssigende Gr��e". Kosten f�r die Sicherheit fielen bei jedem Staatsbesuch an.
Der Papst am Ruhetag: "Vergelt`s Gott!"
Nach vier Tagen voller Termine und Zeremonien nahm sich der Papst gestern viel Zeit f�r den privaten Teil seiner Reise. Einzig die Weihe der "Benedikt XVI."-Orgel in der Basilika Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle in Regensburg stand auf dem offiziellen Programm.
Nach einem privaten Mittagessen mit Georg Ratzinger in dessen Haus stiegen die beiden uns Auto, das sie zum Ziegetsdorfer Friedhof brachte. Dort liegt das Familiengrab der Ratzingers. In den Sechzigerjahren, als die Br�der Georg und Joseph in Regensburg neue Stellen angenommen hatten, lie�en sie ihre Eltern aus einem Traunsteiner Grab in die Donaustadt umbetten. Als die Schwester Maria 1991 im Alter von 69 Jahren starb, wurde auch sie in Regensburg beigesetzt. Maria hatte Joseph Ratzinger in Rom den Haushalt gef�hrt und war ihm eine wichtige St�tze. In Stille sprachen die beiden Br�der ein Gebet vor dem Grab.
Anschlie�end fuhren Benedikt und sein Bruder in die nahe gelegene Gemeinde Pentling, wo sie eine Brotzeit einnahmen - an dem Tisch, an dem sie in der Vergangenheit schon unz�hlige Male gegessen und gebetet hatten. Noch immer ist der Papst mit Erstwohnsitz in Pentling gemeldet. Das "H�usl", wie der Papst das Wohnhaus nennt, hat einen frischen Anstrich bekommen, Freiwillige montierten einen neuen Zaun. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung wollen die deutschen Bisch�fe dem Papst anbieten, seinen Urlaub k�nftig in Deutschland und nicht mehr wie bisher, in Norditalien zu verbringen.
Als Papst Benedikt sein Haus in Pentling verlie�, richtete er einige Worte an die versammelten Menschen: "Liebe Freunde, mein Pentlinger Tag geht zu Ende. Ich m�chte am Schluss einfach "Vergelt's Gott" sagen f�r die Nachbarschaft, die ich hier empfangen habe, f�r die Herzlichkeit der Begr��ung, dass ich wirklich mit dem Herzen, mit den Augen, mit allen Sinnen wahrnehmen konnte: Hier bin ich zu Hause. Ich bleibe da auch verwurzelt. Im Geiste sind wir immer beieinander. Ich danke dem lieben Gott f�r den gesegneten Tag, ich danke euch allen f�r die gute Nachbarschaft und w�nsche recht gesegnete Zeit. Gottes Segen euch allen, ich darf euch noch den Segen geben. Es segne euch Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen. Vergelt's Gott." (rv )
 

 

 

15.09.06

Vatikan: Erkl�rung zur Kritik aus der islamischen Welt

�u�erungen des Papstes zum Islam sto�en in der islamischen Welt auf zum Teil heftige Reaktionen. Nach der scharfen Kritik der obersten t�rkischen Religionsbeh�rde verurteilte das pakistanische Parlament heute einstimmig den Vortrag des Papstes, der die Gef�hle der Muslime verletzt habe. Die indische Kommission f�r religi�se Minderheiten erkl�rte, sie f�hle sich an die Zeit der mittelalterlichen christlichen Kreuzz�ge erinnert. Radikale und konservative muslimische Organisationen riefen auch in Indonesien zu Protesten auf.
Der Leiter des vatikanischen Pressesaals, Pater Federico Lombardi SJ, hat nach den ersten Reaktionen auf die Rede gestern eine Erkl�rung zu dem Thema ver�ffentlicht. Hier ist der volle Wortlaut in unserer �bersetzung: "Was die Reaktion einiger islamischer Vertreter auf Stellen in der Papstrede an der Universit�t Regensburg betrifft, ist die Feststellung angezeigt, dass das, was dem Papst am Herzen liegt, eine klare und radikale Zur�ckweisung einer religi�sen Motivation von Gewalt ist. Das ergibt sich aus einer aufmerksamen Lekt�re des Textes. Es war sicher nicht die Absicht des Heiligen Vaters, den Jihad und das islamische Denken dar�ber zu analysieren - und erst recht nicht, die Sensibilit�t islamischer Gl�ubiger zu verletzen.
Im Gegenteil: In den Ansprachen des Heiligen Vaters taucht deutlich die Warnung an die westliche Kultur auf, "die Missachtung Gottes und den Zynismus, der es f�r ein Freiheitsrecht h�lt, das Heilige herabzuw�rdigen" (Ansprache vom 10. September), zu vermeiden. Die religi�se Dimension recht in Betracht zu ziehen, ist tats�chlich eine essentielle Voraussetzung f�r einen fruchtbaren Dialog mit den gro�en Kulturen und Religionen in der Welt. In den Schlussfolgerungen seiner Ansprache in der Universit�t Regensburg hat Benedikt XVI. deshalb betont: "Die zutiefst religi�sen Kulturen der Welt sehen im Ausschluss des G�ttlichen aus der Universalit�t der Vernunft einen Angriff auf ihre tiefsten �berzeugungen. Eine Vernunft, die dem G�ttlichen gegen�ber taub ist und die Religion in den Bereich der Subkulturen abdr�ngt, ist unf�hig zu einem Dialog der Kulturen."
Der Wille des Heiligen Vaters zu einer respektvollen, dialogischen Haltung gegen�ber den anderen Religionen und Kulturen ist also klar, darunter nat�rlich auch dem Islam." (rv)

 

 

15.09.06

Kardinal Bertone wird Nummer zwei im Vatikan

Wechsel im Vatikan: Kardinal Tarcisio Bertone, bisher Erzbischof von Genua, ist seit heute neuer Kardinalstaatssekret�r - und damit im Vatikan die Nummer zwei gleich hinter dem Papst. Im Beisein von Benedikt XVI., mit dem er lange an der Glaubenskongregation zusammengearbeitet hat, �bernahm Kardinal Bertone, der dem Salesianer-Orden angeh�rt, heute sein neues Amt. Mit einer Feier in der p�pstlichen Sommerresidenz Castelgandolfo, an der viele Mitarbeiter des Staatssekretariats teilnahmen, wurde gleichzeitig der bisherige Kardinalstaatssekret�r Angelo Sodano verabschiedet.
Zum neuen "Au�enminister" des Vatikans ernannte Benedikt XVI. den bisherigen Nuntius in Sudan und Eritrea, Dominique Mamberti. Der in Marokko geborene Erzbischof, ein Franzose, gilt als guter Kenner des Islams und wurde im Sudan f�r seine Bem�hungen um gute Beziehungen zum dortigen Regime bekannt. Sein neues Amt im Vatikan hei�t offiziell "Sekret�r f�r die Beziehungen zu den Staaten" im Staatssekretariat des Vatikans. Dort l�st er Erzbischof Giovanni Lajolo ab, welcher k�rzlich zum neuen Gouverneur der Vatikanstadt ernannt wurde. Lajolo ist vor allem den Deutschen noch von seiner Zeit als Nuntius in Berlin in guter Erinnerung. Bisheriger Gouverneur der Vatikanstadt war Kardinal Edmund Casimir Szoka. Franzosen wie Mamberti bekleiden traditionell wichtige �mter an der vatikanischen Kurie. Auch Mambertis Vor-Vorg�nger als "Au�enminister" des Papstes war ein Franzose: Es ist der jetzige Kardinal Jean-Marie Tauran.
In einer Dankansprache erinnerte ein sichtlich bewegter Kardinal Sodano an seinen Amtsantritt 1990. Im Staatssekretariat arbeiteten Priester, Ordensleute und Laien sehr vertrauensvoll im Dienst des Papstes zusammen, so Sodano - "verschwiegen und diskret" wie die Bienen. Er denke gern an das "Teamwork" an seinem bisherigen Arbeitsplatz zur�ck. Bertone wiederum versprach eine "loyale und vertrauensvolle Zusammenarbeit" und erinnerte an die "seelsorgerliche Liebe", die die Mitarbeiter des Papstes antreiben m�sse. Der neue Kardinalstaatssekret�r trug, wie er angab, das Brustkreuz von Kardinal Casaroli, einem gro�en Vorg�nger in seinem neuen Amt. Er habe heute einen Brief an viele kontemplative Kl�ster geschrieben mit der Bitte um Gebet.
Papst Benedikt verlas einen Brief an Sodano, in dem er im lebhaft dankt "f�r die Treue, die erleuchtete Kompetenz, die Hingabe und Liebe, mit der er f�r das Wohl der Kirche mit mehreren Nachfolgern Petri" zusammengearbeitet hat. Er freue sich, auch k�nftig auf Sodano z�hlen zu k�nnen, so der Papst. Sodano ist weiterhin Dekan des Kardinalskollegiums und geh�rt verschiedenen vatikanischen Beh�rden an.
Benedikt verlas au�erdem die lateinische Ernennungsurkunde f�r Bertone und betonte in einer improvisierten kleinen Ansprache, wie wichtig eine reibungslose Zusammenarbeit im Vatikan sei. Erst in seiner Zeit als Pr�fekt der Glaubenskongregation habe er begriffen, "wie viel Kompetenz und Hingabe" im Staatssekretariat des Vatikans anzutreffen sei. Er erinnerte auch an seine Bayernreise, auf der ihn Sodano begleitet hat, und �berreichte dem scheidenden Kardinalstaatssekret�r zum Dank f�r seine Arbeit eine "treue Kopie" des Gnadenbildes von Alt�tting. (rv )

Zur Biographie von Tarcisio Kardinal Bertone.

 

 

15.09.06

Der Papst in Bayern - eine Bilanz von Birgit Pottler

Den "Panzerkardinal" gibt es nicht mehr. Der gestrenge "Gro�inquisitor" ist aus der deutschen �ffentlichkeit verschwunden. So vielf�ltig und hart die Kritik noch vor eineinhalb Jahren, so unisono und nahezu liebevoll jetzt die Begeisterung bei der Papstreise. Wen haben die Deutschen da gesehen?
Deutschland sah einen Papst auf Pastoralreise mit einer Botschaft f�r das Land. Der Heimatbesuch war die literarische Klammer f�r die Aussagen und Gebete als Oberhirte, Bischof, Seelsorger und einfacher Gl�ubiger. Die Stationen seines bayerischen Lebens dienten ihm als Wegmarken, um das zu sagen, was ihm als das Wesentliche erschien: R�ckbesinnung auf den Glauben und dann dessen Vermehrung. In einer Zeit des religi�sen Aufbruchs, wie sie deutsche Kirchenm�nner und Philosophen so gerne beschreiben, hat Benedikt XVI. erkl�rt, um welchen Gott es ihm geht, welchen Gott das Christentum vertritt. Auf dem Marktplatz der religi�sen M�glichkeiten hat er seine Position dargelegt. Und die versagt es ihm, die teils vermissten konkreten Schritte in der �kumene zu benennen. F�r ihn muss sich die katholische Kirche erst auf ihren eigenes Fundament besinnen. Dazu einladen und neu anregen war der Zweck der Pastoralreise; seine leise, mitdenkende Art, das Mittel.
Deutschland sah auch einen Papst, der wei�, sich in jeder Situation anders zu verhalten: In den Gottesdiensten als Beter, Prediger und Seelsorger, in der Universit�t als Theologe und auf der Stra�e eben als sympathischer und gl�cklicher Landsmann. Im s�kularen Umfeld des Flughafens sprach Benedikt XVI. �ber den Wert der Arbeit f�r den Menschen.
Diese Reise hat das Denken Benedikts gezeigt. Nur einmal sprach er von Johannes Paul II., und das beim Abschied. Auch ein Zeichen, dass er seinen eigenen Stil hat. Das Heimatland ist nicht der schlechteste Ort, das zu zeigen.
Jedes Kind kennt in Bayern die Geschichte vom M�nchner im Himmel: Der Engel Aloisius, der auf die Erde geschickt wird, um der bayerischen Staatsregierung die g�ttlichen Eingebungen zu �bermitteln. Vom Papstbesuch, sagt Bayerns Ministerpr�sident werden tiefe Impulse ausgehen. Der Engel Aloisius blieb der Erz�hlung nach in M�nchen, ertr�nkte sein Heimweh im Hofbr�uhaus. Der Herr verzeihe diesen Vergleich: Benedikt hinterl�sst seinen Kardinalsring von fr�her der Schwarzen Madonna von Alt�tting. Er selbst nimmt seinen Botendienst wieder auf. Auch das ein Zeichen, dass diese Reise weltweiten Charakter hat. (rv )

 

 

17.09.06

Jean-Marie Kardinal Lustiger feiert seinen 80. Geburtstag

Der franz�sische Kardinal Lustiger feiert heute seinen 80. Geburtstag und verliert somit sein aktives Wahlrecht bei einem k�nftigen Konklave. F�r das Kardinalskollegium gilt somit folgende Statistik:

  • Kardin�le mit Wahlrecht:       117
  • Kardin�le ohne Wahlrecht:      73
  • Gesamtzahl des Kollegiums:   190

 

 

17.09.06

Papst: Bedaure Reaktionen auf meine Rede

Papst Benedikt XVI. bedauert die Reaktionen in weiten Teilen der islamischen Welt auf einen Teil seiner Rede an der Universit�t Regensburg. Er stehe nicht hinter dem von ihm gebrauchten mittelalterlichen Zitat, so der Papst beim Angelusgebet in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo. Er hoffe, dass die gestrige Erkl�rung des neuen Kardinalstaatssekret�rs Tarcisio Bertone die Gem�ter beruhige. Benedikt lie� auch kurz seine k�rzliche Reise nach Bayern Revue passieren. W�rtlich sagte er: Die Pilgerreise nach Bayern war eine starke spirituelle Erfahrung, in der sich pers�nliche Erinnerungen und pastorale Perspektiven f�r eine wirksame Verk�ndigung in unserer Zeit vermengt haben. Ich danke Gott daf�r und allen, die f�r das Gelingen meiner Reise gearbeitet haben. Bei der n�chsten Mittwochsaudienz werde ich noch mehr dar�ber sprechen - jetzt will ich nur anmerken, dass ich die Reaktionen, welche ein kurzer Passus meiner Rede in der Uni Regensburg hervorgerufen haben, lebhaft bedaure. Dieser Passus wird als Beleidigung der religi�sen Gef�hle von islamischen Gl�ubigen empfunden, w�hrend es sich doch um das Zitat eines mittelalterlichen Textes handelte, der in keiner Weise mein pers�nliches Denken ausdr�ckt. Der Herr Kardinalstaatssekret�r hat gestern eine Erkl�rung dazu ver�ffentlicht, in der er den wahren Sinn meiner Rede verdeutlicht. Die Rede war und ist in ihrer Ganzheit eine Einladung zum offenen und ehrlichen Dialog, mit gro�em gegenseitigem Respekt.
Auf deutsch sagte der Papst: Von Herzen gr��e ich alle deutschsprachigen Gl�ubigen hier in Castel Gandolfo. Heute hei�e ich besonders die Seminaristen aus Fulda und die Pilger aus dem Allg�u willkommen. �Gott, der Herr, wird mir helfen (Jes 50, 9). Diese Gewissheit des Propheten Jesaja aus den Texten der Sonntagsliturgie soll unser Denken und Handeln bestimmen. Ja, wir d�rfen stets auf Gottes Hilfe vertrauen! Er erg�nzt unsere guten Werke mit seiner Gnade und verleiht ihnen Wert f�r die Ewigkeit. - Euch alle begleite Gottes Segen durch diese neue Woche! ( rv )

 

 

18.09.06

Gemmingen: Papst und Muslime einig, 'Man darf Gott nicht durch den Kakao ziehen!"

 

Der Papst hat beim Angelus am Sonntag noch einmal die Reaktionen auf seine Vorlesung in Regensburg bedauert. Wie geht es jetzt weiter? Eine Einsch�tzung von Pater Eberhard von Gemmingen:
"Es reicht sicher nicht, da sich so ein Sturm nicht so leicht bes�nftigen l�sst. Wie geht es weiter? Die Kirche und der Vatikan werden sicher alles tun, was n�tig und m�glich ist f�r den guten Fortgang des Dialogs mit den Muslimen. Aber mir scheint, dass das Ganze eingebettet ist in einen wahrscheinlich schon jahrzehntelangen Prozess des Konfliktes zwischen dem so genannten Westen und der muslimischen-arabischen Welt. Ich w�rde sagen, dass es da zwei Gruppen gibt. Die eine bei den Muslimen, die schie�en wollen und die eigentlich von den gem��igten Muslimen entwaffnet werden sollten. Der gem��igte Islam sollte sich aussprechen und wirklich aktiv werden gegen die Islamisten, die den Islam zu einer Ideologie machen.
Auf der anderen Seite m�ssen wir hier im Westen lernen, was der Papst auch immer wieder sagt, dass man Religionen und Gott nicht durch den Kakao ziehen darf. Die Mohammedkarikaturen waren wirklich v�llig �berfl�ssig, denn sie hatten weder mit Kunst noch mit Pressefreiheit etwas zu tun. Wenn solche Tendenzen weiter gehen, also die Religion des anderen weiter durch den Kakao gezogen wird, dann wird das schlimmer. Und dann ist auch ein Wort eines Papstes wirklich nur ein Tropfen, der das Fass zum �berlaufen bringt. Es geht also eigentlich um einen ganzen Weltprozess und nicht, dass die Kirche irgendwas anderes macht."
Glauben Sie, dass das der Papst vielleicht absichtlich gemacht haben k�nnte, oder war das eher ein Unfall? Wie sieht man das im Vatikan?
"Ich glaube, der Papst ist sich noch nicht gen�gend bewusst, dass er nicht nur als Professor sprechen kann. Er ist immer auch eine politische Stimme, da er Papst ist. Er wird vermutlich merken: ,�Meine G�te, ich kann nicht einfach wissenschaftlich reden, sondern ich muss leider immer dar�ber nachdenken, was das f�r diplomatische Folgen hat.'"
Der Papst hat gestern auch gesagt, dass das Ganze eine Einladung zu einem offenen und ehrliche Dialog mit gro�em gegenseitigen Respekt sein soll. Wie kann das jetzt konkret aussehen?
"Ich w�rde mir pers�nlich w�nschen, dass der Papst noch �fters ganz ausdr�cklich sagt: �Ich habe gr��te Hochachtung vor jedem Muslim, der sich auf seinem Gebetsteppich beugt und Allah anbetet, und ich habe �berhaupt kein Verst�ndnis und keinen Respekt vor Menschen, die die �berzeugung anderer Leute l�cherlich machen. Das sollte er �fters deutlich machen. Heute morgen habe ich von Al-Jazeera-Korrespondenten in Berlin geh�rt, dass die Muslime immer gedacht h�tten, der Papst sei auf ihrer Seite gegen diejenigen, die Religion l�cherlich machen. Und jetzt seien sie entt�uscht, weil sie den Eindruck haben, er ist nicht auf ihrer Seite. Aber sie t�uschen sich."
Manche �rgern sich, dass der Papst sich entschuldigt hat. Dabei hat er das gar nicht, sondern nur sein Bedauern �ber das Missverst�ndnis ausgedr�ckt. Glauben Sie, das war richtig?
"Ja, ich glaube, dass das richtig war. Wenn er sich entschuldigt h�tte, dann h�tte er gesagt: �Ich bin schuldig, ich habe einen gro�en Fehler gemacht.' Aber er hat keinen moralischen Fehler gemacht, f�r den man sich entschuldigen m�sste. Es w�re �berhaupt unehrlich gewesen, wenn er sich entschuldigt h�tte. Er kann nur sagen, �Es tut mir furchtbar leid, dass ihr den Eindruck gewinnen musstest, ich sei gegen euch oder ich respektiere euch nicht." ( rv )

 

 

19.09.06

Vatikan: Geheimarchiv �ffnet neue Pforten

Wie beurteilte der Vatikan die politischen Entwicklungen zwischen Deutschland und Italien? Welches Verh�ltnis pflegte die Katholische Kirche zum Faschismus? Das Spekulieren hat ein Ende - am Montag wurde eine der wichtigsten T�ren des Vatikanischen Geheimarchivs ge�ffnet, die nun den Zutritt zu den gesamten Aktenbest�nden aus der Regierung von Papst Pius XI. erm�glicht. Eines der wichtigsten und schwierigsten Pontifikate des 20. Jahrhunderts von 1922 bis 1939 kann somit aufgearbeitet werden - eine Aufgabe, die Generationen von Historikern besch�ftigen wird, erkl�rt Giovanni Sale, Dozent f�r Zeitgeschichte an der P�pstlichen Universit�t Gregoriana: "Gro�e Bedeutung hat es sowohl f�r die politische Geschichte als auch f�r die Religionsgeschichte - durch die �ffnung wird das Bild der Kirche in jener Zeit neu gezeichnet werden: Es wird eine �berzeugte Kirche im Kampf gegen den Totalitarismus, gegen den Faschismus, gegen den Nationalsozialismus und auch gegen den Kommunismus zum Vorschein treten. Dies wird den Historikern die M�glichkeit geben, die Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts zu �berarbeiten und auf der Basis von neuen wichtigen Dokumenten, neu zu schreiben."
Nach vatikanischem Reglement d�rften die Archivbest�nde eigentlich erst 70 Jahre nach dem Tod Pius XI. freigegeben werden - also im Fr�hjahr 2009. Johannes Paul II. hatte jedoch auf eine rasche �ffnung gedr�ngt, auch um dem Verdacht entgegenzutreten, der Vatikan halte wichtige Informationen unter Verschluss. Viele Historiker warten seit Jahren auf diesen Tag - Sensationslust k�nne der Zugang dennoch nicht befriedigen, so Sale: "Wer sich dem Archiv mit der Intention n�hert, Aufsehen erregende Akten zu finden. So wird er, vom journalistischen Standpunkt aus betrachtet, tief entt�uscht werden. Auf einem so weiten und wichtigen Feld, muss mit einer hermeneutischen Methode vorgegangen werden. Au�erdem muss die historische Arbeit gut organisiert werden. Ich lade also alle Wissenschaftler dazu ein, sich Zeit zu nehmen und eine ernsthafte wissenschaftliche Arbeit zu betreiben, ohne voreingenommen zu sein." ( rv )

 

 

22.09.06

Treffen Benedikts mit Botschaftern aus islamischen L�ndern

Papst Benedikt XVI. wird am kommenden Montag in Castel Gandolfo mit Botschaftern aus mehrheitlich islamischen L�ndern zusammentreffen. Das hat der Vatikan heute best�tigt. Der Papst plane eine Audienz f�r den Pr�sidenten des Dialogrates, Kardinal Paul Poupard. Zu dieser Begegnung seien auch die Botschafter aus mehrheitlich islamischen L�ndern sowie einige Vertreter der islamischen Gemeinschaft in Italien eingeladen. Der Gro�mufti der T�rkei, Ali Bardakglu, hat die Einladung des Papstes an die Botschafter begr��t. Benedikt ziehe offenbar den indirekten Weg einer Entschuldigung f�r seine �u�erungen in Regensburg vor - "aber er hat einen Schritt nach vorne gemacht". ( rv )

 

 

26.09.06

Vatikan: "Milingo ist exkommuniziert"

Der afrikanische Erzbischof Emmanuel Milingo hat sich durch die Vornahme unerlaubter Bischofsweihen selbst die kirchliche Exkommunikation zugezogen. Das erkl�rt der Vatikanische Pressesaal heute in einem Statement. "Verschiedene Kirchenvertreter haben sich vergeblich bem�ht, Erzbischof Milingo zu sprechen, um ihm das Beharren auf skandaltr�chtige Handlungen auszureden", so das Statement, das heute Nachmittag bekannt wurde. Da der Papst "auch vor kurzem noch" gegen�ber diesem "alten Hirten der Kirche", der Milingo sei, ein gewisses "Verst�ndnis" gezeigt habe, habe der Vatikan den Lauf der Dinge erst einmal abgewartet - und zwar "mit wachsamer Geduld". Aber leider habe der fr�here Erzbischof von Lusaka in Sambia, der auch eine Weile an der r�mischen Kurie gearbeitet hat, sich immer mehr auf "eine zun�chst irregul�re Situation" und dann so gar auf einen "immer offeneren Bruch mit der Kirchengemeinschaft" eingelassen, zun�chst mit seiner Hochzeit und am letzten Sonntag dann mit der Weihe von vier Bisch�fen in Washington. Der Vatikan stellt klar: "Durch diese �ffentliche Handlung haben sich sowohl Erzbischof Milingo als auch die vier Geweihten nach dem Kirchenrecht die so genannte Exkommunikation "latae sententiae" zugezogen." Im �brigen erkenne die Kirche solche Weihen "und alle Weihen, die sich daraus noch ergeben m�gen", keineswegs an: Der "kanonische Status der vier angeblichen Bisch�fe sei derselbe wie vor ihrer Weihe".
Aus Sorge um die "Einheit und den Frieden der Herde Gottes" habe der Vatikan gehofft, dass Menschen aus der Umgebung Milingos ihn noch zum "Umdenken und zur R�ckkehr zur vollen Gemeinschaft mit dem Papst" bringen w�rden. "Leider haben die letzten Entwicklungen solche Hoffnungen fast zum Verschwinden gebracht." "In Momenten des Leids f�r die Kirche wie diesem" brauche es intensives Gebet, bittet das Statement ( rv )

 

 

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10/2006

 

 

17.10.06

Mario Francesco Kardinal Pompedda verstorben

Der emeritierte Pr�fekt der Apostolischen Signatur Kardinal Pompedda ist in der Nacht vom 17. auf 18.10.2006 in Rom verstorben. Der geb�rtige Sarde war einer der profiliertesten Kirchenjuristen des Vatikan und wurde 2001 durch Papst Johannes Paul II. in den Kardinalsstand erhoben. Seine Titeldiakonie war “Annunciazione della Beata Vergine Maria in Via Ardeatina”.

 

 

13.10.06

Dino Kardinal Monduzzi verstorben

Der emeritierte Pr�fekt des P�pstlichen Haushalts Dino Kardinal Monduzzi ist heute im Alter von 84 Jahren im Vatikan verstorben. Monduzzi wurde 1986 zum Bischof geweiht und 1998 durch Papst Johannes Paul II. in den Kardinalsstand erhoben. Seine Titeldiakonie war “S. Sebastinao al Palatino”.

 

 

01.10.06

Kardinal Vachon verstorben

Der Alt-Erzbischof von Quebec (Kanada) Louis-Albert Kardinal Vachon ist am 29.09.2006 im Alter von 94 Jahren verstorben. Damit sinkt die Gesamtzahl des Kardinalskollegiums auf 189, von denen 116 derzeit in einem Konklave wahlberechtigt w�ren. Vachon wurde im Jahr 1985 durch Papst Johannes Paul II. in den Kardinalsstand erhoben und war von 1981-1990 an der Spitze des Erzbistums Quebec. Er war Kardinalpriester von S. Paolo della Croce a “Corviale”.

 

 

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11/2006

 

 

21.11.06

Neue CD Kirchengeschichte bei Vatican-History (Vers. 1.206.1.5)

 

Rechtzeitig zum Weihnachtsfest ! Bild vergr��ern

Mit dem aktuellen Datenstand November 2006 ist ab sofort die neueste Version 5 der beliebten CD “Kirchen- geschichte bei Vatican-History” erschienen. Im Vergleich zur vorhergehenden Version ist der Datenumfang von 171 auf 189 MB angestiegen. Alle auf unserer WebSite verf�g- baren Daten zur Kirchengeschichte , einschlie�lich der NEWS sind auf der CD gespeichert. Wie immer, kann der Benutzer die CD direkt vom CD/DVD-Laufwerk oder mit einer Installation auf dem Rechner benutzen.                Zum Bestellservice --> hier

Viel Spa� w�nscht das VH-Team.........

 

 

01.11.06

H ummes neuer Chef der Kleruskongregation

Der brasilianische Kardinal Claudio Hummes wird neuer Pr�fekt der Kleruskongregation. Kardinal Castrillon Hoyos hat aus Altersgr�nden seinen R�cktritt eingereicht. Das gab der Vatikan heute bekannt. Papst Benedikt XVI. ernannte den bereits 72-j�hrigen Erzbischof von Sao Paolo heute zum Nachfolger von Castrillon Hoyos. Das "Klerus-Ministerium" des Papstes ist f�r weltweit 270.000 Di�zesanpriester zust�ndig. Castrillon ist 76 Jahre alt. Er war seit zehn Jahren Pr�fekt der Klerus-Kongregation. Auch nach seinem Abschied von der Spitze dieser Kongregation, bleibt der Kolumbianer Pr�sident der Vatikan-Kommission "Ecclesia Dei", die f�r die Kontakte zu den schismatischen Lef�bvre-Anh�ngern zust�ndig ist. Mit Claudio Hummes kehrt zum ersten Mal seit langer Zeit wieder ein Brasilianer an die oberste Spitze der Kirchenf�hrung zur�ck. Der Franziskaner-Kardinal, der perfekt deutsch spricht, ist ein Seelsorger durch und durch, �kumene-Experte, umg�nglich, ein Mann der Mitte. Hummes wurde 1934 als Sohn deutscher Eltern in der N�he von Porto Alegre geboren; zum Bischof ernannte ihn 1975 Papst Paul VI., und seit 1998 ist er Erzbischof von Sao Paolo, dem gr��ten Erzbistum im katholischsten Land der Welt. 2001 wurde er Kardinal. In Sao Paolo zeigte sich Hummes als engagierter Verfechter der Interessen der Armen; er k�mmerte sich auch besonders um die Priesterausbildung und die Berufungspastoral. ( rv )

 

 

28.11.06

REISE BENEDIKTS XVI. IN DIE T�RKEI:

Benedikt an Bardakoglu: Es geht nur mit Respekt
Vor dem Leiter der t�rkischen Religionsbeh�rde, Ali Bardakoglu, hat Papst Benedikt XVI. das gemeinsame Erbe und die gemeinsame Verantwortung von Christen und Moslems betont. Um die Idee der Br�derlichkeit zu veranschaulichen, nutzte er ein Zitat aus dem 11. Jahrhundert, in dem Papst Gregor VII. zu einem nordafrikanischen muslimischen Prinzen spricht. Auch das Kapitel Religionsfreiheit ber�hrte Papst Benedikt, wenngleich nur mit einem einzigen Satz am Ende der Rede. Hier die Kernaussagen der Ansprache, die wir aus dem Englischen �bersetzten.
"Christen und Moslems geh�ren zu der Familie jener, die an einen Gott glauben und die, entsprechend ihrer jeweiligen Tradition, ihre Abstammung auf Abraham zur�ckf�hren. Diese menschliche und spirituelle Einheit in unseren Urspr�ngen veranlasst uns, einen gemeinsamen Weg zu suchen; denn wir spielen eine Rolle im Streben nach grundlegenden Werten, die so bezeichnend f�r die Menschen unserer Zeit sind. Als M�nner und Frauen der Religion stehen wir vor Herausforderungen, wenn es um die weit verbreitete Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Entwicklung, Solidarit�t, Freiheit, Sicherheit, Frieden, Verteidigung des Lebens und Umweltschutz geht.
Der beste Weg nach vorne ist ein authentischer Dialog zwischen Christen und Moslems, der auf der Wahrheit gr�ndet und sich am aufrichtigen Willen ausrichtet, einander besser kennen zu lernen – im Respekt vor Unterschieden und in Anerkennung der Gemeinsamkeiten. Dies wird zu einem wahren Respekt f�r die verantwortlichen Entscheidungen f�hren, die jede Person trifft, besonders jene, die sich auf grundlegende Werte und pers�nliche religi�se �berzeugungen berufen.
Als Beispiel f�r br�derlichen Respekt m�chte ich einige Worte zitieren, die Papst Gregor VII. im Jahr 1076 an einen nordafrikanischen muslimischen Prinzen richtete, der sich Christen gegen�ber sehr wohlwollend verhalten hatte. Papst Gregor sprach �ber die besondere N�chstenliebe, die Christen und Moslems einander schulden, “weil wir an einen Gott glauben, wenngleich auf verschiedene Weise, und weil wir Ihn jeden Tag als Sch�pfer und Herrscher der Welt loben und preisen.”
Religionsfreiheit, die institutionell garantiert und in der Praxis tats�chlich respektiert wird, stellt f�r alle Gl�ubigen - sowohl f�r Individuen als auch f�r Gemeinschaften - die notwendige Bedingung dar, um im Geist des Dienstes ihren treuen Beitrag zum Bau der Gesellschaft zu leisten, besonders dort, wo es um die Schw�chsten und �rmsten geht."

T�rkei: Erdogan, Besuch "zeitgem�� und wichtig"
"Papst Benedikt XVI. war mit mir einer Meinung, dass der Islam eine Religion der Liebe und des Friedens sei." Das Erkl�rte der t�rkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan nach seinem rund 15-min�tigen Gespr�ch mit dem Papst. Benedikt habe ihm am Flughafen in Ankara auch versichert, ihm sei bewusst, dass der Priestermord in Trabzon im Februar nichts mit dem Verh�ltnis von Christen und Muslimen zu tun habe, sondern ein isoliertes Ereignis gewesen sei.
Der Papst hatte einmal mehr betont, wie wichtig ihm der Dialog der Kulturen sei. Kurz nach seiner Ankunft in Ankara sagte er in den Hallen des Flughafens:
"Ich habe die gro�e t�rkische Kultur immer bewundert, deshalb war es seit Beginn meines Pontifikats mein inniger Wunsch, die T�rkei zu besuchen, die Freundschaft zwischen dem Heiligen Stuhl und der T�rkei zu vertiefen. Ich wollte einen Beitrag leisten zur Begegnung der Kulturen, zur Arbeit f�r Frieden und Vers�hnung. Das ist die Pflicht unserer Zeit."
Erdogan nannte den Besuch des Papstes "zeitgem�� und wichtig". In einer turbulenten Zeit biete die Visite eine Chance, f�r Toleranz und Frieden in der Welt einzutreten.
Erdogan sagte gegen�ber Journalisten, er habe dem Papst �ber die "Allianz der Zivilisation" berichtet, die er gemeinsam mit dem spanischen Ministerpr�sidenten Jose Luis Rodriguez Zapatero leitet. Diese hatte bei ihrem j�ngsten Gipfel in Istanbul einen Appell f�r mehr Verst�ndigung zwischen dem Islam und dem Westen verabschiedet. Benedikt XVI. habe sein Interesse an der Erkl�rung bekundet und um den Text gebeten, der im Dezember den Vereinten Nationen vorgelegt werden soll.

Benedikt XVI: "Pastoralreise mit Ziel Frieden"
Der T�rkeibesuch Papst Benedikt XVI. ist “keine politische Reise, sondern eine Pastoralreise, die den Dialog und die gemeinsame Bem�hung um den Frieden zum Ziel hat.” Daran erinnerte das Kirchenoberhaupt selbst die Journalisten, die ihn auf dem Alitalia-Flug nach Ankara begleiteten. Papst Benedikt sprach vom Dialog zwischen der Kirche und dem Islam und dem Dialog “mit unseren christlichen Br�dern”. Die T�rkei bezeichnete Benedikt als “Br�cke zwischen den Kulturen”. Es ist Tradition, dass der Papst im Flugzeug das Wort an die anwesenden Journalisten richtet.

Ankara. Die Reise beginnt
Um kurz vor 12 Mitteleurop�ischer Zeit ist Benedikt XVI. heute in Ankara gelandet. Hier beginnt der Papst seine mit Spannung erwartete und mit Spannungen begleitete Reise durch die T�rkei.
Es war schon ganz anders, als Vatikan-Journalisten das sonst gewohnt sind, wenn der Papst in ein fremdes Land aufbricht. Keine jubelnden Menschenmassen, keine langen Ansprachen – stattdessen viele Sicherheitsleute mit Handy am Ohr. Kurz vor ein Uhr Ortszeit landet das Flugzeug mit dem Papst an Bord; Benedikt kommt die Gangway hinunter mit schnellen, kleinen Schritten, er tr�gt einen wei�en Mantel und wirkt ziemlich breitschultrig – vielleicht tr�gt er ja doch untendrunter eine kugelsichere Weste, wie ihm das die t�rkischen Beh�rden angeblich dringend empfohlen haben. H�ndedruck mit Ministerpr�sident Erdogan, der f�r die Begegnung mit dem Papst nun doch seinen Abflug zum Nato-Gipfel von Riga verschoben hat; Erdogan tr�gt eine Krawatte in den t�rkischen Landesfarben Rot und Wei� – kleiner Gru� ans Wahlvolk daheim an den Fernsehschirmen. Benedikt wirkt neben dem gro�en und massigen Politiker etwas steif und unter Druck, er l�chelt aber sehr freundlich. Erdogan hingegen blickt eher entschieden drein. Hinter Papst Benedikt: Kardinalstaatssekret�r Tarcisio Bertone mit Sonnenbrille, es ist seine erste Reise in diesem Amt mit Benedikt zusammen.
Der Papst und Erdogan betreten den VIP-Bereich des Flughafens, dort hat man einen Saal f�r ihr Gespr�ch vorbereitet, die Sessel stehen unter einem gro�en Bildnis von Staatsgr�nder Atat�rk, links und rechts die vatikanische bzw. t�rkische Fahne. Zun�chst sieht man Erdogan sprechen; der Papst h�rt freundlich-unbeweglich der Dolmetscherin zu, einer bekannten Schauspielerin �brigens, er wirkt neben Erdogan sitzend fast ver�ngstigt – kennte man denn seine bayerische Hartn�ckigkeit nicht. 25 Minuten Gespr�ch, an dem auch einige Bisch�fe aus der T�rkei teilnehmen; drau�en vor der T�r warten Vatikansprecher Pater Lombardi, der Reisemarschall Gasbarri und, als einziger v�llig entspannt wirkend, mit breitem Lachen, der im Vatikan f�rs �kumenische zust�ndige Kardinal Kasper. Zum Schluss des Gespr�chs �berreicht der Papst dem Ministerpr�sidenten eine Darstellung der r�mischen Engelsburg und auch die Pontifikatsmedaille, die der Politiker etwas ratlos aus dem blauen Etui klaubt, der Papst macht mit ausholender Geste einen Scherz, dann reichen sich die beiden die Hand. Als der Papst kurz danach in seinen Wagen steigt, der ihn nach Ankara hineinbringt, winkt er ganz kurz, schon etwas entspannter. (rv)

 

 

30.11.06

Dritter Tag: Istanbul

Am heutigen Andreasfest hat Papst Benedikt XVI. in Istanbul an der “G�ttlichen Liturgie” teilgenommen, die der �kumenische Patriarch Bartholomaios I. in der Patriarchatskathedrale Sankt Georg zelebriert hat. Diese orthodoxe Messfeier ist der H�hepunkt des Papstbesuches in der T�rkei. Der Heilige Andreas ist der Patron der Kirche von Konstantinopel; traditionell reiste eine vatikanische Delegation an seinem Gedenktag nach Istanbul, um an dieser Feier teilzunehmen. Benedikt XVI. und Patriarch Bartholomaios hielten w�hrend der Liturgie eine Ansprache. Nach einem zusammen auf Latein und auf Griechisch vom Balkon des �kumenischen Patriarchates gespendeten Segen, unterzeichneten sie im Patriarchatspalast eine gemeinsame Erkl�rung.
An Nachmittag stand ein Besuch in der Hagia Sophia sowie in der “Blauen Moschee” auf dem Programm, ein Gebetstreffen mit dem armenisch-apostolischen Patriarchen Mesrob II. in der armenischen Patriarchatskathedrale in Kumkapi sowie eine Begegnung mit dem syrisch-orthodoxen Metropoliten Filuksinus Yusuf Cetin und Oberrabbiner Isak Haleva. F�r den Abend ist ein gemeinsames Essen mit den Mitgliedern der T�rkischen Bischofskonferenz geplant.

Katholiken und Orthodoxe wollen Kirchenspaltung �berwinden – Gemeinsame Erkl�rung unterzeichnet
Papst Benedikt XVI. und der �kumenische Patriarch Bartholom�us I. haben gemeinsam zu einer Ann�herung ihrer Kirchen aufgerufen. Sie wollen die �kumenische Zusammenarbeit in ihren Kirchen weiter vertiefen. Au�erdem treten sie - “bei aller Offenheit f�r andere Religionen” - f�r die St�rkung christlicher Werte in der EU ein und fordern den Schutz religi�ser und kultureller Minderheiten. Mit Blick auf den Terrorismus wird Gewalt im Namen der Religion verurteilt. Das sind die zentralen Aussagen ihrer mit Spannung erwarteten Gemeinsamen Erkl�rung.

Papst und Patriarch feiern gemeinsam das Andreasfest
Vor der Unterzeichung nahm Papst Benedikt XVI. an einem Gottesdienst in der Patriarchatskirche St. Georg teil, die Patriarch Bartholomaois I. feierte. Sie begr��ten sich mit einer Umarmung. Bartholom�us I., der als geistliches Oberhaupt der weltweit mehr als 300 Millionen orthodoxen Christen gilt, ist in der T�rkei offiziell nur als F�hrer der rund 2000 griechisch-orthodoxen Christen in dem Land anerkannt. Die “G�ttliche Liturgie” fand in Phanar in Istanbul – dem “orthodoxen Vatikan” – statt. Beide Kirchenoberh�upter unterstrichen ihren Willen, die Einheit wieder herstellen zu wollen. Die Trennung sei ein "Skandal f�r die Welt", so Benedikt.

Mittwoch Abend fand das erstes Treffen von Papst und Patriarch in Istanbul statt
Gegen 18.30 Mitteleurop�ischer Zeit betrat Benedikt XVI. zum ersten Mal die Patriarchalkirche St. Georg. Sie ist Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut, im byzantinischen Stil, aber ohne Kuppel, um keinerlei Ankl�nge an Moscheen aufkommen zu lassen. Das Oberhaupt der r�misch-katholischen Kirche bekr�ftigte vor dem der griechisch-orthodoxen Kirche die gegenseitige Liebe, die beide Kirchen verbinde. "Auf dem Grund dieser gegenseitigen Liebe haben sich die neuen Beziehungen zwischen den Kirchen von Rom und Konstantinopel entwickelt", so Benedikt, und erinnerte an die Aufhebung des Anathema von 1054 und die Vers�hnungsgesten von Paul VI. und Johannes Paul II. Die sieben �kumenischen Konzile, die in diesem Teil der �stlichen Welt statt gefunden h�tten, seien bleibende Meilensteine auf dem Weg zur vollen Einheit. Das Treffen jetzt m�ge helfen, "die Reise fortzusetzen, die uns zur vollen Vers�hnung und dem Frieden der Kirchen f�hrt".
Der Titel "�kumenischer Patriarch" geht auf die Antike zur�ck; er signalisiert die weltweite Verantwortung des Erzbischofs des "Neuen Rom", auch wenn die heutigen t�rkischen Machthaber sich mit dieser Funktion des Patriarchen nicht anfreunden k�nnen und Bartholomaios und sein Stab sich nicht nur w�hrend der jetzigen Papstreise starken Anfeindungen ausgesetzt sahen.

P. Lombardi hofft auf Verbesserungen f�r Christen
Der Leiter des vatikanischen Pressesaales, P. Federico Lombardi, ist im Tross rund um Papst Benedikt. Unsere Kollegen von der italienischen Abteilung haben P. Lombardi nach seinen Eindr�cken �ber die interreligi�se Bedeutung der T�rkeireise des Papstes gefragt.
“Benedikt XVI. konnte grundlegende Prinzipien des Dialogs mit den Moslems unterstreichen, etwa im Gespr�ch mit dem Leiter der Religionsbeh�rde, Ali Bardakoglu. Bei diesem Treffen waren ja auch die beiden Gro�muftis von Istanbul und Ankara dabei, bedeutende Pers�nlichkeiten der muslimischen Gemeinde. Benedikt hat nochmals die Prinzipien des Dialogs und des gegenseitigen Respekts betont, von denen er schon in den vergangenen Monaten mehrmals gesprochen hat; und er hat die Gemeinsamkeiten betont, den Glauben an einen einzigen Gott, die gemeinsame Sorge f�r die spirituelle Dimension des Menschen in der heutigen s�kularisierten Welt. Damit kann der interreligi�se Dialog weiter arbeiten.”
Auch die Religionsfreiheit hat Benedikt gegen�ber seinen muslimischen Gespr�chspartnern nicht ausgespart.
“Dieses Thema muss in der T�rkei vertieft werden, denn es ist in der t�rkischen Verfassung pr�sent. Sie garantiert als laizistischer Staat ausdr�cklich das Recht auf Religionsfreiheit. Vielleicht zeigt sich das eher beim Kult oder beim spirituellen Leben der Individuen und weniger im Leben der Religionsgemeinschaften. Es gab auch einen Moment – in einem Gespr�ch des Papstes mit dem Vize-Premier – in dem konkrete Probleme angesprochen wurden, vor denen katholische Gemeinden in der T�rkei stehen. Da ging es um Privateigentum und auch um den Wunsch nach einem Treffen zwischen Regierung und Religionsvertretern, damit man diese Probleme angehen kann. Alles in allem ist das ein positiver Weg, der auch zur Verbesserung des Glaubenslebens der katholischen Gemeinschaften beitragen kann.”

Die Bilanz unseres Korrespondenten in Istanbul: Stefan Kempis
Unser Kollege Stefan Kempis beh�lt f�r uns in Istanbul das Geschehen um Blick. Stefan Kempis, bei den Begegnungen zwischen Papst Benedikt und Patriarch Bartholomaios seit gestern Abend sah man nichts als freundliche Gesichter, gro�e Herzlichkeit zwischen den beiden. Hat sich etwas von der Freude dieser br�derlichen Begegnung auf das muslimische Istanbul �bertragen?
“Man hatte auch heute Morgen bei der g�ttlichen Liturgie gesehen, die beiden haben sich sehr umarmt und richtig gedr�ckt dabei. Aber die Moslems hier beobachten das eher, mit ein bisschen Misstrauen, auch weil der Papst das Wort �kumenisches Patriarchat in den Mund genommen hat, was ihnen nicht passt, dieser Anspruch. Und man muss sagen, hier in Istanbul �rgern sich die Leute vor allen Dingen, weil sie zu Fu� gehen m�ssen. Es sind gr��te Teile des Stadtzentrums vollst�ndig abgesperrt, auch die Br�cken. Und man kann nur noch stundenlange Fu�m�rsche durch die Stadt auf sich nehmen. Freude kann bei so etwas eigentlich nicht �berspringen.”
F�r Bartholomaios jedenfalls ist die Tatsache, dass der Papst zu ihm nach Istanbul kommt, eine gro�e Sache. Der Patriarch ist ja als Ehrenoberhaupt der Orthodoxie, obwohl manche das nicht gerne h�ren, praktisch die orthodoxe Entsprechung zum katholischen Papst. Doch in Istanbul z�hlt die orthodoxe Gemeinde heute nur ein- bis zweitausend K�pfe. Welchen kirchenpolitischen Gehalt birgt dieses br�derliche Gipfeltreffen, wie bedeutsam ist es letztlich?
“Es ist ein wichtiges Startsignal f�r eine pers�nliche Beziehung zwischen Benedikt und Bartholomais, und als solches kann man es gar nicht untersch�tzen. Denn es liegt oft an solchen kleinen Einzelheiten, am pers�nlichen Kontakt wie die �kumene weitergeht. Dass der theologische Dialog f�r ein paar Jahre unterbrochen war, hat sicher mit den pers�nlichen und gar nicht nur mit theologischen Fragen zu tun. Ansonsten kirchenpolitisch trumpft nat�rlich Bartholomais auch mit seinem hohen Gast aus Rom auf und macht darauf aufmerksam, dass es in Istanbul ein kleines, aber feines, weil doch �kumenisch bedeutendes Patriarchat gibt. Er versucht also die Aufmerksamkeit dazu zu nutzen, gegen�ber den t�rkischen Beh�rden etwas mehr Spielraum zu gewinnen.”
Wie unbeliebt macht er sich damit?
“Er ist schon sehr unbeliebt, das merkt man wenn man hier die Zeitung lie�t. Die Fotos zeigen ihn so ung�nstig wie m�glich. Der Papst wird ja noch einigerma�en akzeptiert von den T�rken, aber Bartholomaios ist in der �berw�ltigenden Mehrheit der Bev�lkerung einfach unbeliebt und nicht sehr erw�nscht. Er gilt als St�renfried, der trotzig, hartn�ckig auf uralten Anspr�chen besteht, �ber die die Zeit doch eigentlich hinweggegangen sei.”
Kardinal Walter Kasper, der �kumene-Chef des Papstes, hat, wie es hei�t, bis zur allerletzten Sekunde an der Gemeinsamen Erkl�rung gefeilt. Den gro�en �kumenischen Durchbruch bringt das Dokument nicht, das hatte aber auch niemand erwartet. Gibt es aus dennoch bahnbrechend Neues in dem Text?
“Bahnbrechend Neues w�rde ich nicht sagen. Es hat etwas Feierlich, Starres, dieses Papier. Es stimmt, dass Kardinal Kasper und auch andere Kardin�le sehr lange �ber den Text gebr�tet haben. Wir haben das in unserem Hotel gesehen, die sa�en im Restaurant. Wir konnten nicht rein, das ging bis nach Mitternacht, wurde da debattiert. Dann liest man so einen Text nat�rlich noch sehr viel interessierter, wenn man das gesehen hat. Und dann findet man doch Sachen, die eigentlich auch in jeder Papstrede vorkommen k�nnten. Ich glaube der entscheidende Punkt war wohl, die EU soll daf�r sorgen, dass die T�rkei Minderheiten respektiert. Das wurde ein bisschen durch die Blume in dieser Erkl�rung ausgesprochen. Und das ist nat�rlich ein heikler Punkt. EU misch dich bitte in die t�rkischen Angelegenheiten ein, damit wir als Christen in der T�rkei �berleben k�nnen. So etwas diplomatisch zu formulieren, ist keine Kleinigkeit.”

Al Kaida macht dem Papst keine Sorgen
Die angeblichen Terrordrohungen von "Al Kaida" sind f�r den Vatikan kein Anlass zur Sorge. Vatikan-Sprecher P. Federico Lombardi erkl�rte am Mittwoch Abend in Istanbul: "Es gibt keine Besorgnis, weder von Seiten des Papstes noch von Seiten seines Gefolges". Botschaften wie diese best�tigten lediglich ein Mal mehr, die Dringlichkeit, dass "alle Kr�fte, die gegen den Einsatz von Gewalt" seien, gemeinsam arbeiteten. Alle Religionen m�ssten gemeinsam betonen, dass sie den Einsatz jeglicher Gewalt im Namen Gottes entschieden ablehnen, so Lombardi.
Zuvor war im Internet eine El Kaida zugeschriebene Erkl�rung aufgetaucht, die den T�rkei-Besuch Benedikt XVI. als einen "Kreuzzug gegen den Islam" verurteilte, der die T�rkei der muslimischen Welt entfremden. Verantwortlich f�r die Drohung sei die Gruppe "Islamischer Staat im Irak", die nach eigenen Angaben Teil des Terrornetzwerks ist. ( rv )

 

 

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12/2006

 

 

01.12.06

REISE BENEDIKTS XVI. IN DIE T�RKEI:

Papst Benedikt XVI.: "Ein Teil meines Herzens bleibt in Istanbul"

Papst Benedikt ist zur�ck in Rom. Nach einer an Begegnungen und Emotionen dichten viert�gigen T�rkei-Reise verabschiedete er sich auf dem Flughafen in Istanbul mit den Worten: "Ich habe tiefe Dankbarkeit in meinem Herzen, und ein Teil meines Herzens bleibt auch in Istanbul". Er freue sich, wenn sein Besuch zum besseren Verst�ndnis zwischen den Kulturen, besonders zwischen dem Islam und dem Christentum, beigetragen und �ber die Reise hinaus einen positiven Effekt habe.

Der Besuch in der Blauen Moschee
Die internationale meistbeachtete Geste des katholischen Kirchenoberhauptes in Istanbul war das Gebet, das Benedikt in Stille in der Blauen Moschee sprach.
Was der Papst in der Hagia Sophia aus wohl�berlegten Gr�nden nicht tat, war ihm wenige Minuten sp�ter in der Moschee gestattet: das Gebet. Der Gro�mufti von Istanbul, Mustafa Cagrici, begleitete den Papst auf dem Rundgang durch das islamische Gebetshaus. Benedikt schritt in wei�en Str�mpfen, wie jeder andere Besucher einer Moschee hatte er am Eingang die Schuhe ausgezogen. Vor der Mihrab, der nach Mekka ausgerichteten Gebetsnische, halten der Mufti und der Papst inne. Seite an Seite sprechen die beiden Religionsf�hrer zu Gott; der Mufti betet laut, Benedikt leise. “Ein pers�nliches, aber kein �ffentliches Gebet”, kommentiert wenig sp�ter Vatikansprecher P. Federico Lombardi diese Geste.
Papst Benedikt ist das zweite katholische Kirchenoberhaupt, das eine Moschee betritt. Johannes Paul II. hatte in Damaskus ein islamisches Gebetshaus aufgesucht. Der Besuch in der Blauen Moschee war kurzfristig ins Reiseprogramm aufgenommen worden; auch die �rtliche N�he zur daneben gelegenen Hagia Sophia spielte eine Rolle. Die ehemals bedeutendste Kirche der orthodoxen Welt, die sp�ter zur Moschee wurde, ist heute ein Museum.
Nach dem Besuch in der Hagia Sophia und der Blauen Moschee stand der gestrige Abend f�r Papst Benedikt ganz im Zeichen der �kumene und sogar des Dialogs mit den Juden. Er traf zwei christliche Religionsf�hrer, den syrisch-orthodoxen Metropoliten Filuksinus Yusuf Cetin und zuvor den armenisch-apostolischen Patriarchen Mesrob II. Bei dieser Begegnung w�rdigte der Papst den Glauben der Armenier, “der vor allem im vergangenen Jahrhundert unter tragischen Umst�nden von einer Generation an die n�chste weitergegeben wurde”. Benedikt spielte damit auf den V�lkermord an den Armeniern an, dessen Erw�hnung in der T�rkei politisch unerw�nscht ist. Im Anschluss stand ein kurzes Treffen mit dem t�rkischen Oberrabbiner Isak Haleva auf dem Programm.

Das neue Pfingsten in Istanbul
Mit einer bewegenden Messe in der katholischen Kathedrale von Istanbul hat Papst Benedikt XVI. das Besuchsprogramm seiner viert�gigen T�rkei-Reise beendet. Der Gottesdienst in der nur wenige hundert Menschen fassenden Heilig-Geist-Kirche war erneut von Appellen zur Einheit unter den Christen gepr�gt.
Der Papst beschwor ein neues Pfingstfest und die Sprachenvielfalt in der Messe gab ihm Recht. Er selbst sprach T�rkisch, Franz�sisch, Italienisch und Latein, die Ch�re sangen aram�isch, armenisch, syrisch, deutsch und der Patriarch sprach griechisch.
Die Gl�ubigen in der Kirche waren handverlesen, unter ihnen der Ehrengast Bartholomaios I, Vertreter verschiedener Riten und Konfessionen, und einige Politiker. Benedikt XVI. feierte Gottesdienst ganz im Sinn des �kumenischen Anlasses seiner Reise. Schon Johannes Paul II. hatte an gleicher Stelle betont, “dass das heraufziehende neue Jahrtausend “auf einer Kirche aufbaut, die ihre volle Einheit wieder gefunden hat, um besser Zeugnis zu geben, um die schrecklichen Spannungen dieser Welt zu �berwinden mit der alles �bersteigenden Liebe, die Gott in seinem Sohn sichtbar macht” (Predigt in der Kathedrale von Istanbul, N. 5). Dieser Wunsch ist noch nicht wahr geworden, aber das Verlangen des Papstes ist noch immer das gleiche.”
Und deswegen m�sse die “�kumenische Perspektive” an erster Stelle stehen, das Sorgen der Kirche bestimmen, so der Papst. Die zweite Sorge seiner T�rkeireise sprach Benedikt an: Die kleine bedrohte Schar der Christen. Ihnen vor allem machte er Mut.
“Wie k�nnten die Christen das, was sie empfangen haben, alleine f�r sich behalten? Wie k�nnten sie diesen Schatz einbehalten und diese Quelle verbergen? Die Mission der Kirche besteht nicht darin, Macht zu verteidigen, auch nicht darin, Reicht�mer zu besitzen. Ihre Mission ist es, Christus zu schenken, am Leben Christi teilhaben zu lassen.”
Indirekt, aber mit konkretem Bezug zum Alltag der Christen in Istanbul, erinnerte Benedikt an das Problemthema: Religionsfreiheit. “Eure Gemeinschaften kennen den dem�tigen Weg, jeden Tag gemeinsam mit denen zu leben, die unseren Glauben nicht teilen, aber "sich zum Glauben Abrahams bekennen und mit uns den einen Gott anbeten, den barmherzigen” (Lumen Gentium, 16), Ihr wisst gut, dass die Kirche niemandem etwas aufzwingen will, dass sie schlicht frei sein will, zu offenbaren, was sie nicht verbergen kann.”
Die historische �kumenische Geste gab es am Ende. In der G�ttlichen Liturgie zum Andreasfest hatte der Patriarch den Papst gebeten, das Vater Unser zu sprechen, in der katholischen Messfeier umarmte der Mann vom Stuhl Petri den vom Stuhl Andreas zum Friedensgru� und �berlie� ihm das Segensgebet auf Griechisch. In der Kirche: Jubel, Schleier, die von den Haaren herabfallen, so sehr klatschen und springen ihre Tr�gerinnen. Vor der Kirche: Tumultartige Szenen, lachende Menschen und eine neu gesegnete Statue von Johannes XXIII. Sie k�nnen doch mit den P�psten, die Menschen in der T�rkei. Die mit Spannung erwartete T�rkeireise hatte ein frohes Ende gefunden. Vor der Messe hatte der Papst Friedenstauben aufsteigen lassen, die ihm ein B�rgermeister Istanbuls reichte.

T�rkische Jugendliche an den Papst
T�rkische katholische Jugendliche wollen eine Reihe von Treffen ins Leben rufen, um sich mit jungen Katholiken aus anderen L�ndern auszutauschen. Das schreibt eine 150-k�pfige Gruppe Istanbuler M�dchen und Jungen in einem Brief an Papst Benedikt. “Als junge Christen in der T�rkei befinden wir uns in einer Lage der Minderheit und der Diaspora”, so der Text des Schreibens. Die Jugendlichen versicherten, auch in einem Umfeld der Globalisierung, die jungen Leute “k�nstliches Gl�ck” in Aussicht stelle, in ihrem christlichen Glaubensleben verharren zu wollen.

Benedikt in der T�rkei: Eine Bilanz
Vier Tage dauerte Papst Benedikts Reise in die T�rkei. Eine bilanzierende Einordnung von unserem Mann in Istanbul, Stefan Kempis. Was hat der Papst unmittelbar erreicht?
“Unmittelbar erreicht hatte ein Stimmungsumschwung. Vorher war ja die Stimmung noch sehr unfreundlich. Allein durch sein Erscheinen und dass er sehr freundlich, sehr aufmerksam, sehr neugierig gewirkt hat, hat Benedikt daf�r gesorgt, dass dieser Eindruck von Regensburg, der Papst will uns angreifen, der will uns was ans Zeug flicken, korrigiert worden ist. Er hat �berrascht durch seine freundliche und bescheidene Art. Das ist was er unmittelbar erreicht hat, aber was dar�ber hinausgeht, ist schwer zu sagen. Und da sollte man auch nach all diesen noch so sch�nen Bildern aus Istanbul doch etwas skeptisch sein. Es wird sich f�r die Christen hier in der T�rkei nicht so schnell jetzt alles �ndern und es wird sich auch zwischen Vatikan und T�rkei, zwischen dem Staat T�rkei und seinen Minderheiten nicht schnell und messbar etwas �ndern. Eigentlich hat der Papst nur versucht, und wenn ihm das gegl�ckt ist, dann ist das schon toll, den Status quo f�r die Kirchen einigerma�en zu halten, dass da keine Verschlechterung eintritt.” ( rv )

 

 

15.12.06

Kardinal Pappalardo verstorben

Der emer. Erzbischof von Palermo, Salvatore Kardinal Pappalardo ist am 10.12.2006 im Alter von 88 Jahren verstorben. Er wurde 1941 zum Priester und 1966 zum Bischof geweiht. 1970 ernannte ihn Papst Paul VI. zum Erzbischof von Palermo (bis 1996) und 1973 kreierte er ihn zum Kardinal. Als Erzbischof von Palermo war Kardinal Pappalardo bekannt f�r seinen Kampf gegen das organisierte Verbrechen.

 

 

24.12.06

Roms Hauptbahnhof erinnert k�nftig an Papst Johannes Paul II.

Roms Hauptbahnhof tr�gt k�nftig den Namen des Vorg�ngers von Papst Benedikt XVI. Bei der offiziellen Feier zur Umbenennung in Bahnhof “Termini Giovanni Paolo II.” erinnerte Roms Kardinalvikar Camillo Ruini an die �ber hundert Auslandsreisen, mit denen das vor eineinhalb Jahren verstorbene Kirchenoberhaupt seine Botschaft in die Welt trug: “Durch diese Reisen, durch sein Wort, das Zeugnis seines Lebens und seines Gebets hat Johannes Paul II. die Menschheit geeint. Er war ein gro�er Einiger, ein gro�er Erbauer des Friedens unter den Menschen.”
Kardinal Staatssekret�r Tarcisio Bertone erz�hlte bei der Zeremonie in Anwesenheit von Roms B�rgermeister Walter Veltroni eine Begebenheit aus dem Leben des verstorbenen Papstes, dem Roms Hauptbahnhof k�nftig gewidmet ist: “Ich erinnere mich noch heute an das erste Mal, dass Kardinal Wyszynski und Karol Wojtyla im Jahr 1962 nach Rom kamen. Wyszynski war kurz vorher aus der Haft entlassen worden, der junge Bischof Wojtyla begleitete ihn nach Rom, um am Konzil teilzunehmen. Als sie auf diesem Bahnhof ankamen, erwartete sie eine riesige Menschenmenge. Als der Zug aus Warschau ankam, lehnte Kardinal Wyszynski sich aus dem Fenster seines Abteils und wurde begeistert begr��t. Eine Frau reichte ihm einen Strau� rote Rosen. Der Kardinal segnete die Anwesenden, stieg in Begleitung von Karol Wojtyla aus, und begann seine Teilnahme am Zweiten Vatikanischen Konzil.” (rv)

 

 

24.12.06

Papst fordert zum Einsatz f�r Frieden und Gerechtigkeit auf

Papst Benedikt XVI. hat die Christen aufgefordert, an Weihnachten mit den Menschen solidarisch zu sein, die das Fest in Trauer, Einsamkeit und Krankheit verbringen. Beim Angelusgebet am vierten Advent rief er dazu auf, sich f�r Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen: “Jesus wird in der Armut von Bethlehem geboren. Er will unser aller Wegbegleiter werden. Niemand ist ein Fremder in dieser Welt, seit er sein Zelt dort aufgeschlagen hat. Wir sind alle auf der Durchreise, aber Jesus gibt uns das Gef�hl, auf dieser Erde zu Hause zu sein. Er fordert uns aber auch auf, dort alle willkommen zu hei�en. Die Aufgabe der Gl�ubigen ist es, immer mehr Vorurteile abzubauen, Grenzen einzurei�en und Gegens�tze zu �berwinden, die uns voneinander trennen und V�lker einander zu Feinden machen, damit wir eine Welt der Gerechtigkeit und des Friedens aufbauen.”
Zu den Pilgern deutscher Sprache sagte Benedikt nach dem Angelus: "An diesem vierten Adventssonntag richte ich einen herzlichen Gru� an alle deutschsprachigen Pilger. Voll freudiger Erwartung blicken wir auf die schon nahe Feier von Weihnachten. Mit Maria wollen wir uns auf die Geburt unseres Erl�sers Jesus Christus vorbereiten. �ffnen wir unser Herz f�r sein Kommen, damit er uns und der ganzen Welt sein Licht und seinen Frieden bringe. Euch und euren Familien w�nsche ich einen gesegneten Heiligen Abend! " ( rv )

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Alle mit “rv” gekennzeichneten Berichte und Nachrichten, mit freundlicher Genehmigung von “Radio Vatikan” in Rom.

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